Eine heiße Angelegenheit

Noch unvollständig!

Diskussion

Prolog

Es war wie immer ein wunderschöner Tag in Azeroth. Die Sonne brannte gnadenlos auf die Sengende Steppe herab und die Zwerge der Thoriumspitze lagen faul am Außenposten in ihren Liegestühlen. Viele Helden waren dort heute nicht unterwegs und alles war ruhig. Ein leichter aber sehr erfrischender Wind wehte durch das sandige Tal und blies den Sand in eine neue Formation. Es war der perfekte Nachmittag um absolut nichts zu tun.

Doch niemand wusste, was sich heute tief unter der Thoriumspitze ereignen würde - in einer Höhle, die vor Jahrtausenden von Zwergen in einem Wahn gegraben und in der Shadowforge City errichtet wurde, einem der schrecklichsten Orte Azeroths. Hier trauten sich nur Narren oder wahre Helden hin - wobei niemand so recht weiß, wer die Narren und wer die Helden sind.

Tief im Blackrock Mountain gelegen, in dessen Spitze die Orks des Blackrockclans hausten, hatten die Zwerge vor langer Zeit beim Schürfen so tief gegraben, dass sie entsetzlichem die Freiheit schenkten. Seit diesem Tag sind sie dazu verdammt auf ewig ihre Runden in Shadowforge City zu drehen und ihrem Meister Ragnaros zu dienen, immer unter der Aufsicht der schrecklichsten Dämonen die Azeroth kennt. Aber ich möchte heute weder die Geschichte der Zwerge noch die Geschichte von Ragnaros erzählen. Dies soll viel eher die Geschichte einer jungen Elfe sein, die den weiten Weg in dieses Labyrinth auf sich nahm um Dunkeleisenerz zu schmelzen. Denn nur die Schmelze, tief im Inneren der Stadt war heiß genug.

Kapitel I: Blackrock Mountain

„Verflucht, ist das dreckig hier! Sieht ja aus, als hätte hier seit Jahrtausenden niemand mehr geputzt.“, hörte man eine weibliche Stimme fluchen, „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich was anderes angezogen.“. Sicarius wischte sich über die Wange und betrachtete ihre schwarz gefärbten Finger.

Sie war erst vor kurzem aus Ironforge, der Hauptstadt der Zwerge im kalten Dun Morogh, eingetroffen und hatte sich den Weg über die Sengende Steppe gebahnt. Niemand hatte sie beachtet, als sie durch das große, eisenbeschlagene Tor mit den vielen Zeichen der Warnung geschritten war und nun stand sie auf einem breiten Weg im Inneren des Berges. Dieser war von den Zwergen fast völlig ausgebeutet worden. Viele hundert Meter über ihr, war die Spitze nur noch schwer im fahlen Licht der Lava zu erkennen. Diese hatte sich in einem großen See unter ihr gesammelt und tauchte die Kammer in ein unheimliches Licht. Aus der Mitte erhob sich eine Art Säule, die mit unmenschlich großen Eisenketten mit dem Berg verankert war. Man konnte deutlich die in den Fels getriebenen Treppenstufen erkennen, die an der Säule hinab führten und einen Eingang ins Innere.

Einige Momente stand die Nachtelfe nur da und schaute hinab in die feurige See. Der Schrecken war ihr ins Gesicht geschrieben. Sollte sie dort unvorbereitet hineinfallen, wäre es um sie geschehen. Sie riss sich von diesem Anblick los und schaute sich die Höhle genauer an. Sie wusste, dass der Eingang in die Blackrocktiefen unter ihr lag und der einzige Weg dorthin über die Eisenketten führte. Plötzlich fuhr ihr ein ohrenbetäubendes Gebrüll durch Mark und Bein. Schnell packte sie ihren Kampfstab und sah hoch oben einen schwarzen Drachen seine Kreise ziehen - wie er es schon seit Ewigkeiten tat. Er würde ihr nichts tun. Immer noch voller Adrenalin aber wieder etwas ruhiger, verstaute sie ihren Kampfstab wieder und strich sich den Schweiß von der Stirn.

„Du bist ganz schön Schreckhaft heute, Sicarius. Was ist denn los?“, dachte sie und widmete sich wieder der Eisenkette. Sie verlief hoch über den Weg und endete dann tief im harten Fels, aber es gab am Rande des Weges einen Berg Schutt, mit Hilfe dessen man die Kette erreichen konnte. Sicarius nahm sich also den letzten Mut zusammen und bestieg den Haufen. Er war erstaunlich stabil und die Elfe überkam das Gefühl, dass dieser nicht natürlichen Ursprungs war. Aber sie verdrängte den Gedanken wieder und streckte sich nach der Kette aus. Sie musste sich auf die Zehenspitzen stellen um sie gerade noch zu fassen zu bekommen und fragte sich, wie den Zwerge dort hinaufkämen, aber schlussendlich konnte sie sich doch daran festklammern und hochziehen. „Zum Glück bewegt sie sich nicht“, dachte sich Sicarius und blieb einen Moment flach auf dem Bauch liegen. Sie spürte die angenehme Wärme, die die Kette abstrahlte und begann Richtung Säule zu robben. Heldin hin oder her, sie traute sich nicht aufzustehen. Die Gefahr in die glühende Lava zu fallen war einfach viel zu groß. Langsam aber sicher näherte sie sich trotzdem ihrem Ziel, während über ihr weiterhin der Drache seine Kreise zog.

Als sie endlich  mit völlig verdreckter Kleidung drüben ankam, fühlte sie sich, als wäre eine Ewigkeit vergangen, aber sie war ihrem Ziel schon etwas näher gekommen. Ohne sich lange aufzuhalten, strich sie einmal über ihre Kleidung, von der sich sogleich eine riesige schwarze Wolke löste und schritt die Stufen zum Tor hinunter, durch das sie zur zweiten Kette gelangen würde. Das Tor war am Rande mit vielen zwergischen Runen verziert, die sich nicht zu deuten vermochte und sie wollte auch nicht wirklich wissen, was sie bedeuteten. Deshalb warf sie nur einen kurzen Blick darauf und schritt dann hindurch. Das Schimmern der Lava drang nicht durch den Torbogen und trotzdem war es angenehm hell. Ein blaues Licht schien den ganzen Gang zu erhellen ohne dass sie eine Quelle dafür sehen konnte. Langsam ging sie weiter und fand sich bald in einer großen Kammer wieder. An den Wänden waren viele weitere Runen eingezeichnet und in der Mitte des Raumes stand auf einem Podest ein Altar – oder war es ein Sarg? Sicarius wusste es nicht genau und wollte es auch immer noch nicht wissen; außerdem war es hier so kalt, dass sie ihren Atem sehen konnte. Vorsichtig umrundete sie das Gebilde und wollte zum Ausgang auf der gegenüberliegenden Seite. Doch dann hörte sie plötzlich eine Stimme: „Hey doofe Elfe. Hiergeblieben! Kannst du nicht lesen oder was?“. Sicarius drehte sich um, konnte aber niemanden erblicken. Sie war weiterhin alleine im Raum. „Wieder einer, der mich nicht sehen kann... Ihr Helden seid so unfähig! Wie überlebt ihr da draußen überhaupt wenn ihr nicht einmal einen Geist sehen könnt? Und dann einfach in eine zwergische Grabstätte stürmen, obwohl doch ganz deutlich an der Tür steht ‚Hier liegt Franclorn Forgewright, Zwergenarchitekt – Bitte nicht stören!’. So was von rücksichtslos! Ich habe euch Möchtegernschläger sowas von satt. Hoffentlich sterbt ihr dort unten, wie alle anderen auch und jetzt RAUS HIER!“. Völlig perplex ging Sicarius rückwärts dem Ausgang entgegen und wäre beinahe in die Lava gefallen, fand aber im letzten Moment noch das Gleichgewicht wieder. „Der ist wohl schon zu lange tot.“, dachte sich sie sich noch und widmete sich dann aber wieder dem Weg vor ihr. Sie stand nun wieder am Rand der Säule und eine Treppe führte hinab zur zweiten Eisenkette. Dicht an die Wand gepresst, schritt sie die Stufen hinab und wagte es nicht den Blick von den Stufen zu wenden, bis sie endlich unten angekommen war. Nun kam allerdings der weit schwierigere Part. Die Kette hing einige Meter unter ihr und noch weiter darunter folgte der heiße Tod. Es war nicht die Angst sich etwas zu brechen, es war eher die Angst daneben zu springen, die sie gebannt nach unten blicken ließ. Schweiß ran an ihr herab und ließ ihre sanfte, violette Haut glitzern, die nicht von ihrer Rüstung verdeckt war. Als sie ein Tropfen an der Nase kitzelte, bemerkte sie erst wie heiß es hier unten war. Sie hob kurz den Blick, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sprang dann nach unten.

Sie kam hart auf den Füßen auf und musste sich vorbeugen und mit den Händen festhalten, um nicht herunterzufallen. Selbst durch ihre festen Lederklamotten spürte sie, wie heiß die Kette war und je länger sie stehen blieb, desto wärmer wurde es. Sicarius musste schnell handeln um sich keine ernsthaften Verbrennungen zuzuziehen, deshalb nahm sie die Beine in die Hand und rannte zum anderen Ende. Ihre Angst herunterzufallen war wie verflogen in diesem Moment. Ihr Körper füllte sich mit Adrenalin und führte sie so sicher über die kochenden Fluten. Nur unwirklich nahm sie die teils riesigen Löcher im Eisen war, die die spritzende Lava über die Jahre hinweg dort hinein gebrannt hatte. Erst als sie drüben keuchend ankam und fast gegen die Bergwand gerannt wäre, wurde ihr bewusst wie leichtsinnig dieser Sprint eben gewesen war. Bei diesem Gedanken wurde ihr schwindelig und sie lehnte sich einen Moment gegen den lauwarmen Fels.

„Na, meine Liebe? War es anstrengend?“, sprach plötzlich eine Stimme neben ihr. Sicarius drehte ihren Kopf und erblickte einen Elfen. „Gestatten? Lothos Riftwaker, Bewacher des Eingangs zum Geschmolzenen Kern.“, sprach Lothos weiter, „Was führt Euch denn hierher? Ich bekomme recht selten Besuch hier unten.“. Erleichtert, eine freundliche Seele gefunden zu haben, antwortete Sicarius: „Sicarius, mein Name. Druide im Zirkel des Cenarius. Ich bin auf dem Weg hinab in die Blackrocktiefen um in Shadowforge City Dunkeleisen zu schmelzen.“. „Da habt ihr euch aber viel vorgenommen, meine Kleine. Seid ihr euch denn den Gefahren bewusst, die euch dort unten erwarten?“, fragte Lothos. „Ja, ich habe eine ungefähre Vorstellung davon.“, antwortete Sicarius etwas unsicher. Lothos hob ungläubig eine Augenbraue. „Ihr  seht mir nicht aus, wie jemand, der sich ordentlich auf die bevorstehenden Gefahren vorbereitet hat. Ihr wisst schon dass die Schmiede hinter dem Grab der sieben Zwerge liegt? Dort werdet ihr nie lebend herauskommen.“. Aller Mut floss aus Sicarius heraus und mit verzweifeltem Blick starrte sie Lothos an. „Nein, nicht gleich aufgeben, meine Liebe! Ich kenne eine Abkürzung. Sie ist sehr gefährlich aber mit diesem Trank hier könnt ihr sie meistern.“, sprach Lothos beruhigend auf sie ein, gab ihr ein Fläschchen und sprach weiter: „Hinter Botschafter Flamelash findet ihr einen See aus Lava. Dieser führt direkt zum Schmelzofen und wenn ihr meinen Trank zu euch nehmt, bevor ihr in die Fluten springt, kann euch die heiße Brühe für kurze Zeit nichts anhaben. Ihr müsst euch aber beeilen, denn auch dort erwarten euch die Feuerteufel. Solltet ihr es aber wirklich geschafft haben und eure Aufgabe erfüllt sein, gibt es eine ungefährliche Abkürzung hierher zurück. Ihr müsst nur über die dortige Brücke gehen und den Fels auf der linken Seite berühren, dann landet ihr wieder direkt bei mir.“ Sicarius nahm die Flasche entgegen und las das Etikett: „Feuerschutztrank“. Warum hatte sie nicht gleich daran gedacht. Es war so offensichtlich. Sie verstaute die Flasche in ihrer Tasche und dankte dem Elf. „Nun geht, mein Kind, ich hoffe, ich sehe euch lebend wieder!“, sagte er ernst und ging wieder in seine Kammer zurück. Sicarius schaute ihm noch kurz nach und ging dann weiter durch das Tor, vor dem sie die ganze Zeit gestanden hatte.

Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, vernahm sie viele Stimmen und Geräusche von weiter vorne. Auf leisen Sohlen ging sie den Gang weiter entlang und fand sich plötzlich in einer riesigen Höhle wieder. An den Wänden standen Menschen, Zwerge und sogar Elfen die in einem monotonen Takt das Gestein vor ihnen mit einer Spitzhacke bearbeiteten. Durch die ganze Szenerie verlief eine Art Schienensystem auf dem Loren herumstanden und dazwischen gingen bewaffnete Zwerge umher, die eine sehr ungesunde, fast schwarze Hautfarbe hatten und unter ihren Helmen mit tiefroten Augen wachsam die Sklaven beobachteten. Dunkeleisenzwerge. Nun konnte sich Sicarius ungefähr vorstellen woher sie diesen Namen hatten. Sicarius beobachtete die Situation einen Moment lang bis ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie völlig ungeschützt und für jeden sichtbar hier am Eingang stand. Schnell huschte sie in einen nahe gelegenen Schatten und ohrfeigte sich innerlich für diese Dummheit. Sollte sie von den Zwergen entdeckt werden, wäre dies ihr sicheres Todesurteil. Es war nun die Zeit gekommen, die Fähigkeiten eines Druiden zu nutzen. Sie murmelte einige Worte in einer uralten Sprache und verwandelte sich in einen schwarzen Panther. Zusätzlich sprach sie einen weiteren Spruch, der sie für unwachsame Augen unsichtbar machen würde. Mehr konnte sie nicht tun aber es musste reichen. Auf ihren Samtpfoten schlich sie nun aus ihrem Versteck und schaute sich nochmals um. Der Ausgang  war am anderen Ende der Höhle und es gab nur einen Weg dorthin – mitten durch die Reihen der Zwerge. Langsam bahnte sie sich den Weg zum Ausgang während ihre Blicke wachsam durch die Höhle streiften.

Sie war noch nicht weit gekommen als plötzlich eine Stimme rief: „Wer da?“. Sofort blieb Sicarius regungslos stehen und sah einen Zwerg, der in ihre Richtung schaute. Sie wusste nicht ob er sie wirklich gesehen hatte. Er nahm seine Waffe vom Rücken und ging langsam auf sie zu. Je näher er kam, desto höher wurde die Wahrscheinlichkeit, dass er Sicarius sehen würde. Schnell schaute sie sich nach einem Ausweg um und sah nicht weit entfernt eine Lore. Ohne den Blick vom Zwerg zu lösen ging sie darauf zu. Unendliche Sekunden verstrichen auf diesem Weg aber da der Wächter seine Schritte nicht beschleunigte, schien er sie immer noch nicht gesehen zu haben. Gerade als Sicarius die Lore erreicht hatte, blieb der Zwerg auf ihrer vorherigen Position stehen und betrachtete den Boden aus hartem Gestein. Dann blickte er auf und kratzte sich am Kopf. „War wohl nichts.“, murmelte er und ging wieder zurück auf seinen alten Posten. Langsam atmete Sicarius aus und wartete noch einen Moment bis sie ihren Weg fortsetzte. Noch wachsamer als zuvor, schaffte sie es ohne weitere Zwischenfälle in die nächste Höhle. Am anderen Ende konnte sie den Eingang zur unterirdischen Stadt sehen – ihr Ziel. Aber sie sah noch etwas Beunruhigendes dazwischen: Pyron, Wächter des Eingangs. Er war ein Feuerelementar und sah aus wie eine um 180 Grad gedrehte, lodernde Flamme mit Armen. Bis auf seine dicken Armschienen bestand er vollständig aus Feuer, das magisch zusammengehalten wurde. Man konnte nur erahnen, wo seine Augen saßen. Er war ein erschreckender Anblick, aber Sicarius hatte schon ganz andere Elementare gesehen und blieb unbeeindruckt. Viel schlimmer war es, dass sie das Gefühl hatte, er würde ihr direkt in die Augen schauen. Normalerweise konnten Elementare nicht durch ihre Verkleidung blicken. Schon gar nicht auf diese Entfernung. War dieser anders? „Ah, noch ein Held der nach Shadowforge City eindringen will! Was ist es denn dieses Mal? Einmal Imperator töten? Ein weiteres Mal versuchen, ein Kernfragment für diesen dummen Elfen dort draußen zu holen? Auch egal. Wie all die anderen werdet auch ihr nicht an mir vorbeikommen!“, hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf sagen. Sicarius war verwirrt. So ein Wesen war ihr in ihrem gesamten Heldenleben noch nicht untergekommen. Natürlich gab es die beschworenen Wesen der Hexer, die auch über Telepathie mit ihrem Meister kommunizierten, aber dass es hier draußen auch solche Wesen gab? Der Zwerg in Ironforge, bei dem sie sich über die Tiefen informiert hatte, hatte ihr zwar von Pyron erzählt, aber er hatte nichts davon gesagt, dass er anders als all die anderen wäre. Oder hatte sie nicht genau hingehört?

Da ihre Tarnung sowieso aufgeflogen war, beendete sie die Verwandlung und nahm in einer fließenden Bewegung ihren Kampfstab vom Rücken. Was war dieses Geschöpf? Ein normaler Feuerelementar konnte es nicht sein. Diese waren für gewöhnlich dumme Diener, die nur im Wege herumstanden und alles angriffen, was sich ihnen näherte. Wer hatte ihn so erschaffen und hier zum Wach-Dienst abgestellt? Woher kamen seine Fähigkeiten? Fragen, auf die Sicarius keine Antwort wusste, die jetzt aber auch  keine Rolle mehr spielten. Sie musste sich ihm stellen. Aber war er mit den üblichen Mitteln überhaupt zu besiegen? Sie hatte hunderte Elementare getötet und dachte nicht einmal mehr darüber nach, aber das Verhalten dieses einen veränderte die Situation komplett. Immer noch spürte sie seinen bohrenden Blick auf sich. Konnte er ihre Gedanken lesen? Pyron hatte sich die ganze Zeit nicht von der Stelle bewegt. Er stand, soweit man dies überhaupt stehen nennen konnte, nur da und beobachtete Sicarius. Es schien fast so, als hätte ihn jemand an diesen Fleck gebunden. Es würde wohl an ihr liegen, den ersten Schritt zu tun. Aber was konnte sie tun? Der tote Felsboden machte es ihr unmöglich ihr volles Repertoire an Zaubersprüche zu wirken und ein Nahkampf kam nicht in Frage – sie würde sich an ihm verbrennen und elendig zugrunde gehen. Lothos Feuerschutztrank wäre eine Möglichkeit gewesen aber sie hatte nur diesen einen und brauchte ihn noch. Gedanklich verfluchte sie Cenarius Lehren, die keine Macht über das Wasser lehrten, entschuldigte sich aber sogleich wieder für diesen Frevel. Da Pyron immernoch nur dastand, nahm sie sich die Zeit genau zu überlegen, welche Mächte der Natur sie hier unten anrufen könnte. Es gab hier in der Höhle absolut nichts. Es war nur ein langer Gang, der von Lavaströmen erhellt wurde, die zu beiden Seiten still dahinflossen. „Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit! Sterbt!“, gellte es wieder in ihrem Kopf und sie sah gerade noch aus dem Augenwinkel wie ihr ein Feuerball entgegen flog. Da sie nicht zur Seite springen konnte, ließ sie sich auf den Rücken fallen. Trotz des Schmerzes, der ihr durch die Glieder fuhr als sie auf dem harten Boden auftraf, spürte sie die Hitze als knapp über ihr das Geschoß sie verfehlte. Adrenalin floss nun in Strömen durch ihre Adern und der eigene Überlebensinstinkt übernahm die Kontrolle. Sie sprang auf und sah wie sich Pyron mit den Händen in die Brust griff und eine weitere Kugel formte. Ohne weiter lange zu überlegen, sprach Sicarius ein kurzes Gebet an Elune und kaum hatte sie die letzte Silbe gesprochen, wurde die Höhle von einem gleißenden Licht erhellt, dass von oben auf Pyron herabstieß. Für einen Augenblick war der Elementar umgeben von weißem Licht und Sicarius spürte einen Schmerz in ihrem Schädel. Sicarius wusste nun, dass sie auf dem richtigen Weg war. Pyron hatte solche Schmerzen, dass durch die Verbindung ein Teil davon auch an die Elfe übertragen wurde. Schnell setzte sie zu einem weiteren Zauber an, während das Licht verschwand und Pyron wieder zum Vorschein kam. Er war noch nicht besiegt aber die Flammen, die über seinen Körper huschten, hatten sichtbar an Energie verloren. Aber obwohl er nun geschwächt war, begann er wieder einen Feuerball zu formen und schleuderte ihn in die Richtung von Sicarius. Sie hatte allerdings ihre Beschwörung bereits beendet und die Mächte des Winds angerufen. Vor ihr formte sich nun ein Windhauch, der schnell immer größer wurde. Nur wenige Augenblicke später war er zu einem Tornado angewachsen, der sich auf Pyron zu bewegte. Auf halbem Wege traf der Feuerball auf das Hindernis und wurde in viele kleine Flammen zerteilt, die in alle Richtungen geschleudert wurden. Dabei verloren sie ihre Kraft und verloschen alsbald. Die Windhose bewegte sich hingegen weiter unaufhörlich auf den Elementar zu. Dieser hatte mittlerweile den Ernst der Lage erfasst, konnte sich aber anscheinend nicht vom Fleck bewegen. Er schleuderte verzweifelt weitere Feuerbälle, die aber alle wie der Erste im Raum verteilt wurden. Plötzlich sank Sicarius auf die Knie. Ihr Kopf fühlte sich an als würde er explodieren. Der Tornado hatte Pyron erreicht und verschlang ihn. Sein Schmerzensschrei hallte durch die Köpfe aller in Reichweite und ließ sie vor Schmerzen zusammenbrechen. Als die letzten Reste von Pyron durch die Höhle geschleudert wurden und auch Sicarius trafen, verklang endlich der Schrei. Sicarius verspürte stechende Schmerzen, als das Feuer sich in ihre Haut brannte während sich der Tornado in Luft auflöste. Es kehrte wieder Stille in die Höhle ein. Noch benommen von diesem Erlebnis, bat Sicarius die Göttin Elune ein weiteres Mal um Hilfe und ein Licht umhüllte die Elfe sogleich. Langsam schlossen sich ihre Wunden und Sicarius begann wieder klar zu denken. Sie kniete auf dem harten Boden und blickte in die Richtung, in der eben noch der Overmaster gestanden hatte. Der Weg war nun frei und nichts hinderte sie mehr daran weiter ins Innere des Berges vorzudringen. Hinter sich hörte sie plötzlich viele Stimmen, die immer näher kamen. Die Zwerge hatten den Tod ihres Meisters gespürt und wollten nun schauen was passiert war. Schnell verwandelte sich Sicarius wieder in eine Katze, sprach den Unsichtbarkeitszauber und bewegte sich zugügig auf den Eingang zum Außenring von Shadowforge City zu. Der erste Abschnitt ihrer Reise war beendet.

Kapitel II: Shadowforge City

To be continued...[CH]