Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #53

Vor dem Einzug war das Arbeitszimmer noch ein Schlafzimmer.

Das dürften die zwei Überweisungen mit den höchsten Beträgen gewesen sein, die ich in meinem bisherigen Leben getätigt habe. Die Hinweismeldung “Empfänger stimmt nicht überein” jedes Mal machte es nicht weniger nervenaufreibend. Aber am Ende kam das Geld offensichtlich erfolgreich dort an, wo es hinsollte, denn am 8. Dezember landete die Löschungsbewilligung im Briefkasten. D.h. die Casa Lysanda ist offiziell abbezahlt. Wenn ihr mir vor zehn Jahren gesagt hättet, dass wir es schaffen am Ende der Sollzinsbindungsfrist die Hütte abzubezahlen, wäre ich davon nicht sonderlich überzeugt gewesen.

Selbst vor fünf Jahren rechnete ich noch damit, dass wir eine Anschlussfinanzierung brauchen würden. Doch vor allem dank meines Ersparten mussten wir diesen Weg nicht gehen. Wie viel vom Gehalt doch plötzlich übrig bleibt, wenn man nicht jeden Monat brandneue Videospielen kauft :wink: . Wobei es physikalische Editionen von PC-Spielen heutzutage eh nicht mehr in der Menge gibt wie damals.

Eine Abrechnung

Die beiden Hauskredite sind also abbezahlt. Zeit eine “kleine” Bilanz zu ziehen. Zumindest ich will das alles irgendwo gesammelt haben :smile: . Allerdings mit einer großen Einschränkung – über Geld darf man ja weiterhin nicht so wirklich öffentlich reden. Das lockt einfach die falschen hinterm Ofen hervor. Ja, wir wissen, dass wir in einer privilegierten Situation sind. Aber diese scheiß Missgunst führt schon immer nur dazu, dass sich alle verstecken statt ihr Wissen zu teilen, von dem dann wiederum jeder profitieren könnte. Entsprechend werdet ihr auch in diesem Eintrag keine genauen Beträge finden. Stattdessen rede ich nur von Prozenten. Und die Basis von allem ist mit 100% der Immobilienwert zum Kaufzeitpunkt im Oktober 2015. Da könnt ihr dann irgendeine Zahl eintragen, mit dem ihr am einfachsten rechnen könnt. Der reale Kaufpreis liegt irgendwo zwischen 100€ und 10.000.000€ – Inflationsbereinigt versteht sich.

Diese 100% sind auch der Betrag, den wir finanzierten. Nur die Kaufnebenkosten in Höhe von 13,64% haben wir aus Eigenkapital gedeckt. Die anfänglichen Renovierungen haben dann nochmal 6,25% (Handwerker) bzw. 1,73% (Material) verschlungen. Dazu Möbel, Lampen und Kram – alles in allem haben wir im ersten Jahr 22,97% ins Haus gesteckt. Ich hab‘ grad keine Lust nachzuschauen, wie hoch der Betrag mittlerweile ist :tongue: . Aber im letzten Jahrzehnt haben wir durchaus einiges an der Hütte gemacht. Dürfte also signifikant größer geworden sein. Ob der Hauswert im gleichen Maße gestiegen ist? Keine Ahnung und ist uns auch egal. Es geht schließlich um unseren Wohnkomfort und nicht darum die Casa Lysanda morgen gewinnmaximiert zu verkaufen. Wenn’s nach uns geht, bleiben wir mit unseren (jetzigen und zukünftigen) Katzen hier noch eine sehr lange Zeit sesshaft.

Die Darlehen

Das Arbeitszimmer heute

Unseren Hauskredit haben wir damals über den Makler vermittelt bekommen, der den Hausverkauf abgewickelt hat – will gar nicht wissen, was er dafür nochmal an Provision bekommen hat :smile: . Aber es war ein sehr gutes Angebot bei der Münchener Hypothekenbank und wir hatten wenig Aufwand damit. Banken machen es einem nämlich echt schwer an Geld zu kommen selbst, wenn wie in diesem Fall ein echter Wert als Pfand dranhängt…

Die Finanzierung war zweigeteilt:

Förderung

18,55% kamen von der KfW aus ihrem Wohneigentum-Förderprogramm. Das hat meist besonders günstige Zinsen, ist aber auch etwas restriktiver was die Tilgung angeht. In unserem Fall lag der Sollzinssatz bei 1,65% (effektiv – also mit Gebühren und Kram – 1,66%) und war auf eine Laufzeit von 20 Jahren gerechnet bei 10 Jahren Sollzinsbindung. Der Tilgungssatz lag bei 4,4%. Dieser ist auch unveränderlich über die gesamte Laufzeit.

Erschwerend kommt hinzu, dass die eigentliche Tilgung erst nach dem 1. Jahr startet. Vorher werden euch nur monatlich die Zinsen abgebucht. Der Gedanke dahinter ist an sich löblich. Schließlich ist die finanzielle Situation nach dem Hauskauf/-bau ja vermutlich erstmal stark angespannt. Wir hatten auch unsere Konten damals ziemlich leergeräumt dafür. Aber wenn man das Geld hat, dann ist es freilich ein wenig doof dadurch ein ganzes Jahr Tilgung zu verlieren. Eine Sondertilgung ist bei der KfW ebenfalls nicht möglich. Dafür ist aber halt der Zinssatz unschlagbar. Insofern lohnt es sich vermutlich trotzdem fast immer das mitzunehmen.

Insgesamt haben wir am Ende für den KfW-Kredit 13,3% des Betrags zusätzlich in Form von Zinsen geblecht.

Der Hauptkredit

Den Rest zur Hausfinanzierung steuerte die Münchener Hypothekenbank dazu. Wobei sie sich auch um den KfW-Kredit kümmerte. Also das war ein Paket. Bei der Hyp haben wir das Geld mit einem Sollzinssatz von 2,06% (effektiv 2,08%) bekommen. Die Berechnungsgrundlage war eine Laufzeit von 25,5 Jahren aber ebenfalls nur mit einer Sollzinsbindung von einem Jahrzehnt. Unser anfänglicher Tilgungssatz lag bei 3%, wir haben ihn aber 2021 auf die maximal möglichen 5% erhöht. Hätten wir vermutlich schon früher machen können in Bezug auf unser verfügbares Budget, kam uns aber irgendwie vorher nicht in den Sinn. Niedriger wäre jedoch nicht drin gewesen. Das Minimum waren besagte 3%.

In Bezug auf die Sondertilgungen konnten wir pro Jahr bis zu 5% des Darlehensbetrags einfach so auf das Kreditkonto überweisen (Mindestens mussten es 0,07% pro Überweisung sein). Das vorzeitige Überweisen hat den Vorteil, dass ihr dadurch über die Laufzeit hinweg weniger Zinsen bezahlt. Die Zinsen werden nämlich monatlich auf Basis des Restbetrags berechnet. Ein einfaches Beispiel: Schuldet ihr der Bank noch 100€ bei einem Zinssatz von 1%, dann macht das 1€. Tilgt ihr davon 5€, bleiben 95€ übrig. Somit sinkt auch der Zinsbetrag auf nur noch 0,95€. Insofern macht es eigentlich immer Sinn die Sondertilgungen zu nutzen, wenn man das Geld übrig hat und nicht grad eine fette Rendite an der Börse macht.

Die Anfänge des Fitnessbereichs anno 2019

Wir haben es tatsächlich immer geschafft eine Sondertilgung zu machen. Anfangs haben wir die Entscheidung am Ende des Jahres getroffen, ab 2021 direkt am 1. Banktag im Jahr, um eben möglichst viel Zinseszins-Effekt rauszuholen. 2019-2025 haben wir die vollen 5% überwiesen, 2016 waren es 2,28% und 2017/2018 nur jeweils 0,46%. Wir brauchten unser Budget vermutlich damals unter anderem für den katzensicheren Garten. Immer noch die allerbeste Investition, die wir in den letzten zehn Jahren gemacht haben. Insgesamt haben wir also 38,19% des Darlehens bei der Hyp über Sondertilgungen abbezahlt. Schon irgendwie krass.

Die Zinslast über die Zeit lag (was mich gerade selbst etwas überrascht) auf dem gleichen Niveau wie bei der KfW und zwar bei 13,4%. Selbstverständlich versteckt sich dahinter ein höherer Betrag, da die Kreditsumme signifikant höher ist. Aber, dass der Prozentsatz am Ende dennoch so nah beieinander liegt, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Muss wohl an den Sondertilgungen liegen.

Die Ablöse

Aber selbst mit den Sondertilgungen blieb jetzt am Ende der Sollzinsbindungsfrist noch ein größerer Betrag vom Hauptkredit übrig. Beim KfW sowieso. Die Bank hatte uns dahingehend bereits vor ein paar Monaten ein Angebot zur Anschlussfinanzierung mit überschaubaren 3,27% unterbreitet. Aber faktisch war schon letztes Jahr klar, dass wir wider irgendwelcher unvorhergesehenen Sachen (Auto macht schlapp und sowas) keinen weiteren Kredit brauchen würden. Stattdessen machten wir im Januar die letzte Sondertilgung und “horteten” den Rest auf unseren Tagesgeldkonten für den Tag X. Beim Hauptkredit war das der 30.10.25 – bis zu diesem Zeitpunkt musste die Kohle bei der Bank sein, sonst hätte es fette Verzugszinsen geregnet. Und bei der KfW jetzt am 30.11.2025, da ihr den ersten Monat “frei” habt. Noch so eine Sonderregelung, um euch das Leben etwas zu erleichtern.

Bei der KfW mussten wir noch eine Überweisung in Höhe von 56,52% tätigen für die vollständige Tilgung. Beim Hauptkredit hingegen nur noch 15,53%. Da machten sich besonders die Sondertilgungen, aber auch die Erhöhung des Tilgungssatzes richtig bemerkbar. Bei der KfW ist es wie geschrieben eher eine langfristige, sanfte Angelegenheit.

Um die Beträge zu stemmen, habe ich meinen alten Bausparvertrag (2008) bereits vorletztes Jahr Zuteilungsreif gemacht (um den Treuezins noch einzusacken) und einen meiner Fonds ziemlich rasiert. Entsprechend macht mich aktuell der Blick auf mein Bankkonto etwas traurig :wink: . Aber im Gegenzug freue ich mich selbstverständlich extrem darüber, dass die Casa Lysanda jetzt wirklich uns gehört und wir es sogar geschafft haben lange bevor wir in Rente gehen, also hoffentlich noch eine lange Zeit was davon haben. Insofern passt das schon. Mit dem Wegfall der monatlichen Raten und der Sondertilgungen wird der Betrag auf dem Konto ja auch relativ zügig wieder anwachsen – zumindest erstmal. Dazu gleich mehr.

Grundbucheintrag

Einen Betrag nenne ich jetzt doch noch: 95,20€. So viel mussten wir der Bank zusätzlich überweisen für die Ausstellung der Löschungsbewilligung. Das ist quasi die Bestätigung, dass der Kredit erfolgreich abbezahlt wurde und die Bank es euch erlaubt die dazugehörige Grundschuld aus dem Grundbuch auszutragen. Die Grundschuld ist die Sicherheit für die Bank, dass sie auch tatsächlich (Teil-)Anspruch auf das Haus erheben darf, wenn ihr in den Zahlungsverzug kommt. Mit Beendigung des Darlehensvertrags ist das aber logischerweise hinfällig. Und damit ihr die Grundschuld (auf eigene Kosten) löschen könnt, braucht es besagtes notarielles Dokument namens “Löschungsbewilligung”.

Der Flur anno 2017

Das bedeutet aber nicht, dass ihr gezwungen seid die Grundschuld sofort austragen zu lassen. Sie wird erstmal nur zu einer sogenannten Eigentümergrundschuld. Bei einem Verkauf des Hauses macht das Löschen logischerweise Sinn. Ihr würdet vermutlich sonst keinen Käufer finden. Aber wir wollen ja weiter drinbleiben. Entsprechend haben wir keinen Zwang das Geld für Notar und Gebühren zu investieren (bis zu 0,4% der Grundschuldsumme). Im Gegenteil hat eine bestehende Eigentümergrundschuld wohl sogar Vorteile, wenn ihr bspw. zur Modernisierung wieder ein Darlehen braucht. Möglicherweise bekommt ihr so hier und da bessere Konditionen. In jedem Fall spart ihr euch aber Kosten für eine erneute Grundschuldbestellung.

Wir lassen entsprechend die Eigentümergrundschuld im Grundbuch stehen. Die Löschungsbewilligung haben wir uns nur schon einmal geholt, damit wir sie für die Zukunft griffbereit haben. Es ist schließlich nicht absehbar, wie einfach es sein würde den Wisch in 10 oder 20 Jahren noch zu bekommen.

Epilog

Mit dem Ende des Darlehens und der dazugehörigen Tilgungszahlungen kann unser Bankkonto also wieder anwachsen. Aber Hauseigentümer wissen: Es hört nie auf mit dem Geld ausgeben. Für 2026 haben wir zwar derzeit nichts geplant. Aber die Liste der mittel- bis langfristigen ToDos enthält durchaus noch so einige größere Sachen. So ist unsere Gasheizung auch schon wieder fünf Jahre alt. Entsprechend müssen wir da auch langsam anfangen das Geld für den zukünftigen Ersatz zur Seite zu legen. Dann ist die Hütte auch weiterhin nicht gedämmt. Der Hauseingang gehört mal neu gemacht. Und das Dach dürfte ebenfalls immer noch das Original sein. Ist zwar aktuell noch gut im Schuss, aber irgendwann wird’s halt fällig sein. Von so “Kleinigkeiten” wie Regenrinne oder Kühlschrank ganz zu schweigen.

Also nein, wird immer noch nichts mit FIRE (Financial Independence, Retire Early). Müssen weiterhin malochen gehen, den Konsum ankurbeln und Handwerkerbetriebe unterstützen :smile: .

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