Sicarius

Zwei Insel voller Dinosaurier

2023 feiert Steven Spielbergs Blockbuster Jurassic Park seinen 30. Geburtstag. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton, der auch zusammen mit David Koepp das Drehbuch schrieb. Ein immer noch sehr beeindruckendes und (technisch) wegweißendes Werk, auch wenn die Wissenschaft sich mittlerweile Dinosaurier etwas anders vorstellt. Es ist insofern nicht ganz zeitlos aber trotzdem: Die Dinos im Film sind selbst heute noch extrem genial. Ja, wenn man genau hinsieht merkt man, dass der imposante T-Rex sich hier und da etwas mechanisch bewegt und die Computergrafikeffekte noch nicht vollends ausgereift sind (speziell in Bezug auf Schatten und Belichtung). Aber das schadet dem Kinoerlebnis absolut nicht. Sobald die ersten Noten von John Williams‘ Soundtrack durch die Boxen tönt bin ich sofort wieder mittendrin.

Doch wir wollen heute nicht über den Film (und seine eher vergesslichen Nachfolger) reden, sondern über die Buchvorlage. Die lag nämlich zuletzt inklusive der Fortsetzung im englischsprachigen Original auf meinem Nachttisch. Warum auf Englisch? Weil ich den ersten Band bereits vor Jahren auf Deutsch gelesen hatte und mich im stationären Buchhandel (ja, den gab’s vor Corona noch) ein englischsprachiger Doppelpack für wenig Geld anlachte. Sonst nix :smile: .

(Cover)

Jurassic Park (Michael Crichton, 480 Seiten, Englisch) – InGen unter dem Vorsitz von John Hammond hat es erfolgreich geschafft mit Hilfe von Blut aus in Harz eingeschlossenen Mücken Dinosaurier zu erschaffen. Und da Hammond der Meinung ist, dass selbstlose Wissenschaft nicht zu gebrauchen ist, nutzt er diese bahnbrechende Erfindung auf die kapitalistischste Weise, die man sich denken kann: Er baut auf der Insel Isla Nublar vor der Küste von Costa Rica einen Freizeitpark namens Jurassic Park. Da sich dort jedoch kurz vor der Eröffnung die Unfälle häufen, werden seine Investoren nervös. Also heuert er den Paläontologen Alan Grant und die Paläobotanikerin Ellie Sattler als Berater an und lädt sie für ein Wochenende auf die Insel ein. Quasi, um zu zeigen wie toll und sicher alles ist.

Neben vielen weiteren Charakteren auch auf der Insel: Ian Malcom, ein Chaosforscher („je komplexer das System, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es aus dem Ruder läuft“) der für Hammond eine Studie verfasst hat, Donald Gennaro – ein Anwalt der Investoren -, und Hammonds Enkelkinder Tim und Alexis (der Park ist ja total sicher). Ach und natürlich der egoistische Programmierer Nedry, der vom Konkurrenten Biosyn bestochen wird ein paar Dino-Embryos zu klauen. Der Park hat zwar schon so mit Problemen zu kämpfen aber der zum Diebstahl dazugehörige Computerausfall führt dann endgültig dazu, dass die Hölle losbricht (wie es Ian vorhergesagt hat). Speziell die als extrem intelligent dargestellten Velociraptoren richten ein buchstäbliches Massaker unter den Protagonisten und Arbeitern auf der Insel an. Ian sieht seine Chaostheorie (eine reale Sache, die im Buch ausgiebig vorgestellt wird) bestätigt, Hammond kann all das nicht fassen (Kapitalismuskritik) und Dr. Wu hat eigentlich keine Ahnung was er da tut, machts aber einfach, weil er es kann (Wissenschaftskritik).

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für das Werk 4 von 5 Sics. Es ist grundsätzlich ein absolut geniales und äußerst spannend erzähltes Buch. Es passiert viel und bis zu Letzt ist unklar, wer aus der Sache lebend herauskommen wird. Gleichzeitig lernt man auch etwas, denn Michael Crichton hat offensichtlich ausgiebig im Vorfeld recherchiert. Ja, einiges davon ist mittlerweile veraltet, weil es seit 1990 neue Erkenntnisse gab. Aber dafür kann er ja nichts. Speziell natürlich Ians teils seitenlange Erklärungen sind nicht so trocken wie man es erwarten würde. Den fünften Sic muss ich dem Werk aber leider aus einem einfachen Grund verweigern: Es ist tatsächlich zu lang.

Was meine ich damit? Nun, zum einen sind ein paar Szenen dabei (z.B. die Flussfahrt), die irgendwie nicht so recht ins große Ganze passen und gefühlt zu lange dauern ohne, dass wirklich etwas relevantes rauskommt. Zum anderen hat Michael Crichton an der völlig falschen Stelle aufgehört. Das Stichwort hier heißt „Ausflug zum Nest“. Der hatte keinerlei Mehrwert und die Charaktere haben dort nicht einmal das gemacht, was sie angeblich tun wollten. Und sonderlich spannend ist es ebenfalls nicht. Ne, nach diesem Finale war ich tatsächlich etwas genervt. Dennoch: Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung. Vor allem, wenn man Fan des Films ist.

 

(Cover)

The Lost World (Michael Crichton, 432 Seiten, Englisch) – Die einzige Fortsetzung die Michael Crichton jemals geschrieben hat. Fast schon unvorstellbar heutzutage in einer Zeit in der gefühlt jedes Buch sofort mindestens als Trilogie ausgelegt wird (die meistens dann nicht erscheint, weil Teil 1 gefloppt isr). Aber die Fans (und Hollywood: Sie wollten einen zweiten Film) flehten den Autor um eine weitere Geschichte an und er gab nach. Das Ergebnis spielt auf der Vulkaninsel Isla Sorna auch bekannt als „Site B“. Während auf Isla Nublar der Park entstand, wurden auf dieser Insel die Dinosaurier gezüchtet. Und jetzt, sechs Jahre nach dem Park-Desaster, werden von dort aus unerfindlichen Gründen Kadaver an die Küsten von Costa Rica geschwemmt. Die Regierung hat entsprechend große Probleme die Sache weiter zu vertuschen und immer mehr Leute haben ein starkes Interesse daran diese geheimnisvolle Insel zu finden.

Auf der Seite der „Guten“ haben wir Dr. Richard Levine, ein eingebildeter aber reicher Paläontologe, der unter allen Umständen die Insel finden und erkunden möchte ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Unterstützt wird er von Doc Thorne, ein ehemaliger Professor, der nun Spezialanfertigungen für Expeditionen baut sowie dessen Angestellter Eddie Carr. Eher unfreiwillig kommt noch der Mathematiker Ian Malcom dazu, der technisch gesehen (Spoiler) den Parkunfall im ersten Buch nicht überlebt hat. Aber Michael Crichton meinte, er käme ohne seine ironische Stimme nicht aus also wurde kurzerhand die Geschichte etwas umgeschrieben. Die letzte Erwachsene im Bunde ist Sarah Harding, eine toughe Zoologin aus Afrika und ehemalige Freundin von Ian. Und natürlich – man kommt ja leider nicht ohne aus – zwei Kinder namens Kelly und Arby, die sich selbst auf die Expedition mit einladen und mehrfach den Tag retten. Die Bösewichter sind hingegen drei Vertreter von Biosyn. Die bereits oben erwähnte Konkurrenzfirma von InGen, die im ersten Buch Nedry damit beauftragten Embryos zu stehlen. Dieses Mal haben sie es auf die Eier in den Dino-Nestern abgesehen.

Insgesamt tatsächlich nur eine Handvoll Charaktere, die vorkommen und die Kinder sind weniger nervig als erwartet. Wie immer läuft am Anfang alles super duber. Alle Parteien kommen irgendwie auf Isla Sorna an, verfolgen zuerst erfolgreich ihre Ziele (Beobachten/Eier stehlen) und sind total begeistert von den verschiedenen Arten von Dinos – also außer Ian, der bekanntlich schon genug Erfahrungen mit T-Rex & Co. gemacht hat. Als die Bösewichter dann aber T-Rex-Eier an sich reißen wollen und die Eltern es nicht so durfte finden, geht die ganze Sache für alle Parteien zügig den Bach runter. Der spannende Kampf ums Überleben beginnt erneut. Ian ist dabei immer noch der Chaosforscher aber die zentralen Themen des Buchs sind eher die Theorien über das Aussterben von Arten und erneut viel Kritik an Wissenschaftlern. Zum einen, weil sie auf Site B wie im Park völlig unwissend viel Blödsinn verzapft haben. Zum anderen von wegen, dass es überhaupt keine objektive Wissenschaft gibt. Sprich sobald ich etwas beobachte, verändere ich es dabei gleichzeitig und bringe das gesamte Ökosystem durcheinander.

Der Roman ist übrigens inspiriert vom gleichnamigen Buch von Arthur Conan Doyle aus dem Jahre 1912. Auch dort geht es um eine längst vergessene Insel auf der noch Dinosaurier leben. Die Gemeinsamkeiten hören damit aber praktisch schon wieder auf.

Beim Christoph meint: Speziell die erste Hälfte des Buchs war ich nicht so gefesselt wie beim Vorgänger. Es passiert einfach zu wenig. Wenn es dann richtig losgeht wird es zwar erneut sehr spannend und der Informationsgehalt ist ebenfalls wieder ziemlich hoch. Aber trotzdem gibt es von mir nur 3 von 5 Sics, denn ich habe es definitiv öfters freiwillig weggelegt als Band 1.

Ian ist logischerweise wieder das Highlight, obwohl er dieses Mal ziemlich wenig zu tun hat. Sarah Harding ist ebenfalls super und ein gutes Frauenvorbild. Der Rest? Eher meh. Levine ist ein Arschloch aber nicht so ein interessantes Arschloch wie es Hammond war und die Bösen sind erneut nur da, um das Chaos in Gang zu bringen und spielen ansonsten keine wirkliche Rolle. Außerdem stört mich ein wenig, dass Crichton fast vollständig auf die Raptoren als Gefahr setzt. Ja, die T-Rexe haben eine zentrale Szene ganz für sich. Aber die schnell lernend Raptoren sind überall – dabei hatten wir das doch schon im Jurassic Park. Insofern: Kann man mal lesen, muss man aber nicht.

 

Buch vs. Film

Jurassic Park (Universal Pictures-Promobild)

Jetzt stellt sich der ein oder andere zum Abschluss noch die übliche Frage: Was ist besser? Die beiden Bücher oder die beiden dazugehörigen Filme? Die langweilige Antwort: Ich persönlich finde diese Frage mittlerweile doof. Man kann aus meiner Sicht beides nicht wirklich miteinander vergleichen. Jedes Format hat seine Vor- und Nachteile und ist auf seine Art und Weise eine Interpretation der Ereignisse. Im Fall von Jurassic Park erfährt man in den Büchern mehr über die Charaktere und lernt mehr Orte (und Dinos) kennen. Dafür haben die Filme beeindruckende Bilder und einen genialen Soundtrack. Gleichzeitig haben beide Werke ihre eigenen Schwächen. Beispielsweise ist das King Kong-Finale von Vergessene Welt: Jurassic Park absolut bekloppt und unpassend. Das Buch ist aber wie erwähnt jetzt auch nicht der Brüller. Unterm Strich unterhalten mich aber beide Werke auf ihre Art und Weise – und das ist das Wichtigste. Und nein, über Jurassic Park III reden wir hier zum Glück nicht. Das ist einfach nur ein schlechter Film :wink: .

Ein Kommentar

Habe erst vor kurzem zusammen mit der Freundin die Teil 1-3 angeschaut. Und ich kann dich nur bestätigen: insbesondere Teil 1 ist nach wie vor aller erste Sahne. Ich persönlich mag auch die weiteren Teile, wenngleich beide ziemlich abfallen im Vergleich mit dem Original. An Teil 2 stört mich das – wie von dir schon korrekt festgestellt – total schlechte Ende (T-Rex auf dem Festland). Und bei Teil 3 ist halt alles schon irgendwie bekannt.

Es sind aber immer wieder die Charaktere – allen voran Jeff Goldblum und Sam Neil – die mich fesseln. Das Thema an sich wird auch irgendwie nicht alt und bleibt faszinierend.

Im Übrigen haben mir auch Teil 4+5 gefallen. Wenn auch auf andere Art und Weise. Mal schauen, was sie mit Teil 6 anstellen. Da soll es ja zu einem Wiedersehen mit den Altstars kommen.

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