Sicarius

Schicksale, Ratten und eine Evolution

„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“ besagt ein altes Sprichwort. Nein, heute geht es nicht schon wieder um unsere geliebten Haustiere (Pichu schafft es immer noch auszubrechen…), sondern um Videospiele. Lysanda hat am Wochenende nämlich ein Seminar besucht und ich war entsprechend allein Zuhause (mit den Katzen). Und ihr wisst, was das heißt: Zocken bis zum Umfallen! Okay, so viel war’s jetzt doch wieder nicht aber ich habe mir auf jeden Fall seit langem mal wieder ein richtig faules Wochenende vor dem Computer gegönnt. Und was habe ich gezockt? Nun, diese drei mehr oder weniger alten Schinken:

Destiny 2 (Herstellerbild)

Destiny 2 (2017; PC, XONE, PS4) – „Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul“ aber was soll ich denn sonst tun? Ich schreibe halt nun einmal ab und zu und hin und wieder über Spiele… Teil 1 ging zwar nicht an mir vorbei, aber ich wollte es nie für die „alten“ Konsolen kaufen, deswegen steht es nicht im Regal. Und da ich Teil 1 nicht habe, wollte ich bislang auch Teil 2 nicht kaufen. Hatte ich schon erwähnt, dass mein Videospielekaufverhalten auf andere mitunter etwas seltsam wirkt? Ja? Okay. Nun hat es Activision wegen schlechter Verkaufszahlen der DLCs verschenkt und ich konnte mal reinschauen.

Das Ergebnis? Die erste Stunde hat mich nicht vom Hocker gehauen. Ja, es war theoretisch ein bombastischer Einstieg: Die Rendersequenzen sehen richtig genial aus (aber nicht ganz auf Blizzard-Niveau), Nathan Fillion als Sprecher von Cayde-6 (neben vieler weiterer Prominenz) geht sowieso immer und ihr werdet sofort ins Geschehen geworfen, wodurch die Engine sogleich ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Und ja: Theoretisch sieht das Spiel wirklich hübsch aus. Praktisch muss ich aber sagen, dass mir alles viel zu steril wirkt obwohl ihr am Anfang in einer zerstörten Stadt unterwegs seid. Nein, das liegt nicht am SciFi-Setting, sondern ist das (zumindest mir) bekannte The Elder Scrolls-Problem. Spielerisch fühlte ich mich hingegen an Hellgate: London (was übrigens nächste Woche sein Comeback als reiner Solo-Titel feiert) erinnert – was nur bedingt positiv gemeint ist.

Die Schießereien gehen zwar gut von der Hand (wird ja überall über den Klee gelobt) aber die Einstiegswaffen hören und fühlen sich mal wieder nach nichts an und allein schon deshalb kommt bei mir kein richtiger Spaß auf die Masse an gleichförmigen Gegnern niederzumähen. Als ich dann auch noch einem Plotstopper begegnete (in der ersten Mission! Der Flieger, der mich abholen sollte war zwar da, nahm mich aber nicht mit.) – ja, ich hatte gerade ein Déjà Vu (Stichwort Red Dead Redemption) -, war das bisschen übriggebliebene Luft sofort raus. Zwar half ein Neustart am letzten Checkpoint und ich habe die Mission dann selbstverständlich beendet bevor ich das Spiel schloss. Aber ein echter Reiz zum Weiterspielen ist derzeit nicht vorhanden. Und das sage ich – um es noch einmal zu Betonen – nach nur einer Stunde Spielzeit mit der Tutorialmission!

Warhammer: End Times – Vermintide (Herstellerbild)

Warhammer: End Times – Vermintide (2015; PC, XONE, PS4) – Left 4 Dead im Warhammer-Universum. Statt gegen Zombies in Städten, wird gegen Ratten (= Skaven) in einer Mittelalterumgebung gekämpft. Mehr bräuchte ich tatsächlich gar nicht dazu zu sagen. Wem das Genre zusagt, kann zugreifen. Es gibt allerdings die Einschränkung, dass seit dem Release von Teil 2 sich die Server von Teil 1 etwas gelichtet haben (obwohl ich tatsächlich ein volles Team menschlicher Spieler auf Anhieb gefunden habe). Aber das wäre ja langweilig, wenn ich euch nur damit stehen lasse, denn es gibt durchaus ein paar Sachen, die für Warhammer: End Times – Vermintide sprechen im Vergleich zu Left 4 Dead & Co.:

Für mich ist es zu allererst natürlich das Setting und die Geschichte, die wie der Name schon sagt während der „Endzeit“ im Warhammer-Universum angesiedelt und nach meinem Verständnis Kanon ist. Das Level- und Charakterdesign versprüht dabei von vorne bis hinten nicht nur das dunkle „Warhammer“-Setting, sondern auch das wirklich bedrückende Gefühl in einer Stadt unterwegs zu sein, die dem Untergang nah ist. Was natürlich durch die sehr schicke Grafik unterstützt wird. So intensiv hat man die Skaven noch nie erlebt und es ist absolut kein Vergleich zum…ja, zur aus meiner Sicht einfach mehr Gameplay-fokussierten Konkurrenz. Was nicht heißt, dass es hier Abstriche gibt: Fünf völlig unterschiedliche Charaktere und ein extrem umfangreiches Loot- und Craftingsystem inkl. einem rudimentären Questsystem (jede Mission hat Nebenaufgaben) erwarten euch. Da geht selbst in der Grundversion mit ihren 13 Levels so schnell nicht die Abwechslung verloren. Sieben weitere gibt es als DLC, die euch außerhalb von Ubersreik unterwegs sein lassen. Im Gegensatz zu Destiny 2 hat mir hier die erste Stunde (zwei Levels auf „Easy“) gute Laune bereitet.

 

So viel also zu den Ultrakurzeindrücken zu diesen beiden Titeln. Die Nummer 3 habe ich hingegen am Wochenende angefangen und sogleich durchgespielt:

Evoland (Herstellerbild)

Evoland (2013; PC, OSX, Linux, iOS, Android) – Die ursprüngliche Idee für diesen Titel entstand beim 24. Ludum Dare (und war der Gewinner) und ist unter dem Titel Evoland Classic auf der Homepage des Entwicklers immer noch spielbar. Also einfach mal reinschauen!

Das Prinzip ist recht simpel: Das Spiel entführt euch auf eine kurze Zeitreise (ungefähr 6 Stunden inkl. allen Achievements) durch die Welt der frühen Action-Rollenspiele wie Final Fantasy, The Legend of Zelda oder auch Diablo. Angefangen mit Gameboy-Grafik ohne Sound, sammelt ihr nach und nach neue Gameplay-Features bis ihr euch in 3D mit HD-Sound in Echtzeit durch die Gegnerhorden metzelt. Alles natürlich mit einem großen Augenzwinkern versehen. Vor allem Final Fantasy VII war eine große Inspirationsquelle für die Entwickler. Hatte ich schon erwähnt, dass euer Held im Standard Clink und seine Gefährtin Kaeris heißt? Nein? Dann lasse ich das mal so stehen :smile: . Mich hat aber vor allem die Diablo-Passage zum Schmunzeln angeregt.

Abseits dieser interessanten Prämisse und der amüsanten Umsetzung, erwartet euch aber nicht viel substantieller Inhalt. Die meiste Zeit verbringt ihr mit Laufen und Kämpfen. Gekämpft wird auf zwei Arten: Es gibt eine Weltkarte, auf der ihr Final Fantasy-typische Rundenkämpfe absolviert und die einzelnen Gebiete, in denen ihr dann in The Legend of Zelda-Manier in Echtzeit zuschlagen dürft. Gestorben bin ich nur ein paar Mal bei den Bosskämpfen, ansonsten waren die Zufallskämpfe ausschließlich durch ihre Masse nervig. Da es kein echtes Level-Up-System gibt, hatten sie auch keinen Mehrwert und haben nur die Spielzeit unnötig verlängert.

Einstreut sind hier und da einfache Rätsel, die am interessantesten sind, wenn sie mit der Perspektive spielen. In der 2D-Ansicht stoßt ihr beispielsweise auf einen Block, der unüberwindbar scheint. Nachdem ihr in die 3D-Ansicht wechselt, könnt ihr einfach drübersteigen. Das Umschalten geschieht durch Kristalle, die in der Spielwelt verteilt sind. Neben diesen kleinen Highlights ist der Rest des Spiels aber eine rein lineare Angelegenheit ohne viel Tiefgang sowohl was das Gameplay als auch die Geschichte angeht. Habt ihr es einmal durch, gibt es keinen wirklich Grund es noch einmal zu spielen.

Evoland (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Objektiv betrachtet kann ich dem Titel nur 3 von 5 Sics geben. Es ist eine wirklich nette Idee aber unterm Strich fehlt die Herausforderung. Am meisten schadet dem Titel aber seine Länge. Obwohl es an sich ziemlich kurz ist, dauert es doch irgendwie zu lange an aufgrund der zahlreichen Zufallskämpfen. Natürlich könnte man argumentieren, dass das in den großen Vorbildern genauso ist. Aber eine gute Parodie zeichnet sich selten dadurch aus, dass sie einfach die Fehler des parodierten wiederholt. Aber ich habe es trotzdem gerne durchgespielt. Ja, die Gags sind eher oberflächlicher Natur aber man kann darüber trotzdem schmunzeln und man möchte entsprechend wissen, was die Entwickler noch so zu bieten haben. Und für kleines Geld – mehr kostet Evoland nicht – ist das aus meiner Sicht auch okay. Ich kann ich es entsprechend jedem ans Herz legen, der zumindest rudimentäre Kenntnisse der wichtigsten Rollenspielserien der 90iger hat. Vor allem hat es wesentlich mehr Substanz als beispielsweise DLC Quest. Ich bin nun gespannt darauf, was Evoland 2 da noch draufpacken kann. Es ist auf jeden Fall eine umfangreichere Angelegenheit (drei- bis vierfache Spielzeit laut HowLongToBeat.com).

 

Und damit wisst ihr, womit ich mir am Wochenende hauptsächlich die Zeit vertrieben habe. Bis Montag!

Ein Kommentar

Uh, ein Spiel zu dem ich was sagen kann.

Habe mir tatsächlich Warhammer Vermintide 2 geholt. Was man so liest sind die Unterschiede zum 1. Teil gering, hauptsächlich halt neue Level (selbst in dieser Hinsicht drängt sich der Vergleich zu Left4Dead ja geradezu auf…)

Habs mir geholt ums mit nem Kollegen zusammen zu zocken. An sich schon ganz witzig, kann mich aber irgendwie auf Dauer überhaupt nicht fesseln. Hab geschätzt 7 Maps gespielt (wegen zufälligem Multiplayer Map nicht mal 7 verschiedene) und die Luft ist komplett raus. Das Gameplay finde ich ziemlich eintönig und das Lootsystem ist meiner Meinung nach extrem langweilig (und das sagt jemand der Diablo3 heftig gesuchtet hat). Wird auf höherem Level vielleicht ja noch besser, so weit wie ich war hatte jedes Item einfach nur einen Stärkewert und man nimmt halt das mit dem höchsten Wert. Zusätzlich findet man Items nicht in der Spielwelt, sondern alles geht nur über Lootkisten. Absolut nicht mein Fall.

Und schon sind wir wieder bei Left4Dead. Da ging es mir exakt genau so. Da hatte ich vielleicht 5 Level gespielt und seitdem nicht mehr angefasst.

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