Bevor wir zum heutigen Eintrag kommen auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an JakillSlavik für seine Eintragsserie über Photoshop-Magazine. Natürlich nicht nur wegen dem informativen Inhalt, sondern auch weil es mir 1 1/2 Monate lang ein wenig mehr Luft verschafft hat. Ich hoffe, wir können das mal wiederholen. Nun aber zu den eigentlichen Themen des 600. Eintrags:

Seminar Nr. 1 in Stuttgart ist vorüber. Neben viel Lernen, war auch viel Freizeit angesagt. Abseits des traditionellen Kennenlernens im nahegelegenen Biergarten am ersten Tag, stand dabei auch ein Besuch des Carl-Zeiss-Planetariums Stuttgart an. Passend natürlich zur Vorbereitung auf den 21. Juli, an dem sich die erste bemannte Mondlandung zum vierzigsten Mal jährt (16.07. der Start, 20.07. die Landung, 21.07. der Ausflug und Beginn des Rückflugs, 24.07. die Ankunft Zuhause). Ihr wisst schon. 1969 sind da zwei Amis gelandet, während der dritte sich oben in der Kapsel langweilen musste (Michael Collins). Schon eine arme Sau, schließlich kennen die meisten Leute nicht einmal den Namen des zweiten Astronauten (Edwin „Buzz“ Aldrin) – und ja, ich musste auch erst einen Moment drüber nachdenken bis er mir wieder eingefallen ist.

Aber genug des Abschweifens. Passend zum Jubiläum drehte sich der Vortrag, projiziert auf die Innenseite der Kuppel des Planetariums, auch um das Thema „Rückkehr zum Mond“. Inhaltlich war die Stunde größtenteils interessant, wenn auch etwas oberflächlich. Technisch fühlte man sich hingegen in die 70iger zurückversetzt – und das obwohl das Planetarium erst vor zwei Jahren einen superdubermegaüberhammerwasweißich Projektor bekommen hat, der angeblich in Deutschland seines gleichen sucht. Da erwarte ich dann doch schon etwas mehr als Old-School-SciFi-Matté-Paintings und schlecht aufgelöste Videos. Nichtsdestotrotz hab‘ ich nun einmal erfahren, was vor allem die Amis derzeit so planen…

…und schüttele mächtig den Kopf darüber. Schon der Start: Zwei Raketen? Eine große von den Ausmaßen einer Saturn 5, die nur das Landemodul in die Erdumlaufbahn schafft? Und dann zusätzlich noch eine kleine mit der Raumkapsel? Als hätten wir nicht schon genug Müll da oben rumfliegen! Aber es geht noch weiter. Die Idee ist wohl, wenn es tatsächlich Eis in den 10km tiefen Kratern an den Polkappen gibt, dort unten eine Mondstation zu bauen. Klingt ja alles schön und gut, aber wenn ich dann höre, dass das Wasser in Treibstoff, Trinkwasser und was weiß ich alles umgewandelt werden soll, frage ich mich schon ob da irgendeiner zwei Meter weitergedacht hat. Ich kenne mich natürlich nicht so genau aus, aber wenn ich das vorhandene Wasser verbrauche – was ich ja besonders bei der Umwandlung in Treibstoff tue – woher soll auf dem Mond Neues kommen? Der Mond ist schließlich nicht umsonst ein staubiger, grauer Ball. Aber gut, lassen wir uns überraschen. Bei den Weltraumbehörden arbeiten so viele tausend Akademiker – da wird sich schon einer drüber Gedanken machen. Und die tatsächliche Inbetriebnahme wird vermutlich eh keiner von uns mehr erleben. Derweil wird es interessant was so bis 2020 alles in Sachen Mond passieren wird. Dank Google Lunar X-Price und neue, bemannte Vorhaben in den USA, Europa und China, könnte in die Weltraumforschung nach 30 Jahren gefühlte Langweile mal wieder etwas äktschn für den Massenmarkt (zu dem ich mich natürlich dazurechne) kommen.

Da fällt mir allerdings noch ein Punkt ein, der mich immer wieder mit dem Kopf schütteln lässt: Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Klar es gibt die ISS, aber vermutlich wird selbst da um jede Information gepokert anstatt das allen alles geleichermaßen zur Verfügung gestellt wird und nicht jeder wieder das Rad neu erfinden muss. Aber nö – Europa, USA und China pflegen lieber ihren Egoismus und halten so den Fortschritt auf. Das ist genauso, als würde ich meinen Arbeitskollegen Informationen vorenthalten, nur damit ich besser dastehe – was ich natürlich NIE tun würde! ;)

Der Weltraum und seine unendlichen Weiten war aber nicht meine einzige Freizeitaktivität in Stuttgart. Die Stadt hat schließlich noch ein paar „exklusive“ Dinge zu bieten, die man bei seinem Besuch gesehen haben sollte. Und nein, ich meine nicht die zwei Erotikläden (einer davon wohl auch mit „exklusivem Service“) in der Königsstraße (entspricht der Zeil in Frankfurt am Main). Auch das Daimler-Benz-Museum bzw. Porsche-Museum interessierte mich überhaupt nicht. Was dann noch übrig bleibt? Musicals! Yep, Musicals. Wicked – Die Hexen von Oz (im Palladium Theater) und We Will Rock You (im Apollo Theater) werden, soweit ich das zumindest verstanden habe, derzeit nur exklusiv in Stuttgart aufgeführt. Zusammen mit dem verbilligtem Preis (70 Euro für Preiskategorie 1-Plätze – normalerweise 99 Euro), konnte ich das Angebot nicht ablehnen und war nun zum ersten Mal im Leben in einem Musical.

Logo von We Will Rock YouDas Musical We Will Rock You aus der Feder von Queen und Ben Elton ist vermutlich auch eine der angenehmsten Varianten um in das Thema einzusteigen. Gute, altbekannte Lieder (von Queen), zugängliche Handlung und vor allem modern. Miss Saigon oder Das Phantom der Oper sind da sicherlich härter zu verdauende, aber sicherlich nicht minder interessante Brocken. Aber worum geht es überhaupt? Im Jahr 2040 hat sich ein totalitärer Staat unter der Leitung der Killer Queen und ihrer Firma GlobalSoft gebildet. Der größte Teil der Menschen auf Planet e.bay, wie die Erde mittlerweile heißt, hält sich in deren Cyberspace auf und ist vergleichbar einer Klon-Armee vollkommen gleichgeschaltet. Eigenes Denken, Handeln und generell der kleinste Funken von Individualität wird mit Strafe geahndet. Eine Maßnahme um diesen Zustand zu erreichen war handgemachte Musik (in diesem Fall ausschließlich Rockmusik) und die dazugehörigen Instrumente zu verbieten. Die einzig geduldete Form von Beschallung ist die computergenerierte GaGa-Musik. Aber wie so oft gibt es Hoffnung am Ende des Cyberspace. Nein, leider nicht in Form von Shodan – das wäre dann zu viel Insider gewesen. Stattdessen gibt es eine Legende die besagt, dass es auf e.bay doch noch Musikinstrumente gibt und ein Mann, genannt „Dreamer“, sie finden wird. Natürlich sind solche Prophezeiungen nichts ohne eine Sekte, die daran glaubt. Dementsprechend gibt es eine Gruppe Rebellen mit dem Namen „Bohemians“, die Widerstand leistet. Im Laufe der drei Stunden Spielzeit (zwei Akte) findet sich natürlich der „Dreamer“ und er schafft es selbstverständlich auch am Ende den Planeten e.bay zu befreien und die Killer Queen zu besiegen. Tut doch nicht so, als wäre das jetzt ein großer Spoiler gewesen…

Das vorhersehbare Ende ist dann auch die einzige Sache, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Statt eines fetten Bossfights, den man nach 2 1/2 Stunden Vorbereitung sicherlich erwarten dürfte, wird alles in wenigen Minuten abgehandelt. Gerade so, als hätte der Autor plötzlich auf die Uhr geschaut und ist zu der, für ihn unbefriedigenden, Erkenntnis gelangt: „Noch länger und ich muss einen dritten Akt schreiben…“ Dabei wäre ein „Kampf“-Duett zwischen der Killer Queen und dem Erlöser Galileo Figaro (ja, auch im Musical selbst wird über den Namen gelästert) sicher genial gewesen. Andererseits – Galileo hätte der fantastischen Monsterstimme der Killer Queen sicherlich nichts entgegen zu setzen gehabt. Den Namen der Sängerin kann ich euch aber leider nicht sagen, denn das Geld für das Programm habe ich mir dann doch gespart. Es gibt zwar eine Besetzungsliste im Internet, aber man weiß ja nie ob die wirklich an dem Abend gespielt haben, oder unter der Woche dann doch eher die zweite Reihe den Job erledigt. Die Bilder von Brigitte Oelke (die eigentliche deutsche Darstellerin) erinnern mich auf jeden Fall nicht an die Dame auf der Bühne und auch ihre Stimme klingt auf in YouTube-Videos anders. Ehrlich gesagt finde ich die dort zu findende Version von „Killer Queen“ sogar schlechter als das, was ich am Donnerstag hören durfte. Das ist aber vermutlich Geschmackssache.

Galileo Figaro machte auf mich mehr den Eindruck des naiven und dümmlichen Helden, der selbst wenn sein Leben davon abhinge Stroh nicht von Heu unterscheiden könnte. Aber wie es mit solchen Helden ist, brauchte er die Antwort auf die Frage „Warum liegt da Stroh rum?“ gar nicht wissen (ja, der vorherige Satz war nur zur Vorbereitung darauf!). Das ergibt sich bei Hauptdarstellern auch so. Zumindest konnte er singen. Dementsprechend kamen wirklich alle der unzähligen gut gecoverten und teils eingedeutschten Liedern von Queen wie die fantastische Einlage der Killer Queen mit „Don’t Stop Me Now“ oder, ich gebe es zu, dem abartigen Ohrwurm „Radio Ga Ga“ fantastisch rüber. Und obwohl ich ja ein Verfechter von Originalsprache bin, haben die Macher die Lieder nicht nur gut übersetzt, sondern spielen auch gekonnt mit dieser Tatsache. So geht es unter anderem ständig darum, dass die englische Sprache ausgestorben ist. Eine Sache, bei der ich mich durchaus frage, wie es im englischen Original gelöst ist. Sowieso nimmt das Musical sich selbst nicht allzu ernst. Stattdessen ist es sich, ohne jemals die „Fourth Wall“ zu brechen, seiner Realität bewusst. Das macht es angenehm locker und vor allem auch oft sehr lustig. Billige Gags wie ein, immer noch lustiger, Seitenhieb auf eine gewissen Daniel K. sind genauso vorhanden wie zahllose Anspielungen auf heutige Internethypes. Diese sind aber nur ein Teil der vielen Parodien auf die Popkultur des neuen Jahrtausends. Schon die Figur des Khashoggi ist so vollkommen eindeutig von Agent Smith aus The Matrix abgeschaut, dass man die letzten 10 Jahre schon als Eremit verbracht haben muss um das nicht zu erkennen. Auch Videospiele werden nicht ignoriert.

Im Gegenteil laufen passend zu „Another One Bites The Dust“ (wieder von der Killer Queen gesungen) auf der Leinwand im Hintergrund allerhand Spielszenen – auch aus indizierten Titeln. Leider habe ich da von der Darstellerperformance der leicht bekleideten Damen des Konzernvorstands dementsprechend nicht viel mitbekommen. Ich musste schließlich schauen ob ich alle der gezeigten PC- (u.a. natürlich Quake III Arena) und Konsolenspiele (u.a. Zelda – Ocarina of Time) anhand des meist nur äußerst kurzen Clips erraten kann. Und ja, ich konnte tatsächlich den größten Teil entziffern, da es sich anscheinend nur um große Blockbustertitel handelte. Ich habe eben doch kein Leben…

All das sind die Sachen, die ich mit „modern“ und „zugänglich“ meinte. Die Sprache des Musicals ist „hip“, die Anspielungen halbwegs aktuell, die Dialoge lustig, die Geschichte interessant genug um spannend zu sein und vor allem ist alles in fantastische Rockmusik (live gespielt!) verpackt, die sowieso nie altert. Für wen es also bislang noch nicht deutlich genug rüberkam: We Will Rock You war jeden Cent der 70 Euro wert und ich würde tatsächlich noch ein zweites Mal reingehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wer allerdings keine laute Rockmusik mag…nun, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen ;). Aber die oft sehr knapp bekleideten und gutaussehenden Darstellerinnen, besonders der Konzernvorstand von GlobalSoft, hatte ich ja erwähnt, oder?

3 Kommentare

Wenn man Mondgestein auf 800 Grad erhitzt entsteht Trinkwasser. Fühlt euch frei dazu ne passende Quelle zu finden. ;)

Interessanterweise ist Bagdadsoftware jetzt auf Platz 1 bei google wenn man die drei begriffe´"mondgestein 800 grad trinkwasser" bringt :).

Allerdings ist das doch auch keine Lösung. Statt nur das Wasser zu verbrauchen, ist am Ende dann eben noch zusätzlich der Mond weg…

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