Fallout 3

 

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Man merkt Fallout 3 deutlich seinen Ursprung im Rollenspiel The Elder Scrolls IV: Oblivion an. Dies ist nicht nur an der starken Plastikgrafik, oder den äußerst kurzen Ladezeiten vor dem erstmaligen Betreten eines Hauses erkennbar. Viel deutlicher bemerkt man es in den Kämpfen, denn obwohl mehr mit Waffen geschossen wird, ist die Verzögerung zwischen jedem Schuss exakt so lang wie die Zeit zwischen zwei Schwerthieben. Ein äußerst ungewohntes Verhalten zu Beginn, aber wie in Hellgate London  gewöhnt man sich auch hier schnell daran. Die meiste Zeit verbringt man als Spieler sowieso im V.A.T.S.-Modus.

Wart mal kurz!

Der Grund dafür ist nicht nur die Möglichkeit in Ruhe bestimmte Körperteile auszuwählen, sondern ganz einfach die Tatsache, dass die Trefferwahrscheinlichkeit im Pausenmodus um ein Vielfaches höher ist. Wer sich jedoch dadurch taktischen Anspruch und Abwechslung in den Kämpfen erwartet, wird wohl ein wenig enttäuscht werden. Zwar macht es tatsächlich einen großen Unterschied, ob man nun den Waffenarm des Gegners verstümmelt und ihn damit in den Nahkampf zwingt, oder ihn doch lieber nur in die Beine schießt und verlangsamt. Meine bisherige Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass eine ganz einfache Taktik immer zum Erfolg führt: passende Waffe auswählen, auf optimale Distanz gehen (80% Trefferwahrscheinlichkeit oder höher) und, egal ob geschützt oder nicht, immer auf den Kopf zielen. Selbst Super Mutanten, die stärksten und tödlichsten Gegner während der ersten Stunden, fallen so sehr schnell um. Teilweise kommen auch noch derbe Aussetzer der künstlichen Intelligenz hinzu.

Besonders wenn zwischen dem Spieler ein Hindernis wie ein großer Stein oder ein Tisch ist, wissen die Gegner nicht so richtig was sie tun sollen. In einigen Fällen sah es sogar so aus, als würden sie gar nicht registrieren, dass dort ein Objekt ihren Weg versperrt. Im Großen und Ganzen fallen diese Aussetzer jedoch nicht so stark ins Gewicht. Die Gegner versuchen den Spieler  bereits auf große Distanzen zu treffen und rennen ihm auch nicht einfach ins Fadenkreuz, im Gegenteil halten sie sich ab und zu sogar einmal zurück. Ein Beispiel dafür war ein Kampf gegen einen Supermutanten.

Lobhudelei?

Ich war in Deckung  und er hatte nur eine Möglichkeit zu mir zu kommen;  mein Ziel war es ihn genau dorthin zu locken, um nah genug für den Kill zu sein. Aber der Mutant hat mir was gehustet. Während er fröhlich auf mich von vorne geschossen hat und so meiner ganzen Konzentration sicher war, kam doch tatsächlich einer seiner Freunde, der mir bislang verborgen geblieben war, und wollte mich von hinten erledigen. Dank des V.A.T.S. allerdings kein wirkliches Problem, wenn die eigenen Lebenspunkte nicht zu weit unten sind. So lagen am Ende doch beide im Dreck.

Und genau das ist so ein Knackpunkt. Obwohl die Gegner dieses Mal sich nicht dem eigenen Level anpassen und bei falscher Bewaffnung tatsächlich eine wirklich schwere Aufgabe darstellen, verringert dieser alternative Kampfmodus den Abstand signifikant. Würden sich die Aktionspunkte, die für diesen Modus gebraucht werden, nicht so schnell regenerieren, wäre es vielleicht anders. So aber kann man selbst mit nur einem Baseballschläger bewaffnet bereits zu Beginn des Spiels den kompletten Vault ohne wirklich viel Aufwand im Alleingang niedermetzeln. Insgesamt also ein Schritt nach vorne im Gegensatz zu The Elder Scrolls IV: Oblivion, aber leider immer noch keine perfekte Lösung.

Fallout 3 macht auch noch einige andere Dinge im Gegensatz zum vorherigen Werk der Entwickler bei den Bethesda Game Studios richtig, die derzeit dazu führen, dass ich wirklich gerne meine Zeit in dieser post-apokalyptischen Welt verbringe (neben den Achievementpunkten):

Lobhudelei!

Es gibt ein traditionelles Levelsystem mit Punkten, die man in verschiedene Attribute und Fähigkeiten verteilen kann. Das macht es einfach interessanter durch die Gegend zu streifen, Monster zu erledigen, Quests zu lösen und durch allerlei andere Tätigkeiten Erfahrungspunkte zu verdienen um endlich den ersehnten, nächsten Level zu erreichen.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich die wieder sehr große Welt doch  kompakter und voller anfühlt. Es ist zwar immer noch an vielen Stellen erkennbar, dass Teile automatisch generiert wurden, aber es gibt wesentlich mehr Abwechslung und viele unterschiedliche Landschaftsmerkmale. Eine zerstörte Brücke wurde nicht einfach dreißig Mal am Fluss entlang einkopiert, sondern sieht wirklich immer erkennbar anders aus. Auch die Dungeons haben wesentlich mehr Liebe genossen und erinnern nur in Teilen an die immer gleichen Kopien aus The Elder Scrolls IV: Oblivion. Das gilt auch für die NPCs.

Zwar ist auch Fallout 3 bei genauem Hinsehen nicht komplett vom Angriff einer Klonarmee verschont geblieben, aber es fällt aus zwei Gründen nicht so stark auf: Erstens kann der Spieler nur mit NPCs reden, die tatsächlich etwas zu sagen haben und zweitens ist die Anzahl dieser NPCs, bedingt durch das Szenario, höher als die der stupiden Leute, die nur dazu dienen einer Stadt etwas Leben einzuhauchen. Damit hängt auch der letzte, positive Punkt zusammen:

Konnte man in The Elder Scrolls IV: Oblivion quasi jeder Gilde beitreten und sich bis zum Chef hocharbeiten, hat Bethesda tatsächlich den Kern der Vorgänger erfasst und komplett gegensätzliche Lösungswege eingebaut. Wenn die Bombe in Megaton entschärft ist, dann ist eben eine ganze Reihe von Quests nicht mehr verfügbar und man steht auf der Abschussliste mindestens einer Fraktion. Hinzu kommt hier auch noch das Karmasystem, dass, wie in so vielen anderen Rollenspielen, bestimmt wie Gut oder Böse der eigene Charakter ist. Auch hier gibt es tatsächliche Reaktionen der Welt auf die eigene Gesinnung – nicht nur eine andere Auswahl an verfügbaren Quests.

Fazit

Zusammengefasst bleibt nur zu sagen, dass ich nach meiner anfänglichen Skepsis tatsächlich positiv überrascht bin von Fallout 3. Es ist für mich zwar immer noch kein wirklich gelungenes Rollenspiel vom Kaliber Gothic 2 oder The Witcher, aber es ist in den wichtigsten Belangen tatsächlich kein simples "Oblivion mit Waffen". Inwieweit diese positive Einstellung natürlich über die weiteren Spielstunden bestand hat, muss sich noch zeigen. Derzeit bekommt Fallout 3 aber tatsächlich eine Empfehlung von mir. Nur diejenigen unter euch, die stark mit den Vorgängern verbunden sind, sollten wohl die Finger davon lassen. Was ich bislang von dieser Gruppe von Leuten zu hören bekommen habe, ist mehr mit Hasstriaden zu vergleichen als einem Lobeslied.[CH]

(Veröffentlicht am 03.11.2008)