Hello Kitty Online

 

Preview

Diskussion

Schon lange ist Hello Kitty Online in Entwicklung, und auch wenn ich es zu Beginn mehr aus Witz näher verfolgt habe, glaube ich mich doch mittlerweile reif genug um zu sehen, dass es durchaus einen Sinn und vor allem einen Markt für solche Produkte gibt – so sehr mich dafür auch einige belächeln. Dabei ist das Problem des Titels nicht einmal, dass er Pink und kinderfreundlich ist. Denn ich muss ehrlich zugeben, und ich hätte nie gedacht dass ich das jemals sagen würde, dass ich von dem, was ich bislang von Hello Kitty Online gesehen habe, schon enttäuscht bin. Nach der Vorberichterstattung hatte ich irgendwie mehr erwartet. Natürlich kann man einschränken, dass es "nur" eine Betaversion ist, aber zum einen ist es bereits die vorletzte Betaphase (die offene Beta steht schon vor der Tür) und zum anderen zeigt die Erfahrung, dass einige der folgenden Negativpunkte garantiert nicht bis zum Release behoben werden.

Bevor wir damit aber einsteigen, noch kurz die Rahmenbedingungen, um mein Geschreibsel in einen Kontext setzen zu können: Ich bin derzeit im Hauptlevel auf Stufe 11 (Maximallevel nicht bekannt) und habe bereits begonnen meine kleine Farm zu bewirtschaften. Außerdem habe ich zwei Hauptstädte (Florapolis und Londan) besucht und rund sieben Questzonen von oben bis unten durchgearbeitet. Wie in jedem MMO also noch nicht wirklich viel – dennoch bereits genug für einen ersten Eindruck:

Los geht’s!

Zu aller erst fällt natürlich die technische Seite auf. Eine stimmig gezeichnete 2D-Welt mit einer festen Auflösung von 800x600 und Animationen die aus maximal sechs Bildern bestehen. Dazu kommt die völlige Abstinenz jeglicher Sounds und eine Hintergrundmusik, die zwar in jeder Zone unterschiedlich und durchaus nett anzuhören ist, sich aber bereits nach 1-2 Minuten anfängt zu wiederholen. Dazu kommt eine Kamera, die viel zu nah am Geschehen ist und ein Interface, dass bei dieser Auflösung nur noch als riesig bezeichnet werden kann (besonders bei vollem Chatfenster). Alles Aspekte, bei denen selbst ein Casual Gamer mehr erwarten darf.

Der nächste Schock folgt dann in der Charaktergenierung bei der es so viel unterschiedliche Auswahl an Frisuren und Gesichtern gibt, dass bereits nach dem Einloggen Erinnerungen an eine Armee von Sturmtruppen wach werden. Eigentlich eine Schande für ein Spiel, bei dem es hauptsächlich um die Identifierung mit dem eigenen Charakter geht. Erst nach dem Startgebiet beginnt es sich so langsam durch die vielen unterschiedlichen Klamotten das Problem etwas aufzulösen. So gibt es nicht nur eine größere Anzahl an Hemden, Schuhen oder Zauberstäben (die einzige Waffe im Spiel), sondern auch reine Verzierungen wie Schmuck oder Brillen. Es gibt auch einen Frisör mit einer größeren Auswahl an Frisuren, zu denen die Entwickler sicher auch noch einige hinzufügen werden. Die Frage ist dabei allerdings: kostenlos oder kostenpflichtig.

Ein, derzeit inaktiver, Button im Menü mit dem  Namen "Item Mall" lässt da eher letzteres vermuten. Ob das eigentliche Spiel kostenlos sein wird oder wie andere MMOs auf Abobasis funktioniert, ist zwar noch nicht bekannt, aber die Möglichkeit eines Micropaymentdienstes ist besonders bei der angepeilten Zielgruppe vermutlich nicht gerade ein zu verachtender Punkt. Das will ich dem Spiel natürlich nicht ankreiden, aber interessierte Eltern, die ihre Kinder vielleicht mit dem Titel beschäftigen wollen, sollten besonders auf diesen Aspekt achten bevor die Kreditkartenrechnung plötzlich etwas höher ausfällt.

Komfort? Wosn‘ des?

Bevor man sich jedoch darüber Gedanken macht, geht es erst einmal ins eigentliche Spiel und auf Wunsch in ein Tutorial. Daran besonders nett ist, dass der Spieler hier bereits in den Kontakt mit den wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Welt von Hello Kitty kommt – inklusive Kitty White herself. Das ist jedoch auch der einzige positive Aspekt. Der Rest besteht aus rechteckigen Räumen mit zwei oder drei der Figuren, die in langweiligen Textdialogen vortragen wie das Spiel funktioniert. Ein nicht gerade gelungener Einstieg, andererseits gibt es im MMO-Bereich nicht gerade viele Titel die überhaupt ein Tutorial bieten und wenn man das Tutorial durchgearbeitet hat, sind tatsächlich die wichtigsten Funktionen bekannt um sie direkt im Startgebiet namens "Sanrio Harbor" umzusetzen. Hier fällt einem dann direkt das Chatsystem ins Auge, dass besonders umständlich und auch noch stark verbuggt daherkommt.

So gibt es unter anderem keine Slash-Commands um Emotes auszuführen oder schnell den aktuellen Chatkanal zu wechseln. Viel mehr muss dies alles umständlich manuell getan werden, was besonders im Falle des Chatkanals  öfters als gewollt dazu führt, dass man mit den falschen Leuten spricht. Außerdem sind Chat und Kampflog zwar ein getrenntes Fenster, aber nur entweder der Chat oder das Kampflog sichtbar und niemals beides gleichzeitig. Ganz nett ist hingegen, dass bei einer privaten Unterhaltung der Avatar des Gegenübers angezeigt wird -blockiert jedoch wieder einen großen Teil des sowieso schon kleinen Ausschnitts der Spielwelt.

Grinding

Der nächste große Negativpunkt sind die Quests. Man merkt dem Spiel ganz klar seine asiatische Herkunft an, denn es ist ein stupider Chinagrinder. Zuerst wird man beauftragt 30 Pflanzen zu sammeln und dann? Bearbeite einfach noch einmal die gleichen Pflanzen, nur bringe mir dieses Mal etwas, dass nur alle 100 Pflanzen gefunden wird. Zwar ist die Konstellation nicht immer so, aber 99% der bisherigen Quests beinhalten die Aufgabe entweder etwas zu töten und davon einen Gegenstand 20-30mal zu nehmen, oder eben einen Baum zu fällen/durch Matsch zu wühlen um 20-30mal einen bestimmten Gegenstand zu erhalten. Da kommt es einem schon fast sarkastisch vor, wenn die Prinzessin im Wald meint "Also es tut mir ja unendlich leid dich noch einmal belästigen zu müssen, aber ich brauche die Muscheln nun einmal.". Zum Glück fallen die Gegenstände immer, nicht nur wenn man gerade den Quest bearbeitet. Deshalb immer alles aufheben was man findet bis die aktuelle Zone komplett abgearbeitet ist!

Das Kampfsystem macht die ganze Sache auch nicht schöner, denn es bietet keinerlei taktischen Anspruch und besteht nur daraus einen Gegner anzuklicken und dann zu warten bis er oder der Spieler tot umfällt – pardon, sterben tut in der Welt von Hello Kitty natürlich niemand. Die Gegner werden nur kurz benommen und stehen nach einer kurzen Zeit wieder auf und der Spieler erscheint, ohne jegliche Bestrafung, einfach wieder in der letzten Stadt. Aber natürlich ist nicht alles im Lande der süßen Katze aus Sicht eines passionierten MMO-Spielers schlecht.

Die schönen Seiten

Besonders die Zonenkarte ist vorbildlich gelöst mit der Möglichkeit sich NPCs, andere Spieler, Händler und ähnliches anzeigen zu lassen. Und auch die Questbeschreibungen sind in dieser Hinsicht gut gelöst, denn man weiß so gut wie immer wo man hin muss, was man tun soll und wo der Questgeber steht. In der aktuellen Version gibt es zwar noch ein paar Übersetzungsfehler, oder ganze Quests die noch in Japanisch sind, aber das wird ganz sicher noch bis zur Veröffentlichung behoben. Eine deutsche Version erscheint unter diesen Gesichtspunkten allerdings noch in weiter Ferne, soll jedoch auf jeden Fall erscheinen.

Auch vorbildlich gelöst sind die unterschiedlichen Berufe, unterteilt in Ressourcensammeln wie Holz hacken und produzierendes Gewerbe in Form von schneidern oder kochen. Hochleveln kann der Spieler alle, muss jedoch zusätzlich noch Bücher kaufen oder als Questbelohnung erhalten um die Rezepte für die einzelnen Gegenstände zu erhalten und Werkzeuge kaufen. Und um das ganze Handwerkssystem abzurunden, gibt es auch noch die kostenlose Möglichkeit sich eine eigene Farm zuzulegen.

Das Bäuerlein
Abgelegen in einer eigenen  Zone darf dort allerlei Sinnvolles und auch Sinnfreies gepflanzt und gepflegt werden. Es ist sogar möglich die Farmen anderer Spieler zu besuchen und zu schauen was die so dort treiben. Dabei ist die Sache nicht so, dass man einfach einen Samen kauft und ihn auf das Feld wirft. Viel mehr hat jeder Samen bestimmte Ansprüche daran wie gut der Boden gedüngt ist bevor er gepflanzt werden kann und auch danach muss er überwacht werden, um dann nach einiger Zeit endlich Früchte wie Erdbeeren zu tragen. Und auch für diesen gesamten Vorgang erntet man Erfahrungspunkte, die den eignen Ernteskill nach oben und so stark motivieren weiter zu machen. Später soll es auch noch möglich sein Häuser zu bauen und einzurichten, diese Funktion ist jedoch in der aktuellen Version noch deaktiviert.

Und während man darauf wartet, dass sein Getreide wächst, kann man sich die Zeit mit einer großen Anzahl von Minispielen vertreiben. Diese sind nicht unbedingt anspruchsvoll und bewegen sich im Rahmen von simplen Kombinier- und Tastendrückspielchen, können dafür aber auch zusammen bzw. gegen andere Mitspieler gespielt werden. Womit wir den stärksten Aspekt des Spiels ansprechen: die Communityfeatures

Spielend Bloggen
Nicht nur lassen sich zu jedem Charakter auf Wunsch detaillierte Informationen hinterlegen, was natürlich auch ein Datenschutzproblem sein kann, es ist auch möglich Videos aufzunehmen und diese direkt vom Spiel heraus auf die dazugehörige Webseite bei SanrioTown hochzuladen. Genauso kann der geneigte User direkt auf seinen eigenen Blog zugreifen und Einträge veröffentlichen. Aber nicht nur das Veröffentlichen ist voll ins Spiel integriert, auch das Anschauen von Blogs und Videos eines andere Spielers ist zu jeder Zeit mit nur zwei Klicks möglich ohne das Spiel zu verlassen. Der eigene Avatar setzt sich dann in der Spielwelt auf den Boden und eine kleine Weltkugel erscheint über seinem Kopf um den anderen zu zeigen, dass dieser Spieler gerade surft.

Und auch im Spiel ist die Community sehr hilfsbereit und freundlich. Natürlich gibt es auch hier den ein oder anderen Störenfried, der meint er wär der Beste, aber die Communitybetreuung ist, zumindest in der Beta, sehr vorbildlich. Mehrere Gamemaster sind zu jeder Zeit online und bewegen sich sichtbar durch die Spielwelt um dort in kürzester Zeit zu helfen wo Not am Mann ist und Fragen aller Art zu beantworten. Wenn dieser Aspekt nach der Veröffentlichung beibehalten wird, muss man sich noch einmal weniger Sorgen um sein Kind machen.

Fazit
Sagen wir es wie es ist: Hello Kitty Online ist ein dämmliches Grindfest. Spieltiefe kleiner gleich null. Andererseits bin ich aber auch nicht die Zielgruppe des Spiels. Natürlich macht es mir bis zu einem gewissen Grad schon Spaß, aber ich merke trotzdem an allen Ecken und Enden wie ich Dinge vermisse, die ich aus den "großen" MMOs kennen und lieben gelernt habe. Für junge Damen, junggebliebene Frauen und Männern mit femininen Tendenzen ist der Titel aber wohl trotz seiner vielen kleinen und großen Fehler ein Geheimtipp, denn es lohnt weiter zu beobachten. Wie Animal Crossing bietet er zwar nicht ein wirklich tiefgründiges Spielerlebnis, ist dafür aber eine genauso freundliche und liebevolle Welt, in der man sich und seine Kinder ohne Sorgen verlieren kann – und das ist doch auch mal nett.[CH]

(Veröffentlicht am 12.10.2008)