Laut einer Studie der Uni Stuttgart landeten 2015 6,7 Millionen Tonnen an Lebensmitteln im Abfall – durchschnittlich 85,2kg pro Person. Insgesamt (mit Industrie, Landwirtschaft und so) waren es wohl sogar rund 12,7 Millionen, die einfach so weggeworfen werden. Das ist echt heftig. Die Gründe sind Vielzählig. Ein Faktor ist, dass anscheinend viele Leute auch spätabends noch volle Regale im Supermarkt erwarten. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt (hier in der Umgebung ist zumindest im Obst- und Gemüseregal durchaus Mut zur Leere vorhanden). Ein weiterer, dass viele sich den Einkaufswagen bis oben hin vollpacken und dann gar nicht mit dem Essen hinterherkommen. Oder die „Einheitsgrößen“ von Gerichten in Gaststätten, die man sich aus Scham nicht für später einpacken läßt.

Der Datumsstempel

Verbrauchsdatum

Der wohl größte Grund – zumindest sehen Lysanda und ich das so -, ist aber wohl das Missverständnis rund um das Datum auf der Packung. Das gibt es in zwei Varianten. Das einfachste ist das „Verbrauchsdatum“. Das kommt bei leicht verderblichen Produkten wie z.B. Hackfleisch zum Einsatz und muss tatsächlich beachtet werden. Darüber hinaus kann es der Gesundheit schaden. Das andere heißt auf Hochdeutsch „Mindesthaltbarkeitsdatum“ (MHD), hat sich scheinbar im Volksmund aber als „Ablaufdatum“ etabliert. Wie der Name schon sagt, ist es eine Gewährleistung des Herstellers, dass das Produkt sich unter Einhaltung der Lagerungsempfehlungen bis dahin hält (speziell der Geschmack). Es bedeutet nicht, dass es nach diesem Datum plötzlich ungenießbar ist und direkt in den Müll muss. Sonst wäre es ja ein „Verbrauchsdatum“. Wie heißt es so schön im Beamtendeutsch? Es ist auch nach diesem Tag noch verkehrsfähig.

Mindeshaltbarkeitsdatum

Gleichzeitig bedeutet es nicht unbedingt, dass das Zeug nicht schon vorher mal anfängt zu schimmeln oder so. Es sind nun einmal Lebensmittel – da steckt das Wort „Leben“ schon im Namen :smile: . Wir haben aber beispielsweise (ungeöffneten) Joghurt im Kühlschrank, der ist mehrere Monate über dem MHD und trotzdem sieht er nicht nur noch einwandfrei aus, wir essen ihn nach und nach weg ohne eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen. Was soll da überhaupt schlecht werden? Es ist Joghurt und guter Joghurt sollte schon eigene Bakterien mitbringen. Solang da nichts zusätzlich reinkommt, passiert dem nichts. Die Schokolade wird hingegen vielleicht etwas grau und schmeckt nicht mehr aber essbar ist sie selbst Jahre später noch. Von den ganzen Tütensuppen und ähnlichem Kram gar nicht erst zu reden. Die Überleben den nächsten Weltkrieg! Und im Zweifel frieren wir die Sachen auch einfach mal ein. Also nicht, um die Keime abzutöten (funktioniert eh nicht), sondern um es später wieder rauszuholen und umgehend zu verzehren.

Die Kunst ist es zum einen unsere Augen und Nase zu benutzen. Unser Körper ist durchaus darauf ausgerichtet ungenießbares Essen zu erkennen. Sonst wären wir vermutlich schon in der Steinzeit am verrotteten Säbelzahntigerfleisch verendet. Zum anderen aber eben auch ein wenig Verstand mitzubringen. Sprich nicht zu viel zu kaufen und wenn man doch zu viel hat, es auf diversen Wegen haltbarer zu machen. So manches lässt sich zudem durch die Nutzung von Backofen, Mikrowelle oder Toaster wieder etwas auffrischen. Trockene Brötchen sind da ein gutes Beispiel. In Wasser getunkt, anschließend ein paar Minuten in den Backofen und schon ist es wieder fluffig.

Ein Überangebot

Der magische Aufkleber

Seit die Supermärkte (löblicherweise) damit angefangen haben Produkte, die sich dem MHD nähern, herunterzusetzen (im tegut z.B. erst 30, dann 50 und zum Schluss 75%) haben wir unser Einkaufsverhalten drastisch verändert. Es wird gekauft, was laut Einkaufszettel zwingend notwendig ist und darüber hinaus halten wir fleißig Ausschau nach den roten Aufklebern. Und selbst da selektieren wir mittlerweile stark (die 30% bleiben meist liegen), weil das Angebot so groß und unsere Kühltruhe dauervoll ist. Fördert übrigens auch das Probieren von neuen Sachen. Lysanda hat so z.B. den ein oder anderen Käse für sich entdeckt, den sie zum vollen Preis nie gekauft hätte. Speziell an der Fleischtheke kriegt man an manchen Tagen echt absolute Schnäppchen. Die Bioschweinelende mit dem 75%-Aufkleber? Da dürft ihr aber glauben, dass ich da alles mitnehme, was sie da haben bei einem Normalpreis von mitunter 35€ das Kilo. Die zwei Kilo Bratwürste oder Putenschnitzel sowieso. Das wird bei uns nicht alt oder friert halt mal ein bisschen in der Kühltruhe vor sich hin, bevor es auf den Teller kommt.

Über diese Schnäppchenjagd mag der eine oder andere die Nase rümpfen. Ihr müsst euch aber über eines im Klaren sein: Was nicht verkauft wird, landet einfach im Müll – so will es das Gesetz. Und solange das in unserer Gesellschaft gefördert wird, habe ich definitiv kein schlechtes Gewissen dabei meinen Geldbeutel zu schonen. Mal ganz abgesehen davon, dass wir alle auf den nächsten Steam Sale warten. Ist nicht anders, schadet nur der Umwelt weniger.

Die Retter

Das Überangebot an nicht verkaufter Ware führt aber nicht nur zu heruntergesetzter Ware in den Regalen. Es gibt auch viele Vereine, die sich auf die Rettung von Lebensmitteln spezialisiert haben. Die Tafel dürfte wohl die bekannteste Organisation in Deutschland sein. Sie holen von den Supermärkten und Geschäften die Ware ab, die zum Wegwerfen vorgesehen ist und verschenken sie. Im Falle der Tafel ausschließlich an Bedürftige. Hier bei uns gibt es hingegen seit 2017 den Verein Essen für alle.

Deren Konzept steckt schon im Namen: Nicht nur die Bedürftigen dürfen sich hier kostenlose Lebensmittel abholen, sondern alle, die das möchten (gerne gegen eine Spende). Schließlich geht es darum möglichst viel vor der Tonne zu retten. Dazu stehen die größtenteils ehrenamtlichen Helfer mehrmals pro Woche in verschiedenen Ortsteilen abends mit ihrem Marktstand und verteilen die Lebensmittel. Die erste halbe Stunde ist reserviert für die Bedürftigen, danach dürfen dann alle ran. Und ja, obwohl die Schlange hier im Ort teilweise bis um das nächste Haus geht: Es kriegt definitiv jeder mehr als genug. Auch wir stellen uns mittlerweile mit an. Diese Woche haben wir vier volle Tüten mit nach Hause gebracht. Von Brot und Brötchen über Eier und Aufschnitt bis hin zu Salat, Kartoffeln, Paprika und Bananen war alles dabei. Speziell Obst und Gemüse gibt es da immer haufenweise – größtenteils sogar in Bioqualität (demeter). Da braucht man echt nichts mehr im Laden zu kaufen und hat gleichzeitig ein gutes Gefühl ein bisschen gegen die Verschwendung getan zu haben.

Der Vorwerk-Entsafter

Jetzt höre ich schon den ein oder anderen rufen: „Wenn keiner mehr was im Laden kauft, ist klar, dass alles weggeworfen wird!!!!“. Bezweifle ich. Zum einen wird viel zu viel produziert, was mitunter gar keiner haben will und trotzdem im Regal stehen muss. Da ist es kein Wunder, dass am Ende so viel übrigbleibt. Zum anderen möchten die Leute speziell bei Obst und Gemüse gefühlt immer nur die perfekteste Ware. Aber nur, weil die Banane schon wegen schlechter Lagerung etwas schwarz ist, ist sie noch nicht schlecht. Bananen werden nämlich auch außen schwarz, wenn es ihnen zu kalt ist und ist dann trotzdem noch innen super. Und wenn sie wirklich Überreif ist, dann kann man z.B. noch prima einen Smoothie draus machen.

Die Neuanschaffung

Und damit kommen wir nach über 1.000 Wörtern endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Unsere neuste Anschaffung. Nein, es ist kein Hightech-Mixer für Smoothies. Da reicht auch ein Pürierstab. Ihr seid aber nah dran. Es ist ein Entsafter oder wie es Neudeutsch heißt „Slow Juicer“. Wir hatten bereits seit einigen Monaten einen uralten Vorwerk Zentrifugal-Entsafter MOD Ve 2 Type 1 (300W) aus einer Haushaltsaufgabe in Benutzung. Da Lysanda aber aufgrund Essen für alle immer mehr Kram zum Entsaften hat (Sellerie, Karotten, Fenchel, etc.), zeigten sich doch langsam aber sicher die vielen Limitationen des Geräts:

  • Er holt nicht sehr viel Flüssigkeit aus dem Obst und Gemüse raus.
  • Man muss ihn zu zweit bedienen (sonst rüttelt er davon),
  • Man muss Angst haben, dass er aufgrund der Zentrifugalkraft einem um die Ohren fliegt (ein Metallbügel ist alles, was den Deckel draufhält) .
  • Die Lautstärke dürfte die einer Flugzeugturbine in nichts nachstehen.
  • Die Reinigung ist vergleichsweise aufwendig.

Also haben wir uns entschieden ins Portemonnaie zu greifen und uns was Anständiges zu holen. Die Wahl fiel am Ende auf den Omega EUJ 707 von Sana. Warum? Nun, er war eine der Empfehlungen in den einschlägigen Saft-Trinker-Facebook-Gruppen, ist mit 400€ im mittleren Preissegment angesiedelt und hat einen guten Funktionsumfang. Die teuersten Dinger, die Angel Juicer, fangen übrigens erst bei 1.200€ an. Kein Wunder, dass der Slogan von den Dingern „Der Rolls Royce unter den Slow Juicern“ ist.

Der Grund

Der Sana Omega EUJ 707

Bevor wir aber zum Gerät selbst kommen, stellt sich natürlich die Frage: Warum entsaften und nicht einfach essen/kochen/backen? Die einfache Antwort: Habt ihr schonmal jeden Tag ein halbes Kilo Salat gegessen oder eine ganze Selleriestaude? Das macht definitiv keinen Spaß. Gleichzeitig soll man Obst und Gemüse am besten Roh essen, weil noch mehr Nährstoffe darin enthalten sind als nach dem kochen. Das Entsaften vereint quasi die Vorteile aus „Roh“ mit „viel davon zu sich nehmen können“ und verbindet es mit einer leichten und schnellen Verdaulichkeit weil es bereits flüssig = Saft ist.

Gleichzeitig lassen sich – wenn man möchte – die ausgedrückten Reste trotzdem weiterverwenden. Ein häufiges Beispiel ist die Gemüsesuppe. Lysanda macht sich hingegen so eine Art Gemüsefrikadellen. Einfach ein Ei (oder Eiweißpulver) dran, würzen, zusammenklatschen und mit etwas Öl in die Pfanne hauen. Je nach Grundmaterial hat man zwar ein paar Fasern zwischen den Zähnen hängen, schmeckt aber grundsätzlich sehr gut.

Das Gerät

Der Sana Omega EUJ 707 ist ein horizontaler Entsafter. Sprich ihr gebt euer Zeug zwar oben rein, die Schnecke (sieht aus wie ein großer, schwarzer Dildo…) läuft aber von links nach rechts. Bei den vertikalen drückt das Gerät stattdessen von oben nach unten. Die Unterschiede bestehen wohl hauptsächlich darin, wie viel Platz sie jeweils wegnehmen (vertikale sind logischerweise höher, horizontale breiter) und mit welcher Art von Obst und Gemüse sie besser zurechtkommen. So kommen vertikale Entsafter wohl schlechter mit langfasrigen Sachen wie Sellerie oder Gräsern zurecht. Horizontale Entsafter hingegen haben mit weichem Zeug wie Beeren zu kämpfen. Es entsteht ein Rückstau im Einfüllschacht.

Karotten-Fenchel-Saft

Im Fall des Omega EUJ 707 ist das aber kein großes Problem, denn er kommt mit mehreren Aufsätzen daher. Ein feines Sieb für besagte Gräser, langfaseriges Pressgut und ein grobes Sieb für besagte Beeren und weiches Obst. Außerdem kann der „kleine“ nicht nur entsaften, sondern auch zerkleinern, pürieren und mahlen. Entsprechende Aufsätze sind mit in der Packung enthalten. So könnt ihr verschiedene Nudelvarianten herstellen, Kaffeebohnen mahlen, Hafer-/Mandel-/irgendwelche Nussmilch produzieren und sogar Eis machen – alles mit einer Geschwindigkeit von 63-75 Umdrehungen pro Minute. Die Idee ist nämlich, dass beim sogenannten schonenden Entsaften mehr Vitalstoffe im Saft erhalten bleiben als bei der „spritz und weg“-Variante. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Fakt ist: Er holt definitiv schon mit einem Durchgang mehr aus dem Sellerie raus als der Vorwerk. Und anders als beim Vorwerk kann man die Reste auch noch 2-3mal von der Auffangbox zurück in den Einfüllschacht kippen, um noch mehr Saft herauszuholen. Da wird aus der viertel Tasse Selleriesaft mit dem Vorwerk gleich mal eine dreiviertel oder gar volle Tasse mit dem Sana.

Dank seiner einfachen Zerlegbarkeit und simplen Bauteile ist die Reinigung außerdem ein Klacks. Also trotzdem nervig, weil man es wirklich nach jedem Vorgang machen sollte, aber es geht schnell und gut von der Hand. Wir können das Ding entsprechend nur empfehlen. Ja, es ist nicht ganz billig. Aber es kann dafür auch noch mehr als nur Entsaften – ein wichtiger Vorteil, da er mit seinen 32x19x42cm durchaus etwas Platz wegnimmt -, hat viel Zubehör dabei, ist sehr einfach zu bedienen und sieht echt schick aus. Die Resultate z.B. beim Entsaften oder Kaffee mahlen waren bislang ebenfalls super.

Wolfenstein II: The New Colossus Int. Version (Herstellerbild)

Zwei Jahre ist es her, dass wir zuletzt über das Thema Ländersperren gesprochen haben. Und nein, an diesem Problem und den dazugehörigen Funktionalitäten hat sich grundsätzlich in dieser Zeit nichts geändert. Valve sieht sich weiterhin nicht verpflichtet für Steam die Portabilitätsverordnung umzusetzen und entweder stimmen die europäischen Verbraucherverbände dem zu oder das Thema „Videospiele“ ist dort nicht so relevant, dass sich da jemand zu widersprechen traut. Das Aktivieren und Spielen eines billigen Keys aus dem europäischen Ostblock bleibt also weiterhin ohne (laut Valve verbotene) VPN-Nutzung unmöglich, wenn es der jeweilige Publisher so möchte.

Im damaligen Eintrag hatte ich jedoch bereits über einen Hoffnungsschimmer am Horizont geschrieben, der völlig überraschend schon Anfang August 2018 von der USK in eine neue Praxis umgesetzt wurde: Die Berücksichtigung der Sozialadäquanz bei Altersfreigaben.

Klingt erstmal komisch, meint aber, dass die USK ab sofort auch die Ausnahme gemäß §86a (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) Absatz 3 für die Beurteilung von Videospielen in Betracht zieht. Dieser Absatz 3 verweist auf die Absätze 3 und 4 des §86 (ich liebe die vielen Rückverweise in unseren Gesetzbüchern). Dort steht, dass §86 Absatz 1 (das Verbot) nicht gilt, wenn das Propagandamittel […] der Kunst […] oder ähnlichen Zwecken dient. Und das Videospiele Kunst sind, wurde – trotz der Weigerung so einiger Politiker und Gewerkschaftler das einzusehen – mittlerweile ja mehrfach bestätigt. Ziemlich genau ein Jahr später wurde diese Praxis dann auch offiziell als Abschnitt 5 in die Leitkriterien der USK für die Prüfung von Computer- und Videospielen aufgenommen. Für unseren Spielealltag hatte diese Entscheidung mehrere Konsequenzen:

Der Freispruch des Urvaters

Wolfenstein 3D (hochskaliertes Herstellerbild)

Wolfenstein 3D wurde 1994 tatsächlich nicht wegen der Symbolik indiziert und beschlagnahmt, sondern wegen seiner Gewaltverherrlichung. Das Prüfgremium der BPjS hielt sich damals sinngemäß nicht im Stande einzuschätzen welche Wirkung die Verwendung der Symbole hatte. Auch die dazugehörige Beschlagnahmung fußte nach meinen Recherchen nicht auf §86 StGB, sondern auf der besonderen Jugendgefährdung durch die Darstellung von Selbstjustiz & Co. und wäre 2004 technisch gesehen automatisch ausgelaufen. Erst das Urteil von 1998 zum Fall eines Versandhändlers, der Wolfenstein 3D vertrieb, erfolgte auf Basis von §86a StGB. Dieses Urteil wurde dann im September 2019 aufgehoben und anschließend, im Oktober 2019, der Titel sowie Spear of Destiny (das tatsächlich 1999 nur indiziert aber nie beschlagnahmt wurde) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien konsequent vom Index gestrichen. Allerdings – und das ist nicht ganz unwichtig – haben beide Werke bislang trotzdem keine USK-Freigabe erhalten! Sie sind also theoretisch weiterhin Indizierungsgefährdet und stehen vermutlich deshalb im deutschen Steam-Store immer noch nicht zur Verfügung. Unwahrscheinlich, dass es jetzt nochmal passiert aber das Recht erlaubt es. So eine USK-Freigabe ist ja auch kein Automatismus. Sie muss angefordert (und bezahlt!) werden. Die Entwicklungen bei DOOM (alle mittlerweile vom Index gestrichen) machen aber Hoffnung, dass Bethesda/Zenimax vielleicht im Zuge eines Re-Releases zusammen mit Wolfenstein III eine USK-Freigabe zumindest für Wolfenstein 3D anstreben wird. Vermutlich aber eher für Return to Castle Wolfenstein oder Wolfenstein.

Was das nun mit der Entscheidung der USK ein Jahr zu vor zu tun hat? Keine Ahnung. Die USK hat nie gesagt, weshalb sie plötzlich auf den Trichter gekommen sind ihr Prüfverfahren zu ändern. Es gibt nur Indizien wie die Aussage der Staatsanwaltschaft zum Titel Bundes Fighter II Turbo. Aber ohne diese Anpassung und des daraus entstanden Umdenkens, hätte vermutlich auch Wolfenstein 3D keine Chancen gehabt.

Gleichzeitig war das Urteil von 1998 der Hauptgrund – und das ist absolut keine Übertreibung – an diesem ganzen Schlamassel. Hätte es das damals nicht gegeben, wäre in der deutschen Spielelandschaft sicherlich trotzdem noch fleißig zensiert worden – es war durchaus ein langer Weg bis so viel Gewaltdarstellung wie heute einfach mit einem „ab 18 Jahren“ akzeptiert wurde und selbst ein Eintrag auf Liste A ist ähnlich wie das „AO“-Rating der ESRB in Amerika ein Todesurteil für den Vertrieb auf dem deutschen Markt, das muss nicht mal auf Liste B (aus BPjM-Sicht strafrechtlich relevant) landen. Aber spätestens als in den 2000er die ersten Instanzen anfingen Spiele als Kunst anzusehen, wären die Publisher zusammen mit der USK bestimmt aktiver an das ganze Thema herangegangen – nicht nur in Bezug auf Hakenkreuze. So eine zensierte Version ist schließlich nicht ganz billig. Stattdessen hing jedoch das Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts wie ein Damoklesschwert über allem. Übrigens auch den Spielemagazinen, die in den 90igern aus Angst davor, dass ihr Artikel als Werbung für böse Spiele gelten z.B. statt „Quake“ nur „Beben“ schrieben und so Kram. Im Nachhinein betrachtet total Banane aber nur wegen so einem Wort zu riskieren, dass die gesamte Monatsauflage beschlagnahmt wird wollte logischerweise kein Verlag. Andererseits: Besser spät als nie. Theoretisch wäre Wolfenstein 3D dann auch schon automatisch im Dezember 2018 (eine Indizierung verfällt nach 25 Jahren) vom Index gefallen. Zu diesem Zeitpunkt war das Urteil aber formal noch nicht aufgehoben und der Titel weiter beschlagnahmt, weshalb es folgeindiziert werden musste.

Der zweite Urvater

Spear of Destiny (Herstellerbild)

18 Jahre nach dem Release können wir uns also endlich frei über die Urväter des Ego-Shooter-Genres Wolfenstein 3D und Spear of Destiny unterhalten. Das erlaubt es mir auch mal klar zu stellen, dass Spear of Destiny kein Addon zu Wolfenstein 3D ist! Das sagt doch schon der Name: Es heißt nicht Wolfenstein 3D: Spear of Destiny, sondern nur Spear of Destiny. Je nach Region steht auf der Originalpackung noch „A Wolfenstein (3D Graphics) Adventure“. Das war’s aber schon. Es geht mir sowas von auf den Keks, dass das so viele Leute immer und immer wieder falsch schreiben in ihren Rückblicken…

Nein, Spear of Destiny ist tatsächlich ein komplettes und allein lauffähiges Prequel zu Wolfenstein 3D mit zwei eigenen Addons (damals noch „Mission Disks“ genannt). Dort versucht ihr als William „B.J.“ Blazkowicz den Nazis diverse sagenumwobene Artefakte zu stehlen. Klappt nicht immer, weshalb ihr am Anfang von Wolfenstein 3D im Schloss Wolfenstein gefangen seid. Die Addons stammen allerdings nicht mehr von id Software, sondern wurden von der Firma FormGen entwickelt und verkauft. Außerdem gibt es noch zwei kostenlose Fanspiele, Spear Resurrection und Spear End of Destiny, welche die Geschichte inoffiziell und auf Basis der gleichen Engine fortsetzen.

Persönlich habe ich Spear of Destiny tatsächlich noch nie durchgespielt. Nur Wolfenstein 3D ist vor langer Zeit Mal über meinen Bildschirm geflimmert. Damals zugegebenermaßen mit Hilfe einer Raubkopie, denn es durfte ja logischerweise nirgends verkauft werden. Aber wirklich verpasst hat man im Gegensatz zu DOOM aus meiner Sicht nichts. Das Spielprinzip ist dafür zu simpel und der Levelaufbau aufgrund seiner damals total hippen Labyrinth-Struktur nur nervig. Dazu kommt noch, dass die späteren Episoden (insgesamt sechs Stück) extrem unfair gestaltet sind. Wenig Munition, starke (Hitscan-)Gegner und noch verwinkeltere Gänge. Und nein, es macht keinen Spaß an jeder Wand die „Benutzen“-Taste drücken zu müssen, nur um ein Secret oder gar den weiteren Weg zu finden. Kein Wunder, dass vielen nur die erste Shareware-Episode in Erinnerung geblieben ist (Hitler ist erst der Boss von Episode 3).

Die modernen Ableger

Attentat 1942 (Herstellerbild)

Mir ist klar, dass nach Wolfenstein 3D und Spear of Destiny kein Hahn mehr kräht. Entsprechend ist die wichtigere Konsequenz der USK-Entscheidung selbstverständlich eine andere: Es gibt nun ausgewählte Spiele mit USK-Siegel (und nicht nur „ab 18 Jahren“!), die verfassungswidrige Propagandamittel enthalten und damit vor einer Indizierung und Beschlagnahmung geschützt sind. Das führte – wie erwartet – anfangs zu etwas Entrüstung bei speziell einer etwas älteren Generation von Leuten. Aber diese Sturmflut ist ziemlich schnell wieder abgeflaut. Andererseits ist die USK natürlich auch darauf bedacht zu betonen, dass jetzt nicht einfach die Schotten geöffnet wurden. Die Anzahl der freigegeben Titel hält sich entsprechend sehr in Grenzen. Bislang sind es meines Wissens die beiden „Edutainment“-Werke Attentat 1942 und Through the Darkest of Times sowie alle fünf Wolfenstein-Titel aus dem Hause Bethesda.

Und selbst hier gibt es von den neusten Ablegern, Wolfenstein: Youngblood (der Coop-Teil) und Wolfenstein: Cyberpilot (der VR-Titel), noch zwei Versionen: Eine internationale Fassung ohne und eine deutsche mit Zensur. Vermutlich war sich Bethesda noch unsicher, ob Wolfenstein tatsächlich unter die Sozialadäquanzklausel fällt und ging auf Nummer Sicher. Und nein, wenn ihr die deutsche Version kauft, erhaltet ihr die internationale Version leider nicht automatisch dazu. Völlig bescheuert. Bethesda hätte ruhig beide Versionen einfach zu einer zusammenlegen können, nachdem klar war, dass es eine USK-Freigabe gibt. Also aufpassen – nicht nur beim Ladenkauf, sondern auch auf Steam & Co.

Eine neue Welt

Commandos 2 – HD Remaster (Herstellerbild)

Ansonsten ist die von Politik und Gesellschaft befürchtete Schwemme an Hakenkreuz-Titeln wie gesagt ausgeblieben. Hatte auch nichts anderes erwartet. Das liegt schon allein daran, dass es aktuell immer noch nur wenige Spiele gibt, die überhaupt im zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. Und der rechte Schund wird damals wie heute erst gar nicht zur Prüfung geschickt, da er eh nicht durchkommen würde. Gleichzeitig sehen andere Publisher bislang nicht die Notwendigkeit auf den Zug aufzuspringen und ihre Titel nachträglich überprüfen zu lassen. Ein relativ frischer Kandidat wäre z.B. Call of Duty: WWII (2017) gewesen. Aber da kommt selbst die internationale Fassung mit extrem wenigen Hakenkreuzen aus. Im Mehrspieler- und Zombie-Horde-Modus gibt es sogar gar keine. Entsprechend sah Activision vermutlich keinen monetären Mehrwert einer Neuprüfung. Gleichzeitig gibt es Publisher wie Kalypso Media, die ein Commandos 2 – HD Remaster (2020) trotz der neuen Situation sogar weltweit komplett zensiert veröffentlicht haben. Angeblich sogar stärker als in der deutschen Urfassung, da z.B. auch die Hinweise auf die Japaner fehlen.

Das kann ich zwar ein Stück weit nachvollziehen – China & Co. reagieren ja leider immer sehr aggressiv auf die vermeintlich falsche Verwendung von „feindlichen“ Flaggen -, super ist es trotzdem nicht. Es zeigt, dass wir immer noch einen weiten Weg vor uns haben was den ungehinderten und unzensierten Zugang zu künstlerischen Werken angeht. Natürlich nicht nur in Bezug auf Videospiele. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie weit wir zumindest in Deutschland doch seit den Anfängen der Spieleindustrie gekommen sind. Die Indizierungsrate ist im Keller und Zensur nur für den deutschen Markt findet so gut wie nicht mehr statt. Früher musste ich im Internet entsprechend nach Blood-Patches suchen, um Roboter in Menschen und grünes Blut in rotes Blut umzuwandeln. Heute brauche ich nur noch nach Adult-Patches für Anime-Datingspielchen zu fahnden (die aber meistens auf der Herstellerwebseite ganz legal zur Verfügung stehen) :smile: . Hoffen wir mal, dass die anstehende Überarbeitung des Jugendschutzgesetzes mit einem starken Fokus auf Onlineinhalte da nicht wieder ein Schritt zurück darstellt.

Meridian 59 (Herstellerbild)

Ich hab‘ grad mal im Archiv gestöbert aber es ist wie ich vermutet hatte: Ich habe tatsächlich noch nie irgendetwas über meine Erfahrungen mit Ultima Online geschrieben. Nur über meine „Abenteuer“ in Meridian 59 gab es mal einen längeren Bericht. Das gibt es übrigens immer noch. Seit 2011 unter der Schirmherrschaft eines neuen Entwicklers und mit dem Untertitel ResurgencE. Außerdem mittlerweile kostenlos und 2012 wurde sogar der Source Code veröffentlicht, was die Update-Frequenz etwas erhöht hat. Es bleibt trotzdem ein leeres und technisch wie spielerisch total veraltetes Spiel bei dem sich irgendwie bei mir kein Spielspaß breit machen will.

Die Konkurrenz

Aber ich wollte heute nicht über Meridian 59 reden. Relevant ist stattdessen, dass ich damals (der Artikel ist von 2008) dann auch mal in Ultima Online reingeschaut hatte. Doch sehr weit gekommen bin ich nicht. Zum einen war die Community wesentlich weniger hilfreich als bei der Konkurrenz (=gar nicht) – vermutlich, weil sie zahlenmäßig selbst heute noch größer ist. Zum anderen bin ich irgendwie eher bereit in alte Einzelspielertitel etwas Energie zu stecken als in ein MMORPG bei dem selbst mit dem „modernen“ 3D-Client die Bedienung unter aller Sau ist. Das war dann vermutlich auch der Grund, warum ich am Ende doch nichts darüber getippt habe. Bin damals mit meinem Nekromanten über die Startregion definitiv nicht hinausgekommen.

Gleichzeitig ist Ultima Online ähnlich wie EVE Online so ein Titel, dessen Geschichten mich durchaus interessieren und echt spannend sein können. Entsprechend dankbar bin ich darüber, dass es mittlerweile Autoren gibt die dazu ganze Bücher verfassen. Leider meistens nur auf Englisch. Der deutsche Markt besteht aus meiner Perspektive irgendwie nur aus irgendwelchem Retro-Kram von ehemaligen Spiele-Journalisten, die vor der Veröffentlichung dringend einen Lektor gebraucht hätten. Aber ich bin schon wieder gehässig. Sie haben ihre Fans und jeder soll lesen, was er gut findet. Und ich finde eben eher Bücher toll wie zum Beispiel Empires of EVE (kommt demnächst der 2. Band) oder eben:

(Cover)

Braving Britannia (Wes Locher, ca. 20€, 372 Seiten, Englisch) – Der Autor hat 35 Personen interviewt, die speziell im ersten Jahrzehnt von Ultima Online eine mehr oder weniger große Rolle gespielt haben. Darunter ein paar der Entwickler, freiwillige „Mitarbeiter“ (z.B. Noob-Begleiter oder Fanseitenbetreiber), Anführer von einflussreichen Gilden wie den Shadowclan Orcs und natürlich auch alltägliche Spieler wie z.B. den notorischen PVPler Evil M, die durch ihre kleinen und großen Taten ihren Namen in den Analen des Spiels hinterlassen haben.

Statt jedoch einfach nur diese 35 Interviews abzudrucken, erwartet euch ein Fließtext gespickt mit Zitaten. Beginnend mit den eigenen Erfahrungen des Autors mit dem Spiel erfahrt ihr so nicht nur wie die einzelnen Personen Ultima Online erlebt haben, sondern auch wie ihr Handeln das Drumherum beeinflusst hat und über die Entwicklung des Spiels über die Jahre. Das hatte den offensichtlichen Vorteil für Wes Locher, dass er tatsächlich so etwas wie einen roten Faden durch das Buch ziehen konnte. Jedes Unterkapitel, jedes Hauptkapitel baut mehr oder weniger offensichtlich aufeinander auf. Daraus entsteht für den Leser nach und nach ein recht deutliches Bild zumindest von einem Teil der damaligen Community und von der Faszination, die Ultima Online auf diese Leute ausübte. Gleichzeitig fühlt sich das Buch dadurch angenehm rund an. Ja, es gibt sicherlich noch tausende weitere Geschichten, die es sich lohnt zu erzählen. Aber für sich gesehen hat das Werk einen logischen Anfang und ein sinnvolles Ende.

Ultima Online (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Bücher wie Braving Britannia sind vermutlich nur für drei Personengruppen geeignet: Diejenigen, die selbst dabei waren und in Nostalgie schwelgen wollen; Forscher/Historiker, die sie als Quelle nutzen, um mehr über das Thema durch Augenzeugen zu erfahren; Und eben Leute, die nicht live dabei waren aber trotzdem interessant finden, was da so passiert ist. Wenn ihr euch zu einer der drei Kategorien im Allgemeinen zählt und Ultima Online im Speziellen spannend findet, dann ist das Werk von Wes Locher eine klare Empfehlung.

Ich fand es super spannend ein bisschen mehr hinter die Kulissen dieses MMORPG-Klassikers zu blicken und das eben nicht aus der üblichen „Entwickler-Post-Mortem“-Sicht, sondern auf einer wesentlich persönlicheren Ebene. Man kann definitiv herauslesen, dass für diese Personen Ultima Online und die dazugehörige Community etwas ganz Besonderes waren. Und sich dadurch, dass sie sich im und außerhalb des Spiels daran beteiligt haben, mitunter ihr Leben komplett verändert hat. Und wenn das keine coole Sache ist, dann weiß ich auch nicht…

Noch ein Spielebuch

Wesentlich analytischer gehen hingegen die Autoren des nächsten Buches mit ihrem Thema um. Es ist eines der ersten Werke, die der französische Verlag Third Editions dank Kickstarter ins Englische übersetzen konnte. Und – so viel sei schon gesagt – es ist um Längen besser als The Heart of Dead Cells: A Visual Making of, von dem ich extrem enttäuscht war.

(Cover)

BioShock – From Rapture to Columbia (Nicolas Courcier, Mehdi El Kanafi & Raphaël Lucas, ca. 30€, 192 Seiten, Englisch) – Die Analyse-Bücher von Third Editions haben immer eine ähnliche Grundstruktur in der das jeweilige Unterhaltungsmedium (sie schreiben nicht nur über Spiele) behandelt werden: „Entstehung“, „Universum“ und „Entschlüsselung“. Im Abschnitt „Entstehung“ geht es – wie der Name schon sagt – um die Entwicklung. Dazu gehört z.B. auch von welchen anderen Medien sich die Designer haben inspirieren lassen und was gut/schlecht gelaufen ist. Der Abschnitt „Universum“ beschäftigt sich hingegen voll und ganz mit der Geschichte, den Charakteren und der Spielwelt. Allerdings geht es hier mehr um die Vorstellung und eine gewisse Einordnung. Die tatsächliche Analysis der Themen, die Wirkung der selbigen und die Auswirkungen der Titel auf die Kultur sind dann im Abschnitt „Entschlüsselung“ zu finden. Third Editions möchte quasi die Antwort auf die Fragen liefern, warum und wann das Werk entstanden ist, was aus ihm geworden ist und warum es für die Popkultur so wichtig ist.

Ab nach Rapture

Und wie der Name schon sagt, beschäftigt sich dieses Buch mit der BioShock-Trilogie inkl. allen DLCs (gesplittet in Teil 1 & 2 als Einheit und dann BioShock Infinite). Der, aus meiner Sicht eher verstörende, Soundtrack hat sogar ein eigenes Kapitel spendiert bekommen. Anders als bei besagtem The Heart of Dead Cells: A Visual Making of erfährt der Leser trotz nur 192 Seiten allerhand über die jeweiligen Titel. Es ist gefühlt ein Ungleichgewicht zu Gunsten BioShock Infinite vorhanden (deswegen sind vermutlich Teil 1 und 2 in einen Abschnitt gepackt worden). Und auch grundsätzlich könnten wie immer noch wesentlich mehr Informationen enthalten sein. Aber unterm Strich hatte ich doch das Gefühl einen guten Rundumüberblick über die drei Spiele zu erhalten.

Beim Lesen eher negativ aufgefallen ist mir, dass die Autoren scheinbar etwas mit ihrem Pop-Kultur-Wissen angeben wollten. Teilweise rattern sie definitiv zu viele Vergleiche zu anderen Werken herunter, obwohl einer bereits gereicht hätte. Außerdem ist wie immer bei solchen Werden natürlich ohne Bestätigung durch Ken Levine oder einen anderen Verantwortlichen das ein oder andere speziell im Analyse-Kapitel reine Spekulation auf Seiten der Autoren. Es regt dennoch zum Nachdenken an. Nicht nur darüber was die Entwickler mit BioShock sagen wollten, sondern auch über die Art und Weise wie sie es im Spiel versucht haben rüber zu bringen. Jetzt nach dem Lesen des Buchs ist quasi für mich der perfekte Zeitpunkt mal die Remastered-Fassungen zu spielen. Plus BioShock Infinite, das ich bis heute nicht durch habe wegen meinen damaligen Performanceproblemen.

BioShock Remastered (Herstellerbild)

Am meisten vermisst habe ich hingegen tatsächlich ein paar Bilder. Ja, die Analyse-Bücher von Third Editions bestehen vollständig nur aus Text. Als Begründung geben sie an, dass sie sich nicht mit dem Copyright-Thema herumschlagen wollen. Gleichzeitig macht es natürlich selbst bei einem Schwarz-Weiß-Druck die Produktion billiger. Für den Leser ist es allerdings dadurch hier und da mitunter schwer das Beschriebene nachzuvollziehen. Vor allem, wenn man den Titel schon länger nicht mehr gespielt und entsprechend nicht mehr direkt vor Augen hat.

Beim Christoph meint: Vieles was in BioShock – From Rapture to Columbia steht hat man sicherlich schon woanders im Internet gesehen/gelesen – ggf. sogar ausführlicher. Damit meine ich, dass die Autoren das Rad aus meiner Sicht nicht neu erfinden. Wie auch. Speziell die BioShock-Serie wurde bereits zu Tode analysiert und auch die Entwickler haben in diversen Post-Mortems, Interviews und GDC-Talks bereits ausführlich über ihr Werk referiert. Insofern bleibt der Mehrwert des Buchs für alle, die sich schon so tief mit der Serie beschäftigt haben eher überschaubar.

Trotzdem bin ich Fan davon mir sowas auch zusammengefasst in den Schrank stellen zu können. Anders als bei The Heart of Dead Cells: A Visual Making of vermitteln die Autoren den Eindruck, dass sie wissen wovon sie reden und es ist trotz dem ein oder anderen übertriebenen Vergleich angenehm zu lesen und gespickt mit vielen interessanten Informationen. Meine Hauptkritikpunkte sind wie oben erwähnt vor allem die fehlenden Bilder und, dass die ersten beiden BioShock-Teile gefühlt etwas zu kurz kommen. Aber wer mehr über die Serie und ihre Motive erfahren will und noch nicht alles darüber verschlungen hat, den erwartet ein unterm Strich gut gemachtes und lesenswertes Buch.

Sicarius

Frohe Ostern!

Ich sag’s ganz ehrlich: Ich hätte diesen Eintrag fast vergessen. Ist aber auch einfach alles komisch in diesen Corona-Zeiten. Seit fünf Wochen haben wir schon unser Büro und die dazugehörigen Kollegen nicht mehr gesehen. Stattdessen den ganzen Tag im Home Office mit fünf Katzen, die scheinbar total super finden, dass wir so viel Zuhause sind. Da verliert man durchaus ein wenig das Zeitgefühl und wird von sowas banalem wie Feiertagen einfach so überrascht. Aber offensichtlich habe ich es trotzdem noch rechtzeitig bemerkt:

Das gesamte Team von Beim Christoph wünscht euch ein frohes Osterfest!

Schicke, selbst bemalte Steinkäfer.

Genießt es dieses Jahr die Feiertage mal ausschließlich in der engsten Familie verbringen zu dürfen. Keine Verwandtentermine, die Stress erzeugen. Keine Kurzurlaube, die garantiert nicht erholsam sind. Einfach nur Zuhause sein, bisschen Spaziergehen (aber in München bloß nicht zum Lesen auf eine Parkbank setzen!) und einfach nur chillen – also zumindest, wenn ihr keine Kinder habt, die euch den ganzen Tag auf den Senkel gehen.

P.S: Das obige Bild zeigt zehn von Lysandas selbst gemachten Steinkäfern. Sie bestehen aus 100% echtem Naturstein aus der Umgebung und sind von ihr bemalt und lackiert. Sie nutzt dafür unter anderem „Punkten“, eine Technik bei der ihr ein bisschen Farbe auf ein spitzes Werkzeug packt und dann eben Punkte setzt. Und ja, sie stehen zum Verkauf, wenn jemand welche möchte!

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #32

Ein voller Heizungsraum

Vergangenen Freitag war der Bezirksschornsteinfeger im Haus (ja, trotz Corona – wir haben viel Abstand gehalten). Er hat die neue Heizungsanlage abgenommen und die Feuerstättenschau durchgeführt. Ergebnis: Alles im grünen Bereich und von den Werten her (wie erhofft) auch effizienter als die alte Ölheizung. Muss ich aber dann nochmal genauer vergleichen, wenn ich den Bescheid habe. Damit fehlt für den vollständigen Abschluss des Projekts nur noch die Abnahme des Öltankabbaus durch den TÜV. Nein, ich habe immer noch keine Post mit einem Termin erhalten. Muss wohl doch nochmal bei dem Haufen anrufen. Echt nervig.

Gleichzeitig sind auch soweit alle Rechnungen eingetroffen (und bezahlt), womit wir – trotz fehlendem TÜV-Bescheids – einen Schlussstrich unter die Sache ziehen können. Es war die größte Maßnahme seit der Renovierung zum Ersteinzug vor mittlerweile vier Jahren und lag im Preis sogar deutlich drüber, was aber zu erwarten war. Damals haben wir schließlich fast alles selbst gemacht. Dieses Mal habe ich hingegen abseits der Organisation keinen Finger gerührt :smile: . Aber ich glaube weiterhin, dass es das wert war. Lysanda scherzt zwar immer, dass es ein ziemlich teures Unterfangen war, nur damit ich mir im Keller jetzt nicht mehr den Kopf an einem Abwasserrohr stoße. Einem zusätzlichen Raum, Unabhängigkeit von der Nachbarschaft (obwohl wir uns aktuell gut verstehen), einer geringeren Verstopfungsgefahr und höchstwahrscheinlich etwas niedrigeren Heizkosten hat sie aber ebenfalls nichts entgegen zu setzen.

Das Abwasser

Zum Zeitpunkt des letzten Berichts war zwar das Abwasser draußen bereits komplett neu, drinnen hing aber immer noch alles mit maximal 0%-Gefälle mitten an der Tankraumdecke. Das hat sich mittlerweile geändert. Auf der einen Seite des Raumes verläuft an der Decke – mit etwas Abstand zur Wand, weil da schon so viele Rohre liegen – der Strang mit DN70 für Waschbecken, Badewanne, Pissoir und später Keller-Klo und -Waschbecken (mit Hebeanlage). DN70 deshalb, weil es der Ingenieur für das Entwässerungsgesuch so berechnet hat. Der Heizungsbauer hätte ansonsten nur ein DN50 verwendet.

Die Abwasserleitungen vorher (oben) und nachher (unten).

Auf der gegenüberliegenden Wand hingegen ist ein Strang mit DN100 für Klo und Dusche. Beide Stränge treffen sich am Wanddurchbruch, an dem jetzt ein Sturzgefälle ist. Das wusste ich übrigens nicht: Das Gefälle darf auf der Strecke nicht zu niedrig, aber auch nicht zu groß sein. Warum? Weil ansonsten das Wasser davonrauscht ohne die schwereren Teile mitzunehmen. Die setzen sich dann ab. Deswegen lieber ein langes Stück nur mit 1-2% und dann am Ende ein Sturzbach statt auf ganzer Strecke 10% oder mehr. Nach dem Sturzgefälle geht es dann durch den Waschraum schnurstracks hinaus Richtung Straße.

Die Kosten

Ursprünglich angesetzt waren zwei Arbeitstage mit zwei Monteuren dafür, faktisch waren sie bereits mittags mit den Arbeiten durch. War ja nichts wirklich Kompliziertes dabei und alle Montagebereiche sowohl im leeren Tankraum als auch im Waschraum komplett zugänglich. Nachmittags haben Sie entsprechend gleich noch den neuen Heizkörper montiert. Verbaut wurde ein Purmo Compact mit einer Bauhöhe von 600mm und Baulänge von 800mm. Quasi ein weißer, 08/15-Heizkörper aber völlig ausreichend für einen 10m² Kellerraum. Mit Hilfe einer App von Viessmann haben sie dann noch die Berechnungen für den hydraulischen Abgleich gemacht und die Heizkörper entsprechend des Ergebnisses eingestellt. Mal schauen ob sich das in der Jahresabrechnung bemerkbar macht. Im Raumklima habe ich zumindest noch keinen Unterschied gemerkt.

So viel zum Inhalt. Was hat der Neubau der Abwasserinnenverteilung plus Heizung gekostet? Der Heizkörper schlug mit rund 420€ zu Buche. Da kommt aber dann nochmal einiges an nicht ganz billigem Material (Kupfer halt) dazu, denn er muss schließlich an den bestehenden Heizkreislauf irgendwie angeschlossen werden. Für das Abwasser gab es zwar keine ganz großen Einzelposten aber jedes Stückchen Rohr läppert sich natürlich obwohl es insgesamt nur um die vier Meter Strecke waren. Am Ende kam die Rechnung plus Arbeitszeit auf knapp 2.000€. Im Vergleich zum Kostenvoranschlag rund das Doppelte. Der bestand aber auch nur aus den zwei Monteurstagen. Weder die Heizung noch sonst irgendetwas an Material war enthalten, da sich das schlecht abschätzen ließ zu dem Zeitpunkt.

Weitere Rechnungen

Ein nagelneuer Heizkörper

Bleiben noch zwei Rechnungen: Gas und Wasser. Der Gasanschluss kostete wie im Angebot veranschlagt exakt 1.141,16€. Der Betrag setzt sich zusammen aus den 1.000€ Pauschalpreis mit dem die e-Netz Südhessen Neukunden anlockt. Da sind theoretisch 10m Tiefbau mit enthalten aber den haben wir ja nicht von denen machen lassen. Dafür gab es zum Ausgleich 100€ Ermäßigung. Die ca. vier Meter Rohr, die sie über die 10m hinweg gebraucht haben, wurden uns aber in Rechnung gestellt.

Der Wasseranschluss war hingegen tatsächlich ca. 30% günstiger im Vergleich zum Angebot. Er war somit nicht mehr dreimal so teuer wie der Gasanschluss, sondern nur noch etwa zweidrittel. Haben auch nochmal 200€ gespart, weil die Wasserwerke zwar eine Rechnung mit 19% MwSt. ausstellen, die Stadtwerke diese aber nur mit 7% MwSt. weitergeben dürfen. Ergibt keinen Sinn für mich aber ich beschwer mich da selbstverständlich nicht :smile: . Übrigens die einzige Rechnung der gesamten Maßnahme, die unter dem Kostenvoranschlag lag.

Gesamtfazit

Unterm Strich war die gesamte Maßnahme rund 15% teurer als veranschlagt. Die setzen sich zusammen aus ca. 25% Mehrkosten für den Außenbereich – durch den billigeren Wasseranschluss wurde die teurere Tiefbaurechnung etwas aufgewogen – und ca. 7% Mehrkosten für die Innenarbeiten. Ja, der Heizungsbauer und die Öltankfirma haben die genausten Angebote geschrieben. Statt unter 30.000€, sind wir also am Ende über 30.000€. Das lag u.a. an ein paar Überraschungen im Außenbereich (gebrochener Straßenübergang, alte Rohre im Grundstück, etc.). Gleichzeitig wurde aber auch auf meinen Wunsch hin hier und da etwas mehr gemacht als ursprünglich geplant. So Sachen wie der zusätzliche Heizkörper oder die Waschbetonplatten unter den Mülltonnen hatte ich vorher nicht im Blick, bin aber trotzdem froh es gemacht haben zu lassen. Der Kostenunterschied Innen zu Außen liegt übrigens bei ca. 70%. Also die Arbeiten im Außenbereich waren zweidrittel teurer als das was drinnen erledigt wurde.

Haben uns die Mehrkosten das Genick gebrochen? Nein, natürlich nicht. Es war zwar eine vierstellige Zahl, die wir ungeplant nochmal oben drauflegen mussten. Aber in so ein Vorhaben darf man definitiv nicht ohne entsprechende Reserven hinein gehen. 15% Mehrkosten sind vermutlich sogar eher am unteren Ende der Fahnenstange. Nicht nur im Vergleich zu manch‘ einem staatlichen Bauprojekt :smile: , sondern auch im privaten Umfeld. Und nein: Wir haben für das Ganze keinen weiteren Kredit aufgenommen. Wir hatten den Luxus es mit unseren Ersparnissen bezahlen zu können. Bitte? Ja, es macht offensichtlich einen großen Unterschied nicht jeden Monat hunderte von Euros für Videospiele auszugeben, die man dann doch nicht spielt. Jetzt gebe ich halt nur noch Dutzende von Euros aus :wink: .

Hätten wir uns dafür Geld leihen müssen, hätten wir sie sicherlich nicht durchgezogen. Dafür brachte die Aktion dann doch wieder zu wenig Mehrwert, um sich dafür auf Jahre zu verschulden. Zumindest glaube ich nicht, dass das Haus deswegen jetzt 30.000€ mehr wert ist.

Epilog

Alles so schön ordentlich – und kein Rohr mehr im Flur!

Auf der einen Seite bin ich natürlich froh, dass bis auf den TÜV endlich alles erledigt ist. Und darüber, dass die ganze Maßnahme unterm Strich ziemlich reibungslos über die Bühne gegangen ist. Ja, es ein gutes dreiviertel Jahr gedauert von meinen ersten Anfragen bis zur tatsächlichen Umsetzung. Aber das war jetzt nicht weiter schlimm und hätte nur ein paar steuerliche Vorteile gehabt. Dafür stimmt das Ergebnis. Auf der anderen Seite kann ich nicht leugnen, dass mir das Organisieren und „Überwachen“ durchaus Spaß gemacht hat. Jeden Fortschritt und jetzt natürlich das Ergebnis zu sehen ist ebenfalls äußerst befriedigend, obwohl ich keine Schraube selbst angezogen habe. Es hatte seine stressigen Momente und gefühlt hinter jedem her laufen zu müssen kann nervig sein. Dennoch bin ich durchaus in dieser Aufgabe aufgegangen. Als jemand, der vor 15 Jahren nicht einmal ohne Angstzustände telefonieren konnte, finde ich das durchaus einen überraschenden Fortschritt. Lysanda hat sich übrigens aus der ganzen Sache tatsächlich ziemlich rausgehalten und mich einfach machen lassen. So viel Vertrauen hab‘ ich nicht einmal in mich selbst :wink: .

Ich hoffe, ihr konntet aus den letzten Tagebucheinträgen auch für euch ein paar Sachen mitnehmen. Jedes Bauprojekt ist natürlich etwas anders. Aber ich finde es immer hilfreich im Internet ein paar Erfahrungsberichte für sowas zu lesen. Die trockenen Anleitungen sind zwar schön und gut aber nur in einem Bautagebuch steht eben drin, was alles in die Hose gegangen ist und wie es behoben wurde.

Als nächstes steht nun die Renovierung des Tankraums zu einem Bad/Wäscheraum auf dem Programm (der heutige Wäscheraum wird dann zu einem Lager). Das Fenster soll Mitte/Ende April ausgetauscht werden. Mal schauen ob da Corona mitmacht. Die Fertigstellung wird aber trotzdem erst im kommenden Jahr sein, wenn wir dann wieder Handwerker kommen lassen zum Einbau der Sanitäreinrichtungen. Man muss ja was für die Steuererklärung aufheben :tongue: . Ich halte euch wie immer auf dem Laufenden.

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