Sicarius

Balu – Eine Abrechnung

Schaffen wir heute mal wieder einen „normalen” Eintrag? Oder kommt gleich die nächste Hiobsbotschaft während ich diese Zeilen schreibe? Bitte? Gerd Knebel, die eine Hälfte des hessischen Kult-Comedy-Duos Badesalz, ist verstorben? … Könnten vielleicht mal ein paar zeitverschlingende Aasfresser (Star Trek: Prodigy) vorbeikommen und diese Zeitlinie ein für alle Mal beenden? Das ist doch echt nicht mehr feierlich…

Tief durchatmen, Sicarius. Einfach nur tief durchatmen. Es wird schon wieder… hoffentlich. Möglicherweise? Irgendwann?! *hier Captain-Picard-Facepalm-Meme einfügen*

Eine der Tierarztrechnungen

Wo waren wir? Ach ja: Der heutige Eintrag. Ich möchte mich noch ein Mal mit der ganzen Balu-Geschichte beschäftigen. Und zwar mit dem Fokus auf das Thema „Kosten”. Emotional würde man selbstverständlich alles für sein Tier tun. Aber die Realität ist freilich auch, dass sowas ganz schön ins Geld gehen kann. Vor allem, wenn man wie wir, keine Tierarztversicherung dafür hat. Wobei da zusätzlich die Frage ist, wie viel die am Ende tatsächlich bezahlt hätte. Wir haben stattdessen zwar fleißig gespart, aber auch da ist logischerweise ein Limit drauf. Entsprechend hilfreich finden wir es Erfahrungswerte zu haben, an denen man sich grob orientieren kann. Ja, jeder Fall ist am Ende des Tages anders. Aber ein Gefühl gibt es einem trotzdem, was einen erwarten könnte. Und es hilft vor allem bei der Überlegung ob eine Tierarztversicherung beim nächsten Vierbeiner nicht doch sinnvoller wäre.

Die Tierarzt-Kosten

Ich konzentriere mich bei der Betrachtung auf Balus letzten Monat. Startpunkt ist entsprechend unser erster Besuch beim Notdienst, wo am Ende die Bauchspeicheldrüsenentzündung festgestellt wurde. Alles was er uns schon zuvor in seinem Leben gekostet hat (z.B. seine Zähne), ignorieren wir in der Rechnung. Los geht’s:

  • Tierärztlicher Notdienst #1: Balu hatte Sonntagmorgens Schmerzen und wollte sich nicht hinlegen. Also ab zum Notdienst. Hier fällt grundsätzlich eine Pauschale von 50€ an, ungeachtet aller anderen Kosten. Und es darf ein erhöhter Abrechnungssatz verwendet werden. In diesem Fall hatte sie ein Schmerzmittel (Onsior) gespritzt und Balus Analdrüsen ausgedrückt. Die Rechnung lag am Ende bei vergleichsweise humanen 150€.
  • Tierarztbesuch #1: Neben einer normalen Untersuchung, wurde auch ein Blutbild angefertigt. Allerdings kein kleines/großes, sondern nur die Werte für Leber, Pankreas und Schilddrüse. Anschließend gab es Injektionen von Medikamenten. Und zwar Vetemex (Anti-Brechmittel), Predniscolonacetat (Entzündungshemmer) und Vetalgin (ein spezielles Schmerzmittel). Außerdem wegen den Leberwerten einen Vitamin-B-Komplex. Zusammen mit dem Kram, den wir für Zuhause mitbekommen haben, lag der Besuch am Ende bei 401,73€.
  • Tierärztlicher Notdienst #2: Balus Vorderbeine waren Sonntagabends weggeklappt und er verlor rapide seine Beweglichkeit. Die Tierärztin hat ihn ausgiebig untersucht, konnte uns aber nur in die Tierklinik verweisen. Sie hat uns tatsächlich für diesen Besuch nichts berechnet und sogar noch einen größeren Katzenkorb aus ihrem Bestand überlassen. Das darf man vermutlich niemandem sagen, war aber eine wirklich nette Geste.
  • Tierklinik #1: Er hatte ca. 14 Stunden Aufenthalt in der AniCura Frankfurt. Wir kamen im Notdienst an und sind nach einem Arztgespräch zur Mittagszeit tags darauf weiter nach Gießen gefahren. In der Nacht wurde geröntgt, ein großes Blutbild angefertigt und er bekam in der Rechnung nicht näher definierte Medikamente. Am Morgen gabs noch ein Ultraschall und eine gastroenterologische Untersuchung. Insgesamt durften wir 1.598,09€ an die Klinik überweisen.
  • Balu bei der Physiotherapie

    Tierklinik #2: In der Neurochirurgie der Klinik für Kleintiere an der Justus-Liebig-Universität Gießen sind wir gerade noch so zu den normalen Öffnungszeiten eingetroffen. Entsprechend fiel hier kein Notdienstzuschlag an. Wir haben ihn dann zwei Tage später – auch wieder kurz vor Feierabend – abgeholt. Insgesamt also ziemlich genau 48 Stunden, die er netto vor Ort war. In der Zeit wurde logischerweise einiges an ihm gemacht. Darunter wieder eine Blutprobe sowie ein Ultraschall. Aber auch eine Blutgasanalyse, eine Feinnadelaspirationsbiopsie und das alles entscheidende MRT inklusive Narkose. Außerdem gab es zahlreiche Infusionen. Die Kosten lagen am Ende bei stolzen 2.985,21€.

  • Tierarztbesuch #2: Den nächsten Tierarztbesuch haben wir gemacht, weil Balu flüssigen Kot hatte und Dehydriert wirkte. Am 1. Tag war er knapp eine Stunde zur Beobachtung da und bekam in der Zeit nochmal Predniscolonacetat und den Vitamin-B-Komplex. Tags darauf ließen wir ihn von morgens bis abends da. In der Zeit bekam er Sterofundin ISO zur Hydration, Vetemex und Synulox (ein Antibiotika). Die Rechnung lag bei 305,36€
  • Physiotherapie: Insgesamt drei Mal waren wir mit Balu am Ende bei der Physiotherapie. Die erste Sitzung dauert wegen der Anamnese länger und ist mit 75€ etwas teurer als die Folgesitzungen. Diese schlugen mit je 58€ zu Buche. Insgesamt also 191€, die wir für etwas mehr als drei Stunden Therapie bezahlt haben. Völlig okay aus unserer Sicht und die Therapeutin war wirklich sehr freundlich und nett – sowohl zu uns als auch zu Balu. Wer also in Groß-Gerau und Umgebung jemanden für sein Tier sucht: Schaut ruhig mal bei der Tierphysiotherapie Petra Huth vorbei. Klare Empfehlung von uns! Übrigens ein kleiner Tipp am Rande: Bei den meisten Tierphysiotherapeuten werdet ihr in der Werbung keine Katzen sehen. Das heißt nicht zwingend, dass sie diese nicht behandeln. In der Regel ist das schon der Fall. Daher einfach mal nachfragen. Ich vermute, dass die Nachfrage nach Katzen einfach zu gering ist, um dafür zu werben.
  • Tierärztlicher Notdienst #3: Balu ist zwar vor 19 Uhr zusammengeklappt, aber bis wir beim Tierarzt waren, befanden wir uns erneut in der Notdienstzeit. Die Konsultation dauerte an sich nicht sonderlich lange, bis wir die Entscheidung trafen ihn per Injektion einschläfern zu lassen. Am Ende musste ich entsprechend ganz schön schlucken, als sie an der Theke 656,72€ von mir haben wollte. Alter Schwede. Es wurde für jede Position der vierfache Satz der Gebührenordnung für Tierärzte berechnet. Das ist selbstverständlich legitim während des Notdienstes. Macht es aber nicht weniger heftig – nicht nur, aber vor allem in so einer sowieso schon emotionalen Situation.

Alles in allem lagen die Tierarztkosten für diesen einen Monat bei 6.288,11€. Es hätte weniger sein können, wenn wir nicht mehrfach in den Notdienst gerutscht wären. Aber so ist es ja immer: Wenn was passiert, dann am Wochenende oder nachts. Und den Umweg über Frankfurt hätten wir uns ebenfalls sparen und direkt nach Gießen fahren können. Es macht entsprechend Sinn die Tierkliniken in seiner Umgebung zu kennen. Dazu gehört auch eine Art Notfallplan. Also wen zu welchen Uhrzeiten und in welcher Reihenfolge anrufen. Was alles einpacken sowohl für Mensch als auch Tier, bevor man losdüst. Und vielleicht sogar schon irgendwo den Großteil griffbereit haben.

Die zusätzlichen Anschaffungen

Die besagte Faltbox von AniOne

Die Arztkosten sind aber freilich nur ein Teil unserer Ausgaben gewesen. Der größte Teil, keine Frage. Aber wir mussten auch noch die ein oder andere Anschaffung tätigen. So stand nach der Diagnose einer Bauchspeichelentzündung als erstes das Thema „Futter” auf dem Programm. Fettarm (<5%) sollte es lt. unserem Tierarzt sein und gleichzeitig vielleicht preislich nicht völlig aus dem Rahmen schlagen. Außerdem haben wir noch anderes Katzenstreu gekauft, da er bei mir im Keller schlafen sollte und somit nicht sein Geschäft wie gewohnt im Garten verrichten konnte. Bei Fressnapf und zooplus haben wir am Ende 191,04€ gelassen. Und technisch gesehen müssen wir auch noch die Spezialkapseln mit Hähnchengeschmack sowie den Kapselfüller dazu rechnen. Da haben wir nämlich u.a. sein Schmerzmittel reingefüllt, damit er es frisst. Das waren weitere 68,01€.

Beides – also sowohl das Spezialfutter als auch die Kapseln – wurde am Ende nur angebrochen. Es ist also noch ein Großteil davon da. Aber das auseinander zu diffundieren… lasst mal gut sein :smile: . Kommen wir stattdessen zu den nächsten Ausgaben:

34,90€ für Vitamin-B-Tabletten. Das Pulver, das er von unserer Tierärztin bekommen hatte, wollte er überhaupt nicht fressen. Entsprechend hatten wir uns nach Alternativen umgeschaut. Und da wir es uns dank des Pulvers ein wenig mit ihm verscherzt hatten, mussten wir auch nochmal eine kleine Einkaufstour für hochwertiges Futter und Toppings machen. Sonst hätten wir vermutlich gar nichts mehr in ihn hineinbekommen. Waren also nochmal 68,79€, die ich beim Fressnapf über die Theke gegeben habe.

Völlige Bewegungslosigkeit

So viel zu den Anschaffungen für die Entzündung. Dann kam die Sache mit der Bewegungslosigkeit. Wir benötigten entsprechend Unterlagen und haben erstmal zur Einwegvariante gegriffen. Auf waschbares Material sind wir erst gewechselt als klar wurde, dass wir ihn nicht zeitnah einschläfern müssen. Außerdem haben wir eine zusätzliche (waschbare) Faltbox gekauft. Wir hatten jetzt zwar den großen Tragekorb von der Tierärztin, aber Balu darin mehrere Stunden liegen zu lassen, fanden wir jetzt nicht so pralle. Dazu war er dann doch zu klein. Gleichzeitig war die große Hundefaltbox, die wir schon im Haus hatten, schlicht zu groß für Ortswechsel. Also haben wir uns die kleinste Variante geholt. Und weil man Futter nie genug haben kann, landeten auch davon noch ein paar Dosen im Einkaufswagen. Machte alles in allem einen Einkauf in Höhe von 77,27€.

Die nächsten Tage ging es fast schon Schlag auf Schlag. Ein Dutzend waschbare Nässeschutzauflagen, zwei Wolldecken, vier waschbare Windeln (hat leider nicht funktioniert), noch eine zweite Faltbox (wenn die eine in der Wäsche ist), Katzenshampoo, einen neuen 10L-Kanister Biodor (83,20€) und flüssiges Katzenfutter (=Vitaldrinks) wurden angeschafft. Praktischerweise waren die Nässeschutzauflagen im JYSK gerade im Ausverkauf. Entsprechend billig waren sie zu haben (5-10€ je nach Größe). Trotzdem: 395,08€ zeigen meine Notizen für diese insgesamt sieben Einkaufsfahrten.

Zusammengefasst kamen wir auf 835,09€, die wir zusätzlich zu den Tierarztkosten hatten. Fairerweise muss ich aber nochmal betonen, dass Balu am Ende nicht alles verbraucht hat und zudem das meiste auch noch bei anderen Katzen zum Einsatz kommen kann. Insofern waren es zwar teure vier Wochen. Dafür sind wir aber jetzt wirklich gut ausgestattet. Und das Futter wird von den anderen sogar mit Kusshand gefressen. Da wird also nichts mehr übrig bleiben von.

Epilog

Die Nassunterlagen – weggeräumt für den nächsten Vorfall.

7.123,20€ haben wir also für Balu von Ende Dezember bis zu seiner Einschläferung ausgegeben. Zeit, Fahrtkosten, Wasserkosten (für die unzähligen Waschmaschinen voll) und so nicht mitgerechnet. Ein ganz schön happiger Betrag, den sich sicherlich nicht jeder Tierhalter einfach so aus dem Ärmel schütteln könnte. Unsere Reserven hat es auch gut belastet. Zumal diese sowieso schon dank des Hauskredits ziemlich zusammengeschmolzen waren. Aber genau deswegen sparen wir jeden Monat einen Betrag für unsere Vierbeiner. Und nein, es ging mir nicht darum euch damit zu erschrecken. Ein Haustier zu haben ist was wunderschönes. Man muss sich aber vor der Anschaffung im Klaren sein, was das bedeutet. Nicht nur, aber auch in Hinsicht auf die möglichen Kosten.

Um zum Abschluss nochmal zum Thema Tierkrankenversicherung zu kommen: Wenn wir Balus Lebenszeit (14 Jahre) mit dem aktuell teuersten Tarif (39,32€/Monat ohne Selbstbeteiligung) beim angeblichen Mercedes der Tierkrankenversicherungen (HanseMerkur) multiplizieren, kämen wir auf 6.605,76€. Also tatsächlich nur 317,65€ mehr, als wir beim Tierarzt bezahlen mussten. Mit Blick auf die gesamten Kosten, die Balu uns in seinem Leben verursacht hat, hätte sich eine Versicherung also im Nachhinein betrachtet vermutlich gelohnt. Insofern werden wir es uns bei der nächsten Generation an Katzen in unserem Haushalt nochmal genauer anschauen und uns ein Angebot machen lassen. Kommt ja auch noch auf die Randbedingungen an.

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