Ein Teil der 2019er Ausbeute

Und damit kommen wir nach dieser kurzen Unterbrechung wieder zurück zum regulären Programm: Das Jahr neigt sich dem Ende zu und, weil die Magazine aus ihrer Sicht sonst nichts zu tun haben (bzw. nur wenig besetzt sind), werden die Jahreslisten rausgehauen. Dieses Jahr können sie sogar zusätzlich noch auf das ganze Jahrzehnt zurückblicken! Doppelter Content für noch weniger Geld! Und da wir hier bei Beim Christoph mindestens genauso gut im faul sein sind, wie die ganz Großen in der Branche, beginnen auch wir mit dem Blick zurück. Heute auf mein Spielejahr und kommenden Montag dann der „große“ (er ist noch nicht geschrieben) Beim Christoph Jahresrückblick 2019.

Die eingesetzte Hardware

Im Gegensatz zu den Magazinen – ja, ich bin heute etwas gehässig, weil ich zu viele Jahresendlisten gelesen habe -, kann ich nicht einfach im Archiv kramen und die Spiele mit den besten Wertungen des Jahres rausholen. Nein, ich muss mir tatsächlich Gedanken darüber machen, was ich eigentlich so gezockt habe. Das liegt vor allem daran, dass praktisch kein einziger Launcher eine gescheite Historie für die Nutzer bietet. Dabei haben sie diese Information garantiert. Echt blöd. Aber egal: Fakt ist sowieso, dass 2019 bei mir nicht das Jahr der Masse, sondern des 100%-fokussierten Spielens war. Ich habe meine Zeit absolut effizient und über Wochen(enden) hinweg nur mit einem Titel verbracht – und dann meistens einen Eintrag dazu geschrieben :smile: . Ich hab‘ zwar trotzdem fleißig Geld ausgegeben (Crowdfunding, Steam Sales aber auch das ein oder andere physikalische – soweit ich eins mit funktionierenden Key finden konnte). Aber das dazugehörige Spielehopping blieb aus. Mehr für den Backlog quasi :wink: .

Aber kommen wir zuerst zur eingesetzten Hardware: Die Xbox 360 und die PlayStation 3 waren dieses Jahr überhaupt nicht an (gab‘ glaube ich nicht einmal mehr Updates). Im Nintendo 3DS lief hin und wieder Sonic Colours, obwohl ich weiterhin zu blöd dafür bin (habe noch keine einzige Bonus-Mission geschafft). Und mit der PlayStation Vita arbeite ich mich langsam aber sicher durch Silent Hill: Book of Memories. Ja, exakt die gleichen Titel, die ich bereits im letztjährigen Rückblick erwähnt hatte. Aber irgendwann werde ich sie durchhaben :smile: ! Konsolen der nun bald vorherigen Generation kommen aus diesem Grund weiterhin absolut nicht für einen Kauf in Frage. Hab‘ eh keine Zeit. Bleiben als meine digitalen Spielgefährten „nur“ noch mein Smartphone und mein PC.

Mein Spielejahr 2019

Auf dem Smartphone dominierte trotz meiner technisch bedingten Auszeit ganz klar Magic: The Gathering – Puzzle Quest. Ich verstehe nicht warum, aber es zieht mich einfach magisch an. Da das aber bereits 2018 in meiner Top-Liste stand, wird es da dort nie wieder auftauchen. Kairosoft-Spiele habe ich zwar ebenfalls wie gewohnt alle gekauft aber tatsächlich war heuer irgendwie keiner dabei, der mich so richtig in den Flow gebracht hat. Am längsten habe ich vermutlich den Free-2-Play-Titel Kingdom Adventurers gezockt, aber selbst da ist aktuell die Luft raus. Auf dem PC dominierte hingegen zu Beginn des Jahres noch Kingdom Come: Deliverance, das auch schon in der 2018er Top-Liste stand und mittlerweile übrigens offiziell fertig ist. Die versprochenen Modding-Tools wurden noch veröffentlicht und damit das Spiel bis auf Version 1.9.2 gehoben. Jetzt widmen sich die Entwickler ganz dem zweiten Teil der Serie. Release? Irgendwann :smile: .

Was dann noch übrig bleibt für mein Spielejahr 2019? Nun, unter anderem diese fünf hier:

HuniePop (Herstellerbild)

1. HuniePop (2015; PC, LNX, MAC) – Würde ich euch das Spiel als „Match-3-Dating-Simulation mit Klischee-Charakteren“ beschreiben, wäre eure Bereitschaft es euch anzuschauen vermutlich sofort verflogen. Aber der Titel aus dem Hause HuniePot hat wider Erwarten wesentlich mehr Tiefgang zu bieten als man von den meisten Wix-Vorlagen dieser Art auf Steam erwarten würde. Seine hohe Platzierung auf dieser Liste hat er aber – wie schon im dazugehörigen Eintrag geschrieben – einer anderen Tatsache zu verdanken: Er ist der erste Titel, den Lysanda und ich tatsächlich gemeinsam durchgespielt haben. Ungewöhnlich aber die Kombination aus Sex, Match 3-Gameplay (Lysanda) und ein bisschen (strategische) Management (ich) war scheinbar genau die richtige, um uns endlich als Team auf einer Ebene agieren zu lassen. Bisher waren die Erfahrungen ja leider mehr „Ich bin der erfahrene Spieler und schiebe meinen Partner vor mir her“. Quasi sowohl ein Titel für „einsame“ Stunden als auch zur Stärkung einer Beziehung :smile: .

The Room (Herstellerbild)

2. The Room Trilogy (2014-2018; PC, iOS, Android) – Ein Raum voller Rätsel titelte ich im Juli und ja: Im Kern besteht die Trilogie aus nichts anderem. Es werden zwar mit jeder Fortsetzung ein paar mehr Räume aber am Ende des Tages ist eure Aufgabe immer die Gleiche: Wahnsinnig haptische und auf mechanischer Logik basierende Rätsel lösen. Dass das selbst mit der Maus so befriedigend sein kann, ist genial und liegt einzig und allein daran, dass die Entwickler von Fireproof Games so viel Zeit in die kleinen Details gesteckt haben. Man kann gar nicht beschreiben wie befriedigend es ist, einfach nur einen Schalter durch Schieben mit der Maus umzulegen und anschließend dabei zuzusehen wie das ganze Objekt anfängt zu brummen und zu wackeln und plötzlich geht irgendwo eine Klappe mit dem nächsten Rätsel auf. Die Optik und das Sounddesign sind hier einfach perfekt. Da kann kein noch so riesiger Dark Souls-Boss mithalten. Bitte? Es gibt auch eine Hintergrundgeschichte, die alle drei Titel miteinander verbindet? Geschenkt! Ich will einfach weiter komische und schick animierte Mystery-Boxen aufmachen!

FarCry Primal (Herstellerbild)

3. FarCry Primal (2016; PC, PS4, XONE) – „Wad? Kein FarCry 4?“ Ja, bei FarCry 4 hat mich zwar die Hintergrundgeschichte nachdenklich zurückgelassen aber der Rest war 08/15-Ubisoft-Open-World-Gedöhns. Das ist natürlich auch Kern des Spin-Offs. Aber dort ist es verpackt in eine äußerst interessante, prä-historische Welt (die topographisch auf der Spielwelt von FarCry 4 basiert, aber optisch nicht wiederzuerkennen ist) inkl. „Original“ Proto-Indo-Europäischer Sprachausgabe (soweit die Wissenschaft das beurteilen kann) mit einem viel stärkeren Survival- und Crafting-Aspekt. So müsst ihr euch eure Waffen mit Hilfe von Ressourcen aus der Spielwelt selbst bauen (Pfeile gibt es z.B. nur, wenn ihr Äste sammelt) und viele Dinge schaltet ihr nur frei, nachdem ihr Wenja (so heißen die Einwohner) rettet, in eurer Dorf bringt und ihnen Häuser baut.

Ja, ihr macht trotzdem die Ubisoft-Open-World-Standards: Stützpunkte befreien, alles sammeln was ihr findet, euch durch die zahlreichen Haupt-, Neben- und Eventmissionen arbeiten und nach jedem Level ein paar Punkte im Skillbaum verteilen. Aber die Entwickler haben spürbar versucht diese bekannten Mechaniken zum einen besser in das Setting zu integrieren und zum anderen dabei einen neuen Spin zu geben. Das ist nicht zu 100% gelungen (Stichwort Greifhaken), es ist aber definitiv mal was anderes. Ach und die Möglichkeit viele Tiere nicht nur zu töten, sondern auch zu zähmen (kämpfen dann an eurer Seite) und die größeren Vertreter (Säbelzahntiger, Bären, Mammuts) sogar in den Kampf zu reiten erhöht den Coolness-Faktor des Titels immens.

The Division (Herstellerbild)

4. The Division (2016; PC, PS4, XONE) – Der Titel, in den ich am Ende genauso viele Stunden investiert habe wie in Kingdom Come: Deliverance. Anders als bei der Mittelaltersimulation habe ich ihn jedoch im genervt hinter mir gelassen, weshalb er auch nicht weiter oben auf dieser Liste steht. Es ist eben doch „nur“ ein Mehrspieler-Looter. Da kann die wirklich sehr gut gestaltete Spielwelt und die sehr interessante Story mit den größtenteils gelungenen Missionen nicht ewig darüber hinwegtäuschen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt, wo der Grind dann doch die Oberhand gewann, hatte ich überraschend viel Spaß mit dem Titel. Und zwar wesentlich mehr als ich erwartet hatte. Ich vermutete, dass schon nach 30 Stunden die Luft raus sein würde (zum Beginn des Endgame). Aber angezogen von der Geschichte und der Spielwelt, hat mich die gut funktionierende Spielmechanik inkl. der ewigen Lootspirale sowie den immer noch gut besetzten Servern weit darüber hinaus bei der Stange gehalten.

Rise of the Tomb Raider (Herstellerbild)

5. Rise of the Tomb Raider (2015; PC, PS4, X360, XONE, LNX, MAC) – War Tomb Raider (2013) noch ein (gelungener) Uncharted-Klon, erwartet euch im zweiten Teil etwas mehr vom namengebenden Grabräubern und herumkraxeln in einer wesentlich offeneren Spielwelt vollgestopft bis oben hin mit Inhalten als noch im Reboot – vielleicht sogar etwas zu viel. Gegen Ende hin hatte ich doch so langsam die Nase voll von den zahlreichen Collectibles aber 100% erledigen zu wollen ist natürlich mein persönliches Problem – dafür kann das Spiel nichts :smile: . Spielerisch haben die Entwickler dabei aus meiner Sicht aus vielen Fehlern (nicht allen) des Vorgängers gelernt. Wie gesagt etwas weg von der Action hin mehr zum Rätsel lösen und herumturnen dabei ein guter Spagat aus großen, offenen Arealen und eher linearen Sets. Außerdem wurde die ganze Survival-Thematik etwas sinnvoller ausgebaut und gleichzeitig einige weitere Negativpunkte ausgebügelt (u.a. stirbt Lara nicht mehr ganz so brutal). Und die Geschichte hat mich vor allem dank der beeindruckenden Levels durch die sie euch führt absolut bei der Stange gehalten. Ja, sie war natürlich etwas Überladen mit Klischees und ein paar Twists zu viel enthalten. Aber dieser Abenteuer-Mix aus mystischen Artefakten, unbestreitbaren Bösewichtern, die sie haben wollen und einem Helden mit einem guten Herz wird halt nie alt – egal ob nun Lara Croft oder Indiana Jones draufsteht.

 

Und damit sind wir am Ende der Liste angekommen. Sind ja „nur“ fünf Spiele. Zu FarCry Primal (zur Hälfte durch) und Rise of the Tomb Raider (vermutlich dann zusammen mit Shadow of the Tomb Raider) wird es sicherlich nochmal separate Einträge geben. Hab‘ dazu noch viel zu erzählen. Aber damit wisst ihr nun meine Top 5 Spiele des Jahres 2019. Die haben mich am meisten beschäftigt, sind mir am besten in Erinnerung geblieben und kann ich grundsätzlich auch alle empfehlen. Ach und keiner der Titel ist im Jahr 2019 veröffentlicht worden! Vielleicht nächstes Jahr. Da kommt ja bekanntlich DOOM Eternal. Vielleicht schaffe ich zumindest das im Veröffentlichungsjahr zu zocken. Aber ich denke wir haben mittlerweile sowieso alle erkannt, dass es sich nicht lohnt dem Hype (egal wo) hinter her zu rennen. Dafür ist unser Backlog einfach zu groß und zu wenig Zeit vorhanden alles zu erleben. Entsprechend einfach das konsumieren, auf das wir Lust haben – oder aufgrund der großen Auswahl den Backlog einfach links liegen lassen und stattdessen planlos im Internet surfen. Geht auch.

Kommen wir aber nun zu euch: Was habt ihr 2019 so gezockt? Nur dieses langweilige Spiel des Lebens? Oder war auch mal Zeit für etwas Digitales? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Gothic (Herstellerbild)

Sehr geehrte Damen und Herren, wir müssen den geplanten Eintrag (Christophs Top Fünf Spiele des Jahres 2019) für eine wichtige Sondermeldung auf kommenden Montag verschieben: Ein Gothic – Playable Teaser ist gelandet. Alle diejenigen, die auf Steam irgendeinen Piranha Bytes-Titel ihr eigenen nennen, finden seit Freitag einen neuen Eintrag in ihrer (sowieso schon langen) Liste. Hinter diesem Eintrag verbirgt sich ein spielbarer Prototyp für ein Gothic-Remake. Ja, gemeint ist das Original-Gothic aus dem Jahre 2001. Zwar trotz In-Extremo-Konzert nicht das beste Spiel der Serie (Gothic II war das perfekte Sequel) aber trotzdem bis heute ein geniales und gelungenes Euro-Rollenspiel, das einfach jeder erlebt haben muss. Dank der weiterhin sehr treuen Fangemeinde gibt es mittlerweile auch einige Mods, die für die Jüngeren von uns die kantige Grafik sowie die – zugegebenermaßen – gewöhnungsbedürftige Steuerung erträglicher machen.

Doch heute geht es uns logischerweise nicht um das Original, sondern eben diesen Prototypen aus dem Hause THQ Barcelona. Nein, Piranha Bytes ist nicht plötzlich umgezogen. Es steckt tatsächlich ein anderes Studio dahinter. Angeblich, da gibt es aber noch keine eindeutigen Berichte dazu, arbeiteten die bislang an einem eigenen Rollenspiel. Dann kaufte THQ Nordic Mitte des Jahres Piranha Bytes und damit die Rechte an der Gothic-Serie und die Idee kam auf das RPG in diese Welt zu versetzen. Und warum einen echten vierten Teil entwickeln (ja, ich ignoriere weiterhin ArcaniA: Gothic 4 – schon allein wegen der doofen Schreibweise), da muss man ja auf eine bestehende Spielwelt und ihre Geschichte aufsetzen, wenn man stattdessen auch einfach eine Reinterpretation des Originals machen kann? Klingt gehässig? Mag sein, aber mir geht dieser Reboot-Wahnsinn in allen Unterhaltungsmedien derzeit auf den Geist. Mit dem Prototypen wollen die Entwickler jetzt Feedback sammeln und auf Basis dessen entscheiden, ob sie tatsächlich das komplette Spiel mit der Unreal Engine 4 „neuinterpretieren“.

Der Einstieg

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Nun aber endlich genug des Vorgeplänkels. Der Playable Teaser bietet 1-3 Stunden Spielzeit und spielt in der Neuinterpretation der Handelszone des Originals. Zur Erinnerung: In Gothic bekommt ihr nach der Introsequenz eure Verbrechen vorgelesen, ein Feuermagier händigt euch eine Schriftrolle aus und ihr werdet unzeremoniell ins buchstäblich kalte Wasser geworfen an dessen Ufer Diego auf euch wartet. Ihr redet ein bisschen mit ihm und könnt dann entweder mit ihm zusammen oder alleine in Richtung des alten Lagers aufbrechen. Hätte gesagt, dass das selbst wenn man sich Zeit lässt es maximal 30 Minuten dauert bis ihr auf dem Weg hinab zum Lager seid.

Der Prototyp baut diesen Bereich nun kräftig aus. Das fängt schon mit dem Intro an, das mehr an einen schlechten Uncharted-Abklatsch erinnert als ein Rollenspiel. Zum Glück haben sie die Quick-Time-Events weggelassen. Ihr befindet euch im Aufzug hinunter in die Kolonie bis er plötzlich in Flammen aufgeht. Gefühlte Minuten redet der Held jetzt mit sich selbst während alles zusammenstürzt, er runterfällt, auf ein Brett knallt, nochmal runterfällt, etc. Ist man endlich unten, darf man die Kontrolle übernehmen und völlig linear durch das Feuer in ein Amphitheater laufen (das sich später als Tempel entpuppt?!) – unterbrochen von einer vollkommen sinnlosen Zwischensequenz in der der Held (wieder fleißig Selbstgespräche führend!) seine Fackel weglegt und ein Schwert aus einem Leichnam zieht. Im Theater angekommen, keine 20 Meter von der letzten Zwischensequenz entfernt, wird euch erneut die Kontrolle entrissen. Der Held findet eine ausgeweidete Leiche und wird anschließend von drei Snappern angegriffen. Da er bekanntlich noch ein totaler n00b ist, steht er kurz vor seinem Ableben bevor ihn ein irgendwie komisch aussehender Diego rettet.

Nein, ich bin von diesem Intro absolut nicht begeistert. Und zwar unabhängig davon, ob da nun Gothic draufsteht oder nicht. Es ist ein extrem schlechter Einstieg aus meiner Sicht. Er ist dieses 08/15-Action-Klischee mit dem Sprüche-klopfenden Helden. Blöd nur, dass die Sprüche des Helden völlig Banane sind. Und dann auch noch 10 Minuten lang dem Spieler nur rudimentäre Kontrolle über das Geschehen geben? Und am Ende noch ein verdammtes Achievement dafür? Das ist echter Blödsinn.

Endlich geht’s los

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Am nächsten Morgen am Lagerfeuer geht dann endlich das eigentliche Spiel los. Ein irgendwie unmenschlich dünner Diego (wobei er in Gothic 3 ebenfalls nicht sonderlich gesund aussah) erzählt euch wie im Original grob was Sache ist, spricht die Schriftrolle an und steht für ein paar Fragen bereit. Meinen ersten (unfreiwilligen) Lacher hatte ich, als nach der Entscheidung ihm alles zu sagen am linken Bildschirmrand ein „Diego wird sich daran erinnern“ aufpoppte. Auf der einen Seite ist es super, dass Entscheidungen Konsequenzen haben werden (Diego redet gefühlt den halben Dialog nur davon) aber sind wir hier in einem Telltale-Spiel?! Nene. Apropos: Der Teaser unterstützt nur deutsche Texte. Die Sprachausgabe ist ausschließlich auf Englisch. Die Qualität dieser halte ich aktuell für nicht sonderlich gelungen.

Statt ganzen Sätzen wie im Original, gibt es ein Dialograd mit Stichworten zur Auswahl. Aber zumindest mit aktivierten Untertiteln sind die Sätze dahinter sichtbar. Man hat also zwar weniger Auswahl als früher aber man wird nicht komplett im Dunkeln darüber gelassen, was sich hinter einer Auswahl verbirgt. Hier fällt jedoch das Interface negativ auf, da ihr es erstmals zu sehen bekommt. Ja, es ist ein Prototyp und ich gehe davon aus bis zum finalen Spiel würde sich da (hoffentlich) noch viel ändern. In der jetzigen Form ist es jedoch Konsolen-Krebs in Reinform. Riesige Schrift, keine anständige Mausbedienung, hässliche und futuristisch anmutende Lebensenergieanzeigen, riesige „Fadenkreuze“, riesige Hinweispfeile (zeigen benutzbare Gegenstände an, da man sie sonst nicht erkennen könnte) und ein Inventar/Questlog des Grauens (Bildschirmbedeckend). Zum Glück ist das alles nicht dauerhaft sichtbar, sondern nur im Kontext/auf Aufforderung. Die Kamera ist hingegen an einer komischen Position hinter der Spielfigur. Ich hab‘ mich allerdings zügig dran gewöhnt.

Aber gut: Wir wollen ja endlich loslegen und Wildschweine verprügeln. Bitte? Im Teaser gibt es keine? Dann halt fast unsichtbare Wölfe (gehen irgendwie farblich in der Umgebung unter, was zu einigen Schreckmomenten führt), Scavenger (die jetzt mehr wie ausgewachsene Dinosaurier aussehen als komische Vögel), einen Snapper (Scavenger mit mehr Zähnen) und den ein oder anderen NPC. Grundsätzlich hat die Spielwelt den bekannten Unreal-Engine-Look. Alles viel zu grell und bunt und die Charaktere hängen irgendwo zwischen Karikatur und Realismus fest. Es empfiehlt sich definitiv das Post-Processing von „Hoch“ auf „Mittel“ zu reduzieren, wenn man nicht erblinden will. Aber ich will ja nicht nur meckern: Grundsätzlich ist das Level solide gestaltet. Der See, die bergige Landschaft und die grüne Wiese in der Mitte sind hübsch und wenn die Shader nicht gerade mal wieder zu viel glänzen angenehm anzuschauen. Und an der Performance gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Butterweich selbst auf den höchsten Details und überschaubare Ladezeiten.

Kämpfen!

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Eure erste Quest bekommt ihr von Diego, der euch losschickt am Handelsplatz ein Schwert zu suchen. Schließlich können wir mit dem zerbrochenen Ding aus dem Leichnam nur 5 Schadenspunkte austeilen. Da kommt übrigens das erste Mal das alte Gothic-Feeling raus. Sind mit dem rostigen Schwert schon die Scavenger ein großes Problem, geht es nach dem Quest-Upgrade (ein Schwert mit 10 Schadenspunkte) plötzlich sofort viel besser. Am Handelsplatz findet ihr Cayden, der euch das Langschwert seines im Angriff auf den Aufzug verstorbenen Kollegen anbietet im Austausch für einen Anhänger. Ohne viel zu spoilern: Es kommt zu eurem ersten Kampf Mann gegen Mann und ihr könnt das erste Mal tatsächlich die Konsequenzen eures Handels zu spüren bekommen, je nachdem wie ihr euch entscheidet. Definitiv eine coole Sache und ehrlich gesagt habe ich an diesem Queststrang grundsätzlich nichts auszusetzen. Höchstens, dass man bei einer Konsequenz vom Spiel verboten bekommt einzugreifen. So habt ihr zwar Zugriff auf euren Charakter, der NPC ist aber plötzlich nicht mehr Teil der Spielwelt, also immun gegen eure Angriffe.

Kämpfen ist natürlich ein sehr gutes Stichwort, denn das Kampfsystem im Original war eigenwillig. Ich persönlich fand es zwar nach etwas Eingewöhnung super, weil es einem viele Freiheiten erlaubte und man selbst sehr starke Gegner theoretisch von Anfang an platt bekommen hat. Aber ich verstehe natürlich, dass das mit der Tastatur etwas unbefriedigend sein konnte. Die neue Variante entfernt sich komplett davon und geht eher in die Richtung eines For Honor.

Grundsätzlich gibt es schwache und starke Schläge. Letztere brauchen mehr Zeit zum Ausführen und verbrauchen mehr Ausdauer, machen aber mehr Schaden. Gleichzeitig könnt ihr über die Maus eure Haltung verändern, um Angriffe aus der jeweiligen Richtung zu parieren. Greift der Feind von vorne an, schiebt ihr die Maus nach vorne und so. Ein Druck auf die Leertaste lässt euch hingegen zur Seite springen. Wie im Original gilt: Hat man es mal verstanden, klappt das schon und man wird auch mit einem Rudel Wölfe fertig. Nervig ist nur erneut das Interface. Dieser Kreis mit der Parier-Anzeige bedeckt gefühlt den halben Bildschirm und dann kommt noch die rote Warnung dazu aus welcher Richtung der Gegner plant anzugreifen. Die Gegner verhalten sich hingegen schon erfreulich intelligent. Vor allem die Wölfe (kommen nur in Dreiergruppen vor) haben mich damit beeindruckt, dass sie mich umzingeln und dann von allen Seiten aus angreifen. Drecksviecher :smile: . Übrigens gibt bei den Tieren eine der wenigen echten, spielerischen Neuerungen zu sehen: Ihr könnt verdorbenes Fleisch auslegen, um sie in eine für euch bessere Position zu locken. Habe ich in der Demo ehrlich gesagt nicht gebraucht aber könnte mir durchaus vorstellen, dass das eine ganz coole Mechanik ist, um früher gefahrlos in bestimmte Bereiche zu kommen oder z.B. einen Snapper ins neue Lager zu locken :wink: . Ach und man kann damit Monster-Infights provozieren (Wölfe mit Fleisch zum Snapper locken = Mord und Totschlag und trotzdem alle Erfahrungspunkte für euch).

Was gibt’s noch?

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Ihr sammelt zwar Erfahrungspunkte im Laufe des Prototyps aber einen Levelaufstieg bekommt ihr nicht zu sehen. Man schafft es zwar die geforderten 2.000 Punkte zusammenzubekommen aber es passiert nichts. Die Charakterübersicht gibt aber schon einmal einen rudimentären Hinweis darauf, dass zumindest aktuell keine großen Überraschungen geplant sind. Es gibt verschiedene Fähigkeiten, ein Resistenzensystem und scheinbar verdient ihr euch Fähigkeitenpunkte beim Levelaufstieg. Immerhin gibt es bereits die Möglichkeit verschlossene Truhen mit einem Dietrich zu öffnen (ohne Minigame) sowie zu kochen. Das geht jedoch leider nur mit Rezept. Einfach nur ans Feuer setzen und ein bisschen Scavengerfleisch braten ist derzeit nicht möglich.

Und das war es auch schon. Ihr könnt ein paar Gegenstände finden (Bücher, Notizzettel, magischer Trank) und vieles Aufsammeln (Erz, leere Flaschen, etc.) sie größtenteils jedoch für nichts verwenden. Stattdessen arbeitet ihr euch anhand der handvoll Quests durch die paar kleinen Areale und kurz bevor ihr endlich den Weg zum alten Lager beschreiten dürftet, endet der Prototyp. Er lädt aber definitiv dazu ein ihn noch 1-2mal mehr zu spielen, um die kleinen Unterschiede zu erleben, die durch eure Entscheidungen entstehen. Außerdem gibt es überraschend viel zu entdecken (u.a. drei Pisspötte :wink: ).

Beim Christoph meint: Was halte ich nun vom Gothic – Playable Teaser? Nun, für mich stellen sich drei Fragen, die es zu beantworten gilt:

1. Möchte ich überhaupt ein Gothic-Remake?

Die Antwort ist ein ganz klares „Nein“. So gut auch Sachen wie die Resident Evil-Remakes sind und welch großer Mehrwert es für ein Franchise sein kann einen Klassiker einer neuen Generation zugänglich zu machen: Am Ende des Tages will ich neue Abenteuer erleben. Gerne neue Abenteuer in bestehenden Spielewelten aber eben was Neues und nicht das alte Zeug – schon gar nicht „neu interpretiert“. Das Original ist selbst ohne Mods für mich immer noch spielbar und ein herausragendes Rollenspiel. Ein Remaster wäre zwar okay. Ein bisschen Farbe drauf und ein paar Bugs gefixt und so. Aber ich wünsche mir lieber, dass das Geld in ein weitere Piranha Bytes-RPG fließt – und wenn es ELEX 2 ist.

2. Ist Gothic – Playable Teaser ein gutes Gothic?

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Erneut ein ganz klares „Nein“. Da steht zwar Gothic drauf und das Setting sowie die grundlegende Geschichte sind gleich und die Charaktere haben ein bekanntes Aussehen und einen bekannten Namen. Aber der Teaser macht damit nichts. Er hat für mich keine Seele. Der namenlose Held ist ein nerviger Typ, der dauernd versucht einen auf harten Kerl zu machen ohne aber den Witz und Charm wie im Original zu versprühen. Die anderen Charaktere haben zwar teils bekannte Dialoge aber sie geben mir trotzdem nicht das Gefühl, dass ich hier in einer Welt gefangen bin, in der sich alles gegen mich stellt. Das wird noch verstärkt durch das Leveldesign, welches mehr den Eindruck einer 08/15-Fantasywelt erweckt als die in einem bedrückenden Gefängnis zu sein in dem eben nicht alles Sonnenschein ist. Ja, im Original war der raue Look auch zu einem großen Teil durch die technischen Limitierungen bedingt. Aber trotzdem wirkt er immer noch bedrückender und gibt mir von Anfang an das Gefühl „Ich bin hier in einer absolut unfreundlichen Welt gefangen“ als das hier. Insofern scheitert für mich der Teaser auf allen Ebenen damit ein Titel in der Welt von Myrtana zu sein.

3. Ist Gothic – Playable Teaser ein gutes RPG?

Es ist okay. Der Prototyp hatte jetzt nichts, was man nicht schon in anderen (besser) Titeln gesehen hat. Ich habe mich in den drei Stunden aber auch nicht gelangweilt. Sprich das grundlegende Gameplay funktioniert und es ist hier und da der Funke von Spielspaß sichtbar. Die oben beschriebenen Probleme mit den Charakteren bleiben natürlich aber unter einer anderen Prämisse wäre das sicherlich vertretbarer. Somit könnte ich mir durchaus vorstellen den Titel noch ein bisschen weiter zu spielen.

Epilog

Gothic – Playable Teaser (Herstellerbild)

Bei aller Kritik möchte ich aber zum Abschluss festhalten: Es ist und bleibt ein Prototyp und ich finde es genial, dass sich THQ Nordic sowas getraut hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Spieler kapieren nicht, dass das kein in Stein gemeißeltes Werk ist und jammern entsprechend grad wieder extrem viel rum (passiert auf Kickstarter auch ständig). Ich bin zwar kein Fan von „Design by Commitee“, was mitunter passiert, wenn die Community zu eng eingebunden wird. Aber die Wasser so öffentlich zu testen bevor man schlimmstenfalls Millionen von Euro das Klo runterspült ist nie verkehrt. Insofern: Ja, es ist nicht das was ich will. Aber trotzdem Kudos an THQ Barcelona mir diese Möglichkeit zu geben ihnen das konstruktiv mitzuteilen, bevor es zu spät ist.

Und damit ist von meiner Seite aus erst einmal alles gesagt, was ich zum Gothic – Playable Teaser zu sagen hätte. Jetzt seid ihr an der Reihe, denn ich gehe stark davon aus, dass fast jeder von euch irgendeinen Piranha-Bytes-Titel in seiner Steambibliothek hat. Also nehmt euch die Zeit, schaut rein und lasst uns in den Kommentaren an eurer Sicht der Dinge teilhaben.

Jetzt ist es aber endlich mal genug mit der neuen Hardware! Man stellt sich ja schließlich keinen Saug- und Wischroboter unter den Tisch, nur damit er schön aussieht. Er soll auch was tun für sein Geld! Also was tut er? Na saugen und wischen. Mensch, so kompliziert ist das doch nicht. Aber mein Desktop-PC war seitdem ich unter The Division einen Schlussstrich gezogen habe ebenfalls nicht untätig. Nein, ich meine damit nicht meine ganzen Steam-Einkäufe beim Herbst-Sale (33 Stück laut Steam aber es zählt jeden DLC einzeln). Da habe ich – wie es sich gehört – noch kein einziges davon installiert. Stattdessen habe ich weiterhin vor allem den Ubisoft Launcher gestartet. Das Ergebnis ist, dass ich zwei Titel seit Ende September durchgezogen habe. Also widmen wir uns doch heute mal einem dieser Werke:

(Cover)

FarCry 4 (2014; PC, PS3, PS4, X360, XONE) – Das Spiel zu dem ich eins meiner letzten Videos produziert habe. Und ja, ich hatte es trotz der Aussage „Ich starte es aktuell mehr als Dragon Age: Inquisition“ damals nicht signifikant mehr und schon gar nicht durchgespielt. Die Aussage stimmte aber natürlich trotzdem: Dragon Age: Inquisition habe ich seit dem dazugehörigen Video überhaupt nicht mehr angefasst und irgendwann auch mal deinstalliert im Gegensatz zu FarCry 4 :smile: . Aber genug der Anekdoten.

Zur Erinnerung: In FarCry 4 schlüpft ihr in die Rolle des Amerikaners Ajay Ghale. Seine Mutter ist gestorben und sie wünscht sich, dass ihre Asche in ihrem Heimatland Kyrat verstreut wird. Das ist ein fiktiver Staat im Himalaya, der von Pagan Min (im Englischen gesprochen vom wie immer fantastischen Troy Baker) mit harter Hand regiert wird. Also zumindest behaupten das die Rebellentruppe namens „Der Goldene Pfad“ und wenn ihr das Spiel tatsächlich erleben wollt, bleibt euch nichts anderes als sich ihnen anzuschließen und gegen Pagan Min in den Krieg zu ziehen. Ja, der erste Clou der Entwickler war es direkt am Anfang ein verstecktes Ende für geduldige Spieler einzubauen. Nicht nur eine absolut geniale Idee, sondern auch – Spoiler – die einzig richtige Art das Spiel zu spielen, um mal einen berühmten Film zu zitieren. Das bezieht sich allerdings nicht auf die spielerische Qualität von FarCry 4 – es ist ein gelungener AAA-Titel -, sondern nur auf das Ende.

Der Zwang zu Spielen

FarCry 4 (Herstellerbild)

Aber gehen wir mal davon aus, dass ihr das tut, was wir trotz unserer Erfahrungen zwei Jahre zuvor mit Spec Ops: The Line (ein Teil von euch hat es immer noch nicht gespielt, gebt es ruhig zu!) immer noch tun: Das Gelabbere eines Charakters ignorieren und uns stattdessen entscheiden rund 30 bis 50 Stunden in der Welt von Kyrat zu verbringen – wir haben ja schließlich dafür bezahlt! Als Belohnung für diese Entscheidung landet ihr in einem Ubisoft-Open-World-Titel. Das war schon damals wie bei den Kairosoft-Spielen: Thematisch immer etwas anders aber faktisch im Kern doch jedes Mal das Gleiche.

Sprich: In bester Ego-Shooter-Manier mit einem riesigen Waffenarsenal (aber max. vier Stück gleichzeitig) durch die auch heute noch sehr hübsche und lebendige Gegend laufen, alles abschießen was sich bewegt, Stützpunkte mehr oder weniger leise befreien und Regionen per Besteigen eines Turms offenlegen. Dazu einen Skillbaum nach und nach Freischalten (ihr bekommt genug Erfahrungspunkte, um am Ende alles zu haben) und etwas Crafting dazu gewürzt (Felle von Tieren sammeln, um z.B. mehr Munition tragen zu können). Zusammengehalten wird die Geschichte von zahlreichen, durchaus abwechslungsreichen und interessanten Missionen. Eine Drogenfabrik stürmen ist da noch das Normalste. Euch erwarten außerdem zahlreiche (unfreiwillige) Trips verursacht durch besagte Drogen, ihr reist zurück in die Vergangenheit und erlebt die Mythologie von Kyrat hautnah und besucht selbstverständlich die Gipfel des Himalaya-Gebirges – Gefahr von Sauerstoffmangel inklusive.

Übrigens ein häufig geäußerter Kritikpunkt in den Tests damals: Die meiste Zeit des Spiels seid ihr am Fuße der Bergkette unterwegs wo es schön grün und kuschelig ist. Nur an vordefinierten Punkten geht es in die luftigen, schneebedeckten Höhen. Hat mich persönlich nicht so wirklich gestört, auch weil die dortigen Inhalte über das normale „Geh dahin, hol‘ was und geh‘ wieder zurück“ nicht großartig hinausgingen. Aber ja, das Setting wird weniger des Schnees wegen genutzt, sondern viel mehr, um Vertikalität in die Spielwelt reinzubringen. Euer Greifhaken und ein Mini-Helikopter werden schnell zu euren besten Freunden. Erst im (empfehlenswerten) DLC Das Tal der Yeti verbringt ihr tatsächlich signifikant Zeit in der (eigens für den DLC erstellten) Schneehölle.

Noch mehr zu tun!

FarCry 4 (Herstellerbild)

Neben den Haupt- und Nebenmissionen gibt es aber noch eine feste Anzahl an optionalen Aktivitäten wie das Eskortieren eines Transporters – begleitet vom geilsten Track im ganzen Spiel sowie wirklich lustigen Dialogen -, das Befreien von Gefangenen oder für eine Filmfirma „spektakuläre“ Rennen zu fahren. Und wem das immer noch nicht genug ist, den erwartet nicht nur eine Kampfarena (mehrere Runden gegen Feinde bestehen), sondern ebenfalls noch ein dynamisches Eventsystem.

Die Welt von Kyrat lebt nämlich. Das gilt sowohl für die Tierwelt als auch die Menschen. Sprich es kommt immer mal wieder vor, dass sich nicht nur Tiere gegenseitig vermöbeln, sondern eine feindliche Patrouille auf eine Truppe Rebellen trifft oder ein Nashorn der Meinung ist ein paar Rebellen anzugreifen. Seid ihr zufällig gerade in der Nähe, startet ein sogenanntes Karma-Event und ihr habt die Möglichkeit die Rebellen zu retten. Klappt nicht immer aber wenn ihr es schafft (vor allem die wilden Tiere machen zügig kurzen Prozess), gibt es Karmapunkte (ja, ein weiterer Erfahrungspunktebalken) und ihr steigt in der Gunst der Rebellen auf – was logischerweise zusätzliche Sachen freischaltet. Tötet ihr hingegen „aus Versehen“ Zivilisten oder Rebellen, gibt es auch außerhalb dieser Events Abzüge.

Klingt nach vielen Inhalten und ist es auch. Und das meiste ist tatsächlich ganz nett gemacht. Und dabei haben wir noch gar nicht über die wie immer extrem zahlreichen Collectibles gesprochen, die in der riesigen Welt von Kyrat zu finden sind und zusätzliche Geschichte erzählen. So seid ihr z.B. einem Serienmörder auf der Spur. „Riesig“ mag zwar im Vergleich zu heutigen Ubisoft-Brechern wie Assassin’s Creed Odyssey (100+ Stunden Spielzeit) der falsche Begriff sein. Aber ihr seid schon ein, zwei Dutzend Stunden beschäftigt bevor die Entwickler die Bombe platzen lassen und unverhofft noch einmal eine Karte einer nur begrenzt kleineren Größe als die erste zugänglich machen. Da bin ich echt froh, dass ihr fast von Anfang an Zugriff auf den kleinen Helikopter habt. Das alles mit dem Auto zu fahren (trotz Autopilot) ist definitiv anstrengend. Und nein, ich bin immer noch kein Fan dieser Größe. So gut das spielerische Grundkorsett auch funktioniert: Man hat wie immer zu schnell alles gesehen und getan (allein schon in Bezug auf die Stützpunkte und die Türme). Entsprechend habe ich weder alle Collectibles gesammelt noch alle Aktivitäten abgeschlossen, weil es mir irgendwann einfach genug war und zudem noch die zwei DLCs auf mich warteten, die sich nicht ins Hauptspiel integrieren.

Massives Spoiler-Territorium

FarCry 4 (Herstellerbild)

Die Geschichte wollte ich aber selbstverständlich bis zum Ende durchziehen. Und damit begeben wir uns jetzt tief ins Land der Spoiler. Im Zweifel jetzt zum Fazit springen. Also: Wie oben angedeutet ist nicht alles so, wie es scheint. Im Laufe des Spiels müsst ihr entscheiden, welcher Rebellenanführer am Ende auf den Thron steigen wird. Auf der einen Seite steht Amita, die mit den Traditionen ihres Volkes brechen und es in die Neuzeit führen möchte. Und auf der anderen Sabal, der Konservative. In sogenannten „Entscheidungsmissionen“ müsst ihr beispielsweise die erwähnte Drogenfabrik entweder von den Feinden befreien (Amita) oder sie zerstören (Sabal). Für wen ihr euch entscheidet hat nur kleinere Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf aber natürlich größere auf das Ende.

Zuerst geht es aber im Finale darum, ob ihr Pagan Min über den Jordan schickt oder fliehen lasst. Schon hier habt ihr drei Entscheidungsvarianten (direkt töten, erst seinen Monolog anhören und dann töten, gar nicht töten). Wobei die Auswirkungen eurer Wahl sich erneut in Grenzen halten. Am Ende ist Pagan Min weg, alle freuen sich und ihr werdet sang- und klanglos zurück in die Spielwelt entlassen. Nichts Besonderes und relativ normal würde ich sagen. Aber das „wie“ ist natürlich entscheidend. Pagans finaler Monolog ist nicht ansatzweise so tiefgreifend wie Walkers Begegnung mit Konrad in Spec Ops: The Line. Aber es geht eindeutig in die gleiche Richtung. Er weist nochmal darauf hin, dass das ganze Morden nicht hätte sein können, wenn ihr als Spieler etwas Geduld gehabt und mit ihm geredet hättet (Hinweis auf das versteckte Ende), der goldene Pfad auch nicht immer die Wahrheit gesagt hat und er den Stuhl eigentlich nur für euch warmgehalten hat. Das könnte man nun als dummes Gelabbere des Bösewichts abtun. Das größte „Fuck You!“ der Entwickler kommt aber noch. Wenn man es nicht weiß, stößt man vermutlich nur zufällig darauf. Aber je nachdem wen man unterstützt hat bekommt man beim Besuch eines speziellen Ortes eine zusätzliche Endsequenz zu sehen und die ist in beiden Fällen…heftig. So treibt Amita unter Gewaltandrohung Kinder und Jugendliche zusammen, damit sie für den Goldenen Pfad kämpfen und auf den Drogenfeldern arbeiten. Sabal hingegen richtet die ehemaligen Anhänger von Amita hin.

FarCry 4 (Herstellerbild)

Wie man es macht, ist es quasi verkehrt. Es gibt kein weiß oder schwarz – nur weiter Unterdrückung einer ganzen Bevölkerung. Schade nur, dass es das Spiel nicht noch erlaubt den finalen Schritt zu gehen. Sowohl Amita als auch Sabal könnt ihr nach der Sequenz nämlich erschießen aber zu dem Zeitpunkt sind es nur noch 08/15-NPCs. Entsprechend hat es keinerlei Auswirkung. Man sieht aber was ich Eingangs meinte: Der richtige Weg wäre gewesen nicht zu spielen. Und das fand‘ ich cool. Ja, es führt meine gesamte Spielzeit ad absurdum. Aber ich finde es super, wenn Entwickler mal den Mut haben mich als Spieler zu fragen, ob ich wirklich der Held dieser Geschichte war. Das regt angenehm zum Nachdenken an.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für FarCry 4 4 von 5 Sics. Grundsätzlich ist es ein Ubisoft-Open-World-Titel mit allen Vor- und Nachteilen, die sich dadurch ergeben. Es ist spielerisch absolut solide aber ohne Überraschungen. Die Missionen sind größtenteils gut und abwechslungsreich gestaltet aber die interessanten Charaktere rar (z.B. einen Modedesigner für den ihr Felle sammelt). Und selbst die Geschichte ist in der Mitte nichts, was einem vom Hocker haut. Man hat also grundsätzlich seinen Spaß aber die Luft ist auch relativ zügig wieder raus – vor allem wenn man andere Ubisoft-Titel kennt. Mich persönlich hat jedoch das Finale definitiv umgehauen. Diese letzte Viertelstunde inkl. dem Wissen, dass es am Anfang des Spiels ein verstecktes Ende gab, war einfach nur genial. Und um dieses Gefühl zu kriegen, musste ich tatsächlich nicht nur das Spiel spielen, sondern vermutlich auch ein Stück weit schon von der Monotonie gelangweilt sein. Einfach nur die Sequenzen auf YouTube anzuschauen hätte nicht die gleiche Wirkung. Insofern: Ich habe es nicht bereut FarCry 4 gespielt zu haben.

The Divison (Herstellerbild)

118 Stunden zeigt der Spielzeitzähler mittlerweile für The Division und ich muss sagen: Ich bin kurz davor das mit den letzten vier Schilden einfach sein zu lassen. So fehlen mir noch vier exotische Waffen, die einfach nicht droppen wollen und von den drei notwendigen High-End-Sets habe ich sogar noch kein einziges vollständig. Und obwohl es im Spiel theoretisch 5.335 Commedations-Punkte (Mini-Achievements) zu verdienen gibt, fehlen mir immer noch 600 bis zum Ziel von 3.000 für das Schild. Das einzige Schild, welches tatsächlich in Reichweite ist, ist das wofür ich den Survival-Modus mindestens fünf Stunden lang spielen muss.

Es macht sich halt doch sehr stark bemerkbar, dass ich zum einen keine richtige Gruppe zum Zocken habe, um z.B. die Missionsherausforderungen zu meistern („Schaffe Mission X in einer Gruppe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ohne zu sterben“). Und zum anderen die Spielerzahl grundsätzlich nicht mehr ganz so hoch ist, um es zumindest mit „Randoms“ zu versuchen. So bleibt mir nur das Farmen der stupiden Sachen wie „töte 10.000 Gegner vom Typ X“ oder „schaffe X Missionen“ und das hört sich nicht nur langwierig an, es ist es logischerweise auch. Luxusprobleme – ich weiß :smile: .

Und sonst?

Immerhin ist Mr. Subwoofer vergangenen Mittwoch erfolgreich und funktionsfähig aus Berlin zurückgekehrt. Trotz der guten Qualität des Teufel CAGE ist es definitiv sehr angenehm endlich mal wieder ohne Kopfhörer vorm Rechner sitzen und Musik hören zu können (aktuell das Album Simple Forms von The Naked and Famous). Den Karton mit dem Teufel den Subwoofer zurückgeschickt hat, werde ich mir dieses Mal logischerweise aufheben. Allerdings sichert sich Teufel erneut ab: Es liegt ein Zettel darin, der darauf hinweist, dass zwar der Außenkarton für mehrfachen Versand geeignet ist. Für die gespritzten (Styropor?)Ecken geben sie aber keinerlei Garantie. Sprich: Schick ich Subbi mit genau der Verpackung nochmal nach Berlin und er kommt wieder beschädigt an, wird DHL erneut behaupten, dass es nicht richtig verpackt wurde. Hoffen wir einfach, dass er dieses Mal wieder länger durchhält und es dann adäquaten und bezahlbaren Ersatz gibt.

Und wenn wir schon am munteren Labern sind: Der Freizeitraum im Keller ist prinzipiell fertig. Alle Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen und die Möbel und Fitnessgeräte stehen dort, wo sie hinsollen. Am Freitag haben wir auch das erste Mal dort unten trainiert (Fitnessstudio lief am 5.9. aus). Doch Details und Fotos gibt es erst in einem der kommenden Einträge. Aktuell sieht es noch etwas aus wie auf einem Schlachtfeld (überall Werkzeug), die Dekoration fehlt und eingeräumt ist ebenfalls noch nichts in die Schränke und Regale. Lysanda muss erst noch den Rauchgeruch endgültig aus den Möbeln der Nachbarn rausbekommen.

Und sonst noch?

Der alte Feuerungsmanager unserer Ölheizung.

In Sachen Tiefbau sind wir hingegen mittlerweile soweit, dass das Entwässerungsgesuch bei den Stadtwerken eingereicht werden konnte. Hat doch etwas länger gedauert vom Ingenieur die Unterlagen erstellen zu lassen (und dadurch ca. 400 Euro mehr gekostet) als erwartet aber dafür sollte es keine großen Probleme geben und wir in 2-3 Wochen die Freigabe haben. Danach kann es dann endlich losgehen – mit der zeitlichen Planung der Maßnahme. Ja, bis der Bagger kommt wird noch ein paar Wochen dauern. Muss ja alles koordiniert werden (Zuwasser darf anfangen) :smile: .

Netterweise hat uns jetzt die Ölheizung auch nochmal kurz vor ihrem Lebensende gut 120 Euro an ungeplanten Kosten verursacht. Keine Ahnung warum aber irgendwie scheinen Sachen, die man plant abzulösen, immer plötzlich kaputt zu gehen. Hatte ich in Bezug auf meine PC-Hardware schon häufiger beobachtet. Egal: Der Feuerungsmangager hatte den Geist aufgegeben. Er empfing zwar noch das Signal, dass er loslegen soll aber die Zündung kam nicht. Somit blieb der Brenner aus und die Heizung kalt. Vermutlich ist er schon länger hinüber aber dank der Solarheizung merken wir sowas logischerweise erst, wenn draußen nicht mehr genug Sonne ist, um das Wasser im Puffer warm zu machen. Das war nun quasi der Fall. Aber das Ersatzteil war zügig da und der Einbau kein großer Akt (drei Schrauben). Jetzt wird’s wieder warm.

Lesestoff

Nachdem nun die erste DINA4-Seite in Word voll mit Text ist, kommen wir nun zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Ich lese weiter fleißig Bücher. Ja, der Fernseher bleibt im Hause Lysanda aktuell sehr häufig aus (noch 42 Folgen Sailor Moon und 1 Film). Stattdessen lesen wir viel. Zum einen, um unseren Snackkonsum am Abend zu reduzieren. Zum anderen aber auch einfach, weil unsere Regale voll sind. Und da ich sonst nichts zu erzählen habe (spiele ja nur The Division), belästige ich euch eben mit einem weiteren Bericht zu einem Buch von meinem Nachtschrank:

(Cover)

Hints & Tips for Videogame Pioneers (2016, Englisch) – Andrew Hewson ist einer der Pioniere auf dem britischen Spielemarkts und sogar Mitbegründer der ELSPA – quasi von 1989 bis 2003 die britische Version der USK. 1984 hat er mehr zufällig als tatsächlich geplant mit Hewson Consultants einen Spielepublisher eröffnet – mit großem Erfolg. Hewson schaffte es sich einen sehr guten Ruf zu erarbeiten und so die besten britischen Programmierer anzulocken, die über ihn ihre Spiele veröffentlicht haben wollten. Darunter Titel von denen ich bisher nie gehört hatte wie Uridium, Pilot, Technician Ted oder Exolon. Ja, irgendwie weiß ich über die Spieleindustrie der 80iger echt wenig…

Hewson Consultants existierte bis 1991 ihm eine große deutsche Ladenkette plötzlich einen Abnahmevertrag kündigte. Der dadurch entstandene Einnahmeneinbruch zwang ihn zur Insolvenz. Anschließend gründete er mit 21st Century Entertainment einen weiteren Spielepublisher, der sich neben der Neuvermarktung der Hewson-Consultants-Bibliothek voll und ganz auf Pinball-Spiele konzentrierte (Pinball Dreams, Pinball Illussions, etc.) und damit zumindest bis 1998 erfolgreich war, dann aber in finanzielle Schwierigkeiten gerit und anno 2000 endgültig geschlossen wurde. Nach einer längeren Pause hat er mittlerweile mit seinem Sohn Rob Huey Games gegründet und hilft erneut Indie-Titeln auf den Markt.

Der Inhalt

Der Titel des Buchs ist eine Anlehnung an Hints and Tips for the ZX Spectrum, Hewsons erstem Buch und der Entstehungsgrund für Hewson Consultants. Nach der Veröffentlichung schickten ihm Hobbyprogrammierer einfach ungefragt ihre Spiele und er sah das Potential darin. Im Buch selbst erwarten euch jedoch weniger Hinweise und Tipps für Videospielepioniere als vielmehr eine Autobiographie über Andrew Hewson und seine beiden Firmen. Beginnend mit einer umfangreichen Historie zu seinem Familienstammbaum berichtet er auf den knapp 250 Seiten über seine Anfänge, den damaligen Zustand der britischen Spieleindustrie und reflektiert über die Entscheidungen, die er getroffen hat. Dazu gibt es viele Hintergrundinformationen über die Entstehung der zahlreichen Spiele, die seine Firmen über die Jahre veröffentlicht hat. Dazwischen kommen immer mal wieder die Entwickler selbst zu Wort und dürfen ihre Sicht der Dinge darlegen. Das hilft den logischerweise etwas einseitigen Blickwinkel etwas zu vergrößern. Zumal – und das rechne ich Andrew Hewson stark an – darüber auch kritische Aussagen über ihn und seine Arbeit ins Buch kommen.

Leider flacht der Detailgrad mit zunehmender Seitenzahl stark ab. So wird die Zeit von 1991 bis 2000 auf nur 40 Seiten abgehandelt – sehr viele davon gefüllt mit O-Tönen von DICE (ja, das Battelfield-Studio), den Machern von Pinball Dreams. Und selbst davor merkt man Hewson an, dass er entweder nichts mehr zu erzählen hat oder will. Vermutlich eher letzteres, da man im Intro erfährt, dass ihn sein Sohn faktisch dazu zwingen musste das Buch zu schreiben. Er gibt offen zu, dass er eigentlich keine Lust dazu hatte und sich mehr gequält hat als mit Freude seine Lebensgeschichte nieder zu schreiben. Das ist äußerst schade und natürlich leidet die Qualität des Werks darunter merklich. Ich bin mir sicher, dass noch mindestens 50, wenn nicht sogar 100 Seiten mit interessanten Fakten hätten gefüllt werden können. So fliegt man über die Jahre und die Spiele nur so drüber und die nicht weniger spannende Zeit Ende der 80iger (u.a. Nintendos Einschlag auf dem britischen Markt) kommt nicht richtig zur Geltung.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es magere 2 von 5 Sics. Trotz des irreführenden Titels ist das Buch prinzipiell sehr interessant und man erfährt theoretisch einiges über die Entstehung des britischen Spielemarkts und den ersten Blockbustern. Es leidet aber einfach zu stark darunter, dass der Autor keinen Bock hatte wirklich seine Geschichte zu erzählen. Das führt nicht nur dazu, dass ich selbst als Leser schon nach dem Vorwort keinen Bock mehr habe. Warum soll ich schließlich einem Autor meine wertvolle Zeit schenken, der selbst zugibt einfach nur was hingeklatscht zu haben? Viel schlimmer ist aber wie gesagt, dass dadurch nach den ersten Kapiteln die Jahre nur so verfliegen und viele spannende Details, die so jemand liefern könnte, der tatsächlich live dabei war gefühlt nicht zur Sprache kommen. Und so super es auch ist die Entwicklersicht zu erfahren: Sehr böse ausgedrückt sind diese Textboxen nur dazu da den Umfang des Buchs zu erweitern. Und dann hätte ich mir zudem den ein oder anderen Screenshot zu den besprochenen Titeln gewünscht. Nach dem Lesen blieb ich entsprechend enttäuscht zurück. Zumal das Werk definitiv sehr viel Potential gezeigt hat. Es ist grundsätzlich gut strukturiert, Hewson hat eine gute Schreibe und es gibt die Lichtblicke hier und da, wo er viel und leidenschaftlich erzählt. Es bringt aber nichts, wenn am Ende des Tages dann doch die Hälfte des Inhalts fehlt. Somit bleibt mir als Empfehlung nur: Wenn man es für wenig Geld in der Ramschkiste findet, kann man es mitnehmen. Eine absolute Leseempfehlung ist es aber nicht. Wer sich hingegen ernsthaft für die Thematik interessiert ist mit Werken wie Britsoft: An Oral History oder A Gremlin in the Works wesentlich besser bedient.

Sicarius

Die lange Division

95 Stunden zeigt aktuell der Spielzeitzähler in UPlay an – und ein Ende ist zwar geplant aber noch nicht in Sicht. Ich will unbedingt noch die letzten vier von zwölf Abzeichen (Phoenix [Spiele intensiv den Survival-Modus), Talon [Sammele tonnenweise Achievements], Prime [Sammle sehr schwer zu bekommende Klamottensets] und Marshal [Sammle alle exotischen Gegenstände]) bekommen, bevor ich mal in The Division 2 reinschaue (gibt ein paar optische Boni dafür). Und ja, das habe ich mir tatsächlich mittlerweile geholt nachdem ich so unerwartet viel Zeit mit dem Vorgänger verbracht habe und noch verbringen werde.

Es wird aber trotzdem so langsam mal Zeit, dass ich euch detaillierter über The Division berichte. Angerissen hatte ich es zwar an dieser Stelle schon einmal aber ich denke nach mehr als der dreifachen Spielzeit wird es definitiv mal Zeit genauer auf die positiven wie negativen Qualitäten des doch nicht mehr ganz so taufrischen Loot-Shooters von Ubisoft einzugehen.

Gleich vorweg: Die folgenden Aussagen gelten für die Version 1.8.3 (die vermutlich finale Version des Spiels, da der schon am 23.8.2018 veröffentlicht wurde) zusammen mit dem Season Pass. Ohne die im Season Pass enthaltenen DLCs fehlt euch speziell der Zugriff auf die Spielmodi „Untergrund“, „Survival“ und „Last Stand“.

(Cover)

The Division (2016; PC, PS4, XONE) – Das schwedische Studio Massive Entertainment ist schon 22 Jahre am Start, hat in der Zeit aber tatsächlich „nur“ vier Spiele entwickelt: Die beiden gelungen Ground Control-Titel, der geistige Nachfolger dazu namens World in Conflict (der mit der Atombombe) – alles Echtzeitstrategiespiele – und jetzt eben die Third-Person-Mehrspieler-Loot-Cover-Shooter The Division 1 & 2. Ein harter Schnitt für die Entwickler könnte man sagen, der sich aber für Ubisoft massiv (haha, Wortspiel!) ausgezahlt hat: The Division wurde in den ersten 24 Stunden mehr verkauft als jeder andere Ubisoft-Titel zuvor. Am Ende standen allein in der ersten Woche 330 Millionen US-Dollar auf der Habenseite. Aber bekanntlich ist nicht alles, was sich wie geschnitten Brot verkauft auch wirklich gut. Wie schaut es also mit The Division aus? Spoiler: Sehr gut. Aber fangen wir wie immer von vorne an:

Eine Epidemie

Wir schreiben Black Friday anno 2015. Wie immer sind alle in einem totalen Kaufrausch und stürmen überall in den USA die Läden, um ihre hart verdienten Dollar loszuwerden. Doch auch wenn es wohl nur ein Gerücht ist, dass auf jeder Dollar-Note Drogenspuren zu finden sind: In diesem Fall waren tatsächlich einige Noten zwar nicht mit Drogen aber dafür mit den Pocken „infiziert“. Ihr wisst schon: Die Krankheit, die seit 1980 als ausgerottet gilt und von der es nur noch in ein paar Hochsicherheitslaboren Proben gibt. Aber nur die Pocken wäre natürlich langweilig. Die haben wir einmal besiegt, die würden wir nochmal besiegen. Nein, der Schuldige (über den ihr im Laufe des Spiels mehr erfahrt) hat sie vorher genetisch verändert und mit den Eigenschaften der schlimmsten Krankheiten der Menschheit versehen – das Grüne Gift war geboren.

The Division (Herstellerbild)

Eine Epidemie bricht aus und Manhattan wird unter Quarantäne gestellt. Die Regierung schmeißt alles drauf, was sie hat inkl. geheimen Schläfern aus der Zivilpopulation. Das sind speziell ausgebildete Personen, die normalerweise ihr 08/15-Leben leben und nur in absoluten Notfällen aktiviert werden. Leider stellt sich heraus, dass unter der ersten Agentenwelle Personen sind die…nun, nicht so sehr an die Fähigkeiten des oberen Managements glauben und die Sache lieber in ihre eigenen Hände nimmt. Die Lage gerät entsprechend vollendens außer Kontrolle während mehrere Gruppen um die Vorherrschaft in Manhattan kämpfen (mit jeweils anderen Ansichten wie man die Lage in den Griff bekommt). Dazwischen die noch in der Stadt verbliebene Zivilpopulation, die nicht gerade pfleglich behandelt wird sowie die Regierungstruppen, die nur hilflos dabei zusehen können. Das geht sogar soweit, dass das Zentrum der Insel zur sogenannten „Dark Zone“ deklariert wurde. Der Wilde Westen quasi in dem jeder auf sich alleine gestellt ist (und damit die PVP-Zone des Spiels) aber auch die größten Belohnungen warten. Die letzte Hoffnung sind die Agenten der zweiten Welle. Und ihr seid einer dieser Agenten, die nun versuchen nicht nur Ordnung in die Stadt zu bringen, sondern außerdem dabei helfen sollen ein Gegenmittel für den Virus zu finden. Eine absolute Mammutaufgabe, die ihr wie es sich für einen Mehrspielertitel gehört mit bis zu drei Mitspielern meistern könnt.

Der Erzähltrick

Erzählt wird die Geschichte zum einen durch die gut inszenierten Hauptmissionen in denen ihr gegen die verschiedenen Gruppierungen in der Stadt antretet und z.B. die Cleaner daran hindert einen Öltank über einem Haufen Zivilisten in Brand zu setzen (ja, von allen Gruppen verabscheue ich die Cleaner definitiv am meisten) oder auf Time Square den Strom wiederherstellt. Durch die Dialoge sowie den dazugehörigen Zwischensequenzen am Ende erfahrt ihr immer ein bisschen mehr über das, was hier passiert ist. Zusätzlich helfen die zahlreichen Collectibles (allein 168 Telefon mit Sprachnachrichten) darunter speziell die sogenannten Echos. Das sind Momentaufnahmen aus diversen Quellen wie z.B. Überwachungskameras, die ihr in der Stadt verteilt findet und kurze Szenen aus der ersten Zeit nach dem Ausbruch der Epidemie zeigen. Sehr coole Sache, muss ich sagen.

The Division (Herstellerbild)

Um euch trotz einer technisch gesehen persistenten Welt doch das Gefühl zu geben tatsächlich voran zu kommen, greifen die Entwickler auf ein zentrales Mittel zurück: Die „Base of Operations“. Nachdem ihr Manhattan erreicht und das Tutorial hinter euch gebracht habt, schlagt ihr im alten Postzentrum der Stadt auf. Es ist stark mitgenommen, überall liegt Müll rum, auf der Krankenstation siechen die Kranken vor sich hin und selbst einfache Annehmlichkeiten fehlen. Sprich die Situation ist angespannt und verzweifelt. Der Trick ist nun, dass ihr Verlauf des Spiels diese Basis wiederherrichtet. Dazu teilen sich bis zum Erreichen des Endgames sowohl die abwechslungsreichen Haupt- als auch die sich sehr schnell wiederholenden Nebenmissionen in drei thematische Bereiche auf: Medizin, Sicherheit und Technik. Das hat nicht nur inhaltliche Auswirkungen (bei Technik geht es z.B. darum die Stromzufuhr für die Basis wiederherzustellen): Je mehr Missionen ihr erledigt, desto mehr „Bauteile“ sammelt ihr für den jeweiligen Bereiche und desto mehr Sachen könnt ihr dort freischalten. Im Ergebnis wird die Basis immer lebendiger und gibt dem Spieler das Gefühl, dass sich durch seine Taten tatsächlich etwas ändert. Außerdem schaltet ihr zusätzliche Skills und Talente für euren Agenten frei – eine Win-Win-Situation quasi.

Übrigens: Die Spielwelt ist vollständig instanziert. Abseits der Schutzräume (wie z.B. der Base of Operations) und der Dark Zone, seid ihr ganz allein in eurer Gruppe in der Spielwelt unterwegs. Ihr werdet hier auf keinen einzigen anderen Spieler treffen. Mag auf den ersten Blick komisch sein, verstärkt aber das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Alleinseins noch weiter, das die winterliche und mit Müll und Wracks übersäte Landschaft sowieso schon erzeugt.

Das Gameplay

The Division ist wie oben erwähnt im Kern ein 08/15-Third-Person-Cover-Shooter. Euer Agent kann drei Waffen gleichzeitig tragen (zwei Hauptwaffen sowie eine Faustfeuerwaffe), kann zahlreiche Arten von Granaten werfen und hat Zugriff auf drei Skills. Zur Verfügung stehen diverse Waffengattungen von Pistolen über SMGs bis hin zu leichten Maschinengewehren alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Skills umfassen hingegen solche hübschen Sachen wie ein automatisches Geschütz oder die Fähigkeit sich und andere zu heilen. Ihr könnt euch quasi euren Charakter so zusammenbauen, wie ihr gerne spielt. Wobei es natürlich wie in jedem Rollenspiel immer optimale Builds für bestimmte Situationen gibt. Vor allem seit der Einführung der Rüstungsset, die durch die entsprechenden Boni ganz genau beschreiben für welche Art von Spieler sie gedacht sind. So macht es wenig Sinn als Heiler mit einem Jägerset rumzulaufen, dass Boni auf Kopftreffer gibt.

The Division (Herstellerbild)

Zusätzlich hat jeder Gegenstand unterschiedliche Werte, wie es sich für einen Looter gehört (egal ob Rollenspiel oder Shooter). Sprich eure Haupttätigkeit ist es Sachen zu sammeln und zu vergleichen, ob sie für euch besser oder schlechter sind als das, was ihr schon anhabt. Das macht sich tatsächlich auch im Spielverlauf stark bemerkbar. Jedes substantielle Upgrade und/oder jede Änderung des Fokus (z.B. vom Tank zum Heiler) führt dazu, dass ihr bestimmte Situationen leichter oder schwerer auflösen könnt. Und mit „Situationen“ ist in 99% der Fälle gemeint, dass ihr alle Feinde abschießen müsst. Es ist schließlich immer noch ein Shooter. Hier wird nicht geredet, sondern aus der Deckung geschossen bis das Magazin leer ist. Dabei agiert die KI überraschend intelligent (inkl. fiesen Flankierungsmanövern) und bildet eine gute Herausforderung – auch, weil ihr selbst voll ausgestattet nur sehr wenig aushaltet.

Natürlich gehört zu dem ganzen Looten ein umfangreiches Crafting-System dazu mit der Möglichkeit sich selbst Sachen zu basteln, Boni von Gegenständen zu verändern oder sie grundsätzlich zu verbessern. Hier hat Massive jedoch ziemlich geschlampt, denn Blueprints gibt es im End game so gut wie gar keine mehr. Entsprechend fällt das „Selbst ist der Mann“ komplett weg und man ist nur noch damit beschäftigt Bosse zu farmen, um von ihnen die gesuchten exotischen Waffen und geheimen Rüstungssets zu sammeln. Ja, die Auswahl ist im Endgame definitiv wesentlich beschränkter als auf dem Weg auf Level 30.

Das Endgame

Spätestens wenn ihr die Geschichte abgeschlossen habt, geht es in die Dark Zone. Hier ist auf Knopfdruck jeder Freiwild und auch die KI-Gegner sind ein gutes Stück stärker als draußen. Der Witz: Alle Gegenstände, die ihr in der Dark Zone findet, sind erst einmal konterminiert. Ihr könnt sie also nicht einfach durch den nächsten Checkpoint nach draußen tragen. Stattdessen müsst ihr an speziell definierten Plätzen einen Hubschrauber rufen und eure Sachen dranhängen. Das Problem an der Sache: Das Abtransportieren dauert 2 1/2 Minuten und in der Zeit kommt nicht nur die KI angestürmt – andere Spieler sehen, dass hier jemand was macht und könnten auf die Idee kommen das Seil durchzuschneiden. Spannung pur quasi.

The Division (Herstellerbild)

Neben der Dark Zone gibt es für Nicht-DLC-Besitzer in Sachen PVE noch eine Handvoll anspruchsvoller Raids (z.B. einen von den Cleaner umgebauten Feuerwehrwagen zerstören), die Solo faktisch nicht zu schaffen sind sowie einen Horde-Modus in dem ihr gegen immer stärker werdende Gegnerwellen bestehen müsst. Für PVP muss ein Skirmish-Modus herhalten – Team-Deathmatch quasi. Mit dem DLC „Untergrund“ wird hingegen die (stillgelegte) U-Bahn geöffnet. Allein oder in der Gruppe arbeitet ihr euch hier durch teils mehrphasige Operationen mit dem Ziel…nun Erfahrungspunkte und Gegenstände zu sammeln. Ganz nett aber wenig Geschichte dahinter und sehr dunkel (weil unter der Erde).

Der DLC „Survival“ ist hingegen definitiv was anderes. Und zwar stürzt ihr hier auf dem Weg in die Dark Zone während eines Schneesturms ab und infiziert euch. Nun habt ihr eine Stunde Zeit, um in die Dark Zone vorzudringen und von dort evakuiert zu werden. Doch um dahin zu kommen müsst ihr einen Virusfilter und eine Signalpistole bauen und das Antidode einsammeln. Dazu müsst ihr wiederrum Crafting-Gegenstände sammeln, die in der Spielwelt verteilt sind. Dank des Schneesturms ist es allerdings saumässig kalt und ihr erfriert, wenn ihr zu lange draußen bleibt. Und dann nehmen euch die Entwickler auch noch so Sachen wie die Minimap oder den Navigationspfeil weg. Pfui! Aber ja: Der Survival-Modus macht aus The Division ein komplett neues Spiel. Ein Wunder, dass es Ubisoft nicht als solches verkauft hat. Vom letzten DLC „Last Stand“ kann man das hingegen nicht behaupten. Dabei handelt es sich wieder um einen PVP-Modus in dem ihr als Team Checkpoints einnehmen und halten müsst, um Punkte zu sammeln. Battlefield & Co. lassen grüßen.

Soziales Engagement?

Bis Level 30 habe ich das Spiel fast vollständig alleine gezockt. Das Matchmaking ist zwar extrem simpel und es können sogar Leute zu euch stoßen, während ihr bereits mitten in der Mission seid. Aber da das Spiel eben schon drei Jahre alt ist und sogar schon der Nachfolger am Laufen ist, sind in den unteren Levelregionen nicht mehr wirklich viele Leute unterwegs. Es ist aber tatsächlich theoretisch alles alleine schaffbar mit Ausnahme der Raids, in denen ihr aufgrund der Missionsziele gezwungen werdet mindestens zu zweit zu sein. Dank unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade sowohl für die Spielwelt an sich (levelbasierte Zonierung bzw. im Endgame Tier 1 bis 5) als auch die Missionen (von Normal bis Heroisch) und nur wenigen Konsequenzen für den eigenen Tod – meist wird man einfach am letzten Checkpoint wiederbelebt -, könnt ihr euch eure Herausforderung gut selbst zusammenstellen.

Natürlich belohnt euch das Spiel dafür, wenn ihr den höchsten Schwierigkeitsgrad wählt. Nur da gibt es die besten Gegenstände, die meisten Erfahrungspunkte, etc. Entsprechend kommt man im Endgame bei vielen Sachen dann doch nicht darum sich mit Fremden (oder Freunden?) zusammen zu schließen. Aber das funktioniert immer noch ganz gut. Je nachdem dauert es zwar etwas länger bis man Anschluss findet (die Server sind halt nicht mehr ganz so voll) aber abseits von den reinen PVP-Modi könnt ihr mehrere Matchmaking-Prozesse starten und einfach weiterspielen bis sich jemand findet. Ein Problem ist höchstens, dass gefühlt nur noch Russen unterwegs sind, die kein Wort Englisch verstehen. Aber selbst mit Händen und Füßen hat es bislang immer noch ganz gut geklappt.

The Division (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Den fünften Sic gibt es nicht, weil The Division im Kern halt doch einfach nur ein simpler Third-Person-Shooter ist in dem ihr ab der ersten Stunde an immer das Gleiche tut. Was den Titel von Massive Entertainment für mich so interessant machte und mich bei der Stange hielt ist wirklich die Geschichte und die dazugehörige Spielwelt. Die Entwickler haben ein echt bedrückendes Stadtbild erbaut und schaffen es durch zahlreiche Tricks euch vorzutäuschen, dass ihr mit euren Taten irgendwas daran verändert.

Nach dem Abschluss der Hauptgeschichte halten mich hingegen die zahlreichen Auszeichnungen bei der Stange mit der dazugehörigen Lootspirale. Zwar werde ich unter Garantie sofort den Hammer fallen lassen, sobald ich alle 12 Schilde habe. Aber auch wenn der Endgamegrind voll reinschlägt und damit der Spielspaß langsam aber stetig abnimmt: Selbst wenn ich nach der letzten Mission aufgehört hätte, hätte ich für mein Geld wesentlich mehr bekommen als ich erwartet hatte und kann The Division anders als Destiny definitiv empfehlen – auch jetzt noch. Viele Veteranen sind wohl sogar von The Division 2 wieder zurückgewechselt, weil ihnen die Änderungen nicht gefallen haben. Für Koop-Freunde noch ein bisschen mehr als für Einzelspieler aber wie geschrieben, kommen auch die voll auf ihre Kosten.

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