Sicarius

Von epischen Spieleläden und Kapitalismus

Ausschnitt aus meiner GOG-Bibliothek

CD Projekt musste Ende Februar einige Mitarbeiter von GOG.com entlassen. Grund ist wohl, dass es dem Shop nicht all zu gut geht. Über die genauen Gründe kann man wie immer nur spekulieren.

Früher war das Aushängeschild von GOG.com, wie der Name schon sagt, sehnsüchtig erwartete Re-Releases von guten alten Spielen, aufbereitet für moderne Systeme und vollgestopft mit Goodies wie Soundtracks – und das auch noch DRM-frei. Eigentlich die perfekte Nische in der heutigen Retrokultur. Mittlerweile ist das Thema irgendwie zumindest für mich als normaler Nutzer, der nicht jeden Tag bei GOG.com vorbeischaut, etwas ins Hintertreffen geraten. Ja, sie hatten vor Kurzem mit Diablo, WarCraft und WarCraft II drei völlig unerwartete Brüller (warum nicht über Battle.net?), die garantiert ein wenig die Kassen gefüllt haben. Aber in den letzten Jahren ist mir GOG.com eher durch die gefühlt jeden Tag eintrudelnde Werbemails im Kopf geblieben in denen (nur leicht übertrieben ausgedrückt) das halbe Sortiment um bis zu 90% reduziert angeboten wird.

So lockt man vielleicht Kunden an aber ob sich das am Ende wirklich finanziell lohnt? Bezweifle ich. Ich bin sicherlich kein typischer Käufer aber von den 53 Titeln, die ich derzeit im GOG-Account habe, habe ich exakt keinen einzigen bei GOG.com gekauft. Der größte Teil waren Freebies entweder von GOG selbst oder z.B. Kickstarter-Belohnungen. Ach und natürlich The Witcher III: Wild Hunt da die Box-Version dort aktiviert werden muss. Ich belaste also nur die Server und bringe keinen Umsatz *yay*.

Geiz ist geil

In einem Monat drei Freebies im Humble Store

Apropos Freebies: Nicht nur gibt es gefühlt jeden Tag in irgendeinem (Online-)Shop tausende Spiele zu absoluten Kampfpreisen – man kriegt auch ständig irgendetwas kostenlos nachgeworfen. Und damit meine ich nicht Abos wie PlayStation Plus oder Humble Bundle Monthly. Die kosten ja trotzdem jedem Monat Geld (und man bekommt im Gegenzug einen Haufen teils richtig guter Spiele!). Nein, ich meine die 100%-Kostenlos Dinger, die entweder nur die Anmeldung am Store oder eines Newsletters verlangen. Ich hab‘ mittlerweile so einige Spiele nicht nur doppelt, sondern sogar drei- oder vierfach deswegen – nur in unterschiedlichen Shops…

Für die Käufer natürlich eine super Sache diese ständigen Sales, Giveaways und Spielepässe. Ich vermute mal, dass es noch nie so viele gute Spiele für Umme/fast nix gab. Da sind nicht nur die Day-1-Käufer die Doofen, sondern sogar alle anderen. Aber so richtig gut für die Shops im Speziellen und die Spieleindustrie kann dieser absolute Preisverfall doch nicht wirklich sein. Es ist den Leuten schließlich schon lange nicht mehr zu vermitteln zehn Euro für ein tolles aber kurzes Spiel aus dem Portemonnaie zu holen. Wie will man dann unter solchen Bedingungen („gibt’s eh morgen kostenlos“) noch langfristig 60 Euro für einen Übermega-AAA-Blockbuster bekommen? Bitte? Gar nicht? Stimmt. Deswegen haben wir ja so einen Mist wie Games-as-a-Service, überfrachtete Trends (aktuell Battle Royale) und Open-World-Titel, die nur noch in Arbeit ausarten. Zu viel Konkurrenz ist also vielleicht doch nicht immer nur gut?

Der Neue

Phoenix Point (Herstellerbild)

Nun mischt seit mittlerweile vier Monaten auch noch der Epic Games Store den Onlinemarkt kräftig auf. Neben der Kampfansage „nur 12% Provision“ (im Gegensatz zu 30% z.B. auf Steam) sind der Grund dafür vor allem die Methoden zu denen die Besitzer der Gelddruckmaschine Fortnite dabei greifen. Gut, man könnte es einfach Kapitalismus nennen aber der durchschnittliche Gamer hat dafür logischerweise keinerlei Verständnis. Ja, es war absolut nicht die feine Art Metro Exodus zwei Wochen vor dem Release von Steam zu entfernen (immerhin wurden die Vorbestellungen honoriert). Aber bei dem Angebot, dass Epic Games dem Publisher Deep Silver vermutlich gemacht hat, wäre ich auch Schwach geworden. Natürlich kennen wir keine genauen Zahlen. Aber der Fall von Phoenix Point gibt einen ungefähren Aufschluss darüber, wozu Epic Games bereit ist, um sich schnell auf dem Markt zu etablieren.

Phoenix Point ist der inoffizielle XCOM-Nachfolger von Serienerfinder Julian Gollop und wird für ein Jahr lang exklusiv nur im Epic Game Store erhältlich sein. Ein Teil des Deals ist, dass Epic Games dem Entwicklerstudio einen Mindestumsatz garantiert. Sprich, selbst wenn sich das Spiel unterirdisch schlecht verkauft, kommt der vereinbarte Betrag aufs Bankkonto. Wie groß dieser Betrag genau ist, weiß man natürlich nicht. Aber er liegt wohl bei weit über zwei Millionen Dollar. Warum? Nun, dass diese Ankündigung den Unterstützern der Crowdfunding-Kampagne überhaupt nicht schmecken würde (damals wurde Steam und GOG versprochen), war auch den Entwicklern klar, weshalb sie „großzügiger Weise“ sofort uneingeschränkte Rückerstattungen ankündigten. Der Shitstorm blieb freilich trotzdem nicht aus und dabei ist einem Community Manager herausgerutscht, dass selbst, wenn alle ihre Unterstützung entziehen würden, genug Geld da wäre um schwarze Zahlen zu schreiben. Und die Crowdfunding- und Vorbestellungs-Summe belief sich zu diesem Zeitpunkt auf rund zwei Millionen Dollar. Daher dieser Wert.

Epic Games schmeißt also gerade mit Geld um sich und CEO Tim Sweeney hat deutlich gemacht, dass das so schnell nicht aufhören wird. Bei drei Milliarden Dollar Gewinn hauptsächlich durch Fortnite allein in 2018 kann er sich das definitiv leisten.

Das Geschmipfe

Sogar in New Star Soccer!

Ich hab‘ von Fußball bekanntlich keine Ahnung (und Azzkickr wird mich sicherlich gleich zurechtweisen) aber mich erinnert die ganze Diskussion komischerweise stark an eine Sache glaub‘ aus dem Jahr 2006. Damals hat TSG 1899 Hoffenheim tief in die Taschen gegriffen und mit den Millionen nur so um sich geschmissen, um Weltklassespieler zu kaufen. Da schimpften auch alle (deswegen habe ich das mitbekommen). Von wegen, dass das ja kein gescheiter Fußball wäre bzw. schlecht für den Wettkampf (macht der FC Bayern das nicht schon immer so?) und man soll doch die eigene Jugend fördern, etc. pp.. Aber das Ergebnis ist eindeutig: Seit 2008 ist der Verein durchgängig in der 1. Bundesliga. Und ich glaube mittlerweile interessiert es niemanden mehr, was da vor zehn Jahren los war.

Genauso wird es mit dem Epic Games Store enden. Gut, sie werden sicherlich nicht Steam vom Thron stoßen, dafür ist es zu etabliert. Doch das sind jetzt in den nächsten Monaten ein paar kurze Shitstorms und dann ist die Sache gegessen. Was nicht heißt, dass man die Methoden gut finden muss. Konsolenexklusivität ist ja schon doof aber jetzt auch noch eine Shop-Exklusivität bei manchen Titeln kommt einer Monopolstellung schon relativ nahe. Ja, die grundsätzliche Bindung an einen Shop ist nichts Neues. Allen voran natürlich bei Steam, aber ebenso EA Origin oder Uplay. Aber hier hatte man in der Vergangenheit immerhin noch die Wahl wo man seinen Key ersteht. Soweit ich das verstanden habe, wird es aber für den Epic Games Store keine Keys z.B. über den Humble Store geben. Und das ist logischerweise nicht gerade förderlich für den Wettbewerb. Dass der Epic Games Store gleichzeitig mit akutem Featuremangel und – viel schlimmer – haufenweise Security-Problemen zu kämpfen hat, ist da schon fast nicht mehr erwähnenswert. Aber hey: Es sind erst vier Monate. Uplay gibt es seit 2012 und ist immer noch ziemlicher Mist allein schon was die „Shopping-Experience“ angeht, wie man so schön Neu-Deutsch sagt.

Meine Meinung

Aber reden wir doch mal zum Abschluss Tacheles: Was ist meine Meinung zum Epic Games Store? Nun, ich hab‘ den Epic Games Launcher seit Ende 2015 auf dem Rechner. Damals gab es Shadow Complex Remastered für Umme. Irgendwann habe ich dann mal das neue Free-2-Play Unreal Tournament hinzugefügt aber das wird bekanntlich seit 2017 zugunsten von Fortnite nicht mehr weiterentwickelt. Ich habe also seit über drei Jahren das Ding auf dem Rechner, hatte es aber bis zum Start des Epic Games Store vielleicht ein halbes Dutzendmal gestartet. Seitdem ist es ein bisschen mehr geworden, weil Epic Games zwei kostenlose Spiele pro Monat bereitstellt und zudem mittlerweile die aktuellen Backer Builds von Phoenix Point darüber verteilt werden (dazu sicherlich demnächst mal mehr). Gekauft habe ich noch nichts (und trotzdem schon 13 Titel in der Bibliothek).

Ausschnitt aus meiner Epic Games Store Bibliothek

So hat es auch mit EA Origin, Uplay und Co. angefangen. Ich habe also kein grundsätzliches Problem mit zusätzlichen Launchern. Ja, ich starte nach dem Anschalten des Rechners erst einmal Steam, weil es einfach meine größte Spielebibliothek ist und meine Freundesliste beinhaltet (obwohl ich derzeit nicht viel kommuniziere – ‚tschuldigung!). Die anderen öffne ich nur, wenn ich tatsächlich etwas gezielt spielen möchte (derzeit z.B. Mirror’s Edge Catalyst in EA Origin) oder dort ein interessanter Sale hauptsächlich für DLCs läuft (zuletzt bei EA Origin endlich mal alles für die Dragon Age– und Mass Effect-Trilogien geholt – nein, ich habe die leider nicht zu Zeiten von GamersGlobal kostenlos erhalten). Aber ein Icon mehr oder weniger macht in meiner Taskleiste bekanntlich keinen großen Unterschied :wink: .

Die aktuelle Featurelosigkeit des Epic Games Store stört mich auch nicht weiter abseits der fehlenden Möglichkeit direkt in die Bibliothek zu springen beim Start (er öffnet erst den Store). Ist mir der Epic Games Store und die ganze Aufregung darüber also gleichgültig? Könnte man so sagen. Es hat mich bei EA und Ubisoft nicht gestört, warum soll ich mich also jetzt plötzlich darüber aufregen? Ich kann eh nichts dran ändern und am Ende des Tages sind mir die Spiele an sich und ihre Funktionsfähigkeit (Stichwort Uplay-Server oder die Abschaltung von Desura) wichtiger als der Launcher über den ich sie spielen muss. Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt, der aber grundsätzlicher Natur ist: Ich verliere langsam den Überblick und das geht an den Geldbeutel.

Ja, ich gebe offen zu, dass ich tatsächlich vor allem letztes Jahr aus Versehen das ein oder andere Spiel doppelt gekauft habe. Zum einen, weil ich meine Spieleliste in Bezug auf rein digitale Käufe lange nicht so rigoros pflegte wie meine Box-Käufe. Das ist mittlerweile Vergangenheit obwohl ich mit dem Nachpflegen noch nicht ganz fertig bin (ich hab‘ echt einen Haufen Spiele!). Zum anderen, weil ich z.B. bei einem Steam-Sale dann nicht dran gedacht habe, dass ich Steamworld Dig schon bei EA Origin habe (gab’s mal kostenlos). Das ist zwar gut für den Entwickler, weil er mehr (bzw. überhaupt mal) Geld von mir bekommt, aber natürlich für mich total doof. Entsprechend habe ich nun in besagter Spieleliste sogar noch eine Spalte ergänzt mit der Info mit welchem Launcher der Titel verknüpft ist. Ein weiterer Shop bedeutet entsprechend, dass die Zersplitterung und damit die Notwendigkeit so einer Liste für mich jetzt noch größer wird. Aber ich gehe davon aus, dass ist ein reines Luxusproblem von mir und ist nur begrenzt übertragbar :wink: .

Bis Montag!

2 Kommentare

Ich kenne den Epic-Store nicht, daher möchte ich nicht über ihn urteilen.

Ich glaube aber stand heute auch nicht, dass ich ihn in absehbarer Zeit kennenlernen werde. Da die ganzen Spiele dort wohl (größtenteils?) nur zeitexklusiv sind und früher oder später doch bei Steam landen, sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit, den Epic-Store auszutesten. Argument ist wie immer dasselbe: ich habe mehr als genug andere Spiele um die entsprechende Zeitexklusivität zu überbrücken.

Von daher treffen mich die Probleme bezüglich fehlender Sicherheit, Spionage, wenig Features und Zersplitterung überhaupt nicht.

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