Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #24

In einem Haus gibt es immer was zu tun. Das ist bekannt, nicht weiter verwunderlich und normalerweise planbar. Blöd sind eigentlich nur die Sachen, die einem dazwischenkommen. Aktuell scheint sich beispielsweise unsere Einbau-Kühl-/Gefrierkombination mit der Idee anzufreunden ins nächste Leben überzutreten. Ja, sie hat schon mindestens 10 Jahre auf dem Buckel (wurde höchstwahrscheinlich zusammen mit der Küche gekauft), da kann man sicherlich so langsam über das Auswechseln nachdenken. Aber sind natürlich trotzdem wieder 500-1000 Euro, die plötzlich fällig werden nur, weil eine Reparatur wie so oft in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft wirtschaftlich keinen Sinn macht. Aber mal schauen. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass der Gefrierteil sich doch erneut fängt (ist letztes Jahr im heißen Sommer schonmal für einen Tag ausgestiegen). *drückt die Daumen*

Der Freizeitraum

DIY-Fensterbank

Eine halbwegs geplante Ausgabe war hingegen der Austausch des Kellerfensters im Freizeitraum. Das alte Holzteil aus den 60igern erfüllte vermutlich keine einzige der heutigen Anforderungen in Sachen „Wärmedämmung“ oder „Einbruchsicherheit“. Größtes Problem war aber, dass es sich nicht mehr zuverlässig auf- und wieder zumachen ließ – also doch in gewisser Art und Weise schon Einbruchssicher war :wink: . Und da wir sowieso dabei sind den Raum zu renovieren machte es logischerweise Sinn es gleich mitzumachen. Schließlich blöd, wenn nochmal Staub und Dreck produziert wird, wenn ansonsten bereits alles schön ist.

Also Anfang Dezember ein paar Angebote angefordert und Mitte Februar wurde das neue Kunststofffenster von Weru auch schon eingebaut. Genauere Details werde ich mir an dieser Stelle aus nachvollziehbaren Gründen sparen. Man möchte es gewissen Leuten ja nicht zu einfach machen :smile: . Aber ja, wir haben Handwerker beauftragt. So ein Fenster ist mir dann doch zu heikel, um es nur mit Hilfe von YouTube-Videos korrekt zu montieren. Ich habe zum Ausgleich die Tapete komplett entfernt. Fehlt „nur“ noch der Kellerflur mit seinen scheiß festgeklebten Raufasertapeten. Die Dinger gehen einfach nicht ab egal wie lange man sie einweicht…

Bei der Fensterbank haben wir es uns übrigens einfach gemacht. Es ist ja „nur“ ein Kellerraum. Entsprechend haben wir gestern ein Stück weißes Deckenpanel aus unserem Restposten hergenommen, zurechtgeschnitten und mit Montagekleber befestigt. Ob es wirklich hält wissen wir zum Verfassungszeitpunkt zwar noch nicht zu 100% aber wir sind guter Dinge. Wenn es klappt sind nur noch die Abstände mit Acryl zu füllen und fertig ist die DIY-Fensterbank.

Und so geht es nun da unten nach und nach jedes Wochenende ein bisschen weiter. Löcher an den Wänden flicken, Wände streichen, Korkboden verlegen, etc. pp. An sich nichts mehr besonderes für uns aber es braucht halt Zeit. Immerhin steht die geplante Inneneinrichtung schon im Keller verteilt herum nachdem uns die Nachbarschaft bei ihrem Auszug im Prinzip alles überlassen hat, was wir haben wollten. Ja, es lohnt sich noch einmal zu betonen wie wichtig ein gutes Verhältnis zu den angrenzenden Bewohnern ist.

Kalk!

Überall Kalkflecken!

Ein Thema, was uns Ende 2018 auch noch beschäftigt hat war der liebe Kalk. Mit ca. 17 °dH liegen wir hier im Härtebereich hart und das merkt man extrem. Nicht nur an den Kalkflecken, sondern an der Funktionsfähigkeit der Armaturen – vor allem deren Dichtringe. Die Handwerker haben den Badhahn fast abgerissen so viel Kraft mussten sie aufwenden, um ihn abzukriegen. Das Wasser hatte sich nämlich angefangen am Übergang Hahn und Befestigung durchzudrücken. Sprich die Armatur ist undicht geworden und das schon nach nicht einmal drei Jahren. Dichtungen getauscht (wieder 100 Euro…) und jetzt ist alles wieder gut. Aber natürlich ist das eine Sache, die uns potentiell auf Dauer beschäftigen wird. Zumindest erwarte ich nicht, dass das Wasser hier von heute auf morgen urplötzlich weicher wird. Und unsere Osmoseanlage steht halt nur in der Küche. Also musste eine andere Lösung her.

Das naheliegendste ist eine Entkalkungsanlage unten im Keller. Es gibt verschiedene Systeme die jeweils anderen Verfahrensweisen arbeiten (Ionenaustausch, elektromagnetisch, Umkehrosmose, etc.). Keine Ahnung welche tatsächlich die beste ist. Teilweise streitet man sich scheinbar sogar darüber, ob sie überhaupt funktionieren. Auf jeden Fall sind sie kostenintensiv. Sie verbrauchen mindestens Strom und zusätzliches Wasser, müssen regelmäßig gewartet werden und jeder, der im Baumarkt schon einmal den Haufen Salztabletten liegen sehen hat: Die sind für Entkalkungsanlagen. Also keine billige Sache so eine Anlage – sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb. Wie so oft muss man gegenrechnen: Die eigene Putzzeit wegen hartnäckiger Flecken, die Kosten für regelmäßiges Wechseln der Dichtungen oder gar Kompletttausch der Armaturen gegen die Betriebskosten einer Entkalkungsanlage.

Ihr ahnt es aber vermutlich bereits: Wie es sich scheinbar für unseren etwas „alternativeren“ Haushalt gehört, haben wir uns am Ende für etwas ganz anderes entschieden :smile: .

Sanfter Kalk

Der eingebaute Aquaspin (in der Mitte)

Unsere Osmoseanlage stammt von der Firma H.Preiss International und da die auch Entkalkungsanlagen im Angebot haben, hatten wir eine Anfrage nach einem Angebot auch dahin geschickt. Als der Vertreter vorbeikam (kannten wir bereits von der Osmoseanlage), hatte er jedoch was ganz anderes gegen unser Problem im Gepäck: den aquaSpin. Aufmerksame Leser werden jetzt feststellen: „Habt ihr so ein Ding nicht auch vor der Osmoseanlage?“ Und ja: Dieses erneut nicht ganz billige (aber völlig Wartungsfreie) Teil wird nach dem Grobfilter im Haus eingebaut und ist identisch zu dem vor der Osmoseanlage (nur etwas größer). Hätten wir damals gewusst, dass wir uns das auch fürs ganze Haus holen, hätten wir es logischerweise bei der Osmoseanlage nicht mitgekauft. Aber so ist es halt :smile: .

Der Sinn und Zweck ist entsprechend identisch: Die Spule im Inneren soll das Wasser wieder zurück in seinen Quellzustand versetzen d.h. es re-energetisieren und die mäandernde Führung drumherum verwirbelt das Wasser. Statt, dass es einfach durch die Rohrleitungen strömt, wirbelt es dadurch quasi hindurch. Beides soll dazu führen, dass der Kalk zwar nicht aus dem Wasser verschwindet, aber weicher und damit nicht mehr aggressiv wird. Außerdem soll die Verwirbelung dafür sorgen, dass die Rohre sich mit der Zeit selbst von festgesetztem Material reinigen, da es wie bei einem Fluss einen abtragenden Effekt hat.

Klingt nach viel Hokuspokus und aktuell kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen, ob es wirklich was bringt oder wir einem teuren Quacksalber aufgesessen sind. Das wird die Zeit zeigen. Die ersten Erfahrungen sind aber tatsächlich, dass sich der Kalk einfacher wegwischen lässt und das Wasser anders (=besser) schmeckt.

Warum hat mir keiner gesagt, dass Beyond the Black schon Ende August ihr drittes Studioalbum Heart Of The Hurricane veröffentlicht haben?! Auf euch ist echt kein Verlass. Wenn die neue Platte von The Offspring irgendwann aufschlägt, wird das hoffentlich besser laufen! Zum Glück wird gute Musik nicht so schnell schlecht :smile: . Und ja, das Album der deutschen Symphonic/Power Metal-Band um Frontfrau Jennifer Haben ist erneut eine absolute Hörempfehlung. 15 Lieder und wieder keins dabei, dass nicht rockt obwohl alle Musiker bis auf die Sängerin ausgetauscht wurden.

Aber ihr seid ja nur bedingt wegen Musik hier. Der Fokus von Beim Christoph war, ist und wird weiterhin auf Katze…äh Spielen bleiben. Also lasst uns über Spiele reden. Schließlich habe ich was gespielt und kann darüber berichten. Und darum geht es doch, oder nicht? Keine Widerrede aus den hinteren Reihen!

(Cover)

12 is Better Than 6 hatte ich bereits vergangenen Montag kurz angeschnitten. Mittlerweile habe ich zumindest das Hauptspiel inkl. allen 46 Achievements beendet. Irgendwie sind Indie-Titel gefühlt oft sehr kurz und die Erfolge extrem einfach zu bekommen. Laut Steam hat es nicht einmal vier Stunden gedauert. Immerhin gibt es einen DLC, The Apostles. Dazu aber am Ende mehr. Das Hauptspiel bekommt von mir 3 von 5 Sics, die ich angesichts meiner Worte im anderen Eintrag „[…]mehr motiviert als endlich Hotline Miami 2: Wrong Number fertig zu spielen“ und der Tatsache, dass ich Hotline Miami volle 5 von 5 Sics gegeben habe genauer begründen sollte :smile: .

Ein Kickstarter für was?

12 is Better Than 6 – übrigens ein Sprichwort was so viel bedeutet wie „12 Jurymitglieder sind besser als 6 Sargträger“ – ist das Erstlingswerk von Ink Stains Games und ein Top-Down-Shooter. Veröffentlicht am 20. November 2015 wurde es theoretisch teilweise finanziert durch eine nur knapp erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne (15.013 von 15.000 britischen Pfund) bei Kickstarter. Theoretisch deshalb, weil die Kampagne am 9. Oktober 2015 endete, der ursprüngliche Release für März 2016 angepeilt war und es trotzdem schon 1 1/2 Monate später auf den Markt kam. Ich bezweifle zwar nicht, dass das Geld auf irgendeine Art und Weise in das Studio und damit das Spiel geflossen ist aber von außen wirkt das durchaus so, als wäre der Titel auch ohne Kampagne in gleicher Form auf den Markt gekommen. Erklärt vielleicht den eher übersichtlichen Umfang. Aber worum geht’s?

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Es ist das Jahr 1873 und ihr schlüpft in die Rolle des Mexikaners Jesûs, der unter Gedächtnisverlust leidend in einem Straflager aufwacht. Nachdem ihr mit der groben Spielmechanik vertraut gemacht wurdet, begeht ihr direkt euren ersten Mord am Aufseher und das Gemetzel beginnt. Aufgeteilt in vier Akte begebt ihr euch zuerst auf der Suche nach eurer Vergangenheit und dann – wie soll es anders sein – Rache. Dabei reist ihr durch Texas und tötet (fast) alles, was euch vor die Revolver kommt (Soldaten, Banditen, Indianer und Chinesen). Geredet wird nur selten und selbst diese Dialoge sind überschaubar, klischeeüberladen und grammatikalisch nicht immer ganz sauber. Stattdessen lasst ihr eure Waffen für euch sprechen – schließlich spielt ihr ja einen Shooter.

Das Gameplay

Das grundsätzliche Spielprinzip ist simpel: Töten bevor ihr getötet werdet. Alles und jeder – inkl. euch selbst – hält nur 1-2 Treffer aus. Zur Verfügung steht euch eine übersichtliche Anzahl an Waffen von denen ihr immer nur eine plus ein Messer gleichzeitig tragen dürft. Das Messer ist für alle, die es gerne leise mögen und lieber die Feinde unbemerkt von hinten umbringen. Das bringt etwas Taktik rein, denn beim Schleichen gilt es wie gewohnt zu beachten, dass euch keiner dabei beobachtet und erschießt. Leider ist die Kamera sehr nah am Geschehen dran, weshalb ihr euch keinen guten Überblick über eure Lage verschaffen könnt. Stattdessen ist Trial-and-Error angesagt. Das gilt leider auch dann, wenn ihr das Schleichen aufgebt und den Revolver, die Schrotflinte oder das Dynamite auspackt. Urplötzlich aus dem Nichts erschossen zu werden ist etwas, das euch wie im großen Vorbild häufiger passieren wird. Also das Level-Layout und die Gegnerpositionen auswendig lernen – zufallsgenerierte Positionen gibt es nicht. Oder euch einfach an eine Ecke stellen, Geräusche machen und nach einander die herbeilaufenden Feinde abschießen.

Ja, die KI von 12 is Better Than 6 erhebt keinen Anspruch auf Intelligenz. Die Herausforderung kommt entsprechend mehr durch Hinterhalte, Masse und das Levellayout und ist dadurch auf einem wesentlich niedrigeren Niveau angesiedelt im Vergleich zum aus meiner Sicht hohen Schwierigkeitsgrad von Hotline Miami. So gibt es im Zuglevel (hey, es spielt im Wilden Westen!) eben weniger Raum zum manövrieren und Ausweichen als in den in der Wüste angesiedelten Passagen. Immerhin: Der Neustart nach dem Tod geht genauso fix wie bei der Konkurrenz. Man ist sofort wieder drin und kann das Level von vorne beginnen.

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Werfen könnt ihr eure Waffen hingegen nicht und einfach nur die linke Maustaste drücken reicht ebenso wenig für eine Blutorgie. Stattdessen bringen die Entwickler einen Hauch Realismus rein und verlangen von euch erst den Hahn (oder die Bogensehne) zu spannen, bevor ihr abdrücken dürft – und, dass vor jedem Schuss. Aber da hört es noch nicht auf: Nachladen ist ebenso angesagt. Und zwar jede Patrone einzeln – die ihr übrigens manuell aus den Waffen von getöteten Feinden entnehmen müsst bevor sie in euren Vorrat übergehen. Das sind die Mechaniken, die etwas mehr Taktik in die ansonsten theoretisch ziemlich stupiden Kämpfe bringen. Klingt nerviger als es in der Praxis ist. Anfangs ist es natürlich sehr ungewohnt und der Grund für so einige Tode aber man hat es erstaunlich schnell verinnerlicht.

Die Technik

Grafisch kann sich das Spiel sehen lassen. Der handgezeichnete Grau-Weiß-Stil mit seinen klaren Linien funktioniert erstaunlich gut und ist definitiv mal was anderes. Die einzige Farbe ist das rote Blut, das eure Feinde hinterlassen. An die Brutalität und die Gewaltexzesse von Hotline Miami kommt es dennoch bei Weitem nicht dran. Ja, Jesûs reitet mordend durch das Land aber seine Reise ist alles nur keine Gesellschaftskritik. Das Schockniveau hält sich entsprechend in Grenzen. Die Gewalt ist Mittel zum Zweck und in diesem Spiel ist sowieso technisch gesehen jeder der Bösewicht – inklusive Jesûs. Der einzige Negativpunkt in Sachen Grafik ist das Fehlen einer „V-Sync“-Funktion. Wer das nicht über den Treiber erzwingt muss mit unschönen Schlieren im Bild leben. Der Anspruch an die eigene Hardware hält sich in Grenzen.

In Sachen Soundeffekte gibt es abseits von etwas Hundebellen und den fliegenden Kugeln hingegen so gut wie nichts zu hören. Stattdessen dominiert der Soundtrack von John R1se, Ivan Reshetnyov und Son of the Sun die Klangkulisse. Dieser ist auch durchaus gelungen und unterstützt die Metzelorgie mit fetzigen Tracks irgendwo zwischen Wild West-Gefühl, mexikanischen Einflüssen und hartem Rock. Er wird selbst beim 10. Neustart eines Levels nicht langweilig. So muss das sein!

Der DLC

12 is Better Than 6: The Apostles (Herstellerbild)

Wie erwähnt, gibt es auch noch einen DLC namens The Apostles. Der setzt die Geschichte des Hauptspiels nahtlos fort. Ihr schlüpft aber nach dem abrupten Finale nicht wieder in die Schuhe von Jesûs. Stattdessen gibt es in den drei Akten ebenso viele Charaktere deren Kontrolle ihr übernehmt. Während das Grundprinzip logischerweise gleich bleibt, mischen sie es durch andere Waffen und Fähigkeiten etwas auf. So hat Bill Watt nicht nur eine sechsschüssige Schrotflinte, sondern außerdem häufig ein paar Begleiter mit dabei, denen ihr über die Leertaste den Befehl „erschießt den Gegner“ geben dürft. Slippery Pitt und der Indianer verzichten hingegen auf den Einsatz von konventionellen Waffen. Während Pitt lieber auf Bärenfalle und ähnliches, hinterhältiges Zeug setzt, nutzt der Indianer nur seinen Bogen und Dynamit.

Durchgespielt habe ich den DLC noch nicht, da der Schwierigkeitsgrad massiv anzieht. Schon im ersten Level erwarten euch mehr Gegner als gefühlt im gesamten Hauptspiel zusammen und im zweiten Level seid ihr auf einem Floss unterwegs. Das müsst ihr abwechselnd steuern und nebenbei die Feinde am Strand erledigen bevor sie euch treffen. Das hat etwas gedauert. Aber da das Hauptspiel so kurz und vergleichsweise einfach war, freue ich mich doch sehr darüber, dass es zumindest etwas Nachschub gibt.

Beim Christoph meint: Grundsätzlich hat 12 is Better Than 6 Laune gemacht. Die Grafik ist mal was anderes, das Spielprinzip funktioniert und obwohl Hotline Miami und sein Nachfolger objektiv betrachtet natürlich fantastische Spiele sind: Ich persönliche finde es gut, dass es hier etwas weniger derb und vor allem „komisch“ zur Sache geht.

Leider ist die Geschichte uninteressant (und das Finale doof), die Charaktere quasi nicht vorhanden und die Spielzeit viel, viel zu kurz. Ja, es kostet dafür auch nur 6,99 Euro aber es hat mir trotzdem irgendwie nicht so viel Spaß gemacht wie es anfangs den Anschein machte. Und aus meiner Sicht liegt dies weniger am eigentlichen Spielprinzip (das macht prinzipiell Spaß) als viel mehr am unzureichenden Kleber (=die Geschichte) dazwischen. Gerade als es anfing interessant (und anspruchsvoller) zu werden war es schon vorbei quasi. Ja, es gibt den DLC der mit 4,99 Euro fast so viel kostet wie das Hauptspiel und vielleicht das ein oder andere besser macht (weiß ich ja noch nicht genau). Aber das reicht nicht. Deswegen nur 3 von 5 Sics. Wer mal wieder Lust hat auf so einen Titel kann beim nächsten Sale mal einen Blick drauf werfen. Eine uneingeschränkte Empfehlung für alle gibt es jedoch nicht.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Okay, ich weiß: Es fängt langsam an zu nerven aber es ist das letzte Mal. Versprochen! Also zumindest bis zum Release des vierten DLC. Ja, ich habe Kingdom Come: Deliverance endlich durchgespielt. 117 Brutto- und 85 Nettospielstunden hat es gedauert für das Hauptspiel inkl. 100% der Nebenquests, 60/71 Erfolgen sowie die derzeit erhältlichen drei DLCs. Ich könnte theoretisch ohne Neustart noch vier weitere Achievements freischalten (werde Alkoholiker, Finde alle Schreine und Kreuze, führe 100 Kombos im Kampf aus und gewinne 1.000 Groschen im Würfelspiel) aber ich glaube das hebe ich mir auf für A Woman’s Lot (der bereits angekündigte 4. DLC). Nach über vier Monaten fast nur mit diesem Titel ist es jetzt erst einmal genug mit dem Mittelalter. Einen zweiten Durchgang z.B. im Hardcoremodus (kein UI, keine automatischen Speicherstände, etc.) wird es so schnell definitiv nicht geben.

Das liegt aber nur an mir und sagt nichts über die Qualität des Spiels aus. Die finale Wertung für Kingdom Come: Deliverance ist – wenig überraschend – 5 von 5 Sics. Der 61. Erfolg blieb mir wegen eines Bugs zwar verwehrt, die Performance in den Schlachten im Finale war oft grenzwertig und der geballte Loredumb zum Abschluss (die Endsequenz besteht aus fünf Minuten politischen Erläuterungen) war nicht so der Brüller. Ach und mit dem Patch 1.8.1 (5. Februar 2019) wurde die Möglichkeit entfernt Überladen (es gibt ein Tragelimit) mit eurem Pferd zu reiten, was etwas nervig ist selbst wenn es dem Realismus tut gut. Aber das Gesamtpaket hat einfach gepasst. Kingdom Come: Deliverance war und ist ein großartiges Rollenspiel. Ein großartiges Rollenspiel mit immer noch vielen Bugs und technischen Problemen aber trotzdem ein großartiges Rollenspiel, dass ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann :smile: . Ich freue mich auf Teil 2, auch wenn meine persönlicher Hypelevel durch den Aufkauf von Warhorse Studios von THQ Nordic etwas gedämpft wurde.

Die Zusatzinhalte

Und wie sieht es mit den DLCs? Nun, da sie sich nahtlos ins Spiel integrieren würde ich sie durchaus bei reduziertem Preis allen empfehlen, die es noch nicht durchgespielt haben. Sie bieten jeweils ein paar Stunden zusätzliche Unterhaltung für das sowieso schon umfangreiche Spiel. Aber ich kann die Kritik derjenigen verstehen, die schon das Ende gesehen hatten und quasi nur wegen den DLCs nochmal reinschauten. Dafür bieten sie tatsächlich für den normalen Preis (10 bzw. 8 Euro) dann doch nicht viel Neues und sind vor allem für hochlevelige Charaktere ein Klacks.

Kingdom Come: Deliverance – From the Ashes (Herstellerbild)

Im 1. DLC, From the Ashes, werdet ihr als Verwalter des Ortes Pribyslawitz eingesetzt und bekommt die Aufgabe ihn wiederaufzubauen. In der Praxis bedeutet dies haufenweise Groschen (die Währung des Spiels) zu sammeln und aus einem Buch das als nächstes zu bauende Gebäude auszuwählen (die Lokation ist festgelegt). Anfangs gibt es jeden Tag auch noch einen Disput zwischen den Dorfbewohnern, den ihr lösen müsst (im Prinzip nur eine ja- oder nein-Entscheidung) und ihr habt die Möglichkeit Charaktere aus der restlichen Spielwelt für Aufgaben in eurem Dorf anzuwerben. Das bringt euch dann ein paar Groschen mehr Einnahmen pro Tag als mit den Standardarbeitern. Und das war‘s. Da das Dorf zudem komplett ab von den normalen Wegen liegt und ihr (wie so oft in Rollenspielen) zu dem Zeitpunkt vermutlich sowieso schon keine Geldprobleme mehr haben werdet, spielt es leider nach Abschluss der Bauarbeiten keine Rolle mehr. Wie heißt es so schön? Verschenktes Potential.

Aber immer noch besser als The Amorous Adventures of Bold Sir Hans Capon, DLC Nr. 2. Darin sollt ihr dem namensgebenden Sir Hans Capon dabei helfen die Metzgertochter zu bezirzen. In der Praxis sind es drei Quests, die es zu erledigen gilt. Eine führt euch in ein Banditenlager in dem ihr an einem Würfelturnier teilnehmt, in der zweiten sollt ihr ein Dorf in Angst und Schrecken versetzen und die dritte ist dann die eigentliche Umgarnung der Metzgertochter. Hauptproblem des DLCs ist noch stärker als im Hauptspiel, dass ihr durch die falsche Auswahl in den Dialogen den Großteil der gestellten Aufgaben komplett umgehen könnt. Das mag realistisch und im Sinne der spielerischen Freiheit sein, ist aber natürlich ärgerlich für den unachtsamen Spieler der z.B. den Trank einfach kauft statt die umfangreiche Quest dafür zu erledigen. Kein Wunder, dass sich damals nach der Veröffentlichung viele über den nicht vorhandenen Spielumfang beschwert haben. Geht ihr hingegen nicht die Abkürzungen, dann ist zumindest der Dorf-Quest eine ganz nette und amüsante Aufgabe. Trotzdem: 10 Euro sind definitiv zu viel verlangt.

Kingdom Come: Deliverance – Band of Bastards (Herstellerbild)

Vielleicht auch ein Grund, warum der dritte und bislang letzte DLC, Band of Bastards schon von Haus aus nur acht Euro kostet. Dafür gibt es eine etwas längere Nebenaufgabe (4 Hauptmissionen und eine Miniaufgabe – je nach Charakterlevel 2-4 Stunden Spielzeit), die einen starken Fokus auf Gruppenkämpfe legt (ihr mit NPCs gegen andere NPCs). Wie der Name schon andeutet, schließt ihr euch darin einer Gruppe von Söldnern an, die durch das Land streifen und Jagd auf eine andere Truppe machen. Die Söldner sind theoretisch einzigartige und interessant gestaltete Charaktere. Leider leiden sie unter dem CSI-Syndrom: Es gibt nur häppchenweise servierte Dialoge zwischen den Missionen. Das Ergebnis ist sehr oberflächlich und fühlt sich zudem unnatürlich an. Und auch die beworbenen „unterschiedlichen Enden“ sind jetzt nichts wo ich sagen würde „Jep, das hat mich umgehauen und war total überraschend“.

Wie gesagt: Als Teil des Großen und Ganzen funktionieren die DLCs und fügen sich ganz gut in das Hauptspiel ein. Aber als eigenständige Inhalte sind sie weder in Sachen Länge noch Qualität 28 Euro wert. Dann lieber auf den nächsten 50%-Deal warten.

Was nun?

Und damit habe ich aus meiner Sicht zwar nicht alles gesagt, was ich zu Kingdom Come: Deliverance sagen könnte. Aber ich behaupte mal, dass drei Einträge reichen völlig egal wie gut das Spiel auch sein mag :smile: . Zeit sich wieder auf die Suche zu begeben nach dem nächsten Titel zum Durchspielen.

„Einer“ davon wird vermutlich die Space Pillgrim Saga sein. Das ist eine Serie aus derzeit sieben RPGMaker-Titeln für sehr kleines Geld, die aber mit Rollenspiel überhaupt nichts zu tun haben. Stattdessen sind es Adventure ohne viel spielerischen Tiefgang und einem starken Fokus auf die Erlebnisse von Gail Pilgrim und ihr Sternenschiff Quicksilver. Nichts, was einen Hardcoregamer vor den Ofen hervorlocken wird aber wirklich nett gemacht. Amüsant finde ich übrigens, dass die Spielzeit mit jedem weiteren Titel zunimmt (Episode I hat man nach nicht einmal einer Stunde durch – die neueren dauern um die fünf Stunden). Man merkt, dass die Entwickler immer mehr Erfahrung gesammelt haben :smile: . Bin bereits in Episode III und muss sagen: Für maximal 10 Euro (aktuell sogar nur 6 Euro) kann ich mich absolut nicht beschweren. Ja, es ist ein „RPGMaker-Asset-Flip“ (wobei ich das nicht ganz so negativ sehe wie manch‘ anderer) und mehr Visual Novel als Spiel. Aber die Geschichte ist interessant und wird gut erzählt. Das reicht mir für Zwischendurch.

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Nummer Zwei ist 12 is Better Than 6, das handgezeichnete Hotline Miami im Wilden Westen. Die Story ist nicht einmal ansatzweise so psychedelisch und krank wie bei der Konkurrenz und auch die Gewaltdarstellung nicht so extrem. Spaß macht das bekannte Spielprinzip aus Schleichen und hektischen Kämpfen aber trotzdem (oder gerade deswegen?). Ihr spielt einen mexikanischen Sträfling mit Gedächtnisverlust, der in den 1870er Jahren in den USA ums Überleben und seine Freiheit kämpft. Neben dem einzigartigen Look unterscheidet sich das Werk von Ink Stains Games vor allem durch sein im Vergleich etwas gemächlicherem Spieltempo und dem kompletten Fehlen der Arcadekomponente (keine Multiplier durch Killcombos hochjagen). Was nicht heißt, dass ihr auf bedachtes Vorgehen und hektische Kämpfe verzichten müsst. Dafür sorgt schon allein die übersichtliche Waffenauswahl (nicht werfbar!) mit ihren zusätzlichen, spielerischen Anforderungen. Einfach die LMT drücken ist nicht. Stattdessen gilt es vor jedem Schuss erst den Hahn an eurem Revolver (RMT) zurückziehen, bevor ihr abdrücken könnt. Und ist die Trommel leer, heißt es erst einmal nachzuladen oder eine Alternative aufzuheben. Wenn euch ein paar Banditen auf den Fersen sind, kann das durchaus mal in Stress ausarten – bedeutet anders als bei der Konkurrenz aber nicht gleich den sicheren Neustart. Nach rund 1 1/2 Spielstunden muss ich ehrlich zugeben, dass es mich aktuell mehr motiviert als endlich Hotline Miami 2: Wrong Number fertig zu spielen. Vermute das liegt vor allem am sehr hohen Schwierigkeitsgrad des großen Vorbilds. Aber mal schauen wie sich 12 is Better Than 6 in der Hinsicht noch entwickelt.

Und mit diesen Ultrakurzeindrücken gebe ich ab bis Montag. Viel Spaß beim Zocken!

Das weiße Gold

Sagen wir es doch mal wie es ist: Technisch gesehen dürften wir eigentlich gar nichts mehr Essen oder Trinken. Je nachdem wen man fragt, führt entweder alles zu Krebs, Übergewicht oder irgendwelchen anderen Zivilisationskrankheiten. Das macht doch keinen Spaß mehr. Und wem wird gerne die Hauptschuld zugeschoben? Na dem armen Zucker – auch gerne hinter einem seiner vielen Namen wie Saccharose, Raffinose, Malzextrakt, Laktose, Maltodextrin oder Glukose versteckt. Dabei kann unser Körper gar nicht ohne ihn leben. 60-140mg pro Deziliter sollten es im Blut sein. Aber es ist halt wie immer: Es ist meist zu viel. Als könnte das natürlich vorkommende Lebensmittel etwas dafür, dass wir es uns tonnenweise Reinschaufeln. Okay, natürlich kann der Zucker was dafür. Er liefert unserem Körper je nach Sorte schnell einsatzbereite Energie (4 kcal pro Gramm). Und weil der sich so darüber freut, sorgt unser Gehirn dafür, dass er gut schmeckt, lässt fleißig Endorphine los und wir wollen immer mehr davon haben. Aber dadurch, dass es schnelle Energie ist, hält der Schub auch nicht lange an. Es kennt sicherlich jeder von uns das Gefühl, wenn der Blutzucker rapide absinkt und man plötzlich wieder Hunger verspürt obwohl man doch vor 2-3 Stunden erst was gegessen hat.

Es wäre natürlich super, wenn der Körper diese Energie tatsächlich in der Zeit verbraucht hätte. Aber ich erzähle euch hier selbstverständlich nichts Neues: Der Zucker landet stattdessen da, wo wir ihn alle nicht haben wollen. Am Bauch, den Hüften, den Beinen, etc. pp. Und dann dauert es 100mal so lang ihn wieder los zu werden. Die Welt ist einfach ungerecht *mampft aus Verzweiflung erst einmal eine ganze Tafel Schokolade*. Der Grund für die Einlagerung ist, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu hoch sein darf. Euer Körper schüttet entsprechend bei einer Zuckerzufuhr eine Runde Insulin aus, um den Spiegel zu senken. Da er den Zucker aber nicht aus dem Körper entfernen will (ist ja ein guter Energiebringer für später), lagert er ihn deswegen einfach ein. Leider ist er dabei etwas zu enthusiastisch, weshalb der Zucker zügig weg ist – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Gleichzeitig entkommt man dem Zucker quasi nicht. Nicht nur ist er aus diversen Gründen in sehr vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten – oft in wirklich fragwürdigen Mengen. Auch in natürlichem „Kram“ wie Obst findet ihr ihn in Form von Fruchtzucker. Natürlich ist ein Apfel trotzdem besser als eine Tüte Chips.

Die Kohlenhydratfalle

Nur 1,2g Zucker?! Nein.

Wichtig: Überall wo Kohlenhydrate drin sind, ist auch Zucker drin. Und zwar nicht nur, wenn auf der Packung die Angabe „davon Zucker“ draufsteht, sondern grundsätzlich. Warum? Weil Kohlenhydrate aus Zuckermolekülen bestehen. „Aber meine Nudeln schmecken doch nicht süß?!“ wird jetzt der ein oder andere sagen. Aber sie enthalten Stärke und das ist ein Polysaccharid oder auf Deutsch ein Mehrfachzucker. Zu den Einfachzuckern (Monosaccharide) gehören hingegen unter anderem Glukose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). Bekloppterweise – schließlich haben wir den Begriff „Mehrfachzucker“ ja bereits – gibt es ebenfalls noch die Zweifachzucker (Disacchardie). Das ist der normale Haushaltszucker. Ein- und Zweifachzucker sind die, die eine Sache süß schmecken lassen und deshalb vor allem in Süßigkeiten und Schokolade vorkommen. Sie sind es auch, die unter der Angabe „davon Zucker“ separat gelistet werden. Sie sind angeblich bloße Energieträger und enthalten keine Vitamine oder Mineralstoffe. Sie sorgen für den schnellen Energieschub, weil der Körper Einfachzucker sofort verarbeiten kann und Zweifachzucker zügig in Einfachzucker umwandelt.

Die Mehrfachzucker sind zwar nicht weniger schädlich, aber eben nicht ganz so extrem wie ihre einsilbige Konkurrenz. Der Hauptgrund ist, dass der Körper länger damit beschäftigt ist sie zu verarbeiten (=Umwandeln in Einfachzucker). Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel langsamer an und man hat ein längeres Sättigungsgefühl (=weniger Essen). Gleichzeitig enthalten Lebensmittel mit „komplexen“ Kohlenhydrathen (also Mehrfachzucker) oft zusätzlich viele Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und derlei Kram. „Mehr Vollkorn essen!“ hat schließlich schon die Oma immer gesagt. Aber Achtung: Das ist eine „kann“- und keine „muss“-Regel. Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydrathen KÖNNEN gesunde Anteile enthalten. Sie können aber auch einfach nur aus Mehrfachzucker bestehen ohne das ganze gesunde Zeugs.

Denn wie heißt es so schön? Die Menge macht das Gift. Es ist völlig egal ob ich 500kcal an Einfachzucker esse oder 500kcal an Mehrfachzucker. Ich hab‘ am Ende des Tages immer noch 500kcal gegessen, die mein Körper erstmal verbrauchen muss oder schlicht und einfach einlagert.

Die Alternativen

Farbiges Wasser

Wir können also festhalten: Zucker per se ist nicht böse und wird vom Körper prinzipiell gebraucht. Unser Problem ist stattdessen, dass wir eine viel zu große Menge zu uns nehmen. Die Kartoffeln zum Mittagessen werden uns nicht ganz so schnell dick machen oder umbringen. Aber das Glas Cola dazu schon. Und die Tafel Schokolade vor dem Fernseher am Abend sowieso. Also doch auf alles süß Schmeckende verzichten? Wäre eine Möglichkeit. Andererseits gibt schon lange Alternativen zum 08/15-Zucker: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe. Die haben zwar hier und da auch nicht den besten Ruf aber wie anfangs gesagt: Wer allen Gefahren aus dem Weg gehen möchte, darf nur (möglichst leise) in der Ecke vor sich hinsterben. Deswegen verfolge ich zwar die Diskussion um z.B. Aspartam in Erfrischungsgetränken aber zumindest solange sich die Wisssenschaftler selbst nicht einig darüber sind ob es jetzt wirklich so böse ist oder nicht (die dazugehörigen Studien werden „kontrovers diskutiert“) trinke ich weiter ohne für mich bislang spürbare Nebenwirkungen mein Light-Zeugs. Und das Übertreibung nicht gesund ist, ist nicht nur bei Aspartam ein Problem. Zu viel Wasser schadet auch.

Ein kleiner Einschub aus dem Bereich „wieder was gelernt“ an dieser Stelle: Wenn Aspartam oder Aspartam-Acesulfamsalz im Lebensmittel enthalten sind, muss gleichzeitig „enthält eine Phenylalaninquelle“ auf der Packung stehen. L-Phenylalanin ist eine Aminosäure, die unser Körper braucht. Es gibt aber Menschen mit der angeborenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie. Die können Phenylalanin nicht richtig abbauen und dementsprechend ist der Hinweis tatsächlich lebenswichtig, um die Zufuhr zu kontrollieren. Was das mit Aspartam zu tun hat? Nun, Aspartam wird aus den Aminosäuren L-Asparaginsäure und L-Phenylalanin zusammengesetzt.

Als Süßstoffe werden Ersatzstoffe für Zucker bezeichnet, die dessen Süßkraft von 1 erheblich übertreffen (30-20.000fach) und keinen oder nur einen sehr geringen Kalorienwert haben. Zuckeraustauschstoffe, auch als Zuckeralkohle bezeichnet, haben hingegen weniger Kalorien (<2,4kcal pro Gramm) als Zucker (besagte 4kcal pro Gramm) aber eine ähnliche oder sogar niedrigere Süßkraft (bis 0,4%) als Zucker haben. Nachteil von Zuckeraustauschstoffen ist, dass in größeren Mengen (gemessen am Körpergewicht) abführend wirken. Gemeinsam haben beide, dass sie keinen oder nur einen geringen Einfluss auf den Insulinspiegel haben (es ist ja kein Zucker, sondern gaukelt der Zunge nur vor einer zu sein) und, dass sie nicht kariesfördernd sind. Sie werden im Mund nicht verstoffwechselt und bieten dadurch Bakterien keine Nahrung.

Was gibt’s?

In der EU zugelassen sind aktuell elf Süßstoffe und acht Zuckeraustauschstoffe. Eine vollständige Liste ist bspw. in dieser PDF des Bundesinstitut für Risikobewertung zu finden. Die bekanntesten Süßstoffe sind vermutlich Aspartam (E951; Süßkraftfaktor 200), das wie erwähnt vor allem in als Zuckerfrei beworbenen Erfrischungsgetränken wie Cola Light vorkommt, sowie Steviolglycoside (E960; Süßkraft-Faktor 200-300). Unter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich nichts anders als Stevia. Unter den Zuckeraustauschstoffen, die früher hauptsächlich in Diabetiker-Lebensmitteln vorkamen, sind hingegen Sorbit (E420; Süßkraft-Faktor 0,4-0,6), Xylit (E967; 0,6) und Erythrit (E968; 0,5-0,7) vermutlich die bekanntesten.

Eine Packung Xylit

In unserem Haushalt kommen hauptsächlich Aspartam (weil ich neben Leitungswasser auch viele zuckerfreie Cola trinke), Stevia (züchtet Lysanda), Erythrit und Xylit zum Einsatz. Das heißt aber nicht, dass wir zu 100% den Haushaltszucker aus dem Haus verbannt haben. Das ist (noch) nicht möglich und die Gründe dafür vielseitig. Aber ein Punkt von Süßstoffen ist z.B., dass aufgrund der hohen Süßkraft natürlich weniger davon in den Teig kommt und er entsprechend um ein Vielfaches kleiner ist. Außerdem ist die geschmackliche Dosierung teilweise schwierig. Zu viel Stevia und der ganze Kuchen schmeckt nach Lakritz. Mag dem ein oder anderen ganz recht sein aber jetzt nicht unbedingt unsere Sache. Das gilt ebenfalls für Erythrit. Das schmeckt zwar bei zu hoher Menge nicht nach Lakritz, dafür ist das Gericht im Mund eklig kalt. Grund ist, dass es eurer Zunge Energie entzieht (=Kältegefühl). Xylit hat damit nicht zu kämpfen aber dafür 2,4kcal während Erythrit gar keine hat. Dafür ist Xylit gut zum Zähneputzen geeignet, denn es ist gut gegen Karies. Entsprechend ist auch die Aufgabenverteilung bei uns: Stevia und Erythrit zum Kochen und Backen, Xylit nur im Bad.

Jetzt würde ich euch natürlich zum Abschluss gerne auf eine Webseite mit tollen Rezepten mit Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen verweisen. Leider gibt es die irgendwie nicht oder nur in Verbindung mit Low-Carb-Ernährung. Am meisten findet man noch zu Stevia, weil das „hip“ ist. Somit bleibt euch wie uns vermutlich erst einmal nur Ausprobieren. Aber aus unserer Sicht lohnt es sich. Es ist nicht gut den gesamten Zucker aus seinem Leben zu verbannen aber hier und da ein paar Gramm weniger macht den Gang durchs Leben buchstäblich leichter und dank diesen Alternativen muss man trotzdem nicht auf die gewohnte Süße verzichten :smile: .

Lysanda und ich haben die letzten beiden Samstage jeweils einen Katastrophenfilm geschaut. Das war tatsächlich keine Absicht. Es hat sich einfach so ergeben. Warum? Ganz einfach: Ich wollte letzte Woche einen bestimmten Katastrophenfilm endlich mal anschauen und dachte mich an den richtigen Namen zu erinnern. Stellte sich heraus, dass nicht der Gesuchte war. Also haben wir diesen Samstag das Werk geschaut, das ich eigentlich letzte Woche sehen wollte. Ihr fragt warum mir dieser Fehler nicht sofort aufgefallen ist? Nun, weil wir von zwei absolut austauschbaren Katastrophenfilmen von Roland Emmerich reden.

In beiden geht es um Klimaveränderungen, in beiden erkennen Forscher die Gefahr aber vertun sich mit der Einschätzung wann es genau zu Ende sein wird (=es passiert früher als gedacht) und die Hauptfiguren sind jeweils gescheiterte Väter, die im Laufe der Geschichte alles für ihre Familie tun, nur um es wieder gut zu machen. Ich rede von diesen beiden Werken:

(Cover)

2012 (2009, DV) – 2009 wird festgestellt, dass aufgrund einer ungewöhnlich starken Sonneruption und der dazugehörigen erhöhten Strahlung sich der Erdkern aufheizt. Die Folge ist eine Kettenreaktion, die 2012 zur Verschiebung der tektonischen Platten mit allen dazugehörigen mehr oder weniger lustigen Problemen wie Erdbeben, Tornados und Überschwemmungen führt (deswegen der Titel). Mit der Welt geht es also den Bach runter und wie es sich für einen Katastrophenfilm gehört geht einiges spektakulär und auf beeindruckende Weise kaputt. Ja, es ist völlig überzogen und hier und da hat vor allem in der Mitte des Films0 das CGI-Budget nicht ganz für eine glaubwürdige Darstellung ausgereicht aber passt scho‘ :smile: .

2012 (Columbia Pictures-Promobild)

Mittendrin in Los Angeles ist unser „Held“ Jackson Curtis (John Cusack), ein erfolgloser Schriftsteller, der sein Geld als Fahrer für einen russischen Milliardär verdient und – wie oben erwähnt – ein schlechter Familienvater ist, der sich aus diversen Gründen nie richtig um seine Kinder gekümmert hat. Aber im Angesicht des Unglücks entwickelt er ungeahntes Pflichtbewusstsein und holt mit der Limousine seines Chefs seine Familie (und den neuen Partner seiner Frau) während um ihn herum die Stadt in sich zusammenfällt. Was folgt ist eine Sequenz die gleichzeitig vollkommen bescheuert und doch irgendwie genial ist. Zuerst springen sie buchstäblich mit der Limousine durch die Stadt (über Gräben, durch auseinanderfallende Hochhäuser, etc.) bevor sie zu einem Flughafen gelangen und dann ganz knapp mit einem Flugzeug entkommen während Los Angeles optisch eindrucksvoll ins Meer versinkt (hier ist das ganze CGI-Budget verschwendet worden).

Anschließend geht es auf den Weg nach China, wo die Regierungen der Welt 2009 angefangen hatten Archen zu bauen. Natürlich gibt es den ein oder anderen Rückschlag wie z.B. die Tatsache, dass das Unglück zu früh einbricht und noch nicht alle Archen fertig sind und natürlich ein dramatisches Finale sobald die Überschwemmung einsetzt. Gleichzeitig wird viel mit der Moralkeule geschwungen und vor allem auf die böse (amerikanische) Regierung geschimpft, die sich nicht um die normalen Leute kümmert. Aber am Ende erwartet euch selbstverständlich ein Happy End und alle (überlebenden) zweidimensionalen Charaktere haben etwas dazu gelernt, ihre Schwächen überwunden und sind wie die Erde an sich bereit für einen Neuanfang. *yay*

Beim Christoph meint: Meine Erwartungshaltung an einen Katastrophenfilm ist nicht wirklich hoch. Es muss viel optisch spektakulär kaputt gehen und die Zerstörungsorgien mit einer halbwegs soliden Geschichte verbunden sein. Das ist in 2012 eindeutig gegeben, weshalb es von mir 3 von 5 Sics gibt. Über die rund 2 1/2 Stunden Laufzeit war mir nie langweilig, weil immer irgendetwas los war und imposant kaputt ging. Und obwohl die Charaktere völlig zweidimensional ihre Klischees erfüllten, gab es doch viele nette und auch mal amüsante Momente. Allen voran natürlich Woody Harrelson als der völlig bekloppte Verschwörungstheoretiker Charlie Frost. Muss man den Film gesehen haben? Nein, absolut nicht. Aber in Sachen stupide Abendunterhaltung gibt es definitiv viele Filme, die schlechter sind. Zum Beispiel der hier:

(Cover)

The Day After Tomorrow (2004, DV) – Die Polkappen schmelzen und in einem nicht näher definierten Jahr führt die dadurch entstehende Abkühlung des Meeres dazu, dass der Golfstrom aufhört zu funktionieren. Die Folge ist klar: Die Welt kühlt dramatisch schnell ab. Eine neue Eiszeit steht bevor. Der Wissenschaftler Jack Hall hat das auch vorhergesagt, ging aber davon aus, dass es noch ein paar hundert Jahre dauert. Die US-Regierung wollte davon natürlich nichts hören. Schließlich würde solche Panikmache ja nur der Wirtschaft schaden. Und selbst als alles anfängt den Bach runter zu gehen (Tornados in Los Angeles! Schnee in Neu-Dehli! Hagelschauer in Tokio!), interessiert es den amerikanischen Vize-Präsident nicht besonders. Ja, der Film ist nicht gerade zurückhaltend in Bezug auf seine „Klimawandel ist böse und die Regierung tut nichts dagegen!“-Message.

Aber dieses ganze Geschachere in Washington ist gar nicht so relevant, denn eigentlich geht es um Jack Hall (Dennis Quaid). Als Klimatologe muss er viel um die Welt reisen und konnte entsprechend nicht für seinen Sohn Sam da sein. Der wird übrigens von Jake Gyllenhaal in einer absoluten Fehlbesetzung gespielt. Ich habe keine Ahnung wer sich gedacht hat „Hey, lasst uns die Rolle eines High-School-Schülers mit einem damals 23jährigen besetzen, der aussieht wie 30 und den ganzen Film hindurch einen gelangweilten Gesichtsausdruck hat“ aber ich hoffe er wurde anschließend entlassen.

The Day After Tomorrow (20th Century Fox-Promobild)

Naja, auf jeden Fall ist Sam zusammen mit seiner Schulklasse nach New York gereist bevor die Scheiße den Ventilator getroffen hat und dort nun in der Stadtbibliothek gefangen. Erst kommt die selbst für 2004er Verhältnisse schlechte CGI-Flut, dann gefriert alles (auch die eigentlich trockenen Fliesen… Realismus pur!). Sam und seine Freunde müssen solange überleben bis Jack kommt, um ihn zu retten. Schließlich muss Jack seine jahrelange Vernachlässigung durch eine sinnlose Heldentat wieder gut machen. Übrigens eine Heldentat die – ohne zu viel zu spoilern – aus meiner Sicht überhaupt nicht nötig war und nur Menschenleben gekostet hat. Aber am Ende hat ein Kind mit Krebs überlebt (eine weitere sinnlose B-Story), die eine Hälfte der Erde ist mit Eis bedeckt, Millionen von Menschen tot und Vater und Sohn wiedervereint. Na toll.

Beim Christoph meint: The Day After Tomorrow ist nur knapp 2 Stunden lang, also kürzer als 2012 aber selbst das war schon zu viel. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt, dass ich nur 1 von 5 Sics vergeben kann. Es war wohl eine Fügung des Schicksals, dass ich statt zu diesem Film erst zu 2012 gegriffen hatte. Für einen Katastrophenfilm geht zu wenig kaputt und wenn doch mal was kaputt geht, ist es belanglos und sieht selbst für 2004 scheiße aus. Dazwischen zu viele unterinteressantes Gelabbere von zweidimensionalen Charakteren ohne, dass es irgendjemanden wirklich weiterbringt oder ich plötzlich anfange mitzufühlen. Charakterentwicklung gleich null. Wieso der Film bei IMDB besser bewertet ist als 2012 kann ich absolut nicht nachvollziehen. Finger weg.

So viel also dazu und ihr seht: Die Verwechslungsgefahr ist groß. Hätte euch genau so passieren können, dass ihr den einen mit dem anderen verwechselt. Umso interessanter ist es, dass trotzdem die Qualität der Machwerke so weit auseinander geht. Und damit gebe ich ab bis Montag. Henry wartet!

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