Miro

Tag 99 im Gerauer Knast

Liebes Tagebuch,

heute hat die Aufseherin ihr Kunstfell komplett abgeworfen. Anschließend hat sie unheimliche Dinge in dem kleineren Raum mit den Vierecken an den Wänden getan. Zuerst bearbeitete sie ihre Beine mit einem kleinen surrenden Kasten. Der machte ein brummendes, absolut gruseliges Geräusch. Die bunte und etwas unfreundliche Madam – sie nennen sie Lyssi -, hat ihr dabei Gesellschaft geleistet. Kennt diese Frau denn gar keine Angst? Sie hat sich sogar noch munter mit der Aufseherin unterhalten. Vielleicht über neue Tipps, wie sie mich einfangen und dann anfassen könnten?

Als nach gefühlt Stunden dann endlich das eklige Brummen abgestellt wurde, kam allerdings keine Erholung. Stattdessen wurde es so furchtbar, dass selbst Lyssi auf Abstand ging. Dieses gewaltige Wasserrauschen konnte ich nicht ertragen. Immerhin war es nur eine nervenaufreibende Geräuschkulisse und wir mussten ihr nicht auch noch dabei zusehen. Die Aufseherin zog sich stattdessen hinter einen Vorhang zurück.

Erst nach einiger Zeit kam die große Nacktkatze pitschnass wieder zum Vorschein und rubbelte sich mit irgendwas trocken. Bis die wieder gut riecht, wird es einige Zeit dauern. Wieso können die das nicht ganz normal machen, wie wir alle Vierbeiner hier im Haus?

Mein Blitzerfoto

Sie ging zurück in das Zimmer mit dem Bett und ihrem Kunstfell. Das hatte sie auf einem Brett oder sowas abgelegt, ignorierte es aber und legte sich stattdessen ins Bett. Leider erkannte ich zu spät, was ihre wahre Absicht war und die Falle schnappte zu.

Das Kunstfell roch einfach zu gut!

Und ehe ich mich versah, lag ich völlig berauscht mitten drin und ergötzte mich an den Düften – bis ich mich plötzlich im freien Fall befand. Unzählige Minuten, nein Stunden fiel ich hinab in die Tiefe. Miauseidank fiel das Kunstfell mit mir und ich landete nicht auf dem harten Boden, sondern weich in meinem Drogennest. Ich konnte also sofort weiterschnüffeln – zumindest solange, bis die Aufseherin wieder einen Versuch startete mich zu fangen und ich durchstarten musste.

Es war ein raffinierter Versuch von ihr, mich mit dem Kunstfell anzulocken. Aber so benebelte werde ich niemals sein, um nicht rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Niemals!!!

PS: Sie machen immer noch diesen Laut in meiner Nähe, der wie “Miro” klingt. Keine Ahnung warum.