“Ich atme Freiheit”, “Ich folge dem Glitzer”, “Bärenzeit ist meine Zeit”, “Der nächste Baumstamm ist meiner” – was klingt wie schlechte Sprüche von Motivationspostern sind in der Realität Mottos, die bei der Nutzung des Züricher Ressourcenmodells (ZRM) entstanden sind. Sie sollen demjenigen, der sie nutzt, über den Rubikon helfen und ihn in eine bestimmte Haltung bringen. Und wie man zu so einem Motto kommt und es verinnerlicht haben wir vorletzte Woche in einem Bildungsurlaub gelernt. Logischerweise kann ich fünf Tage nicht in einen einzigen Eintrag verpacken aber die Grundzüge der Methode will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Die Idee

Die fünf Schritte des ZRM-Prozess

Hinter dem ZRM steckt ein Prozess aus fünf Phasen. In den ersten Teilen geht es darum den Verstand (Rational) mit dem Unterbewusstsein (Emotional) zusammen zu bringen. Ein einfaches Beispiel ist der Satz “Ich möchte mehr Sport treiben”. Ein einfaches Ziel, dem in der Praxis normalerweise nur wenig im Weg steht. Aber doch finden wir im Alltag immer sehr viele Ausreden (“keine Zeit”, “zu viel Stress”, “zu anstrengend” – ich kenne sie alle :wink: ), um eben nicht einmal die zehn Minuten für ein paar Kniebeugen zu investieren. Dafür ist das Unterbewusstsein verantwortlich, dessen Meinung gerne vom Verstand abweicht.

Sobald aber die beiden zusammenarbeiten, dann “flutscht” es. Im ZRM spricht man dabei vom Überqueren des Rubikon, benannt nach einem berühmten Fluss in Italien. Da stand nämlich 49 v. Chr. ein gewisser Gaius Julius Caesar und haderte mit der Frage, ob er ihn mit seinem Heer überqueren soll oder nicht. Vom römischen Senat hatte er technisch gesehen die Order sein Heer und seine Herrschaftsgebiete (u.a. Gallien) aufzugeben, wenn er für das Konsulat kandidieren wolle. Das passte dem lieben Julius nicht, also sprach er (angeblich) die Worte “alea iacta est” (die Würfel sind gefallen), überquerte den Rubikon und entfachte so einen Bürgerkrieg. Was total heroisch und super toll klingt, war laut einigen Historikern wohl mitverantwortlich für den Fall des römischen Reiches. Ja, die Schuld wird gerne den Barbaren zugeschoben aber mit seiner Missachtung des Gesetzes legte Caesar wohl den Grundstein für einen Verfall von Innen heraus, der besagten Barbaren ihr Werk überhaupt erst ermöglichte. Doch jetzt genug mit der Geschichtsstunde.

Den Rubikon zu überqueren ist im ZRM quasi die Motivation zu haben endlich zu handeln. Danach geht es darum eine konkrete Planung aufzustellen und… abschließend danach zu handeln.

Der erste Schritt

Bleiben wir bei unserem Wunsch mehr Sport zu treiben. Das ZRM sieht diese Aussage als den “Ich möchte”-Schritt, also das “bewusste Motiv”. Das kommt aber erst in Phase 2 zum Zuge, deswegen gilt es damit erst einmal einen Schritt zurück zu machen und das Unterbewusstsein abzuholen. Sprich auf Basis des Themas “Ich möchte mehr Sport treiben” sich zu fragen, was ich dabei spüre bzw. welche Bedürfnisse dahinterstecken. Das ZRM arbeitet dabei mit einer speziellen Auswahl an Bildern, die von einer Horde von Studenten der Uni Zürich ausgewählt wurden, weil sie allgmein als positiv angesehen werden. Stichwort Motivationsposter quasi. Ein majestätischer Löwe, ein glückliches Kind, schöne Blumen und derlei Kram.

Positivität ist dabei ganz wichtig, denn das komplette ZRM ist auf Positives ausgelegt. Negatives hat hier keinen Platz. Ist ja auch logisch: Es ist ein Selbstmanagement-System und ihr wollt euch (hoffentlich) aufbauen und nicht niederreißen. Zumindest brauchen wir dazu keine Methode, das machen wir meistens schon von ganz alleine den ganz gut.

Ihr schaut euch also die Auswahl an Bildern an und entscheidet rein nach Bauchgefühl. Welches Bild spricht euch an? Welches zeichnet allein schon beim Anblick ein Grinsen auf euer Gesicht? Das ist dann euer Bild bzw. das Bild mit dem euch euer Unterbewusstsein zu diesem Thema bzw. zu dem was dahinter steht etwas sagen möchte. Wichtig ist nicht weiter darüber nachzudenken. Das Bild zieht euch an? Dann nehmt es.

Die Analyse

Meine Affektbilanz für Schokolade

Jetzt haben wir ein “komisches” Bild. Super. Blöd nur, dass wir erst einmal keine Ahnung haben warum das Unterbewusstsein genau dieses Bild ausgewählt hat. Also gilt es im nächsten Schritt (am besten zusammen mit anderen, unbeteiligten Personen) einen sogenannten Ideenkorb zu füllen. Ziel ist es positive Aussagen zu dem zu finden, was auf dem Bild sichtbar ist. Zeigt es beispielsweise einen schlafenden Bären könnten so Begriffe fallen wie “genießend”, “flauschig”, “bewusster Einsatz von Energie”, “fühlt sich sicher” oder “gute Nase”. Die nächste Aufgabe ist dann für jeden Begriff die sogenannte Affektbilanz zu ziehen.

Diese Affektbilanz besteht aus einer Negativen und einer Positiven Skala jeweils von 0 bis 100. Sinn und Zweck dieser Skala ist es das eigene Bauchgefühl einzuordnen. Quasi zu schauen wie stark positiv oder negativ besetzt ein Wort wie “aufmerksam” ist. Fühlt es sich uneingeschränkt gut an oder ist doch irgendwie ein fader Beigeschmack dabei. Natürlich lässt sich zu allem eine negative Assoziation finden. Aber der Name sagt es ja schon: Es geht um die Wirkung im Affekt und nicht, ob euch 10 Minuten später doch noch einfällt, dass sich hinter “aufmerksam” auch der nörgelnde Nachbar stehen könnte. Und gesucht werden Begriffe, Ideen, Assoziationen aus dem Ideenkorb, die auf der negativen Seite bei “0” liegen und auf der positiven Seite mindestens bei “70” oder höher. Ein gutes Beispiel ist „Schokolade“. Die hat zwar einen hohen Ausschlag auf der Positivseite, es kommen einem aber auch gleich negative Gefühle hoch („Fett werden“).

Erst wenn dieser Schritt abgeschlossen ist, fängt der Verstand kurz an zu arbeiten. In einer Selbstreflexion gilt es zu eruieren, warum das Bild und die dazugehörigen Begriffe so eine positive Wirkung auf mich haben. Aus diesem Paket wird dann ein Wunsch formuliert. Das Ergebnis ist das aus dem ursprünglichen Thema “Ich möchte mehr Sport treiben” z.B. ein “Ich wünsche mir meine Energie bewusster auch für mich einzusetzen und nicht nur für alle anderen” wird. So wurde aus dem rationalen Thema das dahinterstehende Bedürfnis extrahiert.

Das Motto

Für den Verstand ist dieser Satz natürlich noch extrem unhandlich und sperrig – und damit kommen wir nun endlich zurück zur Einleitung: Wir müssen unser Motto-Ziel finden. Das funktioniert erneut mit einem Ideenkorb. Auf Basis des Bildes, der dazugehörigen Lieblingsideen und dem formulierten Wunsch versucht die Gruppe assoziierte und positiv klingende Sätze zu bilden. Dabei kommt für den Verstand mehr oder weniger großer Blödsinn raus wie z.B. “Knuddelig und liebevoll gönne ich mir meine kraftvolle Stärke”, “Mein innerer Bär leitet mich” oder “Ich erschnüffle was mir wichtig ist”. Aber der Verstand hat hier erneut Pause. Stattdessen gilt es auch diese Sätze über die Affektbilanz zu prüfen. Zaubert er mir einer uneingeschränkt ein Lächeln auf die Lippen? Machen mich ein paar an aber passen noch nicht ganz? Wie ist es, wenn ich z.B. dieses Wort tausche oder jenes entferne?

Das Motto-Ziel muss zudem vollständig in eurer Hand liegen (kein “Meine Frau krault mir den Bauch”) und als sogenanntes Annäherungsziel formuliert sein. Das sind positive Ziele, die wir glauben erreichen zu können. Das Gegenteil sind Vermeidungsziele. Die sind eher negativ belegt, weil wir sie für anstrengend halten. Die Folge sind entsprechend große Probleme den inneren Schweinehund (=Rubikon) zu überwinden. Sie helfen uns also überhaupt nicht dabei in eine positive Haltung zu kommen, sondern hindern uns eher noch dran.

Ein Ideenkorb voller Motto-Ziele

Was das Motto-Ziel jedoch auf keinen Fall muss: Für Außenstehende Sinn ergeben. Es muss für euch passen und es muss euch helfen über den Rubikon zu kommen. Alles andere ist irrelevant. Für uns mag “Ich folge dem Glitzern” völliger Blödsinn sein, aber wenn der Satz demjenigen hilft seine Ziele zu verwirklichen, was haben wir dann für ein Recht ihm das madig zu machen?

Das Verinnerlichen

Mit der Formulierung des Motto-Ziels ist der Rubikon endlich überquert. Wir haben damit eine positive, innere Haltung gefunden, die uns hilft etwaige Widerstände zu überwinden. Blöd nur, dass wir im Alltag so vergesslich sind. Frisch nach dem Bildungsurlaub denkt man vielleicht noch dran sich den Satz hin und wieder zu sagen. Aber wir wissen alle wie lange sowas nachhält. Deswegen gibt es beim ZRM einen sogenannten Ressourcenpool. Neben dem Bild und dem Motto-Ziel enthält er noch Erinnerungshilfen, Embodiments und soziale Ressourcen.

Erinnerungshilfen sind Dinge, die wir bei uns tragen, sehen oder hören und die wir mit unserem Motto-Ziel in Verbindung bringen. So wie wir es auch aus der Werbung kennen (gelbes M, magenta T, irgendwelche Jingles und so). Bei mir sind das gerne Edelsteine, die ich in der Hosentasche trage. Es kann aber auch der Spitzer auf dem Schreibtisch sein, die Fußmatte vor der Haustür oder der Klingelton, wenn die Schwiegermutter anruft. Je mehr desto besser. Wichtig ist einfach nur: Es muss euch an euer Motto-Ziel erinnern, damit ihr sofort in die gewünschte Haltung kommt.

Hier kommen dann auch die sozialen Ressourcen ins Spiel, die das ZRM in drei Typen einteilt: Stille, eingeweihte und strategische. Die stillen und strategischen Ressourcen wissen nichts von ihrem Glück. Die stille beispielsweise kann ein bärtiger Typ in einer Konferenz sein, der euch so an euren Bären erinnert. Die strategische hingegen bittet ihr beispielsweise darum euch vor Beginn eurer Präsentation eine SMS zu schicken, sie weiß aber nicht warum. Eingeweihte kennen hingegen ganz genau euer Motto und unterstützen euch direkt und bewusst bei euren Vorhaben. Zum Beispiel die Freundin mit der ihr in die Mittagspause verschwindet, wenn euch gerade mal wieder was aus der Balance wirft.

Die Bewegung

Fehlen noch die Embodiments. Das sind Bewegungen, die ihr mit eurem Motto-Ziel verbindet bzw. es damit verinnerlicht. Zwei Varianten gibt es: Einmal die Makroversion, die ihr vermutlich nicht in der Öffentlichkeit zeigt und der Micro-Move, den ihr heimlich oder unauffällig machen könnt. Auch wieder geboren aus einem Ideenkorb, kann man sich die Makroversion quasi als kleinen Tanz vorstellen, der euch in die richtige Stimmung versetzt. Dazu wird das Motto-Ziel in seine Bestandteile zerlegt und geschaut welche Wort/Wortkombinationen durch welche Bewegung symbolisiert werden könnte. “Ich atme Freiheit” könnte z.B. aus “Hände aufs Herz, tief Durchatmen, großzügige Armbewegung nach außen” bestehen. Je intensiver und ausladender desto besser – solange es sich gut anfühlt. Der Micro-Move ist hingegen z.B. ein Schulterklopfen oder eine Fußbewegung, die quasi eine Kurzfassung eures Motto-Ziels darstellt.

All das soll dafür sorgen, dass ihr zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort einfach und schnell in eure gewünschte (positive) Haltung schlüpft. Das bedeutet nicht zwingend, dass ihr dann am Ende mehr Sport treibt. Aber es gibt euch die Gelegenheit äußere Einflüsse (bis zu einem gewissen Grad) abzuwerfen und stattdessen zu tun, was euer Verstand und euer Unterbewusstsein gemeinsam entschieden haben. Dank der neuen Haltung seid ihr quasi mit euch im reinen – mit der Folge, dass möglicherweise auch im Außen Veränderungen eintreten. Wir kennen das schließlich alle: Der nach vorne gebeugte, vor sich hin schlurfende Typ strahlt eine ganz andere Aura aus als der aufgerichtete, selbstsichere Typ daneben.

Die Übung

Dass das nicht von einen Tag auf den anderen geht ist auch den Erfindern des ZRM klar. Deshalb sortieren sie den Alltag in A, B und C-Situationen. In A-Situationen ist es einfach in die gewünschte Haltung zu kommen, weil die Widerstände gering sind. Wenn z.B. die Wäsche mal wieder in die Waschmaschine muss. B-Situationen sind hingegen Ereignisse, die wesentlich mehr Überwindung kosten aber dafür planbar sind wie z.B. ein “am Dienstag gehe ich Sport machen”. In C-Situationen werdet ihr hingegen komplett überrumpelt und meist sprachlos zurückgelassen oder reagiert sehr emotional. Sie überfordern euch also.

Solche Situationen lassen sich logischerweise nie komplett vermeiden. Aber es geht darum euren Umgang damit zu verbessern. Damit die nächste, ähnliche C-Situation eben nicht mehr eine C-Situation ist, sondern vielleicht nur noch eine B- oder irgendwann sogar mal eine A-Situation. Und dazu nehmt ihr euren Ressourcenpool plus etwas Selbstreflexion („Warum war das eine C-Situation?“, “Was hinderte mich daran meine Haltung einzunehmen?”) her.

Die Praxis

Screenshot vom ZRM-Onlinetool

Das klingt logischerweise alles viel einfacher als es in der Realität ist. Nur weil man ein Motto-Ziel aufschreibt, sind die damit verbundenen Hindernisse ja nicht automatisch weg. Aber es hilft sicherlich in solchen Situationen diese Hindernisse besser wahr zu nehmen und zu überwinden. Und ja: Mein Motto habe ich trotz eines umfangreichen Ressourcenpools definitiv noch nicht wirklich verinnerlicht. Aber meine eingeweihte Ressource, Lysanda, erinnert mich immerhin regelmäßig daran :smile: . Wird also sicherlich mit der Zeit noch was.

Unterm Strich fand Lysanda den Bildungsurlaub auch interessanter und spannender als ich. Grundsätzlich finde ich die Idee hinter dem ZRM aber definitiv gut. Den inneren Schweinehund kennen wir alle und das System ist das erste mir bekannte, dass tatsächlich versucht mir praktische Hilfsmittel für den Alltag an die Hand zu geben. Andere Methoden setzen irgendwie viel zu sehr auf Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und dadurch ggf. eintretende Verhaltensänderungen. Aber den Rubikon konnte ich damit bislang irgendwie noch nicht überqueren. Das ZRM zeigt hingegen, dass deine Haltung deine eigene Entscheidung ist und du dem nicht hilflos ausgeliefert bist. Es zielt dabei auf die Lösung und nicht das Problem ab.

Wenn ihr genaueres zum ZRM wissen wollt, dann ist logischerweise die offizielle Webseite eine gute Anlaufstelle. Die haben sogar ein Online-Tool mit dem ihr Zuhause am Rechner zu einem Motto-Ziel kommen könnt. Aber vorher zumindest ein paar Videos anschauen. Ohne ein paar (besser erklärte) Grundkenntnisse funktioniert das nicht so gut :smile: .

Sicarius

Ein ernstes (Tier-)Thema

Home Office: Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Corona ist immer noch in aller Munde :wink: . Ja, ist leider so, obwohl man es beim Lesen hier auf dieser Webseite nicht merkt. Benutzt habe ich das Wort erst in sechs Einträgen und selbst da jeweils nur im Beilauf. Warum auch? Lysanda und ich sind in der glücklichen Position, dass uns das Thema nur wenig betrifft. Entsprechend haben wir aus unserer privilegierten Position nichts wirklich Sinnvolles zur Diskussion beizutragen. Mal abgesehen davon, dass man über Politik und Religion nicht redet. Da gibt es am Ende nur Verlierer. Ich versuche nicht umsonst schon immer Beim Christoph als eine Art “Neutrale Zone” zu behandeln.

Ja, unser Katzenstammtisch ist ein paar Monate ausgefallen und konnte selbst zuletzt nur in reduziertem Rahmen stattfinden. Im Kino läuft hingegen so gut wie nichts und das bisschen was läuft, interessiert uns entweder nicht oder werde ich eh auf Blu-ray kaufen, weshalb die dazugehörigen Gutscheine im Schlemmerblock wohl heuer verfallen werden. Außerdem sitzen wir faktisch seit März im Home Office mit nur einzelnen Bürotagen, weil wir es so wollen. Unser Arbeitsplatz ist einfach besser ausgestattet als unsere Schreibtische Zuhause – außerdem belagern uns dort nicht so viele Katzen. Und bei den seltenen Gelegenheiten, die wir mal rausgehen (z.B. Einkaufen), ziehen wir halt den (Telekom-gesponserten) Mund-Nasen-Schutz über. Alles kein Ding und hier und da sogar ein Vorteil. So sind beispielsweise unsere Fahrtkosten im Keller. Sprich: Unsere Erfahrungen sind absolut kein Vergleich zu dem, was so manch‘ anderer wegen der Pandemie durchmachen muss. Es ist garantiert nicht schön in Kurzarbeit festzuhängen oder gar arbeitslos zu sein wegen so einem blöden Virus. Die Krankheit selbst durchstehen zu müssen oder gar jemanden daran zu verlieren – darüber wollen wir erst gar nicht anfangen zu sprechen.

Warum bringe ich das Thema also jetzt plötzlich auf die Tagesordnung? Nun, Lysanda liegt eine andere Gruppe am Herzen, die unter der Pandemie leidet. Diese wird in der täglichen Diskussion rund um Infektionszahlen, Lockdowns, Wirtschaftswachstumseinbrüchen und Grundrechtseingriffen nämlich gerne vergessen: Die Tiere.

Die vergessene Gruppe

Befallen von einer Horde Coronaviren (Symbolbild).

Auf der Webseite von Quarks gibt es eine ganz gute Zusammenfassung des aktuellen Stands mit den entsprechenden Verweisen. Aber hier in Kürze: Ja, die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass es Tierarten gibt, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren können. Darunter eben auch Haustiere wie Katzen, Hunde oder Hamster. Das ist wohl tatsächlich grundsätzlich nichts Neues. Zumindest bei Katzen ist die Wahrscheinlichkeit wohl sehr hoch, dass viele schon vor SARS-CoV-2 eine andere Art von Coronaviren in sich tragen der bekanntlich zu FIP mutiert. Und ja, sie können sich beim Menschen anstecken und verbreiten es dann unter sich sehr effizient weiter. Würden also Lysanda oder ich SARS-CoV-2 kriegen, dann hätten vermutlich am nächsten Tag alle fünf unserer Stubentiger das Ding intus.

Die umgekehrte Variante, also ein Tier steckt einen Mensch an, scheint den ersten Studien zufolge zwar theoretisch möglich aber kommt wohl praktisch nicht wirklich vor. Vermutlich, weil der Umgang eines fremden Menschen mit dem infizierten Tier eher weniger intensiv stattfindet als im eigenen Haushalt – noch ein Vorteil von gesichertem Freigang. Und am Kot schnüffeln noch weniger Menschen abseits der Besitzer beim Katzenklo putzen :smile: . Seit Juli gibt es übrigens eine Meldepflicht für infizierte Haustiere. Eine entsprechende Statistik konnte ich aber nicht finden. Vermutlich, weil es noch viel zu wenige Meldungen gibt. Hunde z.B. zeigen wohl so gut wie gar keine Symptome, Katzen hingegen können ein paar Erkältungsanzeichen wie Husten oder Niesen bekommen. Aber da bei uns immer mal wieder jemand niest (dank Mayas Calici-Viren), würden wir es vermutlich auch erst merken, wenn es wirklich schwerwiegender wird. Und selbst dann wüsste ich ehrlich gesagt trotz Meldepflicht nicht, ob unsere Tierärztin auf die Idee käme einen entsprechenden Test machen zu lassen.

Das Problem

Lockdownkoller? Nicht bei Pichu.

Soweit so gut, würde man also meinen. Ja, sie stecken sich an und können natürlich je nach Krankheitsverlauf schlimmstenfalls dran sterben. Aber Angst vor dem eigenen Tier muss man nach aktuellen Erkenntnissen nicht haben. Leider waren die Reaktionen bei Bekanntwerden der Studie aus Norditalien Mitte des Jahres – auch dank des teils… fragwürdigen Umgangs der Mainstreammedien damit – äußerst kontra-produktiv. War beim ersten Lockdown noch alles halbwegs im Lot, gab es nach dieser Berichterstattung dann doch einen Anstieg der ausgesetzten oder beim Tierheim abgegebenen Tiere. Viele hatten plötzlich Angst vor dem eigenen Haustier. Und die Dunkelziffer dürfte wie immer – ein Haustier zählt ja leider vor dem Gesetz weiterhin nur als “Objekt” – sehr hoch sein. Dass die meisten davon, die jetzt versuchen irgendwie auf der Straße zu überleben, vermutlich nicht einmal kastriert sind, ist noch einmal ein ganz anderes Thema (kastriert eure Katzen, verdammt nochmal!). Gleichzeitig kann sich (leider) der ein oder andere sich sein Tier jetzt nicht mehr leisten und muss es deshalb “loswerden”. In anderen Ländern (z.B. USA) sogar mit der Folge, dass gesunde Tiere einfach eingeschläfert werden.

Das noch größere Problem haben allerdings die Tierschutzvereine/Tierheime sowie Zoos und technisch gesehen Zirkusse. Aber meine Meinung zu den Zelttypen erspare ich euch an dieser Stelle. Da die Leute (verständlicherweise) ihr Geld gerade selbst brauchen, sind die Spenden stark eingebrochen bzw. durften sogar Sachspenden teilweise nicht angenommen werden wegen Ansteckungsgefahr. Parallel sind andere Einnahmequellen wie Sommerfeste oder Flohmärkte weggefallen. Und trotz überfüllter Heime ist die Adoptionsrate gesunken, da sich in der aktuellen Situation logischerweise viele nicht auch noch ein Haustier ans Bein binden wollen. Das ist grundsätzlich natürlich ein vorbildliches und vorausschauendes Verhalten, hilft aber den Vereinen (und den Tieren) nicht weiter. Selbst ehrenamtliche Aktivitäten wie das simple Gassi-Gehen ist stark eingebrochen, weil die Leute ausbleiben.

Doch nicht nur in Deutschland gibt es Probleme: Die Reduzierung des Flugverkehrs und die Einreisebeschränkungen haben ebenfalls negative Folgen für den Tierschutz. Dadurch gibt es weniger Flugpaten, die z.B. Tiere aus Spanien nach Deutschland begleiten. Und selbst über Land z.B. aus Rumänen ist es derzeit schwieriger geworden Tiere nach Deutschland zu bringen sowie die dortigen Tierschutzvereine finanziell und materiell zu unterstützen. Die krebsen teilweise sowieso schon nur so vor sich hin, weil die lokale Regierung von Tierwohl nicht viel hält. Jetzt in der Pandemie ist es entsprechend noch wesentlich schlimmer geworden. So konnten in den ersten Tagen des Lockdowns in der Ukraine die dort frei lebenden Katzen, die nur Futter erhalten, nicht betreut werden, da die Menschen ja nicht raus durften.

Was tun?

Eins der Mikro-Spenden-Projekte bei Teaming

Was ist nun Sinn und Zweck des heutigen Eintrags? Euch in dieser sowieso schon belastenden Zeit ein noch schlechteres Gewissen oder gar Vorwürfe zu machen? Natürlich nicht. Uns ist klar, dass die Prioritäten ggf. woanders liegen. Doch gerade, weil das Thema nicht so präsent ist, wollte Lysanda die Chance nutzen und es etwas in den Vordergrund rücken. Was ihr daraus macht, ist selbstverständlich eure Sache. Ein paar Vorschläge haben wir natürlich:

So ist es beispielsweise immer gut die Augen offen zu halten. Gibt es in der Nachbarschaft vielleicht Tierbesitzer, die derzeit Unterstützung gebrauchen könnten? Wie sieht es beim lokalen Tierheim/Tierschutzverein aus? Kann man dort vielleicht etwas Gutes tun egal ob mit Geld, Zeit oder Sachspenden? Selbst eine Stunde im Katzenhaus die Katzen streicheln kann eine Hilfe sein. Einfach mal nachfragen. Und natürlich gibt es Seiten wie betterplace oder Teaming (Plattform mit Mikrospenden – einen Euro pro Monat und Projekt) auf denen ihr nicht nur Menschen, sondern auch Tieren ein paar eurer Euros überweisen könnt – und das sogar von der Steuer absetzbar. Auf Facebook gibt es hingegen einige Tierschutzauktionsgruppen. Dort könnt ihr nicht nur mit eurem Kauf Vereine unterstützen, sondern sogar selbst Dinge von euch anbieten und bis zu 100% des Erlöses spenden.

Wir für unseren Teil haben einen monatlichen Betrag festgesetzt, den wir an verschiedene Projekte und Vereine spenden, kaufen gerne in besagten Facebook-Gruppen was ein und Lysanda verkauft zudem fleißig Kram dort (mit normalerweise 50% Spende an die Vereine). Denkt also einfach mal darüber nach, ob nicht auch etwas für euch dabei ist.

Und damit gebe ich ab bis Montag. Dann vermutlich wieder mit einem etwas seichterem Thema :smile: .

Sicarius

Ein ernster Sam

DOOM (Herstellerbild)

Das waren vielleicht anstrengende fünf Arbeitswochen für Lysanda und mich. Fast durchweg 10 Stundentage, nur um eine Excel-Tapete für eine Datenbereinigung rechtzeitig zum Versionswechsel einer unserer IV-Anwendungen fertig zu bekommen (für 98.010 Zeilen ein Äquivalent aus einer anderen Tabelle finden). Gut, wir haben immerhin mal am Ende des Tages ziemlich eindeutig gesehen was wir geschafft haben. Das passiert sonst eher selten. Aber extrem anstrengend war’s trotzdem und ich kann SVERWEISE definitiv erstmal nicht mehr sehen… Immerhin können wir die entstandene Überzeit dank Gleitzeitkonto bei Gelegenheit abfeiern. Ist ja leider immer noch nicht überall Standard. Und es passt auch ganz gut, dass diese Woche unser Bildungsurlaub ansteht. Immerhin etwas Zeit zum Erholen. Ja, heuer gehen wir mal wieder gemeinsam. Thema ist das Züricher Ressourcenmodell, ein angeblich wissenschaftlich geprüftes Selbstmanagement-Training aus der Schweiz – sagt ja schon der Name. Bin gespannt was sich dahinter verbirgt und werde euch selbstverständlich davon berichten.

Gleichzeitig ist mein Backlog bei Co-Optimus ganz schön angewachsen, weil ich dafür nur wenig Zeit/Lust hatte. Befinden uns schließlich grad im Jahresendspurt und quasi täglich kommen neue Co-Op-Werke auf den Markt (vor allem für die Nintendo Switch). Warum ich dann am Samstag hauptsächlich die DOOM-Reihe endlich mal korrekt ins System eingepflegt habe? Weil es mir als id-Software-Fanboy selbstverständlich auf den Keks ging, dass die nicht richtig in der Datenbank drin waren. Und ja, die Episoden des Klassikers können tatsächlich auf den meisten Plattformen mit mehreren Spielern gezockt werden. Meine erste “News” ging übrigens Anfang des Monats online. Die Betreiber hatten angefangen wieder den monatlichen Rückblick zu veröffentlichen, da sich dank mir wieder wesentlich mehr tut was die Erweiterung der Datenbank und damit den (sehr gut gefüllten) Releasekalender angeht. Und ich hab’ mir dieses Mal gedacht: Die zwei Zeilen kann ich auch selbst raushauen.

Frische Spiele

World of WarCraft: Shadowlands (Herstellerbild)

Vergangene Woche flatterte außerdem seit langem Mal wieder eine Tag-Eins-Retail-Packung in unseren Haushalt: Die Collector’s Edition von World of WarCraft: Shadowlands. Mittlerweile enthält die Packung zwar zugegebenermaßen gar nichts mehr wirklich physikalisch interessantes für mich (keine Spiele-DVD, keine Blu-ray mit dem hochaufgelösten Intro, keine Soundtrack-CD) aber ich hab 2005 damit angefangen, also werde ich bis ans Ende von World of WarCraft damit weitermachen!!!1111 Immerhin ist im Gegensatz zu den letzten Addons mal wieder 30-Tage-Spielzeit in der Packung dabei. Mal schauen wann ich die zeitlich günstig einlöse und endlich meinen Winterspring Frostsaber abholen kann. Glaub’ drei Daily Quests fehlten mir noch.

Ja, das Reittier ist mittlerweile völlig irrelevant, nutzlos und 08/15 aber auch, wenn es das Letzte wäre, was ich jemals in World of WarCraft tun würde: Ich werde nach all den jahrelangen Anstrengungen (zur Erinnerung: Vor World of WarCraft: Cataclysum war es der krasseste Reputation-Grind im ganzen Spiel) endlich dieses verdammte Reittier von Rivern Frostwind bekommen! Und nein, die neuen Addon-Inhalte werde ich vermutlich nicht einmal mit meinem Nachtelfenhintern anschauen (abseits eines Besuchs beim Frisör). Für mich steht stattdessen als nächstes das Abschließen der Inhalte von besagtem Catacylsm (von 2008…) an, nachdem ich vor drei Jahren endlich mit Wrath of the Lich King fertig geworden bin. Blizzard haut definitiv zu wenig kostenlose Spielzeit für alte Accounts raus… Und ja, ich bin komisch und bescheuert. Mir doch egal :smile: .

Einen anderen, brandaktuellen Titel habe ich hingegen bereits rund sechs Stunden gespielt. Zeit also, für einen Ersteindruck:

(Cover)

Serious Sam 4 (2020; PC, Stadia, 2021 auch auf PS4 und XONE) – Das ist der Vorteil wieder für eine Spielewebseite zu arbeiten. Da fallen ab und zu ein paar Keys ab. Ich muss allerdings sagen: Ihr habt nichts verpasst. Weder grafisch (wobei ich einige Details runterschrauben muss) noch spielerisch haut mich der lang erwartete vierte Teil der Serie vom Hocker (Teil 3 kam 2011).

Zeitlich angesetzt vor Serious Sam 3: BFE (was an sich schon ein Prequel zu Serious Sam: The First Encounter war, ist die Invasion der Erde durch Mentals Horden im vollen Gange. Sam “Serious” Stone ist Teil der Earth Defense Force und er und seine Kollegen müssen als letzte Bastion der Menschheit versuchen Mental aufzuhalten. Spoiler: Wird nichts. “Horden” ist übrigens das große Stichwort mit dem CroTeam den neuen Teil (relativ kurzfristig vor Release) groß beworben hat. Dank des “Legion System” soll es dieses Mal tausende von Gegnern auf den Schlachtfeldern geben. Im Einsatz gesehen habe ich es bislang nur in der Intro-Mission und dort auch nur ca. 5 Sekunden bevor ich dank des gegnerischen Beschusses und, weil es die Geschichte verlangt tot umfiel. Seitdem stapfe ich durch lineare, eher langweilige städtische Umgebungen/Ruinen in Italien – die stark an Serious Sam 3: BFE erinnern – von einer Kampfarena zur nächsten. Häufig mit dabei: Ein Kumpane aus meinem Squad, der größtenteils eher unlustige Sprüche ablässt/Dialoge mit Sam provoziert. Speziell der “Running Gag” mit dem Klischee-Newbie, der keine One-Liner kann, ist sehr sehr schnell ausgereizt. Immerhin ist die KI unverwundbar und kann tatsächlich Feinde töten. Sie ist also durchaus nützlich.

Viel drin, nichts dran?

Serious Sam 4 (Herstellerbild)

Seid ihr lange genug durch leere und optisch gleichförmige Gassen gerannt, kommt ihr in ein größeres Areal und die Musik fängt an intensiv zu werden. Ein paar Sekunden später wird die nächste Welle an (ebenfalls größtenteils bekannten) Gegnern herbeiteleportiert – gerne auch mal in euren Rücken. Nur selten sind die Feinde schon vorher sichtbar. Zur Verteidigung steht Serien-bekanntes Handwerkszeug bereit, das aber alles irgendwie…unbefriedigend in der Benutzung ist. Vor allem die Schrotflinten (ein- und doppelläufig) haben absolut keinen “Wums”. Immer ein schlechtes Zeichen. Im Laufe des Spiels gibt es für die ein oder andere Waffe einen zweiten Feuermodus. So könnt ihr beispielsweise mit dem Raketenwerfer ein Ziel ins Visier nehmen und dann eine ganze Ladung Raketen abfeuern. Außerdem gilt es an bestimmten Punkten die ein oder andere Fähigkeit auf einem rudimentären Baum freizuschalten. Und nein, ihr werdet ausnahmsweise mal nicht genug Upgradepunkte finden, um alles zu erhalten. Ihr müsst euch also durchaus entscheiden, ob es lieber “Zwei Waffen gleichzeitig benutzen” sein soll, oder lieber die Möglichkeit auf einigen Gegnern zu reiten. Das klingt cooler als es in der Praxis ist. Ich empfehle entsprechend ersteres aufgrund des massiven Schadensoutputs, den zwei doppelläufige Schrotflinten bieten.

Zu guter Letzt schaltet Sam im Laufe des Spiels auch noch ein paar Gadgets frei wie eine “Schwarzes-Loch-Granate” oder ein Energiedrink, der euch für kurze Zeit schneller und eure Waffen stärker werden lässt. Sehr nützlich vor allem bei den optionalen Challenges an deren Ende besagte Waffenupgrades warten. Wie oft ich auf dem Weg nach Rom bei der Portal-Herausfordung neu laden musste ist echt extrem (spiele glaube ich auf dem zweit- oder dritthöchsten Schwierigkeitsgrad). Aber da kam wenigstens mal für einen kurzen Moment echtes Serious Sam-Feeling auf, da ihr ein einem weiten Areal gegen eine Menge Feinde antretet. Extremer ist nur, dass euch das Spiel nach einer bestimmten Anzahl an Ableben fragt, ob ihr nicht den Schwierigkeitsgrad verringern wollt. Soweit nervig aber okay. Das Problem: Warum auch immer resettet dieser Bildschirm den Speicher. Sprich, selbst wenn ihr euch dazu entscheidet wieder euer letztes Savegame zu laden (wie bei jedem anderen Ableben), muss er das Level komplett neu laden. Was für eine massive Zeitverschwendung.

Serious Sam 4 (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Serious Sam 3: BFE war ja schon kein Vergleich zu den ersten beiden Serious Sam-Titeln sowohl was die grafischen als auch die spielerischen Qualitäten betraf. Aber immerhin war das “Serious Sam” im Titel noch spürbar und er hatte seine Momente. In Serious Sam 4 hingegen habe ich bislang nur unterirdisch schlechte Witze, langweiliges Leveldesign und irgendwie überhaupt nicht spaßige Arenen erlebt. Letzteres liegt vermutlich weniger an der Gegnervielfalt, schließlich ist sie größtenteils zu den Vorgängern unverändert, sondern mehr daran wie sich die Waffen und vor allem Sam selbst anfühlt (sehr träge). Das ist irgendwie alles nicht richtig “Old School” aber auch nichts wirklich Modernes. Im Ergebnis bleibt der Spielspaß auf der Strecke. Ob es im weiteren Spielverlauf besser wird? Bezweifle ich nach den ersten Levels stark. Werde euch aber selbstverständlich darüber informieren, sollte es anders kommen. Bis dahin kann ich definitiv keine Kaufempfehlung aussprechen – schon gar nicht zum Vollpreis.

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