Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #28

Der Öl-Vorrat neigt sich wie geplant dem Ende zu.

Es geht endlich los – also zumindest, wenn Sabine (nein, nicht Daiah – der Orkan) nicht alles so sehr durcheinanderwirbelt, dass die Handwerker erstmal woanders gebraucht werden. Wäre auch deshalb doof, weil natürlich jetzt alles schön durchgetaktet ist: Am Donnerstag kommt zuerst der Tiefbau, um die Gräben auszuheben und alles vorzubereiten. Am 17. und 18.2. haben sich dann die Monteure für den Gas-Anschluss sowie die vom Zuwasser angekündigt. Anschließend verlegt der Tiefbauer die Abwasserrohre und alles wird wieder zugemacht – das Ende der Außenarbeiten inkl. Abnahme durch die Stadtwerke (solange muss der Graben offenbleiben). Am 17. kommt außerdem die Öltankfirma zu einer Begehung, um zu schauen was und wie alles getan werden muss, um den Tank aus dem Keller zu holen.

Die Woche drauf, am 26.2. kommt hingegen der Schornsteinfeger. Er will nochmal den Schornstein durchfegen vor dem Heizungswechsel. Der findet dann am 27./28.2. statt, denn da haben sich die Heizungsbauer angekündigt. Ab dann sind wir vom fossilen Brennstoff Öl abgekapselt und verbrennen stattdessen den ebenso fossilen Brennstoff Erdgas. Ja, Erdgas ist technisch gesehen nicht viel besser als Erdöl was die Umweltbilanz angeht. Aber so tolle Sachen wie Geothermie oder Fernwärme gibt es halt bei uns (noch) nicht. Deswegen quasi nur der Wechsel von einem Übel zum nächsten. Es lohnt sich aber für uns, denn wir kriegen so den fast 55 Jahre alten 7.000l Stahltank aus dem Keller und gewinnen entsprechend Raum dazu. Außerdem ist Erdgas trotz einer gewissen Abhängigkeit zum Ölpreis (wird wohl größtenteils in den gleichen Gebieten gefördert) doch noch ein gutes Stück billiger. Und nein: Wir kriegen nicht stattdessen einen Tank im Garten oder so. Das Erdgas kommt tatsächlich einfach so aus der Leitung :smile: . Sobald der Öltank dann draußen ist, können wir das Abwasser innen neu verlegen lassen (ich wate nicht nochmal durch meine Scheiße) und die Aktion ist beendet.

Handwerker

Der Antrag für den Wasseranschluss

Übrigens gar keine einfache Sache so was zu koordinieren. „Kommunikation“ gehört auf Basis meiner bisherigen Erfahrung definitiv nicht zum Pflichtfach in der Berufsschule. Nichts gegen die Tiefbaufirma aber wenn ich mich nicht Ende Januar mal proaktiv erkundigt hätte, wäre der Anruf vermutlich erst vor ein paar Tagen mal gekommen von wegen „Ach übrigens: Wir kommen nächste Woche!“. Das ist wie mit der Post: Es wird immer erwartet, dass man einfach da ist. Als hätte man als Vollzeit-Arbeitnehmer nichts Besseres zu tun und braucht nicht auch ein wenig Vorlauf, um seine Termine entsprechend anzupassen.

Und selbst abseits des Termins wussten nicht alle Beteiligten so genau Bescheid, wie ich das erwartet hätte. Die Stadtwerke riefen mich z.B. vergangenen Donnerstag (vermutlich nach einem Anruf des Tiefbauers) an und meinten: „Wir sollen übernächste Woche was bei Ihnen machen, aber wir haben doch noch gar keinen Antrag von ihnen?!“ Bitte was? Ihr hattet mir doch ein Angebot geschickt und ich hab‘ es unterschrieben. Ja, ne so einfach geht das natürlich in der deutschen Bürokratie nicht. Da muss noch ein Formular mit Plänen ausgefüllt werden. Hat mir keiner meiner Kontakte dort vorher gesagt gehabt. Aber gut: Die Pläne hatte ich dank des Entwässerungsgesuchs griffbereit, das Formular war zügig ausgefüllt und dann per E-Mail alles hingeschickt. Bin also guter Dinge, dass das wie geplant hinhaut.

Also merke: Nicht nur ein Angebot von den Wasserwerken schicken lassen, wie viel das Verlegen und Anschließen kosten wird – auch gleich den Antrag bei den Stadtwerken anfordern!

Übersicht

Ich habe letzte Woche entsprechend viel Zeit mit telefonieren verbracht. Zwar hat die Tiefbaufirma prinzipiell die Koordination für alle Außenarbeiten durchgeführt – was ich natürlich erwartet hatte. Aber die Arbeiten im Inneren musste ich natürlich auf Basis der nun feststehenden Termine anleiern und offiziell beauftragen. Aber halten wir doch mal genauer fest, was eigentlich alles passiert, wer es macht und was es kostet:

Art der Baumaßnahme

Umverlegung der Abwasser- und Zuwasserleitungen (was tatsächlich aus Sicht der Stadtwerke jeweils ein Neuanschluss ist) sowie Herstellung eines Gas-Anschlusses plus Einbau einer Gasheizung und Abbau/Entsorgung eines Heizölbrenners.

10m² mehr Platz!

Im Außenbereich umfasst das ca. 25m Tiefbau mit Oberfläche. 2-3m davon sind im öffentlichen Grund und der Rest größtenteils mit Pflaster bedeckt (im Angebot stehen 33m² Pflaster rausnehmen und wiedereinsetzen). Wobei nur in ca. 13m Graben alle drei Versorgungsleitungen (Abwasser, Zuwasser und Gas) drin sind. Damit ich mir im Keller in Zukunft nicht mehr den Kopf stoße, kriegen wir nämlich eine komplett neue Mauerdurchführung für das Abwasser an einer anderen Hausseite. Sprich vor dem Haus treffen sich die Abwasserrohre, bevor sie dann zu einem Rohr vereinigt an den öffentlichen Kanal angeschlossen werden. Zusätzlich muss kurz vor Ende des Privatgrunds noch ein Revisions-/Kontrollschacht gesetzt werden. Der fällt in unserem Fall mit DN400 ziemlich klein aus (die Vorgaben verlangen eigentlich einen DN1000) aber da der öffentliche Kanal selbst viel zu wenig Überdeckung hat, macht es keinen Sinn so ein riesiges (und teures!) Monster da hin zu machen. Und da das Entwässerungsgesuch auch damit genehmigt wurde, gehe ich jetzt mal davon aus, dass das so passt :smile: .

Ursprünglich wollte ich unser Regenwasser ebenfalls mit in den Kanal laufen lassen aber das wurde mir von den Stadtwerken verboten, weil der Kanal in der Straße zu klein ist. Es bleibt also bei einer sogenannten „Bodennahen Versickerung“.

Beteiligte

Da ich mich tatsächlich vergleichsweise schwer getan habe die richtigen Firmen für die einzelnen Tätigkeiten zu finden – kenne ja schließlich nicht zwingend alle Fachbegriffe -, hier mal eine Liste aller Beteiligten:

  • Ingenieurbüro für die Erstellung des Entwässerungsgesuchs
  • Tiefbaufirma zur Herstellung der Gräben
  • Wasser-/Stadtwerke zur Herstellung der neuen Zuwasserzuführung und Abnahme der Abwasserleitungen
  • Gasversorger bzw. beauftragte Baufirma zur Herstellung des neuen Gasanschlusses
  • Kanalbaufirma (in unserem Fall identisch zur Tiefbaufirma) zur Außenverlegung der Abwasserrohre
  • Schornsteinfeger zur Vorbereitung und Abnahme der neuen Heizungsanlage (ja, er muss nochmal kommen)
  • Heizungsbauer zum Abbau der alten und Aufbau der neuen Heizungsanlage
  • Öltankbau-Unternehmen zum Abbau des alten Öltanks
  • Einer unserer Nachbarn, dem wir unser restliches Heizöl rüber pumpen werden. Die Entsorgung durch die Firma kostet nämlich sonst 0,39€ pro Liter – das kann man definitiv sich sparen.
  • TÜV für die Bescheinigung, dass der Öltank tatsächlich abgebaut wurde (ja, total Banane)
  • Sanitär-Installateur/Klempner (in unserem Fall identisch zum Heizungsbauer) zur Umverlegung der Abwasserleitungen im Haus

Ganz schön viele Leute für so eine vergleichsweise kleine Maßnahme. Kein Wunder, dass es so schwierig ist die unter ein Dach zu bringen.

Zeitfaktor

Die alte Ölheizung

Wie ihr oben schon sehen konntet: Der Hauptteil der Arbeiten wird innerhalb von drei Wochen abgeschlossen sein, wenn alles nach Plan läuft. Ist ja auch klar: Der Tiefbauer kann den Graben nicht ewig offenstehen lassen – die verkehrsrechtliche Anordnung zum Graben im öffentlichen Grund gilt glaube ich zwei Wochen. Also müssen er und die Versorger das Ganze zügig über die Bühne bringen.

Im Inneren des Hauses ist der Zeitdruck etwas weniger stark. Wir müssen zwar bis zu einem gewissen Stichtag Gas vom Versorger beziehen, sonst kriegen wir zusätzliche Kosten aufgebrummt, aber das ist in unserem Fall erst 2021. Es macht aber natürlich Sinn das ebenfalls möglichst zügig über die Bühne zu bringen. Außer dem eigenen Kontostand spricht ja normalerweise nichts dagegen sofort die Heizung auszutauschen. Und wenn man den Öltank länger stehen lässt, kommen schlimmstenfalls sogar nochmal Kosten für die zyklische Prüfung auf einen zu, die ja technisch gesehen dann nicht mehr notwendig wäre. Nach aktuellem Stand dürften wir aber mit allen Maßnahmen bis Ende März sein. Also 1 1/2 Monate von Start Tiefbau bis der Umverlegung des Abwassers im Keller. Die Vorarbeiten (Entwässerungsgesuch, Angebote einholen, etc.) haben da tatsächlich wesentlich mehr Zeit gekostet. Das dürfte mindestens doppelte so lange gedauert haben.

Das Material

Die genauen Details was alles verbaut wird/wurde, werde ich in den kommenden Einträgen bekannt geben aber in Sachen Heizung kriegen wir grob gesagt einen bodenstehenden Gas-Brennwertkessel. Warum „bodenstehend“? Weil der Heizungsbauer gesagt hat, dass die Wandgeräte nicht so super wären und es auch vom Hersteller darauf weniger Garantie gibt. Sind dann zwar etwas billiger aber bringt ja nichts, wenn ich es in 10 Jahren schon wieder tauschen muss. Aus dem Haus heraus werden hingegen Abwasserrohre der Größe DN100 bis zum Zusammenführungspunkt gelegt und dann auf ein DN150 gewechselt. Warum? Ganz einfach, weil das die Vorgabe von den Stadtwerken ist. Gemäß der Berechnung des Ingenieurs würde ein DN100 nämlich für unsere Hütte ausreichen – und der Unterschied zwischen DN100 und DN150 sind immerhin 3-4€ pro Meter! Und dann natürlich kommt noch der oben erwähnte Revisionsschacht dazu.

Die Kosten

Finale Preise habe ich natürlich noch nicht ganz genau und selbst dann werde ich sie wie immer an dieser Stelle freilich nicht alle nennen – gibt leider immer zu viele Leute, die sich damit dann versuchen irgendwas zusammenreimen und/oder es nicht ertragen können, dass man vielleicht etwas Geld hat und es auch noch ausgibt. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Preise also: Nun, das Entwässerungsgesuch hat trotz Preisnachlass (es war ihm unangenehm, dass sein Angebot SO stark von der finalen Rechnung abwich) immer noch gut 2.500€ gekostet. Tiefbau als auch die Gasheizung befinden sich hingegen mit Arbeit und Material im niedrigen, fünfstelligen Bereich. Kein großes Geheimnis ist hingegen, dass der Gasanschluss mit nur rund 1.000 Euro zu Buche schlägt, weil der regionale Versorger ein entsprechendes Pauschalangebot hat („begrenzt auf eine bestimmte Anzahl an Häuser pro Jahr“). Der Wasseranschluss (wohlgemerkt ohne Tiefbau!) wird dafür ca. dreimal so teuer, denn die haben so eine schicke Pauschale leider nicht. Für den Abbau des Öltanks (inkl. Aufschneiden der Tür) und Umverlegung Abwasser innen kommt nochmal um den Dreh der gleiche Betrag dazu. Die Bescheinigung vom TÜV kostet hingegen 120€ und für die Abnahme der Anlage wird der Bezirksschornsteinfeger wahrscheinlich 250€ verlangen. Macht zusammen einen stattlichen fünfstelligen Betrag, den wir insgesamt auf diverse Konten überweisen müssen. Aber es ist natürlich eine Investition in die Zukunft. Ich hau‘ mir nicht mehr im Keller den Kopf am Rohr an, ich kann endlich meine Wasseruhr im Auge behalten und wir können z.B. ein Bad in den Keller bauen. Muss Lysanda nicht immer hochlaufen, wenn das Springen auf dem Trampolin mal wieder ihre Verdauung in Schwung gebracht hat :smile: . Außerdem steigert sich selbstverständlich der Hauswert. Ist für uns zwar aktuell nicht wichtig – wir wollen ja noch etwas länger hier wohnen bleiben -, aber man weiß ja nie.

Der KfW-Zuschuss 430

Unterm Strich also keine ganz so billige Sache, diese Baumaßnahme. Jetzt könnte man natürlich fragen: Gibt es da nicht irgendeine staatliche Förderung? Ja, gibt es theoretisch. Das ist zum Verfassungszeitpunkt der KfW 430. Da kann man für Einzelmaßnahmen 20% der Kosten zurückbekommen (maximal 10.000€). Darunter würde tatsächlich auch die Erdgasheizung (nicht der Anschluss selbst!) fallen. Das Problem ist: Es lohnt sich bei uns einfach nicht. Ja, wir würden natürlich am Ende der Aktion etwas zurückbekommen aber der Betrag würde unter 1.000€ liegen und dafür ist der Aufwand und die dafür notwendigen Ausgaben einfach zu groß. Es fängt schon damit an, dass ihr einen lizensierten Energieeffizienzberater beauftragen müsst, der die Maßnahme begleitet. Sprich er schaut sich das an, macht den Antrag und nimmt das Ergebnis ab. Und der macht das logischerweise nicht kostenlos, sondern schlägt gleich mal mit mehreren Tausend Euro zu Buche.

Natürlich hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau ebenfalls an diesen Umstand gedacht und den KfW 431 ins Leben gerufen: Damit werden die Kosten eines Experten für Energieeffizienz bis zu 50% gefördert. Aber selbst damit muss eure Investition schon eine gewisse Größe haben (ich glaub‘ der Berater meinte min. 20.000€), bevor es sich wirklich lohnt. Deshalb haben wir (und auf Anraten des Beraters – was ich ihm wirklich zu Gute halte!) darauf verzichtet und bezahlen einfach alles aus eigener Tasche. Das ist im Ende tatsächlich billiger und weniger stressig.

Epilog

Und damit würde ich sagen ist es erst einmal genug für heute. Die Maßnahme dürfte unser größtes Ding seit den Renovierungsarbeiten vor dem Einzug vor vier Jahren (ja, ist tatsächlich schon wieder so lange her!) sein sowohl was die Kosten als auch den Aufwand betrifft. Aber anders als damals lassen wir dieses Mal alles von Handwerkern machen. Hoffen wir mal, dass das deutsche Urvertrauen in diesen Berufsstand heutzutage noch gerechtfertigt ist :smile: .

Wenn alles wie geplant läuft, gibt es dann vermutlich in zwei Wochen die Folge 29 mit dem Bericht zum (Miss)Erfolg der Tiefbaumaßnahmen. Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss Magic: The Gathering – Puzzle Quest spielen. Meine Koalition erwartet eine bestimmte Punktzahl von mir…

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