Da hat man einen der ikonischsten Charaktere des gesamten Franchises, Jean-Luc Picard, und entschließt sich dazu, ihm nochmal eine eigene Serie zu widmen. Man versucht es auf dem Papier richtig zu machen. Beispielsweise die (vielleicht nicht so zielführenden?) Wünsche von Sir Patrick Stewart zu berücksichtigen, damit er überhaupt an Bord kommt. Also keine Reunion-Show oder sowas. Stattdessen baut man auf sein Alter (sowohl in der Fiktion, als auch der Realität) als zentrales Element. Der müde Admiral, der schon alles gesehen und erlebt hat, immer noch mit dem Tod seines besten Freundes hadert und als altes Relikt irgendwo im Nirgendwo vor sich hinvegetiert, bis plötzlich wieder das Abenteuer ruft. Eine ruhigere und vor allem persönlichere Geschichte also. Zumindest so der Ersteindruck von Star Trek: Picard. Leider geht dann doch irgendwie wieder alles den Bach runter und die ganze Galaxie ist in Gefahr. Und zwar in jeder gottverdammten Staffel. Können die nuTrek-Autoren echt NICHTS anderes?! Reicht es nicht mal einfach nur einen Planeten zu retten?!
Immerhin eine Emotion
Gott, ich bin so wütend. Das kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. In der Rick Berman-Ära wurde viel Mist gebaut. Keine Frage. Aber was Kurtzman und seine Crew im Live-Action-Bereich jedes Mal für einen absoluten Schwachsinn auf den Fernseher werfen, ist so unfassbar und offensichtlich am Thema vorbei… das kann nur noch Vorsatz sein.
Verstehen echt nur die Zeichentrick-/Animationsserienmacher, was Gene Roddenberry mit seinem “Western im Weltall” eigentlich bezweckt hat? Uns einen positiven Blick in die Zukunft zu geben. Eine erstrebenswerte Utopie zu zeigen, die sicherlich nicht perfekt ist, aber in der der Grundtenor dennoch ein hoffnungsvoller ist. Und bevor ihr jetzt in die Kommentare springt: Ja, auch ich habe durchaus auf Roddenberrys Vision geschimpft, weil sie künstliche, erzählerische Limits erzeugt hat. Aber die Autoren haben es trotzdem geschafft sowohl seine Vision einer besseren Zukunft als auch die Realität miteinander zu verbinden ohne gleich alles nur noch tiefschwarz darzustellen.
Live-Action-nuTrek zeigt uns hingegen was? Welche “Message” verbreitet es? Aus meiner Sicht. Keine. Es hat nichts zu sagen. Es ist ein belangloses Abenteuer. Was okay wäre, wenn kein “Star Trek” draufstehen würde. Deswegen muss die Gefahr so existentiell sein. Einfach, um das zu überdecken. Dabei will es möglichst “edgy” sein. Dazu haut es mit hohem Tempo ein paar uninspirierte Actionszenen, vermischt mit pseudo-emotionalen Momenten raus, damit der Zuschauer denkt es wäre eine kohärente Erzählung mit Tiefgang. Und nutzt dabei eine Sprache, die eher nach “so glauben Teenager, dass Erwachsene reden” klingt. Roddenberry- und Berman-Trek war hingegen anspruchsvoller (und in Stil und Sprache von Shakespeare inspiriert). Es hat den Charakteren Raum gegeben. Sie vor moralische Dilemmata gestellt. Ihnen überschaubarere Hindernisse in den Weg gestellt – so bescheuert sie manchmal auch waren. Und vor allem hatte es den Mut für Pausen. Einfach mal Besprechungen gezeigt, die nicht mit Maschinengewehr-Schnitten und ständigen Kamerafahrten “aufgelockert” werden mussten. Außerdem glaubhafte, normale Gespräche zwischen zwei Menschen außerhalb von ständiger Extremsituationen. Das findet man in nuTrek (und vielleicht auch einem Großteil der aktuellen Medienlandschaft?) nur vereinzelt.
Zurück zum Thema
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu diesem “alter Mann schreit die Wolken an”-Klischee werden würde. Möglicherweise ist genau das das Problem. Dass ich zu alt geworden bin für Star Trek. Vielleicht bringt nuTrek ja tatsächlich einer neuen Generation gute Werte bei oder bringt sie zumindest dazu den “alten Kram” mal anzuschauen. Ändert aber nichts daran, dass ich als alter Sack trotzdem nur mit dem Kopf schütteln kann und der verschwendeten Lebenszeit hinterher trauere.
*tief ein- und ausatmen* Komm wieder runter, Sicarius… es ist nur eine Fernsehserie. Im Gegensatz zu manchem Trekkie/Trekker/Star-Wars-Fan definiert sie nicht dein Leben und deine Persönlichkeit. Schauen wir uns also Star Trek: Picard mal genauer an:
Rückkehr einer Ikone
Staffel 1 – Data lebt irgendwie und doch nicht
Im Jahr 2385 – der Cliffhanger der 2. Staffel von Star Trek: Prodigy – gab es einen schweren Zwischenfall auf den Utopia-Planitia-Flottenwerften auf dem Mars. Die dort arbeitenden Androiden (nicht auf dem Niveau von Data) erhoben sich gegen ihre Auftraggeber, töteten 10.000 Bewohner und zerstörten alle Raumschiffe vor Ort. Parallel leitete Admiral Picard die Rettungsmission der Romulaner, deren Planet Romulus 2087 von einer Supernova vernichtet wird (siehe Stark Trek (2009)). Als Konsequenz auf den Angriff verbietet die Föderation jedwede Art von künstlichen Lebensformen und bricht die – scheinbar ziemlich unbeliebte – Rettungsaktion unter Protest von Picard ab. Wie beides zusammenhängt? Gar nicht. Purer Zufall.
Auf jeden Fall sind wir jetzt im Jahr 2399 und Picard hat sich auf seinen Landsitz in Frankreich zurückgezogen. Geplagt von Data-Träumen und unterstützt von einem Romulanerpärchen, “genießt” er seinen Ruhestand. Eines Tages taucht jedoch ein Mädchen, Dahj, bei ihm auf. Stellt sich heraus, dass sie ohne ihr Wissen ein Android ist. Und zwar nicht nur ein Android, sondern einer basierend auf Data. Wir lernen anschließend, dass so ein Android nicht allein existiert und die Jagd nach ihrem Zwilling beginnt. Der ist auf einem Borgkubus in der neutralen Zone, der unter der Leitung von Romulanern erforscht und ausgeschlachtet wird. Picard holt sich dazu sowohl bislang unbekannte als auch bekannte Unterstützung (Riker, Troi, 7of9). Zum Abschluss geht es auf einen Planeten voller (weiblicher) Data-Abkömmlinge, die einer mysteriösen Maschinenrasse den Zugang zu unserer Galaxie verschaffen möchte. Die Romulaner wissen schon länger davon und haben deshalb den Angriff auf den Mars inszeniert und machen seitdem Jagd auf jedwedes künstliche Leben. Neben einem Soong (wie viele von denen gibt es, die Robotikforschung betreiben?!), ist auch ein Teil des echten Data auf dem Data-Klonplaneten, der bei der Explosion des remanischen Raumschiffs Scimitar nicht zerstört wurde.
Am Ende kann sich Picard also “richtig” von Data verabschieden und so seinen Frieden finden. Die Gefahr von der Maschinenrasse wird gleichzeitig in buchstäblich einer Minute gebannt und die Romulaner in ihre Schranken verwiesen. Daraufhin wird der Bann auf künstliche Lebensformen zurückgenommen. Ende gut, alles gut.
Beim Christoph meint: Die Staffel fängt halbwegs gut an – wenn man vom Intro absieht, das ähnlich wie bei Star Trek: Discovery, minimalistischer Mist ist. Wir alle waren schließlich mit Datas Tod ziemlich unglücklich. Durch Picard also zu versuchen es “wieder gut” zu machen, ist als Prämisse nicht verkehrt. Selbst, dass abseits von B4 Teile von Data überlebt haben und es jemand geschafft hat daraus neue Androiden zu basteln ist okay. Und die Sache mit dem Borgkubus ist eine gute Gelegenheit 7of9 sowohl in Szene zu setzen, als auch ihr Hadern mit ihren zwei Ichs zu thematisieren. Picard und sie sind aber leider die einzigen wirklich guten Charaktere der Serie. Das ist jedoch nicht den Autoren von Star Trek: Picard zu verdanken. Es liegt stattdessen einzig und allein daran, dass wir als altgediente Zuschauer die beiden schon so gut kennen und sie darauf aufbauen. Die Neulinge (und das dazugehörige Raumschiff) sind hingegen ziemlich vergessenswert.
Je weiter die Staffel allerdings voranschreitet, desto schlimmer wird’s. Der ganze Kram mit einer Galaxieuntergangsvision, die töten kann, wenn man sie erlebt (nur nicht eine unserer Protagonistinnen?). Der Romulaner, der mit dem Inhalt seiner Hose denkt. Riker und Troi mit nervigem Kind und einer tragischen Geschichte, die ziemlich unerklärt bleibt. Und dann dieses bescheuerte Finale inkl. dem üblichen Zurückschrecken davor tatsächlich etwas undenkbares zu tun. Ja, da wurde jedwedes Potential, das die Serie zeigte, mit voller Wucht wieder zerstört.
Staffel 2 – COVID-19 schlägt zu
“Star Trek” klingt irgendwie nach Weltraum und so. Warum also nicht eine ganze Staffel auf der Erde im 21. Jahrhundert verbringen? Okay, 2-3 Folgen spielen im 24. Jahrhundert bzw. in einer alternativen Zeitlinie, in der das terranische Imperium die ganze Galaxie versklavt hat (inkl. der Borg). Es handelt sich allerdings explizit NICHT um das Spiegeluniversum! Nur, damit das klar ist. Aber die meiste Zeit sind wir im Jahr 2024. Und wer ist schuld? Q natürlich. Angeblich im Sterben liegend, will er Picard nochmal so richtig auf den Prüfstand stellen. Das hat zwar mit dem Jahr 2024 wenig zu tun, sondern es geht um das Schicksal seiner Mutter und den dazugehörigen Vorwürfen, die Picard sich macht. Aber wenn das Budget fehlt und man zusätzlich pandemiebedingten Einschränkungen unterliegt, macht man halt das Beste draus. Dazu gehört auch eine Borgkönigin mitzuschleppen, die logischerweise nichts Gutes im Schilde führt. Aber durch eine Verschmelzung mit Dr. Jurati (eine der Neuen) entsteht schlussendlich eine gute Variante der Borg. Yippie!
Picard hingegen lernt was Neues über sich selbst, besteht dadurch Qs Prüfung und er und seine Crew kehren zurück in ihre richtige Zeit. Dort treffen sie auf die gutmütige Borgkönigin und arbeiten gemeinsam daran einen Weltraumfurz davon abzuhalten die Galaxie zu zerstören. Wobei das “gemeinsam” daraus besteht ein halbes Dutzend Sternenflottenschiffe mit einem monströses Borgschiff zu verbinden, um ein Schild aufzubauen. Das war sowas von unbeschreiblich enttäuschend…
Beim Christoph meint: Was für eine lahme und absolut langweilige Staffel. Die Prämisse ist total doof. Das Setting zum Einschlafen. Der Charakter Q wird total verschwendet und hat nicht einmal Ansatzweise den Biss und Charme aus der Serie. Picards Erforschung seiner Vergangenheit wird unnötig in die Länge gezogen. Und die “Rahmenhandlung” mit dem Borgschiff, das plötzlich auftaucht, ist so dermaßen künstlich, da ist im Vergleich ein Tamagotchi ein echtes Haustier. Ach und es kommt auch noch ein Soong plus künstlich erschaffene Lebensform drin vor. Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld.
Staffel 3 – Die volle Nostalgiebreitseite
Dr. Beverly Crusher, seit 20 Jahren verschollen, sendet einen Notruf an Picard. Er macht sich zusammen mit Riker auf die Suche. Dazu stehlen sie indirekt die U.S.S Titan auf der 7of9 als 1. Offizier dient. Sie finden Beverly mit ihrem Sohn (=Picards Sohn) sowie eine ziemlich verrückte Kopfgeldjägerin mit einem Superschiff. Im Laufe der Staffel kommt heraus, dass eine auf Rache sinnende Fraktion der Wechselbälger die Föderation unterwandert hat und sie zerstören will. Wobei am Ende die alte Borgkönigin (von der neuen ist keine Rede mehr) die eigentlichen Fäden in der Hand hat. Die hat es auf Picards Sohn abgesehen, der warum auch immer Borg-DNA in sich trägt und dadurch andere Personen übernehmen kann (was?!).
Naja, Picard sammelt nach und nach die alte Crew ein (inkl. dem echten Data). Stiehlt mit ihr die alte Enterprise-D (technisch gesehen nur die Hälfte) und zerstört abermals die Borg, um den Tag zu retten. Ach und am Ende bekommt 7of9 ihr eigenes Kommando. Nämlich über die Enterprise-J. Eine selten dämliche Entscheidung. Also nicht, dass sie Captain wird. Nein, dass die Autoren die U.S.S Titan umbenennen. Welchen Sinn und Zweck hatte das?! ![]()
Beim Christoph meint: Nun also doch. Obwohl es Sir Patrick Stewart nicht wollte, entschied man sich für die 3. Staffel die alte TNG-Mannschaft aus der Versenkung zu holen. Und ja, diese Staffel fühlt sich sofort ganz anders an. Viele Weltraumszenen, viel Zeit auf echten Sternenflottenschiffen, klassischere Kämpfe, bessere Musik (=weil aus den Filmen “geklaut”) und Charaktere, die wir kennen und von Leuten verkörpert werden, die es draufhaben. Es ist auch ohne Nostalgiebrille das Star Trek, was ich eigentlich erwartet habe.
Blöd nur, dass die Geschichte an sich wieder nicht funktioniert. Zum Teil, weil zu viel Kontext fehlt (was ist bei den Wechselbälgern passiert? Warum arbeiten sie mit den Borg zusammen?). Zum Teil, weil sie echt an den Haaren herbeigezogen ist (die ganze Sache mit Picards Sohn und seinen Fähigkeiten). Und zum Teil die Kopfgeldjägerin als Hauptantagonistin, die in jeder Hinsicht einfach nur bekloppt ist. Es gilt wie beim Rest von nuTrek: Etwas mehr Zurückhaltung hätte der ansonsten wirklich überraschend guten Staffel gut getan.
Gesamtfazit
Was bleibt also am Ende von Star Trek: Picard? Nun, tatsächlich erstmal ein kleiner Wermutstropfen. Die 3. Staffel war trotz all ihrer vielen großen Probleme ein echter Lichtblick am ansonsten düsteren nuTrek-Himmel. Ein Schritt in die richtige Richtung quasi. Ich bin aber dennoch nicht traurig, dass sie zu Ende ist. Zu schlecht waren die vorherigen Staffeln, zu alt und müde ist Sir Patrick Stewart mittlerweile und zu sehr war auch in der 3. Staffel sichtbar, dass die Macher nur wenig Ahnung von Star Trek haben. Insofern: Als TNG-Fan sollte man die letzte Staffel durchaus gesehen haben – weitere Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Aber der Rest der Serie ist unterm Strich in Teilen vielleicht sogar schlechter als Star Trek: Discovery. Mein bislang ziemlich vernichtendes Urteil über Live-Action-nuTrek hat sich entsprechend nicht verändert.
Und damit bleibt nur noch der Eintrag zu Star Trek: Lower Decks übrig.





Du hast dir leider zu viel Zeit gelassen mit deinem Bericht, denn jetzt hab ich zwischenzeitlich meine eigenen Eindrücke weitestgehend wieder vergessen
Was sich aber eingeprägt hat, ist die Enttäuschung. Vor allem über zweite Staffel und etwas weniger über die erste Staffel. Die Gründe benennst du allesamt: die ständigen, totalen (und somit letztlich ermüdenden) Übertreibungen, die fehlende Tiefe bzw. das fehlende Niveau, die sehr blassen bis total nervigen neuen Charaktere und der erschreckende Umgang mit Neben-Figuren aus der TNG-Serie (vor allem Hugh).
Oh und die “Copy-Paste”-Flotten sowie dieser neue (leider bis heute übernommene) “Warp-out”-Effekt (man bleibt einfach stehen).
Oh und dieses “Tool”, das per Gedankenkraft alles erschaffen kann…
Oh und die “guten Borg” … was ein Krampf.
Und dass Picard jetzt ein “Golem” ist. Ich mein, musste das wirklich sein? Gehts nicht eine Nummer kleiner? Oder ihn halt einfach am Ende der letzten (!) Staffel in Würde sterben lassen. Mit ner dramatischen Beerdigungsszene, wo nochmal alle “Helden” zusammenkommen.
Was aber auch bleibt, sind ein paar wundervolle Szenen. Allen voran die allererste Szene (Picard und Data beim Schach spielen … mein Gott, es hätte so schön werden können), das Wiedersehen mit Will und Diana, der (vorläufige…) Abschied von Data in Staffel 1, “Bad-Ass-Riker” als er dem Romulanern droht und natürlich in gewisser Weise die ganze dritte Staffel.
Irgendwie bleibt sich Star Trek mit Picard halt auch irgendwie treu: Logiklücken und verschenkte Chancen. Ist ja auch in gewisser Weise die Tradition bewahrt.
Übrigens: schlechter als DSC finde ich Picard aber keinesfalls. Immerhin werden wir von dem ständigen “emotionalen Rumgeheule” von DSC verschont. Und dieser wirklich penetrante “Wokeismus” mit der Brechstange gab es da auch noch nicht. Und wir haben keinen Superhelden-Picard, der im Superhelden-Anzug durchs All fliegt und die typische Signature-Landung hinlegt… das hätte gerade noch gefehlt.
Ich wollt halt schauen, ob mit Abstand meine Ansicht etwas wohlwollender wird
. Aber (nur leicht übertrieben gesagt) ein Dutzend wirklich gelungene Szenen in ~23h Material kanns halt echt nicht sein.
Und vor allem PIC Staffel 2 war schon echt schlecht… Trotz bekloppt aussehender Klingonen war DSC S1 tatsächlich im Vergleich kurzweiliger.