Die 10 coolsten Bösewichte der Videospielegeschichte

 

Diskussion

 

Der Held steht immer im Vordergrund einer Geschichte und ist derjenige, mit dem der Spieler mitfühlen und sich identifizieren soll. Auf der anderen Seite steht der Bösewicht, ein gemeiner Fiesling. Eine Person, die der Spieler bloß nicht mögen soll. Der Spieler soll sie hassen um am Ende des Spiels eine Befriedigung zu empfinden, wenn er ihn endlich besiegt hat. Aber manchmal, ja manchmal ist der Bösewicht so gut ausgearbeitet, so facettenreich und faszinierend dargestellt, da rückt der Held in den Hintergrund und die Gegenseite übernimmt den Platz im Rampenlicht. Grund genug einen Blick auf meine ganz persönliche Liste der zehn der coolsten Bösewichte der Videospielegeschichte zu wagen:

10. Purpurtentakel (Maniac Mansion: Day of the Tentacle)
 "I feel like I could…like I could…like I could take on the world!"

Das beste Beispiel dafür, warum man die Umwelt nicht verschmutzen sollte. Wer weiß wann das nächste Tentakel um die Ecke kommt, aus einem verseuchten Fluss trinkt und plötzlich Lust auf die Weltherrschaft bekommt nur weil ihm zwei Arme wachsen. Purpurtentakel ist so ein vollkommen abgedrehtes und größenwahnsinniges Genie, dass er schon deshalb auf diese Liste gehört.

09. Kane (Command & Conquer)
"Kane... LIVES!"

Kane ist ein Idiot, der es nicht einmal schafft die Weltherrschaft an sich zu reißen. Andererseits scheint er auch ziemlich unsterblich zu sein, denn egal wie oft er anscheinend getötet wird, er taucht doch wieder auf und spielt den Frontmann seiner eigenen Sekte namens Bruderschaft von Nod.

Aber genau diese Mischung aus unbeirrbarem Größenwahnsinn und einer Spur Verrücktheit machen ihn so liebenswert, besonders im Vergleich zu den austauschbaren Militärklischees auf Seiten der GDI. Es ist einfach unmöglich den Mann mit Glatze und offensichtlichem Hang zur Gothic-Kultur ernst zu nehmen, selbst wenn man auf seiner Seite kämpft.

08. Prinz Thrakhath nar Kiranka (Wing Commander)
"She’s not only a great warrior but her lair-mate is the Heart of The Tiger!"

Eine sprechende Knuddelkatze – was soll man noch mehr zum ehemals dritten Thronnachfolger des Kilrathi Imperiums sagen? Na gut, er mag jetzt nicht unbedingt die freundlichste Knuddelkatze gewesen sein (Christopher Blair hat ihn in Wing Commer III: The Heart of The Tiger endgültig aus dem Weltraum geblasen) und hatte keinerlei Respekt übrig für die Menschheit, aber hey – jeder hat seine Fehler.

Und ja, die vielen rituellen Selbstmorde und Desintegrationen unter seiner Aufsicht als Flottenkommandant mögen etwas übertrieben gewesen sein, aber wenn er sein "furchteinflößendes" Knurren loslässt, will man ihn einfach nur auf den Schoß nehmen und das Gesicht in sein flauschiges Fell drücken.

07. Sephiroth (Final Fantasy)
"You are just a puppet... You have no heart... and cannot feel any pain."

(Beschreibung basierend auf seiner Hintergrundgeschichte, Final Fantasy VII und Final Fantasy: Advent Children - nur als Hinweis für alle Final Fanatsy-Jünger)

Sephiroth ist das, was passiert wenn jemand von seiner wahren Herkunft erfährt. Einst ein guter Soldat, hat ihn die Erkenntnis, dass er nur das Ergebnis eines Experiments ist, in ein Trauma gestürzt. Seitdem versucht er zu seiner "Mutter" zurückzukehren und eins zu werden mit dem Planeten. Selbstverständlich ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste.

Und genau diese vollkommen gleichgültige Einstellung bzw. absolute Arroganz und Überheblichkeit (und sein zwei Meter langes Katana) machen ihn zum perfekten Kontrast zum absolut ekelhaft rechtschaffenden Cloud und seinen Freunden. Als quasi unsterblicher, gefallener Engel ist jeder Kampf mit ihm nicht nur aussichtslos, sondern eine fantastische, theatralische Inszenierung mit fast schon philosophischen Dialogen aus der nur er als Sieger hervorgeht, egal wie sehr Cloud am Ende der Meinung ist er hätte es ihm gegeben.

06. Sarah Kerrigan/Königin der Klingen (StarCraft)
"Now, Protoss, you shall know my wrath. Now you will know the fury of the Queen of Blades!"

Sarah Kerrigan war als Ghost eine heiße Braut, aber nachdem sie dem Schwarm zum Opfer gefallen ist und zur Königin der Klingen wurde, ist zum Ebenbild einer Hexe geworden. Sie verwandelte sich in eine verunstalte Alienschönheit, die außer einem Teil ihres alten Körpers nichts mehr mit einem Menschen gemein hat. Eine Frau, die nur noch Hass kennt und selbst ihre eigene Brut hintergeht um ihre Ziele zu erreichen. Sie ist also zum ultimativen "Bad Girl" geworden und obwohl die Dame nun Flügel, komische insektenartige Haare und grüne Schuppenhaut hat, macht sie dieses Image perverser weise irgendwie attraktiver als je zuvor.

05. Vergil (Devil May Cry)
"Why do you refuse to gain power? The power of our father Sparda?"

Sein Zwillingsbruder Dante ist eine coole Sau - und selbst das ist noch untertrieben. Dante pinkelt sprichwörtlich Eiswürfel. Vergil hingegen hat Hirn, ist berechnend und weiß ganz einfach was er im Leben will. Das macht ihn gleich viel sympathischer als Dante. Da ist es natürlich doppelt schade, dass er unbedingt die Macht von Sparda für sich haben möchte statt seine Qualitäten für rechtschaffenere Dinge einzusetzen, aber von Dante besiegt zu werden hat er dennoch nicht verdient. Besonders weil Vergil ja nicht wirklich grundlegend Böse ist. Gut, er wird vermutlich mit Spardas Macht jetzt nicht unbedingt den Armen helfen wollen, aber er macht durchaus den Eindruck, als könnte man mit ihm reden. Außerdem sind die Duelle zwischen beiden so unglaublich cool.

Auf der einen Seite der an einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung leidende Dante und auf der anderen Seite der tatsächlich immer coole und konzentrierte Vergil. Wahrlich ein Kampf der Giganten mit lässigen Sprüchen, coolen Schwerkampfszenen und generell dem Gefühl, hier stehen zwei, die könnten gegensätzlicher und gleichzeitig nicht gleicher sein. Zwillingsbrüder eben.

04. Albert Wesker (Resident Evil)
"Today's your lucky day. Next time we meet, don't count on another..."

Ein mysteriöser Mann, von dem man nicht so genau weiß was er eigentlich macht. Ist er nur eine Spezialeinheit, die Befehle ausführt oder tatsächlich die treibende Kraft hinter der Umbrella Corporation? Fakt ist, dass er im Hintergrund die Fäden in der Hand hält und vor nichts zurückschreckt um seine Ziele zu erreichen. Wen er dafür manipulieren, hintergehen oder töten muss ist ihm vollkommen egal.

Diese Aura des Ungewissen und Mysteriösen macht ihn so interessant. Zwar ist er kein sympathischer Bösewicht mit dem man mit fiebert, aber man möchte nicht nur erfahren was der Typ als nächstes Ass aus dem Ärmel zieht, sondern auch was sich hinter der schwarzen Sonnenbrille und seiner stoischen Art wirklich verbirgt. Und ihn am Ende dann vielleicht doch endgültig für seine Taten bestrafen.

03. GLaDOS (Portal)
"Who is going to make the cake when I am gone? You?"

Eine künstliche Intelligenz mit einem fast schon kindlich naiven Blick auf die Welt oder eine ausgefuchste KI mit einer sehr sadistischen Ader. Was genau bei ihr der Fall ist, weiß man eigentlich nicht so richtig. Aber es ist auch egal, denn sie ist so freundlich und so zuvorkommend, da kann man ihr einfach nicht böse sein. Wenn ihre süße Stimme durch die Lautsprecher hallt, vergisst man gleich, dass sie einem die ganze Zeit anlügt und den Spieler nur zu ihrem eigenen Vergnügen für ein sadistisches Experiment missbraucht um ihn danach zu töten.

Sie nimmt es einem schließlich auch nicht wirklich übel, dass man sie am Ende ihrem vermeintlichen Tod zuführt. Wieso sollte man also böse auf sie sein?

02. Arthas Menethil/Der Lich-König (WarCraft)
"Succeeding you, father!"

Arthas Menethil war der totale Langweilier. Der typische "Papa, schau mal wie toll ich bin"-Typ. Aber er war nun einmal so dämlich die dämonenbesessene Runenklinge namens Frostmourne an sich zu nehmen und sich von ihr endgültig korrumpieren zu lassen um am Ende eins mit dem Dämon Ner‘zhul zu werden. Und genau ab diesem Zeitpunkt begann Arthas Menethil Aufstieg zum coolsten Bösewicht aller Zeiten.

Und das obwohl die Figur des Lich Königs weit davon entfernt ist wirklich innovativ zu sein. Stattdessen umgibt sie die klassische Fantasyaura des korrumpierten Jünglings der zum personifizierten Bösen wurde. Aber durch die gekonnte Inszenierung dieses wandelnden Klischees als ultimatives "Bad Ass" mit wenig Text, fetter Rüstung und einem, mit tiefer Bassstimme sprechendem Schwert, hat er sich leicht gegen viel mächtigere, aber eher befremdlich wirkende Kandidaten wie Kil’jaeden oder Sargeras durchsetzen können.

01. SHODAN (System Shock)
"Loo-loo-look at you hacker!"

Kleine Mädchen in roten Kleidern? Pah, japanischer Kinderkram! Wer sich wirklich erschrecken will, der braucht nur in System Shock 2 das Büro betreten, in dem angeblich die Person sitzt, mit der man sich bereits mehrere Stunden unterhält. Schon das leichte, künstliche Rauschen das plötzlich durch die Boxen drängt, lässt nicht Gutes erahnen. Und wenn dann im folgenden Monolog so langsam aber sicher die vorher klare Stimme verzehrter und künstlicher wird, die Wände verschwinden und um einen herum plötzlich ein graues Gesicht, dass an eine Frau erinnert, auftaucht und die Worte "I am SHODAN!" erklingen - dann weiß man was Furcht wirklich bedeutet.

Die emotionslose Computerstimme mit ihren Verzerrungen und ihrem leichtem Stottern, geht tief unter die Haut und erzeugt eine Mischung aus Angst und Respekt vor dieser allmächtig wirkenden künstlichen Intelligenz. Als ein Computerprogramm, das sich gottgleich fühlt und die Menschen nur als Tiere ansieht, ist sie überall während man durch die Korridore von Citadel Station und der Von Braun schleicht. Ihre zerstörerische Kraft und ihre furchteinflößenden Kreationen sind an jeder Ecke sichtbar. Zusammen mit der an sich schon verängstigenden Erkenntnis, dass man das letzte menschliche Wesen an diesen Orten ist, hängt SHODAN über einem wie ein Damoklesschwert. Jederzeit droht das Roßhaar zu reißen und jeder Satz, jedes Wort das sie wiedergibt, fährt einem durch Mark und Bein. Dabei ist sie nur eine Stimme, nur ein Bild auf den Monitoren, ein vollkommen unsichtbares und nicht greifbares Wesen. Eben eine Art Göttin. Und was kann furchteinflößender sein als die Erkenntnis, dass man im Vergleich zum Gegner nur ein kleines, unbedeutendes Licht ist und er einem zu jedem Zeitpunkt auslöschen könnte.[CH]

(Veröffentlicht am 06.10.2008)