Mangas und ich… irgendwie immer noch zwei Welten, die da aufeinandertreffen. Ich habe tatsächlich seit den zwei Serien anno 2015 keinen einzigen weiteren gelesen, obwohl unser Haus dank Lysanda “vollgestopft” mit Mangas ist (Anm. v. Lysanda: Es ist nur ein Regal!). Animes hingegen? Ein paar mehr – auch, wenn ich nicht so viel davon berichte.

Zuletzt haben wir uns beispielsweise Tsubasa Chronicle* angeschaut. Die Serie zu dem Manga, auf den Lysanda total abgefahren ist. War auch soweit okay. Etwas langatmig (vor allem sekundenlange Einstellungen in denen gar nichts passiert) aber doch unterhaltsam. Leider gibt es da die Tatsache, dass die letzten Folgen nichts mit dem Manga zu tun haben und die Serie quasi einfach mittendrin endet. Soweit ich das verstanden habe, war der Manga einfach noch nicht weit genug fortgeschritten und der Geldhahn wurde zugedreht. Ein Schicksal, das häufiger eine Anime-Serie ereilt. Gab dann noch von einem anderen Anime-Studio zwei OVAs (Tsubasa: Tokyo Revelations* und Tsubasa Shunraiki), die kostenlos bestimmten Bänden des Mangas beilagen und zumindest ein bisschen die Geschichte fortsetzten. Aber insgesamt bleibt man sehr unbefriedigt zurück und muss entweder damit leben, oder halt den Manga lesen.

Wenn ihr allerdings nun denkt, dass ich die Manga-Trockenphase überwunden habe, indem ich Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE* verschlang, den muss ich leider enttäuschen. Der steht zusammen mit xxxHOLiC*, dessen Anime-Umsetzung faktisch überhaupt nicht mehr zu bekommen ist auf Deutsch, zwar auf meiner sehr langen ToDo-Liste. Aber ich habe mir stattdessen ein anderes Werk gegönnt:

(Cover)

Alice in Murderland* (Kaori Yuki, 11 Bände, abgeschlossen) – Veteranen dieser Webseite wissen, dass ich total auf Alice im Wunderland abfahre. Also nicht auf das Original. Das sollte man zwar mal gelesen haben, aber das ultimative literarische Meisterwerk ist es aus meiner Sicht nicht. Mich reizen mehr Interpretationen des Werks – vor allem diejenigen, die es eher von einer dunkleren Seite aus betrachten. American McGee’s Alice ist in der Hinsicht mein absoluter und ungeschlagener Favorit. Insofern dürfte nachvollziehbar sein, warum gerade dieser Manga mich angezogen hat.

Es geht um die Familie Kuonji, bestehend aus neun Geschwister sowie Vater und Mutter. Diese trifft sich einmal im Monat zu einer netten Teeparty. Doch die aktuelle birgt eine Überraschung: Mutter Olga eröffnet den Kindern, dass es Zeit wird ein neues Oberhaupt des Hauses Kuonji zu wählen. Anders als in einer Demokratie jedoch nicht über einen Stimmzettel. Stattdessen haben die Geschwister ein Jahr Zeit sich gegenseitig zu töten. Wer übrig bleibt, wird das neue Oberhaupt. Ein klassisches Battle Royale quasi auf dem Grundstück der Familie. Die vierte Tochter des Hauses ist Stella. Sie hat auf das ganze Morden absolut keinen Bock, sie trägt jedoch wie alle anderen Kinder ein Geheimnis in sich. In ihrem Falle die Larvae namens Bloody Alice. Ja, genau diese Alice – inkl. blonden Haaren und hellblauem Dienstmädchenoutfit. Nicht der Vorlage entsprechend: Eine ungeheuerliche Mordlust und mit Maschinengewehren ausgestattet. Während Stella also eigentlich niemanden töten möchte, hat ihr anderes Ich damit keinerlei Probleme und fängt an aufzuräumen.

Ja, in diesem Manga geht es nicht zimperlich zu. Es sterben viele und das auch mitunter auf sehr brutale Art und Weise. Da ist es schon fast gut, dass ich speziell in den Kampfszenen gerne mal die Orientierung verliere und überhaupt nicht verstehe was eigentlich gerade passiert. Ist für mich aber irgendwie ein grundsätzliches Problem von Mangas. Das Format der Bücher ist sehr klein und damit auch die Panele selbst. Gleichzeitig sind die Zeichnungen sehr detailliert und in schwarz-weiß. Da erkenne ich dann nicht mehr wirklich was da gerade passiert (“wurde der Charakter jetzt gerade getroffen? Und wenn ja, von was? Oder ist das nur der Arm?!”). Lysanda meint dazu “Einfach akzeptieren und drüberlesen” aber doof ist das schon ein bisschen. Bei Alice in Murderland im Speziellen hatte ich deswegen auch Probleme mit dem großen Twist ungefähr in der Mitte der Erzählung. So viele Charaktere in den Panels, die gefühlt alle gleich aussehen und zudem übereinander reden. Diesen Abschnitt musste mir am Ende Lysanda erklären, bevor ich verstanden habe wer jetzt was und wie gemacht hat…

Beim Christoph meint: Von mir bekommt Alice in Murderland solide 3 von 5 Sics. Mit Alice im Wunderland hat es am Ende nur sehr wenig zu tun, wie die Autorin auch selbst zugibt (und sich für die Irreführung entschuldigt). Und die Geschichte wirkt hier und da nicht ganz durchdacht. Beispielsweise werden am Anfang ganz viele Regeln für den Kampf aufgestellt, am Ende scheint es irgendwie völlig egal zu sein. Es kämpft einfach jeder wie er will und wo er will. Aber es ist spannend und actionreich genug, um trotz meiner persönlichen Orientierungsprobleme zum Weiterlesen anzuregen. Wer wird überleben? Wer wird sterben? Und schafft es Stella irgendwie diesen Kreislauf des Mordens zu unterbrechen? Ich könnte es euch verraten, aber das wäre ja ein Spoiler :smile: .

Mehr als drei Jahre begleitet uns der Epic Games Store nun schon und am Wochenende habe ich nun tatsächlich das erste Spiel im Epic Games Launcher beendet: Shadow Complex Remastered. Es war der Grund, warum ich den Client seit 2015 überhaupt installiert habe. Quasi der allererste Titel, den Epic Games jemals darüber verschenkt hat. Lange, bevor der heutige Shop existierte.

3 out of 10: Season One (Herstellerbild)

Okay, ich geb’s zu: Technisch gesehen war Shadow Complex Remastered nicht mein erster durchgespielter Titel auf der Plattform. Diese Ehre gebührt eigentlich der ersten Staffel von 3 Out of 10 aus dem Jahre 2020, ein durch Epic Games finanziertes Experiment von Terrible Posture Games (MOTHERGUNSHIP). Weiß gar nicht, wie viele überhaupt die Existenz von dem Ding mitbekommen haben. Dabei war es fünf Wochen lang auf der Startseite des Clients zu sehen, weil jeden Donnerstag eine Episode veröffentlicht wurde. Auf Xbox und Nintendo Switch kam es ebenfalls raus. Aber das Machwerk als Spiel zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Da hat selbst ein Walking Simulator mehr zu bieten. Andererseits war wohl genau das der Ansatz: Es sollte eine interaktive Sitcom werden.

Langweiliges Gag-Feuerwerk

In 3 Out of 10 geht es um den Spieleentwickler Shovelworks. Der hat, wie der Name schon andeutet, noch nie ein Spiel entwickelt, welches von den Kritikern mehr als 3/10 Punkten bekommen hat. Mit ihrem neusten Werk, Surfing with Sharks, soll sich das aber nun endlich ändern. Die Geschichte beginnt aus Sicht von Midge Potter, die einen Job sucht. Praktischerweise ist der Lead Animator von Shovelworks gerade… unpässlich. Also wird sie schnurstracks eingestellt und nun Teil dieser chaotischen Gruppe voller bunter Charaktere – wie es vermutlich die Entwickler beschreiben würden. Im Laufe des Spiels schlüpft ihr auch selbst in die Rolle des einen oder anderen Mitarbeiters.

Jede Episode dauert rund 20-30 Minuten und die Interaktivität besteht hauptsächlich darin, dass ihr durch die Locations lauft, Sachen anklickt und mit den Leuten redet, um die Geschichte voran zu bringen. In jeder Episode gibt es außerdem noch 1-2 zum Glück optionale Minispiele, die eher nerven als spielerisch gelungen sind. Leider ist inhaltlich ebenfalls nicht viel zu holen. Alle Charaktere sind buchstäblich wandelnde Klischees und der Humor geht über 90iger Jahre IT-Witze (“Die Programmierer leben im dunklen Keller und fressen Volontäre” HAHAHAHA…) nicht hinaus. Die übergeordnete Geschichte (Midge wurde ins Studio eingeschleust) kommt zumindest in den ersten fünf Episoden ebenfalls nicht wirklich in Fahrt. Unterm Strich wird der Titel seinem Namen also gerecht: 3/10 bzw. 1 von 5 Sics

Es hat mich entsprechend nicht weiter überrascht, dass Anfang 2021 die zweite Staffel am Stück und ohne großes Tamtam veröffentlicht wurde. Okay, mich hat überrascht, dass überhaupt eine zweite Staffel in Entwicklung war, aber gut. Davon habe ich mir dann noch die erste Episode gegeben in der Hoffnung, dass sich irgendetwas verbessert hat. Aber nein: Immer noch nicht mein Humor und auch sonst das Niveau absolut unterirdisch. Schade.

Das andere Spiel

Shadow Complex Remastered (Herstellerbild)

Zurück zu Shadow Complex Remastered. Das Original erschien 2009 auf der Xbox 360 (als Xbox Live Arcade-Titel) und kam bei Kritikern und Spielern überraschend gut an. Mit 200.000 verkauften Einheiten allein in der ersten Woche stellte es sogar einen Rekord auf. Aber obwohl sich Entwickler Chair Entertainment anfangs mit einem Nachfolger beschäftigte, kam ihnen irgendwie immer etwas dazwischen (u.a. die Infinity Blade-Trilogie für Apple Smartphones). Stattdessen erschien 2015 eine hauptsächlich grafisch verbesserte Version. Beide Fassungen nutzen die Unreal Engine 3 als Motor, das Remaster aber eine aktuellere Fassung mit mehr Details und mehr Effekten. Spielerisch kam nur die Möglichkeit dazu Gegner auch im Nahkampf zu besiegen.

Abseits davon unterscheidet sich beide Fassungen inhaltlich nicht. Stattdessen erwartet euch hier wie dort ein 2.5D-Metroidvania. 2.5D, weil ihr euch nur seitwärts durch die 3D-Levels bewegt, aber auch auf Gegner im Hintergrund schießen könnt. Ihr schlüpft in die Rolle von Jason Fleming (vertont von Nolan North), der mit seiner neuen Freundin Claire eine Wanderung durch die Berge machen möchte. Dabei stoßen sie auf eine Höhle, sie geht verloren und auf der Suche nach ihr stolpert Jason über einen unterirdischen Militärkomplex voller böser Jungs. Es stellt sich heraus, dass die eine feindliche Machtübernahme der lieben US of A planen und das kann Jason natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Angesiedelt ist die Geschichte wohl parallel zu Orson Scott Cards (Enders Spiel*) Empire* und bereitet die Events vom zweiten Teil, Hidden Empire*, vor. Da ich beide Werke nicht kenne und Hr. Card als Person zudem nicht gerade hoch im Kurs steht, ist das aber nur eine Information am Rande. Auf das Spiel selbst hat es keine Auswirkung, denn die Geschichte ist in sich abgeschlossen – inkl. Bosskampf.

Such’ das Gadget

Donald Mustard, Creative Director von Chair Entertainment, nennt als Hauptinspirationsquelle für Shadow Complex den Nintendo-Klassiker Super Metroid. Und ja: Die Parallelen sind selbst für Nicht-Hardcore-Metroidfans sicht- und spürbar. So startet ihr mit nichts in eurer Hand die Erkundung des Komplexes, findet zügig eine Pistole und stoßt auf die ersten Hindernisse, die ihr noch nicht überwinden könnt – praktischerweise farbcodiert, wenn ihr mit der Taschenlampe darauf leuchtet. Ist es rot, dann braucht ihr eine Rakete, um weiter zu kommen. Für grüne Hindernisse reichen hingegen Granaten. Manchmal ist aber auch einfach die Wand zu hoch, um drüber zu springen ohne die Schubdüsen auf dem Rücken. Also macht ihr euch auf die Suche nach den Upgrades und erkundet dabei fleißig den Komplex von oben bis unten, von links nach rechts und in jede andere beliebige Richtung.

Shadow Complex Remastered (Herstellerbild)

Ja, ausgiebiges Backtracking ist in den rund 5-7 Stunden Spielzeit inklusive. Vor allem, wenn ihr auch wirklich alle Upgrades finden und einsammeln wollt. Praktischerweise habt ihr jederzeit Zugriff auf eine Karte. So könnt ihr nicht nur eure Wege planen bzw. bekommt den zum aktuellen Ziel sogar angezeigt, Fragezeichen markieren zudem die Positionen der Upgrades. Insofern ist abseits einiger ganz fiesen Sachen (z.B. hinter Kisten versteckte Öffnungen) immer klar, wo es was zu holen gibt. Nur das drankommen, das ist meist die spannende Frage und “später wiederkommen” gerne die Antwort :smile: .

Spielerisch geht das Rennen, Springen, Klettern und Ballern sehr gut von der Hand. Die Geschichte an sich ist zwar eher vernachlässigbar und bietet höchstens eine einzige Überraschung gegen Ende, aber das Erkunden der Basis macht tatsächlich Laune. Vor allem, wenn man dann mal den Großteil der Upgrades hat und noch akrobatischer durch die Räume flitzt. Doppelsprung, Schubdüsen, Greifhaken, Rennboost – das Repertoire ist erfreulich umfangreich. Waffen gibt es hingegen nur eine (mit unendlich Munition), die ihr im Laufe des Spiels einfach nur gegen eine stärkere Variante ersetzt plus besagte Upgrades wie Granaten, Raketen oder auch Schaum (ja, Schaum). Aber das ist okay. Eine echte Herausforderung ist das Spiel selbst auf höheren Schwierigkeiten nicht wirklich (selbst in den Bosskämpfen) und wenn man doch mal stirbt, ist der letzte Saveroom nicht weit entfernt. Das mag dem ein oder anderen nicht gefallen, hilft aber die Spielgeschwindigkeit angenehm oben zu halten.

Alles in allem ist Shadow Complex Remastered also kein AAA-Blockbuster aber was es macht, macht es größtenteils gut. Es ist ein echt nettes, kleines Spielchen mit dem ich meinen Spaß hatte: 4 von 5 Sics. Trotz der veralteten Grafik (=Unreal Engine 3-Braun) immer noch eine Empfehlung.

(Cover)

Lysanda und ich haben gestern eine Bildungslücke geschlossen: Der weiße Hai* (Jaws; 1975). Ja, der stand schon mindestens 15 Jahre bei mir im Regal aber ich hatte ihn bislang noch nicht gesehen. Schande über mein Haupt und so, ich weiß. Ich muss allerdings nach den knapp zwei Stunden Laufzeit sagen: Gibt weit besseres. Ich fand ihn ziemlich langweilig und vorhersehbar mit nur sehr, sehr wenigen Höhepunkten. Vorhersehbar nicht, weil ich die Geschichte schon kannte, sondern weil alles Klischeeüberladen ist:

  • Der Offizielle, der unbedingt den Laden am Laufen halten will, komme was wolle.
  • Der Held, der es richtig machen möchte, dem aber die Hände gebunden sind (natürlich mit Familie).
  • Der unnahbare Alte, der schon alles gesehen hat und sofort die Lösung anbietet.
  • Der Wissenschaftler, dem außer dem Helden keiner zuhört.
  • Ein übermächtiger Bösewicht, der jedwede Logik handelt.

Das an sich wäre ja okay, wenn der Film wenigstens spannend wäre. Aber das ist er irgendwie überhaupt nicht. Ich bin ja alten Filmen bekanntlich absolut nicht abgeneigt – Fritz Langs M von 1931 ist sogar in meiner ewigen Top 5 – und bin mir entsprechend bewusst, dass es früher etwas gemächlicher zuging als heute. Finde ich auch in vielen Fällen gut. Das ganze „alle 10 Sekunden muss was passieren”-Gewitter im Mainstreamkino kann echt anstrengend sein und lässt die Charaktere gerne zweidimensional zurück. Man kann aber ebenso unnötig viel Zeit damit verbringen nichts zu tun.

Die 120 Minuten Der weiße Hai hätten locker in 90 gepasst und nichts wäre verloren gegangen. Selbst in der zweiten Hälfte, wenn es dann endlich zur Jagd geht, wird es irgendwie nicht besser. Die Charaktere und ihre Beziehungen sind mir ziemlich egal, weil sie trotz der Langatmigkeit der Erzählung eben nur ihrem Klischee entsprechen. Und in Bezug auf den Hai kommt für mich absolut nicht rüber, dass er die ultimative Bedrohung ist. Dafür ist die Jagd zu sehr in die Länge gezogen, er macht entsprechend zu wenig und was er macht, macht meist wenig Sinn. Selbst John Williams‘ Score half nicht die Situation zu verbessern. Im Gegenteil fand ich die Musik während der Jagd oftmals eher unpassend „lustig/fröhlich” als furchteinflößend. Abseits des ikonischen Hauptmotivs war irgendwie nicht viel los.

Zusammengefasst habe ich es nicht bereut ihn mal gesehen zu haben. Ich bin ja immer dafür sein Wissen zu erweitern. Schließlich weiß man nie, was man findet. Am Ende des Tages hat er mir aber trotz all der Lorbeeren einfach nicht gefallen und wird entsprechend nicht mehr ins Regal zurückkehren.

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