Warum hat mir keiner gesagt, dass Beyond the Black schon Ende August ihr drittes Studioalbum Heart Of The Hurricane veröffentlicht haben?! Auf euch ist echt kein Verlass. Wenn die neue Platte von The Offspring irgendwann aufschlägt, wird das hoffentlich besser laufen! Zum Glück wird gute Musik nicht so schnell schlecht :smile: . Und ja, das Album der deutschen Symphonic/Power Metal-Band um Frontfrau Jennifer Haben ist erneut eine absolute Hörempfehlung. 15 Lieder und wieder keins dabei, dass nicht rockt obwohl alle Musiker bis auf die Sängerin ausgetauscht wurden.

Aber ihr seid ja nur bedingt wegen Musik hier. Der Fokus von Beim Christoph war, ist und wird weiterhin auf Katze…äh Spielen bleiben. Also lasst uns über Spiele reden. Schließlich habe ich was gespielt und kann darüber berichten. Und darum geht es doch, oder nicht? Keine Widerrede aus den hinteren Reihen!

(Cover)

12 is Better Than 6 hatte ich bereits vergangenen Montag kurz angeschnitten. Mittlerweile habe ich zumindest das Hauptspiel inkl. allen 46 Achievements beendet. Irgendwie sind Indie-Titel gefühlt oft sehr kurz und die Erfolge extrem einfach zu bekommen. Laut Steam hat es nicht einmal vier Stunden gedauert. Immerhin gibt es einen DLC, The Apostles. Dazu aber am Ende mehr. Das Hauptspiel bekommt von mir 3 von 5 Sics, die ich angesichts meiner Worte im anderen Eintrag „[…]mehr motiviert als endlich Hotline Miami 2: Wrong Number fertig zu spielen“ und der Tatsache, dass ich Hotline Miami volle 5 von 5 Sics gegeben habe genauer begründen sollte :smile: .

Ein Kickstarter für was?

12 is Better Than 6 – übrigens ein Sprichwort was so viel bedeutet wie „12 Jurymitglieder sind besser als 6 Sargträger“ – ist das Erstlingswerk von Ink Stains Games und ein Top-Down-Shooter. Veröffentlicht am 20. November 2015 wurde es theoretisch teilweise finanziert durch eine nur knapp erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne (15.013 von 15.000 britischen Pfund) bei Kickstarter. Theoretisch deshalb, weil die Kampagne am 9. Oktober 2015 endete, der ursprüngliche Release für März 2016 angepeilt war und es trotzdem schon 1 1/2 Monate später auf den Markt kam. Ich bezweifle zwar nicht, dass das Geld auf irgendeine Art und Weise in das Studio und damit das Spiel geflossen ist aber von außen wirkt das durchaus so, als wäre der Titel auch ohne Kampagne in gleicher Form auf den Markt gekommen. Erklärt vielleicht den eher übersichtlichen Umfang. Aber worum geht’s?

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Es ist das Jahr 1873 und ihr schlüpft in die Rolle des Mexikaners Jesûs, der unter Gedächtnisverlust leidend in einem Straflager aufwacht. Nachdem ihr mit der groben Spielmechanik vertraut gemacht wurdet, begeht ihr direkt euren ersten Mord am Aufseher und das Gemetzel beginnt. Aufgeteilt in vier Akte begebt ihr euch zuerst auf der Suche nach eurer Vergangenheit und dann – wie soll es anders sein – Rache. Dabei reist ihr durch Texas und tötet (fast) alles, was euch vor die Revolver kommt (Soldaten, Banditen, Indianer und Chinesen). Geredet wird nur selten und selbst diese Dialoge sind überschaubar, klischeeüberladen und grammatikalisch nicht immer ganz sauber. Stattdessen lasst ihr eure Waffen für euch sprechen – schließlich spielt ihr ja einen Shooter.

Das Gameplay

Das grundsätzliche Spielprinzip ist simpel: Töten bevor ihr getötet werdet. Alles und jeder – inkl. euch selbst – hält nur 1-2 Treffer aus. Zur Verfügung steht euch eine übersichtliche Anzahl an Waffen von denen ihr immer nur eine plus ein Messer gleichzeitig tragen dürft. Das Messer ist für alle, die es gerne leise mögen und lieber die Feinde unbemerkt von hinten umbringen. Das bringt etwas Taktik rein, denn beim Schleichen gilt es wie gewohnt zu beachten, dass euch keiner dabei beobachtet und erschießt. Leider ist die Kamera sehr nah am Geschehen dran, weshalb ihr euch keinen guten Überblick über eure Lage verschaffen könnt. Stattdessen ist Trial-and-Error angesagt. Das gilt leider auch dann, wenn ihr das Schleichen aufgebt und den Revolver, die Schrotflinte oder das Dynamite auspackt. Urplötzlich aus dem Nichts erschossen zu werden ist etwas, das euch wie im großen Vorbild häufiger passieren wird. Also das Level-Layout und die Gegnerpositionen auswendig lernen – zufallsgenerierte Positionen gibt es nicht. Oder euch einfach an eine Ecke stellen, Geräusche machen und nach einander die herbeilaufenden Feinde abschießen.

Ja, die KI von 12 is Better Than 6 erhebt keinen Anspruch auf Intelligenz. Die Herausforderung kommt entsprechend mehr durch Hinterhalte, Masse und das Levellayout und ist dadurch auf einem wesentlich niedrigeren Niveau angesiedelt im Vergleich zum aus meiner Sicht hohen Schwierigkeitsgrad von Hotline Miami. So gibt es im Zuglevel (hey, es spielt im Wilden Westen!) eben weniger Raum zum manövrieren und Ausweichen als in den in der Wüste angesiedelten Passagen. Immerhin: Der Neustart nach dem Tod geht genauso fix wie bei der Konkurrenz. Man ist sofort wieder drin und kann das Level von vorne beginnen.

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Werfen könnt ihr eure Waffen hingegen nicht und einfach nur die linke Maustaste drücken reicht ebenso wenig für eine Blutorgie. Stattdessen bringen die Entwickler einen Hauch Realismus rein und verlangen von euch erst den Hahn (oder die Bogensehne) zu spannen, bevor ihr abdrücken dürft – und, dass vor jedem Schuss. Aber da hört es noch nicht auf: Nachladen ist ebenso angesagt. Und zwar jede Patrone einzeln – die ihr übrigens manuell aus den Waffen von getöteten Feinden entnehmen müsst bevor sie in euren Vorrat übergehen. Das sind die Mechaniken, die etwas mehr Taktik in die ansonsten theoretisch ziemlich stupiden Kämpfe bringen. Klingt nerviger als es in der Praxis ist. Anfangs ist es natürlich sehr ungewohnt und der Grund für so einige Tode aber man hat es erstaunlich schnell verinnerlicht.

Die Technik

Grafisch kann sich das Spiel sehen lassen. Der handgezeichnete Grau-Weiß-Stil mit seinen klaren Linien funktioniert erstaunlich gut und ist definitiv mal was anderes. Die einzige Farbe ist das rote Blut, das eure Feinde hinterlassen. An die Brutalität und die Gewaltexzesse von Hotline Miami kommt es dennoch bei Weitem nicht dran. Ja, Jesûs reitet mordend durch das Land aber seine Reise ist alles nur keine Gesellschaftskritik. Das Schockniveau hält sich entsprechend in Grenzen. Die Gewalt ist Mittel zum Zweck und in diesem Spiel ist sowieso technisch gesehen jeder der Bösewicht – inklusive Jesûs. Der einzige Negativpunkt in Sachen Grafik ist das Fehlen einer „V-Sync“-Funktion. Wer das nicht über den Treiber erzwingt muss mit unschönen Schlieren im Bild leben. Der Anspruch an die eigene Hardware hält sich in Grenzen.

In Sachen Soundeffekte gibt es abseits von etwas Hundebellen und den fliegenden Kugeln hingegen so gut wie nichts zu hören. Stattdessen dominiert der Soundtrack von John R1se, Ivan Reshetnyov und Son of the Sun die Klangkulisse. Dieser ist auch durchaus gelungen und unterstützt die Metzelorgie mit fetzigen Tracks irgendwo zwischen Wild West-Gefühl, mexikanischen Einflüssen und hartem Rock. Er wird selbst beim 10. Neustart eines Levels nicht langweilig. So muss das sein!

Der DLC

12 is Better Than 6: The Apostles (Herstellerbild)

Wie erwähnt, gibt es auch noch einen DLC namens The Apostles. Der setzt die Geschichte des Hauptspiels nahtlos fort. Ihr schlüpft aber nach dem abrupten Finale nicht wieder in die Schuhe von Jesûs. Stattdessen gibt es in den drei Akten ebenso viele Charaktere deren Kontrolle ihr übernehmt. Während das Grundprinzip logischerweise gleich bleibt, mischen sie es durch andere Waffen und Fähigkeiten etwas auf. So hat Bill Watt nicht nur eine sechsschüssige Schrotflinte, sondern außerdem häufig ein paar Begleiter mit dabei, denen ihr über die Leertaste den Befehl „erschießt den Gegner“ geben dürft. Slippery Pitt und der Indianer verzichten hingegen auf den Einsatz von konventionellen Waffen. Während Pitt lieber auf Bärenfalle und ähnliches, hinterhältiges Zeug setzt, nutzt der Indianer nur seinen Bogen und Dynamit.

Durchgespielt habe ich den DLC noch nicht, da der Schwierigkeitsgrad massiv anzieht. Schon im ersten Level erwarten euch mehr Gegner als gefühlt im gesamten Hauptspiel zusammen und im zweiten Level seid ihr auf einem Floss unterwegs. Das müsst ihr abwechselnd steuern und nebenbei die Feinde am Strand erledigen bevor sie euch treffen. Das hat etwas gedauert. Aber da das Hauptspiel so kurz und vergleichsweise einfach war, freue ich mich doch sehr darüber, dass es zumindest etwas Nachschub gibt.

Beim Christoph meint: Grundsätzlich hat 12 is Better Than 6 Laune gemacht. Die Grafik ist mal was anderes, das Spielprinzip funktioniert und obwohl Hotline Miami und sein Nachfolger objektiv betrachtet natürlich fantastische Spiele sind: Ich persönliche finde es gut, dass es hier etwas weniger derb und vor allem „komisch“ zur Sache geht.

Leider ist die Geschichte uninteressant (und das Finale doof), die Charaktere quasi nicht vorhanden und die Spielzeit viel, viel zu kurz. Ja, es kostet dafür auch nur 6,99 Euro aber es hat mir trotzdem irgendwie nicht so viel Spaß gemacht wie es anfangs den Anschein machte. Und aus meiner Sicht liegt dies weniger am eigentlichen Spielprinzip (das macht prinzipiell Spaß) als viel mehr am unzureichenden Kleber (=die Geschichte) dazwischen. Gerade als es anfing interessant (und anspruchsvoller) zu werden war es schon vorbei quasi. Ja, es gibt den DLC der mit 4,99 Euro fast so viel kostet wie das Hauptspiel und vielleicht das ein oder andere besser macht (weiß ich ja noch nicht genau). Aber das reicht nicht. Deswegen nur 3 von 5 Sics. Wer mal wieder Lust hat auf so einen Titel kann beim nächsten Sale mal einen Blick drauf werfen. Eine uneingeschränkte Empfehlung für alle gibt es jedoch nicht.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Okay, ich weiß: Es fängt langsam an zu nerven aber es ist das letzte Mal. Versprochen! Also zumindest bis zum Release des vierten DLC. Ja, ich habe Kingdom Come: Deliverance endlich durchgespielt. 117 Brutto- und 85 Nettospielstunden hat es gedauert für das Hauptspiel inkl. 100% der Nebenquests, 60/71 Erfolgen sowie die derzeit erhältlichen drei DLCs. Ich könnte theoretisch ohne Neustart noch vier weitere Achievements freischalten (werde Alkoholiker, Finde alle Schreine und Kreuze, führe 100 Kombos im Kampf aus und gewinne 1.000 Groschen im Würfelspiel) aber ich glaube das hebe ich mir auf für A Woman’s Lot (der bereits angekündigte 4. DLC). Nach über vier Monaten fast nur mit diesem Titel ist es jetzt erst einmal genug mit dem Mittelalter. Einen zweiten Durchgang z.B. im Hardcoremodus (kein UI, keine automatischen Speicherstände, etc.) wird es so schnell definitiv nicht geben.

Das liegt aber nur an mir und sagt nichts über die Qualität des Spiels aus. Die finale Wertung für Kingdom Come: Deliverance ist – wenig überraschend – 5 von 5 Sics. Der 61. Erfolg blieb mir wegen eines Bugs zwar verwehrt, die Performance in den Schlachten im Finale war oft grenzwertig und der geballte Loredumb zum Abschluss (die Endsequenz besteht aus fünf Minuten politischen Erläuterungen) war nicht so der Brüller. Ach und mit dem Patch 1.8.1 (5. Februar 2019) wurde die Möglichkeit entfernt Überladen (es gibt ein Tragelimit) mit eurem Pferd zu reiten, was etwas nervig ist selbst wenn es dem Realismus tut gut. Aber das Gesamtpaket hat einfach gepasst. Kingdom Come: Deliverance war und ist ein großartiges Rollenspiel. Ein großartiges Rollenspiel mit immer noch vielen Bugs und technischen Problemen aber trotzdem ein großartiges Rollenspiel, dass ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann :smile: . Ich freue mich auf Teil 2, auch wenn meine persönlicher Hypelevel durch den Aufkauf von Warhorse Studios von THQ Nordic etwas gedämpft wurde.

Die Zusatzinhalte

Und wie sieht es mit den DLCs? Nun, da sie sich nahtlos ins Spiel integrieren würde ich sie durchaus bei reduziertem Preis allen empfehlen, die es noch nicht durchgespielt haben. Sie bieten jeweils ein paar Stunden zusätzliche Unterhaltung für das sowieso schon umfangreiche Spiel. Aber ich kann die Kritik derjenigen verstehen, die schon das Ende gesehen hatten und quasi nur wegen den DLCs nochmal reinschauten. Dafür bieten sie tatsächlich für den normalen Preis (10 bzw. 8 Euro) dann doch nicht viel Neues und sind vor allem für hochlevelige Charaktere ein Klacks.

Kingdom Come: Deliverance – From the Ashes (Herstellerbild)

Im 1. DLC, From the Ashes, werdet ihr als Verwalter des Ortes Pribyslawitz eingesetzt und bekommt die Aufgabe ihn wiederaufzubauen. In der Praxis bedeutet dies haufenweise Groschen (die Währung des Spiels) zu sammeln und aus einem Buch das als nächstes zu bauende Gebäude auszuwählen (die Lokation ist festgelegt). Anfangs gibt es jeden Tag auch noch einen Disput zwischen den Dorfbewohnern, den ihr lösen müsst (im Prinzip nur eine ja- oder nein-Entscheidung) und ihr habt die Möglichkeit Charaktere aus der restlichen Spielwelt für Aufgaben in eurem Dorf anzuwerben. Das bringt euch dann ein paar Groschen mehr Einnahmen pro Tag als mit den Standardarbeitern. Und das war‘s. Da das Dorf zudem komplett ab von den normalen Wegen liegt und ihr (wie so oft in Rollenspielen) zu dem Zeitpunkt vermutlich sowieso schon keine Geldprobleme mehr haben werdet, spielt es leider nach Abschluss der Bauarbeiten keine Rolle mehr. Wie heißt es so schön? Verschenktes Potential.

Aber immer noch besser als The Amorous Adventures of Bold Sir Hans Capon, DLC Nr. 2. Darin sollt ihr dem namensgebenden Sir Hans Capon dabei helfen die Metzgertochter zu bezirzen. In der Praxis sind es drei Quests, die es zu erledigen gilt. Eine führt euch in ein Banditenlager in dem ihr an einem Würfelturnier teilnehmt, in der zweiten sollt ihr ein Dorf in Angst und Schrecken versetzen und die dritte ist dann die eigentliche Umgarnung der Metzgertochter. Hauptproblem des DLCs ist noch stärker als im Hauptspiel, dass ihr durch die falsche Auswahl in den Dialogen den Großteil der gestellten Aufgaben komplett umgehen könnt. Das mag realistisch und im Sinne der spielerischen Freiheit sein, ist aber natürlich ärgerlich für den unachtsamen Spieler der z.B. den Trank einfach kauft statt die umfangreiche Quest dafür zu erledigen. Kein Wunder, dass sich damals nach der Veröffentlichung viele über den nicht vorhandenen Spielumfang beschwert haben. Geht ihr hingegen nicht die Abkürzungen, dann ist zumindest der Dorf-Quest eine ganz nette und amüsante Aufgabe. Trotzdem: 10 Euro sind definitiv zu viel verlangt.

Kingdom Come: Deliverance – Band of Bastards (Herstellerbild)

Vielleicht auch ein Grund, warum der dritte und bislang letzte DLC, Band of Bastards schon von Haus aus nur acht Euro kostet. Dafür gibt es eine etwas längere Nebenaufgabe (4 Hauptmissionen und eine Miniaufgabe – je nach Charakterlevel 2-4 Stunden Spielzeit), die einen starken Fokus auf Gruppenkämpfe legt (ihr mit NPCs gegen andere NPCs). Wie der Name schon andeutet, schließt ihr euch darin einer Gruppe von Söldnern an, die durch das Land streifen und Jagd auf eine andere Truppe machen. Die Söldner sind theoretisch einzigartige und interessant gestaltete Charaktere. Leider leiden sie unter dem CSI-Syndrom: Es gibt nur häppchenweise servierte Dialoge zwischen den Missionen. Das Ergebnis ist sehr oberflächlich und fühlt sich zudem unnatürlich an. Und auch die beworbenen „unterschiedlichen Enden“ sind jetzt nichts wo ich sagen würde „Jep, das hat mich umgehauen und war total überraschend“.

Wie gesagt: Als Teil des Großen und Ganzen funktionieren die DLCs und fügen sich ganz gut in das Hauptspiel ein. Aber als eigenständige Inhalte sind sie weder in Sachen Länge noch Qualität 28 Euro wert. Dann lieber auf den nächsten 50%-Deal warten.

Was nun?

Und damit habe ich aus meiner Sicht zwar nicht alles gesagt, was ich zu Kingdom Come: Deliverance sagen könnte. Aber ich behaupte mal, dass drei Einträge reichen völlig egal wie gut das Spiel auch sein mag :smile: . Zeit sich wieder auf die Suche zu begeben nach dem nächsten Titel zum Durchspielen.

„Einer“ davon wird vermutlich die Space Pillgrim Saga sein. Das ist eine Serie aus derzeit sieben RPGMaker-Titeln für sehr kleines Geld, die aber mit Rollenspiel überhaupt nichts zu tun haben. Stattdessen sind es Adventure ohne viel spielerischen Tiefgang und einem starken Fokus auf die Erlebnisse von Gail Pilgrim und ihr Sternenschiff Quicksilver. Nichts, was einen Hardcoregamer vor den Ofen hervorlocken wird aber wirklich nett gemacht. Amüsant finde ich übrigens, dass die Spielzeit mit jedem weiteren Titel zunimmt (Episode I hat man nach nicht einmal einer Stunde durch – die neueren dauern um die fünf Stunden). Man merkt, dass die Entwickler immer mehr Erfahrung gesammelt haben :smile: . Bin bereits in Episode III und muss sagen: Für maximal 10 Euro (aktuell sogar nur 6 Euro) kann ich mich absolut nicht beschweren. Ja, es ist ein „RPGMaker-Asset-Flip“ (wobei ich das nicht ganz so negativ sehe wie manch‘ anderer) und mehr Visual Novel als Spiel. Aber die Geschichte ist interessant und wird gut erzählt. Das reicht mir für Zwischendurch.

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Nummer Zwei ist 12 is Better Than 6, das handgezeichnete Hotline Miami im Wilden Westen. Die Story ist nicht einmal ansatzweise so psychedelisch und krank wie bei der Konkurrenz und auch die Gewaltdarstellung nicht so extrem. Spaß macht das bekannte Spielprinzip aus Schleichen und hektischen Kämpfen aber trotzdem (oder gerade deswegen?). Ihr spielt einen mexikanischen Sträfling mit Gedächtnisverlust, der in den 1870er Jahren in den USA ums Überleben und seine Freiheit kämpft. Neben dem einzigartigen Look unterscheidet sich das Werk von Ink Stains Games vor allem durch sein im Vergleich etwas gemächlicherem Spieltempo und dem kompletten Fehlen der Arcadekomponente (keine Multiplier durch Killcombos hochjagen). Was nicht heißt, dass ihr auf bedachtes Vorgehen und hektische Kämpfe verzichten müsst. Dafür sorgt schon allein die übersichtliche Waffenauswahl (nicht werfbar!) mit ihren zusätzlichen, spielerischen Anforderungen. Einfach die LMT drücken ist nicht. Stattdessen gilt es vor jedem Schuss erst den Hahn an eurem Revolver (RMT) zurückziehen, bevor ihr abdrücken könnt. Und ist die Trommel leer, heißt es erst einmal nachzuladen oder eine Alternative aufzuheben. Wenn euch ein paar Banditen auf den Fersen sind, kann das durchaus mal in Stress ausarten – bedeutet anders als bei der Konkurrenz aber nicht gleich den sicheren Neustart. Nach rund 1 1/2 Spielstunden muss ich ehrlich zugeben, dass es mich aktuell mehr motiviert als endlich Hotline Miami 2: Wrong Number fertig zu spielen. Vermute das liegt vor allem am sehr hohen Schwierigkeitsgrad des großen Vorbilds. Aber mal schauen wie sich 12 is Better Than 6 in der Hinsicht noch entwickelt.

Und mit diesen Ultrakurzeindrücken gebe ich ab bis Montag. Viel Spaß beim Zocken!

Die aktuelle Top 5

92 Stunden zeigt der Spielzeitzähler auf Steam bei Kingdom Come: Deliverance an. Damit hat es meinen bisherigen Rekordhalter Counter-Strike: Global Offensive (72 Stunden) auf Valves Plattform bereits weit hinter sich gelassen. Ich weiss: Peanuts für diejenigen unter euch die teils drei- oder vierstellige Stunden in so manchem Titel hat. Aber für mich ist das viel! Gut, außerhalb von Steam gibt es schon das ein oder andere Spiel in das ich über die Jahre sicherlich mehr Zeit investiert habe wie z.B. UFO: Enemy Uknown, Lands of Lore: The Throne of Chaos oder World of WarCraft. Aber selbst bei denen hat sich das eher über mehrere Monate/Jahre angesammelt (UFO: Enemy Unknown sitzt in der Steamversion aktuell bei genau 24 Stunden). Kingdom Come: Deliverance habe ich hingegen jetzt seit Mitte November, komme hauptsächlich nur am Wochenende zum Spielen und habe trotzdem allein in den letzten zwei Wochen über 20 Stunden versenkt. An dieser Stelle ein Küsschen an meine liebe und verständnisvolle Ehefrau Lysanda, die das durchgehen lässt und gleichzeitig das 1.000 „Hey Henry!“ aus den Boxen erträgt :smile: .

Und nein: Ich habe es immer noch nicht durch. Aktuell bei Quest 16 von 29 der Hauptstory. Immerhin dürfte es bei den Nebenaufgaben langsam aber sicher auf das Ende der Fahnenstange zugehen. Und den DLC From the Ashes habe ich auch schon komplett erledigt. Allerdings erscheint übernächste Woche bereits der 3. DLC: Band of Bastards. Da könnt ihr drauf wetten, dass ich sofort zugreifen werde.

Lob und Frust

Hatte ich schon erwähnt, dass ich das Spiel einfach nur genial finde? Hatte ich? Sehr gut. Aber es lohnt sich das noch einmal zu betonen. Gleichzeitig möchte ich aber die Gelegenheit nutzen und auf die leider weiterhin vorhandenen Unzulänglichkeiten hinweisen. Je weiter man im Spiel voranschreitet, desto mehr Probleme gibt es nämlich selbst in der aktuellen Version 1.7.2 vom 21.11.2018. Ich hoffe mit dem DLC kommt endlich mal wieder ein großer Patch voller Bugfixes. Fakt ist nämlich, dass mein Spielstand nur 64 Spielstunden anzeigt. Sprich ich habe irgendwo geschlagene 28 Stunden an Spielzeit verloren. Und nein, ich bin nicht so einer wie manch Leute (die ich komisch finde), die ein Spiel gefühlt tagelang einfach anlassen, nur weil sie keinen Bock haben es wieder neu zu starten.

Einer der Gründe für die 28 Stunden ist natürlich, dass ich mal Sachen verbocke und einen früheren Spielstand laden muss, weil ich vergessen hatte zu Speichern. Das war anfangs sicherlich einer der Hauptgründe. Mittlerweile habe ich das ein wenig besser verinnerlicht weshalb es somit leider eher die Bugs und technischen Probleme sind, die mich nicht nur dazu zwingen Spielzeit zu verlieren, sondern auch zur Vermeidung dessen eine Komplettlösung zu meinem ständigen Begleiter gemacht haben.

Wichtigster Tipp: Reitet niemals volle Kanne in Richtung von Häusern, Bäumen und Büschen oder durch Unterführungen hindurch. Die Chance, dass ihr nicht rechtzeitig bremsen könnt und stecken bleibt ist extrem hoch. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dann selbst durch Schnellreisen nicht mehr wegkommt ebenso (=Neu laden). Sowieso gehen mir die undurchdringbaren Büsche auf den Geist. Welchen spielerischen Sinn und Zweck hat es einfach irgendwo mitten in der Landschaft eine Reihe von denen hinzusetzen? Sie halten euch nur davon ab direkt auf die andere Seite zu kommen und zwingen euch einige Meter weiter Drumherum zu reiten. Sie verlängern somit nur unnötig die Spielzeit. Mehr ist es nicht.

Gehe direkt ins Gefängnis. Gehe nicht über Los. Sonst stürzt das Spiel ab.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Abseits dieser grundsätzlichen, technischen Probleme ist es durchaus verständlich, dass bei einem Spiel mit über 100 Quests mal irgendwo der Wurm drin ist. Vor allem, da es erfreulicherweise sehr viele Lösungswege und Abhängigkeiten gibt, das Programm also unzählige Variablen berücksichtigen und verarbeiten muss. Und auch, dass mal ein Questziel oder eine ganze Quest scheitert ist eine normale Sache. Etwas falsch zu machen und mit dem Ergebnis leben (oder neu zu laden) gehört für mich vor allem bei so einem offenen Rollenspiel dazu.

Davon rede ich hier aber nicht. Sondern von Quests, die man nur auf eine bestimmte Art und Weise lösen DARF weil es ansonsten beispielsweise zu einem Plotstopper kommt, der teilweise bereits seit dem Release vor einem Jahr bekannt ist und immer noch nicht behoben wurde. Und wenn es nicht gleich ein Plotstopper ist, dann zumindest das Verbauen eines kompletten Lösungswegs, weil er schlichtweg derzeit nicht funktioniert. Und das ist logischerweise ein absolutes No-Go. Mitunter ist sogar die Reihenfolge entscheidet, in der ihr bestimmte Aufgaben annehmt, um das Spiel nicht in einen unauflösbaren Widerspruch zu verstricken. Ohne Komplettlösung kann man das nicht erkennen.

Die Praxis

Ein Beispiel was ich mit kaputten Aufgaben meine: In einer Quest geht es um den Überfall auf einen Geldtransport. Dazu sollt ihr haufenweise Vorbereitungen treffen, etc. pp. Ihr könnt die Quest aber auch einfach lösen bevor der Transport überhaupt startet indem ihr das Geld aus einer Truhe stehlt. Das hat zwei Konsequenzen: Zum einen interessiert das irgendwie niemanden außer eurem Auftraggeber (niemand sonst bemerkt, dass das Geld nicht mehr da ist). Zum anderen bekommt ihr danach trotzdem noch Dialogoptionen angeboten, die mit dem Überfall zu tun haben – den ihr gar nicht mehr durchführen könnt, da euer Auftraggeber ja schon das Geld hat und zufrieden ist! Ich habe nicht getestet, was passiert, wenn man diese auswählt befürchte aber schlimmstes.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Anderes Beispiel: Eine Dame sagt euch, dass ihr Mann krank ist und ihr es ebenfalls nicht so gut geht, weil das Leben so anstrengend ist. Nach diesem Dialog wird zwar eine Notiz im Tagebuch hinterlegt aber es gibt keine Quest und die Notiz findet man irgendwie nicht wieder. Anschließend könnt ihr der Dame zwar einen Trank geben, damit sie sich besser fühlt aber es passiert sonst nichts (=keine Belohnung, keine abgeschlossene Quest). Und auch ihrem Mann könnt ihr finden (durch Ausschlussverfahren: Er trägt nur einen generischen Namen), ihm aber auf normalem Wege keinen Trank zur Besserung geben. Warum? Weil er 24 Stunden am Tag schläft und mit manchen Personen (ja, das Spiel ist nicht immer konsequent in seinen Regeln) kann man nicht reden, wenn sie schlafen (kommt dann nur ein „Ey, lass mich in Ruhe weiterpennen!“). Die Lösung, will man die technisch gesehen nicht vorhandene Quest lösen? Anschleichen, ihn ungesehen in Ohnmacht versetzen, damit ihr ihn aufnehmen könnt und ihn anschließend in den Weg eines anderen NPCs legen. Der weckt den Mann dann auf und ihr könnt mit ihm reden bis er wieder zurück an seinem Schlafplatz ist.

Fazit

Ihr könnt euch vorstellen wie frustrierend das ist, wenn man extrem vorsichtig damit sein muss, was man tut. Das nimmt einem nicht nur die spielerische Freiheit, sondern eben aufgrund der Notwendigkeit vorher in einer Komplettlösung nach den Fallstricken zu suchen die Überraschungsmomente. Der Frust wird natürlich noch einmal verstärkt dadurch, dass Kingdom Come: Deliverance ansonsten ein wirklich großartiger Titel ist mit dem ich trotz dieser mittlerweile wirklich nicht mehr seltenen Probleme weiterhin extrem viel Spaß habe.

Das Fazit nach über 1.200 Wörtern voller Gejammere soll für euch also definitiv nicht sein, dass ihr einen weiten Bogen um den Titel machen solltet. Im Gegenteil solltet ihr endlich zugreifen und zocken! Ich will aber natürlich nach meinem Lobgesang nicht verheimlichen, dass der Titel vor allem mit Mid- bis Endgame durchaus große Probleme hat und Warhorse Studios sich dennoch aktuell ausschließlich auf die DLCs konzentriert. Die Hoffnung, dass die Fehler zeitnah behoben werden, ist also nicht ganz so groß.

Jetzt muss ich aber wieder zu Henry zurück. Bis Montag!

Müsste mal wieder das Regal sortieren…

Die Games Awards sind rum und wie erwartet wurde Rockstar alles in den Poppo geblasen – außer dem wichtigsten „Game of the Year“-Titel, der an God of War ging. Mit dieser Konkurrenz aus dem Weg, können wir nun endlich zu den wichtigen Dingen des Jahres kommen: Meine Top 5 Spiele des Jahres 2018.

Der Rückblick

Grundsätzlich habe ich 2018 aus meiner Sicht erneut einen halbwegs „gesunden“ Spielekonsum gelebt (hab‘ auch wieder einiges eingekauft) und zumindest am Wochenende immer mal wieder ein paar Stunden Zeit gehabt mich am Hauptrechner intensiv einem Titel zu widmen. Die „Durchgespielt“-Quote war zwar trotzdem nicht sonderlich hoch und, dass ich brandaktuelle Spiele zocke kommt ebenfalls so gut wie gar nicht vor. Aber unterm Strich bin ich zufrieden mit meiner Gaming-Life-Balance :smile: .

Hardwaretechnisch ist ganz klar mein iPhone 6 Plus weiterhin mein Hauptspielegerät, gefolgt vom Hauptrechner. Die PlayStation 3 war heuer hingegen überhaupt nicht an (es sei denn eine Katze ist auf den „An“-Knopf getreten) und die Xbox 360 nur mal für meine 30 Minuten mit Red Dead Redemption. Und nein, die neuste Konsolengeneration hat immer noch keinen Einzug bei mir gehalten. Wird sich unter diesen Bedingungen auch logischerweise so schnell nicht ändern. Mehr Zeit habe ich im Vergleich tatsächlich mit der PlayStation Vita (Silent Hill: Book of Memories) und dem Nintendo 3DS (Sonic Colours) verbracht. Aber obwohl ich beide Titel empfehlen kann, hat es keiner davon auf meine diesjährige Top-5-Liste geschafft.

Die Top 5

Ja, ich musste tatsächlich etwas länger überlegen welche der Titel, die ich 2018 gezockt habe (unabhängig vom Erscheinungsdatum) ich nehme. Gut, stimmt nicht ganz – die Top 3 war quasi schon in Stein gemeißelt. Aber beim Rest musste ich wirklich intensiv streichen bis ich auf das untenstehende Ergebnis gekommen bin :smile: . Für eine Rückkehr zumindest zur ursprünglichen Form (13 Kategorien und nur ein Titel) der Bagdadsoftware No-One-Cares-Awards hatte es allerdings immer noch bei weitem nicht gereicht. Irgendwann vielleicht.

Jetzt reicht es aber mit der Vorgeschichte. Wie so oft führen die meisten Links zu Amazon und hier sind sie nun, meine fünf Top-Spiele des Jahres 2018:

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

1. Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, XONE, PS4) – Was könnte ich dem letzten Eintrag hinzufügen? Hättet ihr mich im Oktober gefragt, hätte bei den Bagdadsofware NOCAs 2018 ganz klar Divinity: Original Sin II – Enhanced Edition als bestes Rollenspiel des Jahres abgeräumt. Mittlerweile wäre dieser Sieg weder garantiert noch eindeutig. Obwohl ich nun doch auf die eine oder andere Quest mit technischen Problemen gestoßen bin (=lassen sich nicht korrekt oder nur auf bestimmte Art und Weise abschließen), kann ich gar nicht in Worte fassen wie unglaublich viel Laune mir der Titel macht. Ich hatte schon lange kein Spiel mehr an das ich so oft denken musste und auf das ich mich wirklich freue es weiter spielen zu können (nur noch diesen Eintrag fertig schreiben, dann kann ich wieder!). Ich fühle mich wirklich in die Zeit von Gothic und Gothic II zurückversetzt. Glaub‘ ein größeres Lob kann ich einem Videospiel nicht geben :smile: .

Just Cause 3 (Herstellerbild)

2. Just Cause 3 (2015; PC, XONE, PS4) – Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Teil 3 so viel Laune machen würde. Ja, ich hatte auch mit Teil 2 meinen Spaß aber nach 25 Spielstunden war und ist die Luft einfach raus trotz vieler unerledigter Aufgaben abseits der Kampagne. In Just Cause 3 habe ich hingegen laut Steam satte 51 Stunden versenkt und es zu 100% durch – ohne, dass ich mich nur eine einzige Sekunde gelangweilt hätte! Höchstens bei der ein oder anderen Challenge bzw. Achievement (scheiß Boot!) in die Tastatur gebissen aber das gehört dazu :wink: . Es gibt genug zu tun ohne, dass es zu viel wird. Es ständig Action und die Grafik sieht zum Anbeißen aus. Und allein über den Wingsuit könnte ich schon wieder seitenweise Lobeshymnen verfassen. So eine einfache aber geniale Idee, die das Spielerlebnis um ein Vielfaches besser macht. Und dann noch der doppelte Greifhaken.

Ja, Avalanche Studios hat aus meiner Sicht nicht nur den nächsten logischen Schritt im Vergleich zu Teil 2 getan, sondern damit auch den für mich fast perfekten Serienteil gemacht. Neben den neuen Spielsachen ist es vor allem die gute Balance aus „Spielweltgröße“ und „Inhalt“, die für mich das Zünglein an der Waage waren. Teil 4 scheint da den ersten Reaktionen nach zu urteilen nicht ganz mithalten zu können (wobei viele von Teil 3 ebensowenig begeistert waren). Mal schauen. Allzulange werde ich mich mit dem Kauf wohl nicht zurückhalten können.

So viele Mythics!

3. Magic: The Gathering – Puzzle Quest (2015; iOS, Android) – Obwohl ich es jetzt schon fast zwei Jahre spiele, hat es erst 2018 so richtig „Klick“ gemacht. Ja, es regt mich immer noch hier und da auf, wenn ich gegen einen Gegner antreten muss, der bereits in der 1. Runde eine Mythic nach der anderen raushaut. Aber ich bin mittlerweile tatsächlich in der Position auch mal das Gleiche zu tun und mich in den Events in den Top 100 aufzuhalten. Habe ich also in den sauren Apfel gebissen und endlich Geld ausgegeben? Nein. Es hat angefangen mit der Einführung des Booster-Crafting sowie dem Ixalan-Set.

Booster-Crafting erlaubt es endlich die doppelten Karten, die man vor allem aus dem kostenlosen Boostern zwangsläufig dauernd zieht gezielt in Nützliches umzuwandeln (3000 Orbs für eine ältere Mythic-Karte; eine doppelte Common-Karte gibt 10 Orbs). Eine Garantie, dass ihr genau die bekommt, die ihr haben wollt gibt es da zwar nicht. Aber man bekommt halt zumindest eine Karte der gewünschten Stufe und nicht immer nur nutzlosen Kram. Gleichzeitig wurde erstmals ein Event (Across Ixalan, PvP) eingeführt, welches zumindest im Platinum-Tier (derzeit das höchste) gute Belohnungen bot mit denen man auch seinen Einsatz jeden Tag wieder rausholen konnte. Sowieso sind die PvP- und vor allem die PvE-Events großzügiger geworden was das Verteilen vor allem von Kristallen (die Premium-Währung) angeht. Dadurch konnte ich meinen Karten- (1654 von 2353) und Planeswalkerpool (alle 49 mit Kristallen erwerbbaren) vergrößern und im Ergebnis Decks bauen mit denen ich eine reale Chance habe zu gewinnen. Was habe mich gefreut wie Bolle als ich im PvE-Event „Rise of the God-Pharao“ erstmals Nicol Bolas besiegt habe und jetzt kann ich es fast jedes Mal.

Und wenn man endlich öfters gewinnt als verliert, dann hat man natürlich mehr Spaß an der Sache. Entsprechend wenig verwunderlich, dass ich dieses Jahr kein anderes Spiel so häufig und lange gespielt habe wie Magic: The Gathering – Puzzle Quests. 700 Spielstunden dürfte ich locker erreicht haben. Einziger Wehrmutstropfen: Gefühlt sind die technischen Probleme häufiger geworden (sehr, sehr viele Abstürze, die euch dann das jeweilige Match kosten).

Warhammer 40.000: Dawn of War II – Retribution (Herstellerbild)

4. Warhammer 40.000: Dawn of War II – Retribution (2011; PC, LNX, MAC) – Irgendwie hatte ich im Frühjahr plötzlich mal Lust ein Strategiespiel zu spielen. Und da für mich Warhammer 40.000: Dawn of War II immer noch eines der Besten auf dem Markt ist, habe ich mir endlich mal das zweite Addon Retribution vorgenommen. Anders als im Hauptspiel und in Chaos Rising gibt es dieses Mal in der Kampagne sechs Rassen zur Auswahl.

Die Grundgeschichte (alle wollen etwas in Sub-Sektor Aurelia und es geht in die Hose) und ein Großteil der 16 Levels bleiben zwar für alle gleich. Das dämpft die Motivation etwas die Geschichte aus der Sicht jeder der sechs Rassen zu erleben (ein Durchlauf dauert 6-7 Stunden). Aber spielerisch macht es immer noch extrem viel Laune (solange man scheinbar kein Dawn of War 1-Fan ist) und trifft für mich als Strategie-n00b weiterhin die passende Balance aus Anspruch und völliger Überforderung obwohl ihr dieses Mal nicht nur Squads befehligt, sondern auch als Zugeständnis an die Aufbaufans hier und da Truppen bauen müsst. Dazu natürlich das Setting, das ich sowieso grundsätzlich mega-cool finde und schon hatte mich Relic Entertainment eingefangen. Mal schauen ob ich nächstes Jahr dann Warhammer 40.000: Dawn of War III schaffe. Angefangen habe ich es schon.

Agents of Mayhem (Herstellerbild)

5. Agents of Mayhem (2017; PC, XONE, PS4) – Es hat nicht das Niveau eines echten Saints Row, viele vor allem technische Probleme und ein Koop-Modus, den ich zwar nie benutzen würde, hätte dem Spiel wirklich extrem gutgetan. Aber wie ich geschrieben hatte: Es ist bunt, amüsant und action-reich. Ja, es hat trotz vieler gelungener Charaktere nicht den ganz großen Tiefgang aber es macht mir Spaß. Die Inszenierung stimmt, die Bewegung durch die Spielwelt geht gut von der Hand und das Kampfsystem ist solide. Es könnte selbstverständlich noch viel mehr sein (Saints Row V!) aber was es macht, macht es kompetent und passt zu meinen Vorlieben und damit kommt es auf den fünften Platz. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

 

Das waren also die Spiele, die mich 2018 am meisten beschäftigt haben (bzw. teilweise immer noch tun) und mir positiv in Erinnerung geblieben sind – im Gegensatz zu Titeln wie Homefront: The Revolution oder Risen 3: Titan Lords, die eher in der Kategorie „Enttäuschung des Jahres“ ihre Heimat gefunden hätten. Nun seid ihr an der Reihe: Was habt ihr so in diesem Jahr gezockt? Genug, um eine Top 5 zu füllen? Erzählt es der Welt in den Kommentaren!

Die Nachfolgersuche ist beendet. Zumindest legt das die Tatsache nahe, dass ich zum Verfassungszeitpunkt schon 26, nein 28, äh…Webmaster, hör endlich auf das Spiel zu spielen und schreib den Eintrag! – 30 Stunden in einen anderen Titel investiert habe:

Cover

Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, PS4, XONE) – Das war mal wieder so ein Spiel, bei dem ich länger überlegt habe ob ich es tatsächlich kaufe oder nicht. Schon damals beim Kickstarter (2014) war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite fand ich die Prämisse sehr reizvoll (historisch korrektes Mittelaltersetting, realistische Kampfsimulation, lebendige Welt). Auf der anderen klang es auch extrem Hardcore (limitiertes Speichersystem, anspruchsvolles Kampfsystem, Hygiene- und Hungersimulation). Nachdem ich in den letzten Wochen aber von YouTube in meiner „Empfohlen“-Liste ein paar Videos serviert bekam, entschloss ich mich doch endlich mal zuzuschlagen.

Der Umweg

Also bestellt, geliefert und losgezockt? Leider nein: In der verschweißten Packung waren keine Product Keys enthalten und auch nicht beim Einlegen der Installations-DVD (machen einige mittlerweile). Nicht weiter wild, da ich bei Amazon bestellt hatte (die Lieferbarkeit an „älteren“ PC-Spielen ist bei OkaySoft leider nicht mehr so gut wie früher). Sie hatten aber keine Kopie mehr zum Austausch auf Lager und keine Keys irgendwo rumliegen. Also einfach Zurückschicken gegen Geld und vielleicht später nochmal kaufen. Onlinehandel kann so schön unkompliziert sein.

Wenn damit die Geschichte zu Ende gewesen wäre, könnte ich euch aber natürlich heute nicht über das Spiel berichten, denn ich musste die Rücksendung doch nicht durchführen. Ab und zu hilft es eben doch auf Twitter zu jammern :smile: . Warhorse Studios wurde auf meinen Tweet aufmerksam (scheinbar werden alle Tweets nach „Kingdom Come“ gescannt), empfahl mir Deep Silver zu kontaktieren und eine Mail mit Rechnungsnachweis später hatte ich Ersatzkeys. Perfekt. Endlich konnte es losgehen.

Aller Anfang…

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Im Jahre 1403 geht es rund in Böhmen. Der alte König Karl IV ist tot und sein erster Sohn Wenzel ist wie so häufig ein absoluter Taugenichts, der lieber mit Weibern rummacht als das Land zu regieren. Also nimmt sein Bruder Sigismund mit Billigung eines Teils des Hochadels die Sache selbst in die Hand und zieht raubend und mordend durch das Land (freie Interpretation seines Tuns). Dabei trifft er auch auf das kleine Bergwerksdorf Skalitz. Dort lebt Heinrich, Sohn des Schmiedes, sein typisches Mittelalterleben. Im Prolog erlebt ihr wie das Dorf zerstört, eure Eltern ermordet und euer Leben vollkommen aus den Bahnen geworfen wird. Also die typische „Jemand will Rache und rettet nebenbei die Welt“-Story?

Tatsächlich ist Heinrich alles andere als ein Held und wird auch von niemanden so gesehen. Im Prinzip ist es nur dem Ruf seines Vaters zu verdanken, dass er überhaupt mehr darf als nur in den Straßen von Rattay zu betteln. Und es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern ihr seid einfach Teil dieser unruhigen Zeit und erlebt ein paar Highlights mit. Technisch gesehen würde das alles so oder so passieren (bzw. ist es damals tatsächlich mit der ein oder anderen erzählerischen Freiheit).

Das ist buchstäblich gemeint, denn das Spiel arbeitet nicht durchgängig aber doch oft mit zeitlich getriebenen Quests. Wenn jemand sagt, dass er zu Sonnenaufgang da und dort auf euch wartet, solltet ihr nicht erst 10 Tage lang in der Wildnis und Hasen jagen (=Wildern). Und wenn ein Charakter im Sterben liegt und ihr ihn heilen sollt, ist es nicht zu empfehlen vorher noch eine Runde im Badehaus mit den Mädels abzuhängen. Was nicht heißt, dass ihr das ganze Spiel hindurch getrieben werdet. Aber die Entwickler von Warhorse Studios werfen euch hin und wieder einen Stock zwischen die Beine, um euch daran zu erinnern, dass Kingdom Come: Deliverance versucht realistischer zu sein.

Taktische Kämpfe

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Wie es sich für einen Schmiedesohn im Mittelalter gehört, kann Heinrich weder ein Schwert schwingen noch Lesen und seine Kenntnis der Außenwelt beschränkt sich auf zwei Meter vor dem Dorf. Insofern ist der Questtitel „Renn!“ beim Dorfangriff durchaus ernstgemeint. So habt ihr zwar ein Schwert dabei aber gegen die Kumanen nicht den Hauch einer Chance. Gut, technisch gesehen könnt ihr sie tatsächlich besiegen – sie sind nicht unverwundbar. Aber es ist extrem schwer, weil ihr nichts aushaltet und so gut wie keinen Schaden verursacht (ich habe 10 Spielstunden im Prolog verbracht – unter anderem, weil ich sie töten wollte). Eure Fähigkeiten verbessert ihr dadurch, dass ihr sie benutzt (ähnlich The Elder Scrolls) sowie bei Trainern ein paar Groschen (die damalige Währung) investiert. Was bei Bethesdas Rollenspielserie irgendwie doof ist, passt hier perfekt, weil ihr so mit Heinrich besser werdet. Das Kampfsystem ist nämlich nicht ohne und dürfte die außerhalb von VR-Titeln aktuell realistischste Schwertkampfsimulation auf dem Markt bieten.

Egal ob Axt, Streitkolben, Hellebarde oder die diversen Arten von Schwertern: Stupide auf den Mausbutton hämmern bringt nichts. Damit verbraucht ihr nur eure Ausdauer und gebt eurem Gegner die Chance zum Gegenangriff. Stattdessen gilt es den Feind genau zu beobachten, Schwachstellen zu erkennen, Lücken auszunutzen oder auch einfach mal wegzurennen. Aus fünf Richtungen könnt ihr angreifen sowie Zustechen. Da sich euer Charakter realistisch in die Angriffe hineinlegt, könnt ihr beispielsweise nicht zweimal direkt hinter einander von links unten angreifen. Nein, ein Angriff von links unten heißt, dass euer Schwert rechts oben herauskommt. Euer nächster Hieb sollte entsprechend aus der Richtung kommen, sobald ihr in der Bewegung dort angekommen seid (ähnlich wie in der The Witcher-Reihe). Außerdem lernt ihr im Lauf des Spiels Komboangriffe sowie Schläge abzublocken, Auszuweichen und Anzutäuschen. Das alles macht euch selbst mit besserer Ausrüstung nicht unbesiegbar und jeder einzelne Feind kann euch bis zum Schluss schwer zusetzen (von Gruppen ganz zu schweigen). Aber seid ihr anfangs noch vor jedem Banditen in seinem Stoffhemdchen weggerannt, könnt ihr es später durchaus mit voll ausgestatteten Rittern aufnehmen. Hat quasi etwas von Dark Souls das Ganze. Nur, dass ihr eben nicht die Angriffsmuster eures Gegners einfach auswendig lernt, sondern den Umgang mit eurer Ausrüstung.

Das Speichersystem

„Ach, dann speichere ich halt vor jedem Kampf und probiere solange bis ich es schaffe“ – Ja, ne so einfach macht es euch Kingdom Come: Deliverance nicht. Das Thema „Speichern“ wurde zwar durch einige Patches entschärft – so gibt es bspw. nun ein Speichern beim Beenden und es wird häufiger bei Quests ein Spielstand angelegt – aber ganz ohne bleibt es immer noch nicht. Wenn ihr speichern wollt, müsst ihr entweder einen bestimmten, relativ raren und teuren Schnaps trinken (der euch allerdings zu einem Alkoholiker werden lassen kann, wenn ihr zu oft hintereinander speichert) oder in bestimmten Betten schlafen (nicht in allen!). Ansonsten gibt es abseits der automatischen Speicherpunkte keine Möglichkeit. Das bedeutet, dass ihr bei einem tödlichen Fehler durchaus mal ein paar Spielstunden verlieren könnt.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Die Auswirkungen sind eindeutig: Nicht nur will wohl überlegt sein, ob ihr euch in den nächsten Kampf begebt. Auch „alltägliche“ Sachen, die wir aus anderen Rollenspielen gewohnt sind, macht man nicht einfach mal so. Das komplette Haus vor den Augen des Besitzers ausrauben? Leute auf offener Straße bestehlen? Nachts durch die Gegend schleichen und fremde Truhen öffnen? Wehrlose NPCs umbringen, um ihre Sachen zu klauen? Das Spiel erlaubt euch prinzipiell alles. Aber werdet ihr erwischt, hat das massive Konsequenzen. Das fängt damit an, dass die Leute euch gegenüber misstrauisch werden (es gibt ein Reputationssystem) und bspw. die Händler die Preise erhöhen und geht über empfindliche Geldstrafen bis hin zu Gefängnisaufenthalte oder einer Runde am Galgen abhängen. Wenn man nicht einfach „F5“ drücken kann und man stattdessen durch ein Neuladen aufgrund einer unvorsichtigen Handlung viel Spielzeit verliert, denkt man entsprechend lange und gut darüber nach. Und man achtet vor allem genauer darauf, welche Routine das jeweilige Ziel hat, denn ja: Kingdom Come: Deliverance hat einen echten Tag- und Nachtwechsel mit entsprechenden Auswirkungen auf alle NPCs im Spiel. Euer Questgeber steht nicht an seinem bekannten Ort? Nun, es ist schon 19 Uhr – wahrscheinlich sitzt er jetzt in der Taverne. Ihr wollt eine Truhe knacken? Dann vielleicht nachts um 24 Uhr, wenn alle schlafen und nicht so aufmerksam sind. Und auch eure Ausrüstung spielt eine große Rolle. Schleichen in der rasselnden Kettenhemdrüstung ist keine wirklich leise Angelegenheit. Und wenn ihr euch wie ein Dieb anzieht, dürft ihr euch nicht wundern, wenn die Wachen einen in euch sehen.

Zumal die erwähnten Tätigkeiten zu Beginn ebenfalls nicht so einfach sind. Lesen könnt ihr wie gesagt überhaupt nicht und müsst es nicht nur erst lernen, sondern auch noch trainieren. Entsprechend könnt ihr euch zwar in Alchemie probieren aber wenn man keine Rezepte lesen kann, sollte man das Ergebnis aus dem dazugehörigen (sehr detaillierten) Minispiel vielleicht nicht trinken. Die Schlösserknacken- und Taschendiebstahl-Minispiele muss man ebenfalls erst meistern (wobei es auch hier durch Patches bereits Entschärfungen gab). Und wenn etwas schief geht, ist nicht einfach nur ein Dietrich weg – mitunter werdet ihr gleich von einer Wache verfolgt. Am Schwierigsten ist der Umgang mit Pfeil und Bogen. Hier schlägt der Realismus Vollendens zu: Keine Zielhilfe (nicht einmal ein Punkt in der Mitte des Bildschirms) und die ersten paar Level trifft Heinrich nicht einmal ein Scheunentor, weil er keine Kraft in den Armen hat. Und vergisst man seinen Armschutz anzuziehen, verletzt man sich (wie in der Realität!) gerne mal seinen Unterarm. Erst ab Level 5 im Umgang mit dem Bogen wird es etwas einfacher – mit der Betonung auf „etwas“.

Selbst ist der Schmiedesohn?

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Abseits von Alchemie gibt es übrigens kein Crafting-System. Eure gesamte Ausrüstung müsst ihr entweder kaufen oder finden. Dafür gibt es ein detailliertes Verschleißsystem – inkl. grafischer Darstellung. Eurem Helm sieht man durchaus an, dass ihr öfters mal einen auf den Deckel bekommen habt und er schützt euch entsprechend nicht mehr ganz so gut. Und noch besser: Die NPCs reagieren sogar darauf. Ward ihr ein paar Tage in der Wildnis, eure Kleidung ist verdreckt und verbeult, bekommt ihr mitunter einen entsprechenden Spruch zu hören. Gleichzeitig werden eure Charakterwerte wie Charisma niedriger, weil ihr stinkt wie ein Wildschwein und ihr habt mitunter Nachteile in den Gesprächen mit Charakteren und Verhandlungen (noch ein Minispiel) mit den Händlern. Regelmäßig Waschen von Haut und Kleidung sowie eben das Reparieren eurer Sachen (könnt ihr erlenen oder gegen Bezahlung machen lassen) ist wie das Schlafen und Essen ein wichtiger Bestandteil eurer Spieleroutine. Ja, ihr müsst schlafen und essen. Tut ihr das nicht, müsst ihr mit Sichteinschränkungen (eure Augen fallen zu, wenn euer Magen knurrt verschwimmt die Sicht) und/oder reduzierten Charakterwerten leben. Das geht sogar soweit, dass ihr an einem Tag nicht unendlich viele Bücher lesen könnt. Stattdessen sagt Heinrich irgendwann „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren“. Ach und hatte ich schon erwähnt, dass das Essen in eurem Rucksack mit der Zeit schlecht wird? Nein? Dann wisst ihr es jetzt.

Hört sich jetzt alles ziemlich nervig an. In der Praxis ist es aber (mittlerweile) nicht so schlimm. Zum schnellen Waschen findet man immer mal wieder einen Wassertrog rumstehen, Essen gibt es selbst in der Wildnis häufig zu finden (in Camps über offenem Feuer) und Heinrich kommt vergleichsweise lange ohne ein Bett aus bzw. ein Spieltag ist angenehm lang. Es ist aber natürlich eine Umgewöhnung, wenn man ansonsten nur die typische Rollenspiel-Kost gewohnt ist. Auch das Reisen durch die 16km² große Spielwelt ist nicht so einfach, wie man es gewohnt ist. Zwar bietet Kingdom Come: Deliverance eine Art Schnellreisefunktion für bereits entdeckte Hauptstädte (also nicht zu jedem Ort). Aber es ist kein „wir teleportieren dich einfach da hin“, sondern euer Charakter reist auf der wunderschön gestalteten Altertums-Weltkarte in beschleunigter Zeit dort hin – mit entsprechenden Einflüssen auf eure Gesundheit sowie der Gefahr von Zufallsbegegnungen mit bspw. einem Banditenhinterhalt (vor allem wenn ihr nachts unterwegs seid).

Die Technik

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Grafisch und soundtechnisch ist Kingdom Come: Deliverance eine Augen- und Hörweide. Regen lässt Pfützen auf den Straßen entstehen, so wunderschöne und realistische Sonnenaufgänge habe ich noch in keinem Spiel gesehen und einfach nur mal im Wald stehen und den Geräuschen lauschen ersetzt fast den echten Spaziergang – auch, weil die Entwickler sehr viel Liebe zum Detail eingebracht haben inkl. dem exakten Nachbau echter Sehenswürdigkeiten. Die Power der CryEngine wird wirklich voll ausgenutzt. Nur die Charakteranimationen lassen zu wünschen übrig und leiden unter dem Üblichen „Was soll ich nur im Dialog mit meinen Händen machen?!“-Problem, das man z.B. aus Risen kennt. Allerdings braucht man für dieses Spielerlebnis eine entsprechende Power unter dem Schreibtisch. Selbst nach meinem Upgrade muss ich viele Details (vor allem Weitsicht) stark reduzieren, um durchschnittlich bei spielbaren 30 und 45fps zu landen (je nachdem ob es regnet oder nicht). Gleichzeitig hat der Titel trotz zahlreicher Patches immer noch mit vielen technischen Problemen zu kämpfen.

Das schlimmste und auffälligste ist das Nachladen der Texturen (das RAGE-Problem). Das Spiel kommt schlicht nicht damit hinterher. Kommt ihr beispielsweise in eine Stadt galoppiert, dauert es durchaus 1-2 Minuten bis tatsächlich alle Texturen voll geladen wurden. Vorher müsst ihr mit dem bekannten Matsch leben. Abstürze hatte ich hingegen zwar noch keine, werden aber in den Foren immer noch bemängelt. Dafür viele Glitches wie ein Heinrich, der beim Reiten über seinem Pferd schwebt oder Charaktere, deren Arme durch sie selbst gehen und solche Kleinigkeiten. Außerdem kann es passieren, dass ihr an Objekten hängen bleibt z.B. wenn ihr volle Lotte mit dem Pferd gegen einen niedrigen Balken reitet. Normalerweise solltet ihr dann entweder abgeworfen werden oder einfach hindurchreiten. Manchmal bleibt ihr aber auch einfach nur drinstecken und könnt nichts mehr machen als den letzten Spielstand wieder laden. Verbuggte Quests und Plotstopper werden ebenso in den Foren erwähnt. In der Hinsicht hatte ich bislang aber Glück.

Beim Christoph meint: Trotz mittlerweile schon vier DINA4-Seiten Text habe ich wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Ich habe wie erwähnt bereits 30 reale Stunden investiert und trotzdem erst ein Bruchteil des Spiels gesehen und erlebt. Warhorse Studios haben es sich für ihr Erstlingswerk nicht einfach gemacht und quasi bereits ein Lebenswerk geschaffen. Und zumindest in der aktuellen Version 1.7.2 muss ich ganz klar sagen: Das Ergebnis ist einfach nur ein herausragender Open-World-Titel. Ja, es hat seine Fehler und Problemchen. Das darf man nicht verheimlichen und ist vor allem aufgrund des Speichersystems besonders ärgerlich (eine Quest wiederhole ich gleich zum vierten Mal).

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Aber die hat The Elder Scrolls V: Skyrim trotz gefühlt 2.000 Re-Re-Re-Releases auch immer noch und anders als bei der Konkurrenz stimmt einfach das Gesamtpaket. Wenn ich meine Faszination mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es Gothic 2018. Es fehlen zwar die fantastischen Elemente wie Drachen oder Magie. Aber im Kern fühlt es sich genauso wie damals an: Eine wirklich lebendige, offene Welt voller glaubwürdiger und nicht glattgeschliffener Charaktere, die einen echten Tagesablauf abseits von „ich laufe von A nach B und zurück“ haben und ein Hauptcharakter, der als Taugenichts startet und selbst von einem Scavenger getötet wird und nach und nach mit dem Spieler spürbar besser wird. Und Kingdom Come: Deliverance setzt eben wie es sich für einen modernen Titel gehört noch sehr viele Schippen sowohl in technischer als auch spielerischer Hinsicht obendrauf.

Ja, es ist definitiv ungewohnt und eine echte Herausforderung an vielen Stellen schon allein, weil es kein richtiges Tutorial für viele Aspekte des Titels gibt. Aber es macht zumindest mir richtig viel Spaß. Trotz der mehrfachen Wiederholungen vor allem am Anfang (am Ende habe ich alle Kumanen besiegt!) vergingen die 30 Stunden wie im Fluge und ich bin absolut heiß darauf wieder weiterspielen zu können sobald ich diese Zeilen fertig getippst habe. Insofern kann es nur allen ans Herz legen, die auf der Suche nach einem anspruchsvolleren Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten sind und nichts gegen das realistische Mittelaltersetting haben. Lasst euch auf jeden Fall nicht von den „Hardcore“-Elementen abschrecken. Es liest sich schlimmer als es tatsächlich ist.

Und nun entschuldigt mich: Henry (so heißt er auf Englisch) wartet.

Nächste Seite »