Sicarius

Ein Batterieabenteuer

Sie hatte lange Jahre guten Dienst geleistet.

Bei Kotaku berichtete der Autor Riley MacLeod am Wochenende darüber, dass seine PlayStation 4 in regelmäßigen Abständen piepst und er irgendwie zu faul ist sich richtig darum zu kümmern. Für Google: Es ist eines der älteren Modelle, die einen berührungsempfindlichen Knopf zum Ausspucken der Bluray haben. Gibt wohl diverse Gründe, warum der irgendwann anfängt sich in unregelmäßigen Abständen selbstständig zu aktivieren. Und wenn man den drückt, piepst es halt.

Stromlos in Dornheim

Kein wirklich guter oder gar lesenswerter Artikel, passte aber grad perfekt zu unserer eigenen Situation. Wir haben nämlich ebenfalls längere Zeit etwas ignoriert bis es dann zu spät war [Anm. v. Lysanda: Hey! Ich hab’s schon vor Monaten gesagt! Den Schuh‘ ziehst du mir nicht an!]: Lysandas Autobatterie. Mittlerweile rund zehn Jahre alt, zeigte sie schon seit Monaten Anzeichen des schleichenden Verfalls (ging immer schlechter an), selbst ein Laden bei Verwandten brachte nur sehr kurzzeitige Verbesserung und der längere Corona-bedingte Stillstand hat ihr dann scheinbar den Rest gegeben. Aber selbst als in den letzten Wochen die Uhr immer wieder auf „12:00“ stand, haben wir erst langsam reagiert. Vor zwei Wochen sind wir dann doch endlich mal in den Baumarkt, um ein Ladegerät zu kaufen. Auf dem Heimweg blieben wir anschließend noch bei einem Supermarkt stehen – und dann sprang der Chevrolet Spark nicht mehr an. Zum Glück fahren wir immer ein Ladekabel durch die Gegend und es fand sich auch schnell jemand, der uns Starthilfe gegeben hat (mit dem ADAC hätten wir über eine Stunde warten müssen).

Wieder daheim angekommen also gleich das neue Ladegerät in Betrieb genommen und eine Nacht laufen lassen. Aber obwohl das Gerät am nächsten Morgen „Full“ anzeigte, sprang‘ die Karre nicht mehr an. Die Elektronik leuchtete zwar aber sobald ich fertig umdrehte, stürzte alles ab. Super. Aber gut: Die Batterie war wie gesagt noch das Original ab Werk und hatte entsprechend schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Insofern durfte sie jetzt so langsam mal den Geist aufgeben. Also erstmal die Werkstätten in der Umgebung abtelefoniert. Seit Chevrolet sich allerdings aus dem deutschen Markt zurückgezogen hat, sieht es mit Ersatzteilen echt mau aus. Sprich es hatte angeblich keiner eine passende Batterie bzw. hatte keinen Bock vorbeizukommen. Also haben wir uns im Internet orientiert – und „trotz unserer Interneterfahrung“ (O-Ton Mama) voll ins Klo gegriffen.

Lieferung aus Timbuktu?

Bei unseren Recherchen sind wir auf den Händler AUTODOC (an dieser Stelle absichtlich keine Verlinkung) gestoßen. Klang soweit gut: Die Seite machte einen seriösen Eindruck, die Preise sind niedrig und nach Eingabe unserer Daten aus dem Fahrzeugschein sprang auch eine Liste an Batterien raus, die angeblich passen würden. Also mittwochs bestellt, bezahlt (17€ Versand) und das Warten begann. Angeblich wäre die Batterie bereits donnerstags bei AUTODOC aus dem Lager gegangen. Das Versandunternehmen, Nox Nachtexpress (erneut absichtlich keine Verlinkung), wusste aber selbst montags noch von nichts und behauptete, dass AUTODOC die Ware noch nicht rausgerückt hat. Super.

Professionell von AUTODOC verpackt…

Da habe ich dann die ersten Erfahrungen mit den Hotlines beider Unternehmen gemacht, die absolut unter aller Sau sind. Erreichbarkeit? Vielleicht mal zwischen Mitternacht und 0 Uhr. Bei AUTODOC wird man nach 20 Minuten einfach rausgeschmissen, beim Nox NachtExpress (wo ist da das Express aus dem Namen?!) geht schonmal einen ganzen Geschäftstag keiner ans Telefon. Dienstags tauchte dann doch endlich mal was im Tracking auf. Unsere Batterie hatte es angeblich um 1 Uhr nachts bis nach Frankfurt ins Zustellfahrzeug geschafft. Also spätestens am Mittwoch endlich das Eintreffen der Ware? Nö. Dauerte noch bis Donnerstagmorgen bis die völlig unverpackte (zwei Streifen Klebeband über die Pole – mehr nicht) Batterie bei uns eintraf. Glücklicherweise saßen (und sitzen) wir eh weiter im Home Office und mussten entsprechend nur jemanden organisieren, der mal die Pflanzen im Büro gießt. Selbst Einkaufen war nicht notwendig. Somit war es nicht ganz so schlimm ohne Auto zu sein. Aber Service ist natürlich was anderes – Corona hin oder her.

Und nochmal von vorne…

Leider war das „ohne-Auto-sein“ noch nicht vorüber. Beim Versuch das Ding einzubauen musste ich feststellen, dass die Maße nicht passten. Die Grundfläche war kleiner und gleichzeitig war sie zu hoch. Die Kabel der Pole reichten daher nicht. Genial. Für was Suche ich explizit mit Herstellerteilekennzeichen und so aus dem Fahrzeugschein, wenn es am Ende trotzdem nicht passt?! Merke: Nicht auf den Kram verlassen, sondern neben der Position der Pole noch zusätzlich auf die Maße achten! Ärgerlich zumal ich die Stunde davor damit verbracht habe den Befestigungsstab im Motorraum zu suchen. Ja, er ist mir beim Ausbau der alten Batterie heruntergefallen. Gefunden habe ich ihn dann irgendwo in der Stoßstangenverkleidung nachdem wir das Auto mit dem Wagenheber aufgebockt hatten. Und bevor jetzt einer sagt: „Dann leg‘ die Sachen halt nicht im Motorraum ab!“ – mir ist das Ding bei genau diesem wegräumen aus den Finger geglitten… [Anm. v. Lysanda: Frau kann ihn auch nichts alleine lassen machen!]

Eine zweite Internetrecherche hat dann zu Tage gefördert, dass AUTODOC (und so einige weitere mit selbem Geschäftsführer) Bewertungen unter aller Sau hat. Hätten wir die nur mal vorher durchgeschaut… Hier haben wir dann technisch gesehen einen zweiten Fehler gemacht und gleich eine Retoure gestartet. Problem dabei: In diesem Fall tragen wir die Rücksendekosten. Wir hätten stattdessen zuerst dem Händler die Chance zur Nachbesserung geben müssen (schließlich hatten wir korrekt bestellt). Wir waren jetzt aber schon so lange ohne Auto, dass wir da schlicht nicht weiter drüber nachgedacht haben. Stattdessen haben wir – nun ausgestattet mit den genauen Maßen und Werten der alten Batterie – bei einem zweiten Onlinehändler bestellt: online batterien. Die nutzten in unserem Fall DPD für den Versand.

Also Donnerstagnachmittag bestellt, Lieferung kam Dienstagmorgen. Immer noch etwas lang aber okay. Immerhin war die Hotline von online batterien nicht nur wesentlich besser erreichbar, ich hatte innerhalb von fünf Minuten jemandem am Rohr. Geliefert wurde eine anständig in einem Karton mit Warnhinweis verpackte Batterie in der richtigen Größe. Also umgehend Ladegerät dran (Starterbatterien kommen ungeladen) und nach einer Stunde der erste Test: Das Auto ging sofort an und sogar wesentlich besser als vorher. Fantastisch. War also zum Glück tatsächlich nur die Batterie und nichts Weiteres wie z.B. ein kaputter Starter. Der eigentliche Ein-/Ausbau war zumindest bei diesem Auto ein Klacks (mal abgesehen von der heruntergefallenen Stange).

Die Retoure

Sitzt, passt und wackelt nicht.

Nach der Reparatur blieben noch zwei Dinge offen: Die Retoure und das Entsorgen der Altbatterie inkl. Rückerstattung des Pfands. Die Retoure gestaltete sich deshalb schwierig, weil wir wie gesagt die Rücksendekosten tragen mussten. Und da wollten wir logischerweise nicht mehr bezahlen als es uns auf dem Hinweg gekostet hat. Aber irgendwie ist Gefahrgut – und dazu gehört eine Starterbatterie nun einmal – keine einfache Sache. Wir haben sehr viele Anbieter auf dem deutschen Markt abgegrast und irgendwie dürfen entweder nur Geschäftskunden verschicken oder es ist sauteuer. Am Ende und nach einigen Hotlineanrufen haben wir es aber dann doch geschafft einen Anbieter zu finden, der für rund 17€ die Sache in die Hand nahm. Zum Verfassungszeitpunkt ist das Paket auch schon bei AUTODOC angekommen. Bleibt jetzt nur noch die Frage ob AUTODOC zumindest so seriös ist, dass die Rückerstattung ohne Probleme verläuft. Hoffen wir mal das Beste.

Das Entsorgen der Altbatterie war hingegen kein Problem. Zum lokalen Wertstoffhof gefahren und dort abgegeben. Wichtig: Eine Bescheinigung über die Abgabe ausstellen lassen. Ohne könnt ihr nämlich beim Händler, bei dem ihr die neue Batterie gekauft habt, euch nicht den Pfand zurückerstatten lassen. Lustigerweise hat unser lokaler Wertstoffhof irgendwie kein richtiges System für diese Bescheinigung. Die Dame meinte auch „die wollen viele gar nicht“. Verstehe ich nicht, schließlich kriegt man anders ja nicht sein Pfand zurück. Aber wenn Leute gerne ihr Geld auf der Straße liegen lassen, dann soll‘ mir das egal sein. Stattdessen mussten sie es wie einen Ankauf erfassen, entsprechend habe ich 1,50€ in die Hand gedrückt bekommen. Sehr komische Sache. Naja, diesen Lieferschein dann eingescannt, bei online batterien eingereicht und einen Tag später war schon das Pfand (7,50€) zurück auf dem Konto. Perfekt. Habe ich schon erwähnt, dass wir mit diesem Händler absolut zufrieden sind? Die haben sogar eine extra Seite auf der die Pfandrückgabe-Thematik genau beschrieben ist. Und die Batterie hat sogar am Ende weniger gekostet als bei AUTODOC. Merke: Immer vorher anständig recherchieren. Ja, es hinterlassen tendenziell eher die mit schlechten Erfahrungen eine Bewertung. Aber trotzdem lässt sich eine gewisse Tendenz erkennen.

Immerhin fällt unser Lehrgeld – wenn es mit der Rückerstattung keine Probleme gibt – mit 17€ relativ übersichtlich aus und es war vermutlich trotzdem günstiger als hätten wir sie in einem Baumarkt oder so gekauft. Und damit wäre mehr zu unserem Abenteuer „Autobatterie“ gesagt als ihr vermutlich wissen wolltet :smile: . Bis Montag!

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