nVidia GeForce 3080 (Herstellerrender)

Da hat nVidia definitiv eine Bombe platzen lassen vergangenen Dienstag mit der Ankündigung der GeForce RTX 3090 (1.500€), 3080 (700€) und 3070 (500€). Die 2000er Serie fand sogar ich als Hardwaren00b eher „meh“. Der Leistungszuwachs im Vergleich zur 1000er Serie war nicht signifikant (bzw. teilweise gar nicht vorhanden), die Preise selbst für nVidia-Verhältnisse absolut Banane und RTX zwar eine coole Sache auf dem Papier aber die Performance war Mist und es gibt bis heute einfach zu wenig praktische Einsatzzwecke für den normalen Gamer – Control und Metro Exodus sind aktuell wohl die einzigen, echten Vorzeigeprojekte, die wirklich von RTX profitieren.

Die Anzahl der relevanten Titel hat sich zwar (noch) nicht geändert. Aber die nächste Konsolengeneration steht bevor und neben „SSD“ (sogar World of WarCraft: Shadowlands setzt nun eine SSD voraus) ist „Raytracing“ ein großes Stichwort bei Microsoft und Sony. Entsprechend dürfte auch bei den Spieleentwickler das Thema nun etwas mehr an Fahrt gewinnen. Und nVidia behauptet natürlich auch gleich, dass die Ampere-Karten mit der PlayStation 5 und der Xbox Series X den Boden aufwischen. Der Releasezeitraum der neuen Karten ist sicherlich nicht ohne Grund gewählt. Quasi „Kauft euch unsere Grafikkarte und lasst die Konsole im Laden stehen“. Und ehrlich gesagt? nVidia hat Recht!

Das Ende des vierzigjährigen Krieges?

Horizon: Zero Dawn (PC-Herstellerbild)

Bei Microsoft gibt es faktisch überhaupt keine Xbox Series X-exklusiven Titel mehr. Stattdessen haben sich die Redmonder zur Freude aller Spieler voll dem „Play Anywhere“-Thema verschrieben – inkl. zeitgleichen Releases sowohl auf PC und sogar Xbox One. Und selbst Sony scheint mittlerweile zähneknirschend eingesehen zu haben (u.a. vermutlich dank der PC-Verkaufszahlen von Death Stranding und Horizon: Zero Dawn – Gott, sieht da der Port geil aus), dass es absolut keinen Sinn mehr macht den Haufen Kohle am Straßenrand liegen zu lassen, den der PC-Markt dort hinterlassen hat. Mal abgesehen davon, dass der Portierungsaufwand heutzutage echt nicht mehr hoch sein dürfte. Die letzte Generation war ja bereits sehr nah an der PC-Architektur dran. Mit der nächsten werden die Unterschiede noch kleiner. Ich stimme der PC Gamer also zu, wenn sie titelt „Well, I guess we won the console war”.

Wobei: Nicht ganz. Es gibt da ja noch Nintendo, die vehement gegen den Strom schwimmen und damit weiterhin extremen Erfolg haben. Nächstes Jahr soll angeblich (das Gerücht wurde schon öfters verbreitet) sogar eine neue Version der Switch erscheinen mit 4K-Unterstützung anstatt einer „echten“ neuen Konsole. Fände ich super – irgendwann kaufe ich sie vielleicht auch mal :wink: . Dass sie sich aber trotz oder gerade wegen ihres Erfolges sich jedes Mal wieder echt totalen Schwachsinn einfallen lassen hingegen nicht.

Der Aus-der-Reihe-Tänzer

Ein aktuelles Beispiel sind die Veröffentlichungen zum 35. Geburtstag von Super Mario Bros.. Dazu gehören Super Mario Bros. 35 (eine Art Battle Royale/Tetris 99 für 35 Spieler auf Basis des Klassikers) sowie die Compilation Super Mario 3D All-Stars (Super Mario 64, Super Mario Sunshine und Super Mario Galaxy erstmals für Switch) und Super Mario 3D World + Browser’s Fury.

Super Mario Bros. 35 (Herstellerbild)

Eine absolut geniale und völlig überraschende Ankündigung aus Japan. Der Haken: Zumindest Super Mario Bros. 35 und Super Mario 3D All-Stars stehen ausschließlich bis Ende März zum Verkauf. Super Mario Bros. 35 ist wohl sogar nur bis 31. März 2021 überhaupt spielbar. Was für ein Blödsinn?! Es ist schon bescheuert, dass die ganzen Streamingdienste diesen Mist praktizieren und Filme/Serien willkürlich aus dem Programm nehmen. Aber immerhin kann man da noch mit eventuellen Lizenzkosten argumentieren. Aber First-Party-Titel aus dem Nintendo eShop entfernen? *kopfschüttel* Nintendo ist doch nicht gerade dafür bekannt dafür ihre Preise zu senken (ähnlich wie Activision). Und das Quartalsergebnis wäre so oder so ins unendliche gestiegen, da selbst ohne Limitierung garantiert Gott und die Welt zugeschlagen hätte. Insofern verstehe ich diese künstliche Verknappung überhaupt nicht. Aber was erwarte ich von einem Unternehmen, das im Jahr 2020 immer noch von mir verlangt ewig lange Friendcodes mit der Hand einzutippen. Nene.

Zurück zum Thema

Die nächste Generation der nVidia-Grafikkarten also. Selbst die billigste Variante, die 3070, soll für 500€ schneller sein als das derzeitige Flagschiff die 2080 Ti – die neu aktuell immer noch mit über 1.000€ zu Buche schlägt (!). Krass. Wenn sich das in der Praxis bewahrheitet, hat Ampere den Titel „nächste Generation“ tatsächlich verdient. Bin gespannt ob und was AMD dagegenhalten wird. Gleichzeitig wird mir irgendwie gerade sehr bewusst, dass meine aktuellen Komponenten auch schon wieder zwei Jahre alt sind. Da könnte man sich mal was Neues gönnen. Ich habe ja damals sogar extra Luft nach oben gelassen. Zwar im Nachhinein betrachtet nicht so viel, wie ich damals dachte (blöder Z390-Chipsatz) aber ein Intel i9-9900(K) würde noch auf das Board passen sowie noch min. 16 GB mehr RAM. Und für zwei schicke Samsung 970 EVO Plus NVMe M.2 SSDs (natürlich mit 2 TB) wäre ich auch zu haben – dann vermutlich tatsächlich mit dem gleichzeitigen in Rente schicken von drei meiner HDD (die 2 mit 1 TB und die eine mit 2TB). Irgendwann sind es dann doch ein paar Laufwerke zu viel im Rechner :smile:: .

„Großer“ Hardwarehunger auf Steams „Zuletzt gespielt“-Liste.,

Bitte? Ob ich Performanceprobleme hätte und deswegen über ein Upgrade nachdenke? Bei den teils uralten Titeln, die ich aktuell zocke? Quark. Meine GeForce GTX 1070 Ti hat vermutlich nicht einmal gemerkt, dass ich Quake – Episode 5: Dimension of the Past (gestern auf Nightmare beendet) gestartet habe :smile: . Aber ich liebäugle ja auch immer noch mit einem 120 oder sogar 240hz-Monitor und – viel schlimmer – endlich einem VR-Headset. Die Zahl der interessanten VR-Titel ist einfach mittlerweile zu verlockend. Und da brauche ich unter Umständen dann schon etwas mehr Power unter der Haube als jetzt mit meinen 60hz bei maximal 1440p. Mal abgesehen von den oben erwähnten zukünftigen Konsolen-Portierungen, die vermutlich die Hardwareanforderungen nach oben treiben werden.

Kein Wunder also, dass ich derzeit extrem gespannt bin auf die Testberichte zum HP Reverb G2. Die Qualität einer Valve Index und volle Kompatibilität zu den Valve Accessoires (z.B. Valves Knuckle-Controller) aber ohne die Notwendigkeit irgendwelche Basestations an den Wänden zu montieren? Die Vorstellung turnt mich schon fast mehr an als Lysanda – und die habe ich vor bald vier Jahren sogar geheiratet! Also, ja: Die Gefahr, dass ich 2021 ein paar Komponenten austauschen werde ist extrem groß geworden, nun da mit nVidias Ampere-Karten möglicherweise der fehlende Baustein auf den Markt kommt.

Die Konkurrenz

Über einen Wechsel zumindest bei der Grafikkarte zurück zu AMD (seit mittlerweile 7 Jahren nVidia im Rechner) denke ich übrigens nur bedingt nach. Mal schauen was die nächste Navi-Generation bringen wird aber selbst dann geht die Tendenz aber eher zu einem „nein“. nVidia ist einfach immer noch der besser von den Entwicklern unterstützte Platzhirsch. Hardware ist eine Sache aber die dazugehörige Qualität der Treiber ist heutzutage einfach viel zu wichtig geworden. Und da hat aus meiner Sicht immer noch Team Grün ganz klar die Nase vorn.

Ob Azzkickr nun auch überlegt aufzurüsten? Ihr erinnert euch: Er hatte zur Überraschung aller in seinen neuen Rechner keine neue Grafikkarte eingebaut. Die nächste Generation dürfte aber seine Mindestanforderung „doppelte Leistung“ auf jeden Fall erfüllen.

Noch ein letztes Thema

Die Startmap von Quake DotP

Da ich es erwähnt hatte, gibt es zum Abschluss noch ein paar Sätze zu Quake – Episode 5: Dimension of the Past:

Diese Episode wurde 2016 von MachineGames (den Wolfenstein-Entwicklern) anlässlich des 20. Geburtstags von Quake veröffentlicht. Sie gilt quasi als Kanon, weil id Software und die Quake-Lizenz genauso wie MachineGames zu ZeniMax gehören aber echte Quaker werden da sicherlich eine andere Meinung haben :wink: . Da Bethesda anlässlich der diesjährigen QuakeCon at home alle drei Quake-Titel kostenlos über den Bethesda Game Launcher verschenkt hat (Teil 3 leider verpasst…), habe ich die Gelegenheit genutzt mal nicht meine CDs aus dem Schrank holen zu müssen und mir diese Episode endlich mal angeschaut.

Fazit? Es war eine nette Ausrede mal wieder richtig klassisches Quake zu zocken und das grundlegende Shooter-Erlebnis ist weiterhin erstklassig. Die Levels der neuen Episode sind aber allerhöchstens mittelmäßig. Sie bieten einen thematisch bunt zusammengewürfelten Haufen an ähnlich aufgebauten Umgebungen (ein Hub, zwei Routen, Exit öffnet sich nach Abschluss beider Routen), die vollgestopft sind mit nervigen Instant-Todesfallen. Gleichzeitig erwarten euch sehr viele der gleichen (Standard-)Gegner und viel zu wenig Munition (zumindest auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad), um mit ihnen klar zu kommen. Sie bietet einfach nichts, was man nicht schon vorher im Hauptspiel besser gesehen/erlebt hat. Für ein Levelpack eines Anfängers sicherlich okay aber als offizielle Episode aus der Hand erfahrener Spieleentwickler? Hätte ich wesentlich mehr erwartet – und ja, ich bin mir bewusst, dass sie kostenlos ist. Insofern: Für Quake-Fans als Kuriosum interessant aber alle anderen können sich die Zeitinvestition sparen.

The Last of Us Part II (Herstellerbild)

Dank der Schnelllebigkeit des Internets ist die Diskussion schon wieder in die hintersten Ecken verdrängt worden. Vertrieben durch die nächste Sau, die der wütende Mob durchs Dorf treiben muss, um seiner geringen Aufmerksamkeitsspanne gerecht zu werden und den eigenen Blutdurst zu stillen. Aber für einen kurzen Moment wurde im Bereich der AAA-Titel über etwas gesprochen, was sonst eher den Indies vorbehalten ist. Die Rede ist von The Last of Us Part II und der wohl extremen und vor allem realistischen Brutalität, die das Spiel enthält und der dazugehörigen Moralkeule, die teils sehr heftig geschwungen wird (z.B. haben alle Gegner Namen und rufen nach/betrauern ihre Freunde). Einige Spieler fühlten sich deshalb unwohl, ja sogar abgestoßen von Naughty Dogs Machwerk. Sie konnten oder wollten nicht mehr weiterspielen, egal wie grafisch genial die Umgebungen gestaltet und wie mitreißend und vielschichtig die Charaktere und die Geschichte waren.

Frag‘ dich selbst, nicht den anderen

Gewalt, Brutalität, Blutlachen und Gedärme sind freilich nichts Neues in der Spieleindustrie – schon gar nicht in der Amerikanischen. Mortal Kombat hat – als berühmtestes Beispiel – bereits 1992 die Gemüter erhitzt. Das ist jedoch absolut kein Vergleich zu den viszeralen Möglichkeiten die heutige Engines bieten. Wurde damals noch in zwei Animationsframes auf einem Bruchteil des 401×256 Bildschirms das blutige Sprite-Skelett aus dem Gegner gezogen, sind es heute nicht nur satte 4K – die Kamera zoomt sogar noch extra tief rein und die Zeit word verlangsamt. Der Spieler soll jedes Detail genau erkennen und würdigen. Wie realistisch animiert der Darm herumschwingt, wie physikalisch korrekt das Blut an ihm herabrinnt. Und wie gut die Texturen gestaltet sind. Gestochen scharf und vermutlich teilweise sogar basierend auf Fotos von echten Kadavern und Eingeweiden. Da wundert es nicht, wenn nicht nur die Entwickler am Ende eine Psychotherapie brauchen, sondern auch die Spieler.

Mortal Kombat 11 (Herstellerbild)

Oft stellt sich dann die Frage: Muss das sein? Brauchen wir das wirklich in unserer Abendunterhaltung? Ginge es nicht auch ohne? Fragen, die wir uns schon stellen seit der erste Mensch mit einer Moralvorstellung geboren wurde – egal ob es Thaterstücke, Bücher, Musik oder eben Videospiele betrifft. Das liegt vermutlich in der Natur der Sache. Speziell Kunst ist stark abhängig von der Gesellschaft in der sie geschaffen wird. Sie spiegelt sie wider und zeigt gleichzeitig mögliche, zukünftige Entwicklungen auf. Damit meine ich nicht, dass Star Trek das Mobiltelefon vorhergesagt hat. Das ist ein Teil davon, ja. Kunst ist aber gleichzeitig auch immer eine Rebellion. Das Ankämpfen gegen den Zeitgeist. Das Austesten und – viel, viel wichtiger – das Verschieben dieses Limits der gesellschaftlichen Moralvorstellung in alle Richtungen des Kompasses. „Kunst darf das“ wird zwar gerne auch als Ausrede verwendet, aber im Kern ist es tatsächlich ihre Aufgabe. Aber das funktioniert nur, wenn der Konsument etwas fühlt. Kunst, der man nur mit Gleichgültigkeit begegnet, hat keinen Wert – zumindest für den einzelnen. Sie ist austauschbar, langweilig und hat nichts zu sagen.

Und ja, die Gewaltdarstellung in einem Mortal Kombat 11 sehe ich definitiv als langweilig an. Sie ist da, weil es jemand beschlossen hat. Der Schlagzeilen willen. Sie hat nichts zu sagen, sie ist klinisch rein und hat aus meiner Sicht keinerlei tiefere Bedeutung abseits des Spektakels. Sie erweckt keine Gefühle in mir. Das hat auch Rockstar in Grand Theft Auto V nicht verstanden. Trevor ist kein gut gemachter Charakter. Er ist nicht einmal eine gelungene Karikatur. Er ist einfach nur ein Kreuzchen in einer Excel-Tabelle. Inwieweit das auch für The Last of Us Part II zutrifft, kann ich (noch) nicht beurteilen. Auch hier scheint wohl eher mit dem Holzhammer die Moral in den Spieler hineingeklopft zu werden. Aber die starken Reaktionen wirken auf mich durchaus so, als hätte Naughty Dog trotzdem sein Ziel erreicht.

Spüre deine Gefühle – lasse sie dir nicht diktieren

Der große Vorteil von Videospielen gegenüber allen anderen Unterhaltungsmedien ist, dass wir tiefer hinabtauchen können. Egal wie mitreißend der Film, intensiv das Musikstück oder wie spannend das Buch: Am Ende sind wir nur passive Konsumenten einer vorgeschriebenen Geschichte. Okay, das gilt selbstverständlich auch bei Spielen. Schließlich gibt es (noch) keine unendlichen Möglichkeiten. Jeder Abzweig wurde von einem Designer vordefiniert und vorbestimmt. Aber es macht dennoch einen extrem großen Unterschied, ob ich der Illusion unterliege selbst im Sattel zu sitzen oder nur darüber lesen. Sie erlauben es uns entsprechend noch mehr als die anderen Medien neue Erfahrungen zu machen, neue Gefühle zu erleben, uns in andere Charaktere/Situationen hineinzuversetzen und damit unser Sein in Frage zu stellen – im Guten wie im Schlechten.

Spec Ops: The Line (Herstellerbild)

Um nochmal kurz in die Gewaltecke zu wechseln: Zu wissen wie es aussieht/wie es sich anhört realitätsgetreu meinem Gegenüber ein Messer in den Bauch zu rammen…da kann ich persönlich durchaus drauf verzichten (mir graut es vor Mortal Kombat VR). Aber wenn ich sie schon erlebe, weil es der Entwickler so wollte, dann sollte ich mir zumindest darüber Gedanken machen, was diese Szene mit mir macht. Sich darüber bewusstwerden und nachdenken quasi. Tun die meisten natürlich nicht. Es ist ein Hindernis, dass es auf dem Weg zum nächsten Checkpoint zu überwinden gilt. Mehr nicht. Auch, weil viele AAA-Entwickler uns genau dazu erzogen haben. „Schaut her! Eine Atombombe, wie graudam! Und jetzt schlachte bitte 200 weitere namenlose Soldaten ab“. Da sind wir wieder bei dem Punkt „gleichgültige Kunst“. Und ja, ich nehme mich davon definitiv nicht aus. Auch ich ignoriere gerne emotionsschwangere Momente und konzentriere mich lieber auf das „Spiel“ im Spiel. Spec Ops: The Line war entsprechend für viele nur eine Fußnote in der Spielegeschichte, es hat vermutlich weder die Produktion von Spielen noch das Verhalten der meisten Spieler tiefergehend verändert. Selbst die viel zitierte „Weißer Phosphor“-Szene hat sicherlich nur bei den wenigsten die erwünschte Wirkung erzielt. Und doch zeigt allein die Tatsache, dass ich es schon wieder erwähne, dass es zumindest mit mir etwas gemacht hat. Ziel erreicht.

Entsprechend bin ich definitiv ein Verteidiger davon, dass Spiele als Kunstwerke auch mehr sein dürfen als nur stupide Ablenkung (gilt selbstverständlich auch für andere kreative Werke). Ja, manchmal braucht man einfach nur das und nicht jedes Spiel muss zwingend eine „Message“ haben. Aber ich unterstelle mal, dass unser eigener Intellekt gerne etwas mehr stimuliert werden möchte. Und auch wenn dieser Eintrag vermutlich bislang einen anderen Eindruck erweckt hat: Das muss nicht dadurch sein, dass man gewaltsam ein anderes Lebewesen ermordet. Auch der strahlende Ritter hoch zu Ross, der durch den blühenden Wald voller Elfen und Zwölfen der Sonne entgegenreitet kann uns etwas fühlen lassen. Aber genau das habe ich in den letzten Tagen nicht gemacht – und damit sind wir nach 1 ½ Seiten Einleitung endlich beim dem Spiel angekommen, das mich überhaupt erst zu diesem Eintrag inspiriert hat:

(Cover)

The Executioner (2019, PC) – Während ich diesen Eintrag schreibe läuft tatsächlich die ganze Zeit das Stück „Sweet Torture“ vom Soundtrack (kostenlos auf Steam erhältlich) im Hintergrund. Ich konnte nicht anders. Ich weiß nicht, ob der Soundtrack Mutter des Textes war oder umgekehrt. Auf jeden Fall ist Ivan Dinges & Alexey Ozhigbesov Werk mehr noch als alle anderen Stücke auf dem Album extrem bedrückend, nachdenklich und durch und durch depressiv. Hier wird kein fröhliches Bild gezeichnet. Die Laute vermittelt stattdessen eine gewisse Notwendigkeit. Eine Art stumpfer Alltag, wie das Klavier verstärkt zum Ausdruck bringt. Es ist nicht schön, was hier passiert. Aber es ist nun einmal so. Einer muss es machen. Und im Spiel seid der eine ihr: der königliche Henker in einer mittelalterlichen Stadt, regiert von einem Tyrannen. Eure Aufgabe ist es die (faktisch vorgegebenen) Geständnisse aus den Verbrechern heraus zu kitzeln und ihr seid es auch, der anschließend das Beil schwingt, um das Urteil zu vollstrecken.

Zu Beginn des Spiels wird euer Vater, der bisherige Henker, wegen Hochverrat verurteilt. Und ihr steht als sein designierter Nachfolger mit auf dem Schafott. Das Spiel macht klar: Euer Vater wird sterben, egal was ihr tut. Ihr könnt faktisch nur noch beeinflussen ob ihr mit ihm sterbt, selbst die Axt schwingt oder euren unfähigen Assistenten ranlasst. Wenn das kein fulminant depressiver Einstieg ist, dann weiß ich auch nicht. Und nein, es wird im Verlauf des Spiels nicht besser. Im Zentrum des Spiels steht die Folterkammer. Dort erwarten euch eure „Kunden“. Aus ihnen müsst ihr Informationen herauspressen. Zum Beispiel besagtes Geständnis zu unterzeichnen oder ob es bei ihrer Tat Komplizen gab. Das macht logischerweise keiner freiwillig, stattdessen müsst ihr ihren Körper und ihren Willen brechen – innerhalb eines Zeitlimits und am besten ohne sie dabei zu töten. Der blutgeile Mob steht nicht so sehr auf die Hinrichtung von Toten. Das Prinzip in der Folterkammer ist recht simpel: Ihr habt eine große Auswahl an mehr oder weniger heftigen Foltermethoden. Sie alle Kosten Zeit und Ausdauer und haben mehr pder weniger starke Auswirkungen auf die mentale und körperliche Stärke eures Opfers. Ist die Zeit vorbei, müsst ihr unabhängig der erreichten Ziele mit dem Ergebnis leben. Ausdauer könnt ihr mittendrin zwar regenerieren, aber auch der Gefangene erholt sich dann unter Umständen und es verstreicht natürlich ebenfalls Zeit. Auch euer sadistischer Assistent kann Hand anlegen, tötet aber dann gefühlt häufig die Kunden. Den richtigen Mix aus den Methoden anwenden, zur rechten Zeit die richtigen Fragen stellen – es ist auf eine morbide Art und Weise ein Papers, Please nur statt einen Stempel zu setzen brennt ihr eurem Gegenüber die Augen aus. Und ja: Die Soundkulisse ist so subtil wie extrem.

The Executioner (Herstellerbild)

Von der Folterlammer geht es auf den Marktplatz zur Umsetzung des Urteils. Die blutgierige Masse wartet schon. Erneut obliegt es an euch, wie ihr damit umgeht. Der schnelle Tod, den die Zuschauer verabscheuen oder die lange Qual? Hab‘ ich schon erwähnt, dass ihr in diesem Spiel keine schönen Dinge tut? Im Gegenteil sind es abscheuliche Sachen, nur um selbst zu überleben. Der Zustand der Bevölkerung bestimmt zum einen, wie sich bestimmte Charaktere euch gegenüber verhalten. Zum anderen hat es Auswirkungen auf die B-Story „Monarchy vs. Rebellen“.

Die Welt ist so schön, wie du sie dir machst

Die Folter- und Hinrichtungen sind aber nicht die einzigen Bestandteile dieses Rollenspiels. Ihr habt auch mal Feierabend und dürft dann frei (unter Zeitdruck) durch die Stadt ziehen. Ihr müsst schließlich zusätzliches Geld verdienen, um eure Ausrüstung zu verbessern und eure Gesundheit (mental wie körperlich) pflegen zu können. Verfallt ihr dem Wahnsinn, ist das nicht ganz so gut. Außerdem gewinnt ihr an Erfahrungspunkten. Mit diesen schaltet ihr basierend auf euren Entscheidungen andere Fähigkeiten frei. Seid ihr beispielsweise eher weltoffen und weniger religiös eröffnen sich andere Wege als umgekehrt. Außerdem wird die Stadt bevölkert von vielen weiteren interessanten/kranken Charakteren, vom Richter über den Chirurgen bis hin zu eurem sonderbaren Assistenten (über den ihr in einer kostenlosen Kurzgeschichte mehr erfahren könnt). Diese erteilen euch undankbare aber mehr oder weniger gut bezahlte Aufgaben bei deren Erledigung ihr mitunter auch mal kämpfen müsst.

„Kämpfen“ bedeutet in The Executioner das Drücken von Buttons und eine dazugehörige Eskalation je nachdem wie erfolgreich eure Aktion war. Wir reden hier nämlich von einem Textadventure. Erzählt wird allesgrößtenteils über Text – sehr viel Text. Schwarze-weiße Standbilder und Sprachausgabe gibt es ebenso wie Soundeffekte nur wenige und an bewusst ausgewählten Stellen. Diese sind im Ausgleich echt intensiv und untermauern das Geschehen gekonnt. Der Hauptteil der Gänsehaut entsteht jedoch ganz klar über die Erzählung an sich. Immer wieder dürft ihr ähnlich wie in einem „Wähl dein Abenteuer“-Buch dabei Entscheidungen treffen, die den weiteren Verlauf des Spiels teils signifikant beeinflussen aber auch direkt euren Charakter beeinflussen können (z.B. der Grad eurer Menschlichkeit). Verkauft ihr den Leichnam an den Chirurgen für viel Geld? Trefft ihr euch lieber mit der mysteriösen Figur auf dem alten Friedhof? Oder übergebt ihr ihn ethisch korrekt und kostenlos an die Familie zurück und leidet dafür einen Tag Hunger? Es ist wie in Papers, Please nicht einfach die Balance zu finden und die eine, richtige Entscheidung gibt es sowieso nicht. Das erhöht definitiv den Wiederspielwert. Außerdem hat der Titel nicht umsonst Achievements die „Hat Tag X überlebt“ im Namen tragen. Sieben Tage sind es insgesamt, die Kapitel 1 umfasst. Die Kapitel 2 und 3 wurden trotz einer Finanzierung über Kickstarter noch nicht fertiggestellt. Sind aber angeblich noch in Entwicklung.

Das gilt leider auch grundsätzlich für die englische Version. Es gab zwar Ende 2019 ein großes Update mit dem angeblich der englische Text vollständig überarbeitet wurde. Es gibt aber immer noch viele Bugs, die zu fehlendem Text, falsch angezeigtem oder gar komplett russischem Text führen. Außerdem – und das ist echt extrem – könnt ihr nicht frei speichern. Stattdessen wird nur beim Tageswechsel ein Checkpoint erzeugt. Und da ein Tag locker mal 30-90 Minuten dauert (je nachdem wie langsam ihr lest), ist das durchaus eine Zeitinvestition, die man vorab planen muss.

The Executioner (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: The Executioner ist ein interessanter und ziemlich einzigartiger Titel, soweit mir bekannt. Es ist ein extrem düsteres Rollenspiel mit einem nicht ganz einfachen Thema als Grundlage. Dabei verurteilen noch glorifizieren sie den Beruf des Henkers, sondern bilden größtenteils die grausame, historische Realität dieses damaligen Berufes ab. Ich kann ihn aber absolut nicht und schon gar nicht mit gutem Gewissen empfehlen. Auf der einen Seite wegen den technischen Problemen. Es ist einfach blöd, dass es immer noch so viele Bugs gibt und damit viel von der Übersetzung verloren geht. Auch das mit dem Speichern ist ein echtes No-Go. Auf der anderen Seite, weil er unglaublich depressiv macht. Obwohl die Welt in schwarz-weiß getaucht ist, sind die darin enthaltenen Charaktere alles andere als zweidimensional. Stattdessen werfen die Entwickler viele interessante Fragen über Ethik, Moral und Menschlichkeit auf. Wie weit seid ihr bereit zu gehen, nur um euch selbst am Leben zu halten? Wer sich der dazugehörigen Selbstreflektion hingibt nimmt sicherlich auch einiges mit. Insofern haben die Entwickler auf ihre Art und Weise ihr Ziel erreicht. Aber jemand sagen, dass er sich das ebenfalls freiwillig antun soll? Das ist bei dem Spiel wesentlich schwieriger als bei einem Spec Ops: The Line.

Der Konkurrent ist zwar visuell wesentlich beeindruckender aber am Ende doch mehr Spiel. Die 08/15-Third-Person-Schießereien lenken gut vom restlichen Inhalt ab. Bei The Executioner gibt es keine Ablenkung. Ihr seid der Henker. 24/7. Das vermittelt die verstörende Soundkulisse, die wenigen (nicht minder verstörenden) Bilder, der trotz der technischen Probleme inhaltlich echt gut geschriebene Text und natürlich die vielen (moralischen) Entscheidungen, die ihr treffen könnt – oder eher müsst? Die Folterszenen sind in ihrer minimalistischen Darstellung so grausam und gleichzeitig rein, das ist unerträglich und auch nach Feierabend erwartet euch in der Stadt alles nur kein schöner Sonnenuntergang. Ja, ich bin froh, dass ich kein Henker im Mittelalter bin. Ob ich das Spiel dazu gebraucht habe, um das herauszufinden? Vermutlich nicht. Anders als so einiges der Konkurrenz hat es aber wenigstens etwas zu sagen. Insofern war (und ist – bin erst in Tag 5) es eine verstörend anziehende Erfahrung und ich bin froh, dass es existiert. Lasst trotzdem die Finger davon :smile: .

Wolfenstein II: The New Colossus Int. Version (Herstellerbild)

Zwei Jahre ist es her, dass wir zuletzt über das Thema Ländersperren gesprochen haben. Und nein, an diesem Problem und den dazugehörigen Funktionalitäten hat sich grundsätzlich in dieser Zeit nichts geändert. Valve sieht sich weiterhin nicht verpflichtet für Steam die Portabilitätsverordnung umzusetzen und entweder stimmen die europäischen Verbraucherverbände dem zu oder das Thema „Videospiele“ ist dort nicht so relevant, dass sich da jemand zu widersprechen traut. Das Aktivieren und Spielen eines billigen Keys aus dem europäischen Ostblock bleibt also weiterhin ohne (laut Valve verbotene) VPN-Nutzung unmöglich, wenn es der jeweilige Publisher so möchte.

Im damaligen Eintrag hatte ich jedoch bereits über einen Hoffnungsschimmer am Horizont geschrieben, der völlig überraschend schon Anfang August 2018 von der USK in eine neue Praxis umgesetzt wurde: Die Berücksichtigung der Sozialadäquanz bei Altersfreigaben.

Klingt erstmal komisch, meint aber, dass die USK ab sofort auch die Ausnahme gemäß §86a (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) Absatz 3 für die Beurteilung von Videospielen in Betracht zieht. Dieser Absatz 3 verweist auf die Absätze 3 und 4 des §86 (ich liebe die vielen Rückverweise in unseren Gesetzbüchern). Dort steht, dass §86 Absatz 1 (das Verbot) nicht gilt, wenn das Propagandamittel […] der Kunst […] oder ähnlichen Zwecken dient. Und das Videospiele Kunst sind, wurde – trotz der Weigerung so einiger Politiker und Gewerkschaftler das einzusehen – mittlerweile ja mehrfach bestätigt. Ziemlich genau ein Jahr später wurde diese Praxis dann auch offiziell als Abschnitt 5 in die Leitkriterien der USK für die Prüfung von Computer- und Videospielen aufgenommen. Für unseren Spielealltag hatte diese Entscheidung mehrere Konsequenzen:

Der Freispruch des Urvaters

Wolfenstein 3D (hochskaliertes Herstellerbild)

Wolfenstein 3D wurde 1994 tatsächlich nicht wegen der Symbolik indiziert und beschlagnahmt, sondern wegen seiner Gewaltverherrlichung. Das Prüfgremium der BPjS hielt sich damals sinngemäß nicht im Stande einzuschätzen welche Wirkung die Verwendung der Symbole hatte. Auch die dazugehörige Beschlagnahmung fußte nach meinen Recherchen nicht auf §86 StGB, sondern auf der besonderen Jugendgefährdung durch die Darstellung von Selbstjustiz & Co. und wäre 2004 technisch gesehen automatisch ausgelaufen. Erst das Urteil von 1998 zum Fall eines Versandhändlers, der Wolfenstein 3D vertrieb, erfolgte auf Basis von §86a StGB. Dieses Urteil wurde dann im September 2019 aufgehoben und anschließend, im Oktober 2019, der Titel sowie Spear of Destiny (das tatsächlich 1999 nur indiziert aber nie beschlagnahmt wurde) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien konsequent vom Index gestrichen. Allerdings – und das ist nicht ganz unwichtig – haben beide Werke bislang trotzdem keine USK-Freigabe erhalten! Sie sind also theoretisch weiterhin Indizierungsgefährdet und stehen vermutlich deshalb im deutschen Steam-Store immer noch nicht zur Verfügung. Unwahrscheinlich, dass es jetzt nochmal passiert aber das Recht erlaubt es. So eine USK-Freigabe ist ja auch kein Automatismus. Sie muss angefordert (und bezahlt!) werden. Die Entwicklungen bei DOOM (alle mittlerweile vom Index gestrichen) machen aber Hoffnung, dass Bethesda/Zenimax vielleicht im Zuge eines Re-Releases zusammen mit Wolfenstein III eine USK-Freigabe zumindest für Wolfenstein 3D anstreben wird. Vermutlich aber eher für Return to Castle Wolfenstein oder Wolfenstein.

Was das nun mit der Entscheidung der USK ein Jahr zu vor zu tun hat? Keine Ahnung. Die USK hat nie gesagt, weshalb sie plötzlich auf den Trichter gekommen sind ihr Prüfverfahren zu ändern. Es gibt nur Indizien wie die Aussage der Staatsanwaltschaft zum Titel Bundes Fighter II Turbo. Aber ohne diese Anpassung und des daraus entstanden Umdenkens, hätte vermutlich auch Wolfenstein 3D keine Chancen gehabt.

Gleichzeitig war das Urteil von 1998 der Hauptgrund – und das ist absolut keine Übertreibung – an diesem ganzen Schlamassel. Hätte es das damals nicht gegeben, wäre in der deutschen Spielelandschaft sicherlich trotzdem noch fleißig zensiert worden – es war durchaus ein langer Weg bis so viel Gewaltdarstellung wie heute einfach mit einem „ab 18 Jahren“ akzeptiert wurde und selbst ein Eintrag auf Liste A ist ähnlich wie das „AO“-Rating der ESRB in Amerika ein Todesurteil für den Vertrieb auf dem deutschen Markt, das muss nicht mal auf Liste B (aus BPjM-Sicht strafrechtlich relevant) landen. Aber spätestens als in den 2000er die ersten Instanzen anfingen Spiele als Kunst anzusehen, wären die Publisher zusammen mit der USK bestimmt aktiver an das ganze Thema herangegangen – nicht nur in Bezug auf Hakenkreuze. So eine zensierte Version ist schließlich nicht ganz billig. Stattdessen hing jedoch das Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts wie ein Damoklesschwert über allem. Übrigens auch den Spielemagazinen, die in den 90igern aus Angst davor, dass ihr Artikel als Werbung für böse Spiele gelten z.B. statt „Quake“ nur „Beben“ schrieben und so Kram. Im Nachhinein betrachtet total Banane aber nur wegen so einem Wort zu riskieren, dass die gesamte Monatsauflage beschlagnahmt wird wollte logischerweise kein Verlag. Andererseits: Besser spät als nie. Theoretisch wäre Wolfenstein 3D dann auch schon automatisch im Dezember 2018 (eine Indizierung verfällt nach 25 Jahren) vom Index gefallen. Zu diesem Zeitpunkt war das Urteil aber formal noch nicht aufgehoben und der Titel weiter beschlagnahmt, weshalb es folgeindiziert werden musste.

Der zweite Urvater

Spear of Destiny (Herstellerbild)

18 Jahre nach dem Release können wir uns also endlich frei über die Urväter des Ego-Shooter-Genres Wolfenstein 3D und Spear of Destiny unterhalten. Das erlaubt es mir auch mal klar zu stellen, dass Spear of Destiny kein Addon zu Wolfenstein 3D ist! Das sagt doch schon der Name: Es heißt nicht Wolfenstein 3D: Spear of Destiny, sondern nur Spear of Destiny. Je nach Region steht auf der Originalpackung noch „A Wolfenstein (3D Graphics) Adventure“. Das war’s aber schon. Es geht mir sowas von auf den Keks, dass das so viele Leute immer und immer wieder falsch schreiben in ihren Rückblicken…

Nein, Spear of Destiny ist tatsächlich ein komplettes und allein lauffähiges Prequel zu Wolfenstein 3D mit zwei eigenen Addons (damals noch „Mission Disks“ genannt). Dort versucht ihr als William „B.J.“ Blazkowicz den Nazis diverse sagenumwobene Artefakte zu stehlen. Klappt nicht immer, weshalb ihr am Anfang von Wolfenstein 3D im Schloss Wolfenstein gefangen seid. Die Addons stammen allerdings nicht mehr von id Software, sondern wurden von der Firma FormGen entwickelt und verkauft. Außerdem gibt es noch zwei kostenlose Fanspiele, Spear Resurrection und Spear End of Destiny, welche die Geschichte inoffiziell und auf Basis der gleichen Engine fortsetzen.

Persönlich habe ich Spear of Destiny tatsächlich noch nie durchgespielt. Nur Wolfenstein 3D ist vor langer Zeit Mal über meinen Bildschirm geflimmert. Damals zugegebenermaßen mit Hilfe einer Raubkopie, denn es durfte ja logischerweise nirgends verkauft werden. Aber wirklich verpasst hat man im Gegensatz zu DOOM aus meiner Sicht nichts. Das Spielprinzip ist dafür zu simpel und der Levelaufbau aufgrund seiner damals total hippen Labyrinth-Struktur nur nervig. Dazu kommt noch, dass die späteren Episoden (insgesamt sechs Stück) extrem unfair gestaltet sind. Wenig Munition, starke (Hitscan-)Gegner und noch verwinkeltere Gänge. Und nein, es macht keinen Spaß an jeder Wand die „Benutzen“-Taste drücken zu müssen, nur um ein Secret oder gar den weiteren Weg zu finden. Kein Wunder, dass vielen nur die erste Shareware-Episode in Erinnerung geblieben ist (Hitler ist erst der Boss von Episode 3).

Die modernen Ableger

Attentat 1942 (Herstellerbild)

Mir ist klar, dass nach Wolfenstein 3D und Spear of Destiny kein Hahn mehr kräht. Entsprechend ist die wichtigere Konsequenz der USK-Entscheidung selbstverständlich eine andere: Es gibt nun ausgewählte Spiele mit USK-Siegel (und nicht nur „ab 18 Jahren“!), die verfassungswidrige Propagandamittel enthalten und damit vor einer Indizierung und Beschlagnahmung geschützt sind. Das führte – wie erwartet – anfangs zu etwas Entrüstung bei speziell einer etwas älteren Generation von Leuten. Aber diese Sturmflut ist ziemlich schnell wieder abgeflaut. Andererseits ist die USK natürlich auch darauf bedacht zu betonen, dass jetzt nicht einfach die Schotten geöffnet wurden. Die Anzahl der freigegeben Titel hält sich entsprechend sehr in Grenzen. Bislang sind es meines Wissens die beiden „Edutainment“-Werke Attentat 1942 und Through the Darkest of Times sowie alle fünf Wolfenstein-Titel aus dem Hause Bethesda.

Und selbst hier gibt es von den neusten Ablegern, Wolfenstein: Youngblood (der Coop-Teil) und Wolfenstein: Cyberpilot (der VR-Titel), noch zwei Versionen: Eine internationale Fassung ohne und eine deutsche mit Zensur. Vermutlich war sich Bethesda noch unsicher, ob Wolfenstein tatsächlich unter die Sozialadäquanzklausel fällt und ging auf Nummer Sicher. Und nein, wenn ihr die deutsche Version kauft, erhaltet ihr die internationale Version leider nicht automatisch dazu. Völlig bescheuert. Bethesda hätte ruhig beide Versionen einfach zu einer zusammenlegen können, nachdem klar war, dass es eine USK-Freigabe gibt. Also aufpassen – nicht nur beim Ladenkauf, sondern auch auf Steam & Co.

Eine neue Welt

Commandos 2 – HD Remaster (Herstellerbild)

Ansonsten ist die von Politik und Gesellschaft befürchtete Schwemme an Hakenkreuz-Titeln wie gesagt ausgeblieben. Hatte auch nichts anderes erwartet. Das liegt schon allein daran, dass es aktuell immer noch nur wenige Spiele gibt, die überhaupt im zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. Und der rechte Schund wird damals wie heute erst gar nicht zur Prüfung geschickt, da er eh nicht durchkommen würde. Gleichzeitig sehen andere Publisher bislang nicht die Notwendigkeit auf den Zug aufzuspringen und ihre Titel nachträglich überprüfen zu lassen. Ein relativ frischer Kandidat wäre z.B. Call of Duty: WWII (2017) gewesen. Aber da kommt selbst die internationale Fassung mit extrem wenigen Hakenkreuzen aus. Im Mehrspieler- und Zombie-Horde-Modus gibt es sogar gar keine. Entsprechend sah Activision vermutlich keinen monetären Mehrwert einer Neuprüfung. Gleichzeitig gibt es Publisher wie Kalypso Media, die ein Commandos 2 – HD Remaster (2020) trotz der neuen Situation sogar weltweit komplett zensiert veröffentlicht haben. Angeblich sogar stärker als in der deutschen Urfassung, da z.B. auch die Hinweise auf die Japaner fehlen.

Das kann ich zwar ein Stück weit nachvollziehen – China & Co. reagieren ja leider immer sehr aggressiv auf die vermeintlich falsche Verwendung von „feindlichen“ Flaggen -, super ist es trotzdem nicht. Es zeigt, dass wir immer noch einen weiten Weg vor uns haben was den ungehinderten und unzensierten Zugang zu künstlerischen Werken angeht. Natürlich nicht nur in Bezug auf Videospiele. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie weit wir zumindest in Deutschland doch seit den Anfängen der Spieleindustrie gekommen sind. Die Indizierungsrate ist im Keller und Zensur nur für den deutschen Markt findet so gut wie nicht mehr statt. Früher musste ich im Internet entsprechend nach Blood-Patches suchen, um Roboter in Menschen und grünes Blut in rotes Blut umzuwandeln. Heute brauche ich nur noch nach Adult-Patches für Anime-Datingspielchen zu fahnden (die aber meistens auf der Herstellerwebseite ganz legal zur Verfügung stehen) :smile: . Hoffen wir mal, dass die anstehende Überarbeitung des Jugendschutzgesetzes mit einem starken Fokus auf Onlineinhalte da nicht wieder ein Schritt zurück darstellt.

Die Startseite von GamersGlobal

Der eine oder andere hat es sicherlich schon gesehen: GamersGlobal feiert aktuell seinen 10. Geburtstag (offizieller Start war am 15.09.2009). Und wie könnte es anders sein als das bei solchen Jubiläen auch diejenigen zu Wort kommen, die zwar nicht mehr dabei sind aber mal dabei waren. Wenig verwunderlich also, dass am Freitag mein Grußwort bzw. technisch gesehen meine Antworten auf die vier Fragen von Jörg live geschaltet wurde. Das ist aber nicht mein einziger Beitrag zum Event. Ihr werdet mich vermutlich auch noch zu hören bekommen, da im Rahmen der GamersGlobal-Gulden-Rückrufaktion ein Jubiläumspodcast mit der alten Mannschaft freigeschaltet wurde. Der Termin für die Aufzeichnung steht und ich erwarte die Veröffentlichung  dann im Laufe der kommenden Woche.

Dass in den Kommentaren zu meinem Grußwort ein Streit über die mittlerweile nicht mehr ganz so neue Rechtschreibreform entbrennen würde war von mir übrigens nicht beabsichtigt. Ebenso wollte ich mit meinem lustig gemeinten Seitenhieb auf den Test von Mass Effect 3 den Verantwortlichen nicht in irgendeinen Rechtfertigungszwang bringen. Jeder darf eine andere Meinung haben und seine entsprechende Wertungen vergeben. Die eine Wahrheit gibt es nicht. Stattdessen gilt  im Falle von GamersGlobal am Ende für alle Redakteure: Die Zahl muss ich zuerst gegenüber mir selbst, dann Jörg und abschließend dem Leser verteidigen.

Das Dilemma

In einem seiner Kommentare hat Benjamin allerdings etwas erwähnt auf das ich etwas näher eingehen möchte: Die Altlasten, die mit dem Test eines Nachfolgers verbunden sind. Er schreibt:

[…]dass ich Mass Effect 3 ohne die vorherige Wertung zu Mass Effect 2 deutlich weniger gegeben hätte, aber der Ansicht war, dass es ein falsches Signal wäre, unter die 9.5 des Vorgängers zu gehen.

Das war weder der erste noch der letzte Fall bei dem ein Redakteur mit so einer Bredouille zu kämpfen hat. Auch ich, obwohl ich ja „nur“ drei Jahre dabei war, kann mich zumindest an einen Test erinnern bei dem es mir genauso erging. Der Vorgänger war ebenfalls von einem Kollegen begutachtet worden und sein Ergebnis entsprach absolut nicht meiner Meinung. Details werde ich an dieser Stelle selbstverständlich keine nennen. Belassen wir es einfach dabei zu sagen, dass Jörg und ich eine Lösung gefunden haben im Wertungskasten zum Nachfolger sowohl meine echten Gefühlen zur Qualität des Spiels auszudrücken und trotzdem zu zeigen, dass es besser als der Vorgänger ist.

Wertungen sind komisch

Mass Effect 3 (Herstellerbild)

Im Nachhinein betrachtet zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem bei der Wertungsfindung. Was ich meine? Nun, rein von der Logik her bewerte ich das Produkt an sich. Gut, das stimmt schon nicht ganz. Ich lasse dabei natürlich nicht das Drumherum (Konkurrenz, eigene Erfahrung, etc.) außen vor. Ich ordne es immer bewusst oder unbewusst ein, was wiederrum meine Wertung beeinflusst. Ein vereinfachtes Beispiel wäre die Aussage „Für ein Spiel aus dem Jahr 2019 erwarte ich eine wesentlich bessere Grafik“. Die Wertung ist also erst einmal wie das Produkt selbst ein Ergebnis ihrer Zeit und ihrer Umwelt.

Das bedeutet aber nicht, dass es unwichtig ist zu schauen was sich im Vergleich zum Vorgänger geändert hat. Im Gegenteil hilft es dem Konsumenten sehr zu wissen was besser oder schlechter funktioniert, um das Produkt für sich selbst besser einordnen zu können. Wenn Staubsauger X mehr Dreck pro Sekunde einsaugen kann als sein Vorgänger Y, dann ist das eine wichtige Information. Und ja, er ist dadurch klar besser. Aber daraus ergibt sich nicht automatisch der Zwang sich unter die Knute der vorherigen Bewertung zu begeben, die zu einer anderen Zeit und unter anderen Voraussetzungen entstanden ist. Nur weil Staubsauger Y damals die Krone der Schöpfung war und Staubsauger X grundsätzlich besser ist muss er auch eine gleichwertige/höhere Wertung bekommen? Nein. Die Welt hat sich weitergedreht. Staubsauger X ist zwar besser als sein Vorgänger aber Staubsauger Z ist mittlerweile auf den Markt gekommen und ist das neue Nonplusultra.

Oder um es konkret zu sagen: Mass Effect 2 war für mich (Betonung!) 2010 der heiße Scheiß auf dem Computerrollenspielmarkt – genauso wie Mass Effect zwei Jahre zuvor (wobei es aufgrund der Mako-Fahr-Sektionen selbst damals keine 9,5/10 von mir bekommen hätte). Zwischen Teil 2 und Mass Effect 3 sind zwar „nur“ zwei Jahren vergangen, doch in der Zeit stand die Spieleindustrie logischerweise nicht still. Es hat sich einiges getan und auch einige andere hochkarätige Rollenspiele wie z.B. The Witcher 2: Assassins of Kings kamen auf den Markt und verschoben die Messlatte. Es wäre also völlig legitim gewesen zu sagen: Ja, Mass Effect 3 ist besser als Teil 2. Aber es bekommt trotzdem eine niedrigere Wertung, weil 2012 eben mehr/anderes erwartet wird als noch 2010. Schwierig wird es hingegen, wenn mir rein persönlich der Vorgänger nicht so gefallen hat wie dem anderen Autor und es keine „objektiven“ Argumente gibt. Das ist dann einfach doof.

Die Konsequenz

Final Fantasy VI (Android-Herstellerbild)

Also einfach die Note vergeben die zum Produkt passt unabhängig von allem? In einer idealen Welt auf jeden Fall. Leider funktioniert die Wahrnehmung der Leser so nicht. Da wird stattdessen die Zahl direkt verglichen und das Geschrei in den Kommentaren geht los von wegen „Wie? Schlechter als der Vorgänger?!!!!111“. Entsprechend kann ich nachvollziehen, warum es anders gehandhabt wird. Mir ist auch nur die GameStar bekannt, die zumindest in früheren Zeiten (lese sie ja nicht mehr) alle paar Jahre ihre alten Wertungen in den Toplisten nach unten korrigiert hat, um der allgemeinen Entwicklung auf dem Spielemarkt Rechnung zu tragen (und die Wertungsinflation etwas zu stoppen). So wurde dem Leser versucht zu verdeutlichen, dass eine 9/10 für Final Fantasy VI eben nicht 1:1 mit einer 9/10 für Final Fantasy XV vergleichbar ist. Stattdessen wäre unter heutigen Umständen Final Fantasy VI eben nur eine 2/10. Und ja, das war jetzt nur eine Übertreibung und ein Beispiel. Also bitte die Steine wieder einpacken. Die GameStar hat nie Final Fantasy VI getestet und für Final Fantasy XV gab es 84%.

Was außerdem helfen könnte: Den gleichen Redakteur beide Titel testen lassen. Funktioniert nicht immer, ich weiß. Fluktuationen gibt es in der Branche ja leider sehr viele. Aber da eine Wertung am Ende des Tages eben völlig subjektiv ist (egal was wir uns alle vorgaukeln), würde zumindest der Maßstab auf der gleichen Grundlage angesetzt werden und der Tester müsste sich nur mit sich selbst einig werden. Denn ja: Ich hätte Mass Effect 3 auch keine 9,5/10 gegeben (nein, nicht wegen dem Ende – das hat mich nicht so gestört). Ich hätte es aber ganz anders begründen können als es dem armen Benjamin aufgrund meiner Vorleistung und der oben beschriebenen Problematik möglich war.

Epilog

Was lernen wir aus der Sache? Nichts Neues, würde ich sagen. Es ist immer noch alles nur Lug und Trug und ich deshalb weiterhin kein Fan von Zahlen unter Produkttests. Ja, ich mache es hier auf der Webseite nach anfänglicher Verweigerung auch. Aber ich behaupte nicht, dass sie in irgendeiner Form objektiv ist. Sie spiegelt ausschließlich mein eigenes Bauchgefühl zu diesem Zeitpunkt wider. Ich sehe sie somit mehr als eine Hilfe besser den dazugehörigen Text einordnen zu können oder eine schnelle Einschätzung zum Produkt zu haben. Lesen  sollte ich ihn dann besagten Text trotzdem, um wirklich zu verstehen was die Zahl bedeutet.

Interessanterweise finde ich mittlerweile gar keine Zusammenfassung wie es z.B. Kotaku tatsächlich etwas doof. Da gefällt mit die Variante von Eurogamer mit ihren Labels (Finger weg!, Empfehlung, Herausragend) besser. Das ist wie ich finde ein guter Kompromiss, um diesen sinnlosen Zahlenvergleichszwang rauszunehmen und trotzdem dem Leser einen Anhaltspunkt zu geben. Sieht nicht jeder so aber auch hier gilt: Das Internet bietet für jeden Geschmack das Richtge :smile: .

PS: Nach 128 Stunden habe ich mit The Division jetzt abgeschlossen und es deinstalliert. Ich hätte vermutlich noch doppelt so viel Zeit investieren müssen, um die letzten Schilde freizuschalten. Das ist mir bei meinem Backlog dann doch zu viel des Guten. Next up? Vermutlich Might & Magic X Legacy oder Rise of the Tomb Raider

Sicarius

Die E3 2019

FIFA20 (Herstellerbild)

Da ist sie auch schon wieder rum, die E3 2019. War aus meiner Sicht unterm Strich ein eher unspektakuläres Jahr. Vermutlich, weil sich die beiden Großen bereits voll auf die nächste Generation vorbereiten. Nintendo hingegen ist vor allem damit beschäftigt den gesamten Backlog der aktuellen Konsolengeneration auf der Switch erneut zu veröffentlichen – und alle finden es total geil?! Muss ich nicht verstehen aber gut…

Die bevorstehende neunte Konsolengeneration dürfte wohl auch der Grund sein, warum Sony heuer komplett abwesend war. Die PlayStation 4 war und ist erfolgreich, entsprechend müssen sie nichts mehr beweisen und die grobe Fahrtrichtung für die PlayStation 5 wurde bereits bekannt gegeben. Insofern absolut verständlich, wieso sie sich die Millionen Dollar für einen Messeauftritt gespart und mit ihrer Abwesenheit sogar noch den Druck auf Microsoft erhöht haben. Schließlich war es nun an den Redmondern als quasi alleiniger Platzhirsch ein fulminantes Feuerwerk abzufackeln, dass die Messebesucher beeindruckt zurücklässt. Lasst uns also mal einen Blick auf die ganze E3-Bande werfen:

Electronic Arts

EA ist voll im Games-as-a-Service-Modus angekommen würde ich sagen. Sechs Spiele wurden insgesamt besprochen. Darunter mit FIFA 20 und Madden 20 die üblichen Sportspieliterationen sowie Neuigkeiten zu Apex Legends, Die Sims 4 und Battlefield 5. Super für Fans der genannten Spiele aber für die Allgemeinheit blieb als einzige interessante Sache nur Star Wars Jedi: Fallen Order übrig. Hierzu gab es immerhin erstmals echte Spielszenen zu sehen.

Star Wars Jedi: Fallen Order (Herstellerbild)

Als Fan von Kyle Kartan und der ganzen Jedi-Knight-Serie war ich natürlich sehr gespannt darauf. Nach den 14 Minuten macht sich allerdings irgendwie ziemliche Ernüchterung bei mir breit was zumindest das Gameplay betrifft. Die grundsätzliche Geschichte – ihr steuert einen der wenigen Jedi, welche die berühmte „Order 66“ überlebt haben – finde ich weiterhin äußert interessant. Aber der Protoganist Cal Kestis überzeugt mich überhaupt nicht mit seinem absoluten Milchbubigesicht. Und dass es schon wieder einen Roboter-Sidekick gibt, finde ich auch langsam etwas dämlich.

Viel mehr hat mich aber die…ja, irgendwie mittelmäßige Qualität des Gameplays erschreckt. Speziell der Umgang mit dem Lichtschwert kommt mir aktuell sehr ungelenk, ohne viel Haptik und allgemein wenig überzeugend daher. Und vor allem wirkt gefühlt schlechter als das Lichtschwert-Meisterstück Star Wars: Jedi Knight – Jedi Academy aus dem Jahre 2003 (!). Somit bin ich nach dem Showcase wesentlich weniger gehypt als noch beim Ankündigungstrailer (obwohl mich schon da das Gesicht von Cal gestört hat).

Microsoft

Project Scarlett wird also ähnlich sein wie die Playstation 5 nur mit einem optischen Laufwerk. Okay, war zu erwarten. Und mit Halo Infinite wird es dieses Mal anders als bei der Xbox One zumindest einen Must-Have-Launchtitel geben. Bin vor allem auf die Geschichte gespannt. Der Trailer war erneut eher nichtssagend (außer dem zerbrochenen Halo) und meine persönliche Begeisterung über die Rückkehr von Master Chief und Cortana ist weiterhin eher verhalten. Das Universum ist so groß, warum nicht endlich mal jemand anders? Aber gut: Solange die Geschichte am Ende halbwegs interessant ist, bin ich mit dabei. Ja, ich weiß: Scheint bei mir ein Fetisch zu sein. Aber mit Gameplay holt man mich halt heutzutage nur noch bedingt hinterm Ofen hervor :smile: .

Cyberpunk 2077 (Herstellerbild)

Keanu Reeves hat bei Cyberpunk 2077 hingegen erneut bewiesen was für ein sympathischer Mensch er ist. Ich hoffe ja, dass es nicht nur ein paar Matrix-Easter Eggs geben wird, sondern auch die (wenigen) Johnny Mnemonic-Fans auf ihre Kosten kommen. Das Spiel an sich wird garantiert der mittlerweile gewohnte CD Project RED-Hammer und ich war doch etwas überrascht, dass es bereits im April kommt – bevor mir dann wieder eingefallen ist, dass es bereits 2012 angekündigt wurde.

Mein persönliches Highlight von Microsofts Pressekonferenz war aber ganz klar Lego Star Wars: The Skywalker Saga. Ich habe zwar in den letzten Jahren keinen Lego-Titel mehr intensiv gespielt (und mittlerweile fehlen mir auch ein paar in der Sammlung) aber zum einen ist es Star Wars und zum anderen scheinen Traveller’s Tales dieses Mal zu versuchen stärker aus ihrer bisherigen Lego-Formel auszubrechen. Quasi mit der Rückkehr zu den Anfängen (Lego Star Wars: The Video Game war 2005 der erste Lego-Titel von TT) eine Art Reboot der gesamten Serie durchzuführen. Gleichzeitig finde ich es saumässig cool, dass sie sich explizit nicht auf die Szenen konzentrieren wollen, die bereits in den Originaltiteln enthalten waren. Klar die wichtigsten Sachen aus den Filmen werden natürlich auf neue Art und Weise drin sein. Ich finde es dennoch super, dass sie nicht einfach alte Gags recyceln wollen, sondern auch Schauplätze bieten, die sonst nicht so im Vordergrund stehen.

Und sonst? Ach ja, Double Fine wurde überraschend aufgekauft. Ich glaube aber, dass das dem Studio definitiv gut tun wird mal wieder etwas mehr Anleitung zu haben. Tim Schafer – so ein netter Kerl er auch ist – ist einfach besser darin Spiele zu designen und weniger sie tatsächlich auf den Markt zu bringen. Außerdem wurden noch Blair Witch sowie Elden Ring angekündigt. Ersteres interessiert mich überhaupt nicht, zweiteres wird wie erwartet Dark Souls in neuem Setting.

Bethesda

Deathloop (Herstellerbild)

Was soll ich zu dieser Pressekonferenz sagen? Ja, DOOM Eternal rockt. Das wusste ich schon. Wolfenstein: Youngblood bin ich auch gespannt darauf und Deathloop hat nicht nur meinen Arkane-Studios-Bonus, sondern ist erneut ein Titel mit einer für mich äußert interessanten Prämisse. Zwar schreiben irgendwie alle Journalisten irgendwas von Täglich grüßt das Murmeltier aber der Trailer erinnert mich eher an Edge of Tomorrow. Leider hat den Film scheinbar niemand gesehen obwohl er wirklich gut ist! Entsprechend finde ich es super, wenn sich mal ein Spiel dieser Thematik annimmt. Im Kern ist es schließlich das, was Videospieler schon seit Anbeginn der Zeit tun (sterben, wieder auferstehen und besser werden). Ghostwire: Tokyo hingegen hat auch wieder einen Hook, der mich aufhorchen lässt, aber da über das Spiel selbst noch quasi gar nichts bekannt ist, heißt es derzeit nur die Augen offenhalten.

Ansonsten war es traurig mit an zu sehen wie verzweifelt Bethesda versucht Fallout 76 weiter schön zu reden und doch noch ein gutes Spiel daraus zu machen. Ich glaub‘ der Zug ist abgefahren. Aber okay. Den Vogel haben sie hingegen mit Commander Keen abgeschossen. Jahre haben wir auf einen neuen Teil gewartet und der Trailer hat richtig Laune gemacht (gutes Samstagmorgen-Cartoon-Intro-Feeling). Aber dann am Ende „Bald für Mobilgeräte“… WARUM TUT IHR UNS DAS STÄNDIG AN, SPIELEINDUSTRIE?!

Devolver Digital, Nintendo und Square Enix

Der Humor von Devolver Digital ist einfach nicht meiner. Interessante neue Spiele wurden auch nicht angekündigt. Die 20 Minuten hätte ich lieber in andere Sachen investieren sollen. Und Nintendo? The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2 wurde angekündigt, es wurde mehr vom The Legend of Zelda: Link’s Awakening-Remake sowie von Luigi’s Manson 3 gezeigt. Soweit alles schick und super. Aber da die Japaner ja leider den Nintendo 3DS zumindest aus First-Party-Sicht beerdigt haben und ich weiterhin keine Konsole der achten Generation besitze, geht das alles logischerweise etwas an mir vorbei.

Final Fantasy VII Remake (Herstellerbild)

Da war die Präsentation von Square Enix schon interessanter. Ja, auch hier besitze ich die Hardware nicht aber die Chancen, dass doch noch PC-Umsetzungen kommen sind mittlerweile nicht mehr ganz so gering. Und an Final Fantasy bin ich sowieso grundsätzlich sehr interessiert. Hier also endlich ein Release Date für den ersten Teil des Final Fantasy VII Remakes. Es weiß zwar immer noch niemand wie viele Teile es am Ende werden sollen und wenn jetzt nur Midgar enthalten sein wird (im Original ein übersichtlicher Spielabschnitt), ist das Spiel entweder sehr kurz oder extrem ausgebaut worden. Aber hey: Es scheint endlich Realität zu werden und es sieht grafisch wie spielerisch erstklassig aus. Warum soll ich mich also beschweren? :smile: Ach und Final Fantasy 8 bekommt das Remaster-Treatment (nicht Remake!). Sehr schick im Gegensatz zu Marvel’s Avengers, das einfach nur scheiße aussieht. Also nicht nur, weil sie sich das Geld für die Filmschauspieler sparen, sondern grundsätzlich. Wirkte irgendwie alles äußert unnatürlich und eher auf PlayStation-3-Niveau. Kein guter Ersteindruck.

Ubisoft

Die einzige Pressekonferenz, die ich tatsächlich Live gesehen habe und für mich persönlich tatsächlich der klare Gewinner der E3. Mit 10 Minuten echtem Gameplay zu WATCH_DOGS Legion (und einer äußerst sympathischen Oma) einzusteigen war die absolut richtige Entscheidung. Jetzt kann ich mir wesentlich besser vorstellen, wie der „Jeder NPC wird spielbar sein“-Ansatz funktioniert und bin komplett gehypt.

WATCH_DOGS Legion (Herstellerbild)

Etwas Skepsis bleibt zwar in Bezug darauf wie gut die Story am Ende mit so vielen kleinen Rädern funktionieren wird. Doch die Idee quasi Permadeath in das Spielprinzip und die Geschichte voll zu integrieren finde ich absolut genial. Bin sehr gespannt darauf zu erleben, wie weit es am Ende tatsächlich funktionieren wird und ob nicht doch bei längerer Spielzeit die Lücken (=gibt technisch gesehen nur 10 verschiedene Charaktere) sichtbar werden. Aber wenn es ein Spiel auf der E3 gab, wo ich persönlich einen Day-1-Kauf in Betracht ziehen würde, dann WATCH_DOGS Legion.

Und sonst von Ubisoft? Nun, Gods & Monsters werde ich im Auge behalten schon allein, weil es wie Roller Champions mal wieder was anderes ist. Ghost Recon Breakpoint erfüllt weiter die Erwartungen, die ich daran habe. Just Dance 2020, Elite Squad sowie Rainbow Six Quarantine lassen mich hingegen ziemlich kalt. Es ist höchstens erschreckend wie sehr Ubisoft versucht die arme Tom Clancy-Lizenz ausschlachten.

Fazit

Und damit habe ich aus meiner Sicht alles gesagt, was ich zur E3 zu sagen haben. Wie eingangs erwähnt, war es jetzt nicht die spektakulärste Vorstellung. Aber bei dem was 2020 auf uns zurollt, war das zu erwarten. Insofern natürlich super, dass es trotzdem ein paar Highlights wie WATCH_DOGS Legion oder auch Evil Genius 2 gab. Ja, zur PC Gaming Show habe ich tatsächlich jetzt nichts geschrieben. Da war einfach zu viel Inhalt drin – was ich jedoch genauso wie die grundsätzliche Existenz dieses Showcases super finde.

Mal schauen was die gamescom 2019 bringt.

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