Sicarius

Frohe Ostern!

*tief einatmen* Okay, Sicarius. Du schaffst das. Positiv denken. Einfach nur positiv denken. Die gesamte Welt mag grad mit dem Tempo eines Shinkansen gegen die Wand fahren und das endgültige Ende der Menschheit kurz bevorstehen. Doch solange du diese Zeilen noch schreiben kannst, gibt es zumindest ein bisschen Hoffnung. Ja, ich weiß: Der christliche Glauben feiert heute die Auferstehung Jesu Christi. Und zum Auferstehen muss man erstmal Tod sein. Aber jetzt kommt mir in so einer Zeit doch nicht mit Semantik! Lasst uns stattdessen für einen Moment innehalten, damit ich euch sagen kann:

Das gesamte Team von Beim Christoph wünscht euch ein erholsames Osterfest!

Kriegen wir auch ein paar Osterleckerlis?

Zockt ein bisschen was, macht eure Einkommenssteuererklärung, streichelt Hund, Katze oder Maus, knuddelt eure Liebsten und atmet einfach mal ganz tief durch. Das lässt die Probleme zwar nicht auf magische Art und Weise verschwinden, aber es macht zumindest den Kopf ein wenig klarer.

Eine Statistik – aaaaaahhh!

…und da waren es 25 Jahre. Jep, am 9. März 2001 gab es das erste Lebenszeichen hier auf dieser Seite. Ein Vierteljahrhundert hat sie schon überlebt. Trotz ein paar Namens- und Designänderungen (zuletzt 2014), hat sie allen kleinen und großen Krisen getrotzt, die es in der Welt bislang so gab. Während um sie herum unzählige, teils wesentlich erfolgreichere Blogs kamen und gingen, blieb sie standhaft und wird bis heute mit Inhalten gefüllt. Und das sogar regelmäßig!

Um an dieser Stelle ausnahmsweise mal wieder Zahlen hervorzuholen: Es gibt (diesen hier nicht inkludiert) mittlerweile 2.251 Einträge mit einem Gesamtumfang von 1.962.590 Wörtern. Die 171 separaten Seiten mit 240.726 Wörtern (z.B. der „berühmte” Westwood-Artikel mit allein schon 12.758 Wörtern) noch dazugezählt und die 2-Millionen-Grenze ist tatsächlich bereits geknackt. Wow. Keine Ahnung, wie viele Fußballfelder oder Katzendecken das sind. Aber es sind fast 25 moderne Romane an Text! Und ein durchschnittlicher Leser bräuchte ca. 147 Stunden, um das alles zu konsumieren. Und jetzt deinstalliere ich das Statistik-Plugin auch schon wieder.

Kein Rückblick

Beim Christoph hat in den 25 Jahren alle Höhen und Tiefen in meinem Leben mitgemacht und zu einem großen Teil für jeden festgehalten. Und ja, man glaubt gar nicht wie überraschend häufig es echt praktisch ist einfach mal irgendwas nachschlagen zu können, was vor 5, 10, 15 Jahren passiert ist. Hätte ich nicht gedacht. Da ist es fast schon schade, dass ich mich (und meine freundlichen Mitautoren) bis ~2015 hauptsächlich auf Spiele konzentriert habe. Andererseits: So viel mehr gab es bis dahin eigentlich auch nicht wirklich zu erzählen. Als Kellerkind, das die meiste Zeit in seinem Kinderzimmer mit Balkon im 1. Stock des Elternhauses vor seinem Rechner saß. Insofern fehlt dann vermutlich doch nicht so viel berichtenswertes aus meinem damaligen Leben.

Und damit ist das Thema „Geburtstag” tatsächlich für mich schon durch. Lysanda meinte zwar, dass ich doch wie beim 20. Geburtstag einen kleinen Rückblick auf die letzten Jahre machen könnte. Aber für „nur” fünf Jahre fühlt sich das irgendwie falsch an :smile: . Und an meiner grundsätzlichen Einstellung zur Seite hat sich sowieso nichts geändert. Deshalb spare ich es mir heute etwas Umfangreicheres zu machen. Das hebe ich mir stattdessen für den 30. Geburtstag im Jahr 2031 auf. In der Hoffnung, dass wir uns als Menschheit bis dahin nicht wieder zurück in die Steinzeit gebombt haben und ich euch weiter fleißig mit Inhalten beglücke. Ja, mein Optimismus liegt aktuell sehr weit hinten im Schrank…

Eine Sache muss selbstverständlich noch sein: Mein üblicher Dank an dich, liebe Leserin und lieber Leser! Ob es dein erster Eintrag ist, den du hier auf meiner Seite konsumierst oder dein zweitausendster: Vielen herzlichen Dank, dass du deine wertvolle Zeit darauf verwendest meine Worte zu lesen!

Themawechsel

Die neue Uhr

Kommen wir nun wieder zurück zum Alltag. Zumindest ist mir der Eintrag dann doch noch etwas zu kurz. Lasst mich euch also noch von einer ganz besonderen Neuanschaffung in der Casa Lysanda berichten: die CASIO SAN-100H-7BJR.

Das ist eine spezielle Uhr für Saunagänger, die seit Oktober 2025 in Japan für ¥16.500 (ca. 95€) und seit letzter Woche in den USA verfügbar ist. Wir haben sie für rund 200€ (160€ für die Uhr, Rest Zollgebühren) aus Japan importiert. Ganz schön viel Geld für eine funktionale Uhr – zumindest aus meiner Perspektive. Aber sie ist bislang die einzige ihrer Art auf dem Markt und ob und wann sie in Europa erscheint ist offen. Die Entscheidung war entsprechend nur zwischen „weiter ohne saunieren” oder „international kaufen”.

Der Hintergrund

Zur Erinnerung: Wir haben im September 2024 das Schwitzen für uns entdeckt. Seitdem gehen wir im Durchschnitt einmal im Monat ins Jugendstilbad Darmstadt und entspannen dort ein paar Stunden. Dazu nutzen wir übrigens jedes Mal den Schlemmerblock, um es möglichst günstig zu halten (aktuell 35,80€ für den ganzen Tag inkl. Parken). Lysanda hat sich da (wie so oft) tief eingelesen und für uns die optimale Variante herausgefunden. Vielleicht berichten wir irgendwann mal darüber. Wobei – wenn es dann alle so machen, wie wir, ist es für uns möglicherweise nicht mehr so vergleichsweise billig. Weiß nicht, ob ich unter diesen Umständen so sozial eingestellt bin :wink: .

Jetzt stellt sich natürlich die berechtigte Frage: Wofür braucht man in einer Sauna eine Uhr? Man soll sich ja schließlich entspannen. Für das eigentliche Schwitzen hängen in den Saunen zudem entsprechende Sanduhren. Und ja, das stimmt grundsätzlich. Es gibt allerdings zwei Faktoren zu beachten:

  • Nicht überall hängen im Sichtfeld Uhren. Wollen wir beispielsweise den nächsten Aufguss erwischen, müssen wir logischerweise die Zeit im Blick behalten. Aber auch, wenn wir einfach nur im Wärmebecken chillen, ist es ganz praktisch zu wissen wie lange man schon vor sich hinvegetiert.
  • Je nachdem wie voll die Sauna ist, reichen die zur Verfügung stehenden Sanduhren nicht für alle aus. Oder es ist so dunkel, dass man sie nur mit großer Anstrengung lesen kann. Ja, ich werde alt und Lysanda sieht ohne ihre Brille nur auf kurzer Distanz scharf.

Deswegen haben wir überlegt, wie wir die Problematik lösen können. In diversen Internetforen (ja, ein paar gibt es davon noch) sagen die Leute zwar, dass sie auch mit ihren normalen Uhren saunieren gehen. Aber das ist mir ehrlich gesagt zu viel „Hörensagen” für etwas, was gefährlich werden kann. Zum einen können Metallteile an der Uhr sehr heiß werden, zum anderen sich die Batterie erhitzen und platzen. Entsprechend froh war ich, als ich bei meiner letzten Recherche auf die neue Uhr von CASIO gestoßen bin, die explizit auf das Saunieren ausgelegt ist. Trotz des Preises haben wir entsprechend gar nicht lange überlegt und sie bei einem vertrauenswürdigen eBay-Verkäufer erstanden. Man will ja am Ende keine Fälschung in der Hand haben. Wobei die Uhr dafür vermutlich eh noch zu neu ist.

Die ersten Erfahrungen

Das Paket war innerhalb von einer Woche bei uns und enthielt eine hübsche, kleinen Schachtel. Die Uhr selbst ist nur 40,2×35,4×12,9mm groß und wiegt gerade mal 25g. Ich merk sie so gut wie gar nicht am Handgelenk. Optisch soll sie an einen klassischen Saunaschlüsselanhänger erinnern. Wir haben uns für die orangene Variante mit weißem Ziffernblatt und orangenem Armband entschieden. Die schwarze Version wirkt auf den Bildern irgendwie ZU dunkel. Die äußeren Teile sind alle aus einem speziellen Harz und das Armband aus einer Art Silikon. Das verhindert, dass sie warm wird und euch verbrennt. An Metallteilen gibt es nur vier kleine Schrauben an der Unterseite, die aber so geformt sind, dass sie theoretisch die Haut nicht berühren sollten.

Nur vier kleine Schrauben.

Laut Hersteller ist die Uhr für Temperaturen bis 100°C bei einer Dauer von 15 Minuten geeignet. Sie hat eine wärmeresistente Batterie, die fünf Jahre halten soll und ist lt. Norm 50m wasserdicht. Damit zu duschen oder im Wärmebecken abhängen ist also kein Problem. Allerdings empfiehlt CASIO sie nicht ständig zum Baden oder in Whirlpools/Badefässer zu benutzen. Das kann wohl auf Dauer die Wasserdichtigkeit verringern und/oder die Uhr vernebeln. Letzteres kann zwar auch beim Saunieren passieren. Das ist hier jedoch normal und geht nach einigen Minuten von alleine wieder weg. Ein weiteres, nettes Feature ist, dass die Zeiger lumineszierend sind. Zusammen mit den vergleichsweise großen Zahlen ist die Uhr entsprechend selbst im Halbdunkel gut zu lesen.

In Sachen Bedienung ist sie trotz japanischer Anleitung ebenfalls völlig unkompliziert. Es gibt nämlich nur zwei Tasten sowie einen winzigen, eingelassenen (Metallknopf), um die Uhr erstmalig einzustellen. Mit dem Knopf auf der linken Seite wechselt ihr zwischen dem Uhr- und dem Saunamodus. Letzteres ist ein 12-minütiger Timer an dessen Ende aber kein nerviger Piepston ertönt. Er zählt einfach nur hoch und ihr müsst selbst schauen, ob die Zeit bereits erreicht ist. Mit dem rechten Knopf setzt ihr diesen Timer dann wieder auf Null zurück. Ich selbst habe die Uhr bislang hauptsächlich im normalen Uhrmodus betrieben. So entspannt, dass ich vergessen habe wann wir rein sind, war ich noch nicht :wink: .

Beim Christoph meint: Nach dem ersten Testlauf bin ich definitiv von der CASIO SAN-100H-7BJR begeistert. Sie sieht simpel aber elegant und hochwertig aus und ich spür sie so gut wie nicht am Handgelenk. Sie ist gut zu lesen und erfüllt voll und ganz ihren Zweck ohne, dass ich Angst haben muss, dass mein Handgelenk abfackelt. Je nach Luftfeuchtigkeit der Sauna musste ich ab und zu mal über das Glas streichen, aber eine innere Verneblung konnte ich nicht beobachten. Dank der Wasserdichtigkeit habe ich sie den ganzen Tag über nicht ausgezogen und auch im Warmbecken einfach angelassen.

Freilich wird erst der Langzeittest zeigen, ob sie auf Dauer hält, was sie verspricht. Da wir auch im Solebecken waren, ist vor allem die spannende Frage, ob das Salz zu irgendwelchen Korrosionen führen wird. Für uns haben sich die 200€ trotzdem schon jetzt gelohnt. Wir sind zu allen Aufgüssen, die wir mitmachen wollten, pünktlich gekommen. Und im Warmbecken war es paradoxerweise entspannter, weil ich einfach kurz zur Orientierung auf die Uhr schauen konnte. Wer also ebenfalls eine Saunauhr sucht: Mit der CASIO gibt es endlich eine anständige und sichere Lösung.

Sicarius

Wieder ein Filler-Eintrag?!

Es geht echt bergab mit Beim Christoph. So lange keine Filler-Einträge mehr und jetzt schon der zweite in weniger als einem Jahr?! Definitiv ein klares Zeichen dafür, dass uns die Apokalypse bevorsteht! Aber was will ich machen? Man nimmt, was man bekommt.

Wie ich in den vergangenen Wochen schon festgestellt habe, hat das Universum nämlich gerade gehörig einen an der Waffel. Der neuste Punkte auf der Liste war vergangenen Freitag meine Frau Mama, die mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren wurde. Sie hatte sich vorletzte Woche als Folge ihres (geheilten) Brustkrebs die Gebärmutter plus Anhängsel entfernen lassen. Leider hatten sich dort Entzündungsherde (Abszesse) gebildet, die massive Schmerzen verursachen. Die waren am Freitag so schlimm, dass es wieder ab ins Krankenhaus ging. Samstagabend wurde sie dann nochmal in Narkose gelegt und alles ausgespült. Jetzt ist die Lage soweit stabil, aber da bleibt verständlicherweise kein Kopf dafür, euch einen tollen Eintrag zu servieren.

Hier stattdessen ein aktuelles Foto meines Figurenregals. Nutzt die gesparte Lesezeit und versucht so viele Spiele zu identifizieren wie ihr könnt! Der Gewinner bekommt von mir 7.324 Internetgummipunkte :smile: .

Könnte ich vermutlich mal ein bisschen ordentlicher gestalten…

Sicarius

Frohes Neues Jahr 2026

Ich geb’s zu: Ich bin nicht ganz zufällig wieder auf das Transkript des Briefs meiner Tante aus dem Jahr 1934 gestoßen. Nein, ich habe ihn gezielt gesucht, um ihn nochmal zu lesen. Als Vorbereitung auf diesen Neujahrsgruß. Wir leben nämlich aktuell leider wieder in einer Zeit, in der es mit der Welt gefühlt massiv bergab geht. Und da kam mir Elisabeths Satz „Nach der gegenwärtigen politischen Lage wird es über kurz oder lang zum Kriege kommen.” wieder in den Sinn. Als ich ihn zum ersten Mal gelesen hatte, war ich über diese Aussage überrascht. War es 1934 wirklich schon klar, dass es zu einem Krieg kommen würde?

Jetzt zu Beginn des Jahres 2026 kann ich jedoch ihre Worte voll und ganz verstehen. Die aktuelle politische Lage erweckt bei mir ebenfalls den Eindruck, dass über kurz oder lang der Krieg auch wieder vor unserer Haustür stehen wird. Ich hoffe inständig, dass ich dahingehend zu pessimistisch denke. Doch nichts, was aktuell in Deutschland, Europa und der ganzen Welt passiert, lässt mich freudig in die Zukunft blicken. Dabei sah es jahrelang so gut aus…

Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen:

Beim Christoph wünscht euch ein frohes und erfolgreiches Jahr 2026!

Wenigstens haben sich unsere Katzen gern.

Wir mögen die Spielbälle irgendwelcher machtgieriger Milliardäre sein. Doch es gibt trotzdem immer noch vieles in unserem Leben, was wir selbst beeinflussen können. Beispielsweise hat das fleißige Essen von Sauerkraut vor einem Jahr offensichtlich geholfen. Uns ging das Geld nicht aus und wir konnten die Casa Lysanda abbezahlen. Also lasst uns bei all den negativen Nachrichten wieder mehr auf die positiven Seiten des Lebens blicken und aktiv daran arbeiten, dass es zumindest uns, unserer Familie, unseren Freunden und allen anderen mit denen wir zu tun haben, gut geht.

Sicarius

Nackte Körper

Hinweis: Zwar durften in der Ausstellung Fotos angefertigt werden, die Verwendung über private, nicht kommerzielle Zwecke hinaus (darunter fällt auch eine redaktionelle Berichterstattung) ist allerdings nur nach Genehmigung möglich. Und selbst die Nutzung offizieller Bilder ist nur unter strengen Auflagen (inkl. Vertragsstrafen) erlaubt. Da mir das ehrlich gesagt zu viel Aufwand/zu heikel ist, verschönern mal wieder unsere Katzen den Text.

[Hier wollte ich eigentlich ein Foto von einem Schwein mit Engelsflügeln einfügen, das an Seilen von der Decke hängt.]

Maya lässt mitunter auch tiefe Einblicke zu.

Ich glaub’ mein Schwein pfeift… äh fliegt. Und trotzdem ist die Welt (noch) nicht untergangen! Scheint also doch keine direkte Korrelation zu geben. Oder künstlich fliegende Schweine zählen nicht. Kann auch sein. Gesehen haben wir es auf jeden Fall bei den Körperwelten im alten Hallenbad (auch im Jugendstil – wie in Darmstadt) in Heidelberg. Unter dem Titel “Anatomie des Glücks” sind dort seit 2017 hauptsächlich menschliche Präparate ausgestellt.

Obwohl es die Körperwelten schon seit 1997 in Deutschland gibt (gestartet in Mannheim) und ich es schon immer interessant fand mir das mal anzuschauen, hat es irgendwie erst jetzt geklappt. Aber besser spät als nie, wie man so schön sagt. Als wir also vor kurzem mal näher an Heidelberg dran waren, haben wir uns endlich mal die Zeit dafür genommen. Haben rund vier Stunden gebraucht, um uns alles anzuschauen und die dazugehörige, ca. zweistündige Audiotour anzuhören.

Denkt denn keiner an die Kinder?!

Mittlerweile ist der ganze Trubel um die Ausstellung ja auch ziemlich verflogen. Kann mich noch gut an die ganze Aufregung – heute würde man Shitstorm sagen – damals erinnern, als Gunther von Hagens und sein Team damit anfingen. Wobei diese ganze Diskussion rund um die Ethik Leichen auszustellen, angebliche Verletzung der Totenruhe und Kram wohl tatsächlich fast ausschließlich in Deutschland stattfand.

Ja, von Hagens nutzte diese Aufregung auch für seine Zwecke und provozierte mitunter bewusst zusätzlich. Ist schließlich eine gute und billige Werbemaßnahme. Die älteren unter uns erinnern sich beispielsweise vielleicht noch an seine öffentliche Obduktion anno 2002. Uiui, war das ein absolutes Unding. Oder als er 2005 mit Tierpräparten anfing (zwei Zoo-Elefanten). Aber die Heftigkeit dieser Aufregung gab es wohl nur in Deutschland und weniger in anderen Ländern. Für mich auch ein Stück weit logisch. Wir haben gefühlt eh so einen Fetisch mit der Totenruhe. Ich sag nur “Friedhofs- und Bestattungsgesetz”, wonach selbst die Urne mit der Asche zwingend auf vorgeschriebenem Grund und Boden unter die Erde muss. Doch das ist ein anderes Thema. Kommen wir stattdessen zurück zu von Hagens:

Entstehungsgeschichte

An der Uniklinik Heidelberg fing er ab 1977 an sich mit der Imprägnierung anatomischer Präparate zu beschäftigen und erfand das Plastinieren. Okay, theoretisch wurde eine ähnliche Methode wohl schon in der Histologie – also Gewerbeforschung – verwendet. Aber er hat es für größere und vollständigere Präparate umgesetzt. Bei diesem Verfahren wird grob gesagt alles Wasser aus den Zellen durch irgendwelche Kunststoffe ersetzt. Das Ergebnis ist nicht nur eine fast unendlich lange Haltbarkeit, sondern auch eine fast vollständige Erhaltung der natürlichen Gegebenheiten wie Oberflächen und Strukturen. Das macht die Sache so cool und interessant. Man sieht wirklich, wie der Mensch tatsächlich innendrin aussieht. Es ist nicht bloß irgendeine Zeichnung oder ein Computermodell.

Ursprünglich waren die Präparate nur für den internen Gebrauch gedacht. Ihr wisst schon: Schulung, Forschung und sowas. An ein öffentliches Ausstellen dachte keiner. Die Idee kam stattdessen vom japanischen Anatomie-Professor Takeshi Yoro. Erstmals öffentlich zu sehen waren ausgewählte Präparate entsprechend 1995 in Tokio. Und da die Ausstellung so gut ankam, wurden die Körperwelten ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es dazu sowohl einige Dauer- (Berlin, Heidelberg und Guben – dort findet mittlerweile die Plastination statt) als auch Wanderausstellungen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das Interesse ist also trotz aller Kritik offensichtlich sehr groß.

Das lebt noch, auch wenn es nicht so aussieht.

Geführte Führung

In Heidelberg angekommen, haben wir unsere Onlinetickets vorgezeigt. Die hatten wir dank eines Coupons für nur 14,50€ pro Stück über Reservix gekauft. Anschließend habe ich mir den Audioguide auf meinem Handy aufgerufen. Das ist einfach nur eine Webseite, die ihr über einen QR-Code erreicht. Kostenloses WLAN steht dafür zur Verfügung. Kopfhörer haben wir keine gesehen, aber da nicht ganz so viel los war, ging es auch bei niedriger Lautstärke ganz gut ohne anderen auf den Keks zu gehen. Inhaltlich war die Audiotour okay, aber nicht so informativ, wie wir gehofft hatten. Gefühlt waren die Texte größtenteils nicht speziell auf die gezeigten Exponate zugeschnitten, sondern allgemeinerer Natur.

Die Ausstellung in Heidelberg ist als Rundgang angelegt und in mehrere Themenbereiche aufgeteilt. Es geht vom Nervensystem über die Bewegungsmuskeln und die inneren Organe bis hin zur Fortpflanzung. Das Beste zum Schluss, könnte man jetzt sagen :wink: . Tatsächlich fand ich den Part am Langweiligsten, weil es gar nicht so viele Stücke dazu zu sehen gab. Den meisten Raum nahm hier eine schwangere Frau inkl. Fötus ein sowie eine lange Vitrine gefüllt mit Reiskörnern. Sie soll symbolisieren wie unwahrscheinlich es war, dass gerade wir als eins von Millionen von Spermien zu einem Menschen wurden.

So viele Leichen!

In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es ein paar größere, quasi komplette Präparate und zusätzlich viele kleinere Stücke. Direkt zu Beginn ist beispielsweise das vollständige Nervensystem in einer Vitrine aufgestellt. Also wirklich nur das Nervensystem selbst. Die einzelnen Fasern mit Gehirn und Rückgrat als Bindeglieder und sonst nichts. Hat was von Horrorfilm, ist aber nicht nur extrem interessant anzusehen, sondern wir haben es auch sofort mit unserem eigenen Körper verglichen. Können wir quasi diese Nerven bei uns finden, die wir da vor uns sehen? Ein Vorgang, den wir in der Ausstellung häufiger gemacht haben. Dieser ungewöhnliche Einblick in den menschlichen Körper lädt förmlich dazu ein die Sachen an sich selbst nachzuvollziehen und sich so selbst ein bisschen besser kennen zu lernen.

Die schwangere Frau (Symbolbild)

Der erste komplett plastinierte Mensch kommt gleich nach dem Nervensystem. Er wird “Hautmann” genannt, steht einfach nur da und betrachtet seine abgezogene Haut in der Hand. Ihr wisst schon: Unser größtes Sinnesorgan. Was bei allen Exponaten dieser Art auffällt: In einigen Bereichen wurde die schneeweise, tote Haut immer drangelassen. Augenbrauen, Nasenspitze, Lippen, Nippel, Bauchnabel, Ohren sind mehr oder weniger vollständig bedeckt. Vermutlich eine rein stilistische Entscheidung und keine Notwendigkeit in Bezug auf den Plastinieren-Prozess. Im Ergebnis wirkt es aber ehrlich gesagt etwas komisch bzw. befremdlich. Und was im Obergeschoss auch auffiel: Es gab nur Männer (und das Schwein) zu sehen. Wunderte mich schon, ob es überhaupt keine Frauenkörper geben würde. Aber die kamen dann im Erdgeschoss.

Die kleinen Details

So imposant die bestimmt ein Dutzend Ganzkörperplastinate in verschiedenen Posen und “Zerteilungsstadien” allerdings auch sind: Die kleinen, spezialisierten Stücke waren schon fast spannender. Beispielsweise die Blutbahnen im Gehirn oder im Unterarm mal visuell zu sehen. Oder gesunde und kranke Herzen im Vergleich. Beim vergrößerten Herz habe ich mich gefragt, wie sowas überhaupt noch in den Brustkorb passt. Lysanda fand es unter anderem sehr interessant mal das Innere einer Lunge zu sehen. Sie hat schließlich einen Asthmatiker als Ehemann :smile: . Insofern wird einem auf den zwei Stockwerken durchaus einiges an informativer Abwechslung geboten.

Allerdings: Das Thema “Anatomie des Glücks” haben wir bei der ganzen Sache nur hier und da wiedergefunden. So richtig einen gesamtheitlichen, roten Faden konnten wir nicht wirklich entdecken. Mag aber vielleicht an uns liegen und war nicht weiter schlimm. Die Exponate an sich sind schließlich die Stars. Insofern: Klare Empfehlung von uns für die Körperwelten, wenn ihr mal in der Nähe von einer Ausstellung seid. Und da die Ausstellungen alle unterschiedlich sind, überlegen wir nun, ob wir uns auch noch eine andere in Zukunft anschauen werden.

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