Space Siege

 

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Die Dungeon Siege-Reihe wurde von vielen belächelt, da sie sich angeblich selbst spielen würde und keine Herausforderung wäre. Diese Meinung kann man teilen oder nicht, ich für meinen Teil hatte Spaß an beiden Teilen (Teil 1 auch bereits durchgespielt). Besonders weil ich es angenehm finde eben mal kein Rollenspielschwergewicht zu spielen. Nun ist der quasi Nachfolger Space Siege gekommen. Auch er wird von den Magazinen nur belächelt und niedergemacht weil sie ihn als Rollenspiel mit SciFi-Setting betrachten. Und genau hier liegt der Fehler, der allerdings bei Chris Taylor und seiner Marketingabteilung zu suchen ist und nicht bei den Redakteuren.

Schaut man sich Space Siege als Hack 'n' Slay RPG alla Diablo an, versagt es ganz klar. Die fehlende Spielmechanik des süchtigmachenden Itemsammelns fehlt hier einfach. Der einzige Loot sind eben nur Schrottteile, die dann zum linearen Upgraden genutzt werden. Auch alle anderen Aspekte wie der sehr lineare Spielaufbau, die fehlenden Levelaufstiege und ähnliche Dinge sprechen eben nicht gerade für ein RPG und lassen Space Siege in diesem Bereich als vollkommen ungeeignet erscheinen. Steckt man den Titel hingegen, so wie ich es tue, in die gleiche Sparte wie Shadowgrounds Survivor oder ähnliche Topdown-Shooter, dann wandeln sich viele der negativen Punkte in positive Aspekte um.

Andere Perspektive

Nur die indirekte Steuerung ist unter diesem Gesichtspunkt natürlich nicht gerade das optimale, auch Gegnermassen wie man sie aus Alien Shooter kennt, gibt es in Space Siege nicht. Aber dennoch macht es durchaus sehr viel Spaß immer mal wieder für eine Stunde Aliens abzuschlachten, Schrott zu sammeln, sich zu verbessern und vor allem die vielen Explosionsfässer in die Luft zu jagen. Besonders toll ist dabei, dass man im Gegensatz zu Shadowgrounds Survivor eben wesentlich mehr Möglichkeiten hat den eigenen Charakter und die Waffen dank Talentbäumen und den gefunden Schrott zu modifizieren. Auch der Robotersidekick HR-V („Harvey“) ist eine gelungene Idee für Einzelspieler. Es gibt jedoch natürlich auch eine spezielle Koop-Kampagne für bis zu vier Mitspieler im LAN oder Internet - ein weiterer Pluspunkt.

Dazu kommt, dass die Geschichte zwar sehr flach, aber dennoch weit besser ausgearbeitet ist als in beiden Vergleichstiteln. Besonders die vielen automatischen Dialoge mit den Nichtspielercharakteren erzeugen, zumindest mit englischer Sprachausgabe, mehr das Gefühl nicht alleine zu sein und wirklich einen Grund zu haben die bösen Kerak zu vertreiben. Und dank Tagebucheinträgen, die man hier und da findet, kommt sogar ein leichtes System Shock-Feeling auf und gibt dem Raumschiff, und was darin passiert ist, mehr Hintergrund.

Damit jedoch nicht der Eindruck entsteht, ich würde das Spiel einfach in den Himmel loben: Es hat durchaus einige Macken - besonders auf technischer Seite. Warum man die Fähigkeiten in der Aktionsleiste nur über die zugeordnete Taste aktivieren kann und nicht auch über einen Mausklick, muss mir mal einer der Entwickler erklären. Und auch wenn das Spiel auf einem Raumschiff stattfindet, hätte man durchaus etwas mehr Abwechslung in die immer gleichen Metallgänge bringen können. Es gibt zwar schon thematische Unterschiede in den einzelnen Bereichen und auch mal einen Teppich, aber es ist eben immer noch ein langweiliges Raumschiff mit den grauen Texturen an Wand und Boden. Und so schlecht dargestelltes Wasser habe ich seit der Veröffentlichung von DirectX 8.1 nicht mehr gesehen…

Fazit

Zusammengefasst bleibt also nur noch einmal zu betonen: Als Hack 'n' Slay ist Space Siege definitiv ein vollständiger Reinfall weil eben die wichtigen Elemente eines solchen Spiels nicht vorhanden sind. Als Topdown-Shooter für Zwischendruch ist es allerdings ein Titel mit sehr vielen sinnvollen Ergänzungen, die ich mir so auch in Shadowgrounds 3 wünschen würde - allerdings für 45 Euro dann doch etwas überteuert. Hätte SEGA das Spiel so beworben und den Preis bei 30 Euro angesetzt, wären sicher auch die allgemeinen Meinungen positiver. So wird es wohl als bisher schlechtestes Spiel von Chris Taylor in die Geschichte eingehen.[CH]

(Veröffentlicht am 28.08.2008)