JakillSlavik

Träumerische Walpurgisnacht

Je näher wir nun dem Fazit der Serie kommen, desto vorhersehbarer mag diese Lesereise wirken. Angelehnt an die Faustkapitel, begleiteten uns bisher die Titel als Wegweiser und somit immer mit einem Vorgeschmack auf den Inhalt. Dies jedoch nur insofern als das man auch den Inhalt des Buches, so grob er auch sein mag, kennt. Für alle anderen Leser hier in aller Kürze die Information: Nach einer ziemlich orgienartigen Zustand während der Walpurgisnacht, füllt Faust in einen Dämmerzustand und die beschriebene Szenerie wird noch wirrer als sie sowieso schon im vorherigen Kapitel war. Fausts Traumwelt wird ein Kapitel lang – Ghost in the Shell und Matrix lassen großen – die Realität, die Symbole tauschen die Positionen, die Nacht wird damit zum Tag.

Wenn die Nacht zum Tag werden kann, dann kann es genauso auch mal passieren, dass die Alternative einer Sache, die Sache selbst ersetzt. Bei der nun letzten Photoshop belasteten Zeitschrift, die nun heute vorgestellt wird, war dies nämlich der Fall. Denn Genauso, wie unsere Gesellschaft die umstrittene Wehrdienstpflicht nicht abschaffen kann, weil der Wegfall des Ersatzdiensts sonst unser Sozialsystem erschüttern würde, so startete auch das Magazin „DigitalPHOTO – Photoshop“ zuerst lediglich als Sonderheft im September 2007. Die nächste Ausgabe folgte fast ein Jahr später. Bei beiden Ausgaben wurden die Erwartungen der Redaktion nach eigenen Angaben „gesprengt“, sodass seit diesem Jahr das Heft nun eigenständig erscheint.

Unterm Strich kann man wieder sagen, dass es das typische 9,90 Euro (sogar mit Datenträger), zweimonatig erscheinende Photoshop Magazin ist, welches sich selbst auf die Segel schreibt: „Wir machen Sie zum Photoshop-Profi.“ Mit zwischen 100 und 120 Seiten ist es natürlich auch noch kaum unterscheidbar von der dicht besiedelten Konkurrenz. Eine klassische inhaltliche Gliederung, wie bei der DOCMA, mit Inhaltsangabe, TechTalk, Reportagen ist ebenfalls vorhanden, ebenso wie Gastautoren ala .psd und nicht zuletzt der Verweis auf die internationalen Photoshop Wettbewerbe. „Was macht dieses Heft nun besonders? “ war mein erster Gedanke beim Durchforsten und vor allem: „Warum braucht es noch so einen Ableger? Ist dies nur ein Sammelsurium aller bisherigen Beutestücke?“ Bereits die ersten Seiten machten mir deutlich wie sehr ich mich doch irrte.

Der innere Aufbau ist das Ausschlaggebende: Durch die Erfahrung aus dem Hauptmagazin startet DigitalPHOTO – Photoshop direkt mit einem ausführlichen Editorial, in dem die wichtigsten Faktoren der Aufgabe aufgelistet werden, ohne theatralische Verschwörungstheorien mit aktueller Weltsituation einzubauen. ‚Alternativ-Senf‘ würde der DOCMA Leser sagen. Neben den bekannten Workshops, den dazugehörigen Schritt-für-Schritt Anleitungen, ist hier der Datenträger enger Bestandteil des Pakets. Sämtliche Workshops bieten fast komplett die Möglichkeit alle Arbeitsschritte nachzuahmen. Hier ist allerdings mit ähnlich kleinen Einschnitten klar zukommen, wie bei Advanced Photoshop: Dem Urheberrecht bei manchen Bildern.

Darüber hinaus gibt es hier nun endlich den thematischen Schwerpunkt innerhalb eines Heftes, ohne die Einschränkung, dass sich alle Bereiche diesem Streben nach einem roten Faden komplett unterordnen. Durch die freiere Themengestaltung gehen die Bereiche ineinander über und lassen doch noch Variationen, damit nicht das Gefühl beim Leser entsteht, dass alles hin gebogen wird. Beispielsweise war im ersten Heft der Fokus auf ‚Illustration‘, welches direkt noch von einem Photoshop-Pro aus Amerika eingeleitet wurde, Bert Monroy, während zwei weitere Artisten ihre Arbeiten vorstellen und in Workshops Einblicke in die Arbeitsweise geben. Im TechTalk wurde mehrfach auf die Möglichkeit verwiesen, diverse Techniken auch zu verwenden, was sehr löblich ist, möchte man Workshop-orientiert einkaufen.

Die Workshops gliedern sich klassisch und um nicht sonderlich viel zu wiederholen bleibt nur kurz und bündig zu sagen, dass es eindeutig der DOCMA gleichwertige Beschreibungen und sogar eine bessere Darstellung haben. Mit einem nur selten variierenden Neun-Bilder pro Seite System, mit Vorschau-, Original- und Schlussaufnahme auf die gesamte Seite erstreckt, punktet dieses Heft auf jeden Fall gnadenlos bei der Präsentation. Positiv zu vermerken ist der individuelle Stil der Gastautoren, welcher aber wenigstens vom Layout her mit dem Rest des Heftes zu vereinen ist. Ein Autor hatte größere Bilder und eine versetzte Abstufung von Zeile zu Zeile, jedoch Absätze und Blockform des schriftlichen Teils waren ungebrochen, ohne dass man ein fremdes Eingreifen durch die Redaktion liest.

Doch, am Ende des Traumes stand schließlich wieder die solide Wunschvorstellung wirklich in einem Heft alle Vorzüge zu genießen. Denn selbst bei einem viel versprechenden jungen Magazin haben mich gewisse Zwischenbereiche, wie eben der TechTalk wenig erfreut. Ideenlos werden hier Software-, Hardware- und Peripherie Bereiche aneinander aufgereiht, zwar teils mit angesprochenen Querverbindungen zum Rest des Heftes, doch inhaltlich geht der professionelle Rat kaum über eine Werbebroschüre hinaus.

DigitalPHOTO Photoshop ist ein gesundes Komplettpaket vieler Vorzüge. Einziger Makel ist eben eine fehlende Sensibilisierung bei manchen Bereichen, wodurch vom professionellen Anspruch sicherlich die DOCMA die bessere Wahl wäre, wohingegen der Detailgrad auch von Advanced Photoshop höher liegt. Allein durch die kurze Entwicklung und das gesamte Angebot kann hier der Umfang dem Preis wirklich gerecht werden. Fröhliches Erwachen.

FF

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In diesem Beispiel habe ich unverändert direkt den Photomanipulations Workshop kopiert, in dem ein Foto mit Hilfe von Pinseln, Schmierreglern und Hintergrundeffekten den Zustand von Farbe eines Ölgemäldes nachahmen soll. Grob zusammengefasst also ‚digitale Maltechnik‘ in Reinform. Zuerst wurden die Farbtöne hinsichtlich Belichtung, Sättigung und Aroma eingestellt. Danach stellte ich durch feine Pinselstriche mit aktiviertem Ölfarbeneffekt, den Vordergrund genauer da und führte so eine Trennung zwischen Vordergrund und Hintergrund ein. Durch einfaches Nachzeichnen mit verschiedenen Schmiermarkern erreichte ich beim Hintergrund einen Mischeffekt, quasi ein Ansatz von Farbübergängen. Mit feineren Markern arbeitete ich dies beim Vordergrund nach. Im letzten Schritt erstellte ich als Unterlage eine grob förmige Tapete, damit auch das körnige Wesen einer herkömmlichen Leinwand dargestellt wurde. Bei einer zweiten Überarbeitung habe ich nach diesem Arbeitsabschnitt noch diverse Farbtupfer mittels ‚Klonen‘ mit der Leinwandbeschaffenheit besser kombiniert.

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