Sicarius

Ein klobiger Indianer

“Boomer Shooter”, wie man so bekloppt heutzutage sagt, haben echt viele Vorteile. Die für mich derzeit am relevantesten: Sie haben meist eine übersichtliche Spielzeit, es gibt fast immer die Möglichkeit jederzeit zu speichern und sie bieten eine relative Anspruchslosigkeit, was die Geschichte und das Spielprinzip angeht. Sprich selbst auf den höchsten Schwierigkeitsgraden kann ich einfach mal so “nebenbei” 10-15 Minuten investieren – sogar ohne Ton -, und habe trotzdem das Gefühl, etwas gespielt zu haben und vorangekommen zu sein.

Ja, ich bin leider weiterhin in der Situation, dass ich mich nicht wirklich mal 1-2 Stunden zum Zocken hinsetzen kann. Entsprechend traue ich mich nicht endlich mal wieder ein Schwergewicht anzufangen. So sehr ich es auch gerne mal wieder tun würde. Stattdessen orientiere ich mich eben an “einfacherer” Kost und stopfe dank Nightdive Studios gleichzeitig die ein oder andere Wissenslücke. So habe ich beispielsweise endlich mal die zwei grundverschiedenen Shooter Blood und Turok aus dem Jahre 1997 durchgespielt. Aber freilich nicht in den Originalversionen, sondern die Nightdive-Remasterfassungen von 2025 bzw. 2015 (!). Lasst mich heute also mal wieder von einem Videospiel berichten:

(Cover)

Turok (2015-2025; PC, Mac, XONE, Linux, NSWI, PS4, PS5) – Der Titel war das vierte Remaster von Nightdive Studios – und es erscheinen sogar immer noch Updates. Zuletzt im Dezember 2025 und Anfang 2025 sogar ein Engine-Upgrade auf KEX 4 sowie die Wiederherstellung von weiteren, in der finalen Version entfernten Inhalten. Insofern war für mich jetzt die beste Zeit den Nintendo 64-Shooter-Klassiker (damals noch Turok: Dinosaur Hunter) endlich mal zu spielen. Denn obwohl es 1997 sogar eine Version für PC gab, ging es damals – wie so vieles – irgendwie an mir vorbei.

Spoiler: Anders als von der alten Verpackung und dem Namen suggeriert, kämpft ihr tatsächlich vergleichsweise wenig gegen Dinosaurier. Die meiste Zeit sind normale Menschen (Ureinwohner und futuristische Typen) und komische Aliens eure Feinde. Vermutlich hat die Leistung der Nintendo-Konsole nicht ausgereicht für mehr Dinos. Sie hatte ja schon mit der Weitsicht zu kämpfen, weshalb alles ab einer gewissen Entfernung in Nebel getaucht ist. Einen Brachiosaurus hat Nightdive zumindest wieder eingefügt, der zwar in der Beta enthalten, aber für den finalen Release gestrichen wurde.

Fangen wir aber wie immer von vorne an:

Die tiefgründige Hintergrundgeschichte

Ihr schlüpft in die Rolle von Turok. Das ist ein indianischer Superheld, der aus einem gleichnamigen Comic stammt. Wobei Turok kein Name an sich, sondern eher sowas wie eine Aufgabe ist. Und zwar wird der Titel von Generation zu Generation an den ältesten Nachkommen der Fireseeds weitergegeben, um die Barriere zwischen der Erde und dem verlorenen Land zu schützen. Dort leben Aliens, bizarre Kreaturen und bionisch verbesserte Dinosaurier, die darauf aber scheinbar keinen Bock mehr haben. Kein Wunder bei dem ganzen Nebel – würde mich auch nur depressiv machen… Stattdessen wollen sie die Barriere aufbrechen und die Erde erobern.

Turok: Dinosaur Hunter (Herstellerbild)

Dieses Mal stehen sie unter dem Kommando von “The Campaigner”, der ein uraltes Artefakt namens “The Chronoscepter” wieder zusammenbauen will. Das ist vor tausenden von Jahren zerstört worden, damit genau das nicht passiert. Aber die Armee des Campaigners macht sich nun auf die Suche nach den acht im verlorenen Land verteilten Teilen, um das Szepter wieder zusammen zu bauen und damit nicht nur die Menschheit zu unterjochen, sondern das ganze Universum zu erobern. Turok – also ihr – könnt das logischerweise nicht zulassen und versucht ihn aufzuhalten. Optional sammelt ihr dazu selbst alle Teile des Szepters und dürft es dann im finalen Bosskampf gegen ihn einsetzen.

Und nein, kein bisschen von dieser Hintergrundgeschichte erfahrt ihr im Spiel selbst. Das steht alles nur im Original-Handbuch, das aber bei den Nightdive-Remastern nie dabei ist. Vermutlich, um Verwirrung zu vermeiden. Doof ist es trotzdem. Stattdessen werdet ihr einfach in den Hub geworfen. Von dort aus gelangt ihr zu den insgesamt acht Levels – aber nur, wenn ihr die dazugehörigen Schlüssel eingesammelt habt. Anfangs nur mit Pfeil und Bogen ausgerüstet, begebt ihr euch also auf die Suche. Ohne das Handbuch studiert zu haben oder die Comics zu kennen, ist die Antwort auf das warum, weshalb und wieso somit schlicht und einfach: Weil man das halt so macht.

Schießen, Springen und sich fragen wo zum Geier es jetzt weitergeht

Acht Level klingt nach nicht viel, aber vor allem die späteren sind ganz schön groß, umfangreich – und ganz wichtig – ziemlich verwinkelt. Ich habe rund 7 ½ Stunden gebraucht, bevor der Campaigner im Dreck lag und ich alle Erfolge hatte. Allerdings habe ich es auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ohne wiedererscheinende Gegner durchgespielt. Den Respawn abzuschalten macht das Spiel nochmal etwas leichter, weil euch nicht so leicht aufgrund des ganzen Backtrackings Munition und Lebensenergie ausgehen können. Und für den ein oder anderen Schlüssel habe ich auf eine Komplettlösung zurückgegriffen, obwohl das Spiel doch relativ linear ist.

Turok: Dinosaur Hunter (Herstellerbild)

Schäme ich mich auch nicht dafür. Zum einen kann es euch egal sein, wie ich meine Einzelspielerspiele zocke. Zum anderen ist mir meine Zeit mittlerweile zu kostbar, um stundenlang sinnlos durch die Gegend zu laufen. Es gibt zwar eine Ingame-Karte, aber mitunter muss man sich sogar Klippen runterstützen. Nicht um Secrets zu finden, sondern den eigentlichen Weg nach vorne. Ja, so war das halt damals. Ich weiß das und rechne es dem Spiel entsprechend nicht zu negativ an. Gleichzeitig bin ich aber ganz froh, dass Nightdive am ein oder anderen Level sogar rumgeschraubt hat, um es zugänglicher zu machen.

Ein agiler Indianer

Auf der Suche nach den Schlüsseln müsst ihr Plattformer-Einlagen bestreiten (für alle DOOM: Eternal-Hasser), schwimmen, klettern, ein bisschen rätseln und natürlich die zahlreichen Feinde über den Jordan schicken, die euch im Weg stehen. Darunter auch 3-4 simple Bosskämpfe. Ja, der T-Rex aus der Werbung ist einer davon. Zur Verfügung stehen euch neben eurem Bogen noch ein Messer und zwölf Schießprügel von Pistole und Schrotflinte über Granatenwerfer, Minigun und Raketenwerfer bis hin zu futuristischerem Kram wie ein Partikelbeschleuniger (=Railgun) oder die Fusionskanone (=die BFG des Spiels). Die Kämpfe machen grundsätzlich Laune und gehen gut von der Hand. Die Schießprügel kommen zwar (wie so oft) im Feeling nicht an die damaligen Produktionen von id Software ran. Aber sie erfüllen ihren Zweck zusammen mit dem angenehm hohen Spieltempo. Das Leveldesign, die Gegnerplatzierung und auch deren unterschiedlichen Verhaltensweisen tun ihr übriges dazu, dass es an sich nie langweilig wird.

Optisch macht der Titel dabei allerdings nicht mehr allzu viel her. Es war halt einer der frühen 3D-Titel und das auch noch für eine eher leistungsschwächere Konsole. Man merkt, dass die Designer versucht haben das Beste daraus zu machen und mit den limitierten Möglichkeiten zumindest abwechslungsreiche Umgebungen zu erschaffen. Aber abseits einiger spezieller Setpieces ist die Welt von Turok nicht nur wegen des Nebels ziemlich eintönig und gleichförmig. Das sieht man auf den Screenshots vor allem an den Böden und Wänden. Selbst für damalige Verhältnisse undetaillierte Texturen, klobige Objekte und viele Wiederholungen. Da hilft auch die vorbildliche Steam-Workshop-Unterstützung des Remasters nur bedingt. Damit habe ich mir relativ zügig ein paar HD-Mods installiert. Wirklich gestört hat es mich freilich nicht. Der Titel ist schließlich demnächst 30 Jahre alt. Der darf sein Alter zeigen :wink: .

Turok: Dinosaur Hunter (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Habe ich 1997 was verpasst, weil ich Turok: Dinosaur Hunter nicht gespielt habe? Nein. QUAKE (1996) war und ist das bessere Spiel. Sowohl inhaltlich als auch optisch. Aber wie immer bereue ich es nicht es jetzt mal erlebt zu haben. Die schiere Größe der Levels ist für damalige Verhältnisse ziemlich beeindruckend, selbst wenn sie deshalb stellenweise ziemlich leer sind. Dass der Weg nach vorne mitunter nicht so eindeutig ist, war damals halt so. Und die Plattformeinlagen sind zwar hin und wieder nervig, weil Turok nach jedem Sprung erstmal eine Verschnaufspause braucht, aber wenn man es mal verstanden hat, geht es. Immerhin machen die Schießereien grundsätzlich Laune – was ja bei einem Shooter das Wichtigste ist. Das Tempo ist hoch, die Schießprügel haben optisch wie akustisch was drauf und die Feinde zeigen zumindest etwas von Intelligenz. Insofern: Heutzutage absolut kein Pflichttitel mehr. Für Fans des Genres aber immer noch einen Blick wert. Die Remaster-Fassung macht es einem dabei gewohnt einfach und schmerzfrei. Und das trotz ein paar Änderungen im Vergleich zum Original, denen aber selbst die meisten Veteranen scheinbar nicht abgeneigt sind :smile: .

PS: In Turok 2: Seeds of Evil habe ich ebenfalls schon reingeschaut, aber gerade die Motivation verloren es weiter zu spielen. Warum? Weil, Nightdive Studios mega-gemein sind. Die haben einfach die Schnellspeicher und -ladetasten im Vergleich zu Blood vertauscht. Statt F2 für Quicksave und F3 Quickload, ist es in Turok 2: Seeds of Evil genau umgekehrt. Es kam entsprechend wie es kommen musste: Ich bin gestorben und wollte entsprechend zügig neu laden. Leider habe ich stattdessen speichern erwischt und da die Sterbesequenz noch lief, hat er den Befehl auch noch prompt umgesetzt. Und wie es sich gehört, hatte ich den letzten regulärer Speicherstand vor mehreren Stunden angelegt. Begeisterung pur…

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