Cheaten

 

Diskussion

Wenn man im englischen Wörterbuch unter "C" nachschaut, findet man das Wort "cheat". Dieses Wort hat viele Bedeutungen aber so gut wie alle stehen für "sich einen Vorteil gegenüber jemand anderes verschaffen" oder auf gut Deutsch: betrügen. Man kann in nahezu jeder Situation im Leben "cheaten" aber wir werden das Thema etwas einengen und über das "cheaten" in Spielen reden. Natürlich wird in Spielen schon seit der Entstehung der Menschheit „gecheatet“ aber wir wollen uns selbstverständlich auf die drei Hauptarten des Cheatens im Videospielebereich konzentrieren:

1. Cheaten in der Entwicklung und beim Testen
2. Cheaten im Einzelspielermodus
3. Cheaten im Mehrspielermodus

Punkt 1 ist der einfachste von allen und erklärt gleichzeitig wie Cheats eigentlich hauptsächlich ins Spiel gelangen: durch die Entwickler. Zusammen mit den Testern haben sie selten die Zeit oder die Möglichkeit ein Spiel auf die Art zu spielen, wie es der Spieler es tun würde um Bugs zu finden oder etwas auszutesten. Aus diesem Grund bauen die Entwickler Cheats in ihr Spiel ein.

Findet der Tester z.B. einen Bug in Diablo II, der nur Auftritt, wenn der eigene Charakter Level 40 ist und bestimmte Skills gesteigert hat, kann sich der Entwickler nicht einfach mal ein paar Tage hinsetzen und das Spiel spielen um diese Situation hervorzurufen. Das ist wertvolle Entwicklungszeit die ihm verloren gehen würde. Um es einfacher zu haben, modifiziert er die Dateien in denen die Werte des Charakters hinterlegt werden. Aber auch das ist immer noch viel zu Zeitaufwendig weshalb er ein Macro in das Programm einbaut und zum Beispiel mit einem Hotkey verbindet. Drückt er im Spiel dann diesen Hotkey steigt sein Charakter z.B. ein Level auf. Während der Entwicklung werden viele solcher Cheats eingebaut aber nicht alle Firmen entfernen diesen Code vor dem Release wieder.

Diese Erkenntnis bringt uns nun nicht nur zu Punkt 2 sondern auch kurz zur Frage welche Arten von Cheats existieren:

Neben den Cheats die von den Entwicklern im Spiel belassen wurden, gibt es auch Bugs, die dem Spieler einen Vorteil verschaffen. Im Englischen wird dies als „to exploit“ bezeichnet, weshalb diese Art von Cheats auch „Exploits“ genannt werden. Die dritte Hauptcheatart besteht hingegen darin, selbst die Dateien zu modifizieren und Cheats einzubauen, wie es eben auch die Entwickler gemacht haben. Nun aber zu Punkt 2:

Cheaten im Einzelspielermodus ist nicht gerade hochangesehen aber wird von der Community einigermaßen toleriert, da der Cheater im Endeffekt doch nur sich selbst betrügt. Dies wirft nun aber die Frage auf, warum überhaupt jemand dort cheaten würde:

Der wichtigste Grund es zu tun, besteht darin, dass Spiel endlich durchzuspielen. Wenn der Endgegner auch nach mehreren Anläufen immer noch nicht im Dreck liegt, wird der Spieler frustriert und je nach Stärke dieser Frustration greift er zu Cheats um endlich weiterspielen zu können. Manchmal muss man aber auch zu Cheats greifen um einen Bug zu umgehen, der noch nicht behoben wurde. Zum Beispiel wenn ein gescriptetes Ereignis nicht ausgelöst wird und der Pfad vor einem aus diesem Grund blockiert ist. Steht dann kein Savegame parat, greift der Spieler eben zu einem Cheat. Beide Gründe sind sehr verständlich, da man die fünfzig Euro ja bezahlt hat um Spaß zu haben und nicht um den Controller aus dem Fenster zu werfen. Andere benutzen Cheats, nachdem sie das Spiel einmal ehrlich durchgespielt haben, um es anders zu erleben. Es macht schließlich schon Spaß ohne einen Kratzer durch die Gegnerhorden zu mähen, die einem im vorherigen Anlauf soviel Schwierigkeiten bereitet haben. Auch werden oft Cheats benutzt um die vielen Arten von Eastereggs zu finden, die von den Entwicklern im Spiel versteckt wurden.

Aber schon der harmloseste Betrug wirft die Frage auf „Deaktiviere ich den Cheat wieder, nachdem ich die unmögliche Situation überwunden habe?“. Ist nicht jeder der Versuchung unterlegen auch den nächsten Absatz des Lösungsbuchs zu lesen auch wenn man eigentlich nur einen bestimmten Punkt wissen wollte?

Ja, wir unterliegen dieser Versuchung und die Konsequenzen können verheerend sein, wenn wir ihr nicht widerstehen können. Der Begriff „unmögliche Situation“ wird schon bald fließend und irgendwann holt man das Lösungsbuch oder den Cheat schon hervor sobald man nur ein einziges Mal besiegt wurde, da man sich sofort sagt „Ich werde das niemals schaffen!“. Diese Einstellung führt nicht nur zur langsamen Degeneration des eigenen Skills, sondern kann auch zur bemitleidensten Form der Einzelspielercheater führen: Den Leuten, die schon beim Kauf eines neuen Spiels sofort das Lösungsbuch mitkaufen und/oder den Spielern, die sofort Cheats benutzen, ohne das Spiel auch nur ein paar Minuten gespielt zu haben. Das Spielerlebnis wird dadurch nur noch darauf reduziert, es durchzuspielen, egal mit welchen Mitteln. Wenn der Spieler zum Beispiel ein Lösungsbuch benutzt, bleibt das eigene Erlebnis dabei völlig auf der Strecke, denn man folgt ja nur dem Weg, wie ihn der Autor benutzt hat. Man wird selbst nichts Neues herausfinden, man wird die vorgegebenen Pfade nicht verlassen und so weiter und so fort. Durch das Cheaten hat man keine Hindernisse mehr, die man überwinden muss und der Spieler erfährt das Spiel nicht mehr so, wie es der Entwickler vorgesehen hat. Und es ist auch wesentlich schneller vorbei. Es macht also nicht wirklich viel Sinn, oder?

Als Zwischenfazit kann man also sagen, dass Cheats sowohl für Gutes als auch Schlechtes missbraucht werden können. Für einen Entwickler sind sie ein wichtiges Werkzeug um ein Spiel gut zu machen. Für den Spieler sind sie hilfreich um Probleme im Schwierigkeitsgrad oder Bugs zu umgehen aber gleichzeitig führen sie auch eine Versuchung mit sich. Widersteht man dieser nicht, zerstört man nicht nur das Spiel sondern auch, und das ist viel wichtiger, das eigene Spielerlebnis. Aber obwohl ich natürlich Mitleid für diese armen Menschen empfinde, die ihr verfallen sind, interessiert es mich nicht wirklich, solange sie mich damit nicht in irgendeiner Form nerven, denn wir alle können uns vermutlich bei diesem Thema mal kurz selbst an die Nase greifen.

Dies bringt uns zu Punkt 3 und dem schlimmsten aller Cheater: die Mehrspielerhure.

Während Einzelspielercheater immer noch mehr oder weniger Verstand haben, wollen Mehrspielercheater nur besser sein als alle anderen. Der Mehrspielercheater will der Welt zeigen, dass er groß und stark ist, schafft es aber nicht auf dem normalen Weg. Ein Spieler mit echtem Skill zu werden braucht viel Zeit und viel Übung. Zeit, die eine Mehrspielerhure nicht investieren will – vor allem da es dann immer noch die hohe Chance gibt, dass er trotzdem nicht der Beste ist. Deshalb tut er alles in seiner Macht stehende um den ultimativen Vorteil über die anderen Spieler zu erhalten, ohne lange darüber nachzudenken. Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnen alle Nicht-Cheater als Idioten und bringen das Argument: „Warum soll ich lange für irgendetwas trainieren, was ich auch innerhalb von Sekunden haben kann indem ich nur ein kleines Programm installiere?“.

Übrigens vom Grundsatz her die gleiche Einstellung wie sie Raubkopierer haben.

Diese Leute haben nicht die leiseste Ahnung davon, worum es bei einem Wettbewerb wirklich geht oder was ein tolles Gefühl es ist ein Spiel zu meistern. Wie ein Drogenabhängiger sind sie nur auf den schnellen „Fix“ aus und verstehen nicht, was daran falsch ist. Wie ein Abhängiger denken sie im Recht zu sein und alle um sie herum verstehen sie nur nicht. Cheater begreifen es nicht, dass sie für die anderen, die fair spielen und ihren echten Skill trainieren wollen, das Spiel ruinieren. Sie brauchen die Aufmerksamkeit und den Kick um zu überleben, denn ohne sind sie vermutlich nur ein erbärmliches Nichts.

Zum Abschluss bleibt also nur noch einmal zu betonen, dass Cheaten ein Teil unseres Lebens ist. Es gibt Gebiete, da ist es ein nützliches Werkzeug aber es ist auch gleichzeitig die größte Versuchung, der wir widerstehen müssen. Dennoch gibt es im Videospielebereich eine gewisse Toleranz dafür, wenn es sich auf bestimmte Bereiche begrenzt. Natürlich kratzt dieser Artikel nicht einmal an der Oberfläche des ganzen Themas aber ich hoffe dennoch, dass ich etwas Licht in die ganze Sache gebracht habe.[CH]

(Veröffentlicht am 13.07.2007)