Prince of Persia

 

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Im Vorfeld gab es viele Bedenken. Auch ich hatte Sorgen. Würde die neue Dame an der Seite des Prinzen nicht nerven? Würde die ungewöhnliche Optik wirklich wirken? Kann es wirklich funktionieren nur gegen einen Gegner immer zu kämpfen? Aber nach den ersten Spielstunden kann ich alle Fragen nur mit einem begeisterten "Ja" beantworten.

Grafisch ist der erneute Neustart der Serie das genialste, das ich seit langem gesehen habe. Die Charaktere wirken nicht nur dank Cel Shading wie eine animierte Konzeptzeichnung. Auch die Farben und Pinselstrich, die einem Aquarell gleicht. lassen besonders die Bossgegner sehr surreal wirken. Da ist es schon sehr schade, dass die Levels und Hintergründe im Vergleich nicht so konsequent im gleichen Stil daherkommen. Das ergibt teilweise einen sehr starken und unschönen Kontrast, der jedoch gleichzeitig dafür sorgt, dass die Charaktere im Fokus bleiben.

Irgendwie vertraut aber doch anders

Auch die spielerischen Neuerungen, wenn auch nicht ganz so Innovativ wie die Grafik, können überzeugen. Im Kern spielt sich der Prinz zwar wieder wie die Vorgänger und bietet anspruchsvolle und hübsch animierte Akrobatikeinlagen und Rätsel, aber besonders die weibliche Begleitung ist jetzt nicht mehr nur dafür da unschuldig auszusehen und die Sexquote einzubringen. Elika erzählt zwar auch viel und kann damit durchaus nerven, aber das geschieht größtenteils auf Wunsch – genauso wie fast alle anderen ihrer Fähigkeiten. Nur die Rettung vor dem sicheren Tod geschieht automatisch und erspart dem Spieler das Neuladen. Das letzte Stück muss er dann natürlich trotzdem wiederholen.

Auf Knopfdruck zeigt einem Elika den Weg, erzählt ein wenig über die aktuelle Aufgabe, hilft im Kampf mit ihren Zauberkräften oder gibt dem Prinzen Unterstützung bei den Hüpfeinlagen. Das erlaubt ihm weiter und höher zu springen oder bestimmte Schalter zu bedienen, für die er alleine zu schwach wäre. Dass die Dame dabei ist, merkt man als Spieler dabei erfreulicherweise gar nicht wirklich. Sie läuft einem nicht im Weg rum, versperrt einem nicht die Sicht und kommt nur ins Spiel wenn eine Zwischensequenz erfolgt oder eben auf Befehl des Spielers. Der Rest läuft automatisch und so organisch ab, dass es normal wirkt.

BÄM!

Auch die Kämpfe sind jetzt wesentlich interessanter und spannender. Anstatt dauernd nur Kanonenfutter aus dem Weg zu räumen, das nur den Weg zum nächsten Puzzle versperrt, ist jeder nun wirklich ein Ereignis. Zwar gibt es immer noch die Unterscheidung zwischen Boss und normalem Gegner, aber durch die geringe Menge an Gegnern und den erhöhten taktischen Anspruch in aller Kämpf, fällt dies nicht mehr so stark auf. Stattdessen konzentriert man sich darauf in gewohnter Manier seine Schwert und den, einer Bärklaue ähnlichen, Handschuh in mächtigen Kombos einzusetzen während Elika den Gegner mit akrobatischen Sprungangriffen auf Wunsch ablenkt.

Aber auch Prince of Persia ist nicht der heilige Gral. So gibt es in den Kämpfen Quick Time Events, die starten wenn der Gegner den Prinzen fest im Griff hat. Zum Glück reicht es jedoch aus nur eine einzige Taste zu drücken und das Zeitfenster dafür war bislang immer großzügig. Am meisten Probleme bereitet jedoch, wie so oft in solchen Spielen, die Kamera. Ständig justiert man mit dem rechten Analogstick nach um zu sehen wo man eigentlich hinläuft oder wo der Abgrund sich versteckt. Und schon nach kurzer Zeit wiederholen sich die Aufgaben und bekannte Level müssen noch einmal besucht werden. Obwohl das Spiel nicht mehr ganz so linear wie seine Vorgänger gestaltet ist, nervt dies doch. Zusätzlich geht die Performance selbst auf Highendsystemen massiv in die Knie (von teilweise weit über 60fps auf unter 25fps) sobald in der Nähe Gras zu sehen ist. Da es weder Schatten wirft noch besonders detailliert daherkommt, ist dies äußerst unverständlich, Spielfluss hemmend und abschalten lässt es sich auch nicht.

Fazit

Trotz dieser Unzulänglichkeiten hat mich der neue Prinz buchstäblich vom Sessel (Hocker habe ich hier keinen) gehauen. Vielleicht waren meine Erwartungen im Vorfeld etwas niedrig angesetzt, aber in jedem Falle ist das gebotene wirklich erstklassig. Die Steuerung ist mit dem Gamepad einwandfrei, es gab bislang keinerlei Probleme in Form von Bugs oder Abstürzen und die Mischung aus Fortschritt innerhalb der Serie und altbewährten Spielprinzip stimmt und macht wirklich Spaß. Und der ungewöhnliche Grafikstil stellt jedes noch so realistische Crysis klar in den Schatten.

Prince of Persia kostet bei Okaysoft derzeit 46,90€. Die deutsche Version ist ungeschnitten, multilanguage und benutzt keinen offensichtlichen Kopierschutz ("Protected by Avira" steht nur auf der Packung). Es wird kein CD-Key benötigt und dennoch startet das Spiel nach der Installation ohne DVD im Laufwerk.[CH]

(Veröffentlicht am 15.12.2008)