Sicarius

Darkstar zum Dritten

Game Dev Story ist echt ein kleines Scheißspiel. Eigentlich macht man immer dasselbe, und doch habe ich gestern mehr Stunden damit verbracht als mit Darkstar – The Interactive Movie insgesamt. Und selbst während ich diese Zeilen tippe, arbeitet mein Entwickler-Team an der nächsten Konsolengeneration (die PS25). Für nur 2,99 Euro mehr als nur eine Kaufempfehlung! Doch um Game Dev Story soll es heute gar nicht gehen. Lest am besten den Test von meinem Kollegen Alex Hassel dazu, wenn ihr noch mehr erfahren möchtet: GamersGlobal.

Weitere Änderungen auf Bagdadsoftware

Das erste Thema dieses Eintrags ist hingegen erneut Bagdadsoftware an sich. Dieses Mal hat es die Unterseiten Garry’s Mod und Signaturen erwischt. Am Montag konnten sie sich noch erfolgreich verstecken, jetzt haben wir sie aber gefunden und durch die Verbesserungsmühle gedreht. Musstet ihr dort ewig lange nach unten scrollen, oder die hässlichen Zahlen obendrüber benutzen, um euch die einzelnen Bilder anzuschauen, erwartet euch nun jeweils eine richtige Galerie. Diese könnt ihr entweder einfach von vorne nach hinten durchklicken, oder die tollen Vorschaubilder untendrunter zum Direktanspringen nutzen. Auf den ersten Blick keine weltbewegende Neuerung/Änderung – das sind sie eigentlich alle nicht –, aber wie immer noch ein bisschen mehr Komfort. Großer Dank mal wieder an Rondrer, der den Kram eingebaut hat.

Zusammen mit der 29. Folge des Bagdadsoftware Podcast, wird es dann voraussichtlich am Montag noch einmal ein paar Änderungen/Neuerungen geben, bevor wir das Jahr in Ruhe enden lassen und den 10. Geburtstag der Seite am 9.3.2011 vorbereiten! Nein, ich habe noch nichts vorbereitet. Mir ist erst einmal wichtiger, dass ich ihn nicht vergesse :smile: .

Und damit kommen wir auch schon zum eigentlichen Hauptthema des heutigen Eintrags. Nachdem ich dem Spiel bereits zwei Vorschauen gewidmete habe, muss ich euch jetzt abschließend noch mit einem Angespielt-Bericht versorgen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass es sich überhaupt einer von euch importiert. Gemeint ist selbstverständlich:

Darkstar – The Interactive Movie – Gut einen Monat hat es gedauert, bis das Päckchen aus den USA endlich da war. Dafür habe ich mich mittlerweile schon einige Stunden auf der Westwick herumgetrieben und gerätselt, was das Zeug hält. Für alle, die es immer noch nicht wissen: Das Spiel ist seit langem (gut 12 Jahre) mal wieder ein Vertreter des tatsächlich vollkommen toten Genres der interaktiven Filme.

Mystery Science was?

Der stärkste Verkaufsfaktor des Spiels ist jedoch, dass der gesamte Cast von Mystery Science Theater 3000 mitspielt. Wie ihr kennt MST3K nicht? Gut, ich nämlich auch nicht. Scheint aber sowohl eine gute Comedy-Serie (lief immerhin 11 Jahre) als auch ein sehr guter, dazugehöriger Film zu sein (IMDB-Rating von 7.3). Nichtsdestotrotz dürft ihr in Darkstar – The Interactive Movie nicht viel mehr erwarten als B-Movie-Qualitäten, auch wenn die Geschichte an sich gar nicht mal so schlecht ist:

Es ist 2499, ihr wacht als Captain John O’Neil (nicht verwandt mit Jack O’Neil) an Bord der Westwick auf und habt dank des langen Cryoschlafs (ca. 314 Jahre) einen akuten Gedächtnisschwund. So weit, so Klischee. Doch im Laufe des tatsächlich gut 20 Stunden langen Spiels (90% davon FMV-Sequenzen), bekommt ihr sehr viel Backstory serviert und erfahrt schon zu Beginn, dass die Westwick zum Darkstar geschickt wurde. Ein schwarzes Loch ähnliches Gebilde, dass durch die Detonation aller Atomsprengköpfe der Erde entstanden ist. Wie die dort hingekommen sind? Nun, zu viel verraten möchte ich dann doch nicht. Wichtig ist nur, dass ihr zum einen nicht alleine dort draußen im Orbit eines unbekannten Planeten hängt – damit meine ich nicht das überlebende Crewmitglied – und zum anderen die Nähe zum Darkstar unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringt. Das Ganze ist sehr spannend in Szene gesetzt und hält einen, wie es bei so einem Spiel auch sein muss, tatsächlich bei der Stange. Ich will ständig wissen was damals auf der Erde passiert ist, was es mit dem Darkstar auf sich hat und wer der ominöse Feind ist.

Grauseliges Aussehen

Den ersten Schock als Spieler bekommt man gleich zu Beginn. Das Spiel startet mit einer Auflösung von 1024×768. Der eigentliche Spielbereich ist nochmals kleiner, weil sich wie früher das (abschaltbare) Interface um das Sichtfenster legt. Da verwundert es nicht, dass so viele Stunden Filmaufnahmen auf nur zwei DVDs passen. Auch der Rest des Spiels kommt vorsinnflutlich daher und erinnert mit seinen wenig detaillierten und sauber glänzenden Texturen frappierend an Myst & Co vor 15 Jahren. Eine Ausnahme bilden die Displays im Spiel. Die sind tatsächlich angenehm hochauflösend und erlauben euch fast alles lesen, was dort geschrieben steht – solange die Kamera nicht wegschwenkt.

Zumindest kann man sich an die Grafik gewöhnen. Ist ja schließlich nicht das wichtigste bei so einem Spiel. Nerviger fallen da schon die Steuerung und die ewig vielen Wartezeiten aus. Egal ob ich von einem Stuhl aufstehe, oder einen anderen Raum betrete: es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit bis vom Standbild auf die Lauf-/Hinsetz/-wasauchimmersequenz umschaltet wird und umgekehrt. Und da das gesamte Spiel aus Standbildern besteht, zwischen denen ihr euch immer hin und her bewegt, fühlen sich 20 Stunden Spielzeit mehr wie 40 an. Dazu kommt noch, dass es keine Hotspotanzeige gibt. Was ihr benutzen oder wo ihr hingehen könnt, findet ihr nur durch Absuchen des Bildschirms und schlichtes Trial & Error heraus. Die zweite Stunde des Spiels, nachdem ich das Cryo-Zimmer untersucht hatte, verbrachte ich beispielsweise damit den Button zu finden, der die nächste Aktion freischaltet. Selbst ein Blick in die (mitgelieferte) Lösung brachte keine Abhilfe. Irgendwann habe ich dann durch puren Zufall herausgefunden, dass man HINTER die Cryotuben gehen kann, so undeutlich ist der dazugehörige Hotspot.

Dieser Umstand verschlimmert sogar teilweise die Rätsel. So müsst ihr schon ganz früh per Konsole eine Tür öffnen. Verlasst ihr nun dieses Standbild auf dem falschen Weg, ist die Tür plötzlich wieder zu. Und erneut ist dieser Hotspot so schwer zu finden, dass man verdammt viel unnötig Zeit mit hin und herlaufen verbringt. Das war schon vor zwanzig Jahren nicht mehr modern…

Screenshot aus Darkstar – The Interactive Movie

Solide Rätselkost

Zu den Pluspunkten zählen hingegen die Rätsel. Egal ob ihr Codes für Türen in der Umgebung finden, ein tödliches Labyrinth navigieren oder kleinere Puzzle unter Zeitdruck lösen müsst: für durchweg logische Abwechslung ist gesorgt. Besonders fies: wenn ihr ein bestimmtes Rätsel im Spiel auf die falsche Art löst, lässt sich das Spiel nicht mehr beenden. Aber ähnlich wie in Wing Commander: Heart of the Tiger (Stichwort „Unendlicher Kampf gegen die Kilrathi-Armada“) merkt ihr das erst viel, viel später. Auch bei anderen Rätseln und Dialogen könnt ihr euch teilweise Wege verbauen, habt aber hier zum Glück immer noch eine alternative Lösungsmöglichkeit.

Hinzu kommen rund drei Dutzend Möglichkeiten zu sterben. Fünf Minuten im Spiel, schon war ich das erste Mal unfreiwillig tot. Also unbedingt regelmäßig und auf verschiedenen Plätzen speichern! Anschauen solltet ihr sie euch aber auf jeden Fall, sonst verpasst ihr was. Vor den bisherigen Sterbeanimationen waren auch immer teils mehrstufige Sicherheitsabfragen. Die Sequenzen zu entdecken und zu umgehen scheint also gar nicht so schwierig zu sein.

Interessante Charaktere

Was mir abseits der Hintergrundgeschichte aber am meisten gefällt, sind die Charaktere. Speziell der Roboter SIMON ist schlicht genial. Die Gespräche mit ihm triefen nur so vor Sarkasmus und Arroganz – herrlich. Wählt man beim ersten Treffen mit ihm gar die falsche Antwort, zeigt er einem auch noch den Stinkefinger und ward für den Rest des Spiels nicht mehr gesehen. Auch die meisten anderen Crewmitglieder, allen voran der mysteriöse First Officer Ross Perryman, sind nicht einfach nur Mittel zum Zweck. Sie helfen kräftig mit dazu, dass ich mehr über das Schicksal der Westwick erfahren möchte.

Der Star des Spiels bleibt für mich aber die Erzählerstimme: Peter Graves. Nicht nur finde ich seine ruhige und teilweise schon fast trockene Erzählweise generell sehr angenehm, er hat auch von allen irgendwie das interessanteste und tiefsinnigste zu sagen. „We make our choices and have to live with them. In this case, John O’Neil, you must die with this particular one.“ – aber das ist vermutlich einfach nur der Fanboy in mir…

Das Fazit

Was bleibt also zum Abschluss zu sagen? Nun, Darkstar – The Interactive Movie hat seine technischen Probleme. Aber da wo es zählt, also bei Rätseln und Geschichte, macht es viel richtig. Bei mir punktet es zusätzlich durch Peter Graves und dem Science-Fiction-Setting, das wesentlich mehr Action als in einem langweiligen Spiel wie Myst erlaubt. Das macht es zugänglicher für die heutige Jugend. Dennoch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass ich jetzt plötzlich anfange und die anderen Klassiker des Genres spiele (für Namen wendet euch an Azzkickr). Dafür ist mir das Ganze weiterhin schlicht zu langatmig, umständlich und leblos.

Leute wie Azzkickr, die dem Genre hinterhertrauern, dürfen – nein, müssen aber einfach zuschlagen und dürfen sich nicht von den Versandkosten abschrecken lassen. Nicht nur, weil es keine Alternativen gibt, sondern auch weil die Ein-Mann-Produktion von J. Allen Williamson wirklich nicht schlecht ist. Und das kommt von jemanden, der diese Art von Spielen normalerweise mit der Beißzange anfasst…

4 Kommentare

Da mich darkstar immernoch nicht interessiert kurz zu den Änderen:
Wunderschön = ) ein bisschen erinnern sie mich aber an diese ganzen 4chan vorschauseiten ^^" aber ich finde es gut, dass seit meinem Vorabeinblick auf dieses Feature nun die Beschreibungen auch noch dabei sind und damit haben die Seiten von meinem Empfinden her einen ganz anderen deutlich höheren Wert

Was warn das fürn großer Wink mim Zaunpfahl am Ende des Artikels ? ;)

Ja, ich denk, dass Spiel ist nicht online-konto-gebunden, oder? Das ruft ja nach Ausleihe von meinem allerliebsten Freund ;)

Und dann jammern, dass es so wenige Spiele für dieses Genre gibt tz tz tz ^^

Aber jemand der in der Vergangenheit soviel ausgeliehen hat, sollte nicht mit dem Finger auf nackte Leute zeigen, oder so ähnlich = )

Da kennt der MST3K nicht.. Sowas. Der Film ist übrigens tatsächlich grandios für alberne Filmeabende mit humorvollen Menschen. Und dank der Frühstyxradio-Crew ist sogar die deutsche Version des Filmes zum Schreien komisch! Nachholen, hopphopp!

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