JakillSlavik

Der verrückte König

Liebe Bagdadsoftware-Leserschaft,

Heute an diesem hoch-katholischen Feiertag beziehungsweise katholischen Hochfeiertag ist es mir doch tatsächlich vergönnt diese Seite mit Inhalt zu füllen. Vielen Dank dieser Ehrung wegen. Ja, natürlich gefällt es auch mir als bekennenden Protestanten an diesem Tage frei zu haben. So ein freier Tag fühlt sich dann jedes Mal ein wenig nach Wiedergutmachung an müsst ihr wissen. Wenn man bedenkt, dass man schon den einzig verbliebenen evangelischen Feiertag im Jahr mehr oder weniger abgeben musste, ist das nicht gerade erbaulich, wenn man erfährt warum man heute mal ausschlafen darf. Doch gerade in Bayern ist das verschmerzbar, da man sowieso mehr Feiertage vorfindet, als man eigentlich rechtfertigen kann, aber ich will mich hier nicht beschweren. Wirklich nicht. Denn ein freier Tag bleibt ein freier Tag. Und vom gestrigen Reformationstag, der wirklich mal ein wichtiges Ereignis war, dem man ruhig mal gedenken kann, haben die Meisten von euch bestimmt auch noch nichts gehört. Und natürlich werden auch dieses Jahr wieder unsere gewöhnlichen Bräuche, wie der Reformationstag und Allerheiligen vom amerikanischen (eigentlich irischen) Brauch der Vor-Allerheiligen-Zeit „überschattet“. Da man sowieso ungewollt über alles informiert wird, wie zum Beispiel über die absurden Aktivitäten im Westen, können wir dieses Thema aber heute gerne vertiefen.

Positiv möchte ich deswegen jene Ideen erwähnen, die aus diesem neuen Brauch entstanden sind. Bei Freizeitaktivitäten und Spielen an sich, ist es mir in der Regel zwar ziemlich egal was gerade im Feiertagskalender passiert, aber dieses Jahr war ich richtig ‚heiß‘ auf Halloween. Dazugehörige Events gibt es schließlich ja nicht nur physisch, sondern auch virtuell. Für mein Empfinden jedoch ist es schön, wenn sich Spiele-Entwickler diese Bräuche hernehmen und sie als Aufhänger verwenden um damit neue Inhalte zu kreieren. In der Regel weitgehend kostenfrei. Besonders bemerkenswert ist meiner Ansicht wie immer ArenaNet, die sich erneut die Zeit genommen haben zu Halloween ein passendes Event für Guild Wars 2 zu kreieren, das über das typische „Erwerbe besondere Halloween-Kleidung“ hinaus geht.

Wie schon von mir im Bagdadsoftware Podcast Nr. 45 – Laberecke 2012 erwähnt, fehlt es dem sonst rundum gelungenen Spiel gerade für fertig gelevelte Charaktere doch noch an Inhalten, die einen dann zum Weiterspielen animieren. Innerhalb von einigen Wochen hatte ich meinen Charr-Ingenieur (Hinweis: Charr sind diese Katzen – und Stier-artige Rasse) auf der maximalen Stufe mit akzeptabler Ausrüstung. Akzeptabel deswegen, weil Guild Wars 2 im Gegensatz zu Blizzard-Titeln keine Item-Spirale verfolgt wird, sondern es eine relativ leicht zu erreichende Obergrenze bei Statuswerten gibt. Jeder weitere Sammeltrieb kommt dann nur durch das eigene Bestreben eine Waffe zu bauen, zu finden oder einzutauschen, die ein besseres Aussehen, sprich einen eleganteren Waffen-Skin hat. Das gefällt mir zum Beispiel sehr gut, da man so schon auf einem gleichen Stand mit anderen Spielern der Stufe ist und auf der anderen Seite die Individualität durch das Stilisieren seiner Spielfigur herstellt. Diese Eigenschaft ist aber, wie ich mir jetzt eingestehen musste, Fluch und Segen zugleich. Wenn ich sowieso weiß, dass meine Bemühungen in Verließen nur einen Gegenstand nach sich zieht, der meinen ästhetischen Ansprüchen nicht genügt, dann betrete ich den Dungeon erst gar nicht. Und so verlor ich in Guild Wars 2 erst einmal ein antreibendes Ziel aus den Augen und wandte mich wieder exzessiv PAYDAY – The Heist zu, bis das Halloween-Event mit diesem kleinen Trailer angekündigt wurde.

Als ich das sah, weckte das natürlich Erinnerungen. Das Halloween-Feiertagsevent! Hachja!Das war für mich in Guild Wars 1 das erste richtige Online-Event, das ich jemals mitgemacht habe. Kurz nach der Einführung der Kampagne Nightfall wurden zwei der drei Hauptstädte in ein schön schauriges Halloween-Bild getaucht. Überall ließen die Monster Süßes- oder Saures-Taschen fallen, in denen Süßigkeiten, Alkohol und Partygegenstände zu finden waren. Diese Items hatten keinen Einfluss auf das Spiel in Form von Wettkampf; sie dienten nur dafür, dass man etwas Spaß hatte, sich Zuckerschübe, Rauschzustände und Feuerwerk spendieren konnte. Diese Sachen wurden dann auf Titel angerechnet, die ich bis heute nicht erreicht habe und wir reden hier von fünf (!) Jahren, die seitdem vergangen sind. Auf meinem YouTube Profil habe ich sogar noch ein altes Video gefunden, in dem ich eine dieser resultierenden Spaß-Situationen festhalte. Wie ihr sehr schnell merken werdet habe ich das damals noch mit der Trial-Version von Fraps und dem Windows-Movie-Maker gemacht.

Zurück zum Event: Am 31.Oktober erschien dann immer der Verrückte König Thorn in den Hauptstädten. Dieser lustige Genosse ist ein übergroßer NPC mit einem Kürbis als Kopf und einer Garde, die aus Karamell-Popcorn-Gestalten besteht, ähnlich den Dingern, die ihr im Video tanzen seht. Alle drei Stunden erschien Thorn und das Event startete im Bereich um ihn herum. Man spielte mit Hilfe von Emotes Papier-Stein-Schere gegen ihn oder musste über seine Witze lachen, die Philipp, dem Flachwitzer meiner Meinung nach immer noch ordentlich Konkurrenz machen. Das besondere Schmankerl war aber stets „Der Verrückte König sagt“, was sich genauso spielt, wie „Simon says“. Verlor man gegen ihm beim Schnick-Schnack-Schnuck, lachte nicht oder stellte man sich für „Simon says“ einfach zu dumm an, wurde man auf der Stelle vom König getötet, andernfalls erhielt man eine kleine Belohnung und zum Ende des Events eine Feiertagsmütze. Das Schöne waren somit weder der Tiefgang oder die Belohnungen des Events selbst, sondern die Schadenfreude über andere Spieler, welche die Tastatur-Befehle nicht auswendig konnten und gnadenlos von Thorn dahingerafft wurden. Gerade bei „der Verrückte König sagt“ war es immer ein besonderes Herzerwärmen, wenn man bei den schnellen Passagen sah, wie andere Spieler reihenweise wegstarben. Einfach herrlich.

Thorn

In Guild Wars 2 wurde fast alles aus dem Vorgänger übernommen, nur wesentlich großer aufgezogen. Während des Zeitraums vom 23. bis zum 31. Oktober wurde das Event in vier Akte unterteilt und diese dann bis zum Höhepunkt hin zelebriert. Groß angekündigt als „Der Schatten des Verrückten Königs“ ging es trotzdem im ersten Akt erst einmal etwas gemütlich los: Die freie Stadt Löwenstein wurde umdekoriert und man konnte Erzklumpen aus Karamell-Popcorn abbauen. Das Candy Corn brauchte man dann für den Handel mit Halloween-Artikeln, zum Eintauschen gegen Süßes-oder-Saures-Taschen oder um sich ganz dezent die virtelle Birne mit Süßigkeiten wegzuknipsen. Überall in Tyria, der Welt von Guild Wars 2, erschienen außerdem Schnitzkürbisse, von denen man 150 Stück finden und schnitzen musste. Dies wäre eine kleine Fleißaufgabe gewesen, hätte man durch einfaches Reloggen nicht bereits geschnitzte Kürbisse erneut verunstalten können. Ein schönes Gimmick war aber die Sammelquest der verlorenen Buchseiten aus den Memoiren des Verrückten Königs. Mit Hilfe eines mit Candy Corn betriebenen Radars musste man in einer Art Schnitzeljagd Geister orten und im Gespräch von ihnen die fehlenden Seiten erhalten. Durch das Sammeln der Seiten erfuhr man scheibchenweise endlich was für eine Art Herrscher dieser König einmal gewesen ist und wie seine Regentschaft beendet wurde. Dadurch wurde die sonst so eindimensionale Figur des MadKing interessanter und war nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck wegen der Halloween-Zeit. Nein, der Verrückte König passte jetzt, zusammen mit den Nebenquests aus Guild Wars 1 endlich vollständig in die Lore. Nachdem man alle Buchseiten zusammengetragen hatte, erhielt man in einem gesonderten Slot ein Buch mit Attributen, dass man auf dem Rücken tragend zur Schau stellen konnte.

Im zweiten Akt wurde diese Quest fortgeführt und man erhielt nach dem Abschluss ein noch stärkeres Buch, dass mit einer hübschen Flammenanimation brennend dargestellt wurde. Schließlich wurden auch zwei neue Formen von Player-versus-Player eingeführt, die über NPCs auf jeder Map betretbar waren, namentlich „die Verrückte Inquisition“ und „das Grollen des Sensenmannes.“ Außerdem erschienen in einigen Anfangsgebieten Türen in die Welt des Verrückten Königs, sofern die Spieler ein paar kleine Pre-Events abgeschlossen hatten.

Im Inquisitions-Modus hatte man eine Art Versteckspiel zu absolvieren, bei dem man sich als einfacher Dorfbewohner zuerst nicht gegen die anderen Spieler wehren konnte. Mit großer Vorsicht und dem geschickten Nutzen der Tarnung musste man drei Gebiete auf der Karte erreichen. Schaffte man dies, wurde man mit Begleitschutz belohnt. Schaffte man es nicht, wurde man ‚bekehrt‘ und musste ebenfalls Jagd auf andere Spieler machen. Durch jede erfolgreiche Aktion oder das Überleben als Dorfbewohner erhielt man Punkte, die dann schließlich über den Erfolg des Spielers entschieden.

Im Sensenmann-Modus bekriegten sich zwei Parteien um die Vorherrschaft. Jeder Spieler hatte das gleiche Waffen-Setup und folglich auch die gleichen Attacken. Die Abwechselung kam durch die Beteiligung von NPCs zu Stande, die in der Schlacht um Kontrollpunkte (mehrere Mausoleer) und Vorräte die Parteien jeweils im Kampf unterstützen.

Das „Labyrinth des Verrückten Königs“ war ein eigenes Gebiet in dem man sich über einen verwinkelten Friedhof gegen die Diener des Verrückten Königs durchkämpfte. Dieser Bereich diente vor allem den Spielern als Farmort für Feiertags-Gegenstände und Titel, die man während des Halloween-Events verdienen konnte. Anders als in Guild Wars 1 haben im Nachfolger diese Titel jedoch die Rolle einer Nebenquest, bei deren Abschluss man eine Belohnung erhält.

Was mir im zweiten Akt jedoch am meisten Spaß gemacht hat, war das Jump Puzzle „Uhrturm des Verrückten Königs“. In einer Instanz mit anderen Spielern musste man schnellstmöglich zur Spitze des Glockenturms klettern, bevor eine aufsteigende grünliche Flüssigkeit die eigene Spielfigur verschlang. Auf dem Weg zur Spitze sind verschiedene Kisten verstreut, die man optional erbeuten kann, was aber wiederum sehr zeitintensiv ist. Ich kann ohne Umschweife sagen, dass die Überlebenschancen durch den Zeitverlust drastisch sinken. Für viele Spieler war die größte Hürde, dass man das Sprungrätsel mit anderen Spielern absolvieren musste, wodurch man zu Beginn des Puzzles nur sehr schlecht sehen konnte, wohin man eigentlich sprang. Damit ihr euch dieses Event besser vorstellen könnt, habe ich euch ein kleines Video gemacht. Dies ist eine Premiere auf Bagdadsoftware, denn erstmals wird ein YouTube Video hier in einem Eintrag eingebettet: