Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #31

Ein großes Loch zum Teil im öffentlichen Grund

War irgendwie ungünstig, dass der Tiefbau nicht wie ursprünglich geplant schon 2019 stattgefunden hat. Allein mit der Rechnung haben wir bereits den steuerlich absetzbaren Höchstbetrag für Handwerkerleistungen in diesem Jahr überschritten (derzeit 6.000€). Bitte? Ja, natürlich wollen auch wir Steuern sparen. Das ist nicht nur großen Unternehmen vorbehalten. Das können wir alle :smile: .

Tief- und Kanalbau

80% der Tiefbau- und Kanalverlegungsrechnung sind Lohn- und Fahrtkosten, die unter §35a EStG fallen. Das Material macht hier tatsächlich nur einen verschwindend geringen Anteil aus. Da der Tiefbauer Mischpositionen verwendet (Material plus Verwendung in einem), kann ich euch nicht genau sagen was das Material tatsächlich gekostet hat. Aber hier ein paar interessante Posten, die Material beinhalten:

  • 1m³ Mutterboden (78€)
  • 6m³ Mineralschotter (575€)
  • 5m³ Sand (100€ – Sand ist ganz schön billig…)
  • Ein Revisionsschacht DN400 (750€!)
  • 15m² Noppenfolie zum Abdichten gegen die Hauswand (215€)
  • 27m Rohr plus Bögen (ca. 125€ pro Meter)

Außerdem vergleichsweise viel Zeit gekostet haben

  • 3 Kernbohrungen (835€)
  • 31m² Pflaster aufgenommen und wieder verlegt (3200€)

Da kommt man schnell auf ein paar schöne Euros. Und dann fehlte im Angebot bekanntlich noch der Tiefbau im öffentlichen Grund. Entsprechend war es wenig überraschend, dass die tatsächliche Rechnung signifikant davon abweichen würde. Genauer gesagt ist sie 46% höher als veranschlagt. Allein die Gebühr für die Sperrung der Straße betrugen 820€. So wurde aus einem vierstelligen Betrag gleich mal ein fünfstelliger *uff*. Ja, man darf als Häuslebesitzer definitiv nicht zu knapp kalkulieren bei solchen Sachen, sonst hat man ein echt großes Problem.

Gasheizung

Ganz schön voll geworden, die Ecke.

Die zweite Rechnung, die bereits eingetrudelt ist, bot hingegen keine Überraschungen und ist identisch zum Angebot – obwohl ich eigentlich eine Erhöhung erwartet hätte. Die Heizungsbauer konnten nämlich ein bestehendes Ausdehnungsgefäß nicht wiederverwenden, weil es kaputt war und mussten es entsprechend ersetzen. Das hat das letzte Mal gut 500€ gekostet. Aber ich werde mich selbstverständlich nicht beschweren :wink: .

Bevor wir aber genauer zu dieser Rechnung kommen: Der Einbau und die Inbetriebnahme der Gasheizung verliefen größtenteils ziemlich glatt. Unser größtes Problem war, dass wir ab Donnerstagmorgen 8 Uhr bis Freitagnachmittag 15 Uhr keine Heizung hatten. Der erste notwendige Schritt war schließlich der Abbau der Ölheizung. Und genau an diesem Donnerstag musste natürlich nochmal kurz der Winter einkehren. Sprich es wurde saukalt und es war nicht einmal genug Sonne da, damit die Solarheizung etwas arbeiten konnte. Lysanda und ich schliefen in der Nacht unter drei Decken und die Katzen mussten im dann nur noch 14°C warmen Wohnzimmer ausharren. Da merkten wir mal wieder wie schlecht gedämmt diese Hütte ist. Absolut ungünstig aber wir haben es offensichtlich überlebt.

Kurzzeitpanik

Es gab dann nochmal einen kleinen Panikmoment als der Monteur von der e-Netz Südhessen den Zähler montierte und meinte „eigentlich darf ich den gar nicht setzen, denn die hausinterne Gasleitung ist nicht geerdet“. Kein Wunder: Die war ja auch gerade erst frisch von den Heizungsbauern errichtet worden. Entsprechend hätte ich erwartet, dass die die Erdung dran machen – zumindest hat mir niemand etwas anderes gesagt. Aber das scheint normalerweise tatsächlich ein Elektriker machen zu müssen? Völlig Banane. Naja, ich bin kurz in den Baumarkt und habe mir für fünf Euro eine entsprechende Erdungsschiene geholt (Erdungskabel war noch da). Die Heizungsbauer haben dann die 10cm zwischen den Erdungsleitungen der restlichen Heizungsrohre und Gasleitung verlegt. Ja, 10cm. Ich übertreibe absolut nicht. Dafür kommt doch kein Elektriker…

Bei der tatsächlichen Inbetriebnahme gab es dann noch zwei Kleinigkeiten. Zum einen ist die Software der Gasheizung scheinbar total doof. Die erwartet zwingend einen Außenfühler, obwohl sie der Solarheizung untergeordnet ist (die triggert die Gasheizung). Lösung? Den mitgelieferten Außenfühler angeschlossen und mit zur Elektrik in die Gasheizung gelegt. Sind halt jetzt konstant 32° draußen :smile: . Das andere Problem war, dass die Solarheizung falsche Temperaturen anzeigte und entsprechend kein Signal an die Gasheizung zur Zündung sendete. Der Grund war so einfach wie dämlich: Der Monteur hatte zwei Fühler vertauscht. Die Solarheizung dachte es wären 40°C draußen und der Gaskessel hätte 10°C. Da hatte sie logischerweise keinen Grund Feuer zu machen. Fühler getauscht und seitdem fließt nicht nur fleißig das Gas durch die Leitung – es ist auch wieder warm im Haus.

Verarsche überall

Die Gasheizung

Mit der Zählernummer in der Hand konnte ich mich dann damit beschäftigen einen Gaslieferanten zu suchen und einen Vertrag abzuschließen (zur Erinnerung: ihr habt drei Wochen Zeit dafür nach der Zählerinstallation). Dabei bin ich auf zwei tolle Dinge gestoßen. Das erste ist, dass der Gaszähler m³ anzeigt aber die Verträge auf kWh abgeschlossen werden. Die Umrechnung? „m³ * Brennwert * Zustandszahl“. Brennwert (Wärmeenergie im Gas) und Zustandszahl (Verhältnis Gasvolumen vom Normzustand zum Betriebszustand) bekommt man von seinem Grundversorger genannt.

Der zweite Punkt war, dass man irgendwie nur noch verarscht wird. Die ganzen Tarife mit Sonderboni, Erstkundenrabatt und dem ganzen Scheiß suggerieren einem immer, dass man ja total günstig unterwegs ist. Schaut man aber genauer hin, sind die durch die Bank teurer als ein 08/15-Standardtarif ohne Sonderkonditionen – selbst ohne Verwendung eines Vergleichsportals. Da muss man echt scharf aufpassen und man darf sich schon gar nicht auf das verlassen, was einem Check24, Verivox & Co. anpreisen. Ich habe mich am Ende für einen Tarif mit einem günstigen Arbeitspreis entschieden, weil ich aktuell unseren jährlichen Verbrauch noch nicht einschätzen kann (bin mit dem Google-Ergebnis von 32.000kWh bzw. 4.200m³ ins Rennen gegangen).

Die Rechnung

Kommen wir nun zur spannenden Frage: Was hat uns die Gasheizung gekostet? Nun, auf der Rechnung sind erneut nur Mischpositionen enthalten. Insofern kann ich euch nur sagen, dass Abbau des Ölbrenners und Aufbau der Gasheizung inkl. Material bei knapp 9.000€ lagen. Dazu kommt dann noch die Gasleitung vom Zähler bis zur Heizung, die mit rund 750€ zu Buche schlug. Zwei Tage waren dafür zwei Monteure beschäftigt. Anders als beim Tiefbauer waren es hier nur ca. 20% der Rechnung, die auf Lohn- und Fahrtkosten entfallen. So ein Gasbrenner ist eben nicht gerade billig.

Gekauft haben wir einen bodenstehenden Vitocrossal 300 19kW von Viessmann mit einer Vitotronic 200 Steuerungseinheit (ohne Zubehör wie z.B. dem Vitoconnect, der sie zu einem IoT-Gerät machen würde). Nicht ganz so breit wie der alte Ölbrenner aber mindestens doppelt so hoch – und hoffentlich gleichzeitig effizienter als das rund 20 Jahre alte Wolf-Gerät. Warum genau dieses Modell? Weil es ein bodenstehender Kessel werden sollte, wir ungefähr diese Leistung für’s Haus brauchen und der Heizungsbauer vornehmlich Viessmanngeräte verbaut. Ganz einfach :smile: .

Öltank

Ein halboffener Öltank

Keine zwei Tage, sondern nur gut fünf Stunden haben die drei Jungs der Firma Laudon gebraucht, um den Öltank in gut ein Dutzend 1,5m hohe Metallplatten zu zerlegen. Zuerst wurden 970l Öl zum Nachbarn transportiert, die restlichen 300l Schlamm und Dreck hingegen für 0,48€/l der Entsorgung zugeführt. Anders als erwartet haben sie parallel die zugemauerte Tür nicht mit der Flex aufgeschnitten, sondern mit einem Abbruchhammer einfach Stück für Stück aufgebrochen. Begründung: Weniger Dreck. Schlimmer war deshalb tatsächlich das Auseinanderschneiden des Stahltanks mit dem Gasschneider. Die dadurch erzeugten Rauchwolken zogen trotz riesigem Ventilator durch die Decke sogar bis hoch ins darüberliegende Bad. Und selbst eine Woche später stinkt es unten im Keller immer noch ein wenig. Aber gut: Hauptsache der Stahlkoloss ist weg.

Die Rechnung ist zwar noch nicht da aber bei Laudon habe ich bislang noch nicht erlebt, dass sie vom Angebot abweicht. Die haben ihre Pauschalpreise und ihre festen Stundensätze. Da kommt es entsprechend nur noch auf die Restmengen an. So kommt der eigentliche Abbau des 7.000l Stahltanks auf leete 1.337€, der Aufbruch des Mauerwerks schlägt mit 215€ zu Buche und dann kommen noch rund 300€ für Öltransfer zum Nachbarn und Schlammentsorgung dazu. Wieder nicht ganz billig aber frei nach einer gewissen Kreditkartenwerbung: 10m² mehr Platz – Unbezahlbar.

Vorschau

Ganz fertig ist unser Großprojekt aber immer noch nicht. Die nächsten Schritte finden diesen Mittwoch und Donnerstag statt. Da kommt der Heizungsbauer nochmal, um die Abwasserinnenverteilung neu zu gestalten und einen Heizkörper in den neuen Raum zu setzen (haben aktuell auf fünf Kellerräume nur einen Heizkörper). Gleichzeitig macht er einen hydraulischen Abgleich aller Heizkörper im Haus. Dazu werden sie ausgemessen und dann berechnet wie viel Durchfluss sie brauchen, um optimal zu laufen. Das wird dann mit einem Rädchen am Heizkörperventil eingestellt. Aktuell stehen alle Heizkörper auf „neutral“ und werden alle gleichberechtigt behandelt obwohl z.B. der Heizkörper im Wohnzimmer sicherlich mehr braucht als der im Bad. Ziel der Maßnahme ist logischerweise eine effizientere Verteilung des warmen Wassers und damit ein Energiespareffekt. Mal schauen ob das tatsächlich eintritt. Ich werde berichten :smile: .

Nächste Woche kommt dann noch der Schornsteinfeger, um die Feuerstättenschau durchzuführen und irgendwann der TÜV, um zu bestätigen, dass der Tank nicht mehr da ist. Letzterer hat allein schon vier Wochen Vorlauf, bis überhaupt der Termin feststeht (kommt altmodisch per Post!) wann ein Gutachter vorbeikommen kann. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich früher angerufen. Problem daran ist, dass wir in dem neu geschaffen Raum nur wenig machen dürfen bis besagter TÜV-Mitarbeiter da war. Speziell der Boden muss bis zur Abnahme so erhalten bleiben, wie ihn die Öltank-Firma hinterlassen hat. Warum der Aufwand? Weil wir uns in einem Wasserschutzgebiet befinden. Da gelten einfach höhere Auflagen.

Muss der Kickoff des Folgeprojekts, „Ausbau Öltankraum“, halt noch ein paar Tage länger warten. Da werden wir dann auch mal wieder den Großteil selbst machen. Ist zwar ganz nett Handwerkern zuzuschauen, geht aber doch ein wenig ins Geld auf die Dauer. Hatte ich schon erwähnt, dass es im Eigenheim irgendwie immer irgendetwas zu tun gibt? Echt schlimm :smile: .

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #30

Als wär‘ nix gewesen.

Phase 1 (Außenarbeiten) ist erfolgreich abgeschlossen (bis auf das Bezahlen der vermutlich diese Woche eintrudelnden Rechnungen). Sieben Arbeitstage haben am Ende die zwei Arbeiter vom Tiefbauunternehmen bei uns verbracht. Freitagnachmittag waren sie endlich fertig. Keine Ahnung warum es anfangs hieß, sie würden es bis Dienstagabend schaffen. Aber gut: Grundsätzlich sieht alles wieder gut aus und funktioniert. Nur ein paar Liter Erde fehlen jetzt in der Einfahrt, die kriege ich aber schon irgendwo aufgetrieben. Wir hatten ja leider nicht genug Platz auf dem Grundstück, um alles vor Ort zwischen zu lagern. Entsprechend mussten sie einen Teil abtransportieren. Kam dann scheinbar nicht mehr komplett alles zurück :smile: .

Handwerkergewusel

Das Haus voll hatten wir wie angekündigt am Montag. Die Monteure für Gas und Wasser hatten sich angemeldet und standen auch relativ pünktlich um 8 Uhr auf der Matte. Da waren selbst die Tiefbauer noch nicht da, die ja erst wieder den zugefallenen Graben ausheben mussten. Gas hat sich entsprechend nach einer Bestandsaufnahme erstmal wieder verzogen, um ihr Material zu holen und kamen erst später wieder. Den Anfang machte stattdessen das Wasserwerk. Die dachten übrigens sie würden zu einem Neubau kommen. Wussten also weder was von der Wasseruhr beim Nachbarn noch davon, dass sie die Verbindung zur bestehenden Hausinstallation herstellen sollten. Kommunikation ist echt keine Stärke von Handwerkern. Aber gut: Klärte sich alles schnell und sie machten sich zuerst auf den Weg zum Nachbarn, um dort alles vorzubereiten. Der saß zwar zu dem Zeitpunkt auf dem Klo und konnte nicht an die Tür aber das war dann mit einem kurzen Anruf auch zügig geklärt :smile: . Also Wasser abgestellt und Wasseruhr ausgebaut (hat noch drei Jahre Garantie). Damit war das Thema „Zuwasser“ über Nachbars Grundstück endgültig erledigt.

Der Rest ging anschließend ohne weitere Probleme vonstatten nachdem der Graben wiederhergestellt war. Kein Wunder: Die Monteure von Gas und Wasser machen das vermutlich ein paar hundertmal pro Monat und unsere Maßnahme hatte jetzt keine wirklichen Besonderheiten aufzuweisen. Schließlich war vom Tiefbauer alles soweit vorbereitet. Zwar taten sich die Wassermonteure ein bisschen schwer auf ihrem Auto die entsprechenden Teile für die Verbindung zwischen Wasseruhr und Filter zu finden aber am Ende hat auch das hingehauen. Den Bestätigungswisch für die Stadtwerke haben sie nach einem Anruf beim zuständigen Bearbeiter hingegen anstandslos mitgenommen, um ihn dort abzugeben. War also ebenfalls kein Ding und wir hatten wieder fließendes Wasser (dauerte ca. 2-3 Stunden die ganze Aktion).

Es fehlt nur noch der Gaszähler.

Das einzige was mich in Bezug auf Gas und Wasser etwas gestört hat war, dass die Gasmonteure nicht besonders redselig waren. Ja, ich arbeite natürlich auch lieber ohne, dass mir einer über die Schulter schaut. Aber zumindest ein paar Worte wären durchaus ganz nett gewesen. Stattdessen heimlich kommen, Arbeit erledigen und heimlich wieder gehen. Fand ich etwas doof. Zumal ich durchaus noch Fragen hatte wie das jetzt weitergeht, da sie nicht den Gaszähler montiert haben. Aber da musste ich dann wohl oder übel in der Zentrale anrufen. Die dortige Antwort: Der Gaszähler wird gesetzt sobald der Heizungsbauer fertig und die Heizung angeschlossen ist. Man kann aber ohne die Zählernummer keinen Gasversorgungsvertrag abschließen. Doof. Glücklicherweise gibt es dafür eine gesetzliche Regelung. Die besagt, dass ihr drei Wochen nach Setzen des Zählers Zeit habt einen Vertrag zu machen und dieser dann Rückwirkend zum Zählereinbautag gilt. Ihr rutscht also erst nach diesen drei Wochen in die Grundversorgung, wenn ihr es versemmelt.

Abwasser

Der Dienstag stand dann ganz im Zeichen von Abwasser. Über den Leitungen von Gas und Wasser war schon die erste Schicht Sand und an den freiliegenden Hauswänden hatten sie eine wasserabweisende Noppenfolie verlegt, um einen weiteren Wasserschaden zu vermeiden. Die alten Keramikrohre hatten sie vorher bereits soweit sichtbar aus der Erde geholt und der kaputte Straßenübergang war freigelegt. Den hatte übrigens ein anderer Versorger (vermutlich unitymedia) zerstört. Und zwar hatte derjenige mit einer Bodenrakete die Straße entlanggeschossen, um ein neues Rohr zu verlegen. Die hat dann den Straßenübergang erwischt. Hat damals natürlich keiner bemerkt, weil unser Hausanschluss nicht in Betrieb war und zum Glück nichts weiter passiert ist. Allerdings muss sich eine Rattenfamilie nun ein neues Zuhause suchen. Aber der Strafe entkommt er nicht. Ich bezahle schließlich nicht für den zusätzlichen Tiefbau, der notwendig war, um das Rohr zu ersetzen. Das haben die Stadtwerke stattdessen als Regressfall mitgenommen und bekommen die Rechnung vom Tiefbauer.

Interessanterweise wurde für den Straßenübergang dann wieder ein Keramikrohr verwendet bevor es an der Grundstücksgrenze auf Kunststoff wechselt und über den Revisionsschacht weiter bis zum Haus verläuft. Hätte erwartet, dass man komplett Polyethylen verlegt, weil in Sachen Belastung das HDPE-Rohr im Straßenübergang aus meiner Telekommunikationssicht besser geeignet ist. Andererseits lag der alte Straßenübergang schon einige Jahrzehnte und hielt. Insofern wird das schon passen :smile: .

Straßenübergang und Revisionsschacht

Dienstagnachmittag war dann auch schon nichts mehr sichtbar von allem. Nur der Hals vom Revisionsschacht deutete noch darauf hin, dass hier irgendwas unter der Erde verläuft. Alles andere lag bereits unter einer dicken Erdschicht. Der Anschluss im Haus wurde aber erst am Mittwoch gewechselt. War aber erneut kein großer Akt abseits der üblichen „welche Art von Biegung brauche ich, um mein Loch zu treffen?“-Fragen. Anschließend das alte Rohr auf beiden Seiten entfernt und an der Mauerdurchführung jeweils ein Deckel drauf und schon ist der alte Abwasserkanal über das Nachbargrundstück nur noch für zwei Regenrinnen da.

Der Rest

Mittwoch bis Freitag standen dann „nur“ noch die Wiederherstellung der Oberfläche auf dem Programm. Untergrund vorbereiten (fertig mit Erde auffüllen, grober Schotter, dann feiner Schotter drauf), dann erst die Randsteine setzen und anschließend eine Runde Pflastern. Nichts Weltbewegendes aber wie so oft dauert sowas halt seine Zeit bis es wieder so aussieht wie vorher bzw. sogar besser. Jetzt müsste es nur mal regnen, um den Dreck abzuspülen bzw. in den Fugen zu verteilen :smile: .

Ich hab‘ am Samstag noch am Mülltonnenstandort zwei Platten verlegt. Jetzt wo der Rückstaudoppelverschluss nicht mehr da ist, ging das endlich. Hätten die Tiefbauer sicherlich auch mitgemacht aber ich hatte vergessen ihnen die hinzulegen. Da die Erde aber noch frisch und locker ist, war das eine relativ einfache Sache. Jetzt wie gesagt noch ein paar Liter Erde drauf, damit das Auto beim in die Garage fahren nicht in ein Loch fällt und die Außenarbeiten sind wirklich komplett abgeschlossen. Ging trotz stressiger Vorbereitung und einiger Panikattacken an den ersten beiden Tagen doch geordneter und angenehmer über die Bühne als ich befürchtet hatte. Jetzt hoffe ich nur, dass die Rechnungen nicht zu weit vom Angebot abweichen.

Weiter geht’s

So schön glatt

Phase 2 (Heizung) beginnt dann am Mittwoch mit dem Besuch des Schornsteinfegers. Gleichzeitig habe ich die Woche damit verbracht Phase 3 vorzubereiten, den Öltankabbau. Der findet – wenn alles mit dem Heizungsaufbau am Donnerstag und Freitag wie geplant funktioniert – tatsächlich bereits kommenden Montag statt. Der Vertreter von Laudon war donnerstags da und hat sich die Situation angeschaut. Anschließend konnte ich los telefonieren. Zum einen mit dem Landratsamt und dem TÜV Hessen, weil wir uns in einem Wasserschutzgebiet befinden. Da muss entsprechend bestätigt werden, dass der Tank ordnungsgemäß entfernt wurde. Beim Abbau dabei sein muss der TÜV dafür bei einem oberirdischen Tank übrigens nicht. Der kontrolliert nur anschließend den Tankraum nochmal. Das andere bestätigt die Abbaufirma.

Zum anderen wusste ich jetzt endlich wie viel Öl ungefähr noch im Tank ist (1.300l) und konnte gezielt versuchen einen Abnehmer zu organisieren. Definitiv noch mehr im Tank als ich erwartet hatte. Der ursprünglich geplante, direkte Nachbar musste entsprechend absagen. Er hatte schon vollgemacht. Die anderen sind hingegen bereits Gasnutzer. Zum Glück hat sich dann schräg gegenüber doch noch einer für die vermutlich ca. 1.000 Liter gefunden. Da kommen dann zwar trotzdem Transportkosten dazu (die Firma darf aus Sicherheitsgründen nicht einfach so einen Schlauch über die Straße verlegen) aber die sind logischerweise niedriger als wenn sie es z.B. zu einem Arbeitskollegen nach Darmstadt hätten fahren müssen. Warum nur 1.000 Liter? Auf der einen Seite, weil wir natürlich noch ein bisschen was verbrauchen bis Montag. Auf der anderen, weil nicht der komplette Tankinhalt tatsächlich noch nutzbar ist. Ganz unten hat sich Schlamm und sowas abgesetzt. Den will natürlich keiner mehr haben und muss (für aktuell 0,48€/Liter) entsorgt werden. Und der Kollege von Laudon hat diesen Anteil mit 300l angesetzt. Auch deshalb, weil in ihre Transportbox nur 1.000l reinpassen.

Und damit verabschiede ich mich bis Montag. Dann vermutlich mit Teil 31 des Tagebuchs eines Hausherrn und allen Informationen zur Phase 2.

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #29

Eigentlich hatte ich Folge 29 erst für kommende Woche angekündigt. Ich dachte mir, dass es vorher keine berichtenswerten Ereignisse geben würde. Schließlich kommt erst heute die geballte Ladung Handwerker und die Antwort auf die spannende Frage: Werden wir am Ende noch fließendes Wasser haben?! Aber irgendwie habe ich mich da sehr getäuscht.

Wasserpanik

Die heutige Wasserinstallation

Es fing schon am Mittwoch mit besagtem Wasser an. Es kam Post von den Stadtwerken. Soweit, so normal: Wir hatten ja nun einen offiziellen Antrag für einen Wasseranschluss gestellt und das muss selbstverständlich schriftlich bestätigt werden. Blöd nur, dass dieser Bestätigung weitere Formulare beilagen in denen wir angeben sollten wer denn die Inneninstallation vornimmt. Und derjenige müsse zudem bestätigen, dass diese Vorschriftsmäßig vorgenommen wurde. Vorher gäbe es keine Wasseruhr/Wasserzähler. Jetzt werdet ihr euch genauso wie ich mich fragen: „Aber ihr habt doch ein Bestandshaus. Die sollen sich doch einfach nur an die bestehende Installation anschließen?!“ Ja, ne so einfach ist das wohl nicht.

Zum einen ist das Haus für die Stadtwerke wie erwähnt nicht vorhanden. Sie liefern zwar fleißig über eine separate Wasseruhr beim Nachbarn Wasser hierher (und schicken jährlich eine Rechnung) aber das heißt eben nicht, dass es offiziell existiert. Zum anderen ist das Wasserwerk ausschließlich bis einschließlich Wasseruhr zuständig. Die Verbindung zwischen dieser und der Hausinstallation machen die nicht. Ist natürlich verständlich, denn es geht wie so oft im Bau um das Thema Gewährleistung. Aber wir reden in unserem Fall von 50 bis maximal 100cm Rohr, die zwischen der neuen Wasseruhr und dem bestehenden Hausnetz verlegt werden muss.

Woher ein Wasserinstallateur?!

Also stand ich am Mittwochmittag, 12.2. da und musste mir überlegen wo ich pünktlich zum 17.2. einen Installateur herbekomme, der nur kommt, um besagten Meter Rohr zu verlegen. Mal von den unnötigen Kosten abgesehen (allein schon für die Anfahrt), wachsen Handwerker aktuell bekanntlich nicht auf den Bäumen. Naja, in meiner Verzweiflung habe ich einfach mal das Wasserwerk (als ausführende Kraft der Stadtwerke) angerufen und nachgefragt, ob deren Monteure das nicht mitmachen könnten. Die Antwort des dortigen Bearbeiters: Wenn es weniger als fünf Meter sind und ich damit leben könnte, wenn es ggf. nicht ganz so schick aussieht machen sie es mit. Schon mal gut. Anschließend nochmal bei den Stadtwerken nachgefragt, ob das auch bei denen ein gangbarerer Weg ist – bringt ja nichts, wenn die Wasserwerkmonteure den Wisch unterschreiben und die Stadtwerke ihn dann nicht anerkennen – und ebenfalls grünes Licht bekommen. „Bullet dodged“, wie man im Englischen sagt – zumindest in der Theorie. Was sie heute dann tatsächlich machen werden steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass eben die heutige Wasseruhr beim Nachbarn hängt. Die muss ja abgestellt werden, um den Schwenk zu vollziehen. Aber der gehört natürlich auch zum arbeitenden Teil der Bevölkerung. Insofern konnte ich trotz Rücksprache nicht sicherstellen, dass dort jemand Zuhause ist, wenn die Wassermonteure dann da ranmüssen. Ihr versteht also sicherlich nun, warum ich zum Verfassungszeitpunkt keine Ahnung habe, ob wir heute Abend überhaupt noch fließendes Wasser in diesem Haus haben werden. Drückt uns die Daumen :smile: .

Tiefbaupanik

Der Zustand im öffentlichen Grund

Der Donnerstag begann dann vielversprechend: Die Tiefbaufirma war wie angekündigt angerückt, ich sprach mit dem Vorarbeiter nochmal alles durch und sie machten sich an das Werk. Zuerst wollten sie an der Grundstücksgrenze das im Plan der Stadtwerke eingezeichnete Abwasserrohr suchen. Die Stadtwerke waren sich nämlich selbst nicht sicher, ob das tatsächlich existiert. Immer gut, wenn man seinen eigenen Unterlagen nicht vertraut. Aber gut: Es wurde gefunden. Nicht ganz da, wo es eingezeichnet war, aber in Reichweite.

Quasi alles gut? Nein, es klingelte nämlich plötzlich das Telefon. Es war die Firma, die den Gasanschluss herstellen soll. Sie wären vom Tiefbauer angerufen worden mit dem Hinweis, dass dieser den Tiefbau im öffentlichen Grund nicht machen würde. Im gleichen Moment – ich war noch im Gespräch mit dem Kollegen – rief auch das Wasserwerk an und fragte was los ist. Ich fiel ebenfalls aus allen Wolken. Zum einen, weil der Tiefbauer vor der Tür steht und nicht erst mit mir gesprochen hat und zum anderen, wie so eine Aussage zustande kommt. Er wusste doch, dass ich den Tiefbau genau deswegen aus einer Hand machen lassen wollte, damit ich alle Versorger unter einen Hut bringe.

Woher einen anderen Tiefbauer?!

Naja, sowohl Gas als auch Wasser erklärt, dass da was nicht passt, aufgelegt und sofort rausgegangen. Aussage des Tiefbauers: Er wollte noch mit mir darüber sprechen. Die Aussage wäre zum einen entstanden, weil sie ja das Abwasserrohr (zur Erinnerung: der Tiefbauer verlegt das Abwasser mit) gefunden hatten und selbst nicht mehr in den öffentlichen Grund müssten. Und zum anderen, weil im Angebot das nicht mit eingepreist war. Stimmt: Die Asphaltdecke war tatsächlich nicht im Angebot enthalten obwohl die Chance bestand, dass eben kein Abwasserrohr bereits bis ins Grundstück vorhanden war. War mir nicht aufgefallen. Aber genau dafür hatten sie ja doch eine verkehrsrechtliche Anordnung eingeholt? Sehr komisch. Egal: Ich habe klar gemacht, dass sie auch im öffentlichen aufgraben müssen obwohl dadurch natürlich die Rechnung im Vergleich zum Angebot teurer wird. Sonst hätte das alles ja überhaupt nicht mehr funktioniert.

War im Nachhinein übrigens selbst für die Abwasserkollegen die richtige Entscheidung. Sie haben nämlich festgestellt, dass der bestehende Straßenübergang nicht nutzbar ist. Warum auch immer war er voller Dreck und mittendrin kaputt. Insofern hätten sie also so oder so im öffentlichen Grund aufmachen müssen.

Abwasserrohrpanik

Hilfsbereite Monteure

Wir sind immer noch am Donnerstag. Hof und Garageneinfahrt werden mehr und mehr zu einer großen Grube und ähnlich wie damals bei unserer Innenrenovierungen tauchen Überraschungen auf. So verlaufen auf unserem Grundstück irgendwie wesentlich mehr alte Abwasserrohre (aus Keramik) als wir erwartet hatten. Ich dachte es gäbe nur eins bis in die alte Klärgrube. Aber nein: Es verläuft noch ein komplett weiterer Strang nicht nur quer über den Hof von und in die Nachbargrundstücke hinein. Es gibt sogar noch eins zu unserem hinteren Nachbarn (der mit der Wasseruhr), circa 40-60cm tiefer als das aktive Abwasserrohr, das wir mit dieser Maßnahme ersetzen wollen. Wad?! Warum?! Weshalb?! Wieso?! Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe inständig, derjenige, der damals das Keramikrohr stillgelegt und das Kunststoffrohr mit Minderdeckung verlegt hat hatte gute Gründe dafür.

Naja, wir können sie nicht benutzen also lassen wir sie (erneut mit Mehrkosten verbunden) soweit sichtbar rausmachen. Zumal sie die neue Trasse teilweise queren und somit stören. Da wurden sie auch bereits zerstört und entfernt. Der Rest kommt dann vermutlich heute raus.

Toilettenpanik

Im Verlauf des Donnerstagnachmittags stellten wir plötzlich fest, dass der Toilettenabfluss nicht mehr so gut funktioniert. Es läuft zwar ab, braucht aber einen Moment. Klassisches Zeichen für eine Verstopfung. Blöder Zeitpunkt dafür, schließlich wird irgendwann im März das alles im Keller umgebaut, um mehr Gefälle reinzubringen. Aber bei 0% bis max. 1% heutigem Gefälle im Keller war es nur eine Frage der Zeit, dass uns das mal wieder passiert. Lysanda stellte zwar die Frage in den Raum, ob es mit den Bauarbeitern zu tun haben könnte aber da die zu dem Zeitpunkt am alten Abwasserrohr noch nichts gemacht hatten, verwarf ich diesen Gedanken. Spoiler: Es hatte mit ihnen zu tun.

Also erstmal geschaut, ob man mit Hausmittel (Rohrreiniger und Co.) der Sache zu Leibe rücken kann. Half aber nicht. Freitagmorgens war das Problem nicht nur immer noch da, es wurde auch langsam aber sicher schlimmer (die Rohre wurden schließlich immer voller). Also brauchte ich irgendetwas zum Reinigen der Rohre. Da ich aber wenig Vertrauen in die 08/15-Spiralen habe, kam Lysanda auf die gute Idee ob es da nicht was für unseren Kärcher K4 gibt. Und tatsächlich hat die Firma da was im Angebot. Aber in welchem Baumarkt werde ich das jetzt auf die Schnelle bekommen? Nun, tatsächlich im toom um die Ecke wo ich es am allerwenigsten erwartet hätte. Online ist es dort nämlich gar nicht gelistet, im Gegensatz zum Bauhaus deren angeblich geringe Menge im Markt sich als nicht vorhanden rausstellte (Stichwort: Onlinereservierung). Hatte ich schon erwähnt, dass die Inventarpflege bei Baumärkten zu wünschen übrig lässt? Hatte ich? Okay.

Woher kommt die Verstopfung?!

Der Übeltäter

Glücklich über den Fund (und um 70 Euro für das Dachrinnen- und Rohrreinigungsset ärmer) ging es zurück nach Hause. Erstmal das Klo abgehängt und von oben mit dem Reinigungsset gearbeitet aber keinen Widerstand gefunden. Wasser lief auch immer noch nicht wie erwartet ab. Selbst nach dem Spülen im Keller an einer unserer vielen Spülstellen passierte irgendwie keine großartige Veränderung. Es tropfte nur plötzlich das Wasser von der Decke unter dem Klo – sehr schlechtes Zeichen. Aber wie sagte Lysanda? Ein Problem nach dem anderen. Zu dem Zeitpunkt gingen mir allerdings die Ideen aus. Ich hatte schließlich in alle Richtungen gespült. Da hatte ich dann plötzlich den entscheidenden Geistesblitz. Ich öffnete die Haustüre und schaute hinüber zu unserem Rückstaudoppelverschluss. Und tatsächlich: Die Notfallklappe war geschlossen. Einer der Bauarbeiter muss sie aus verstehen getätigt haben. Also aufgemacht und siehe da: Das Wasser floss wieder. Ich hatte mal wieder Ockhams Skalpell nicht beachtet oder wie Lysanda sagte: Immer erst die Veränderung betrachten.

Blieb das neue Problem, dass wir das Klo nicht mehr dicht bekamen. Egal was wir bei der Rückmontage versuchten, es floss immer Wasser die Wand hinunter. Lysanda – als weibliches Wesen angewiesen auf eine Sitzmöglichkeit – fing so langsam an in Panik zu verfallen. Im Prinzip blieb nur noch einen Klempner zu rufen. Aber wir hatten ja mit Abwasser vertraute Monteure im Hof. Also ging ich erstmal diese Route und frage freundlich, ob sie uns vielleicht helfen konnten. Konnten sie: Sie stellten fest, dass die Dichtung im Rohr vom Wasserbehälter zur Toilette nicht mehr dicht wurde. Sie musste aber nicht getauscht werden. Es reichte sie gegen die Dichtung auf der anderen Seite (in der Toilette) auszutauschen. Problem gelöst. Ein halb überschwemmtes Badezimmer aber Lysanda konnte wieder ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Nein, nicht Putzen. Das habe ich dann gemacht. Ihr seid manchmal echt sexistisch…

Epilog

Ein verschütteter Graben

Im Verlauf des Freitags wurden noch drei Kernbohrungen (Wasser, Abwasser, Gas) vorgenommen, der öffentliche Grund (wie abgesprochen) aufgegraben und der Graben auf dem Grundstück soweit fertig gemacht, dass es heute theoretisch direkt losgehen könnte mit der Leitungsverlegung. Was die Tiefbauer allerdings zum Verfassungszeitpunkt noch nicht wissen: Sie haben scheinbar einen Teil unserer Pflastersteine ungünstig gelagert. Auf einem guten Stück ist irgendwann in der Nacht alles in sich zusammengefallen und ein Teil des Grabens nun wieder verschüttet. Das wieder zu beheben wird dann wohl ihre erste Aufgabe sein. Zum Glück sind weder unsere Haustürtreppe noch die Mauer gegenüber mit eingestürzt.

Und damit müsste ich alles berichtet haben, was es zu den zwei Tagen berichtenswertes gibt. Wie gesagt wesentlich mehr als erwartet. Mal schauen wie es heute und morgen aussieht. Geplant ist, dass morgen Abend in Sachen Außenarbeiten alles fertig ist. Ganz glaube ich da noch nicht dran. Aber ich werde euch kommenden Montag sicherlich ausführlich berichten.

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #28

Der Öl-Vorrat neigt sich wie geplant dem Ende zu.

Es geht endlich los – also zumindest, wenn Sabine (nein, nicht Daiah – der Orkan) nicht alles so sehr durcheinanderwirbelt, dass die Handwerker erstmal woanders gebraucht werden. Wäre auch deshalb doof, weil natürlich jetzt alles schön durchgetaktet ist: Am Donnerstag kommt zuerst der Tiefbau, um die Gräben auszuheben und alles vorzubereiten. Am 17. und 18.2. haben sich dann die Monteure für den Gas-Anschluss sowie die vom Zuwasser angekündigt. Anschließend verlegt der Tiefbauer die Abwasserrohre und alles wird wieder zugemacht – das Ende der Außenarbeiten inkl. Abnahme durch die Stadtwerke (solange muss der Graben offenbleiben). Am 17. kommt außerdem die Öltankfirma zu einer Begehung, um zu schauen was und wie alles getan werden muss, um den Tank aus dem Keller zu holen.

Die Woche drauf, am 26.2. kommt hingegen der Schornsteinfeger. Er will nochmal den Schornstein durchfegen vor dem Heizungswechsel. Der findet dann am 27./28.2. statt, denn da haben sich die Heizungsbauer angekündigt. Ab dann sind wir vom fossilen Brennstoff Öl abgekapselt und verbrennen stattdessen den ebenso fossilen Brennstoff Erdgas. Ja, Erdgas ist technisch gesehen nicht viel besser als Erdöl was die Umweltbilanz angeht. Aber so tolle Sachen wie Geothermie oder Fernwärme gibt es halt bei uns (noch) nicht. Deswegen quasi nur der Wechsel von einem Übel zum nächsten. Es lohnt sich aber für uns, denn wir kriegen so den fast 55 Jahre alten 7.000l Stahltank aus dem Keller und gewinnen entsprechend Raum dazu. Außerdem ist Erdgas trotz einer gewissen Abhängigkeit zum Ölpreis (wird wohl größtenteils in den gleichen Gebieten gefördert) doch noch ein gutes Stück billiger. Und nein: Wir kriegen nicht stattdessen einen Tank im Garten oder so. Das Erdgas kommt tatsächlich einfach so aus der Leitung :smile: . Sobald der Öltank dann draußen ist, können wir das Abwasser innen neu verlegen lassen (ich wate nicht nochmal durch meine Scheiße) und die Aktion ist beendet.

Handwerker

Der Antrag für den Wasseranschluss

Übrigens gar keine einfache Sache so was zu koordinieren. „Kommunikation“ gehört auf Basis meiner bisherigen Erfahrung definitiv nicht zum Pflichtfach in der Berufsschule. Nichts gegen die Tiefbaufirma aber wenn ich mich nicht Ende Januar mal proaktiv erkundigt hätte, wäre der Anruf vermutlich erst vor ein paar Tagen mal gekommen von wegen „Ach übrigens: Wir kommen nächste Woche!“. Das ist wie mit der Post: Es wird immer erwartet, dass man einfach da ist. Als hätte man als Vollzeit-Arbeitnehmer nichts Besseres zu tun und braucht nicht auch ein wenig Vorlauf, um seine Termine entsprechend anzupassen.

Und selbst abseits des Termins wussten nicht alle Beteiligten so genau Bescheid, wie ich das erwartet hätte. Die Stadtwerke riefen mich z.B. vergangenen Donnerstag (vermutlich nach einem Anruf des Tiefbauers) an und meinten: „Wir sollen übernächste Woche was bei Ihnen machen, aber wir haben doch noch gar keinen Antrag von ihnen?!“ Bitte was? Ihr hattet mir doch ein Angebot geschickt und ich hab‘ es unterschrieben. Ja, ne so einfach geht das natürlich in der deutschen Bürokratie nicht. Da muss noch ein Formular mit Plänen ausgefüllt werden. Hat mir keiner meiner Kontakte dort vorher gesagt gehabt. Aber gut: Die Pläne hatte ich dank des Entwässerungsgesuchs griffbereit, das Formular war zügig ausgefüllt und dann per E-Mail alles hingeschickt. Bin also guter Dinge, dass das wie geplant hinhaut.

Also merke: Nicht nur ein Angebot von den Wasserwerken schicken lassen, wie viel das Verlegen und Anschließen kosten wird – auch gleich den Antrag bei den Stadtwerken anfordern!

Übersicht

Ich habe letzte Woche entsprechend viel Zeit mit telefonieren verbracht. Zwar hat die Tiefbaufirma prinzipiell die Koordination für alle Außenarbeiten durchgeführt – was ich natürlich erwartet hatte. Aber die Arbeiten im Inneren musste ich natürlich auf Basis der nun feststehenden Termine anleiern und offiziell beauftragen. Aber halten wir doch mal genauer fest, was eigentlich alles passiert, wer es macht und was es kostet:

Art der Baumaßnahme

Umverlegung der Abwasser- und Zuwasserleitungen (was tatsächlich aus Sicht der Stadtwerke jeweils ein Neuanschluss ist) sowie Herstellung eines Gas-Anschlusses plus Einbau einer Gasheizung und Abbau/Entsorgung eines Heizölbrenners.

10m² mehr Platz!

Im Außenbereich umfasst das ca. 25m Tiefbau mit Oberfläche. 2-3m davon sind im öffentlichen Grund und der Rest größtenteils mit Pflaster bedeckt (im Angebot stehen 33m² Pflaster rausnehmen und wiedereinsetzen). Wobei nur in ca. 13m Graben alle drei Versorgungsleitungen (Abwasser, Zuwasser und Gas) drin sind. Damit ich mir im Keller in Zukunft nicht mehr den Kopf stoße, kriegen wir nämlich eine komplett neue Mauerdurchführung für das Abwasser an einer anderen Hausseite. Sprich vor dem Haus treffen sich die Abwasserrohre, bevor sie dann zu einem Rohr vereinigt an den öffentlichen Kanal angeschlossen werden. Zusätzlich muss kurz vor Ende des Privatgrunds noch ein Revisions-/Kontrollschacht gesetzt werden. Der fällt in unserem Fall mit DN400 ziemlich klein aus (die Vorgaben verlangen eigentlich einen DN1000) aber da der öffentliche Kanal selbst viel zu wenig Überdeckung hat, macht es keinen Sinn so ein riesiges (und teures!) Monster da hin zu machen. Und da das Entwässerungsgesuch auch damit genehmigt wurde, gehe ich jetzt mal davon aus, dass das so passt :smile: .

Ursprünglich wollte ich unser Regenwasser ebenfalls mit in den Kanal laufen lassen aber das wurde mir von den Stadtwerken verboten, weil der Kanal in der Straße zu klein ist. Es bleibt also bei einer sogenannten „Bodennahen Versickerung“.

Beteiligte

Da ich mich tatsächlich vergleichsweise schwer getan habe die richtigen Firmen für die einzelnen Tätigkeiten zu finden – kenne ja schließlich nicht zwingend alle Fachbegriffe -, hier mal eine Liste aller Beteiligten:

  • Ingenieurbüro für die Erstellung des Entwässerungsgesuchs
  • Tiefbaufirma zur Herstellung der Gräben
  • Wasser-/Stadtwerke zur Herstellung der neuen Zuwasserzuführung und Abnahme der Abwasserleitungen
  • Gasversorger bzw. beauftragte Baufirma zur Herstellung des neuen Gasanschlusses
  • Kanalbaufirma (in unserem Fall identisch zur Tiefbaufirma) zur Außenverlegung der Abwasserrohre
  • Schornsteinfeger zur Vorbereitung und Abnahme der neuen Heizungsanlage (ja, er muss nochmal kommen)
  • Heizungsbauer zum Abbau der alten und Aufbau der neuen Heizungsanlage
  • Öltankbau-Unternehmen zum Abbau des alten Öltanks
  • Einer unserer Nachbarn, dem wir unser restliches Heizöl rüber pumpen werden. Die Entsorgung durch die Firma kostet nämlich sonst 0,39€ pro Liter – das kann man definitiv sich sparen.
  • TÜV für die Bescheinigung, dass der Öltank tatsächlich abgebaut wurde (ja, total Banane)
  • Sanitär-Installateur/Klempner (in unserem Fall identisch zum Heizungsbauer) zur Umverlegung der Abwasserleitungen im Haus

Ganz schön viele Leute für so eine vergleichsweise kleine Maßnahme. Kein Wunder, dass es so schwierig ist die unter ein Dach zu bringen.

Zeitfaktor

Die alte Ölheizung

Wie ihr oben schon sehen konntet: Der Hauptteil der Arbeiten wird innerhalb von drei Wochen abgeschlossen sein, wenn alles nach Plan läuft. Ist ja auch klar: Der Tiefbauer kann den Graben nicht ewig offenstehen lassen – die verkehrsrechtliche Anordnung zum Graben im öffentlichen Grund gilt glaube ich zwei Wochen. Also müssen er und die Versorger das Ganze zügig über die Bühne bringen.

Im Inneren des Hauses ist der Zeitdruck etwas weniger stark. Wir müssen zwar bis zu einem gewissen Stichtag Gas vom Versorger beziehen, sonst kriegen wir zusätzliche Kosten aufgebrummt, aber das ist in unserem Fall erst 2021. Es macht aber natürlich Sinn das ebenfalls möglichst zügig über die Bühne zu bringen. Außer dem eigenen Kontostand spricht ja normalerweise nichts dagegen sofort die Heizung auszutauschen. Und wenn man den Öltank länger stehen lässt, kommen schlimmstenfalls sogar nochmal Kosten für die zyklische Prüfung auf einen zu, die ja technisch gesehen dann nicht mehr notwendig wäre. Nach aktuellem Stand dürften wir aber mit allen Maßnahmen bis Ende März sein. Also 1 1/2 Monate von Start Tiefbau bis der Umverlegung des Abwassers im Keller. Die Vorarbeiten (Entwässerungsgesuch, Angebote einholen, etc.) haben da tatsächlich wesentlich mehr Zeit gekostet. Das dürfte mindestens doppelte so lange gedauert haben.

Das Material

Die genauen Details was alles verbaut wird/wurde, werde ich in den kommenden Einträgen bekannt geben aber in Sachen Heizung kriegen wir grob gesagt einen bodenstehenden Gas-Brennwertkessel. Warum „bodenstehend“? Weil der Heizungsbauer gesagt hat, dass die Wandgeräte nicht so super wären und es auch vom Hersteller darauf weniger Garantie gibt. Sind dann zwar etwas billiger aber bringt ja nichts, wenn ich es in 10 Jahren schon wieder tauschen muss. Aus dem Haus heraus werden hingegen Abwasserrohre der Größe DN100 bis zum Zusammenführungspunkt gelegt und dann auf ein DN150 gewechselt. Warum? Ganz einfach, weil das die Vorgabe von den Stadtwerken ist. Gemäß der Berechnung des Ingenieurs würde ein DN100 nämlich für unsere Hütte ausreichen – und der Unterschied zwischen DN100 und DN150 sind immerhin 3-4€ pro Meter! Und dann natürlich kommt noch der oben erwähnte Revisionsschacht dazu.

Die Kosten

Finale Preise habe ich natürlich noch nicht ganz genau und selbst dann werde ich sie wie immer an dieser Stelle freilich nicht alle nennen – gibt leider immer zu viele Leute, die sich damit dann versuchen irgendwas zusammenreimen und/oder es nicht ertragen können, dass man vielleicht etwas Geld hat und es auch noch ausgibt. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Preise also: Nun, das Entwässerungsgesuch hat trotz Preisnachlass (es war ihm unangenehm, dass sein Angebot SO stark von der finalen Rechnung abwich) immer noch gut 2.500€ gekostet. Tiefbau als auch die Gasheizung befinden sich hingegen mit Arbeit und Material im niedrigen, fünfstelligen Bereich. Kein großes Geheimnis ist hingegen, dass der Gasanschluss mit nur rund 1.000 Euro zu Buche schlägt, weil der regionale Versorger ein entsprechendes Pauschalangebot hat („begrenzt auf eine bestimmte Anzahl an Häuser pro Jahr“). Der Wasseranschluss (wohlgemerkt ohne Tiefbau!) wird dafür ca. dreimal so teuer, denn die haben so eine schicke Pauschale leider nicht. Für den Abbau des Öltanks (inkl. Aufschneiden der Tür) und Umverlegung Abwasser innen kommt nochmal um den Dreh der gleiche Betrag dazu. Die Bescheinigung vom TÜV kostet hingegen 120€ und für die Abnahme der Anlage wird der Bezirksschornsteinfeger wahrscheinlich 250€ verlangen. Macht zusammen einen stattlichen fünfstelligen Betrag, den wir insgesamt auf diverse Konten überweisen müssen. Aber es ist natürlich eine Investition in die Zukunft. Ich hau‘ mir nicht mehr im Keller den Kopf am Rohr an, ich kann endlich meine Wasseruhr im Auge behalten und wir können z.B. ein Bad in den Keller bauen. Muss Lysanda nicht immer hochlaufen, wenn das Springen auf dem Trampolin mal wieder ihre Verdauung in Schwung gebracht hat :smile: . Außerdem steigert sich selbstverständlich der Hauswert. Ist für uns zwar aktuell nicht wichtig – wir wollen ja noch etwas länger hier wohnen bleiben -, aber man weiß ja nie.

Der KfW-Zuschuss 430

Unterm Strich also keine ganz so billige Sache, diese Baumaßnahme. Jetzt könnte man natürlich fragen: Gibt es da nicht irgendeine staatliche Förderung? Ja, gibt es theoretisch. Das ist zum Verfassungszeitpunkt der KfW 430. Da kann man für Einzelmaßnahmen 20% der Kosten zurückbekommen (maximal 10.000€). Darunter würde tatsächlich auch die Erdgasheizung (nicht der Anschluss selbst!) fallen. Das Problem ist: Es lohnt sich bei uns einfach nicht. Ja, wir würden natürlich am Ende der Aktion etwas zurückbekommen aber der Betrag würde unter 1.000€ liegen und dafür ist der Aufwand und die dafür notwendigen Ausgaben einfach zu groß. Es fängt schon damit an, dass ihr einen lizensierten Energieeffizienzberater beauftragen müsst, der die Maßnahme begleitet. Sprich er schaut sich das an, macht den Antrag und nimmt das Ergebnis ab. Und der macht das logischerweise nicht kostenlos, sondern schlägt gleich mal mit mehreren Tausend Euro zu Buche.

Natürlich hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau ebenfalls an diesen Umstand gedacht und den KfW 431 ins Leben gerufen: Damit werden die Kosten eines Experten für Energieeffizienz bis zu 50% gefördert. Aber selbst damit muss eure Investition schon eine gewisse Größe haben (ich glaub‘ der Berater meinte min. 20.000€), bevor es sich wirklich lohnt. Deshalb haben wir (und auf Anraten des Beraters – was ich ihm wirklich zu Gute halte!) darauf verzichtet und bezahlen einfach alles aus eigener Tasche. Das ist im Ende tatsächlich billiger und weniger stressig.

Epilog

Und damit würde ich sagen ist es erst einmal genug für heute. Die Maßnahme dürfte unser größtes Ding seit den Renovierungsarbeiten vor dem Einzug vor vier Jahren (ja, ist tatsächlich schon wieder so lange her!) sein sowohl was die Kosten als auch den Aufwand betrifft. Aber anders als damals lassen wir dieses Mal alles von Handwerkern machen. Hoffen wir mal, dass das deutsche Urvertrauen in diesen Berufsstand heutzutage noch gerechtfertigt ist :smile: .

Wenn alles wie geplant läuft, gibt es dann vermutlich in zwei Wochen die Folge 29 mit dem Bericht zum (Miss)Erfolg der Tiefbaumaßnahmen. Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss Magic: The Gathering – Puzzle Quest spielen. Meine Koalition erwartet eine bestimmte Punktzahl von mir…

Eine der Zeichnungen aus dem Entwässerungsgesuch

Vergangenen Freitag fand wie geplant die Aufzeichnung des GamersGlobal Jubiläumspodcasts statt. Wir waren zu sechst (mit Jörg) und haben rund 1 1/2 Stunden aufs Band gebracht. Unter anderem erwarten euch von mir folgende Themen: Warum ich 2011 Dark Souls nicht getestet habe, meine 8,5/10 für Duke Nukem Forever und die zwei Wertungen, mit denen ich im Nachhinein nicht ganz so glücklich war. Dürfte für fleißige Leser dieser Webseite alles nichts Neues sein aber reinhören solltet ihr natürlich trotzdem :smile: . Die Veröffentlichung erfolgt morgen um 8 Uhr an dieser Stelle.

Und damit ist das Thema „10 Jahre GamersGlobal“ für mich soweit ich weiß auch schon wieder abgeschlossen. Ich konnte zwar die Finger nicht davonlassen und habe tatsächlich ein bisschen mitgearbeitet (einen News-Vorschlag, ein paar Steckbriefe, News redigiert, etc.) – scheinbar zur Freude des aktuellen Oberarchivars :wink: . Das ist aber nur eine temporäre Sache, weil ich grad einfach wieder relativ häufig auf der Seite bin, um die Kommentare unter den Grußworten zu lesen. Das legt sich dann ganz schnell wieder.

Unterm Strich war (und ist) es ganz nett mal wieder etwas im Rampenlicht zu stehen (ich hoffe ein paar Leser bleiben dadurch auch hier auf der Seite hängen – hallo!) aber die Entscheidung GamersGlobal den Rücken zu kehren war und ist weiterhin die Richtige gewesen.

Zurück in den Alltag

Der Lese-/Ruhe-/Schlafbereich

Kommen wir nun zu den eigentlichen Themen des heutigen Eintrags: Was gibt es Neues zu berichten im Hause Lysanda? Nun, das Entwässerungsgesuch wurde schneller als erwartet genehmigt. Und auch die Anzahl der Korrekturen durch die Bearbeiterin bei den Stadtwerken war signifikant niedriger als erwartet. Soll uns recht sein, denn dadurch wird die Maßnahme für uns etwas billiger (so ein Revisionsschacht wird schon verdammt teuer je größer man ihn machen muss). Jetzt heißt es auf den Tiefbauer warten bis er uns endlich einen Termin nennt an dem es losgehen kann. Gas braucht sechs Wochen Vorlaufzeit, Zuwasser (die sind zuerst dran) zwei Wochen und Abwasser macht der Tiefbauer selbst. Muss nur anschließend bei offenem Graben von den Stadtwerken abgenommen werden. Unser Ziel ist es das alles noch dieses Jahr über die Bühne zu bekommen, damit wir dann nächstes Jahr bis Mai (nächste Öltankprüfung) die Innenarbeiten abschließen können.

Der Freizeitraum im Keller ist hingegen soweit fertig. Ja, wir haben in die Regale und Schränke immer noch nichts eingeräumt (hier und da muss noch etwas Rauchgeruch raus) und die ein oder andere Dekoration fehlt noch sowie ein kleiner Vorhang. Aber ich kann euch nun endlich mit einem zusammenfassenden Abschlussbericht beglücken. Also lasst uns mal zusammenfassen, was Lysanda und ich da unten getrieben haben und was es am Ende gekostet hat.

Der Anfang

Unsere Ausgangsbasis war ein Kellerraum mit ca. 40m² Grundfläche, der durch zwei in den Raum ragende Ecken grob in der Mitte geteilt ist. Es gab ein Fenster mit Holzrahmen, das sich nicht mehr richtig öffnen und schließen ließ. An einem Teilstück der östlichen Wand hing eine uralte Tapete, am anderen klebten in der Vergangenheit mal Bierdeckel. Die südlichen und nördlichen Wände waren hingegen rot gestrichen und die eine Hälfte der westlichen Wand ist mit einer Holzvertäfelung versehen. Der Rest war und ist wie auch die Decke weiß angemalt. Der Boden hatte hingegen irgendwann mal eine Versiegelung erhalten, die hat sich aber offensichtlich schon vor längerer Zeit angefangen in ihre Einzelteile zu zerlegen. Aufgrund des Wasserschadens unserer Vorbesitzer, war zudem der Putz an mehreren Wänden bis auf teilweise 30cm Höhe völlig unbrauchbar. Diesen Raum wollten wir nun in unser persönliches Fitnesstudio und eine Art Ruhe-/Leseraum/Sommerschlafplatz umwandeln.

So sah der Keller bei der Besichtigung vor dem Hauskauf aus

Der erste Schritt war das Aufräumen. Wie es sich für einen Keller gehört, stand natürlich alles kreuz und quer in der Gegend rum und es war auch in den anderen Räumen nicht genug Platz, um alles unterzubringen. Also haben wir erst alles von der einen Hälfte des Raumes in die andere geräumt, um Anfangen zu können. Dann habe ich die Tapeten und die Bierdeckelreste entfernt. Ging so weit ganz gut im Gegensatz zum Kellerflur, der leider immer noch auf mich wartet. Der nächste Schritt war der Austausch des alten Kellerfensters durch etwas Moderneres in Sachen Energieeffizienz und Einbruchschutz. Damit haben wir eine Firma beauftragt, da uns das bei aller DIY-Mentalität dann doch etwas zu heikel war. Auch die zum Fenster passenden Gardinen haben wir uns nähen lassen, da es irgendwie in den Geschäften für diese Größe nichts vorkonfektioniertes gab. Dafür haben wir eine Fensterbank aus einem Reststück weißem Deckenpanel  gebastelt (=zurechtgeschnitten und mit Montagekleber befestigt). Das sieht genauso gut aus wie ein Stück Metall oder Stein und war wesentlich billiger – und für die Katzen zum draufsitzen reicht es allemal.

Grobgestaltung

Anschließend konnten wir den alten, bröckligen Putz runterholen. Eine große Sauerei aber nicht das große Problem. Im Raum waren bereits vier Steckdosen vorhanden. Leider passte die Verteilung überhaupt nicht. An der westlichen Wand waren gleich vier Stück, auf der anderen Seite gar keine. Entsprechend wollten wir neue Steckdosen verlegen und da der Putz am Sockel eh ab war, war natürlich die Idee es Unterputz zu tun. Ich musste jedoch feststellen, dass ich vermutlich noch die nächsten Jahrzehnte damit beschäftigt gewesen wäre in die Steine der Außenmauer einen Schlitz reinzuklopfen. Entsprechend haben wir die Idee dann verworfen. Also einfach nur Knauf-Rotband an die Wand geklatscht und versucht einen guten Abschluss zwischen Wand, Boden und restlichem Putz hin zu bekommen. Keine einfache Sache und wir haben es auch definitiv nicht 100% gerade und gleichmäßig hinbekommen, da wir frei Hand gearbeitet haben. Wahrscheinlich hätten wir die Holzleistenmethode (gleichgroße Leisten setzen, dazwischen mit Putz auffüllen und dann mit dem Schieber drüberziehen) nutzen müssen. Aber Nägel habe ich in die Außenmauer partout nicht reinbekommen. Wenn man es allerdings nicht weiß, fällt es jetzt im fertigen Zustand nicht mehr auf. Davon abgesehen ist der Rest der Wand schon schief und krumm gewesen, von einheitlich verputzt gar nicht zu reden.

Die Löcher sind geflickt und die Farbe ist drauf.

Nach dem Verputzen kam logischerweise das Bemalen der Wände. Für die roten Wände haben wir uns entschieden sie weiß zu streichen. Die gleiche Farbe hätten wir eh nirgends gefunden und es hat auch den Raum ziemlich dunkel gemacht. Ich musste dadurch zwar 1 1/2mal Streichen aber dank der gut deckenden Farbe von Südwest hat es sehr gut funktioniert. Man sieht keine Flecken oder irgendetwas durchschimmern. Da wir beide aber kein Fan von komplett weißen Räumen sind, haben wir die östliche Wand komplett lachsfarben eingepinselt (vorher mit weiß die kritischen Stellen vorgestrichen). Das hatten wir noch vom Schlafzimmer übrig, es passt gut zu weiß und ist selbst nicht so dunkel, dass es stören würde. Die Beleuchtung des Raums erfolgt schließlich nur durch zwei Lampen und einem Kellerfenster. Da muss man schon etwas drauf achten wie man ihn gestaltet. Ursprünglich hatte der Raum sogar nur eine Röhrenlampe an der nördlichen Wand. Die haben wir dann entfernt und stattdessen die beiden Deckenlampen in jeder Raumhälfte in der Mitte montiert – plus einer teuren Doppelschaltersteckdose neben der Tür, um sie getrennt voneinander an- und ausschalten zu können.

Der Boden

Nach den Wänden folgte der größte Kostenpunkt: Der Bodenbelag. Wir hätten ihn zwar einfach neu versiegeln können, aber da es ja ein „Freizeitraum“ werden sollte, wollten wir schon auch gerne mal Strümpfig/Barfüßig drin herumlaufen können. Das ist auf einem Beton/Estrichboden natürlich nicht besonders angenehm. Und da wir im Schlafzimmer so gute Erfahrungen mit Kork gemacht haben, entschieden wir uns dafür hier ebenfalls welchen zu verlegen. Statt jedoch Korklaminat zu verwenden, griffen wir zu Klebekork. Der Hauptgrund dafür ist die wesentlich einfachere Verarbeitung (und vermutlich sogar ein günstigerer Preis). Klebekork lässt sich ganz einfach mit dem Messer schneiden. Das geht nicht nur schneller, man hat auch wesentlich weniger Verschnitt. Das Verlegen geht ganz einfach (Kleber auf den Boden und die Platte, warten, draufdrücken, fertig) und man kann sich besser an der Wand ausrichten. Außerdem muss man bei einer Beschädigung nicht gleich das halbe Zimmer wieder auseinanderbauen. Einfach die beschädigte und alle die bei dem Unterfangen mit kaputt gehen rausnehmen, neue einstreichen, rein und fertig. Nachteil ist aber, dass ihr Fugen kriegen könnt. Das ist uns in der zweiten Raumhälfte passiert. Da haben wir uns scheinbar in der Ecke irgendwie vermessen.

Beim Klebekork gibt es wie üblich preisliche Unterschiede. Wir haben uns im Keller für die nackte Variante entschieden, also ohne Versiegelung. Das ist die billigste, die man im Baumarkt findet (rund 10 Euro pro m²), gleichzeitig aber auch die empfindlichste. Aufgrund des Preisunterschieds zwischen mit und ohne Versiegelung und der Tatsache, dass wir eben nicht jeden Tag dort unten sind, haben wir mit eingerechnet, dass dadurch öfters mal eine Platte getauscht werden muss und sind zum Ergebnis gelangt, dass es trotzdem noch günstiger ist. Einziger, signifikanter Nachteil bisher: Die Oberfläche der unversiegelten Platten ist scheinbar so rau, dass ich mit einem normalen Putzlappen nicht zurande komme. Ohne viel Kraftaufwand komme ich da keinen Millimeter voran.

Vor dem Acryl sahen die Bodenleisten so aus

Zu guter Letzt mussten wir noch die Steckdosen befestigen, den Strom verlegen und die Bodenleisten montieren. Das haben wir dann einfach miteinander kombiniert. Sprich wir haben einen weißen Kabelkanal am Boden mit dem Kontaktkleber vom Kork festgeklebt und dort das Stromkabel durchgezogen. An der Wand mit der Holzverkleidung kam eine klassische Bodenleiste zum Einsatz (mit Nägeln). Für den Übergang an den restlichen Wänden haben wir uns hingegen für eine simple, weiße L-Plastikleiste entschieden. Da die Wände so dermaßen krumm und schief sind, dass wir das mit Nägeln sowieso nicht gescheit hinbekommen hätten, haben wir die dann auch auf den Boden geklebt und die Abstände (wie beim Kabelkanal) einfach mit weißem Acryl ausgespritzt. Sieht super aus und fällt absolut nicht auf – zumindest solange bis das Acryl vergilbt. Was wir aber nicht hoffen, schließlich haben wir extra zu Knauf gegriffen was ja angeblich hochwertig sein soll.

Der Inhalt

Da aufgrund des Korks ein paar Millimeter mehr Platz unter der Tür benötigt wurde, mussten wir die entsprechend etwas abschneiden. Da es sich aber glücklicherweise um eine alte Holztür handelte, war das absolut kein Problem. Angezeichnet, Stichsäge ausgepackt, fertig. Nun konnten wir also damit beginnen sauber zu machen, die Möbel aufzustellen und fleißig auszusortieren. Ja, wir hatten mehr Möbel im Keller stehen als wir gebrauchen konnten/wollten. Sowieso haben wir für den Raum nur zwei Sachen zusätzlich angeschafft: Einen Crosstrainer und ein Trampolin. Alles andere hatten wir entweder schon (z.B. mein altes Schlafsofa) oder haben es auf die eine (Nachbarn, Verwandtschaft, Kollegen) oder andere Weise (Free Your Stuff-Gruppen auf Facebook) geschenkt bekommen. Darunter einen Stepper, eine Rüttelplatte, zwei Nachttischchen, mehrere Regale und Schränke, einen Sekretär, einen Fernseher und einen Fernsehtisch. Von Don Quichotte haben wir sogar ein paar Spiegelfliesen bekommen. Die haben wir an der Holzvertäfelung befestigt (mit Spiegelklebestreifen), um stilecht eine kleine Spiegelwand zu haben. Sehr praktisch, um beim Training die eigene Stellung zu korrigieren. Billiger geht es nicht. Und bevor der Kram auf dem Sperrmüll landet, warum ihm nicht ein zweites Leben schenken? Wir hatten wie gesagt sogar noch einiges übrig, dass wir bis auf die Vitrine bereits weiterverschenkt haben.

Zwei Nachteile hat diese Methode natürlich: Die Möbel passen farblich mitunter nicht ganz zusammen (siehe z.B. Fernsehtisch und Schränke), was uns aber relativ egal ist, und die Nachbarschaft war eine Raucherfamilie. Entsprechend mussten wir diesen Geruch irgendwie aus den Möbeln rausbekommen. Sonst wären wir da unten bestimmt nicht glücklich geworden. Die Lösung: Effektive Mikroorganismen. Die funktionieren nicht nur bei Katzen und Menschen, sondern fressen eben auch die stinkenden Mikroben in den Möbeln auf. Dauert halt hier und da etwas länger (standen ja Jahrelang im Mief), weshalb wir bei zwei abschließbaren Schränken noch nicht ganz fertig sind. Aber selbst bei denen ist schon ein himmelweiter Unterschied seit den Behandlungen riechbar.

Der Aufwand

Der Fitnessbereich

Kommen wir zum Abschluss noch zum eigentlich interessanten Teil: Den Kosten. Ein Ziel mit dem Freizeitraum war, dass wir uns die Gebühr für das Fitnessstudio in Zukunft sparen können. Anfang September ist unsere Mitgliedschaft entsprechend ausgelaufen und der Fitnessbereich des Zimmers war auch tatsächlich pünktlich fertig. Gekostet hat die Zugehörigkeit für jede Person rund 45 Euro pro Monat. Macht 1.080 Euro im Jahr. Also nicht unbedingt wenig. Für das Herrichten und Ausstatten des Raumes haben wir hingegen am Ende rund 3.500 Euro ausgegeben. Etwas mehr als wir den Handwerkern für den Doppelstabmattenzaun in die Hand gedrückt haben. Davon entfallen aber allein gut 2.000 Euro auf den Crosstrainer, das Trampolin und kleinere Sportgeräte wie Hanteln und Therabänder. Das Fenster hat hingegen mit Gardinen rund 800 Euro gekostet und der Kork um die 450 Euro. Bleibt nicht mehr viel übrig für das restliche Material (250 Euro, um genau zu sein). Und die Möbel haben uns wie gesagt überhaupt nichts gekostet, weil sie entweder sowieso schon rumstanden oder wir sie geschenkt bekamen.

Durch den Verzicht auf das Fitnessstudio macht sich der Raum quasi schon nach drei Jahren bezahlt – und wir haben logischerweise noch mehr Vorteile davon. Ja, wir müssen dafür jetzt wieder Zuhause Duschen aber wie schon mehrfach erwähnt ist Wasser in Deutschland eh viel zu billig. Dafür haben wir keine Fahrtkosten und haben einen nun ausgebauten Wohnraum, der nur zur Hälfte ein Fitnessbereich ist. In die andere Hälfte kommen Bücher, da unsere Regale im ersten Stock schon aus allen Nähten platzen und er kann als Gästeschlafzimmer und als „Chillzone“ dienen. Ach und es ist natürlich grundsätzlich eine Wertsteigerung für das Haus, auch wenn wir weiterhin nicht planen hier auf lange Sicht auszuziehen.

Ausgelassen habe ich bei dieser Rechnung freilich unsere Arbeitszeit. Wir haben schließlich so einige Wochenenden und Abende im Keller verbracht. Aber das ist ja bekanntlich immer Abwägungssache und uns war es das logischerweise Wert diese Zeit zu investieren.

Epilog

Und damit habe ich hoffentlich alle Fragen beantwortet, die ihr nicht hattet. Wir haben unser Haus wieder ein Stück mehr an unsere Vorstellung angepasst und es noch wohnlicher gemacht. Ja, es hat wieder Geld und Zeit gekostet aber ich vergleiche es mal mit Dark Souls: Die Bosskämpfe sind anstrengend, liegt er aber erst einmal mit der Nase im Dreck ist das Glücksgefühl es geschafft zu haben sehr groß. Und für die Katzen ist es aktuell ein Wunderland.

Jetzt entschuldigt mich aber: Ich muss runter und Sport treiben. Mein Bauch ist immer noch viel zu fett. Und ja: Wir haben uns dafür trotzdem wieder Termine eingestellt (drei Mal die Woche). Ihr wisst ja wie das sonst laufen würde :wink: .

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