Sicarius

Play Sic Play!

Versprechen sollte man halten, deswegen ohne weitere Umschweife zwei „Angespielt“-Berichte:

U-Bahn Simulator v1.20 (Screenshots)

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, der U-Bahn Simulator hat überhaupt nichts mit den schrecklichen Werken Bagger Simulator oder Landwirtschafts-Simulator der astragon Software GmbH zu tun. Viel mehr hat sich der Titel aus dem U-Bahn-Addon Berlin Subway für Microsofts Train Simulator zu einem Vollpreisspiel weiterentwickelt. Damit dürfte auch klar sein, was den Spieler erwartet: Eine Hardcoresimulation über das U-Bahnfahren.

Bist du zu blöd, bist du hier falsch

Das „Spiel“ versucht auch nicht von diesem Image wegzukommen. Es gibt kein Tutorial oder anderweitige Einführungsmissionen oder gar Kampagne und auch das Handbuch hilft einen nicht wirklich dabei überhaupt aus erst einmal aus einer Station herauszufahren. Stattdessen wird dort erwähnt wie wichtig es ist die Klimaanlage während der Fahrt angeschaltet zu lassen – sonst gibt es Punktabzüge!

Beim ersten Start dauert es also einige Zeit bis man herausgefunden hat welche Hebel den in welcher Stellung stehen müssen damit der Motor anläuft und einen das grüne Signal nicht mehr drohend anstarrt. Die einzigen Zugeständnisse an Einsteiger sind eine handvoll Statusmonitore, die unter anderem die Entfernung und Farbe des nächsten Signals anzeigen und ein paar Realismuseinstellungen. Störungen am Zug lassen sich hier genauso deaktivieren wie der Schichtbetrieb in dem zusammen mit dem Spieler auch noch andere, KI-Gesteuerte Züge auf den Gleisen unterwegs sind.

U-Bahn fahren = *gähn*

Das Lernen und stufenweise Erhöhen des Realitätsgrades ist dementsprechend der einzige Motivationsfaktor des Spiels. Der Spieler erstellt zu Beginn nur ein Szenario. Dazu wählt er einen Streckenabschnitt der Verbindung New York nach New Jersey, legt den Wochentag und den Zeitplan fest und besteigt einen der drei unterschiedlichen Züge, die sich jedoch alle gleich anfühlen und fahren. Danach lässt ihn die Simulation alleine. Und hier kommt das Kernproblem der Simulation zum tragen: U-Bahn fahren ist langatmig und langweilig.

Am Anfang macht es auch etwas Spaß mit den vielen Optionen herumzuspielen und zu versuchen pünktlich an den einzelnen Stationen anzukommen. Die meiste Zeit fährt man jedoch durch die immer gleichen Tunnel und versucht die Geschwindigkeitsbegrenzung einigermaßen einzuhalten um nicht aus einer Kurve zu fliegen. Selbst die Freude über die wenigen Situationen, an denen man wirklich einmal den Untergrund verlässt und ans Tageslicht gelangt, wird durch die schlechte Grafik geschmälert. Und dennoch geht hier die Performance selbst auf starken Rechner teils massiv in die Knie.

Auch von der Möglichkeit an den Stationen auszusteigen oder durch den Zug zu laufen, wird man schnell Abstand nehmen. Hat man einmal die hässlichen Figuren und die generelle Bewegungslosigkeit der gesamten Szenerie betrachtet, lässt man es dann doch bleiben und freut sich schon fast über den Zeitdruck, unter dem man als U-Bahn Fahrer steht.

Fazit

Ich bin einfach nicht die Zielgruppe für solche Spiele. Natürlich habe ich versucht unter der Simulation das Spiel zu finden und die ersten paar Versuche erfolgreich meinen Dienst zu tun waren durchaus interessant und spaßig, aber auf Dauer fehlt mir einfach die Motivation. Im Train Simulator konnte man zumindest noch die schöne und detailreiche Landschaft genießen während man im Halbschlaf am Steuer saß. Aber hier geht es von einem grauen Tunnel zu einer detailarmen und fast menschenleeren Station zur nächsten. Der einzige Moment in dem man merkt, dass hier wirklich etwas passiert, ist an den Stationen wenn sich die Zahlenanzeigen „Einsteiger“ und „Aussteiger“ in Richtung „0“ bewegen. Die vielen kleinen Programmfehler, wie der Mix aus Deutsch und Englisch an allen Ecken, sind da gar nicht einmal das größte Problem des Spiels.

Obwohl die Simulation also ziemlich akkurat ist, empfehle ich selbst Simulationsfanatikern dann doch besser zu Train Simulator und dem Addon Berlin Subway zu greifen. Alle anderen investieren die 29,95€ hingegen in sinnvollere Dinge wie ein paar Tickets für die Münchner S-Bahn oder so.

Die Gelddruckerei

U-Bahn Simulator: World of Subways Vol. 1 – New York Underground „The Path“, so der komplette Titel des Spiels, stellt im Prinzip nur ein Grundgerüst dar. Ein Addon, dass unter anderem „hochrealistische“ Unfälle und eine Zugwaschanlage ins Spiel einbaut, ist bereits für weitere 12,95€ zum Download verfügbar. Der nächste Erweiterungspack, der die U7 in Berlin simulieren wird, kommt auch bald und dem sollen noch viele weitere Erweiterungen folgen.

Saints Row 2

Saints Row war 2006 auf der Xbox 360 ein geradezu frecher, aber vielleicht gerade deshalb auch guter GTA: San Andreas-Klon, der viele Fans fand. Teil 2 ist nun, vier Monate nach den Konsolenfassungen, für den PC erschienen und muss sich selbstverständlich wieder dem großen Konkurrenten GTA IV gegenüberstellen.

Vorweg jedoch noch ein wichtiger Hinweis: Der Titel wurde von der USK mit „Keine Jugendfreigabe“ bewertet und ist trotzdem bei uns nur in einer äußerst stark geschnittenen Version auf dem Markt. So wurden viele Gewaltdarstellungen und Minispiele entfernt. Die internationale Version ist hingegen indiziert und deshalb nicht Bestandteil dieses Berichts!

„Aldä, siehst du scheiße aus!“

Technisch gewinnt Saints Row 2 dabei absolut keinen Blumentopf. Die Texturen sind detailarm und matschig und die ganze Welt wirkt äußerst Grau. Und doch ist die Performance der PC-Version ähnlich schlecht wie die von GTA IV ohne auch nur annähernd so gut auszusehen. Speziell beim Auto fahren kommt noch hinzu, dass es vor allem bei hohen Geschwindigkeiten sehr viele nervige Nachladeruckler gibt. Dabei hat man als Spieler bereits mit der Steuerung der Vehikel an sich zu kämpfen.

Während das Laufen und Schießen mit der Tastatur und Maus noch einigermaßen gut von der Hand geht, muss zum Fahren auf jeden Fall zum Gamepad gegriffen werden. Der Grund ist, dass die Steuerung der Fahrzeuge komplett auf ein digitales Steuerkreuz ausgelegt ist, führt jeder Tastendruck auf der Tastatur zu einem vollen Einschlag in die jeweilige Richtung. Das sich die Fahrzeuge generell mehr wie Seifen als Autos oder Motorräder anfühlen, macht die Sache nicht besser.

Zum Gamepad greifen ist jedoch einfacher gesagt als getan, denn auch in dieser Hinsicht wurde beim PC-Port massiv geschludert. Beste Aussichten auf Erfolg haben Besitzer eines Xbox 360 Controllers. Das wird in den meisten Fällen korrekt erkannt und funktioniert. Alle anderen werden mit dem gesamten Fehlerspektrum von nicht erkannten Controllern bis hin zu nicht änderbaren Tasten konfrontiert. Und doch macht Saints Row 2 Spaß. Sehr viel Spaß sogar.

„Aldä, is das krass!“

Anders als GTA IV legt Saints Row 2 dabei weder einen besonderen Wert auf Realismus noch auf eine tiefe Geschichte. Im Gegenteil sind die Charaktere austauschbar und klischeebehaftet. Stattdessen ist das gesamte Spiel ganz klar auf „Fun“ ausgelegt. Das Fahren auf der falschen Straßenseite wird hier genauso mit der zweitwichtigsten Währung des Spiels (neben Geld) „Respekt“ belohnt, wie das Werfen von Passanten.

Ja, richtig gelesen. Passanten lassen sich aufnehmen und durch die Gegend werfen. Hinzukommen noch Aktionen wie Autosurfen oder das Entführen von Beifahrern, die man einfach so und jederzeit in der Spielwelt absolvieren kann. Aber auch daneben gibt es noch haufenweise Nebenmissionen und Nebentätigkeiten. Poker spielen ist da noch die normalste Variante. Neben den üblichen Taximissionen kann man unter anderem in einen Abschleppwagen einsteigen und „Falschparker“ mit nach Hause nehmen und noch vieles mehr. Die Möglichkeiten die Saints Row 2 abseits der Hauptmissionen bietet, sind wesentlich größer und vor allem spaßiger als die langweiligen Paketlieferungen, Bowlingspiele oder Polizeiverfolgungsjagden in GTA 4. Und dank sechs gegnerischen Banden, die es gilt bis zum Ende des Spiels zu unterjochen, gibt es auch während dem Fortschreiten in der Geschichte massig Abwechslung. Und das war noch nicht alles.

„Aldä, fette Klamotten!“

Saints Rows Stärke gegenüber GTA: San Andreas waren besonders die umfangreichen Optionen zur Individualisierung des eigenen Charakters und Heims. Saints Row 2 baut darauf auf und erweitert die Optionen sogar noch. Bereits die Charaktererstellung steht einem Rollenspiel in nichts nach. Von den Körpermaßen über die Irisgröße bis hin zur Stirnhöhe lässt sich hier alles verändern.

Im Spiel gilt es dann den eigenen Charakter von der Unterwäsche bis zur Baseballkappe in den vielen verschiedenen Shops der Stadt möglichst modisch auszustatten. Das Aussehen der eignen Gangmitglieder legt der Spieler genauso fest. Und auch das eigene Zuhause und der Gangunterschlupf dürfen, natürlich gegen Bargeld, individuell eingerichtet werden. All das ist jedoch nicht einfach nur Zierde, es beeinflusst hingegen die Stilwertung und diese sorgt dafür, dass der Spieler für einzelne Aktionen mehr Respekt erhält.

Um das Paket abzurunden, enthält Saints Row 2 auch umfangreiche Multiplayeroptionen. Neben einem Koop-Modus für zwei Spieler, können sich bis zu 12 Spieler gegenseitig im Deathmatch bzw. Team-Deathmatch die Rübe wegblasen oder im Teammodus „Strong Arm“ eine Serie von Minispielen absolvieren.

„Aldä, des Fazit!“

Ich glaube man merkt schon, dass ich von Saints Row 2 begeistert bin. Es ist zwar technisch nicht nur im Vergleich zu GTA IV eine schlechte Portierung, aber spielerisch gleicht es diesen Makel mehr als aus. Alleine die schiere Menge an Möglichkeiten seine Zeit zu verbringen sind der Wahnsinn. Was war ich überrascht, als ich ein Auto mit Beifahrer geklaut habe und plötzlich die Entführungsminimission gestartet ist. So etwas gab und gibt es in der GTA-Serie einfach nicht. Und weil es mir eben soviel mehr Spaß macht in Stillwater unterwegs zu sein, ertrage ich die technischen Schwächen wesentlich bereitwilliger als bei GTA IV, dass abseits der netten Geschichte und der Wahnsinnsgrafik Saints Row 2 nichts entgegenzusetzen hat. Und da in meinem Buch Spielspaß über Realismus steht, ist für mich Saints Row 2 der ganz klare Gewinner dieses Schlagabtauschs und eine Empfehlung für alle, die es genauso sehen.

Saints Row 2 setzt auf Steam als Kopierschutz. Aufgrund der Indizierung steht jedoch nur die deutsche, geschnittene Version zum Download bereit und es nicht möglich eine legal im Laden erworbene PEGI- oder US-Version auf einem deutschen Steamaccount zu aktivieren!

PS: Morgen ist mein letzter Tag als Student! Mehr dazu höchstwahrscheinlich am Montag.

Ein Kommentar

Saints Row 2 muss ich sagen, hat mich auch mehr als überrascht. Ich habe eigentlich überhaupt keinen Bezug zu GTA, keinen Anreiz dieses Spielekonzept zu Spielen. Nie gehabt. Beim Zuschauen war es schon lustig zu sehen, wie Sic seine komische fette Frau mit der hässlichen schwarzen Schmuddelkleidung dann einigermaßen mit etwas "Ansehnlichen" gekleidet hat. Passanten werfen…Passanten auf andere Passanten werfen…Passanten an anderen Passanten vorbei an Lampen werfen…Passanten die S-Bahn Treppe herunter, an anderen Passanten vorbei an Lampen werfen… hachja xD das wird nie langweilig.

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