Sacred

 

Preview

Beta 0.95.4.1

"Hier riecht es nach Tod & Verderben. Ich bin bestimmt in der N√§he einer Stadt!" schimpft die Waldelfin, als sie √ľber die Br√ľcke nach Sch√∂nblick reitet. "Aber um mein gro√ües Ziel zu erreichen, muss ich Kompromisse eingehen!". Kurz zuvor hat sie schon ein paar Dunkelelfen und W√∂lfe mit dem Tod zusammengebracht und die erste neue Stufe erreicht. In Sch√∂nblick soll sie nun einen Hauptmann treffen aber Zeit zum Einkaufen (Frauen eben) und f√ľr Nebenquests ist jetzt auch.

Herzlich willkommen in der Welt von Ancaria. Einer Welt in der billige Goblinhilfsarbeiter tierisch Mist bauen und dadurch das B√∂se in die Welt der Sterblichen lassen - in die Welt von Sacred, dem kommenden Actionrollenspiel und potentiellen Diablo-Killer oder zumindest "Wartezeit auf Diablo 3"-Verk√ľrzer. Ab 26.02.2004 wird euch Ascaron in diese Welt einladen.

"Was alles bei einer Beschwörung schief laufen kann" oder die Story

Die Geschichte von Sacred ist schnell erz√§hlt. Ein ziemlich ausgehungert aussehender, dunkler D√§monenbeschw√∂rer will mal wieder seinem Job nachgehen. Da er aber anscheinend ziemlich gut bei Kasse ist, l√§sst er die Vorbereitungen von billigen Goblinhilfsarbeitern ausf√ľhren. Und nat√ľrlich kommt es wie es kommen muss (sonst h√§tte das Spiel ja keine Story): einer der Goblins baut beim Verstreuen des Zauberpulvers Mist und kaum ist der beschworene D√§mon anwesend, haut der auch schon auf den Putz. Nachdem er den D√§monenbeschw√∂rer zu Mittag gegessen hat, holt er ein paar Kumpels aus der anderen Dimension. Ab sofort hat Ancaria ein kleines Problem mit schlecht gelaunten Zauberern, vielen Goblins, haufenweise Orks und so manch anderem Gez√ľcht aus der normalen Welt und der H√∂lle.

An dieser Stelle kommt der Spieler ins Spiel. Denn wie so oft in Fantasywelten gibt es nat√ľrlich nur einen Freiwilligen, der gegen schlechte Bezahlung die Welt vom B√∂sen befreit.

Aber bevor man durch den Ancarianischen Zoll darf, muss man sich erst √ľberlegen, was man eigentlich zu verzollen hat. Anzubieten sind hier sechs grundverschiedene Charaktere: ein muskelbepackter Gladiator, eine gut aussehende Seraphim, eine arrogante Waldelfin, ein Kampfmagier, ein Dunkelelf mit Hautproblemen und eine Vampirin mit den √ľblichen guten Z√§hnen. Jeder Charakter spielt sich v√∂llig anders und besitzt andere Kampfk√ľnste. Wo die Waldelfin mit ihrem Bogen 'Mehrfachschu√ü' oder 'Explosionspfeil' einsetzt, kommt der Kampfmagier mit seinem 'Meteoridenhagel' oder 'Feuerball' durch. Auch die Sprachausgabe ist bei allen Charakteren v√∂llig verschiedenen. Jeder Charakter hat seine eigene (prominente) Stimme. Der Gladiator bekam sie von Manfred Lehmann (Syncronsprecher u.a. von Bruce Willis) geliehen, der Dunkelelf von Martin Kessler (Nicolas Cage), die Vampirin von Franziska Pigulla (Gillian Anderson).

Auch das Sprachverhalten variiert je nach Charakter. Zum Beispiel hat die Waldelfin einen leichten Hass auf Städter und lässt es den Spieler auch bei jeder Gelegenheit wissen, wie man am Eingangszitat erkennen kann.

Zudem ist der Startort des Spiels bei allen Charakteren völlig unterschiedlich. Der Gladiator fängt logischerweise in der Arena an und die Vampirin erwacht stilecht zwischen einigen Särgen in einer verlassenen Villa.

"Metzeln, Metzeln, Metzeln" oder das Spiel

Den Begriff ‚ÄěDiablo-Killer‚Äú habe ich nicht nur wegen des Hypes der Spielemagazine gew√§hlt. Er erspart mir auch einiges an Erkl√§rungsarbeit.

Wie in Diablo ist das Grundprinzip von Sacred das Abschlachten von Monstern, Untoten und haufenweise Menschen - das geht nebenbei gesagt bei aktivierter Gewaltdarstellung nicht gerade blutleer ab -, das Einsammeln von Items, das L√∂sen von Quests und nat√ľrlich am wichtigsten: das hochleveln des Charakters, bis er die Gegner nur noch anschauen muss, damit sie sterben. Allerdings macht Sacred vieles anders und hat auch massig frische Ideen dabei. Damit ich jetzt den Rahmen des Previews nicht sprenge (und ich auch noch Sachen f√ľrs Review habe) hier nur die wichtigsten Dinge:

"14 Stunden gespielt und immer noch nur 12%?" oder Ancaria ist groß

Diablo 2 war eine viergeteilte, jeweils in sich abgetrennte Spielwelt (m√§√üiges Klima, W√ľste, Dschungel und H√∂lle), Sacred ist eine riesige Welt mit mehreren Klimazonen, die wie in der Realit√§t einfach ineinander √ľbergehen. Da kommt z.B. erst ein St√ľck Steppe, bevor man in die totale W√ľste kommt oder es sind zuerst nur vereinzelte Schneeflecken zu finden, bevor man dann auf meterdickem Eis wandelt. Die ganze Karte ist ab Spielbeginn begehbar und die gr√∂√üte Spielwelt, die man sich vorstellen kann. Folgt man haupts√§chlich dem Hauptquest, der total verwinkelt von einer Ecke in die andere und wieder zur√ľckf√ľhrt, hat man am Ende des Spiels maximal 15% der kompletten Welt erkundet. Hier kommt auch das wichtigste Feature von Sacred zu tragen: das Pferd. Sobald man in Sch√∂nblick angekommen ist und ein wenig Gold im Beutel hat, kann man sich den ersten Klepper zulegen. Damit w√ľrde Ben Hur zwar keinen Blumentopf gewinnen, es geht mit ihm aber allemal schneller als per pedes. Im weiteren Spielverlauf kann man dann sein Pferd 'aufr√ľsten' oder durch ein neues, besseres ersetzen. Mit seinem Gaul kann man fast √ľberall hin, nur an H√∂hlen- und H√§usereing√§ngen steht anscheinend ein Schild: 'Wir m√ľssen drau√üen bleiben'. Ansonsten wird man wohl nie absteigen, da man auch so alles erledigen kann (K√§mpfen, Items einsammeln etc.); teilweise sogar noch besser, da einige Kampfk√ľnste nur vom Pferd ausf√ľhrbar sind.

Kommen wir nun zur wichtigsten Sache:

"Metzeln...schön und gut: aber wie?" oder die Kämpfe in Sacred

Wie kann man nun seinen Gegnern wirkungsvoll begegnen? Neben den √ľblichen Mitteln wie Bogen, Schwerter, Keulen etc. stehen dem Spieler in Sacred charakterabh√§ngige Kampfk√ľnste zur Verf√ľgung, die man als eine Art Special-Moves bezeichnen kann. Special-Moves findet man im Laufe des Spiels oder bekommt sie als Belohnung f√ľr erledigte Quests. Zus√§tzlich hat man nun noch die M√∂glichkeit diese Moves zu Combos zu kombinieren, dies geschieht bei einem Kombomeister. Als Waldelfin kann man z.B. folgenden Combo erstellen: Zuerst soll die Kampfkunst 'Hast' (man wird schneller) ausgef√ľhrt werden, daraufhin der Mehrfachpfeil und als kr√∂nender Abschluss noch den Explosionspfeil dazu. Aktiviere ich die Combo dann im Kampf, aktivieren sich die Kampfk√ľnste in dieser Reihenfolge und die Waldelfin schie√üt (je nach Stufe) mehrere Explosionspfeile auf einen Gegner auf einmal ab und ich kann danach gleich noch schnell ein paar normale Pfeile hinterher schie√üen, da ich ja Hast aktiviert habe. Die Kampfk√ľnste und Waffen kann man sich in daf√ľr vorgesehene Slots links und rechts des Kompass, der die Richtung zum n√§chsten Hauptquest und die Richtung des Ziels des aktuellen Nebenquests anzeigt, zurechtlegen und per Hotkey darauf zugreifen. Zu beginn hat man auf beiden Seiten nur zwei Slots, aber alle zehn Stufen kommt einer hinzu und bald kann man sein halbes Inventar dort unten stapeln.

Ein weiteres sinnvolles Feature ist die Tr√§nkeablage. Statt wie in Diablo die Tr√§nke in einen G√ľrtel zu legen, wo man sie dann per Hotkey aktivieren kann, sind die Tr√§nke hier symbolisch √ľber dem Kompass angeordnet und werden direkt per Hotkey aus dem Inventar genommen und benutzt.

"Samma wo gibt's denn besondere Items?" oder das ungewöhnliche Item-System

Eine gravierende √Ąnderung der gewohnten Diablo-Spielweise f√ľhrt das Item-System herbei. Richtig gute, magische Sachen wird man bei toten Gegnern nie finden. Die kann man nur bei den H√§ndlern kaufen. Dar√ľber streiten sich jetzt schon die Gem√ľter in der Fan-Gemeide. Allerdings ist es durch dieses System m√∂glich dem Spieler auch nur das anzubieten, was er braucht ‚Äď nicht jeder Charakter kann alle Klamotten anziehen und mit jeder Waffe umgehen. Apropos Waffen: wie in Diablo gibt es auch in Sacred Items mit Sockeln. Anders als in Diablo muss man aber keine Edelsteine mit komplizierten Kombinationen und dergleichen einf√ľgen. Man geht einfach zum Schmied und hat dort die Auswahl zwischen drei verschiedenen M√∂glichkeiten die Waffe aufzur√ľsten Die f√ľgt man dann in die Sockel ein und -schwups- ist man zwar ein wenig Gold los aber die Waffe ist t√∂dlicher geworden.

Aber genug zum Gameplay. Kommen wir zum Fetischisten-Kram:

"Boah ey!" oder die Grafik

Also allen Grafikfetischisten kann ich gleich sagen: Sacred entt√§uscht euch sicher nicht. Der Hintergrund ist zwar 2D, sieht aber sehr gut aus. Der Rest des Spiels ist komplett 3D und die Animationen der Figuren sehen auch richtig gut aus. Damit dies auch zur Geltung kommt, gibt es drei Zoom-Stufen, die vor allem in K√§mpfen auch den Besitzern von schwachen Rechnern zugute kommt. Mit Pfeil und Bogen kann man √ľbrigens in der h√∂chsten Zoomstufe vom Charakter bis zum Sichtende schie√üen, was einige M√∂glichkeiten vor allem f√ľr schwache Charaktere bietet. Zus√§tzlich gibt es noch nette Wettereffekte wie Schnee oder Regen und vor allem den flie√üenden Tag/Nacht-Wechsel. Gelungen sind auch die Musik und der Sound. Die Musik h√§lt sich normalerweise im Hintergrund aber sobald es ans K√§mpfen geht, ver√§ndert sie sich. Man kann dann erkennen, ob einem ein leichter, mittlerer oder schwerer Kampf bevorsteht, was zwar auch an der Einf√§rbung der Lebensenergiebalken der Gegner erkennbar ist (Grau, Gr√ľn, Orange und Rot) aber so kommt doch mehr Atmosph√§re auf. Ansonsten gibt es die √ľblichen Ger√§usche wie Schwertgeklirre und so. Auf die hervorragende Sprachausgabe bin ich ja oben schon eingegangen.

Aber was w√§re ein Fantasyrollenspiel ohne Multiplayer? Nicht die Vollendung, das haben sich auch die Jungs von Ascaron gedacht und haben einen soliden Multiplayermodus mit drei Spielmodi eingebaut. Dies w√§ren zum einen das 'Freie Spiel', das sich wohl von selbst erkl√§rt, der 'Playerkiller'-Modus, der f√ľr alle Leute interessant sein wird, die schon immer einmal ihre Kollegen umbringen wollten (Friendly Fire ist in allen anderen Spielmodi deaktiviert) und am wichtigsten der 'Coop'-Modus, in dem man die komplette Einzelspielerstory mit Kumpels durchspielen kann.

"Friss oder Stirb" oder das Fazit

Ihr habt es bestimmt schon gemerkt: ich finde Sacred einfach genial! Nach meiner Entt√§uschung √ľber Diablo 2 (ja, Diablo 1 war tausendmal besser) bin ich wirklich froh, dass es endlich wieder einmal ein richtiges, gutes Hack 'n' Slay-Rollenspiel gibt. Dass es auch noch aus Deutschland kommt, stimmt mich umso fr√∂hlicher. Zwar hat Ascaron in letzter Zeit leider nicht das beste Image durch die Bugdebakel mit einigen anderen Spielen. Aber daf√ľr l√§uft ja momentan noch der Betatest und trotz einiger M√§ngel ist man sofort an den Bildschirm gefesselt. Ich kann jedem, der sich halbwegs f√ľr das Genre interessiert nur den 26.02.2004 ans Herz legen, denn ab da steht Sacred in den Regalen. Um euch die Entscheidung zu erleichtern, habe ich einige Screenshots und zwei jeweils zehn (Vampirlady) und elf Minuten (Gladiator & Waldelfin) lange, reine Gameplay-Videos erstellt. Ihr findet alles auf der dritten Seite. [CH]

Ersteindruck: Sehr Gut mit Potenzial zu Ausgezeichnet

(Ver√∂ffentlicht 2004 bei mthN.de & benutzt als Probeartikel f√ľr die Bewerbung bei der GameStar)