Wer erklärt Katzen eigentlich, dass sie tot sind?
Es hat nicht sollen sein. Gestern Abend haben wir Balu gegen 20 Uhr bei seinem letzten Atemzug begleitet. Nach fast 14 Jahren auf dieser Erde und zehn Jahren in der Casa Lysanda. Vielleicht holt ihn ja seine alte Freundin Nica ab? Oder er spukt noch eine Weile im Haus und Garten rum. Wer weiß?
Wir werden Balu auf jeden Fall vermissen. Seine ruhige, charmante Art, mit der er immer alle um seinen Finger gewickelt hat. Sein nachmittägliches Liegen auf Sicarius’ Schreibtisch. Seine abendlichen Besuche auf seinem Schoß. Sein Schnuffeln unter den Achseln. Es war eine wirklich wunderbare Zeit mit ihm.
Die Erinnerungen an die vielen schönen Momente mit ihm werden für immer in unseren Herzen weiterleben. Für uns war es definitiv ein Glücksfall, dass er Lysanda damals bei Tiere in Not Odenwald e.V. (TINO) angesprochen hatte, auch wenn er sich dann mehr an Sicarius orientiert hat. Aber ja, er hat sich uns ausgesucht und wir haben ihn so gut wie möglich begleitet.
Aber jede Reise endet einmal und mit dem Abschied kommt auch die Trauer. Insbesondere, wenn es so eine schöne Reise war.
Lysanda & Sicarius
Was war passiert?
Es sah wirklich alles so gut aus. Balu machte täglich Fortschritte beim Wiedererlangen seiner Bewegungsfähigkeit. Selbst seine Physiotherapeutin war am Montag überrascht darüber, wie schnell es doch geht. Dienstags hob er auch den Kopf noch weiter höher, fraß gut und beteiligte sich, so weit es eben ging, am Geschehen. Leckerlis innerhalb seinen Radius einsammeln inklusive.
Auch gestern Abend schien noch alles ok zu sein. Er fraß noch mit Lysandas Hilfe einiges an Futter, als der Kopf plötzlich nach unten ging. Wir dachten erst, er wäre in seine “Ich-will-jetzt-kein-Futter-mehr”-Haltung gegangen. Aber dann bemerkten wir, dass nichts mehr weiter passierte. Er atmete und schnuffelte mit der Nase. Es waren aber keinerlei Reaktionen mehr vorhanden. Weder auf die Käsewurst noch auf das Leuchten mit der Taschenlampe in die Augen bekamen wir ein richtiges Signal.
Das Ende
Wir haben entsprechend den Notdienst kontaktiert und sind zur diensthabenden Tierärztin gefahren. Die Untersuchung dauerte nicht lange. Er zeigte zwar körperliche Reaktionen, aber mehr auch nicht. Wir hatten also die Wahl mit ihm nochmal eine Stunde in die neurologische Abteilung der Kleintierklinik in Gießen zu fahren – mit ungewissem Ausgang. Wobei sich der Notdienst nicht sicher war, ob er es körperlich bis in die Klinik schaffen würde. Oder ihn jetzt gehen zu lassen.
Wir entschieden uns für letzteres.
Was auch immer jetzt passiert war, es war schlimmer als beim letzten Mal und beeinträchtigte offensichtlich nun das Gehirn selbst. Und selbst wenn es sich wieder gebessert hätte, wäre doch die ständige Angst geblieben, dass es wieder passiert.
Wir sind wirklich froh, dass wir ihm nach seinem Klinikaufenthalt nochmal fast zwei schöne Wochen Zuhause schenken konnten. Zwei Wochen in denen er (den Umständen entsprechend) nochmal Balu sein konnte. Inklusive Schnurren und Leckerlis. Aber nachdem er langsam aber stetig Gewicht verloren hatte und Arthrose bekam, dann die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Verengung am 2. Halswirbel und jetzt ein kompletter Zusammenbruch, zeigte sein Körper eindeutig, dass er nicht mehr konnte. Und auch wenn wir nicht viel über seine ersten vier Lebensjahre im Schrebergarten wissen, so waren wir jetzt bis zum Schluss bei ihm. Er war zumindest satt und das Schlimmste am Einschläfern dürfte der Picks ins Bein gewesen sein. Insgesamt ist das Ganze sehr friedlich abgelaufen.


Mein aufrichtiges Beileid
in Gedanken bin ich bei euch
Run free, Balu!
Herzliches Beileid
Mein Beileid
Danke.
Er hat seinen Platz im Garten bekommen im Karton, in dem er zuletzt viel gelegen hat (und mit 50cm Überdeckung – wie es das Gesetz möchte). Allerdings nicht neben Nica. Nicht nur, weil von ihr (hoffentlich) nach bald 10 Jahren nichts mehr übrig ist. Auch, weil ich an die Stelle seit dem Sichern des Gartens gar nicht mehr anständig dran komme.