Sicarius

Square Eidos

Die Homepage der australischen Ratingorganisation OFLC (Office of Film and Literature Classification) ist im Notfallmodus – immer noch! Obwohl der Hackerangriff bereits am 26.03.2009 stattfand, sind deren Webmaster weiterhin nicht in der Lage endlich wieder den normalen Betrieb bereitzustellen. Normale Menschen interessiert das natürlich nicht, aber für MobyGames bin ich nun einmal auf deren Webseite angewiesen um auch das australische Rating eines Games eintragen zu können. Nur selten ist dieses auch auf der europäischen/deutschen DVD aufgedruckt.

Wenn jedoch schon das simple “Loch schließen und Seite wieder online stellen” so ewig dauert, wundert es mich nicht, dass es das R18+-Rating immer noch nicht für Spiele gibt. Andererseits: Es ist im Gegensatz zu unserer Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eine Seite der australischen Regierung. Und wie lange Bürokratie braucht wissen wir vermutlich alle. Allerdings gibt es Ausnahmen:

Square schluckt EidosAm 21.04.2009, einen Monat nach der Zustimmung der Aktionäre, hat ein Gericht bereits dem Aufkauf von Eidos (Tomb Raider) durch Square Enix (Final Fantasy) zugestimmt. Und seit gestern gehört Eidos zu Square Enix. Rund 95 Millionen Euro wechselten dafür den Besitzer. Nicht gerade viel, denkt man an letztes Jahr zurück als EA (Die Sims) mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Übernahme von Take 2 Interactive (Grand Theft Auto) geboten hatte – und abgeschmettert wurde.

Im Gegensatz zu Take 2 Interactive, hatte Eidos aber auch nichts zu bieten. Tomb Raider Underworld war zwar ein gutes Spiel, floppte aber gnadenlos an den Kassen. Auch Age of Conan: Hyborian Adventures, die Hoffnung für den Publisher, konnte nicht die Schulden ausgleichen – und mehr potentielle Blockbuster kamen 2008 nicht unter der Eidos-Flagge. 2009 sieht genauso mager aus mit dem einzigen Release in Form des nicht-mehr-ganz-so-brutalen Shooters Shellshock 2 (nicht einmal indiziert). Und sonst tut sich nicht viel. Battlestations: Pacific verschiebt sich seit Monaten andauernd und Just Cause 2 sollte eigentlich auch schon auf dem Markt sein. Pyro Studios, Eidos besitzt rund 27% Anteil, haben die Commandos-Reihe schon lange fertig gemolken und haben seitdem nichts nennenswertes mehr auf den Markt geworfen. IO Interactive (Eigentümer: Eidos) werkelt nach dem Kane & Lynch: Dead Men-Debakel vor zwei Jahren angeblich an Hitman 5, lässt derzeit aber nichts verlauten. Deus Ex 3, bei Eidos Montreal in Entwicklung, ist noch einige Zeit entfernt und auch Highlander wird vor Ende 2010 nicht das Licht der Welt erblicken – wahrscheinlich eher noch später. Crystal Dynamics arbeitet derweil vermutlich an einem weiteren Tomb Raider-Teil statt den Fans endlich das zu liefern, was sie wirklich wollen: den nächsten Abschnitt der Legacy of Kain-Saga.

Andererseits tut es Square Enix ganz gut ihr Portfolio etwas zu erweitern. Zwar sieht Final Fantasy XIII richtig genial aus und The Last Remnant ist ein empfehlenswertes Japano-Rollenspiel, aber genau hier liegt der Hund begraben: Square Enix macht seit Jahren nichts anderes als Japano-Rollenspiel. Die paar (Runden-)Strategietitel, die da noch zwischendrin versteckt sind, bestätigen eher die Regel als sie zu entkräften. Vor allem sind ein Großteil ihrer Veröffentlichungen Teil des Final Fantasy-Franchise – meistens Remakes oder Spin-Offs von Teil 1 oder 7. Zugegeben: Die Qualität stimmt in den allermeisten Fällen und der Fan bekommt etwas für sein Geld im Gegensatz zum Käufer des 500. Die Sims 2 – IKEA-Winter-Möbel-Addon-Pack. Statt Final Fantasy VII, dass 9. Remake in dem Cloud erstmals eine lila Hose anstatt einer blauen trägt würde ich jedoch lieber die grafische Brillanz und Inszenierung eines Final Fantasy XII/XIII in anderen Genre sehen.

Mit Eidos einen ehemals renommierten, westlichen Publisher zu übernehmen ist sicherlich der erste Schritt in diese Richtung. Was würden die Fanboy-Herzen höher schlagen wenn ein Tomb Raider-CGI-Film wie Final Fantasy VII: Advent Children erscheinen und die Erinnerung an die schlechten Realfilme auslöschen würde. Oder zumindest 20-minütige High Definition-Zwischensequenzen in denen die virtuelle Dame…aus Gründen des Jugendschutzes und aufgrund des riesigen “Dork”-Faktors kann ich diesen Gedanken leider nicht zu Ende ausführen.

Sicarius

Ascaron

Ascaron LogoAscaron hat vergangenen Dienstag in Bielefeld Insolvenz beantragt. Ich frage mich zwar wie man in einer nicht-existierenden Stadt ein Amtsgericht findet, aber der billige Gag musste jetzt einfach sein. In der Pressemitteilung am Freitag wurde im gleichen Atemzug aber auch ein Addon zu Sacred 2 angekündigt und die Existenz von Sacred 3 bestätigt. Außerdem enthält sie die Gold-Meldung der Konsolenversionen von Sacred 2 (Release: 08.05.2009), die nach fünf Monate Verspätung endlich fertig sind. Im Interview mit PC Games sagte Geschäftsführer Heiko tom Felde sogar, dass das Addon bereits im Juli fertiggestellt sein könnte. Natürlich nur, wenn sich jetzt ein Geldgeber findet. Eine klare Kampfansage der Ascaron Entertainment GmbH.

Anders als bei der Insolvenz 2002, wird dieses Mal jedoch alles auf eine Übernahme hinauslaufen. Damals konnte die Firma noch durch eine Neugründung (ein Trick den auch gerne dubiosere Firmen nutzen) und tatkräftige Unterstützung von Banken, Investoren und andere Geldgeber gerettet werden. Die Pressemitteilung zeigt aber, dass dieser Weg nun verschlossen ist. Stattdessen ist bereits von Übernahmegesprächen die Rede und die Ankündigungen sind ganz klar als Werbung gedacht. Wobei es sicherlich so einige Firmen gibt, die Interesse am deutschen Traditionsunternehmen Ascaron Entertainment GmbH und vor allem seinen Marken hat. Electronic Arts würde zwar mittlerweile nicht mehr seinen Fussball Manager in Anstoss umbenennen, aber für Ubisoft, Take 2 oder gar Koch Media/Deep Silver ist natürlich besonders die Sacred-Reihe am interessantesten. Diese Firmen kennen auch Ascaron schon durch ihre Publishertätigkeiten.

Aus meiner Sicht muss es auf jeden Fall ein Unternehmen sein, das sich mit deutschen Entwicklern auskennt. EA fällt da schon vollkommen aus der Reihe. Die Produkte von Crytek und EA Phenomic sind ein ganz anderes Kaliber als die “typisch deutschen” Produktionen wie die Wirtschaftssimulationen Port Royal, Der Patrizier und eben Anstoss. Selbst der Weltraumflugsimulation Darkstar One war seine deutsche Herkunft massiv anzumerken. Ich find das auch nicht schlimm – im Gegenteil. Das macht einfach den Charme von Titeln wie Drakensang, Sacred 2 und natürlich Gothic aus.

Es können noch so viele Leute tun als wären Fallout 3 und The Elder Scrolls IV: Oblivion die Rollenspiele des Jahrtausends. Pete Hines kann noch so oft sich hinstellen und behaupten Bethesda wäre die einzige Firma mit Ahnung. Fakt bleibt, dass seine Welten steril und lieblos sind. Natürlich sind das vor allem kulturelle Unterschiede. Im Prinzip fällt der Vergleich zwischen einer deutschen Produktion im Bereich Wirtschaftssimulation oder Rollenspiel gegenüber amerikanischen Produktionen der gleichen Genres genauso extrem aus wie der von asiatischen mit westlichen Produktionen. Nur haben wir den funktionalen amerikanischen Titeln statt langatmigen aber atmosphärischen Zwischensequenzen und männliche Charaktere, die wie minderjährige Mädchen aussehen, eben detailverliebte Umgebungen und umfangreiche Zahlenspielereien entgegenzusetzen.

Selbstverständlich müssen spätestens jetzt die großen Namen Blizzard und Bioware fallen. Titel wie Neverwinter Nights, Baldur’s Gate, Mass Effect, World of Warcraft und natürlich Diablo. Aber gerade letzteres, bis heute propagiert als das ultimative Action-Rollenspielen und damit der direkteste Sacred-Konkurrent zeigt in meinen Augen, dass unsere regionalen Produktionen inhaltlich einfach höherwertig sind. Zwar fehlt es uns dafür im Gegenzug bei der Qualitätssicherung vor Release, dennoch bewege ich mich doch lieber in einer fehlerhaften, aber dafür mit Herzblut gestalteten Welt, als in einem glattpolierten, voll zielgruppenorientierten Reinraum dem jede Seele fehlt.

Bringen wir also zum Abschluss meinen Lieblingssatz: Harren wir der Dinge die kommen. Aus meiner Sicht werden weder Ascaron noch Sacred durch diese Ankündigung verschwinden. Die Art wie die Serie in Zukunft aussieht, wird entscheidend durch die Entwicklungen der nächsten Monate geprägt werden, aber ich glaube nicht, dass Sacred 3 kein “typisch deutsches” Rollenspiel sein wird. Dazu müssten die Entwickler bei Ascaron komplett aus der Gleichung entfernt werden und bei 400.000 verkauften Einheiten von Sacred 2 passiert das unter Garantie erst einmal nicht. Die JoWooD Productions AG kann sich den Kauf zum Glück derzeit nicht leisten…

Sicarius

WoW-Gejammer

Wie schon wieder Donnerstag? Ich hatte doch nicht einmal Zeit mir Gedanken über ein Eintragsthema zu machen vor lauter anderen Arbeiten *seufz*. Aber genau das ist der Grund, warum ich anfangs geplant hatte den Eintrag am Donnerstag zu streichen. Da ihr damit nicht leben wolltet, müsst ihr nun eben diese jammernden Einleitungen ertragen.

(Anm. d. Red.: Immer gut den Lesern die Schuld zu geben. Macht sie gleich viel loyaler du Depp. Und hör endlich auf zu heulen! Es interessiert niemanden und vertreibt nur die Leser. Oder willst du dich etwa auf Blogniveau hinab begeben? Außerdem ist doch jedem klar, dass du die Einleitung nur schreibst um Gelegenheit zu haben dir schnell ein Thema einfallen zu lassen…)

World of Warcraft: Secrets of Ulduar, besser bekannt als Patch 3.1 hat überraschend gestern die Live-Server erreicht. Während Rondrer sich bereits wieder der Sucht ergeben hat, habe ich noch mein Star Wars Galaxies-Abo laufen. Ach und natürlich keine Zeit. Trotzdem verfolge ich natürlich die Geschehnisse genauestens und habe mit viel Kopfschütteln die Patch Notes studiert. Wenn Blizzard seine derzeitige Linie weiter betreibt, wäre es eigentlich am sinnvollsten in drei oder vier Jahren erst wieder vorbeizuschauen. Dann sind die Entwickler vielleicht schon zum nächsten Projekt weitergereist und das Spiel ist außerhalb der Raids so anspruchslos geworden, dass man nach einem Abend Level 120 und fit für den Endgamecontent ist. Ich habe nichts dagegen Dinge komfortabler zu gestalten, aber ganze Questreihen zu entfernen nur damit die Leute schneller durch den “niederen” Content kommen – ist das wirklich Sinn der Sache? Ist nicht der Weg das Ziel und nicht umgekehrt?

Der Sinn ist mir natürlich klar: Neueinsteiger und Twinks sollen so schnell wie möglich zum neuen Content kommen. Sie sollen möglichst sofort mit ihren Freunden spielen können. Das bindet Kunden. Gerade so als würden sich die Entwickler für ihren alten Content schämen, wird er einfach übersprungen. Nicht alleine bewältigbar gemacht (wenn er es nicht sowieso schon war) – nein, einfach entfernt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn es zum Wohle der Hintergrundgeschichte passiert, wie im Falle von Onyxia und der Rückkehr des Königs habe ich zwar etwas Verständnis. Aber World of Warcraft besitzt und wendet bereits Technologie an um zwei Spielern verschiedene Welten vorzugaukeln. Es ist so möglich NPCs zu verlagern ohne ganze Questreihen für alle anderen Spieler, die sie noch nicht erledigt haben hinfällig zu machen. Aber nein, stattdessen wird der Content einfach gestrichen.

Da ist der King einfach back ohne dass Neulinge überhaupt mitbekommen, dass er weg war. Wer zu spät kommt, verpasst das Beste. Nicht einmal die interessante Botschafter-Questreihe wurde zu Ende geführt. Nein – einfach Server rebootet und plötzlich steht ein Arschloch vor dem Thron in Stormwind. Und ja, König Varian Wrynn ist ein totales Arschloch. Ich gebe zu, dass ich seine Hintergrundgeschichte nur in Bruchstücken kenne und er vielleicht Gründe für sein aktuelles Verhalten hat. Dennoch hilft mir sein Auftreten im Trailer zu World of Warcraft: Secrets of Ulduar nicht dabei meine Meinung über ihn zu ändern. Neben seinem Auftreten ist meine Abneigung aber wohl auch in einer Befürchtung begründet. Blizzard erweckt in mir immer mehr den Eindruck Varian zurückzugebracht zu haben um den Status Quo wieder herzustellen damit rechtzeitig zum Release von WarCraft IV wieder offiziell Horde und Allianz sich gegenseitig die Schädel einschlagen können.

Ich bin kein Fan von diesem Zwist. Andere grölen den ganzen Tag im offiziellen Forum vom Blut und Morde und wollen nicht einmal den unsicheren Frieden der derzeit zumindest offiziell herrscht. Aber für mich ist die Geschichte des WarCraft-Universum schon lange über den langweiligen Konflikt Allianz vs. Horde hinweg gestiegen. Ich habe vor vier Jahren nicht nur eine Druidin gewählt, weil sie damals noch eine Außenseiterklasse darstellte und Nachtelfen schön anzuschauen sind. Mir gefiel auch die Idee, dass es hier eine Vereinigung gibt, die über dem ganzen Kriegstreibermist steht und tatsächlich verstanden hat was Zusammenarbeit bedeutet. Leider ist dieses Konzept nur äußerst selten in die Köpfe der Spieler durchgerutscht. Die meiste Zeit spucken sich Taurendruiden und Nachtelfendruiden genauso gegenseitig an wie gemeine Krieger – auch auf einem Rollenspielserver – und der Hass der NPCs beider Seiten auf einander spiegelt nur wieder, was die Spieler sehen wollen. Gegenseitig die Köpfe einschlagen bringt am Ende des Tages eben doch mehr Kunden als ein Blümchenspiel. Selbst der aktuelle Kritikerliebling Flower auf der PS3 nicht…

Nun entschuldigt mich. Ich muss noch in Quake Live einigen Leuten eine Rakete per Expresszustellung vorbeibringen. Oder doch lieber in Star Wars Galaxies die Imperiumsau raushängen lassen und ein paar Rebellen aus dem Weltraum blasen? Entscheidungen, Entscheidungen…

(Anm. d. Red.: Nichts da! Du hast noch einen Artikel fertig zu tippen und der Nächste wartet auch schon. Deine Mordgelüste kannst du wieder ausleben wenn die Arbeit getan ist!)

Sicarius

Mount&Blade

Wahnsinnig viel getippt die letzten Tage und doch nichts dabei, dass ich euch schon zeigen darf. Aber bald! Es wird nicht mehr lange dauern bis das Geheimprojekt endlich seine Toren öffnet. Bis dahin wartet aber noch einiges an Arbeit und eine Woche Urlaub ist schon wieder rum. Kommen wir deshalb gleich zu den Hauptthemen des heutigen Eintrags:

“Nein, Print wird nicht aussterben.”

Dieses kurze Interview war ursprünglich ein fünf Minuten langer O-Ton Bericht fürs Radio und war meine Lösung zur 12. Einsendeaufgabe. Und dieser O-Ton Bericht wiederrum war ein stark komprimierter Auszug aus der 6. Folge des Podcasts mit Studiogast Jörg Langer. Optimale Ausschlachtung eines Topthemas quasi. Wer sich also bis heute die 35 Minuten nicht angehört hat, kann sich nun zumindest die allerwichtigsten Punkte verinnerlichen. Da ihr aber natürlich alle fleißige Stammhörer seid, ist das alles nichts Neues für euch. Deshalb gibt es jetzt noch den angekündigten Angespieltbericht bzw. eigentlich fast schon Test zum Geheimtipp:

Mount&BladeMount&Blade (ScreenshotsDemo) – Mount&Blade ist eine mittelalterliche Kampfsimulation mit Rollenspiel und Strategieelementen. Oder zumindest so ähnlich lässt es sich zusammenfassen. Zu Beginn des Spiels erstellt ihr erst einmal einen Charakter in gewohnter Rollenspielmanier. Vom Aussehen bis zur Punkteverteilung müsst ihr dabei alles selbst machen. Zwar gibt es einen kleinen Fragebogen, der eure ungefähre Ausrichtung festlegt, dennoch wollen am Ende in die fünf Charaktereattribute, die sechs Waffenfertigkeiten und die dutzenden Talente noch weitere investiert werden. Besonders die Wahl der Talente beeinflusst dabei merklich wie ihr später im Spiel agiert. Wer eine große Armee aufbauen möchte, muss in “Führung” investieren. Ohne genug Punkte, folgen euch nur eine Handvoll Soldaten. Viele Talente nutzen auch nur euch während andere der gesamten Armee zu gute kommen. Erschwert wird die Entscheidung durch die Charakterattribute. So ist das Talent “Überzeugungskraft” eng mit dem eigenen Charisma-Wert verbunden und kann nur bis zu einem Drittel dessen Höhe gesteigert werden. Diese Limitationen garantieren, dass der eigene Charakter nie zu einer Ein-Mann-Armee wird und zeigen wie ernst es Mount&Blade mit dem Realismusanspruch nimmt.

Es spielt sich selbst
Nach der Charaktererstellung landet ihr direkt in der Welt von Caldaria. Unterteilt in fünf Königreiche steht es euch von nun an offen was ihr tut. Ein wirkliches Spielziel oder gar einen roten Faden gibt es nicht. Euer Abenteuerausflug dauert so lange, bis ihr euch entscheidet in Ruhestand zu gehen. Erst dann erfolgt eine Beurteilung eures Lebensweges. So steht ihr zu Beginn auf einem Pferd irgendwo auf der riesigen, wenig detaillierten Weltkarte und seid umgeben von Dörfern, Schlössern und Städten. Noch läuft die Zeit nicht. Erst wenn von euch ein Befehl gegeben wurde oder ihr die Leertaste gedrückt haltet, erwacht die dynamische Welt zum Leben. Sie funktioniert vollkommen ohne euch. Armeen bewegen sich über die Karte, schlagen Schlachten und belagern feindliche Schlösser und Städte. Gleichzeitig liefern Karawanen ihre Güter aus und Farmer pendeln zwischen den Dörfern und Städten hin und her um ihr alltägliches Brot zu verdienen – immer in der Angst von den herumstreuenden Desarteuren, Banditen oder gar feindlichen Armeen angegriffen zu werden.

Grenzenlose Freiheit
Wenn ihr wollt, könnt sogar ihr derjenige sein, der Angst und Schrecken verbreitet und vor dem selbst die größten Armeen Reißaus nehmen. Die Mannskraft dafür heuert ihr in Dörfern an und trainiert diese durch erfolgreiche Schlachten oder geht in die unzähligen Tavernen und kauft gegen bares Geld bereits erfahrene Männer ein. Auch ihr verdient durch Kämpfe und erfüllte Quests Erfahrungspunkte, steigt im Rang auf und erhaltet weitere Punkte um sie in Attribute, Talente und Waffenfertigkeiten zu investieren. Wer es friedlicher mag oder das ganze Gold für sich behalten möchte, nimmt an Turnieren teil oder spielt Botenjunge für die Lords und Könige des Landes. Jede Person im Spiel lässt sich ansprechen und viele haben Quests aller Art für euch parat. Kämpfen ist aber in Mount&Blade kein Muss – aber dank des ausgereiften Kampf- und Diplomatiesystem doch eine der interessanteren Karrieremöglichkeiten.

Buttonmashing bringt nichts
Mount&Blade simuliert unzählige Waffenarten darunter einhändige und zweihändige Schwerter, Lanzen, Armbrüste und was im Mittelalter sonst noch angesagt war. Während die Fernkampfwaffen mit einer realistischen Flugbahn der Geschosse den Schwierigkeitsgrad in die Höhe treiben, kommen im Nahkampf noch weitere Faktoren hinzu. Die linke Maustaste drücken lässt den eigenen Charakter zwar zuschlagen, aber der richtige Moment entscheidet darüber ob es ein Treffer wird oder nicht. Hat der Gegner gerade das Schild erhoben, dringt nur ein dumpfes Holzgeräusch aus den Boxen. Auch die Werte der Waffe wie Reichweite und Schlaggeschwindigkeit spielen eine wichtige Rolle. Vom Kampf zu Pferde ganz zu schweigen. Die Höhe des Schlages, die Geschwindigkeit des Pferdes, die eigene Reitfertigkeit und viele weitere Faktoren sind von entscheidender Bedeutung. Wurde der Schlag zu früh ausgeführt oder ist nur einen Millimeter zu hoch angesetzt, läuft der Angriff ins Leere. Die gleiche Komplexität gilt für die Defensive. Schilder können zerschlagen werden und Angriffe müssen im richtigen Moment und von der richtigen Seite geblockt werden. Selbst ein Schild ist keine Garantie für den unbeschadeten Angriff auf einen Bogenschützen. Ist der Schild zu klein, sind die Füße immer noch verwundbar – und bei einem Glückstreffer steckt auch schon einmal ein Pfeil plötzlich im eigenen Kopf während man ohnmächtig zu Boden fällt.

Unsterblichkeit FTW!
Da ist es ganz hilfreich, dass Helden nicht sterben können. Sie legen sich nur sanft ins Gras und die Schlacht endet sofort. Sind noch eigene Einheiten übrig, werdet ihr schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen und fallt meist für den Rest des Gefechts aus. Dann müsst ihr entweder eure Armee alleine losschicken oder versuchen die Flucht zu ergreifen. Kämpft eure Armee alleine, dürft ihr jedoch keine Befehle erteilen, die die Kämpfe noch taktischer machen. Allerdings reagieren eure Mannen nur auf den freien Feldern auf eure Befehle. Greift ihr eine befestigte Stellung an oder müsst eine verteidigen, macht die KI was sie möchte. Zwar reicht dies meist trotzdem zum Sieg wenn die Kräfteverhältnisse einigermaßen gleich oder der Feind in der Unterzahl ist, aber ihr erfahrt dadurch sehr viele unnötige Verluste. Ist keiner mehr da um euch zu beschützen, werdet ihr Gefangen genommen und müsst bis zu eurer erfolgreichen Flucht aussetzen. Habt ihr die Schlacht hingegen gewonnen, dürft ihr befreite Gefangene in eure eigene Armee aufnehmen, selbst Gefangene nehmen um sie später zu verkaufen und natürlich unzählige Gegenstände vom Schlachtfeld einsammeln und damit euch und eure weiteren angeheuerten Helden in der Gruppe ausstatten.

Diplomatie der Punkte
Die anderen Helden sind Abenteurer wie ihr, die sich euch aus diversen Gründen anschließen wenn ihr es zulasst. Sie sind besonders wichtig, da ihr deren Skillpunkte auch selbstständig verteilen dürfen. Das erlaubt es sich selbst auf einige wenige Talente zu konzentrieren und für alle anderen Dinge die Helden herzunehmen. Es reicht einen Ingenieur in der Gruppe zu haben um Leitern und Belagerungstürme zu bauen – der eigene Held muss nicht alles machen. Man muss die Helden und auch seine Armee jedoch bei Laune halten und nicht alle Helden vertragen sich untereinander. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit und beschwert sich wenn ihm etwas nicht passt. Wird die Situation nicht besser, verlässt er schlimmstenfalls eure Gruppe und seine Talente sind für euch erst einmal verloren. Erst nach einiger Zeit erwarten sie euch wieder in einer der Tavernen und bitten darum wieder aufgenommen zu werden.

Genug der Lobpreisungen
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Von den Ländereien, die ihr euch selbst verdienen oder erobern könnt. Von den Auswirkungen euer gewonnen Schlachten auf den Respekt anderer euch gegenüber. Und insgesamt vom Einfluss eurer Tätigkeiten auf die Welt. Aber Mount&Blade wäre kein Geheimtipp, wenn es das ultimative Spiel wäre. Während die spielerische Seite sich durchaus sehen lassen kann, mangelt es besonders in technischer Hinsicht. Die Grafik ist größtenteils undetailliert und schlichtweg hässlich. Da hilft es auch nicht, dass es verschiedene Witterungsverhältnisse gibt und die 3D-Level abwechslungsreich gestaltet sind. Die Animationen der Charaktere lassen zusätzlich stark zu wünschen übrig und selbst auf den höchsten Realismuseinstellungen ist besonders in den Arenakämpfen die KI von unzähligen Aussetzern geplagt. Speziell beim Kampf zu Pferd wird auf die nächste Wand zugeritten und erst einmal eine Pause eingelegt. Außerdem ist der Titel sehr Text- und Menülastig. Einfach in eine Stadt hineinspazieren geht nicht. Im Falle von Schlössern gilt es erst einmal auf einem drögen Textbildschirm auszuwählen aus drei Optionen zu wählen. Dann landet ihr auf einem weitern Bildschirm und erst nach der dortigen Auswahl landet ihr in der 3D-Welt an. Zumindest gibt es dort dann Türen die direkt zu den einzelnen Bereichen wie Taverne oder Gefängnis führen. Auch die Händler stehen direkt in den sterilen, aber abwechslungsreichen Umgebungen bereit.

Fazit: Geheimtipp für Selbstmotivatoren
Ich habe in den letzten Tagen viel zu viele Stunden mit Mount&Blade verbracht und ärgere mich fast ein bisschen, dass ich es erst ein halbes Jahr nach seiner Erstveröffentlichung entdeckt habe. Die Möglichkeiten die das Spiel bietet sind zwar nicht unbegrenzt, aber man findet doch immer etwas zu tun. Besonders die anspruchsvollen Kämpfe führen schnell zum alten Suchtmuster “nur noch ein Turnier/Schlacht/Belagerung”. Auch die vollkommen dynamische Welt lässt mich die potthässliche Grafik, die Textlastigkeit und vor allem die vielen Schema F-Quests vergessen. Wer sich jedoch nicht selbst motivieren kann und immer ein Ziel braucht, der muss um dieses Spiel einen großen Bogen machen. Auch Einsteiger werden trotz dickem Handbuch und kurzem Tutorial schon während der Charaktergenerierung erschlagen. Dass im Spiel von den Schlachtfeldern bis hin zu den Dialogantworten fast alles zufallsgeneriert wird (nur die Dörfer und Befestigungen sind handgebaut), hilft freies Speichern nur bedingt. Nach dem Neuladen kann die Situation mitunter sogar noch schlechter aussehen.

Besonders Rollenspieler sollten jedoch zumindest die umfangreiche Demo (381 MB) ausprobieren. Diese gibt vollen und unbegrenzten Zugriff auf die Welt, lässt euch aber nur bis Level 7 aufsteigen und hört dann einfach auf. Wer gleich richtig loslegen will: Im Laden kostete die deutsche Version (allerdings Multilanguage) zum Verfassungszeitpunkt 27,90 Euro (OkaySoft). Wer auf die Verpackung und das gedruckte Handbuch verzichten kann, bekommt es derzeit für exakt 24,28 Euro direkt bei den Entwicklern. Einen Kopierschutz gibt es nicht. Ihr gebt einen CD-Key ein und die Sache ist erledigt. Keine DVD wird im Laufwerk benötigt und es findet keine Internetaktivierung statt.

Sicarius

Frohe Ostern!

Kessy Ostern 2009

Kessy

Die Osternachtsmesse ist rum – Zeit also dem üblichen Ritual Folge zu leisten:

Kessy und das gesamte Team von Bagdadsoftware wünscht allen Besuchern ein frohes Osterfest!

Disclaimer: Beim Anfertigen des Bildes kamen weder Hasen, Menschen noch Katzen zu Schaden! Nur eine gewisse Super Smash Bros.-Figur wurde ernsthaft misshandelt obwohl sie gar nichts mit dem Bild zu tun hatte.

« Vorherige Seite - Nächste Seite »