Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #34

Die KfW-Konditionen sind aktuell der Wahnsinn.

Vor fünf Jahren sind wir in unser neues Zuhause eingezogen. Wir waren zwar noch nicht mit allem fertig aber weit genug, um schlafen und essen zu können – mal abgesehen davon, dass logischerweise mein Mietvertrag zu Ende war. Seitdem hat sich bekanntlich so einiges getan in der Casa Lysanda. Mittlerweile ist außerdem bei uns die Hälfte der Zinsbindungsfrist und des Vertrages vorüber. Zwar sind die beiden Kredite (KfW-Kredit und normale Bank) logischerweise auf eine längere Laufzeit (glaub‘ bei uns 20 Jahre) gerechnet. Aber die Zinsen dafür haben wir nur für die ersten zehn Jahre festgezurrt. Dann gibt es entweder die Möglichkeit den kompletten Restbetrag auf einmal zurückzuzahlen, was aber vermutlich eher selten passiert. Oder man schuldet um ggf. inklusive Kreditgeberwechsel. Die Hoffnung der Kreditgeber ist logischerweise, dass dann der Zinssatz höher liegt als am Anfang. Weswegen der Zinssatz bei einer Zinsbindungsfrist von 10 Jahren in der Regel geringer als für z.B. 20 Jahre oder die komplette Laufzeit ist. Was auch der Grund für unsere Entscheidung war das Risiko einzugehen ggf. mit einem höheren Zinssatz umzuschulden.

Wir sehen unsere Chancen jedoch derzeit als ganz gut an, dass es 2025 ähnlich billig (ca. 2%) bzw. sogar billiger wird. Die weltwirtschaftliche Lage macht zumindest derzeit nicht den Eindruck als würden plötzlich die Zentralbanken die Zinsen nach oben schrauben. Aber natürlich sind fünf Jahre auch noch eine vergleichsweise lange Zeit in der viel passieren kann. Wird sich dann Anfang 2025 zeigen und ich entsprechend darüber berichten (sollte Beim Christoph noch existieren :wink: ).

Unartige Kreditnehmer

Bis 2025 versuchen wir weiter zum (rein fiktiven) Unmut der Bank unsere Schuldenlast so weit wie möglich mit den vorhandenen Möglichkeiten zu senken. Am KfW-Kredit könnt ihr dahingehend leider nicht rütteln. Da gibt es weder Sondertilgungen noch könnt ihr die Tilgungsrate anpassen. Beim Bankkredit sieht es schon anders aus. Beispielsweise können wir gemäß unserem Vertrag im Jahr bis zu 5% der Kreditsumme einfach so zurückzahlen. Außerdem ist es uns möglich den monatlichen Tilgungssatz drei Mal während der Laufzeit zwischen 3% und 5% beliebig hoch- und runtersetzen. Und wenn man sich eins davon (oder beides) leisten kann, dann lohnt sich das immer. Weniger Restschuld bedeutet weniger Zinsen, die ihr mit eurer monatlichen Rate bezahlt. Stattdessen tilgt ihr einen größeren Betrag. Das mag auf den ersten Blick nur eine kleine Menge sein, läppert sich bei so einer langen Laufzeit aber natürlich.

Wir wägen immer ab, ob es mehr Sinn macht das Geld ins Haus zu stecken (=Wert- und Komfortsteigerung) oder eben weniger Kohle sinnlos (=Zinsen) an die Bank zu zahlen und gleichzeitig früher schuldenfrei zu sein (= später mehr Geld monatlich zur Verfügung). Aber da jeder Euro was bringt haben wir bislang tatsächlich jedes Jahr immer eine Sondertilgung getätigt, selbst wenn es wesentlich weniger als die 5% waren (gibt allerdings eine Minimumsumme). Quasi im Dezember geschaut was ist noch übrig, was uns nicht weh tut und dann in den Kredit gesteckt. Waren über die letzten fünf Jahre immerhin rund 10% der gesamten Kreditstumme, die wir damit vorzeitig tilgen konnten. Diesen Luxus können wir uns glücklicherweise leisten und den Tilgungssatz haben wir mittlerweile ebenfalls schon einmal erhöht. Mit dem Ergebnis, dass selbst ohne weitere Sondertilgungen zu berücksichtigen unsere Gesamtschuldenlast 2025 nur noch fünf- statt sechsstellig sein würde, wenn wir es bis dahin so belassen können. Sehr freudige Aussichten für uns. Und ums nochmal zu betonen: Ja, ich bin mir selbstverständlich bewusst, dass wir in einer privilegierten Situation sind, wenn wir sowas tun können. Aber muss bei sowas immer gleich eine Neiddebatte entstehen?! Kann man sich nicht auch einfach mal für seine Mitmenschen freuen? Nein? …dann halt nicht :( .

Wasser marsch!

Besagte Waschmaschine

Lassen wir das Thema also am besten jetzt hinter uns und widmen uns stattdessen praktischeren Dingen. Zum Beispiel unserer Waschmaschine im Heizungsraum, die angefangen hatte Wasser zu lassen. Dachte natürlich zuerst an das Übliche also Pumpe verstopft oder Schlauch locker. Ich konnte aber nichts dahingehend feststellen und gleichzeitig kam irgendwie immer mehr Wasser raus, das ich praktischerweise mit unserem Waschsauger relativ problemlos aufnehmen konnte. Bei einem weiteren Waschgang hat sich das Problem dann jedoch so stark verschlimmert, dass ich endlich sehen konnte was kaputt war: Die Türmanschette hatte sich vom Laugenbehälter gelöst. Diese hatte ich bisher nicht überprüft, da die Maschine erst zwei Jahre alt ist und ich daher nicht von einem Gummischaden ausging. Deswegen wurde es auch immer mehr Wasser, weil sie sich mit jedem Waschgang mehr ablöste. Am Anfang floss nur ein bisschen was raus, am Ende landete jeder Tropfen aus der Trommel direkt auf dem Boden. Zum Glück scheint die Maschine keinen Schaden dadurch genommen zu haben.

Wie sich die Türmanschette gelöst hat wissen wir immer noch nicht. Meine einzige Idee ist, dass sich irgendwas beim Waschgang in der Manschette verhakt hat (BH-Verschluss, Taschenschnalle oder sowas) und sie dabei losgerüttelt wurde. Die Lösung war auf jeden Fall nach etwas YouTube-Recherche und einer etwas zu weit auseinandergebauten Maschine ziemlich simpel: Türmanschette wieder über den Rand gestülpt (ziemlich fummelig), Spannring draufgesetzt und fertig…hätten wir nicht den Verschluss des (Plastik-)Spannrings auf der Türseite beim Abmachen zerstört. Das ist aber auch eine dämliche Erfindung. Der am Laugenbehälter ist wenigstens aus Metall, da kann das nicht passieren. Also flux Ersatz bestellt – der nicht passte. Er war zu klein und für ein anderes Modell. Ja, irgendwie haben wir es aktuell nicht so damit die korrekten Sachen im Internet zu bestellen. Also wieder zurückgeschickt, das korrekte Ersatzteil geordert (~20€) und siehe da: Nach mehreren Waschgängen immer noch alles dicht. Glück gehabt. Doch keine teuren Handwerker/Neuanschaffung notwendig.

It’s Handwerkertime

Das bedeutet aber nicht, dass wir 2021 nicht schon Besuch von Handwerkern gehabt hätten. Wir haben nämlich (unter Einhaltung der Corona-Regeln) unsere Terrassenüberdachung erneuern lassen. Das alte Holz war nicht mehr in einem ganz so guten Zustand und die Plastikplatten auf dem Dach fingen ebenfalls bereits an sich selbstständig zu machen, weil die Schrauben nicht mehr hielten. Also habe ich mich Ende letzten Jahres um ein paar Angebot gekümmert. Zum einen hat diese Branche im Winter traditionell weniger zu tun und ruft zur Rabattschlacht auf. 10, 15 oder sogar 20% sind da locker drin. Vor allem, wenn ihr euch mehrere Angebote holt und ein bisschen verhandelt. So konnten wir auch nochmal ein paar hundert Euro zusätzlich zum bestehenden Rabatt rausschlagen. Schick. Die Wahl fiel am Ende auf die bundesweit tätige Firma KD Überdachungen. Zum anderen können jährlich 6.000€ der Arbeitskosten von Handwerkern bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Da wir 2020 diese bereits durch die Umbauarbeiten voll hatten sollte die Terrasse erst im Januar gemacht werden.

Das war mal die alte Überdachung

Gekauft haben wir eine 8x3m Aluminium-Terrassenüberdachung mit sechs LED-Lichtern, 16mm Polycarbonat-Eindeckung (milchig), Seitenteilen ebenfalls aus Polycarbonat (klar) und integriertem Regenablauf. Wie geplant erschienen Mitte Januar dann die Monteure und haben innerhalb eines Tages die alte weg- und die neue aufgebaut. Die Entsorgung der alten hat uns übrigens 500€ gekostet. Wäre vermutlich billiger gewesen, wenn wir selbst zum Bauhof gefahren wären. Aber zum einen hätten wir uns dafür einen Transporter mieten müssen (Lysandas Auto ist nicht so groß) und zum anderen war es uns das Geld wert dafür nicht den ganzen Aufwand betreiben zu müssen.

Das Ergebnis

Unterm Strich bin ich zufrieden mit der neuen Überdachung. Sie geht jetzt über die ganze Terrasse, was uns mehr Möglichkeiten gibt überall Sachen hinzustellen und sie ist stabil mit der Zwischendecke des Hauses verschraubt. Dadurch ist sie nicht nur etwas höher, es sind hinten an der Wand auch keine Pfosten mehr (= mehr Platz). Und wir haben dank der 6 LEDs eindeutig mehr Beleuchtung. Vorher was es nur eine kleine Laterne. Das Aluminium hingegen wird hoffentlich länger halten als das beschichtete Holz. Nachteil des milchigen Polycarbonats und der kompletten Überdachung der Trasse ist natürlich, dass es im Wohnzimmer minimal dunkler ist. Wir erhoffen uns davon allerdings Vorteile was die Temperatur angeht, da der Raum jetzt besser vor Wind, Sonne und Wetter geschützt ist.

Leider war uns nicht bewusst, dass „klar“ bei Polycarbonat immer noch nicht „durchsichtig“ bedeutet. Entsprechend können weder die Katzen noch wir derzeit an den Seiten rausschauen und man fühlt sich ein wenig einbunkert/von den Nachbarn abgegrenzt. Das ist doof und war nicht so gedacht. Da hat uns der Berater nicht ganz so gut beraten. Die Folge ist, dass wir jetzt nochmal Geld in die Hand nehmen müssen, um die Seitenteile gegen durchsichtiges Verbundsicherheitsglas austauschen zu lassen. Außerdem ist die Terrasse technisch gesehen etwas länger als 8m. Genauer gesagt 8,26m. Sprich statt auf der Seitenmauer, endet die Überdachung kurz davor. Etwas doof aber hätten wir nicht die 8m genommen, wäre es eine Sonderanfertigung und damit wesentlich teurer geworden. So müssen wir „nur“ etwas auf die Mauer bauen, um die Stelle abzudichten und alles ist gut. Ähnlich ist es auch mit dem Regenablauf, bei dem das Rohr etwas kurz ist und entsprechend das Wasser noch auf die Terrasse läuft statt in den Garten. Das hätten die Monteure sicherlich anders gemacht, wenn ich darauf geachtet hätte. Aber gut: Kein großer Akt. Ich werde einfach bei Gelegenheit ein Stück DN70 kaufen und draufstecken, dann passt’s wieder.

Vorschau

Die neue Überdachung mit Anti-Pichu-Provisorium (rechts)

Mit einer neuen Überdachung haben wir allerdings auch wieder neue Löcher, durch die unser Ausbrecherkönig entfleuchen kann (und bereits ist). Zum Glück konnten wir sie temporär schließen und haben bereits das Plexiglas im Haus, mit dem wir ihm wieder die Fluchtwege endgültig versperren werden. Damit ist das Thema Terrasse trotzdem noch nicht erledigt. Im Gegenteil fängt es jetzt erst so richtig an. Die Hauptpunkte sind wie erwähnt zuerst das Ersetzen der Seitenteile und das Abdichten zur Mauer. Aber dann gilt es die Wände zu erneuern (man sieht eindeutig, wo die alten Pfosten standen), die Terrasse zu reinigen und neu zu versiegeln und wir wollen im ehemaligen Vogelkäfig ein kleines Katzenparadies einrichten. So mit Liege- und Kratzmöglichkeiten. Haben entsprechend mit den Plexiglasplatten auch ein paar große und durchsichtige Plexiglasrohre gekauft. Die Idee ist, die an die Wand zu machen. Dann können die Vierbeiner da drin liegen und immer noch alles sehen. Aber ich halte euch natürlich auf dem Laufenden, wenn es soweit ist. Aktuell ist es einfach noch zu kalt, um draußen zu arbeiten.

Assassin’s Creed Chronicles: India (Herstellerbild)

Irgendwie bin ich was Videospiele angeht weiterhin voll auf dem Ubisoft-Trip. Seit dem damaligen Eintrag habe ich sowohl FarCry 5 (war okay) als auch FarCry: New Dawn (eher meh) erfolgreich mit allen DLCs beendet. Außerdem flimmerte der Abspann zu Assassin’s Creed Chronicles: China über meinen Monitor und jetzt bin ich mit Assassin’s Creed Chronicles: India beschäftigt, vermutlich gefolgt von Assassin’s Creed Chronicles: Russia. Aber zu den Dreien kommt dann in einem der kommenden Einträge mehr.

Da wir aber sowieso schon den ganzen Tag von früh bis spät am Bildschirm sitzen, gönnen wir uns mittlerweile abends auch mal 1-2 Stunden mit Büchern. Unsere Regale quillen nur nicht hoffnungslos über, weil wir entsprechend viele davon haben (14 Stück oder so) und trotzdem kommt ständig was Neues dazu. Allein auf meinem Nachttisch liegen derzeit mehrere Titel. Neu angefangen habe ich beispielsweise Jurassic Park (Michael Crichton). Das habe ich vor Jahren schonmal auf Deutsch gelesen aber den Nachfolger, The Lost World noch nicht. Also dachte ich mir, ich lese beide Bücher mal im englischen Original. Außerdem habe ich mir wie angekündigt Braving Britannia: Volume II geholt und möchte es priorisiert konsumieren. Dann kam aber eine Lieferung aus Amerika mit den letzten beiden Kollektionen des Webcomics Unshelved über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte (und das danach noch auf Farbe geschwenkt ist). Also habe ich davon alle Bände (12) aus dem Schrank geholt und arbeite mich nun durch diese. Ich bin sogar mittlerweile bei den beiden Neuen angekommen.

Nichts Neues also von mir in der Hinsicht. Lysanda hat sich hingegen durch die Tetralogie Die Todesengel von Jim C. Hines (Hugo Award Winner) gelesen und möchte euch heute davon berichten.

Märchen mal anders

(Cover)

Der Vorteil der Public Domain ist, dass jeder mit dem alten Kram machen kann, was er will. Entsprechend viele Neuinterpretationen vor allem der alten Meister wie der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Lewis Carroll gibt es auf dem Markt. Jim C. Hines Erzählungen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Im Kern sind es Fortsetzungen in denen die weiblichen Charaktere nach ihren Erlebnissen in den Märchen gemeinsam Abenteuer erleben. Im Verlauf der Bücher erfährt man aber auch die „Wahrheit“ darüber, was damals wirklich passiert ist. Der Buchrücken ist hier ausnahmsweise mal korrekt mit der Aussage „Drei Engel für Charlie meets Fantasy“.

Im ersten Buch, Drei Engel für Armand, geht es um Prinzessin Danielle Whiteshore, geborene de Glas, besser bekannt als Aschenputtel. Als eines Tages ihre Stiefschwester ihren Ehegatten (Prinz Armand) mittels Magie entführt, wird sie mit dem Geheimdienst der Königin bekannt gemacht. Diese stellt ihr Talia (Dornröschen) sowie Schnee (Schneewittchen) an ihre Seite um ihren Sohn zu retten. Im zweiten Band, Die fiese Meerjungfrau geht es hingegen um die namensgebende Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Buch. Anders als im romantisierten Original hat sie sich nämlich nicht für das Glück des Prinzen geopfert, sondern wurde aufgrund von Magie und der Abweisung des Prinzen verrückt. Als dann ein diplomatisches Treffen zwischen Menschen und Meervolk außer Kontrolle gerät liegt es an unseren drei Heldinnen das Leben ihrer Königin zu retten.

Der Titel des dritten Bands, Rotkäppchens Rache, verrät hingegen schon alles: Rotkäppchen (jetzt Roudette) ist zu einer gefürchteten Assassine herangewachsen und hat einen neuen Auftrag bekommen: Dornröschen zu töten. Das kann unser Heldentrio logischerweise nicht zulassen. Der Band erzählt Schwerpunktmäßig die Hintergrundgeschichte von Dornröschen und warum sie jetzt eine niemals schlafende Kämpferin ist, die es mit der Attentäterin Roudette durchaus aufnehmen kann. Natürlich wird auch die Geschichte von Rotkäppchen selbst erzählt. Im bislang letzten Teil, Dämon, Dämon an der Wand kommt der Feind hingegen von innen. Schneewittchen, die Expertin für Spiegelmagie im königlichen Geheimdienst, zerbricht aus Versehen ihren eigenen Spiegel. Das Resultat ist ein freigesetzter Dämon der von Schneewittchen Besitz ergreift, das halbe Schloss inklusive Armand verhext, Jakob (Sohn von Danielle) entführt und loszieht in Schnees Heimatland. Die anderen beiden Prinzessinnen machen sich auf den Weg Schnee, Jakob und alle verhexten zu retten. Insgesamt werden sechs Märchen neu Interpretiert. Das wären Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, die kleine Meerjungfrau, Rotkäppchen und die Schneekönigin.

Der Stil

(Cover)

Die Bücher richten sich aus Lysandas Sicht eher an junge Erwachsene. Sie sind zwar nicht bierernst und der eine oder andere humorvolle Moment kommt durchaus vor. Aber die drei Heldinnen haben in ihrem Leben definitiv schon einiges (durchaus schlimmes) mitgemacht und es wird schnell klar, dass die Märchen eine extrem stilisierte und beschönigende Sicht der Dinge darstellen. Dabei ist schon in den Originalen nicht unbedingt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Jim C. Hines Werke zeigen außerdem, dass das Leben nicht mit der Hochzeit und dem obligatorischen „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet. Das ist durchaus positiv gemeint. Stattdessen erlebt ihr die Entwicklung von jungen Frauen, die nicht nur neben ihrem Prinzen hübsch aussehen, sondern durch die Hürden, die ihnen das Leben in den Weg stellt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und zu nutzen lernen.

Technisch gesehen ist die Erzählung in jedem Buch in sich abgeschlossen. Aber es macht definitiv mehr Spaß, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge liest und so zusammen mit den Heldinnen wächst. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines fünften Buchs eher gering. Inhaltlich lässt der Autor zwar Luft für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen – schließlich kann sich der königliche Geheimdienst noch mit vielen weiteren Märchenheldinnen auseinandersetzen. Doch der vierte Band ist bereits vor mittlerweile 10 Jahren erschienen.

Lysanda meint: Ein Kennzeichnen für ein gutes Buch ist bei mir immer, dass ich es im Anschluss zurück ins Regal stelle statt es direkt weiter zu verkaufen. Bei Jim C. Hines Tetralogie Die Todesengel habe ich mich etwas schwer getan diese Entscheidung zu treffen aber am Ende ging sie zu Gunsten des Autors aus und ich gebe der Reihe gerade so 4 von 5 Sics. Warum ich den ersten Band damals gekauft habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Der steht schon länger im Regal als der Webmaster neben mir im Bett schläft. Bereut habe ich es wie ihr seht nicht ihn gekauft zu haben. Mit Verwunderung stellte ich an seinem Ende jedoch fest, dass es kein Einzelband war und ich mir daher kurzfristig noch die restlichen Bände besorgen musste. Eigentlich hatte ich ihn aus dem Schrank genommen, um ein nettes, kurzweiliges und vor allem einzelnes Buch zu lesen nachdem ich zuvor den vielteiligen Manga Tsubasa verschlungen hatte. So kanns gehen…

(Cover)

Warum ich trotzdem nur knapp vier Sics vergebe obwohl ich die vier Bände in einem Rutsch gelesen habe (abzüglich der ungeplanten Pause zwischen Band 1 und 2)? Vermutlich ist ein Hauptgrund schlicht, weil keine Figur dabei war mit der ich mich richtig identifizieren konnte. Stattdessen war es einfach „nur“ eine unterm Strich nette und unterhaltsame Erzählung. Wie ein Sommerblockbuster quasi – nur mit einer tiefgründigeren Geschichte. Aber das ist völlig okay und trotzdem eine klare Leseempfehlung. Ab und zu darf es auch mal etwas leichtere Kost sein, die einfach nur unterhält. Und starke Frauen, die spannende Abenteuer erleben, sind nie verkehrt. Zudem mag ich grundsätzlich Neuinterpretationen von Märchen solange sie nicht zu gruselig sogar lieber als die Originale. Die sind mir teilweise einfach viel zu „strange“ und haben für mich ein völlig veraltetes Rollenbild inkl. meist gesichtsloser Charaktere.

Wir haben es endlich geschafft! Eine Reise, die vor vier Jahren begonnen hat, ist zu Ende: 200 Folgen (fünf Staffeln und inkl. der nie eingedeutschten Folge 89), drei Filme und mehrere Specials (mit Fandubs) Sailor Moon – Das Mädchen mit den Zauberkräften (1993-1997) liegen hinter uns. Bitte? Nein, 24 – Staffel 8 und Star Trek: The Original Series – Staffel 3 warten immer noch. Hetz‘ doch nicht schon wieder. Ein Schritt nach dem anderen…

Unnötige Vorgeschichte

Sailor Moon also. Warum hat es vier Jahre gedauert die Serie zu beenden obwohl jede Folge nur ca. 25 Minuten lang ist? Nun, weil ich logischerweise absolut nicht die Zielgruppe dafür bin und sie entsprechend extrem anstrengend anzuschauen fand. Das ist mir vollkommen bewusst. Der Manga ist für Mädchen/junge Frauen im Alter von 12 bis 18 Jahren konzipiert und der Anime für 10- bis 16jährige. Da passe ich als Mitdreißiger nicht ganz so rein.

Benjamin Blümchen, 1989 (Screencap aus der 1. Folge)

Erschwerend kommt vermutlich hinzu, dass Lysanda bereits in ihrer Kindheit und genau im richtigen Alter der Faszination dieser 14-jährigen Schulmädchen verfallen ist und sowohl die Serie als auch die Mangas bereits mehrfach gesehen/gelesen hat. Ich hingegen habe vergleichsweise wenig vor dem Kasten gehockt, von Anime/Manga nie was gehört und kann bis heute mit (westlichem) Zeichentrick-/Animationskram eher wenig anfangen. Ich kann mich nur an eine kurze Benjamin Blümchen-Phase erinnern. „Kurz“ deshalb, weil das Original von 1989-1991 nur 13 Folgen hat. Aber weder bin ich ein echter Fan des Kultelefanten, noch hat mich die Serie dauerhaft geprägt (kann mich an nichts mehr erinnern daraus) – außer vielleicht einem kleinen Trauma im Zusammenhang mit Folge 12, Benjamin Blümchen als Taxifahrer, aber das lag nicht an der Serie, sondern meinen damaligen „Freunden“. Kinder können echt gemein sein.

Behütete Kindheit?

Abseits von Hr. Blümchen und vielleicht noch Meister Eder und sein Pumuckl habe ich meines Wissens (und das ist leider sehr begrenzt was meine Kindheit angeht) nur hin und wieder Samstagsmorgens ein bisschen vor dem Fernseher gehockt und in heutige Klassiker wie Animaniacs (ohne vermutlich auch nur ansatzweise die Witze zu verstehen), Transformers oder Teenage Mutant Hero Turtles reingezappt. Anfangs war ich stattdessen tatsächlich mehr draußen in der Natur unterwegs. Ja, vor 30 Jahren sind Kinder noch freiwillig aus dem Haus gegangen! Zumindest bis meine bis heute bestehende Faszination mit dem Ding namens Personal Computer und den dazugehörigen, virtuellen Unterhaltungsmedien mich übermannt hat. Schließlich schaffte es bereits 1990 ein 486 in unser Haus.

Stunts, One Must Fall 2097 (so viele kaputte Joysticks…), Ports of Call, TIE Fighter, Lands of Lore: The Throne of Chaos, Sam & Max: Hit the Road (auch dort habe ich damals die Witze garantiert noch nicht verstanden) und SimCity 2000 – das sind meine Kindheitserinnerungen. Ach und beim Spielen von DOOM erwischt zu werden. Die Szene habe ich noch im Kopf als wäre es erst gestern passiert :smile: . Ich kämpfte gerade gegen Cacodemons in einem Gang mit Lianen-Texturen (finde auf Anhieb den Levelnamen nicht) als meine Familie völlig überraschend wieder nach Hause kam… Aber nein, keine Spielzeugwerbung oder Superhelden in engen Kostümen die mich in ihren Bann gezogen haben.

Nun aber genug von mir. Ihr habt sicherlich verstanden was ich sagen wollte: Ich habe mir den Anime zu Sailor Moon hauptsächlich aus Liebe zu Lysanda, dem dazugehörigen Bedürfnis an ihren Vorlieben teil zu haben sowie zum Schließen einer Wissenslücke angetan. Klingt hart aber warum sollte ich euch was vorlügen? Ohne Lysanda hätte ich bis zum Ende meines Lebens keine Folge geschaut, das wissen wir alle :smile: . Grundsätzlich bin ich zwar durchaus offen für alten Kram aber auch ich habe scheinbar meine Grenzen.
Anm. v. Lysanda: Ich habe den Webmaster nicht gezwungen die Serie zu schauen. Er hat das aus freiwilligen Stücken getan, nur um das Klarzustellen!

Die Serie

(Cover)

In den fünf Staffeln des Original-Anime folgt ihr Bunny Tsukino (im Original Usagi), die zum Anfang der Serie auf die schwarze und sprechende Katze Luna trifft. Sie offenbart ihr, dass sie keine gewöhnliche 14jährige Schülerin ist, sondern die namensgebende Sailor Moon. Diese kämpft für Liebe und Gerechtigkeit und rettet im Laufe der Serie mehrfach Tokyo (der Schauplatz der Geschichte), die Erde und das ganze Universum. Allein kann sie das aber logischerweise nicht schaffen. Nicht nur, weil die Kraft der Freundschaft ein wichtiges Thema der Erzählung ist, sondern auch, weil sie eine extrem tollpatschige Heulsuse ist. Da kann man sich noch so sehr verwandeln und mit Stäben und Broschen rumfuchteln können: Die zahlreichen Bösewichter besiegt man so nicht. Stattdessen gesellen sich an ihre Seite die inneren Kriegerinnen Merkur, Mars, Jupiter und Venus – jede mit ihren eigenen Stärken und Schwächen. Gemeinsam bilden sie das Sailor-Team. Außerdem gibt es noch den ominösen Tuxedo Mask, der einzige Mann auf Seiten der Guten, der anfangs und (sehr) häufig den Sailor Kriegerinnen aus der Patsche hilft – und natürlich der „Love Interest“ von Sailor Moon wird. Er bleibt aber in der Serie insgesamt ziemlich zweidimensional.

Kein Wunder, schließlich ist es (vorbildlich) eine reine Damenshow – inkl. einer lesbischen Beziehung. Extrem progressiv für die damalige Zeit und zu progressiv für die deutschen Übersetzer, die alles daran gesetzt haben daraus eine platonische Freundschaft zu machen. Auch der homosexuelle Touch auf Seiten der Bösewichter wurde mehr schlecht als recht versucht zu unterdrücken. Im Ergebnis weiß ich teilweise nicht welcher Charakter jetzt weiblich oder männlich sein soll. Auch, weil der Zeichenstil zusammen mit der deutschen Synchronstimme mitunter nicht übereinander gepasst hat. Dass sich einige von ihnen zudem ins andere Geschlecht verwandeln können ignorieren wir an dieser Stelle mal.

Der Aufbau

Sailor Moon (Screencap aus dem Blu-ray-Trailer)

Im Laufe der Zeit kommen dann noch weitere Sailor-Kriegerinnen dazu. Dabei schreckt die Erzählung nicht einmal vor Zeitsprüngen/-reisen zurück, die aus meiner Sicht mehr Logiklücken erzeugt als sie lösen. Und für mich zudem die wenigen Cliffhanger ad-absurdum führen. Schließlich haben wir ja schon die Zukunft gesehen und wissen, wer überlebt. Lysanda meint allerdings, dass das im Manga besser erklärt ist und mehr Sinn ergeben würde. Wäre zumindest nicht die einzige Abweichung der Serie zum Manga. So ist die komplett erste Hälfte der zweiten Staffel eine Erfindung von Tōei Animation, weil der Manga noch nicht so weit geschrieben war. Das Ende weicht ebenfalls von der Vorlage ab. Es gibt außerdem nicht einmal ansatzweise so viele Monster gegen die das Sailor Team kämpfen muss – womit wir zu meinem eigentlichen Problem der Serie kommen: die Gleichförmigkeit.

Manga-Fans sind etwas gespalten was die ursprüngliche Anime-Serie angeht. Während einige stört, dass die Serie zu sehr von der Vorlage abweicht, findet Lysanda z.B. gut, dass man mehr über die einzelnen Charaktere erfährt. In 200 Folgen passt schließlich mehr rein als in 18 Bände. Ich für meinen Teil finde die Abstände in der die Hauptgeschichte und auch die Charaktere vorankommen aber viel zu groß. Stattdessen wird die Serie erdrückt von ihrem immer gleichen Standardformat inkl. sehr viel Szenen- und Animationsrecycling: Zuerst wird der Schauplatz der heutigen Folge etabliert (z.B. eine Konzerthalle) und man erfährt etwas über die Charaktere. Dann finden sich alle relevanten Personen (gut wie böse) dort ein und es kommt zu einem kurzen Kampf – inkl. den teils mehrminütigen Verwandlungssequenzen der Kriegerinnen (man muss ja Zeit schinden). Dramaturgisch bedingt verlieren die Guten zuerst haushoch, können aber dann doch dank der Hilfe von Anderen/Liebe/Überzeugen/Vertrauen/was auch immer das jeweilige Thema der Folge ist die Oberhand gewinnen. Abschließend zerstört Sailor Moon das Monster des Tages (während der eigentliche Bösewicht entkommt) und alles ist wieder Gut. Erst zum Ende der jeweiligen Staffel nimmt die übergeordnete Geschichte an Fahrt auf und es wird tatsächlich interessant.

Beim Christoph meint: Selbstverständlich ist das „Monster der Tages“-Format nichts Neues. Das gab es schon Jahrzehnte vor Sailor Moon und noch Jahrzehnte danach. Erst der Trend zu kürzeren Staffeln und Binge-Watching hat den Trend zum Eindimensionalen den Gar ausgemacht. Aber es ist schon extrem anstrengend, wenn es wirklich immer und immer wieder der exakt gleiche Folgenaufbau ohne irgendeine Überraschung ist. Hätte die Serie nur 100 Folgen, sie hätte mir vermutlich wesentlich besser gefallen obwohl es mir erstaunlich schwer fiel mich auf das Universum einzulassen. Beispielsweise gibt es so viele Dinge, die offensichtlich sind und trotzdem brauchen alle Beteiligten mehrere Folgen bis sie es erkennen. Wie hatte ich im damaligen Eintrag geschrieben? Superman hat zumindest als Clark Kent eine Brille auf und selbst das ist schon purer Schwachsinn. Hier tragen die Mädels nach ihrer Verwandlung hingegen nur andere Klamotten und schon erkennt sie kein Schwein mehr?! Oder die Oberbösewichter, die über ganze Staffeln hinweg unfähige Handlanger losschicken und ihnen noch eine „letzte Chance“ geben statt einfach direkt selbst Hand anzulegen. Mal ganz abgesehen davon wie logistisch bescheuert es ist (fast) immer nur einzelne Menschen herauszupicken in der Hoffnung, dass sie haben was man sucht.

Sailor Moon R (Screencap aus dem Trailer)

Gleichzeitig kann ich mich irgendwie keiner der Sailor-Kriegerinnen identifizieren oder zumindest mit ihnen mitfühlen. Und das liegt sicherlich nicht ausschließlich daran, dass sie weiblich sind. Ne, Sailor Moon – Das Mädchen mit den Zauberkräften ist definitiv nichts für mich. Vielleicht überzeugt mich der Manga mehr. Die neue Serie, Sailor Moon Crystal, soll ja ebenfalls nicht so der Brüller sein, was man so hört obwohl sie sich näher an der Vorlage orientiert. Mal schauen. Die steht logischerweise auch noch auf dem Programm – sollte sie jemals beendet werden. Der vorletzte Arc soll dieses Jahr als ein Zweiteiler ins Kino kommen. Mal schauen…

Aber um auf einer positiven Note zu enden, kann ich nur noch einmal erwähnen, dass ich einfach nicht die Zielgruppe dieses Anime bin. Das ist völlig okay, denn ich sehe verstehe durchaus warum er jungen Mädchen – vor allem, wenn sie wenige Freunde haben – gefällt. Und ich finde es gut, dass er viele positive Dinge vermittelt. Es ist eben nicht einfach nur eine Werbung für Spielzeug. Stattdessen wird am Ende des Tages eine Geschichte mit interessanten Charakteren erzählt. So glaubt Bunny immer daran, dass selbst der schlimmste Bösewicht etwas Gutes in sich trägt. Freundschaft ist wie erwähnt ein weiteres, großes Thema in vielen Folgen. Und auch Liebe und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle, wenngleich Bunnys Eifersucht schon extrem Überzeichnet und Nervig ist… Insofern: Seine Kinder (natürlich Jungen wie Mädchen) mit Sailor Moon aufwachsen zu lassen ist definitiv nicht das Schlechteste, was man tun kann.

Lysanda meint: Auch ich weiß, dass die Serie nicht für mein Alter ist und sie für mich einiges von ihrer Faszination eingebüßt hat. Heutzutage bevorzuge ich definitiv den Manga. Für die passende Altersgruppe empfehle ich sie aber uneingeschränkt. Mir hat sie in meiner Kindheit/Jugend sehr gut gefallen und sie hat mir viele positive Werte vermittelt. Das Geschrei war entsprechend immer groß, wenn ich wegen irgendwelchen Terminen nicht pünktlich um 15 Uhr vor dem Fernseher sitzen durfte :smile: . Zeitnahe Wiederholungen gab es nicht und irgendwann wollte man ja alle Folgen gesehen haben – am besten in der richtigen Reihenfolge. Wir hatten zwar einen Videorekorder aber der hatte seine eigenen Fallstricke. Ihr heutzutage mit euren Festplattenrekordern, Blu-rays und On-Demand-Streamingplattformen habt es gut.

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