Sicarius

Fehlkäufe am Abend

Das berüchtigte Häckchen

Es ist schon zum Mäusemelken wie rückständig und Anti-Konsument Nintendo selbst im Jahr 2023 ist. Ja, aus Nintendos Sicht bin ich selbst schuld, dass ich jetzt schon zum zweiten Mal Mist beim Kauf im Nintendo eShop gebaut habe. Aber sich damit rauszureden, dass man ja ausdrücklich dem Ende des Widerrufsrechts beim Kauf zustimmt, ist trotzdem eine Sauerei. Zumal man ja keine Wahl hat. Man MUSS dem Verzicht zustimmen, sonst ist gar kein Kauf möglich.

Unübersichtlicher Shop

Was ist passiert? Nun, ich hab‘ mir Theatrhythm Final Bar Line* für die Switch geholt – die physikalische Fassung versteht sich. Alles normal beim Webmaster quasi. Jetzt gibt es dafür schon ein paar DLCs mit zusätzlichen Songs. Auch an sich nichts Neues. Was ich damals an zusätzlichen Euros im eShop von Theatrhythm: Final Fantasy* und Theatrhythm: Final Fantasy Curtain Call* gelassen habe – da will ich gar nicht dran denken. Aber diese Spieleserie ist einfach so genial. Also wollte ich mir eben auch die bislang veröffentlichten DLCs für den neusten (und ebenfalls gelungenen) Teil gönnen. Und während man damals jedes Lied einzeln kaufen musste, gibt es (Fortschritt!) mittlerweile thematische Pakete und sogar Season Passes, welche die besagten thematischen Pakete bündeln.

Soweit so gut, würde man denken. Aber da fängt das Problem schon an. Die Season Passes sind im deutschen eShop nicht auffindbar. Die sind scheinbar nur sichtbar, wenn man den eShop aus dem Spiel heraus startet (funktioniert erst nach dem Abschließen des ersten Auftrags!). Selbst wenn ich am Rechner auf der Webseite schaue/suche werden nur die einzelnen Pakete ausgespuckt. Da ist also bereits der erste mögliche Fallstrick: Wer nicht genau hinschaut, kauft die Pakete separat und bezahlt sich dumm und dämlich. Aber das habe ich gerade noch hinbekommen. Schließlich war es schon ziemlich verdächtig, dass es sie z.B. im PlayStation-Store gibt aber nicht auf der Switch.

ARGH!

Ich bin hingegen über etwas anderes gestolpert. Und zwar gibt es online eine Digital Deluxe und eine Premium Digital Deluxe-Version zu kaufen. Diese enthalten die Season Passes (die Premium-Edition alle drei, die normale nur einen) sowie 27 exklusive Songs. Im Laden erhältlich ist nur die normale Fassung. Jetzt würde man denken, dass es vielleicht eine Upgrade-Möglichkeit geben würde. Also ein Upgrade für die normale Fassung auf eine der Digital Deluxe-Varianten, damit auch physikalische Käufer in den Genuss der exklusiven Lieder kommen. Ich konnte aber wieder nur PlayStation-Store etwas dahingehend finden. Im eShop partout nicht. Also habe ich irgendwann aufgegeben und mir die zwei Season Passes separat geholt. Sind die 27 Lieder halt nur den reinen Online-Käufern vorbehalten.

Aber siehe da – nach dem Kauf der Season Passes über den eShop, den ich über das Spiel aufgerufen habe, taucht plötzlich ein Eintrag “Digital Deluxe Upgrade” in der “zum Kaufen”-Liste auf?! Ja, er war wahrscheinlich schon vorher da, nur an einer anderen Stelle und ich hab‘ ihn schlicht übersehen. Doch während ich jetzt auf Plattformen wie Steam einfach eine Rückabwicklung bzw. einen Widerruf anstoßen könnte, bin ich bei Nintendo schlicht und einfach gearscht. Hab‘ so viel ausgegeben wie das Digital Deluxe Upgrade gekostet hätte und hab‘ trotzdem weniger Inhalt. Und kann nichts mehr dran ändern außer nochmal das gleiche Geld auszugeben, um die exklusiven Lieder doch noch zu erhalten (werde ich nicht tun).

Theatrhythm Final Bar Line (Herstellerbild)

Ja, es ist am Ende des Tages mein Fehler und selbstverständlich weißt Nintendo explizit auf den Umstand des nicht mehr möglichen Widerrufs hin. Kundenfreundlich ist es aber trotzdem nicht. Da werdet ihr mir hoffentlich zustimmen. Seid also gewarnt: Augen auf beim eShop-Kauf! Jetzt aber genug geschimpft. Hab noch eine schwere Entscheidung zu treffen: Spiele ich jetzt eine Runde Beat Saber oder doch lieber Theatrhythm Final Bar Line? Bitte? Beides gleichzeitig? Mmmmh…

PS: Mein zweiter Fehlkauf im Nintendo eShop war der Erweiterungspass für Pokémon Schwert*. Zur Erinnerung: Die Pokémon-Spiele gibt es immer in zwei Versionen mit jeweils exklusiven Pokémon. Damals Pokémon Schwert und Pokémon Schild. Ich hatte mir ersteres gekauft, weil die exklusiven Pokémon interessanter klangen. Und da ich ein fleißiger DLC-Käufer bin, wollte ich mir selbstverständlich auch gleich den Erweiterungspass dafür holen. Leider habe ich nicht darauf geachtet, dass es für jede Version einen Erweiterungspass gibt… ihr wisst vermutlich bereits worauf ich hinaus will: Ich habe aus Versehen den Erweiterungspass für Pokémon Schild gekauft, der mit Pokémon Schwert nicht funktioniert. Na geil. Was für ein totaler Schwachsinn. Danke Nintendo!

Through the Darkest of Times (Herstellerbild)

*schaut sich um* Mmmhh… die Welt existiert immer noch. Selbst fünf Jahre nachdem die USK die “Sozialadäquanz“-Klausel eingeführt hat. Dabei haben doch Politiker und Elternverbände damals so sehr auf den Putz gehauen und den Untergang des Abendlandes prophezeit. Stattdessen ist das eingetreten, was wir alle erwartet haben: Nichts. Seit meinem damaligen Eintrag sind mir nicht einmal zusätzliche Spiele bekannt, die von dieser Klausel profiziert haben. Wahllos Hakenkreuze einzubauen um die Jugend zu bösen Menschen zu machen kommt anscheinend im normalen Teil der Spieleindustrie nicht wirklich vor. Oder der 2. Weltkrieg ist als Setting immer noch ziemlich out. Auch eine Möglichkeit.

Sowieso ist es im Bereich der Videospiele ziemlich ruhig mittlerweile geworden. So gut wie keine Zensuren mehr von Seiten der Publisher/Entwickler, wenige Titel (0,3% im Jahr 2021), denen die USK die Freigabe verweigert, keine einzige Indizierung seit Jahren und somit auch kein Einsatz der Ländersperre. Selbst Dying Light 2*, dem die USK 2022 tatsächlich keine Freigabe erteilte, ist bis heute nicht auf Liste A gelandet. Die “böse” ungeschnittene Version kann somit für alle Plattformen weiter von Erwachsenen auf Amazon & Co. gekauft werden. Für den PC gibt es sogar nichts anderes – nur die digitale Konsolenfassung wurde an den deutschen Markt angepasst. Sehr schön. Die Jugend ist geschützt, ich muss dafür zwar mitunter 5 EUR zusätzlich Porto zahlen (=Altersprüfung) aber ich komme trotzdem ohne Probleme an meinen Stoff :smile: .

Der andere Markt

Online ist allerdings ein gutes Stichwort, um so langsam zum eigentlichen Thema zu kommen. Während die Konsolenhersteller da sehr genau auf die Einhaltung des deutschen Jugendschutzes achten – so werden z.B. Titel ohne Freigabe gar nicht erst ins Programm aufgenommen -. herrscht auf dem PC auf der einen Seite immer noch der Wilde Westen. Auf der anderen ist die Bereitschaft sich mit dem Thema ernsthaft auseinander zu setzen nicht so wirklich vorhanden. Mit dem Ergebnis, dass uns angeblich so vollmündigen Bürgern weiterhin Dinge vorenthalten werden.

Mit “Wilder Westen” meine ich, dass ein Großteil der rein digital erhältlichen Spiele keine Altersfreigabe der USK haben – sie wurden schließlich nie zur (kostenpflichtigen) Prüfung vorgelegt. Und wie bei Importen aus dem Ausland gilt in diesem Fall eigentlich automatisch “Keine Jugendfreigabe” (=ab 18 Jahren). Ja, die EU-Version von Barbie Fashion Show an Eye For Style* dürftet ihr ohne Altersprüfung gar nicht kaufen können. Warum ihr es in diesem konkreten Fall trotzdem könnt? Vermutlich Unwissenheit von Seiten des Verkäufers oder die geringe Wahrscheinlichkeit, dass es bei so einem Titel jemanden interessiert.

Auf Steam & Co. gibt es jedoch nur die völlig nutzlose Altersprüfung bei Titeln, die von der ESRB (die amerikanische Kontrollinstanz) mit “Mature” (ab 17 Jahren freigegeben) versehen wurden – kommt also nicht einmal bei den USK 18 hoch. Ein Ident-Verfahren oder sowas? Pustekuchen. Jedes Kind kann sich alles anschauen und alles kaufen. Egal wie brutal es auf den Screenshots zugeht oder wie viel nackte Haut zu sehen ist. Schön für uns Erwachsene, die entsprechend keine Einschränkungen haben. Ich frage mich aber schon warum danach bislang kein Hahn gekräht hat. Bei jedem kleinen Furz stehen die Eltern- und Lehrerverbände bereits mit den Mistgabeln vor dem Kanzleramt. Aber hier wird höchstens mal in einem Nebensatz auf diesen Umstand hingewiesen. Sehr komisch. Ist ja schließlich nicht so, als wäre der digitale Markt so klein und unbedeutend.

Keine nackten Fakten

The Witcher: Enhanced Edition Director’s Cut (Herstellerbild)

Eine Sache gibt es aber dann doch, die uns Erwachsenen aufgrund des Jugendschutzes vorenthalten wird: Sexspiele. Während Plattformen wie der Epic Games Store oder die Konsolenhersteller sich teilweise sogar damit rühmen dieses Teufelswerk überhaupt nicht erst zuzulassen, sieht Valve das auf Steam grundsätzlich etwas lockerer. Ja, der ein oder andere Titel ist selbst ihnen (zu Recht) zu heiß wegen der enthaltenen Thematik. Aber tendenziell boomt der Markt dort – zumindest außerhalb von Deutschland. Denn seit Ende 2020 werden faktisch alle erotischen Titel mit einer Ländersperre versehen und sind damit in Deutschland weder im Shop sichtbar noch anderweitig ohne VPN kauf-/aktivierbar. “Schuld” daran ist die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Die hat zwar damals wohl nicht die Kaufbarkeit an sich bemängelt, sondern nur die enthaltenen Screenshots auf der Shopseite von diversen Titeln. Es gab aber auch eine Diskussion um die eigentlichen Inhalte (z.B. die Minderjährigen in diversen Hentai-Spielen). Insofern bewegte sich Valve definitiv auf dünnem Eis und hat als Konsequenz die Reisleine gezogen bzw. die nukleare Option gewählt, wenn man es noch extremer ausdrücken möchte. Das Ergebnis dieser damaligen Aktivitäten spüren wir bis heute. Nicht einmal kostenlose Uncut-DLCs könnt ihr eurer Steam-Bibliothek hinzufügen so hart ist der Filter eingestellt. Gleichzeitig sind eben andere, weniger offensichtliche Titel mit solchen Inhalten weiterhin für alle frei verfügbar. Ist ja nicht so, als wäre beispielsweise die The Witcher-Serie ein Hort der Keuschheit. Aber zumindest die hat eine USK-Freigabe. Passt also…

Aber gut: Man kann grundsätzlich festhalten, dass der Prozess funktioniert. Die Medienanstalt hat gemerkt, dass da was schiefläuft. Valve hat reagiert und Kinder und Jugendliche sind vor Pornospielchen geschützt. Erwachsene kommen zwar nicht mehr dran, aber solche Titel haben ja eh einen schlechten Ruf. Wer sich sowas freiwillig antut, der ist bestimmt ein Soziopath und nur einen Schritt vom Knast entfernt :roll: . Ich frage mich immer, ob da vielleicht nur der Neid spricht. Selbst schämt man sich zu sehr so einen Titel zu starten, obwohl man es gerne möchte und gönnt es deshalb auch anderen nicht. Keine Ahnung. Wie gut, dass Lysanda damit kein Problem hat und im Gegenteil sogar immer enttäuscht ist, wenn ich sie nicht rechtzeitig zum Anschauen einer Sexszene herbeirufe. Sollte ich es irgendwann mal schaffen The Witcher III: Wild Hunt zu spielen, habe ich sie wahrscheinlich dauerhaft auf dem Schoss…

Der Knackpunkt

Ums nochmal deutlich zu machen: Das Problem ist hier definitiv nicht beim Jugendschutz zu suchen. Anders als noch vor 2003 (ja, der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag feiert heuer seinen 20. Geburtstag) gibt es schließlich nun gesetzliche Vorgaben und Regelungen – auch für das Internet, selbst wenn sie in einer globalisierten Welt teilweise etwas fragwürdig sind. Valve weigert sich jedoch vehement eine der möglichen Varianten umzusetzen. Dabei wäre es doch so simpel. Sowohl zum Thema Pornospiele als auch für alles andere, was Kinder und Jugendliche auf Steam eigentlich weder sehen noch kaufen können sollten: Einfach eine der vielen verschiedenen, staatlich zulässigen Formen der Alterskontrolle wie z.B. das klassische Post- oder Video-Ident-Verfahren (zeig‘ deinen Personalausweis vor) einbauen und gut ist. Gemäß der Steam Abonnentenvereinbarung gehört ein Steam-Account sowieso explizit nur einer Person. Eine Weitergabe ist nicht zulässig und nicht einmal Erben bekommen ihn. Also wäre eine Personalausweisprüfung mit entsprechender Markierung im Profil jetzt nicht so abwegig.

Hier kommst du nicht rein!

Selbst bei den ungeliebten Key-Reseller wie G2A oder MMOGA muss man zuerst eine Altersverifikation durchmachen. Aber ein Laden wie Valve, der geschätzte 13 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr macht (Tendenz steigend), kriegt es nicht gebacken. Oder vielmehr: Hat offensichtlich kein Interesse dran. Der deutsche Marktanteil ist wohl zu klein. Stattdessen geht Valve den Weg des einfachsten Widerstands (=Ländersperre) und ich sitze nun als treudoofer Kunde da und kriege nicht einmal DLCs zu Titeln, die ich bereits besitze. Das geht mir so massiv auf den Geist, das glaubt ihr gar nicht. Das gilt natürlich nicht nur für Valve, sondern auch für alle anderen Anbieter. Egal wie man selbst zu Pornospielchen steht: Die Einführung eines richtigen Altersverifikationssystems bei Steam & Co. ist in aller unserer Interesse.

Epilog

Das ist also der derzeitige Stand beim Thema Ländersperre. Während sie abseits des altbekannten “ich darf nicht die billige Version aus Brasilien kaufen” nicht mehr wirklich häufig zum Einsatz kommt, ist sie doch immer noch ein Dorn im Auge für uns erwachsenen Spieler. Und angesichts der aktuellen Tendenz vieler Staaten die Globalisierung wieder rückgängig machen zu wollen, sind für mich die Aussichten auch nicht mehr so positiv wie noch im April 2020… *stöhn*

PS: Wer selbst Kinder hat, dem empfehle ich u.a. die Seiten der USK mit vielen Tipps explizit für Anwendungen wie z.B. Steam.

PPS: Es gibt theoretisch weiterhin die Möglichkeit die Ländersperre auf Steam via VPN zu umgehen. Das verstößt jedoch bekanntlich gegen die Steam-Nutzungsbedingungen und mittlerweile verlangt Valve beim Kauf sogar ein Zahlungsmittel aus dem jeweiligen Land, um der Sache einen Riegel vorzuschieben. Insofern keine wirkliche Lösung zum Einkaufen aber z.B., um kostenlose DLCs zu aktivieren, wäre es ein gangbarer Weg. Ob es euch jedoch im Worst Case den Verlust des Steamaccounts wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.

Ich empfehle es selbstverständlich ausdrücklich nicht. Wenn ihr die Zwei-Faktor-Authentifizierung Steam Guard nutzt, geht es sowieso nicht. Dann erkennt Steam bereits daran euer tatsächliches Herkunftsland und lässt sich auch von einer VPN-Verbindung nicht mehr täuschen. Man könnte natürlich vorher Steam Guard deaktivieren und erst dann über die VPN einsteigen. Aber das ist ein großes Sicherheitsrisiko und wird von Valve absolut nicht empfohlen – selbst, wenn ihr es nur kurzzeitig macht. Also versucht es erst gar nicht! :wink:

Das offizielle Logo von PsychOdyssey

Interessiert ihr euch für die Entwicklung von Spielen? Und ihr habt ca. 20 Stunden Zeit? Dann zieht euch unbedingt Double Fine PsychOdyssey rein, die neue Dokumentation von 2 Player Productions. Wie schon damals bei Double Fine Adventure (auch ein Pflichtkonsum!), haben sie wieder ihr Unwesen bei Double Fine Productions getrieben und einer von ihnen währenddessen sogar die Seiten gewechselt. Dieses Mal haben sie die komplette Entwicklung von Psychonauts 2 begleitet – von der ersten Konzeption 2015 bis zur Veröffentlichung 2021.

Über 32 Folgen hinweg bekommt ihr einen ungeschminkten Einblick hinter die Kulissen. Ihr seht alle Höhen und Tiefen, die das Spiel und die Leute dahinter durchlaufen haben. Am Ende bleibt ihr verwundert zurück, wie trotz all dem Chaos ein so gutes Spiel rauskommen konnte. Allein wie viel Glück das Studio in Bezug auf die Länge der Entwicklung hatte ist der Wahnsinn. Selbst Corona war ein absoluter Segen für Psychonauts 2, weil sie trotz aller damit verbundenen Widrigkeiten so noch mehr Zeit bis zum Release bekamen. Wäre es wie geplant 2019 veröffentlicht worden – alter Schwede, das wäre ein Desaster gewesen. Gleichzeitig haben sie über die Jahre nicht nur aufgrund von absolutem Missmanagement (anders kann man es nicht nennen) haufenweise Talent verloren – teilweise Leute, die seit der ersten Stunde des Studios dabei gewesen waren -, sondern viele Levels oft mehrfach komplett über den Haufen werfen und neu anfangen müssen. Nach dem Schauen der Dokumentation verstehe ich definitiv wie mein Kritikpunkt, “nicht so schräg wie Teil 1”, zustande gekommen ist. Sie hatten faktisch gar keine Zeit zu extrem von der Norm abzuweichen. Sie waren froh überhaupt was spielbares zu haben, das wie Psychonauts aussieht und sich so spielt. Echt krass.

Mein einziger Kritikpunkt an der Dokumentation ist, dass es am Ende zu schnell geht. Die finalen Monate der Entwicklung (2020 und 2021) werden – vermutlich wegen Corona – ziemlich schnell abgehandelt. Außerdem vermisse ich eine Folge zu den Nachwehen. Es endet stattdessen mit der Releaseparty. Aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten. Ansonsten ist Double Fine PsychOdyssey ein absoluter Knaller und es gibt bislang nichts Vergleichbares. Unbedingt anschauen! Ich hoffe derweil inständig, dass Microsoft als neuer Besitzer der Sache keinen Riegel vorschiebt und wir auch beim nächsten Tim Schafer-Titel wieder in den Genuss solcher Aufnahmen kommen.

Ich hab’ mal wieder ein paar Videospiele in physikalischer Verpackung bestellt. Ein Paket ging leider wieder zurück, weil es “ab 18 Jahre”-Titel enthielt und entsprechend ein Ident-Check notwendig war. Normalerweise nichts besonderes, ich hatte jedoch als Empfänger “Familie Lysanda” angegeben und für diese “Person” habe ich logischerweise keinen Personalausweis. War in der Vergangenheit an der Tür beim Boten irgendwie kein Problem, da ging es auch mit meinem. Die Sendung ging jedoch in die Filiale und die rückte die Lieferung nicht raus. Also ging sie wieder zurück zum Absender *schulterzuck*. Im zweiten Paket befand sich hingegen das hier:

Sechs DVDs in einer DVD-Hülle – sieht man nicht mehr oft!

Sie sind sehr rar geworden im Bereich der PC-Spiele (und auch auf den Konsolen) aber es gibt sich tatsächlich noch: Die Retail-Packungen, die tatsächlich das komplette Spiel enthalten. Okay, in diesem Falle (Destroy All Humans! 2 – Reprobed*) ist es keine DRM-freie Version. Ihr müsst es also trotzdem noch auf Steam aktivieren und eventuelle Updates herunterladen. Aber hey: Immerhin (hoffentlich) nicht das komplette Spiel herunterladen. Außer den sechs DVDs ist übrigens ansonsten nichts mit in der DVD-Hülle. Nicht einmal ein Installationshinweise-Flyer. Aber Geld für einen sinnlosen Pappschuber war da, der zusätzlich über der Hülle ist. Und alles zweimal eingeschweißt (einmal um den Pappschuber und dann noch die DVD-Hülle)… Wenn sich wenigstens die Motive unterscheiden würden. Naja, man kann ja leider nicht alles haben.

Heute kam mal wieder eine Kickstarter-Lieferung ins Haus. Und zwar die physikalischen Extras zum ungewöhnlichen aber gelungenen Point ‘n’ Click Adventure/Beat-em up-Mashup BROK the InvestiGator. Und bevor jetzt einer Indiana Jones and the Fate of Atlantis in den Ring wirft (da gab es auch Kampfeinlagen je nach gewähltem Pfad): Nur im Ansatz vergleichbar. Doch um das Spiel selbst geht es mir heute gar nicht.

Erwähnenswert finde ich diese Lieferung stattdessen wegen der darin enthaltenen DVD-Hülle (bzw. sie hat eher das Format einer Konsolen-Spielhülle). Nicht deswegen, weil tatsächlich mal eine DVD mit dem Spiel (und dem Soundtrack) darin steckt – das kommt ja leider nicht mehr so oft vor -, sondern weil zusätzlich ein USB-Stick mit dabei ist. Und dieser USB-Stick fliegt nicht einfach nur lose in der Verpackung rum, sondern hat tatsächlich einen festen Platz in der Hülle. Wie genial ist das denn? Das habe ich bislang noch nie gesehen und ist eine fantastische Sache, die ich ab sofort von allen physikalischen Veröffentlichungen erwarte! Ich hab‘ so viele USB-Sticks von, zu und mit Spielen hier rumfliegen und trotzdem nichts im Regal stehen (nicht einmal eine leere Hülle), das ist für mich als Sammler echt ätzend. Also liebe Konkurrenz: Wenn ein kleines, französisches Indie-Studio das hinbekommt, dann könnt ihr das auch!

So einfach und doch so genial – und sogar noch genug Platz, um eine DVD unterzubringen sowie ein kleines Handbuch.

Verbesserungswürdig ist einzig, dass der eigentliche Schutzdeckel des Sticks in der Packung lose herumfliegt. Hier braucht es also noch ein bisschen Gehirnschmalz für eine alternative Befestigungsmethode wie z.B. eine Möglichkeit den USB-Stick komplett in eine vorgefertigte Aussparung reindrücken zu können. In diesem Fall habe ich allerdings schon eine Lösung gefunden: Der Schutzdeckel lässt sich auf der linken Seite über eine der Halteklammer für das Handbuch schieben. Hält einwandfrei.

PS: Mit in der großen Pappschachtel ist sogar ein USB-A- auf USB-C-Adapter. Kudos an die Entwickler von COWCAT, dass sie an sowas gedacht haben. Definitiv ein Studio, das ich gerne wieder unterstütze.

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