Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #31

Ein großes Loch zum Teil im öffentlichen Grund

War irgendwie ungünstig, dass der Tiefbau nicht wie ursprünglich geplant schon 2019 stattgefunden hat. Allein mit der Rechnung haben wir bereits den steuerlich absetzbaren Höchstbetrag für Handwerkerleistungen in diesem Jahr überschritten (derzeit 6.000€). Bitte? Ja, natürlich wollen auch wir Steuern sparen. Das ist nicht nur großen Unternehmen vorbehalten. Das können wir alle :smile: .

Tief- und Kanalbau

80% der Tiefbau- und Kanalverlegungsrechnung sind Lohn- und Fahrtkosten, die unter §35a EStG fallen. Das Material macht hier tatsächlich nur einen verschwindend geringen Anteil aus. Da der Tiefbauer Mischpositionen verwendet (Material plus Verwendung in einem), kann ich euch nicht genau sagen was das Material tatsächlich gekostet hat. Aber hier ein paar interessante Posten, die Material beinhalten:

  • 1m³ Mutterboden (78€)
  • 6m³ Mineralschotter (575€)
  • 5m³ Sand (100€ – Sand ist ganz schön billig…)
  • Ein Revisionsschacht DN400 (750€!)
  • 15m² Noppenfolie zum Abdichten gegen die Hauswand (215€)
  • 27m Rohr plus Bögen (ca. 125€ pro Meter)

Außerdem vergleichsweise viel Zeit gekostet haben

  • 3 Kernbohrungen (835€)
  • 31m² Pflaster aufgenommen und wieder verlegt (3200€)

Da kommt man schnell auf ein paar schöne Euros. Und dann fehlte im Angebot bekanntlich noch der Tiefbau im öffentlichen Grund. Entsprechend war es wenig überraschend, dass die tatsächliche Rechnung signifikant davon abweichen würde. Genauer gesagt ist sie 46% höher als veranschlagt. Allein die Gebühr für die Sperrung der Straße betrugen 820€. So wurde aus einem vierstelligen Betrag gleich mal ein fünfstelliger *uff*. Ja, man darf als Häuslebesitzer definitiv nicht zu knapp kalkulieren bei solchen Sachen, sonst hat man ein echt großes Problem.

Gasheizung

Ganz schön voll geworden, die Ecke.

Die zweite Rechnung, die bereits eingetrudelt ist, bot hingegen keine Überraschungen und ist identisch zum Angebot – obwohl ich eigentlich eine Erhöhung erwartet hätte. Die Heizungsbauer konnten nämlich ein bestehendes Ausdehnungsgefäß nicht wiederverwenden, weil es kaputt war und mussten es entsprechend ersetzen. Das hat das letzte Mal gut 500€ gekostet. Aber ich werde mich selbstverständlich nicht beschweren :wink: .

Bevor wir aber genauer zu dieser Rechnung kommen: Der Einbau und die Inbetriebnahme der Gasheizung verliefen größtenteils ziemlich glatt. Unser größtes Problem war, dass wir ab Donnerstagmorgen 8 Uhr bis Freitagnachmittag 15 Uhr keine Heizung hatten. Der erste notwendige Schritt war schließlich der Abbau der Ölheizung. Und genau an diesem Donnerstag musste natürlich nochmal kurz der Winter einkehren. Sprich es wurde saukalt und es war nicht einmal genug Sonne da, damit die Solarheizung etwas arbeiten konnte. Lysanda und ich schliefen in der Nacht unter drei Decken und die Katzen mussten im dann nur noch 14°C warmen Wohnzimmer ausharren. Da merkten wir mal wieder wie schlecht gedämmt diese Hütte ist. Absolut ungünstig aber wir haben es offensichtlich überlebt.

Kurzzeitpanik

Es gab dann nochmal einen kleinen Panikmoment als der Monteur von der e-Netz Südhessen den Zähler montierte und meinte „eigentlich darf ich den gar nicht setzen, denn die hausinterne Gasleitung ist nicht geerdet“. Kein Wunder: Die war ja auch gerade erst frisch von den Heizungsbauern errichtet worden. Entsprechend hätte ich erwartet, dass die die Erdung dran machen – zumindest hat mir niemand etwas anderes gesagt. Aber das scheint normalerweise tatsächlich ein Elektriker machen zu müssen? Völlig Banane. Naja, ich bin kurz in den Baumarkt und habe mir für fünf Euro eine entsprechende Erdungsschiene geholt (Erdungskabel war noch da). Die Heizungsbauer haben dann die 10cm zwischen den Erdungsleitungen der restlichen Heizungsrohre und Gasleitung verlegt. Ja, 10cm. Ich übertreibe absolut nicht. Dafür kommt doch kein Elektriker…

Bei der tatsächlichen Inbetriebnahme gab es dann noch zwei Kleinigkeiten. Zum einen ist die Software der Gasheizung scheinbar total doof. Die erwartet zwingend einen Außenfühler, obwohl sie der Solarheizung untergeordnet ist (die triggert die Gasheizung). Lösung? Den mitgelieferten Außenfühler angeschlossen und mit zur Elektrik in die Gasheizung gelegt. Sind halt jetzt konstant 32° draußen :smile: . Das andere Problem war, dass die Solarheizung falsche Temperaturen anzeigte und entsprechend kein Signal an die Gasheizung zur Zündung sendete. Der Grund war so einfach wie dämlich: Der Monteur hatte zwei Fühler vertauscht. Die Solarheizung dachte es wären 40°C draußen und der Gaskessel hätte 10°C. Da hatte sie logischerweise keinen Grund Feuer zu machen. Fühler getauscht und seitdem fließt nicht nur fleißig das Gas durch die Leitung – es ist auch wieder warm im Haus.

Verarsche überall

Die Gasheizung

Mit der Zählernummer in der Hand konnte ich mich dann damit beschäftigen einen Gaslieferanten zu suchen und einen Vertrag abzuschließen (zur Erinnerung: ihr habt drei Wochen Zeit dafür nach der Zählerinstallation). Dabei bin ich auf zwei tolle Dinge gestoßen. Das erste ist, dass der Gaszähler m³ anzeigt aber die Verträge auf kWh abgeschlossen werden. Die Umrechnung? „m³ * Brennwert * Zustandszahl“. Brennwert (Wärmeenergie im Gas) und Zustandszahl (Verhältnis Gasvolumen vom Normzustand zum Betriebszustand) bekommt man von seinem Grundversorger genannt.

Der zweite Punkt war, dass man irgendwie nur noch verarscht wird. Die ganzen Tarife mit Sonderboni, Erstkundenrabatt und dem ganzen Scheiß suggerieren einem immer, dass man ja total günstig unterwegs ist. Schaut man aber genauer hin, sind die durch die Bank teurer als ein 08/15-Standardtarif ohne Sonderkonditionen – selbst ohne Verwendung eines Vergleichsportals. Da muss man echt scharf aufpassen und man darf sich schon gar nicht auf das verlassen, was einem Check24, Verivox & Co. anpreisen. Ich habe mich am Ende für einen Tarif mit einem günstigen Arbeitspreis entschieden, weil ich aktuell unseren jährlichen Verbrauch noch nicht einschätzen kann (bin mit dem Google-Ergebnis von 32.000kWh bzw. 4.200m³ ins Rennen gegangen).

Die Rechnung

Kommen wir nun zur spannenden Frage: Was hat uns die Gasheizung gekostet? Nun, auf der Rechnung sind erneut nur Mischpositionen enthalten. Insofern kann ich euch nur sagen, dass Abbau des Ölbrenners und Aufbau der Gasheizung inkl. Material bei knapp 9.000€ lagen. Dazu kommt dann noch die Gasleitung vom Zähler bis zur Heizung, die mit rund 750€ zu Buche schlug. Zwei Tage waren dafür zwei Monteure beschäftigt. Anders als beim Tiefbauer waren es hier nur ca. 20% der Rechnung, die auf Lohn- und Fahrtkosten entfallen. So ein Gasbrenner ist eben nicht gerade billig.

Gekauft haben wir einen bodenstehenden Vitocrossal 300 19kW von Viessmann mit einer Vitotronic 200 Steuerungseinheit (ohne Zubehör wie z.B. dem Vitoconnect, der sie zu einem IoT-Gerät machen würde). Nicht ganz so breit wie der alte Ölbrenner aber mindestens doppelt so hoch – und hoffentlich gleichzeitig effizienter als das rund 20 Jahre alte Wolf-Gerät. Warum genau dieses Modell? Weil es ein bodenstehender Kessel werden sollte, wir ungefähr diese Leistung für’s Haus brauchen und der Heizungsbauer vornehmlich Viessmanngeräte verbaut. Ganz einfach :smile: .

Öltank

Ein halboffener Öltank

Keine zwei Tage, sondern nur gut fünf Stunden haben die drei Jungs der Firma Laudon gebraucht, um den Öltank in gut ein Dutzend 1,5m hohe Metallplatten zu zerlegen. Zuerst wurden 970l Öl zum Nachbarn transportiert, die restlichen 300l Schlamm und Dreck hingegen für 0,48€/l der Entsorgung zugeführt. Anders als erwartet haben sie parallel die zugemauerte Tür nicht mit der Flex aufgeschnitten, sondern mit einem Abbruchhammer einfach Stück für Stück aufgebrochen. Begründung: Weniger Dreck. Schlimmer war deshalb tatsächlich das Auseinanderschneiden des Stahltanks mit dem Gasschneider. Die dadurch erzeugten Rauchwolken zogen trotz riesigem Ventilator durch die Decke sogar bis hoch ins darüberliegende Bad. Und selbst eine Woche später stinkt es unten im Keller immer noch ein wenig. Aber gut: Hauptsache der Stahlkoloss ist weg.

Die Rechnung ist zwar noch nicht da aber bei Laudon habe ich bislang noch nicht erlebt, dass sie vom Angebot abweicht. Die haben ihre Pauschalpreise und ihre festen Stundensätze. Da kommt es entsprechend nur noch auf die Restmengen an. So kommt der eigentliche Abbau des 7.000l Stahltanks auf leete 1.337€, der Aufbruch des Mauerwerks schlägt mit 215€ zu Buche und dann kommen noch rund 300€ für Öltransfer zum Nachbarn und Schlammentsorgung dazu. Wieder nicht ganz billig aber frei nach einer gewissen Kreditkartenwerbung: 10m² mehr Platz – Unbezahlbar.

Vorschau

Ganz fertig ist unser Großprojekt aber immer noch nicht. Die nächsten Schritte finden diesen Mittwoch und Donnerstag statt. Da kommt der Heizungsbauer nochmal, um die Abwasserinnenverteilung neu zu gestalten und einen Heizkörper in den neuen Raum zu setzen (haben aktuell auf fünf Kellerräume nur einen Heizkörper). Gleichzeitig macht er einen hydraulischen Abgleich aller Heizkörper im Haus. Dazu werden sie ausgemessen und dann berechnet wie viel Durchfluss sie brauchen, um optimal zu laufen. Das wird dann mit einem Rädchen am Heizkörperventil eingestellt. Aktuell stehen alle Heizkörper auf „neutral“ und werden alle gleichberechtigt behandelt obwohl z.B. der Heizkörper im Wohnzimmer sicherlich mehr braucht als der im Bad. Ziel der Maßnahme ist logischerweise eine effizientere Verteilung des warmen Wassers und damit ein Energiespareffekt. Mal schauen ob das tatsächlich eintritt. Ich werde berichten :smile: .

Nächste Woche kommt dann noch der Schornsteinfeger, um die Feuerstättenschau durchzuführen und irgendwann der TÜV, um zu bestätigen, dass der Tank nicht mehr da ist. Letzterer hat allein schon vier Wochen Vorlauf, bis überhaupt der Termin feststeht (kommt altmodisch per Post!) wann ein Gutachter vorbeikommen kann. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich früher angerufen. Problem daran ist, dass wir in dem neu geschaffen Raum nur wenig machen dürfen bis besagter TÜV-Mitarbeiter da war. Speziell der Boden muss bis zur Abnahme so erhalten bleiben, wie ihn die Öltank-Firma hinterlassen hat. Warum der Aufwand? Weil wir uns in einem Wasserschutzgebiet befinden. Da gelten einfach höhere Auflagen.

Muss der Kickoff des Folgeprojekts, „Ausbau Öltankraum“, halt noch ein paar Tage länger warten. Da werden wir dann auch mal wieder den Großteil selbst machen. Ist zwar ganz nett Handwerkern zuzuschauen, geht aber doch ein wenig ins Geld auf die Dauer. Hatte ich schon erwähnt, dass es im Eigenheim irgendwie immer irgendetwas zu tun gibt? Echt schlimm :smile: .

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