Sicarius

Spiel mich!

Letzten Dienstag ( 08.07.08 ) hat K&M Elektronik mein Mainboard zu Gigabyte (Vorsicht: Browserkillendes Flashfilmchen auf der Startseite) geschickt. Und obwohl das nun ein Hauptsatz und kein Nebensatz war, kommen wir so gleich zu unserem heutigen Thema in Form von zwei „Angespielt“-Berichten (eigentlich schon fast komplette Tests aber ich war zu faul zum überarbeiten ;) ):

Nr. 47 – Rune (Screenshots)

Tomb Raider mit Schwertern wäre wohl die einfachste Weise um Rune zu beschreiben. Jedoch würde es weder Lara Croft noch Ragnar wirklich gerecht werden. Aber um was geht es überhaupt?

Ragnar ist Wikinger und hat heute seinen großen Tag, denn er wird endlich zu einem echten Krieger geweiht. Leider währt die Freude nur kurz, denn der Wikinger Conrack entscheidet sich einen Pakt mit dem Gott Loki einzugehen und zieht nun brandschatzend durch Asgard. Ragnars Dorf kann da natürlich nicht untätig zu sehen und läuft auf einem Drachenboot aus um benachbarte Siedlungen zu unterstützen. Leider begegnen sie Conrack und der versenkt das Schiff kurzerhand. Und damit ist das Spiel auch schon vorbei.

Nein, natürlich nicht! Der Gott Odin, Vater von Loki, erwählt Ragnar um Asgard zu retten und verschont ihn davor zu ertrinken. Ab jetzt beginnt Ragnars Rachefeldzug gegen Conrack durch 44 Level in denen er sich mit allerlei Schwertern, Äxten und Hämmern durch Goblins, Zombies, Zwerge und Anderes metzelt. Gesteuert wird Ragnar dabei, wie Lara Croft, aus der dritten Person. Und wie Lara Croft kann sich Ragnar auch an Felssprüngen hochziehen oder muss kleinere, unkomplizierte Schalterrätsel lösen.

Vollkommen linear geht es also durch die Heimat der Göttin Hel (gleichzusetzen mit der Hölle), über das zerstörte Thorstadt hinab in die beeindruckende Zwergenstadt in den Bergen von Nordri bis Ragnar endlich am letzten Runenstein in seinem Dorf den Oberbösewicht Conrack stellen kann. An Gegner und Umgebungsvielfalt mangelt es dem Spiel also auch nicht.

Auch die Ausstattung an Waffen, Schildern und Rüstungen ist oberflächlich betrachtet beachtlich. In der Praxis wechselt jedoch Ragnar automatisch in ein cooleres Outfit sobald er bestimmte Stellen im Spiel erreicht und in den drei Waffenkategorien verwendet der Spieler meistens nur die derzeit beste. Schilder werden hingegen dauernd gewechselt da sie beim Parieren Schaden nehmen und schlimmstenfalls mitten im Kampf auseinander fallen. Da heißt es immer ein vollständiges Schild aufzusammeln und zu nutzen. Ob es sich dabei um ein kleines Wikingerrundschild oder ein ausgewachsenes Römerschild handelt, ist für das Spiel egal.

Etwas Taktik bringt jedoch die Runenmagie in die Konstellation, denn jede Waffe ist mit einem Spruch verbunden. Führt Ragnar also das Wikingerbreitschwert, kann er den Vampirismusspruch (zieht Gegnern bei Treffern Leben ab) aktivieren. Die Spezialfähigkeit der dicken Zwergenkriegsaxt ist hingegen die Erhöhung des ausgeteilten Schadens. So ist es in manchen Situationen tatsächlich besser eine schlechtere Waffe auszuwählen, die dafür einen mächtigen Spruch auslöst. Da die Runenmacht sich jedoch nicht automatisch regeneriert und die dazugehörigen Auffüllrunen eher sporadisch in den Levels verteilt sind, kämpft man die meiste Zeit nur mit den normalen Waffen. Nur in äußersten Notfällen greift man dann auf die mächtigen Zauber zurück.

Die Kämpfe sind dabei nicht ganz so ausgereift wie die Schwertkämpfe in Knights of the Temple II oder Jedi Outcast. So gibt es keine wirklichen Kombos und auch genau zielen kann man nicht. Das ist insbesondere zu Beginn in Hel ein größeres Problem. Die Zombies dort bleiben nämlich nur endgültig am Boden liegen, wenn sie geköpft werden und mit dem Wikingerkurzschwert kann dies durchaus einige Zeit dauern bis Ragnar endlich so zuschlägt, dass er den Hals erwischt. Erst sobald der Spieler das römische Schwert findet, geht die Sache schneller und leichter von der Hand. Dank abtrennbarer Körperteile und einer durchaus intelligenten KI machen jedoch besonders die Kämpfe gegen andere Wikinger sehr viel Spaß und sind mitunter äußerst anspruchsvoll.

Grafisch arbeitet im Hintergrund eine modifizierte Version der Unreal Tournament-Engine und sieht dank dieser auch noch durchaus ansehbar aus und läuft auch auf modernen PCs ohne Probleme (dank des Kommandozeilenbefehls „-cpuspeed=2000“). Zwar sind die Texturen sehr verwaschen und der Levelaufbau äußerst kantig, aber die Animationen der Charaktere sind gelungen und die Lichteffekte können sich auch heute noch sehen lassen. Zwei Levelabschnitte sehen auch besonders beeindruckend aus, da sie einen spiegelglatten Boden bieten. Dieser zieht zwar massiv an der Performance, bietet dafür aber einen wahnsinnig beeindruckenden Anblick.

Gegen andere Spieler darf man sich natürlich auch messen, aber obwohl es auch noch ein paar Server von anderen Spielern bevölkert werden, läuft dort eigentlich nur das eigenständige Multiplayeraddon Rune: Halls of Valhalla. Nur mit dem Hauptspiel ausgestattet, darf man diese nicht betreten. Wer also am liebsten Kameraden schnetzeln möchte, sollte dazu greifen.

Abschließend bleibt eigentlich nur festzuhalten, dass Wikinger einfach cool sind und es schade ist, dass es vor allem für den PC viel zu wenige Schwertschnetzler gibt (ich will ein neues Jedi Knight oder Knights of the Temple!). Aber auch die Hintergrundgeschichte weiß zu gefallen und hält bei der Stange. Am Ende gibt es sogar noch die Möglichkeit das Ende durch seine Taten leicht zu beeinflussen – auch wenn die Alternative technisch gesehen als „Game Over“ gilt. Zusammengefasst hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht mich rund 12-15 Stunden mit Ragnar zu vergnügen, auch wenn besonders der Kampf noch viel besser hätte umgesetzt werden können.

5 von 5 Sics

Nr. 48 – Aliens vs. Predator 2 (Screenshots)

Nach dem Überraschungserfolg von Rebellions Aliens vs. Predator anno 1999, war ein Sequel natürlich Pflicht. Aber aus diversen Gründen sollte das Sequel nicht mehr bei Rebellion entstehen. Stattdessen verpflichtete Sierra Entertainment, unter der Aufsicht von Fox Interactive, das erfolgreiche Entwicklerstudio Monolith Productions. Und unter Verwendung der zweiten Version ihrer hauseigenen 3D-Grafikengine LithTech namens Talon, erschien am 21.11.2001 Aliens vs. Predator 2.

Das Spiel erzählt die Geschehnisse auf dem Planeten LV1201. Dort hat die Weyland-Yutani Gesellschaft einen Forschungsaußenposten gebaut als alte Alienruinen entdeckt wurden – und ein paar Alieneier. Wie so oft, können die Wissenschaftler auch dieses Mal nicht die Finger davon lassen und beginnen ein künstliches Aliennest zu bauen und zu beobachten. Selbstverständlich geht die Sache gründlich schief und selbst die angeheuerten Söldner unter der Leitung eines äußerst unsympathischen russischen Generals sind überfordert. Nun kommt eine Gruppe Marines zu Klärung der Situation auf dem Planeten an, während gleichzeitig auch die Predators eine Mannschaft auf dem Planeten absetzen um ihn von der Brut zu säubern. In drei, ungefähr gleichzeitig ablaufenden, Kampagnen, erlebt der Spieler nun die folgenden Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven.

In der ersten Kampagne schlüpft er in die Rolle von Lt. Harrison, seines Zeichens Marine an Bord der USS Verloc. Seine Kampagne spielt sich wie ein normaler Shooter. Mit verschiedenen Waffen, wie dem aus den Filmen bekannten Maschinengewehr (inkl. dem gleichen Sound) oder einem Flammenwerfer und später sogar mit einem Exoskeleton, kämpft dieser hauptsächlich gegen die Aliens. Wobei in dieser Kampagne der Horror mehr im Vordergrund steht. Die Kämpfe sind meist weit auseinander und auch weniger gegen große Massen an Gegnern sonder mehr gegen vereinzelte, kleine Gruppen. Vor allem, so gut man als Marine auch mit Feuerkraft ausgestattet sein mag, das Säureblut der Aliens kann im Nahkampf immer noch sehr böse Löcher hinterlassen. Viel intensiver ist aber das Erlebnis zwischendrin.

Während der Spieler durch die meist dunklen Korridore läuft um sein nächste Ziel zu finden (meist ein Schalter), durchbricht nur das gleichmäßige Scangeräusch des Bewegungsmelders die Stille. Und da der Scanner nur den vorderen Bereich abdeckt, dreht man sich immer mal wieder nervös um. Jedes Geräusch lässt einen aufschrecken. Gott bewahre wenn der Bewegungsmelder anspricht und ein weißer Punkt erscheint. Da ist Panik nicht mehr weit entfernt. Spannung pur also und eine wahnsinnig dichte Atmosphäre. Die Marines-Kampagne lebt vollständig von den erzeugten Angstgefühlen und spielt sich deshalb am besten, wenn man alleine im abgedunkelten Zimmer sitzt.

Nach Harrison darf dann der Predator ran. Als Führer seines Clans kam er eigentlich hierher um der Alienbrut den Gar auszumachen, aber im Laufe des Spiels klaut ihm der Herr General seine Maske und ab diesem Zeitpunkt steht dieser auf der Abschussliste an der obersten Stelle.

Der Predator ist mehr dominant und schlachtet alles ab, was ihm in die Wege kommt – egal ob Mensch oder Alien. Besonders fies ist, dass er seine Gegner gezielt Köpfen kann (zum Beispiel mit der Speerkanone). Diese Köpfe sammelt er dann als Trophäen auf. Welchen Zweck diese haben, konnte ich jedoch nicht ergründen. Bei jedem Levelwechsel wird der Zähler zurückgesetzt und ich konnte auch keinen „führe Spezialmanöver aus“-Knopf finden. Aber auch so ist es ganz lustig etwas genauer zu zielen.

Die Spielweise ist, dank Tarnvorrichtung, dabei eher Splinter Cell-orientiert. Also durch die Gegend schleichen und aus der Ferne oder von hinten töten. Im späteren Spielverlauf, sobald der Predator seine Plasmakanone gefunden hat, werden die Aliens jedoch zahlreicher und es geht nur noch darum alle so schnell wie möglich wegzublasen. Dank der drei verschiedenen Sichtmodi (einen für Menschen, einen für Aliens und einen für Predator, den ich im ganzen Spiel nicht gebraucht habe) und der automatischen Zielfunktion ist das aber auch kein großes Problem.

Die meiste Zeit läuft man deswegen auch entweder in der Thermalsicht (blau) oder in der EM-Sicht (rot) herum und sieht deshalb nicht viel von der, eigentlich auch heute noch ganz ordentlichen aber eckigen, Grafik. Aber dafür macht es auch viel Spaß mit dem, sehr übermächtigen, Predator durch die Gegend zu streifen und Trophäen zu sammeln.

Die dritte und schwierigste Kampagne dreht sich logischerweise um das Alien und beginnt über einen Tag bevor die Marine-Kampagne losgeht. Das besonders innovative daran ist, dass die komplette Evolution eines Aliens durch macht. Im ersten Level gilt es also als Facehugger ein geeignetes Ziel zu finden um sich dann in ein kleines Alien zu verwandeln. In dieser Form muss der Spieler dann lange genug überleben um sich in eine ausgewachsene Drohne zu verwandeln. Bedauerlich ist ets, dass man als Facehugger aufgrund des linearen Levelaufbaus eigentlich keine wirkliche Wahl hat. Die einzige Person, die man gefahrlos angreifen kann, ist die letzte Person im letzten Raum des Levels.

Andererseits dient der Level auch mehr dem Training, denn das Alien kann bekanntermaßen an fast allen Oberflächen entlang laufen. Das führt, trotz hilfreicher HUD-Anzeigen, doch sehr oft zu einem Moment der extremen Orientierungslosigkeit, ist aber dafür richtig cool. Gewöhnungsbedürftig sind auch etwas die Angriffe des Aliens, denn der Spieler sieht die Umgebung quasi aus dem Kiefer heraus. Bei einem Angriff schießen also an einem die Zähne vorbei und man ist mitten im Geschehen. Besonders in den extremeren Situationen, z.B. wenn man als Alien von der Decke aus einem Soldaten den Schädel zerfetzt, kann dies durchaus auf den Magen schlagen.

Selbstverständlich bietet das Spiel aber auch einen Multiplayermodus und dieser ist, ein wenig überraschend, immer noch äußerst gut besucht. Dank der drei verschiedenen aber sehr gut ausbalancierten Teams (Marines, Alien, Predator), macht es aber auch immer noch großen Spaß sich in den unterschiedlichen Spielmodi zu messen. Leider sind die Pings teilweise sehr hoch (bei allen) und auf vielen Servern sind lustige Waffen wie der Flammenwerfer standardmäßig gebannt.

AvP 2 ist also drei Spiele in einem. Jede Kampagne dauert zwar nur rund sechs Stunden, bieten dafür aber massig Abwechslung und Spannung pur. Und dank der sehr aktiven Onlinecommunity, wartet auch noch der Multiplayermodus auf den geneigten Spieler. Wer also noch nicht in den Genuss dieses Titels gekommen ist, sollte mal bei einem Händler seines Vertrauens in der Budgetecke suchen. Viele verkaufen das Spiel noch heute für einen Zehner oder weniger.[CH]

5 von 5 Sics

Und mit diesen ausführlichen Berichten zu zwei Klassikern, gebe ich ab bis Donnerstag!

PS: Ich habe einen Presseausweis für die Games Convention erhalten! *freu*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »