Hab’ nur DSA im Schrank. Kein D&D.

Dungeons & Dragons war 1982 schon acht Jahre auf dem Markt und hatte die Tabletop-Landschaft revolutioniert. Jeder versuchte von diesem Kuchen etwas abzubekommen. Deutschland kam erst 1984 dazu. Ja, Das Schwarze Auge ist so alt wie ich. Aber darum geht es heute nicht. Ich wollte sagen, dass die Konkurrenz zum Pen & Paper-Klassiker schon damals groß war. Plus diejenigen, die mit Tactical Studies Rules (die Firma von Gary Gygax und Don Kaye) gemeinsame Sache machten und ergänzende Bücher und Abenteuer für Dungeons & Dragons und Advanced Dungeons & Dragons (1977) veröffentlichten – oder das Produkt in andere Länder brachten.

Der Exportschlager

Während Deutschland erst 1983 dank des Fantasy Spiele Verlags in den Genuss dieses innovativen amerikanischen Meisterwerks kam, wurde der britische Markt schon früher überschwemmt. Dort lebten Ian Livingstone und Steve Jackson, zwei britische Autoren auf die Gary Gygax 1975 zufällig durch ein Nischenmagazin aufmerksam wurde. Er schickte ihnen eine Kopie und sie waren begeistert von seinem Machwerk. Kurzerhand gründeten sie einen eigenen Verlag, um Dungeons & Dragons in Großbritannien zu vermarkten. Bitte? Der Name des Verlags? Ach den kennt ihr doch eh nicht. Ist nur so irgendeine kleine, völlig unbedeutende Klitsche. Nennt sich “Spielewerkstatt” oder sowas. Auf Englisch Games Workshop. Ja, der heutige Juggernaut im Bereich der Tabletop-Spiele begann sein Leben als Zweitvermarkter. Warhammer Fantasy Battles wurde erst 1979 erfunden. So kann es gehen.

Doch auch, wenn ein Blick auf Steam einen anderen Eindruck erwecken mag: Games Workshop besteht tatsächlich nicht nur aus Warhammer und Warhammer 40.000. Ja, es dürfte heutzutage ihre Haupteinnahmequelle sein. Sie haben aber speziell in den 80igern noch sehr viele andere Kult-Produkte auf den Markt gebracht. Die Brettspiele Blood Bowl, Hero Quest und Talisman beispielsweise. Sowie eine Serie von Abenteuer-Spielbüchern unter dem Namen Fighting Fantasy – unser Thema heute.

Spaß ohne soziale Interaktion

Pool of Radiance (Herstellerbild)

Solo-Abenteuer waren 1982 schon fast so alt wie Dungeons & Dragons an sich. Obwohl der Urvater und seine Vertreter natürlich grundsätzlich voll und ganz auf eine Gruppe von Spielern ausgelegt waren, gab es doch den ein oder anderen, der auch die unter uns zu würdigen wussten, die keine Freunde hatten. Vermutlich gehörten die Erfinder selbst mit in diese Kategorie :smile: . Auf jeden Fall konnte man schon früh in der Geschichte von Dungeons & Dragons alleine losziehen und den namensgebenden Drachen im Kerker erlegen. Allerdings hatten diese Solo-Abenteuer damals noch einen Haken: Sie setzen immer den Besitz der Regelbücher des jeweiligen Systems voraus. Man konnte sie nicht einfach kaufen und ohne Zusatzmaterial spielen. Entsprechend groß war dann doch wieder die Einstiegshürde – vom ganzen “Total Satanisch”, “Verdirbt unsere Kinder” und “NERDS!”-Kram abgesehen. Außerdem waren sie eher linear angelegt, also weniger Rollenspiel und mehr Ein-Mann-Unterhaltung.

Es gab da allerdings noch eine andere Erfindung auf dem amerikanischen Markt. Sie erblickte bereits 1969 das Licht der Welt, fand aber erst 1974 einen ersten Abnehmer bevor dann 1979 die große Produktion begann: Choose Your Own Adventure (CYOA). Der Name sagt schon alles: Die Bücher erzählen eine Geschichte und an bestimmten Punkten dürft ihr eine Entscheidung treffen. Anschließend blättert ihr zur jeweiligen Stelle wo es weitergeht. Sehr coole Sache und definitiv mal eine andere Art und Weise ein Buch zu lesen. Selbst das Lustige Taschenbuch hatte mindestens eine Erzählung dieser Art im Laufe der Jahrzehnte. Also zumindest kann ich mich an eine erinnern, in der es um ein kaputtes Auto, eine regnerische Nacht und ein verfluchtes Schloss ging. Den dazugehörigen Titel konnte ich aber jetzt auf Anhieb nicht finden und ist an dieser Stelle auch völlig am Thema vorbei.

Fakt ist: Mit Fighting Fantasy schuf Games Workshop 1982 eine Art “Best of both Worlds”. Ein Solo-Rollenspiel im Stil eines CYOA für das ihr kein zusätzliches Regelwerk benötigt. Stattdessen war alles (inkl. eines Charakterblatts und einem Satz Würfel) im Preis enthalten. Angefangen hat es mit Der Hexenmeister vom flammenden Berg oder im englischen Original The Warlock of Firetop Mountain. Bis zum Ende anno 1995 erschienen beim britischen Verlag Puffin insgesamt 59 Titel (auf Deutsch nur 18). 2002 wurde die Serie dann kurzzeitig von Wizard Books neu belebt, die nochmal sechs Abenteuer raushauten. Seit 2017 liegen die Rechte nun bei Scholastic, die nicht nur fleißig die Originalbücher neu auflegen, sondern bereits vier neue Bücher veröffentlicht haben. Der Markt scheint also auch heute grundsätzlich noch vorhanden zu sein.

Ab ins digitale Zeitalter

Fighting Fantasy Classics (Herstellerbild)

Sitze ich also nun jeden Abend am Esstisch und würfele einsam vor mich hin? Nun, Lysanda ist tatsächlich nicht ganz so begeistert was Brettspiele angeht – zumindest, wenn sie nur mich als Partner hat :sad: . Aber nein, so ist es nicht. Wir sind schließlich ein moderner Haushalt. Statt am Esstisch sitze ich selbstverständlich vor dem Computer, denn einige der Werke haben es mittlerweile ins digitale Zeitalter geschafft. Okay, dass “mittlerweile” stimmt nicht ganz. Tatsächlich gab es bereits 1984-1987 unter anderem für den ZX Spectrum und den C64 ein paar Umsetzungen. Aber bevor ich mir Augenkrebs antue würde ich mir dann doch lieber die Bücher kaufen. Reden wir also stattdessen über die drei modernen Ports:

Dem Original am nächsten kommt Fighting Fantasy Classic für PC, Mac, iPhone und iPad aus dem Jahre 2018. Es gab bereits ab 2010 Umsetzungen für Smartphones (sowie einen Nintendo DS-Titel anno 2009) aber die “ultimative” Version ist die Variante mit dem Zusatz “Classic” im Namen, die nun als gemeinsame Plattform für alle bisher erschienenen Abenteuer dient. “Ultimative” in Anführungszeichen, weil die PC-Version einfach nur ein Port der Mobile-Version ist – inkl. aller Nachteile, die sich dadurch ergeben. Von der Bedienung abgesehen, sind es aber tatsächlich die Abenteuerbücher wie sie ab 1982 auf den Markt kamen aufgehübscht (sogar inkl. der Seitenzahlen als Verweise!) und mit modernen Features ausgestattet. So müsst ihr logischerweise nicht selbst mitschreiben was für Gegenstände euer Charakter trägt und es werden virtuelle Würfel geworfen. Insgesamt 11 Abenteuer stehen zum Kauf bereit, darunter die wichtigsten Klassiker wie The Warlock of Firetop Mountain, Deathtrap Dungeon oder Temple of Terror.

Am Anfang eines Abenteuers baut ihr euch einen Charakter – allerdings nicht einmal annähernd so umfangreich wie im großen Vorbild Dungeons & Dragons. Es gibt es nur drei Werte: “Können”, “Glück” und “Lebensenergie”. Je nach Situation würfelt ihr eine Runde und packt dann euren Können- oder Glückswert obendrauf. Und wenn dann euer Wert höher ist als der geforderte, dann habt ihr die Falle erfolgreich überlebt, euren Gegenüber überzeugt oder den Kampf gewonnen. Kompliziert ist anders. Ab und zu gibt es einen Levelaufstieg und ihr dürft einen von beiden Werten erhöhen. Außerdem gilt es wie in jedem guten Rollenspiel so einige Gegenstände zu finden und im richtigen Moment zu benutzen. Der Kern aller Abenteuer ist aber schlicht alle für die Geschichte relevanten Sachen zu finden, damit zum Ziel zu gelangen und den Oberbösewicht zu besiegen. Weder intellektuell noch literarisch anspruchsvoll und dank der Würfel mitunter sehr zufallsbasierend. Aber doch irgendwie ganz nett, wie ich zugeben muss. Mehrfaches Durchspielen lohnt sich allerdings nur selten, da es faktisch in den meisten Abenteuern trotz aller Entscheidungsfreiheit nur einen einzigen richtigen Weg gibt, wenn man nicht Tod im Dreck liegen möchte.

Die moderneren Umsetzungen

The Warlock of Firetop Mountain (Herstellerbild)

2016 hat Tin Man Games außerdem noch eine weitere Version von The Warlock of Firetop Mountain veröffentlicht. Die ist optisch wesentlich moderner. Weniger Text, mehr Grafik ist das Stichwort und speziell die rundenbasierten Kämpfe scheinen taktischer gestaltet zu sein und eher wie in einem klassischen CRPG abzulaufen. Gespielt habe ich es selbst aber noch nicht. Kann also derzeit noch nicht beurteilen wie gut oder schlecht es ist – im Gegensatz zur dritten digitalen Umsetzung des Basismaterials von Nomad Games. Die haben u.a. auch Talisman: Digital Edition verantwortet. Ein Spiel, in das ich bislang 45 Stunden versenkt habe. 45 Stunden in eine digitale Umsetzung eines Brettspiels! *seufz* Als würden in meiner Spielebibliothek nicht tausende bessere Titel auf mich warten…

Zuerst wurde 2017 Fighting Fantasy Legends veröffentlicht. Das enthält die Bücher City of Thieves, The Warlock of Firetop Mountain und Citadel of Chaos. 2018 folgte die Deathtrap Dungeon Trilogy mit dem aufeinander aufbauenden Dreigestirn Deathtrap Dungeon, Trial of Champions und Armies of Death. Und in diese drei habe ich bislang die meiste Zeit (acht Stunden) investiert. Bei Armies of Death sind mir im Kampf gegen den finalen Boss aber leider die Leben ausgegangen…

Ein Kerker voller Fallen

Deathtrap Dungeon – 10.000 Gold für denjenigen, der erfolgreich aus dem Labyrinth des Baron Sukumvit unter der Stadt Fang entkommt. Spoiler: Es hat bislang noch keiner geschafft so tödlich sind die Fallen, so stark die Gegner, so verwinkelt die Gänge. Ihr wählt einen von sechs Helden (die sich abseits des Bilds absolut nicht voneinander unterscheiden), verteilt ggf. eure Punkte etwas anders (gibt erneut nur Lebensenergie, Können und Glück) und dürft je nach Schwierigkeitsgrad (steuert die Anzahl an Leben) bis zu drei Boni. Darunter z.B. eine zusätzliche Würfelseite, die euch den jeweiligen Skillcheck sofort gewinnen lässt. Anschließend geht es ab ins Labyrinth in einer Ansicht von oben. Schick gestaltet aber nur begrenzt animiert und wenn doch, dann etwas sehr langatmig. Auch die Soundkulisse ist sehr spärlich und extrem vergesslich. Inhaltlich entspricht es jedoch 1:1 dem Buch (gilt ebenso für die anderen zwei Kampagnen) nur mit weniger beschreibenden Text (ihr seht es ja). Es gibt keinerlei Unterschiede. Stattdessen arbeitet ihr euch wie gewohnt rundenbasiert durch den Dungeon, versucht die Fallen zu überleben, die notwendigen Gegenstände (ein paar Edelsteine) zu finden und in den Kämpfen zu bestehen. Euer Können und euer Glück werden in Form von dreiseitigen Würfeln dargestellt. Die Anzahl bestimmt ihr bei der Charaktergenerierung. Anfangs ist nur auf einer Seite des Würfels ein Symbol. Bei jedem Levelaufstieg dürft ihr dann auf einem Würfel eine zusätzliche Seite ergänzen, was logischerweise eure Chance erhöht ein Symbol zu würfeln und so im Kampf Schaden auszuteilen oder eben den nächsten Skillcheck zu überleben. Verliert ihr doch mal all‘ eure Lebensenergie, verliert ihr ein Leben und werdet zurück an den Eingang des Labyrinths teleportiert.

Deathtrap Dungeon Trilogy (Herstellerbild)

Schafft ihr es den Deathtrap Dungeon zu überleben, ist Baron Sukumvit davon wenig begeistert, gibt euch euer Gold und macht sich sogleich daran eine noch fiesere und tödlichere Variante zu bauen. Euer Glück hält hingegen nicht lange an. Schon bald werdet ihr in Trial of Champions ausgeraubt und versklavt. Am Ende landet ihr beim bösen Bruder des Barons, Lord Carnuss, in Gefangenschaft. Als der Baron mit dem Umbau fertig ist und dieses Mal ein Preisgeld von 20.000 Gold ausruft, schickt euch Lord Carnuss als sein Vertreter los. Wieder hinab in den Deathtrap Dungeon. Komplett neugestaltet und um Welten tödlicher als das Original. Nicht den richtigen Gegenstand dabei? Tod! Falsche Richtung gegangen? Tod. Ich würde es ja fast als das Dark Souls der Spielebücher bezeichnen aber Dark Souls war zumindest fair und skillabhängig. Trial of Champions ist einfach nur auswendig lernen, denn selbst wenn ihr es bis zum letzten Raum schafft: Habt ihr nicht alle goldenen Ringe eingesammelt = Tod. Ein größeres “Fuck You!” hätte sich Games Workshop nicht ausdenken können.

Zum Glück geht es in Armies of Death nicht erneut hinab ins Labyrinth. Stattdessen wird das Land vom Schattendämon Agglax angegriffen. Eure Aufgabe ist es eine Armee zu sammeln und einen Weg zu finden ihn zu besiegen. Entsprechend schnell ist euer Preisgeld von 20.000 schon wieder weg :smile: . Die große Neuerung sind abseits einer fast vollständig an der Oberfläche stattfindenden Geschichte dieses Mal sogenannte “Scharmützel”. Schließlich seid nicht nur ihr in einer Armee unterwegs, sondern auch der Feind. Trefft ihr auf eine gegnerische Party, dürft ihr ebenfalls zusammen mit einem Teil eurer Truppe in den Kampf ziehen – repräsentiert durch mehr Seiten z.B. auf einem eurer Würfel. Doch Vorsicht: Selbst, wenn ihr den Feind besiegt, entscheidet ein letzter Würfelwurf darüber, ob eure Mannen überleben. Es sollte entsprechend wohl überlegt sein, ob man wirklich Unterstützung braucht oder nicht. Das grundlegende Spielprinzip bleibt aber auch in der dritten Geschichte vollkommen unverändert. Und nein, obwohl die Autoren versuchen den Eindruck zu erwecken: Ihr startet jedes Mal mit einem frischen Charakter. Ihr dürft nicht eueren hochleveligen Helden aus einem Buch ins nächste mitnehmen.

Deathtrap Dungeon Trilogy (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für Deathtrap Dungeon Trilogy 4 von 5 Sics mit einer Tendenz zu drei Sics. Warum auch immer mag ich die Deathtrap Dungeon-Geschichte (obwohl ich bislang das Original nicht kannte) und finde die Umsetzung von Nomad Games grundsätzlich gut gelungen. Ja, die Animationen sind teilweise etwas langatmig, die Soundkulisse so gut wie nicht vorhanden und die Grafik eher zweckmäßig. Zudem ist es nervig ständig wieder den gleichen Text lesen (der teilweise dann keinen Sinn mehr ergibt) und die gleichen Rätsel lösen zu müssen, wenn ich gestorben bin und mich erneut durch das Labyrinth arbeite. Aber letzteres kann ich Nomad Games genauso wenig anlasten wie den unfair hohen Schwierigkeitsgrad von Trial of Champions. Das ist der Vorlage geschuldet und diese wurde wie gesagt 1:1 umgesetzt. Sogar die alten Komplettlösungen können verwendet werden. Bitte? Woher ich das weiß? Ähhh… das habe ich selbstverständlich nur für diesen Eintrag recherchiert, was sonst! Ich als Hardcoregamer würde doch niemals zu einer Hilfe greifen, also bitte.

Die Geschichten selbst sind okay. Wie gesagt: Nicht das anspruchsvollste Material und die Entscheidungsfreiheit ist faktisch nur eine Illusion. Aber am Ende des Tages hatte bzw. habe (will ja Armies of Death noch beenden) ich überraschend viel Spaß mit diesen simplen CYOA-Rollenspielen. Und obwohl die Umsetzung von Nomad Games nicht perfekt ist, finde ich sie definitiv besser als die reinen Textadventure-Varianten von Tin Man Games. Da scheine ich zwar etwas allein zu sein, wenn ich mir so die Steam-Wertungen anschaue. Aber so ist das halt :smile: . Am Ende des Tages sind alle Varianten für relativ wenig Geld zu haben (vor allem im Vergleich zum gedruckten Papier) und entsprechend obliegt euch die Wahl, ob ihr eher der optische Typ oder der Leser seid also zu Fighting Fantasy Classic oder Fighting Fantasy Legends/Deathtrap Dungeon Trilogy greift. Grundsätzlich empfehlen kann ich die Spielebücher auf jeden Fall. Keine Kost, die Wochenende füllt aber für Zwischendurch eine klasse Sache.

Der Zettel ist schnell ausgefüllt.

“Deutschland. Gründerland.” sagen die einen. Die anderen jammern, dass wir kein Silicon Valley hätten und kein Hort für Start-ups wären. Fakt ist: Allein 2020 wurden 660.863 Gewerbe neu angemeldet. Klingt erstmal nach viel bis man die zweite Statistik dazu holt: Im gleichen Zeitraum wurden 541.738 Gewerbe abgemeldet. Natürlich handelt es sich in den meisten Fällen nicht um die gleichen Unternehmen. Es zeigt aber schon, dass nur ein Bruchteil tatsächlich überlebt.

Nach den Erfahrungen, die Lysanda bislang gemacht hat (ist schon ein paar Jahre dabei), wenig verwunderlich. Der erste Schritt ist in Deutschland tatsächlich mega-einfach. Gewerbeantrag ausfüllen, zur Stadt/Gemeinde tingeln, etwas Geld dalassen (in ihrem Fall 33€) und schon steht das Unternehmen. Das Problem ist der Rattenschwanz dahinter. Der Begriff “Selbstständigkeit” bekommt da eine ganz neue Bedeutung, denn man muss sich entweder alles selbst zusammenreimen oder irgendwelche Berater für teuer Geld beauftragen – und selbst dann kann man sich nicht darauf verlassen, dass es rechtlich passt. Standardisierung? Äußerst beschränkt. Unterstützung von staatlichen Stellen? Kaum und wenn dann kostet das auch erstmal wieder Geld. Und nein, selbst die Kammern (z.B. IHK, HWK) sind für Kleinunternehmer keine wirkliche Hilfe, sondern nur ein weiterer Kostenfaktor in der Bilanz.

Ein Dschungel voller Tiger

Selbstverständlich ist die Erwartungshaltung nicht, dass mir einer eine Gelddruckmaschine hinstellt und ich gar nichts mehr tun muss (wäre ja zu einfach). Es ist aber echt frustrierend mit welchem Mist man sich herumschlägt statt sich auf das zu konzentrieren, um das es geht: Ein Produkt/Dienstleistung/etc. anbieten und verkaufen. Weil Gesetze schwurbelig verfasst sind. Weil einem das Finanzamt keine Fragen beantworten darf. Weil es im Verbraucherrecht wenig Standardisierung gibt. Warum “darf” sich beispielsweise jeder seine AGBs komplett selbst aus den Fingern saugen? Warum gibt es da nicht von staatlicher Seite aus zumindest ein rechtssicheres Muster? Ach ja: Weil ansonsten einfach das BGB gilt und das hat so seinen ganz eigenen Charme. Verstanden… Datenschutz, Widerrufsrecht und was weiß ich noch alles: Tausende von Arbeitsplätzen existieren nur, um sich für die Unternehmen damit zu beschäftigen. Es fehlt an echten Standards und gleichzeitig ist man irgendwie niemals rechtssicher. Was der eine Anwalt so sieht, klingt für den anderen komplett anders. Und was am Ende das Gericht macht? Weiß vermutlich nicht einmal der liebe Gott und kann sich jeden Tag ändern. Andererseits: Irgendwie muss sich die Abmahnindustrie ja auch finanzieren. Vom “Verbraucherschutz” will ich gar nicht erst anfangen (kommt weiter unten…).

Wieso verweist mich beispielsweise das Finanzamt, wenn es etwas von MIR will, bei einer Rückfrage an einen Steuerberater? Ihr habt mir doch einen Brief geschrieben und gefordert, dass ich das und das mache. Aber Fragen dazu beantworten um sicherzustellen, dass ich es richtig mache? Ne, bloß ned. „Schicken Sie es einfach ein und wir stimmen dann zu oder lehnen ab und sie können Widerspruch einreichen“. So kann man auch Bürokratie unnötig am Leben halten. Ja, dieses Telefonat hat mich echt aufgeregt. Lag vermutlich auch daran, dass der Beamte am Telefon gefühlt irgendwie so gar keinen Bock hatte sich grundsätzlich mit mir zu unterhalten. Warum ich telefoniert habe statt meine Frau? Als Ehemann hafte ich automatisch bei Lysandas Gewerbe mit also habe ich durchaus ein Interesse an ihrem Erfolg (und bin unabhängig davon natürlich grundsätzlich ein netter und unterstützender Partner :wink: ).

Ein Hort von Gesetzeslosen

Lysandas Kreativmarktstand

Je mehr man sich mit dem ganzen Kram beschäftigt, desto mehr fällt einem auf, dass es eigentlich alle falsch machen. Das fängt schon im Kleinen an. Besucht beispielsweise mal einen von diesen “Kreativ-” oder “Hobby”märkten. Mal abgesehen von den absoluten Schleuderpreisen, die da verlangt werden und die allerhöchstens die Materialkosten decken dürften (wenn überhaupt) von der Arbeitszeit und dem administrativen Aufwand gar nicht erst zu reden. Da hat vermutlich so gut wie niemand überhaupt ein Gewerbe angemeldet. Und nein, es gibt kein “Kleingewerbe”. Alle müssen sich an die gleichen Regeln halten. Es gibt nur den steuerlichen Unterschied in Bezug auf “Kleinunternehmer”.

Und dann haufenweise Markenrechtsverletzungen – zumindest gehe ich nicht davon aus, dass die nette alte Dame eine Lizenz von Disney gekauft hat für das Tischtuch mit Mickey Mouse drauf. Und wenn doch, dann dürfte der Verlust bei einem Verkaufspreis von 5€ ziemlich gigantisch sein. Oder fehlende/falsche Produktangaben. Bei Textilien ist sogar die Reihenfolge vorgegeben wie es auf dem mitunter ungewollten Etikett zu stehen hat! Ja, ihr könnt abgemahnt werden, wenn die Schurwolle 10% nicht vor der Schafswolle 9% steht… selbst, wenn die Prozentangaben richtig sind! Das ist der absolute Wahnsinn speziell beim sogenannten “Verbraucherschutz”. Der Kunde wird für absolut unfähig gehalten (okay, manchmal ist er das auch) und man muss ihm alles zehnmal vorkauen. Ob dem Kunden das überhaupt hilft und Spaß macht? Interessiert niemanden. Stichwort Cookie-Banner-Wahnsinn.

Online wird es noch viel schlimmer mit AGBs, Widerrufsbelehrung und Einwilligungserklärungen die alle an bestimmten Punkten des Verkaufsprozesses vorliegen und gewisse Inhalte haben müssen (natürlich oft keine standardisierten Vorgaben, sondern nur schwammige Andeutungen in den Gesetzen), andernfalls kann dir jemand an den Karren fahren. Bestenfalls der Kunde, der sich dann auf das BGB berufen kann (hat sehr, sehr großzügige Fristen). Worst Case irgendein Mitbewerber, der euch wegen eines Schreibfehlers eine Abmahnung vorbeischickt und euch so in den Ruin treibt. Oder eben der Verbraucherschutz, der am liebsten möchte, dass man beim Kunden auf dem Schoß sitzt und ihm wie beim Notar alles ganz genau vorliest. Will das wirklich jemand? Ja, natürlich möchte ich als Kunde vor miesen Praktiken geschützt werden und wissen was los ist bevor ich irgendjemandem mein Geld überweise. Aber irgendwo gehört der gesunde Menschenverstand doch mal eingeschaltet, wenn ich schon mit Formularen zugeschüttet werde, nur weil ich mich für eine Dienstleistung überhaupt interessiere. Andererseits: Während ich diese Zeilen schreibe fällt mir der “Nutri-Score” ein. Der wurde ja böse gesagt auch nur deshalb eingeführt, weil die Leute heutzutage nicht mehr in der der Lage sind die Packung rumzudrehen und die Inhaltsstoffe zu lesen und zu verstehen. Insofern hat der Verbraucherschutz wohl doch recht: Menschen sind dumm. Und nein, ich nehme mich davon selbstverständlich nicht aus – immerhin kann ich Inhaltsstoffe lesen jnd verstehen.

Die Sache mit dem Karton

Eine Ladung Versandmaterial

Jetzt habe ich mich aber glaube ich erstmal genug über den aus meiner Sicht unnötig hohen administrativen Aufwand aufgeregt. Der eigentliche Grund des heutigen Eintrags war eins von Lysandas jährlichen Ritualen: die Verpackungslizenz. Grundsätzlich eine coole Sache. Unternehmen, die Verpackungen in den Umlauf bringen tragen ihren Anteil an den Entsorgungskosten bei. Die Lizenzgebühren gehen angeblich direkt rein ins Duale System und sorgen u.a. dafür, dass Papier- und Plastiktonnen größtenteils noch “kostenlos” sind. In Anführungszeichen, weil die Verkäufer selbstverständlich die Lizenzkosten auf die Produkte aufschlagen. Verständlich. Insofern bezahlen wie so oft wir als Kunden am Ende für die Gebühren aber ohne die dazugehörige Transparenz.

Übrigens: Nicht der Hersteller des Kartons muss die Lizenz haben. Für den ist es ja noch keine Verpackung, sondern seine Ware. Und soweit ich §3 des Verpackungsgesetz verstehe ist auch der Versand unter Unternehmen nicht lizenzpflichtig, denn dort steht “[…]die nach Gebrauch typischerweise beim privaten Endverbraucher[…]”. Oder um es Neudeutsch auszudrücken: “Business to Customer” und nicht “Business to Business”. Wenig verwunderlich, da auch in vielen anderen Bereichen B2B etwas unkomplizierter ist. Der Verbraucherschutz ist eben nur genau das: Ein Schutz des Verbrauchers. Sonst würde es ja Unternehmens- und Verbraucherschutz heißen :smile: .

Erfreulich unkompliziert

Der Kauf einer Lizenz geht ganz einfach. Gibt in Deutschland derzeit 11 Anbieter wie z.B. Reclay, Veolia oder DSD (der grüne Punkte) dafür und alles läuft komplett online ab. Ihr gebt einfach an wie viel von welcher Art von Verpackung ihr im nächsten Jahr voraussichtlich versendet und bezahlt die Gebühr dafür. Der Anbieter ist dann dafür verantwortlich, dass sie dahin kommt wo sie hinsoll (abzüglich einer Provision versteht sich…). Anschließend erfolgt durch euch noch ein Eintrag ins bundesweite Register namens LUCID. Ja, wir sind in Deutschland noch nicht so modern, dass das automatisch mit dem Kauf der Lizenz passiert. Ein paar Anbieter bieten das allerdings als zusätzlichen Service an. Doch egal wer es macht: Jetzt seid ihr rechtssicher. Am Ende des Jahres muss dann noch im Register eine Endabrechnung vorgenommen werden. Sprich habt ihr so viel Material verschickt wie ihr erwartet habt oder nicht. Ist der Wert höher, müsst ihr logischerweise entsprechend nachzahlen.

Und ja, diese Lizenz muss wirklich jedes Unternehmen haben, die Sachen an Privatkunden verschickt. Und nein: Es ist nicht nur der Karton und sein Füllmaterial betroffen. So ist zwar eine Rechnung in einem Brief noch erlaubt aber ihr packt eine Broschüre dazu? Dann wird der Umschlag sofort lizenzpflichtig! Also unbedingt das nächste Mal dran denken, wenn man mal wieder ein bisschen Werbung mit reinstecken möchte. Ihr könnt euch ja mal einen Spaß draus machen und bei eurem Erhalt einer Werbesendung im Register nachschlagen. Das ist nämlich öffentlich einsehbar – allerdings ohne Mengenangaben. Also ihr seht nur, dass das Unternehmen eine Lizenz hat.

Der Rechner von Reclay

Ihr seid übrigens nicht vor dem Kauf einer Lizenz gefeit, wenn ihr Verpackungsmaterial wieder verwendet. Das ist so ein kleiner Widerspruch im System. Zwar gibt es die offizielle Stelle aber trotzdem kann keiner nachweisen, dass für den Karton tatsächlich bereits eine Lizenzgebühr entrichtet wurde. Wenn ihr also das alte Amazon-Paket nehmt in dem euer privater Toaster gekommen ist, um Ware an euren Kunden zu verschicken wird dafür trotzdem noch einmal eine Lizenz notwendig. Fördert nicht gerade den Recycling-Gedanken wie ich finde aber wie oben geschrieben: Am Ende des Tages bezahlen sowieso die Endkunden dafür und vermutlich ist auch dies ein Grund (=viele in der Kette bezahlen für den gleichen Karton), warum eine Lizenz vergleichsweise billig ist. Bei Reclay (ein guter Anbieter, wenn es um kleinere Mengen geht) bezahlt ihr beispielsweise 6€ Grundgebühr und dann pro kg Karton 45ct. Glas sogar nur 9ct. Da kann man schon einiges verschicken bevor es weh tut.

Zusammenfassung

Wenn ihr ein Gewerbe anmeldet müsst ihr euch also auch über das Thema Verpackungslizenz zwingend Gedanken machen – selbst, wenn ihr z.B. nur ein Coaching aufbaut und gar keine Waren/Gegenstände verkaufen wollt. Die Grenzen ab wann etwas zu einer Verpackung wird sind relativ niedrig. Wie oben geschrieben: Selbst die Broschüre bei der Rechnung macht aus dem Umschlag bereits eine Verpackung. Auch, wenn ihr ein Zertifikat per Post verschickt: Verpackungslizenz, da es als “Ware” angesehen wird. Oder ihr verkauft im Rahmen eures Zeichenkurses ein paar Stifte und schickt sie jemandem zu -> Lizenz. Wenn hingegen ein Kursteilnehmer etwas bei euch liegen lässt und ihr es ihm zuschickt, dann ist dafür keine Lizenz notwendig.

Immerhin ist es ziemlich einfach das Thema für relativ wenig Geld rechtssicher zu machen. Bei Reclay sogar je früher desto billiger (geben Rabatte bis 25%). Ist bei vielen anderen Themen rund ums Gewerbe leider nicht so. Und keine Angst, wenn ihr es mal vergessen solltet: Nachmelden geht bis zum 15. Mai des Folgejahres. Macht ihr es allerdings nicht kann es Strafen von bis zu 200.000€ hageln.

Ihr seht: Ein zwar relativ übersichtliches und grundsätzlich sinnvolles Thema aber im Grunde genommen wesentlich komplizierter aufgesetzt als es sein müsste. Warum z.B. nicht einfach über die Müllgebühren statt diesem ganzen Bürokratiekonstrukt. Am Ende bezahlen wie geschrieben sowie wir Kunden die Zeche – aktuell sogar mehr aufgrund des ganzen zusätzlichen administrativen Aufwands in der ganzen Lizenzkette.

Sicarius

Einfach nur Windows

Windows 11 – offensichtlich

Ich hatte es indirekt ja schon angedeutet und natürlich habe ich den imaginären “Upgrade auf Windows 11”-Button sofort gedrückt. Schon am Dienstagmorgen habe ich die Installation aus Windows 10 heraus gestartet. Microsoft hatte früher als geplant die entsprechenden Dateien zur Verfügung gestellt. Ursprünglich hatte ich sogar geplant seit langem mal wieder eine komplett frische Installation vorzunehmen.

Die letzte Neuinstallation dürfte ich Ende 2013 anlässlich Windows 8.1 und dem damaligen Rechnerupgrade durchgeführt haben. Seitdem habe ich mir die zeitaufwendige Neuinstallation gespart und zumindest offensichtlich noch keine Nachteile dadurch bemerkt. Aber mit Windows 11 hab‘ ich mir gedacht, könnte ich vielleicht mal wieder eine machen. Es liegt sogar eine Samsung SSD 870 EVO mit 500 GB (SATA) extra dafür hier auf meinem Schreibtisch.

Hardwaresorgen

Okay, nein. Natürlich habe ich mir nicht nur für ein Windows-Update ein neues Speichermedium gekauft. Der Grund ist ein anderer: Meine aktuelle Systemplatte, eine Samsung SSD 840 EVO mit 250GB, schien vor kurzem anzufangen rumzuspinnen. Ich hatte plötzlich zu unnachvollziehbaren Zeiten Bluescreens und nach dem Neustart wurde sie erstmal im BIOS nicht mehr erkannt. Dabei sind die S.M.A.R.T-Werte lt. Samsung Magician alle im grünen Bereich. Entsprechend habe ich sicherheitshalber schon einmal Ersatz besorgt, falls sie tatsächlich die Grätsche machen sollte.

Tatsächlich scheint der Schuldige aber ein Windows-10-Update gewesen zu sein. Der Bluescreen kam nämlich immer dann, wenn er versuchte in den Energiesparmodus/Ruhezustand zu wechseln was lange super funktioniert hat. Seit ich den ausgeschaltet habe, gab es keinen Bluescreen mehr. Warum die SSD dann auch im BIOS nach dem Bluescreen nicht mehr angezeigt wird… das habe ich bis heute nicht verstanden. Ich werde natürlich trotzdem in nächster Zeit mal eine Neuinstallation auf der neuen SSD vornehmen, schließlich bringt sie mir nichts, wenn sie einfach nur hier herumliegt. Aber der Druck es sofort zu tun ist erstmal raus und entsprechend obsiegt gerade die Faulheit :wink: .

Die Umstellung

Der erste Versuch des Upgrades schlug schon beim im Schritt “Download” fehl. Irgendwo bei 83% hat der Installationsassistent scheinbar die Verbindung zum Microsoft-Server verloren. Möglicherweise zu viele andere, die plötzlich ebenfalls Windows 11 installieren wollten. Hat dann noch ein paar Versuche gedauert bis die Verbindung wieder da war. Zum Glück musste er nicht wieder bei null anfangen, sondern hat dann recht zügig den Rest heruntergeladen. Anschließend die Überprüfung ob auch alle Dateien richtig auf meinem Rechner gelandet sind und schon stand der erste Reboot an.

Der Rest verlief so unspektakulär wie (dankenswerterweise) heutzutage Windows-Updates grundsätzlich ablaufen. Während ich einer Telefonkonferenz lauschte wurde Windows 11 schlicht und einfach installiert. 2-3 Reboots, ab und zu die USB-Verbindung zurückgesetzt – merke ich daran, dass mein Scanner seinen Testlauf durchführt –, einmal die Bildschirmauflösung korrigiert und schon war die Anmeldemaske mit meinem vertrauten Hintergrundbild zu sehen. Der einzige Unterschied: Standen in Windows 10 Uhrzeit und Datum noch unten links, sind sie jetzt oben in der Mitte.

Dürfte alles in allem keine 30 Minuten gedauert haben. Nach dem Anmelden rödelt er dann zwar nochmal 2-3 Minuten bis man tatsächlich wieder auf dem Desktop ist aber das kennen wir ja von jedem Halbjahresupdate. Insofern unterscheidet sich das grundsätzliche Erlebnis wirklich überhaupt nicht von dem, welches wir seit 2015 regelmäßig mitmachen. Ja, die erste Version von Windows 10 ist tatsächlich schon so alt. Unser allseits geliebtes Windows XP feiert am 25. Oktober sogar schon seinen 20. Geburtstag!

Der erste Schock

Mein Windows-10-Desktop von 2015

Als erstes fiel mir selbstverständlich die neue Taskleiste ins Auge. Aber bevor wir dazu kommen die erfreuliche Nachricht: Es hat fast alles sofort wieder funktioniert. Selbst meiner sonst so störrischen Creative Soundblaster X-Fi Titanium entfleuchten ohne weiteres Zutun Töne. Zum Glück, denn die letzte Treiber-Version ist von 2019. Hatte ich definitiv anders erwartet aber daran merkt man wohl, dass der Sprung von Windows 10 auf Windows 11 zumindest unter der Haube nicht wirklich groß ist. Das einzige Stück Hardware, das rumzickte, war mein Oki C332dn Laserdrucker. Der wurde von Windows zwar erkannt aber beim Versuch zu drucken lief er immer wieder in einen Fehler (den mir das System nicht nannte…). Das einfache Entfernen des Geräts sowie eine Installation des aktuellen Treibers von der offiziellen Homepage behob das Problem aber zügig. Ach und ein USB-Gerät mit Ausrufezeichen war im Gerät-Manager ebenfalls zu sehen. Kann aber absolut nicht ausschließen, dass das schon immer da war. Zumindest habe ich keine Ahnung was sich dahinter verbirgt (funktioniert ja alles). Wird sich vielleicht irgendwann mal zeigen…

Nun aber zurück zur Taskleiste. Nur noch rudimentär veränderbar, Symbole in der Mitte (mit Option sie wieder nach links zu packen) und alles standardmäßig gruppiert. Joa… das ist mal ne Ansage. Das viel größere Problem aber für mich: Keine Möglichkeit sie mehrzeilig zu machen und eigene Symbole hinzuzufügen. Ja, man kann nur noch mit der Funktion “Anheften” Programme dort unten anbinden. Mehr geht nicht. Für mich theoretisch der ultimative Supergau. Wie die Veteranen unter den Lesern wissen, hatte ich nämlich die Angewohnheit alles dorthin zu packen. Startmenü? Nutze ich nicht. Desktop? So sauber wie ein frisch geputzter Babypopo. Die Taskleiste? Fast 100 Symbole in vier Kategorien und auf zwei Zeilen einsortiert. Hatte den Vorteil, dass ich immer genau gesehen habe, was ich gerade auf meinem Rechner installiert habe und es nur einen Klick entfernt lag. Das in der Windows 11-Taskleiste irgendwie nachbilden? Absolut und vollkommen unmöglich.

Ja, es gibt natürlich schon den ein oder anderen Mod, der es einem auch unter Windows 11 wieder etwas zurückzukehren zu alten Gewohnheiten. Aber sowas benutze ich nicht. Wenn Microsoft sagt, dass das die optimale Art und Weise ist wie eine Taskleiste auszusehen hat, warum sollte ich dem widersprechen :wink: . Nein, die Realität ist schlicht und einfach: 90% der Symbole habe ich sehr selten gebraucht. Was habe ich also gemacht? Alles in einen neuen Ordner auf den Desktop gepackt – den ich tatsächlich seit Dienstag kein einziges Mal offen hatte. Stattdessen mache ich es wie auf dem Arbeitsrechner: Windows-Taste, Programmname eintippen und starten. Sicherlich etwas umständlicher und garantiert gibt es auch ohne Mods effizientere Methoden aber so muss ich nicht einmal die Hand von der Tastatur nehmen und schnell tippen ist für mich eh kein Problem.

Look & Feel

Mein neuer Desktop Stand 2021

Die Taskleiste war also eine kleine Hürde, die ich aber zügig überwunden habe. Was ist mir sonst noch so aufgefallen? Nun, die Rückkehr der Widgets war für mich nur von kurzer Dauer. Sofort genauso deaktiviert wie den Chat. Das neue Startmenü interessiert mich ebenfalls weiterhin nicht die Bohne. Dafür hat jetzt alles runde Ecken und der Explorer wurde überarbeitet. Der Ribbon ist weg, stattdessen herrscht Minimalismus – auch im Rechtsklick-Menü. Reduziert auf die aus Microsofts Sicht wichtigsten Funktionen. Macht es wesentlich übersichtlicher aber natürlich gewöhnungsbedürftiger. Erst mit einem Klick auf “Weitere Optionen” kommt das bekannte (und sich überhaupt nicht ins Design einfügende) Menü hervor. Was nicht so gut ist: Er stürzt aktuell sehr gerne nicht nur aber vor allem beim Benutzen des Rechtsklickmenüs ab. Keine Ahnung warum und ein wenig nervig.

Das Einstellungsmenü hat ebenfalls ein Facelift bekommen. Ja, die alte Systemsteuerung existiert immer noch. Soweit ich das sehe wurden nicht einmal weiteren Funktionen übertragen. Aber das überarbeitete Einstellungsmenü gefällt mir definitiv besser. Mehr Informationen auf einem Blick und die Sortierung gefühlt logischer als noch zu Windows 10-Zeiten. Auch der Microsoft Store hat eine Überarbeitung erfahren. Ob er dadurch besser geworden ist? Fragt mich nicht. Vermeide es soweit möglich ihn zu benutzen :smile: .

Die Performance

Stellt sich abschließend noch die große Frage nach der Performance. Da geht ja aktuell einiges durch die Presse speziell in Bezug auf Gaming und VBS (Virtualisierungsbasierte Sicherheit). Angeblich bis zu 28% Leistungsverlust. Gibt aber erhebliche Zweifel, ob das tatsächlich stimmt. Ich für meinen Teil dachte zuerst, dass Psychonauts 2 wesentlich schlechter laufen würde. Von stabilen 144fps auf nur noch 90-100fps. Die Realität ist aber, dass ich mir nicht sicher bin. Hab‘ den Framecounter ja nicht durchgehend beobachtet. Insofern gehe ich derzeit davon aus, dass ich auch unter Windows 10 kekne besseren Werte hatte. Außerdem ist VBS bei mir deaktiviert.

Keine Sicherheit für den Webmaster :sad:

Ich kann die Kernisolierung nicht einmal anschalten, selbst wenn ich es wollte. Grund sind inkompatible Treiber. Ja, darunter der für meine Soundkarte. Aber auch die Treiber meiner älteren Logitech-Gerätschaften (WebCam, Joystick, Lenkrad) mag er nicht (23 Dateien insgesamt). Von irgendwelchen Treiberresten alter Geräte und schon lange nicht mehr vorhandenen Geräten ganz zu schweigen. Bei letzterem zeigt sich dann doch mal der Nachteil einer fehlenden Neuinstallation. Insofern: Die Performance von Windows 11 kann ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beurteilen. Bei den synthetischen Benchmarks wie z.B. Cinebench R23 gibt es auf jeden Fall keinen erwähnenswerten Unterschied.

Das gilt leider ebenfalls für “HDR”. Ich hatte ja gehofft, dass mein Erlebnis mit Windows 11 besser wird. Aber ich habe immer noch das Phänomen, dass nach der Aktivierung mein Bildschirm viel zu dunkel und gleichzeitig überbelichtet wirkt trotz HDR10-Unterstützung. Allerdings kenne ich mich bei dem Thema immer noch zu wenig aus, um das Fehlerbild beurteilen zu können. Also von wegen ob es technisch gesehen richtig funktioniert oder es eine falsche Monitoreinstellung ist. Fakt ist: Derzeit lasse ich es auch unter Windows 11 ausgeschaltet. Die Nutzung der neuen SDR zu HDR-Emulation fällt damit ebenfalls erstmal unter den Tisch.

Fazit

Nach drei Seiten Text bleibt für mich also nur eine Sache festzuhalten: Windows 11 ist unspektakulär. Nach einer Woche damit habe ich noch keine wirklich einschneidenden Unterschiede zum Vorgänger 10 festgestellt, die mein Arbeiten in irgendeiner Art und Weise signifikant positiv oder negativ beeinflussen. Ja, das mit den Symbolen in der war im ersten Moment blöd und der abstürzende Explorer sowieso. Aber offensichtlich waren die Symbole in der Taskleiste sowieso nur noch aus Gewohnheit da. Im Gegenzug ist z.B. das überarbeitete Einstellungsmenü eine echt schicke Sache. Das bedeutet aber eben auch: Wer mit seinem Windows 10 zufrieden ist, der hat wie erwartet derzeit noch keinen Killer-Grund zum Upgraden. Andersherum hat es mir aber nicht geschadet. Keine großen Bugs, keine großen Probleme. Einfach nur Windows.

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