Anm. v. Sicarius: Lysanda hat die tote Katze letzte Woche länger beschäftigt. Sie hat deshalb für ihre Webseite diesen Eintrag zum Thema geschrieben, den ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. 

Der Verlust eines Tieres ist oftmals schon schlimm. Manchmal unfassbar schlimm. Egal ob Krankheit oder Unfall. Man kann vieles im Vorfeld vermeiden und absichern. Aber manchmal meint es das Schicksal anders – besonders mit Freigängerkatzen.

Laut TASSO sind 2017 ca. 53.600 Katzen und 33.700 Hunde verschwunden. Davon sind 38.600 Katzen und 31.700 Hunde gefunden worden. Heißt es fehlten 15.000 Katzen und 2.000 Hunde.

Aber was könnte mit diesen geschehen sein?

Zwei meiner bereits verstorbenen Tiere

Eine der wohl häufigsten Ursachen wird der Straßenverkehr sein, also ein Autounfall. Wenn ein Tier mit fünf Kilogramm gegen ein Fahrzeug von um die 1.400 Kilogramm antritt, dann ist die Chance des Überlebens eher gering.

Auch wir haben schon eine Katze an die Straße verloren: Nica – Balus beste Freundin. Danach haben wir unseren Garten gesichert und seitdem sammele ich selbst Katzen von der Straße. Wir haben dazu immer ein Handtuch, eine große Tasche und Einmalhandschuhe im Auto. Zum Glück, denn wir mussten bereits vier fremde Katzen einsammeln. Vier Katzen, deren Besitzer die Ungewissheit einer verschollenen Katze erspart bleiben könnte. Denn die Straßenmeisterei bringt die Katze zum Bauhof und nicht jeder Bauhof schaut, ob die Mieze gekennzeichnet ist. Geschweige denn macht Fotos und sucht in den sozialen Medien nach dem Besitzer. Stattdessen landet der Kadaver meist sofort in der dazugehörigen Mülltonne. Eine schmerzliche Vorstellung ich weiß, aber so ist nun einmal die tägliche Realität.

Nica wurde von einer netten Finderin zu einem Tierarzt gebracht. Da Nica gechipt und bei TASSO registriert war, wurden wir zügig informiert und sie war abends wieder zu Hause. Balu hätte sonst vergebens auf sie gewartet. Das hat er schonmal getan, als Nica sich in einem Keller in der Nachbarschaft einsperren ließ. Balu hat drei Tage draußen auf sie gewartet bis sie, nachdem wir die Nachbarschaft abgeklingelt und (TASSO-)Flyer eingeworfen hatten, mitten in der Nacht völlig verdreckt wieder auftauchte. Damals war Balu mit Nica allein bei uns. Als Nica starb hatten wir zum Glück bereits zwei weitere Katzen.

Der Abschied

Nica & Balu chillen am Haus

Damit auch die anderen Miezen sich von Nica verabschieden konnten, legten wir sie erstmal in einem Karton auf die Terrasse. Dann kamen die drei nach und nach heim. Die beiden jüngeren zuerst. Sie schnupperten an Nica und gingen anschließend ihrer Wege. Zum Schluss kam Balu. Er schnupperte nur aus der Entfernung an dem Karton und legte sich dann dahinter. Gerade so, als hätte er verstanden was Sache war. Er hielt Wache, bis wir sie vergraben hatten und hat sie danach nie gesucht.

Ohne das Nica gefunden, zum Tierarzt gebracht wurde, gekennzeichnet und registriert gewesen wäre, wäre sie wohl eins der oben erwähnten, verschollenen Tiere geworden. So hatten wir sofort Gewissheit – und hatten sie sogar zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal vermisst!

Die fremden Katzen

Kurz nach der Sache mit Nica, fand ich am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg zu einem Seminar eine tote Katze am anderen Ortsausgang. Da kein Verkehr war konnte ich die Katze in aller Ruhe fotografieren, einsammeln und zurück nach Hause zu Sicarius bringen. Ich kam zwar etwas zu spät zum Seminar, aber das war es mir Wert. Kurz das Bild noch bei Facebook in unserer regionalen „Vermisste Tiere“-Gruppe gepostet und bis Mittag war tatsächlich der Besitzer schon gefunden und das Tier abgeholt. Einfach, weil jemand die Mieze erkannte hatte.

Die nächste Katze war kohlrabenschwarz und lag an einer sehr stark befahrenen Ortsdurchfahrtsstraße auf unserem Arbeitsweg. Ich hatte sie zuerst für ein Stück Stoff gehalten. Aber lieber einmal zu viel geschaut als zu wenig. Diesmal musste der Verkehr aber erst abgesichert werden, nachdem wir von nahem schon sahen, dass es tatsächlich eine Katze war. Diese Katze war nicht gekennzeichnet und daher kaum zuzuordnen. Durch Zufall fand sich wieder über Facebook der Besitzer. Die Katze wurde am frühen Morgen rausgelassen und kam nicht zurück. Ich sammelte sie gegen 7:30 Uhr ein. Wäre sie gekennzeichnet gewesen, hätte der Besitzer früher Gewissheit gehabt.

Dann ein namenloses Kitten. Vermutlich wild geboren – falls nicht war eine Zuordnung unmöglich.

Der aktuelle Fall

Maya “im” Haus

Und jetzt an fast der gleichen Stelle wie unsere Nica wieder eine Katze. Die Fahrerin hat sie noch an die Seite gelegt, damit keine anderen Autos mehr drüberfahren und es in unserer örtlichen Gruppe gepostet. Daraufhin sind wir hingelaufen und haben sie zum Tierarzt gebracht. Leider wieder nicht gekennzeichnet. Tigerkatze mit weiß und das Gesicht sehr mitgenommen. Trotzdem hat sich die Besitzerin am Ende gefunden. Die Fahrerin hat sie noch bei mir abgeholt, da ich sie ansonsten hätte zeitnah zum Bauhof bringen müssen. Wäre sie gekennzeichnet und registriert gewesen hätten wir sie gleich wieder heimbringen können.

Es macht mich traurig. Ich kann für ein totes Tier nur noch das tun. Es einsammeln und versuchen seinen Besitzer zu finden. Diesem wenigstens die Gewissheit schenken, dass es nicht irgendwo eingesperrt und verzweifelt ist. Aber jedes, das ich oder jemand anderes nicht heim bringen kann ist ein ungewisses Schicksal für den Besitzer mehr. Ein Besitzer, der vielleicht daran jahrelang knabbert. 15.000 Katzen im Jahr heißt 15.000 verzweifelte Besitzer.

Unsere Katzen leben daher in einem Luxusknast. Es macht ihnen nichts aus. Die vier Freigänger haben das schnell weggesteckt und Maya ist eine Stubenhockerin. Gras ist eklig, aber die Haustüre ist trotzdem interessant und sie ist auch schon mal bis zum Auto durchgeschlupft. Daher ist Maya ebenfalls gechipt und registriert. Die im Freigang wäre eine „Katzastrophe“. Die hat nur Unsinn im Hirn und kennt keine Gefahren. Die wäre schneller unterm Auto (oder irgendwo runtergefallen) als wir guggen könnten.

Übrigens ist ein Tattoo zwar im Gegensatz zum Chip von außen sichtbar, aber häufig nach Jahren nicht mehr lesbar oder der Tierarzt existiert nicht mehr und daher weiß niemand wohin das Tier gehört. Da ein Halsband aber gefährlich ist (strangulieren am Zaun z.B.) ist das Tattoo durchaus eine Möglichkeit eine äußere Kennzeichnung anzubringen, um z.B. Diebe abzuhalten. Für eine eindeutige Identifizierung rate ich daher immer zum Setzen eines Chips (inklusive Registrierung bei TASSO). Der geht nicht so schnell verloren. Es wurden schon Katzen nach Jahren weit entfernt von ihrem Zuhause wiedergefunden, dank des Chips identifiziert und zurück nach Hause gebracht. Für die Besitzer eine Art Wunder.

Abschließende Worte

Eine Regenbodensteinplatte

Wie ihr seht, liegt mir das ganze Thema sehr am Herzen. Krankheit und Unfall sind schlimm. Aber die Ungewissheit nagt an einem. Was ist, wenn man umzieht und das Tier doch noch am alten Platz auftaucht?

Es bricht mir das Herz darüber nachzudenken, wie viel Menschen sich um ihr Tier sorgen in Ungewissheit. Oder auch die, die glauben nicht genug getan zu haben. Nicht früh genug beim Tierarzt gewesen zu sein. Zu früh dem Einschläfern zugestimmt zu haben. Nicht gut genug aufgepasst zu haben. Und so weiter und so fort.

Auch das Sterben gehört zum Leben dazu. Bei Mensch wie Tier und Pflanze.

Es ist keine Schande sich Hilfe zu holen.
Sprich mich gerne an oder schreib mir eine E-Mail an annika@neurolicht.de und wir sehen, ob ein Coaching bei mir dich entlasten kann.

Du hast dein Bestes gegeben auf der Grundlage deines Wissens und deiner Erfahrung.
Dein Tier hat dich bestimmt geliebt, liebt dich vielleicht immer noch von der anderen Seite aus und schaut sorgenvoll zu, wie du deine Schuldgefühle weiter mit dir rumträgst.

Du musst das aber nicht dein Leben lang tun. Lass uns Platz machen für die schönen Erinnerungen.

Viele Grüße

Lysanda L’eau

Lysanda L'eau

Home Office Studien

Für Forscher ist die Coronapandemie vermutlich das genialste, was jemals passieren konnte. So viele Bereiche des täglichen Lebens mit teils extremen Veränderungen, die sich nun vorzüglich anhand von Millionen Menschen beobachten lassen. Egal ob zwischenmenschliche Beziehungen, körperliche und geistige Gesundheit oder die Arbeitswelt: Gefühlt zu allem und jedem ploppen gerade Studien hoch von Soziologen, Psychologen und was es sonst noch so an *logen gibt. Wahrscheinlich gibt es sogar schon die erste “So hat sich unser Sexleben durch Corona verändert”-Studie.

Das Ergebnis dieser garantiert sehr spannenden Untersuchung konnte ich aber leider nicht finden. Stattdessen ist Lysanda auf zwei Studien gestoßen, die sich mit dem Thema Home Office beschäftigen: Auswirkungen der Corona-Pandemie aus Sicht von Führungskräften und Mitarbeitenden. Da wir ja beide selbst seit bald zwei Jahren im Home Office sitzen und sie sich in ihrem Nebengewerbe mit dem Thema “Arbeitsstress” beschäftigt, klang das ganz interessant.

Die Studien

Auftraggeber beider Studien war Hays, ein Personaldienstleister wie es heutzutage so schön heißt. Ihr Kerngeschäft ist aber schlicht die Personalvermittlung (Headhunting). Insofern ist es naheliegend Studien rund um die Arbeitswelt zu finanzieren. Durchgeführt hat die Studien hingegen das rheingold Institut. Die betreiben im Kern Marktforschung. Sie selber behaupten allerdings mehr zu bieten als nur genau das. Nachprüfen kann ich es nicht. Aber sie haben haufenweise Psychologen im Team, sind schon länger am Markt und zu Corona haben sie ebenfalls schon so einiges veröffentlicht.

Balu schaut ganz genau hin (könnte ja Leckerli geben).

In der ersten Untersuchung mit dem Titel Zwischen Vertrauen und Kontrolle – Auswirkungen der Corona-Pandemie aus Sicht der Führungskräfte geht es – wie der Name schon sagt – um die Chefs. 750 Stück wurden befragt aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Das Ergebnis ist – zumindest für mich – wenig überraschend. Ein Teil unserer lieben Manager kommt einfach nicht damit klar, dass sie ihre Mitarbeiter nicht mehr ständig auf Schritt und Tritt überwachen können. Für die Untergebenen dieser Art von Vorgesetzten sicherlich eine große Erleichterung. Auch in unserer Firma ging mal das Gerücht um, dass wir ja im Home Office angeblich nur die Eier schaukeln lassen würden und wir deshalb auf irgendeine Art und Weise bestraft gehören (=keine Erfassung von Überstunden mehr). Ist zum Glück nichts draus geworden, aber es ist ein fantastisches Beispiel dafür wie so mancher Manager drauf ist. Mitarbeiter nicht im Blick = die faule Sau macht nix! Die Realität sieht jedoch nicht nur in unserem Umfeld ganz anders aus: Die meisten Leute arbeiten im Home Office viel mehr als im Büro. Aber ich greife vor.

Deshalb hat mich das Studienergebnis mit meinen mittlerweile 20 Jahren Berufserfahrung nicht sonderlich überrascht: Der größte Teil der befragten Führungskräfte versucht auch über die Mitarbeiter im Home Office die volle Kontrolle zu behalten und beschäftigt sich entsprechend statt mit richtiger Führung lieber mit kleinteiligem Management und Überwachung. Immerhin scheint das so gut zu funktionieren, dass wiederum die meisten bereit sind nach Corona nicht zum gewohnten Alltag zurück zu kehren und stattdessen “mobiles Arbeiten” und “Digitalisierung” beibehalten wollen. Ab und zu muss man wohl mit einem Teilgewinn zufrieden sein.

Die Mitarbeiter

Die zweite Studie trägt den Titel Flexibilität braucht Sicherheit – Corona und die Folgen aus Sicht der Mitarbeitenden. 1.000 Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen wurden dazu gefragt und das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht: Die meisten sind zufrieden mit ihrer Führungskraft. Hatte ich nach dem Lesen der obigen Studie anders erwartet.

Unsere Chefin legt gerne mal ein Nickerchen ein.

Wenn man sich die Zahlen allerdings genauer anschaut, finde ich es persönlich gar nicht mehr so positiv wie die Autoren es hinstellen. Zum Beispiel haben nur 57% der Befragten “Ein starkes gegenseitiges Vertrauen zwischen der Führung und ihnen” erlebt. Das ist statistisch natürlich mehr als die Hälfte aber das würde bei uns in der Firma in einer Mitarbeiterumfrage definitiv nicht als positives Ergebnis gewertet werden. Zumal gleichzeitig 48% berichten, dass der Druck gestiegen ist und entweder zu wenig Führung (41%) oder zu viel Kontrolle (36%) vorhanden ist. Lustigerweise wünschen sich 93% das Vertrauen darauf, dass sie selbstständig ihre Arbeit erledigen, was im ersten Moment als Widerspruch zu “zu wenig Führung” erscheint. Aber es ist halt ein Unterschied ob ich weiß was ich zu tun habe und diese Arbeit einfach erledigen darf. Oder keinen Schimmer habe was ich hier eigentlich soll. Da bringt mir dann die ganze Freiheit auch nichts.

Immerhin sind tatsächlich die meisten mit Home Office zufrieden und sogar 64% behaupten von sich produktiver zu sein als vorher. Verwundert mich definitiv nicht. Sehe ich ja an uns. Wir haben zwar nur ca. 20 Minuten (einfach) ins Büro aber trotzdem ist es Zeit, die wir jetzt nicht investieren müssen. Plus natürlich noch die Vorbereitungen mit Tasche packen und so. Da sind wir schnell bei zwei Stunden pro Tag, die wir jetzt zusätzlich für die Arbeit haben. Gleichzeitig kommen wir später aus dem heimatlichen Büro raus. Zum einen, weil eben alle anderen länger machen und entsprechend die E-Mailflut nicht plötzlich nach 15 Uhr drastisch absackt. Zum anderen, weil es zu einfach ist sich festzusetzen. Man muss abends nicht mehr zwingend alles Private erledigen. Die Waschmaschine kann man auch zwischendurch mal anmachen, das Essen am Laptop zu sich nehmen und selbst aufs Klo geht es dank Bluetooth mit den Kollegen in der Telko. Okay, das haben manche auch im Büro gemacht. Aber ihr wisst was ich meine.

Das liebe Home Office

Birgit Langebartels, Diplom-Psychologin bei rheingold, hat dahingehend Ende November ein interessantes Interview mit dem Stern geführt. Ihre Erkenntnisse basieren vermutlich auf der Mitarbeiter-Studie, sind dort aber nicht beschrieben (oder ich hab‘ diesen Teil bisher nicht finden können). Sie spricht ganz klar von der “Home Office-Lüge” und meint die berühmte “Work-Life-Balance”, die wir erhofft hatten so endlich zu erreichen. Schließlich kann man ja jetzt alles parallel machen. Bisschen arbeiten, ne Runde Yoga, arbeiten, Wäsche aufhängen und dergleichen.

Jules ist für eine kleine Arbeitspause.

Stattdessen ist bei vielen das genaue Gegenteil eingetreten: Die Waage ist noch stärker in Richtung “Work” ausgeschlagen. Zum Beispiel, weil wir uns selbst den Druck machen. 20 Minuten lang die Wäsche aufhängen während der Arbeitszeit? Uuuh… da greift sofort das schlechte Gewissen und man hängt lieber noch eine Stunde Arbeit mehr dran, um das auszugleichen. Gleichzeitig fehlt dieser klare Schnitt zwischen “jetzt bin ich auf der Arbeit” und “jetzt bin ich in der Freizeit”. So doof Pendeln für das Gemüt und die Umwelt ist: Es gab einem die Gelegenheit sich auf die Arbeit vorzubereiten bzw. diese aus dem Kopf zu kriegen. Heute fällt man aus dem Bett an den Schreibtisch und legt sofort los. Und ja, ich nehme mich da definitiv nicht davon aus. Da passt ganz gut der Absatz aus Kapitel 9, den ich just in Agent in eigener Sache von John le Carré gelesen habe:

William hatte es sich, sagte er, zur Gewohnheit gemacht, am Freitag, ehe er vom Lager nach Hause fuhr, ein paar Stunden in der Kabine des Lasters zu schlafen, sich dann zu rasieren und eine Tasse Tee mit den Jungens zu trinken, so daß er ausgeruht daheim ankam und nicht nervös und mißgelaunt. Es war ein Trick, den er von den alten Hasen gelernt hatte, sagte er: Nicht direkt heimbrausen, das gibt nur Ärger.

Ein guter Rat von den alten Hasen, wie ich finde. Statt Arbeit und Freizeit auszubalancieren hat Home Office noch mehr dazu geführt, dass wir schlicht und einfach dauernd auf der Arbeit sind. Selbstausbeutung nennt Fr. Langebartels das und spricht von “Long Homid” (angelehnt an Long Covid) mit den entsprechenden Gefahren für Körper und Geist.

Die Home Office-Typen

Natürlich lässt sich das nicht pauschalisieren. Jeder Mensch ist anders und geht auch mit dem Home Office anders um. Unser Chef sagt beispielsweise, dass es ihm prinzipiell egal ist, wann wir arbeiten solange eine angemessene Menge an Arbeit erledigt wird. Sprich weder ist die Mail um 20 Uhr schlimm noch, dass man um 13 Uhr mal nicht im Dienst ist. Fr. Langebartels unterscheidet dahingehend vier Typen des Home Office-Nutzers:

  • Privatiers: Egal ob Arbeit oder Privates. Alle Bedürfnisse müssen erfüllt werden und das am besten sofort. Z.B. wird von anderen Familienmitgliedern die Arbeit nicht mehr gewürdigt. Man ist schließlich zu Hause und somit “verfügbar”. Ständig will also jemand was. Das Ergebnis? Er kommt zu nix.
  • Außendienstler: Er würde am liebsten 24 Stunden am Tag arbeiten und kennt keinen Feierabend. Wenn er es schafft sich mal vom PC zu lösen, denkt er eben über die Arbeit nach. Im Home Office braucht er das aber nicht, weil er jederzeit an den PC zurückkehren kann.
  • Durch-Lässige: Schaffen es tatsächlich halbwegs alles unter einem Hut zu bekommen. Sie verbinden Zuhause und Büro geschickt miteinander. Da kann auch schon mal das Kind durchs Arbeitszimmer laufen ohne, dass es stört.
  • Home-Offiziere: Der Klischee-Beamte. Bucht sich morgens ein, macht pünktlich Mittagspause und auf die Sekunde genau Feierabend. Quasi Arbeit und Freizeit strikt getrennt.

Home Office heißt bei uns: Belagert von Katzen

Lysanda und ich ordnen uns eher dem Typ “Durch-Lässig” zu. Ja, ich stürme zwar morgens an den Laptop aber nachmittags bin ich dann doch eher der, der dafür plädiert endlich mal Schicht im Schacht zu machen. Ich mache zwar meine Arbeit und stehe dahinter. Aber wenn der Laptop zugeklappt ist, ist er zugeklappt. Gleichzeitig haben wir kein Problem damit Untertags auch mal das ein oder andere Privates zu machen. Dann geh‘ ich halt mal zwischendurch eine Stunde Einkaufen. Für was habe ich schließlich sonst Gleitzeit, wenn ich sie nicht nutze? Da habe ich kein schlechtes Gewissen. Die Arbeit erledige ich ja trotzdem. Und die Katzen sind auch den ganzen Tag im Arbeitszimmer :smile: .

Um 20 Uhr lesen wir allerdings keine Mails mehr. Unseres Erachtens gibt es um die Uhrzeit nichts was dazu wichtig genug wäre und die Welt geht auch nicht unter, nur weil eine Antwort erst am nächsten Tag kommt. Außerdem werden wir um die Uhrzeit nicht mehr bezahlt. Und “freies” Arbeiten lässt sich schlicht nicht immer umsetzen. Viele von uns sind schließlich fremd gesteuert. Wenn um 13 Uhr eine Telefonkonferenz ist, dann ist sie um 13 Uhr. Die lässt sich nicht auf 20 Uhr verlegen (zum Glück!). Stattdessen gönnen viele sich nicht einmal mehr die Pausen unterm Tag, die sie sonst im Büro gemacht hätten. Wie oben geschrieben: Mittagessen am Schreibtisch, kein Plausch mit den Kollegen am berühmten Wasserspender und so weiter. Vermutlich sind sogar die Zigarettenpausen kürzer geworden. Man steht ja schließlich jetzt alleine da rum.

Vereinsamung

Alleine rumstehen ist auch ein guter Punkt: Auf der einen Seite ist man zwar mehr und länger auf der Arbeit aber die sozialen Kontakte fehlen trotzdem. Es ist einfach etwas ganz anderes, ob ich mit meinen Kollegen in einer Telefonkonferenz hocke oder eben mal 15 Minuten in der Kaffeeküche plausche. Die wenigsten werden einfach mal zum Quatschen anrufen. Selbst, wenn sie im Büro keine Hemmungen hätten mit der Kaffeetasse am Bürotisch zu stehen. Ich als eher introvertierter Mensch habe damit zwar kein Problem – ich bin schon vorher nicht in die Kaffeeküche gegangen. Aber es ist für die geistige Gesundheit vieler definitiv nicht dienlich, dass sie den ganzen Tag nur in ihrem Kämmerlein hocken. Wie sagt Fr. Langebartels im Interview? Manchmal brauche ich den Kollegen, der wieder zu laut telefoniert, und sei es nur, um mich über ihn aufzuregen. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Pichu lässt die Arbeit immer warten.

All das läuft aber am Ende des Tages immer und immer wieder auf das gleiche hinaus: Fehlende Selbstfürsorge. Ich brauche kein Ventil für meine negativen Emotionen. Ich muss “einfach nur” lernen damit umzugehen. Ich sollte das schlechte Gewissen darüber abwerfen, dass ich mir auch im Home Office mal fünf Minuten gönne etwas anderes/nichts zu tun während der Arbeitszeit oder mal früher Feierabend zu machen. Den Ausgleich schaffen und eben nicht 24 Stunden am Tag nur für meinen Arbeitgeber da zu sein. Das verstößt nicht nur gegen das Arbeitszeitgesetz, es ist auch schlicht und einfach nicht gut für die Gesundheit. Natürlich kann man auch Kompromisse suchen. Wie z.B. eine TelKo mit Handy und Headset zu machen und dabei eine Runde spazieren zu gehen (also ein “Geh-Spräch”) oder ein gemeinsames Mittagessen mit dem Team per Videokonferenz bei dem gezielt nicht über die Arbeit gesprochen wird.

Ich habe hier neben mir ein Schild hängen mit dem Satz Die Arbeit kann warten, dein Leben nicht!. Und auch, wenn es Tage gibt wo es mir schwerfällt: Ich versuche mich daran zu halten. Ist natürlich für den ein oder anderen einfacher gesagt als getan. Vor allem, wenn man einen Kontrollfreak als Vorgesetzten hat, der genau prüft ob man zwei oder drei Minuten auf der Toilette war. Aber selbst dann bringt es nichts sich für die Arbeit aufzuopfern. Früher oder später geht man daran nur zu Grunde. Also lieber die Konsequenzen früher ziehen und noch etwas vom Leben haben.

So viel reduzierter Käse – wer soll den alles essen?!

2021 war für mich ganz klar das Jahr des Käse. Wie ich im ersten Eintrag geschrieben hatte, bestand bisher meine Palette ausschließlich aus Edamer. Mittlerweile ist es einige Monate her, dass überhaupt ein Edamer mein Haus von Innen gesehen hat. Stattdessen habe ich so viele neue Variationen entdeckt – und dabei auch mehr über meinen eigenen Geschmack gelernt. Dass ich Pfeffer nicht ausstehen kann (und entsprechende Käsesorten meide) war mir bekannt. Aber meine starke Abneigung gegen “bitter”, “herb” und “muffig” habe ich glaube ich erst jetzt so richtig entdeckt. Mit stinkendem Käse habe ich im Gegensatz zu meinem Mann allerdings kein Problem. Selbst, wenn ich den Käse auf der Skala nur auf Fußkäseskala 1 einsortiere, rümpft der mitunter schon die Nase. Bei Fußkäseskala 3 fällt er beinahe tot um. Sehr empfindliches Kerlchen aber so isst er mir wenigstens den Käse nicht weg.

Womit ich hingegen ein Problem habe sind Käseverpackungen. Was da teilweise an Unmengen an Papier, Plastik und Kram um und zwischen dem Käse liegt, geht auf keine Kuhhaut. Am seltsamsten sind Aufkleber auf der Rinde. Was soll das bitte? Als würde man die noch erkennen, wenn der Käse mal geschnitten ist. Einen musste ich vor dem Verzehr erstmal abwaschen, da von der Rinde überall was rumklebte. Was ein absoluter Mist. Hat da eigentlich schon jemand drüber nachgedacht. Was heißt denn “Kunststoffüberzug”? Richtig, Plastik. Und wer isst die Rinde, nachdem ich sie weggeschnitten habe? Irgendwelche Tiere vielleicht, die das dann wieder in der Umwelt verteilen. Ergo: Mehr Mikroplastik. Aber genug gemeckert. Kommen wir nun zum nächsten Schwung an Käsesorten, die meinen Gaumen in den letzten Monaten streifen durften.

Allgemeine Erläuterungen

Die reduzierte Ware in der Käsetheke des tegut besteht meist aus einzeln verpackten Teilstücken. Insofern sind wir abhängig davon, was tegut auf den Kassenzettel schreibt – was mitunter nicht ganz so viel ist. Somit fehlen uns beispielsweise in den meisten Fällen die genauen Herstellernamen. Für mich unterscheide ich drei Käsearten: Schnittkäse, Hartkäse (der dann zu Reibekäse wird) und Weichkäse (Schmelzkäse zählen wir hier ebenfalls dazu). Die Fußkäseskala sagt hingegen aus wie stark der Käse aus meiner Sicht riecht (von Fußkäseskala 0 für “gar nicht” bis zu Fußkäseskala 3 “stinkt durch die Kühlschranktür bis zum anderen Ende der Stadt”). Meine Bewertungsskala geht von Super guter Käse (Super gut) bis Bäh-Käse(Bäh) und die Preise sind hingegen logischerweise zum einen die von tegut und zum anderen zum Zeitpunkt unseres Kaufes und ohne die Reduzierung. Kann sich in der Zwischenzeit geändert haben. Wo keine Preise stehen, haben wir sie schlicht vergessen aufzuschreiben. Die Reihenfolge ist hingegen die, in der ich den jeweiligen Käse probiert habe.

Bebris D’Argent

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Schafsmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Wie Brie aber viel cremiger und mit mehr Geschmack.

Bio Brennnesselkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Bewegt sich geschmacklich irgendwo zwischen Edamer und Gouda. Sieht aufgrund der Brennnesseln hübsch aus, man schmeckt sie aber überhaupt nicht.

President La Brique Ziegenkäse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 16,60€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Etwas herber im Geschmack als normaler Brie, dafür eine etwas weichere Konsistenz. Insgesamt okay aber nicht spektakulär.

Bio Steinsalzkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 2
Wertung: Naja-Käse

Trotz des Namens erscheint er mir nicht salziger als andere Käsesorten. Dafür schmeckt er irgendwie säuerlich muffig. Nicht so meins.

Bio Berg Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Irgendwie ziemlich bröselig und trocken. Ansonsten aber völlig okay – wie irgendwie alle Rebell-Käse.

Vacherousse d’Argental

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr weich, sehr cremig, sehr lecker. Hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Camembert aber so viel besser und cremiger.

Bio Rübli Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Aufgrund des enthaltenen Karottensaftkonzentrats eine schöne orangene Farbe. Schmeckt aber absolut nicht nach Karotte, sondern hat den üblichen leichten Käsegeschmack eines Rebell-Käse.

Bio Brie Tegut

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Gefühlt die Hälfte davon bleibt im Papier hängen, der Rest schmeckt einfach nur bitter. Und mit Bitter habe ich es einfach nicht.

Le Rustique

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Etwas muffiger im Geschmack als normaler Camembert aber immerhin schön cremig und weich. Insgesamt also okay.

Kathis Kürbisknacker

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 27,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Riecht wie er schmeckt: Nach so gut wie nichts. Kein gutes Zeichen für einen Käse. Immerhin sind die Kürbiskerne ganz nett sowohl was die Optik angeht als auch das Knacken beim Essen. Trotzdem: Bleibt beim nächsten Mal im Regal liegen.

Caprice des Dieux

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Im Inneren viel weicher als Camembert und hat entsprechend zumindest für mich eine angenehmere Konsistenz. Der Geschmack ist hingegen ziemlich ähnlich, leider ist er etwas muffig im Abgang.

Rambol Nuss

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Optisch definitiv eine coole Sache mit den Walnüssen. Geschmacklich? Merkt man die Nüsse so gut wie nicht. Stattdessen erscheint er eher wie Schmierkäse ohne die richtige Konsistenz dafür zu haben. Immerhin ist er angenehm zu kauen und die Walnüsse schön knackig. Und Action im Mund finde ich immer super.

Bio Taleggio

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 26,99€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Ach du heiliger Bimbam! Der schmeckt als wäre er in Alkohol getränkt, was er aber lt. Wikipedia nicht sein sollte. Würde ich nicht einmal zum Kochen verwenden, weil ich das absolut nicht mag. Außerdem ist er ziemlich feucht und klebrig. Erschwerend kam noch hinzu, dass zumindest bei meinem Einkauf überall Papier auf die Rinde geklebt war und auf der vierten Alufolie. Das war aufgrund der rötlichen Färbung des Käses nicht gut zu sehen und entsprechend schwer herunter zu bekommen. Das Ding kommt mir nicht mehr ins Haus.

Irischer Cheddar

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 12,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Für einen Schnittkäse hat er eine erfreulich cremige Konsistenz und ist im Geschmack leicht süßlich. Unterm Strich absolut okay.

Bio Landkorb Bockshornklee

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 16,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Schmeckt aufgrund des Bockshornklees leicht nussig (wobei ja alles entweder blumig, nussig oder nach Hühnchen schmeckt…). Ansonsten aber ein ganz normaler und angenehmer Schnittkäse ohne weitere Besonderheiten.

Bio Monsieur Jean Bernard Käse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Der Käse ist so cremig, dass er sich aus der Rinde drücken lässt. Geschmacklich aber ein typischer Camembert. Vielleicht etwas milder, aber das dürfte rein von der Tagesform abhängig sein.

Alta Badia

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es steht zwar Hartkäse drauf aber gefühlt ist er nicht härter als Schnittkäse. Hat insgesamt einen angenehmen Geschmack mit einer etwas bitteren Note.

Emmentaler

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Schmeckt sehr herb und ist nicht besonders salzig, aber mir insgesamt etwas zu trocken (Hartkäse halt). Brauche ich nicht noch einmal.

Pavé d’Affinois

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,30€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Eine Art Camembert in Würfelform. Leider absolut nicht mein Geschmack. Sehr herb und sehr bitter. Der bleibt selbst mit 75%-Aufkleber im Regal liegen.

Französischer Raclette

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 6,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Ich würde ihn als den “politisch korrekten” Käse bezeichnen. Solide aber total langweilig. Keine guten oder schlechten Merkmale, sondern einfach nur Käse.

Der Hüttenthaler

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,70€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Irgendwie bitter im Nachgeschmack und wir haben ja schon festgestellt, dass das nicht so mein Ding ist.

Kellergeist

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Ein herber Geschmack wie dieser ist für meinen Gaumen keine Wohltat. Kann man essen, muss man aber nicht.

Mai Gouda

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Maimilch
Preis pro kg: 7,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Super guter Käse

Ein richtig leckerer Käse ohne, dass ich es genauer beschreiben könnte wieso. Er hat einfach einen super angenehmen Geschmack.

Bio Bärlauch Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es sind nur 0,2% Bärlauch enthalten, was ihm einen leichten aber nicht unangenehmen Geschmack gibt. Ansonsten wieder ein normaler Rebell und von denen bin ich mittlerweile ein absoluter Fan muss ich sagen.

Rougette Landkäse

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Super guter Käse

Der beste Camembert, den ich bislang gegessen habe. Unglaublich lecker und cremig im Mund. Will mehr haben!!!!111

Ziegenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Ja, die Auszeichnung bei tegut war nicht wirklich hilfreich. Keine Ahnung von wem dieser Ziegenkäse ist. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht hunderte von Varianten. Insofern hilft euch mein Eindruck vermutlich nicht wirklich weiter. Aber der Vollständigkeit halber: Dieser Ziegenkäse hatte einen sehr milden Geschmack und eine feine, säuerliche Note. Kann man definitiv essen.

Berthaut Epoisses

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 31,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 3
Wertung: Bäh-Käse

Sieht aus wie ein ziemlich alter Camembert, der Geruch verstößt gegen die Genfer Konvention und geschmacklich ist er auch das aller Letzte. Hinzu kommt noch, dass er sehr viel Verpackung dabei hat. Vermutlich, um den Geruch im Laden zu unterdrücken. Er war in eine Holzbox gelegt, dann in eine Plastiktüte eingepackt, an der Schnittkante war ebenfalls nochmal Plastik und untendrunter nochmal etwas Papier/Plastik. Was für eine Umweltverschmutzung für so ein Stück ekligen Käse…

Bio Landana Möhrenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Hat aufgrund der Möhren eine leicht süßliche Note aber ansonsten ein 08/15-Schnittkäse. Nervig ist, dass er einen Kunststoffüberzug hat. Da musste ich extrem viel wegschneiden bis der blöde Plastikgeschmack endlich weg war.

Munster

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Die Verpackung redet von einem sehr intensiven Geschmack. Eine Versprechung, die aus meiner Sicht nicht eingehalten wird. Tatsächlich halte ich ihn für einen ziemlich durchschnittlichen Käse, der außen etwas klebrig ist. Lecker, aber keine erwähnenswerte oder gar außergewöhnliche Note.

Swizzrocker

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr bröslige Angelegenheit und der Geschmack eher durchschnittlich aus meiner Sicht. Ich würde es als “angenehmer als Parmesan” bezeichnen aber ansonsten weder was besonderes noch auffälliges an diesem Stück.

 

Und damit kennt ihr nun meine Meinung zu 30 weiteren Käsesorten. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Zum Verfassungszeitpunkt umfasst unsere Liste immer noch 25 bereits beschriebene Sorten – mit ungezählten Weiteren, die noch im Gefrierschrank darauf warten verzehrt zu werden. Aber von denen erzähle ich euch dann ein andermal.

Unsere Vierbeiner nutzen auch Videochat

Der heutige Eintrag wird vermutlich nur für einen kleinen Teil von euch (und Google) von Interesse sein. Aber Lysanda lag es am Herzen diese Informationen mal irgendwo verständlich festzuhalten, denn Facebook ist echt nicht zu gebrauchen in Sachen Transparenz (“Wie funktioniert das?”), Standards (“Wieso funktioniert das in der Smartphone-App aber nicht am Desktop?!”) und Beständigkeit (“Vorgestern funktionierte das noch so?!”). Speziell letzteres ist ein ständiger Nervfaktor. Jedes Tutorial, das man im Internet findet, ist im Prinzip schon am Tag der Veröffentlichung veraltet. Wir versuchen es heute trotzdem. Dementsprechend schon einmal der Disclaimer: Alles was hier steht ist Stand 8. November 2021.

Ich persönlich habe weiterhin keinen Facebook-Account auch, wenn Meta (was für ein bescheuerter Name) vermutlich trotzdem haufenweise Informationen über mich besitzt und auf irgendeinem Server lagert. Immer in der vagen Hoffnung, dass ich mich doch irgendwann mal anmelde. Aber, wenn man wie Lysanda Dienstleistungen online anbietet kommt man scheinbar nicht darum herum dort eine Präsenz zu haben und zu pflegen. Vom eigenen Profil über die Unternehmensseite bis hin zu spezialisierten Gruppen – der Aufwand ist enorm will man gesehen werden (und was verkaufen). Aber bei angeblich weltweit 2,91 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (32 Millionen davon in Deutschland) ist natürlich auch das Potential entsprechend groß.

Facebook-Live-Events

Eine Sache, die der Facebook-Algorithmus zum Verfassungszeitpunkt besonders liebt sind Live-Events. Wie der Name schon sagt: Egal ob am Smartphone oder Rechner, man drückt auf den roten Knopf und schon strahlt man sein Wohnzimmer hinaus in die weite Welt. An dieser Stelle allerdings gleich ein wichtiger Hinweis: Für Facebook-Live-Events gelten die gleichen rechtlichen Bedingungen gemäß Medienstaatsvertrag (MStV) wie, wenn ihr auf YouTube oder Twitch live senden würdet. Und damit ist nicht zwingend nur die sogenannte Rundfunklizenz gemeint.

Die greift erst, wenn ihr innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich mehr als 20.000 gleichzeitige Nutzer habt. Eine Marke, die wohl selbst die größten deutschen Streamer (noch) nicht erreichen. Es gibt da aber auch noch ein “oder” mit drin: “eine hohe Bedeutung für die individuelle und öffentliche Meinungsbildung”. In dem Fall braucht man selbst unter 20.000 Nutzern eine Rundfunklizenz. Aber selbst im zulassungsfreien Rundfunk gelten gewisse Regelungen u.a. in Bezug auf die Kennzeichnung/Länge von Werbung. Der entscheidende Faktor ob man als Rundfunk zählt ist vermutlich, ob das eigene Angebot “journalistisch-redaktionell” gestaltet ist. Das einzuschätzen finde ich etwas schwierig, da die Regelung aus meiner Sicht schwammig ist. Relativ eindeutig sind “Let’s Plays” (jemand spielt ein Spiel und kommentiert es live), die als Rundfunk zählen oder Katzen-Webcams, die wiederrum nicht als Rundfunk gelten. Ein guter Einstieg in das Thema ist diese Übersicht der Landesmedienanstalt NRW.

Solo-Streamen

Den Live-Button findet ihr im Grunde überall dort auf Facebook, wo ihr auch einen Beitrag erzeugen könnt. Alleine live zu gehen ist entsprechend einfach. Button gedrückt, festgelegt wo ihr live sein wollt (auf eurer Seite oder in irgendeiner Gruppe, in der ihr Mitglied seid) und schon kann es losgehen. Nachteil ist, dass ihr anders als beispielsweise bei einem spezialisierten Angebot wie Zoom so gut wie keine Einstellungsmöglichkeiten habt. Kamerawechsel z.B. sind während der Live-Übertragung nicht möglich. Und auch die Qualität des Streams lässt sich nur rudimentär regeln. Wenn ihr also etwas mehr Kontrolle wollt, kommt ihr um ein externes Programm wie OBS nicht herum. Da wir beispielsweise Logitech-Webcams nutzen, haben wir Logitech Capture installiert. Nimmt man das als Quelle in Facebook, kann man alles weitere (wie z.B. Kameraeinstellungen) im Programm regeln. Ihr könnt aber auch über Zoom in Facebook (oder YouTube) live gehen. Die Anleitung dazu findet ihr hier. Einzige Einschränkung: Das geht nur auf eurer Seite sowie in Gruppen, in denen ihr Administrator seid.

Der Vorteil “live” zu gehen ist, dass alle eure Freunde bzw. alle Mitglieder einer Gruppe direkt darüber informiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es jemand sieht, ist also höher als bei einem normalen Beitrag/einer Story. Außerdem habt ihr die Möglichkeit am Ende eine Aufzeichnung als Story oder Beitrag zu posten und so auch allen zugänglich zu machen, die nicht dabei sein konnten. Die Interaktion mit euren Zuschauern erfolgt in Form von Kommentaren unter dem Beitrag in dem das Live-Event angezeigt wird. Die Kommentare werden euch auch im “Live Producer” (so heißt das Ding auf Facebook) direkt dargestellt – was allerdings nicht immer zuverlässig funktioniert. Ein zweites Browser-Fenster oder ein Smartphone daneben können dabei Abhilfe schaffen. Die zeitliche Verzögerung bis die Inhalte eures Streams dem Zuschauer angezeigt werden ist irgendwo zwischen “fast zeitgleich” bis hin zu “Facebook hat heute einen schlechten Tag” und lässt sich meines Wissens nicht wirklich beeinflussen.

Gruppen-Events

Die Live Producer Ansicht mit den entscheidenden Feldern.

Wollt ihr in einer Gruppe arbeiten, bietet Facebook tatsächlich mehrere Möglichkeiten – je nachdem was ihr vorhabt. Wollt ihr beispielsweise einfach nur einen Videochat mit ein paar Leuten machen, dann stehen dafür die sogenannten “Messenger Rooms” zur Verfügung. Zu so einem Raum könnt ihr entweder eure Freunde einladen oder einen Link generieren. Jeder, der diesen Link hat kann dann reinkommen (je nach Einstellung mit oder ohne zusätzliche Genehmigung durch den Inhaber) – sogar, wenn er/sie kein Facebook nutzt. Mit einem “Messenger Room” kann man jedoch nicht auf einer Seite/in einer Gruppe öffentlich live gehen und es gibt keine Aufzeichnung. Ist also mehr was für den privaten Austausch/die geschlossene Gruppenarbeit.

Wollt ihr hingegen mit mehreren Personen live gehen, dann geht das wieder über den normalen “Live”-Button. Im Live Producer findet ihr dann die Auswahl “Personen einladen”. Drückt ihr auf die drauf, wird ein Messenger Room geöffnet. “Hä?” wird jetzt der ein oder andere verwundert fragen. “Ich dachte, man kann mit einem Raum nicht live gehen?”. Ja, da sind wir wieder bei dem Thema “Standards”… Facebook ist nicht sehr konsequent an vielen Stellen. Aber egal: Ihr landet also in einem Messenger Room und habt die bekannten Möglichkeiten sprich Personen direkt einzuladen oder einen Link zu verschicken.

Der Unterschied zwischen den beiden Räumen ist, dass ihr hier einen “Live gehen”-Button zur Verfügung habt und euch nun erstmal in einem Wartezimmer befindet. Dieses funktioniert ansonsten wie ein normaler Messenger Room. Ihr könnt also warten bis alle Personen da sind und dann gemeinsam in die Öffentlichkeit treten. Kommt jemand zu spät, ist das aber auch technisch kein Problem. Facebook lässt zu, dass nachträglich noch Leute mit in das Gruppen-Live hinzukommen (oder rausgehen). Abhängig von der Einstellung erst nach Bestätigung durch den Rauminhaber oder direkt. Eure Mitstreiter müssen übrigens nicht Mitglied in der Gruppe sein, in der ihr live gehen wollt. Es reicht, wenn der Rauminhaber die Erlaubnis hat dort etwas zu posten.

Zustimmung

“Bestätigung” ist ein gutes Stichwort: Bevor der “Live gehen”-Button aktiv wird, müssen erst alle Teilnehmer der Übertragung zustimmen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass damit auch die Zustimmung zu einer Aufzeichnung erteilt wurde. Um hier rechtlich sicher zu sein, solltet ihr das im Warteraum entsprechend absprechen und direkt nach dem Live gehen noch einmal deutlich sagen, dass alle der Aufzeichnung und Veröffentlichung an Ort X und Y zugestimmt haben bzw. die Gelegenheit geben diese Zustimmung durch Verlassen des Streams noch zurückzuziehen.

Facebook-Einwilligung

Wenn jemand später dazu kommt, dann müsst ihr das auch nochmal klar kommunizieren und ihm die Gelegenheit geben sofort wieder zu gehen. Aber Vorsicht: Die Person ist dann ggf. schon Teil der Aufzeichnung (z.B. weil ihr Video angeschaltet war). Lehnt sie also ab, dürft ihr die Aufzeichnung ohne vorheriges Rausschneiden des Abschnitts nicht veröffentlichen. Praktischerweise könnt ihr es direkt von Facebook herunterladen (die Qualität ist allerdings dürftig…). Da die Aufzeichnung aber automatisch veröffentlicht wird, könnt ihr den dazugehörigen Beitrag nur löschen (und verliert damit alle Kommentare) und dann das saubere Video neu posten. Stellt also am besten sicher, dass einfach alle rechtzeitig für euer Live da sind oder zumindest keiner nachkommt, der dann doch nicht mit Bild/Ton dabei sein möchte. Hier nochmal zum verdeutlichen:

  1. Die Teilnehmer über das Live-Event und die dazugehörige Aufzeichnung informieren
  2. Live erstellen
  3. Link teilen/Personen einladen (ggf. nochmal auf die Aufzeichnungseinwilligung hinweisen)
  4. Im Warteraum erneut das Thema Aufzeichnung ansprechen und die Zustimmung klären
  5. Live gehen
  6. Zu Beginn des Live-Events erwähnen, dass alle der Aufzeichnung zugestimmt haben

Beachtet außerdem: Die Einwilligungserklärung kann gemäß DSGVO jederzeit von jedem einzelnen zurückgezogen werden – mit der Konsequenz, dass ihr das Video löschen/den Teilnehmer anonymisieren müsst. Habt ihr allerdings einen Vertrag mit jemandem geschlossen und dort steht z.B., dass die Aufzeichnung drei Monate in der Gruppe zur Verfügung steht, dann kann er nicht innerhalb dieser drei Monate die Zustimmung zurückziehen – er hat den Vertrag ja unterschrieben und ihr benötigt seine Informationen (in dem Fall sein Part in der Aufzeichnung) zur Vertragserfüllung. Denkt aber daran, dass ihr nach den drei Monaten (= Erfüllung des Vertrages) verpflichtet seid die Aufzeichnung zu löschen. Es sei denn, es liegt von allen in der jeweiligen Aufzeichnung sicht- und hörbaren Teilnehmern eine Einwilligungserklärung vor, die über den Zeitraum hinaus geht. Die kann aber wieder jederzeit zurückgezogen werden – womit wir wieder am Anfang des Absatzes sind :smile: .

Epilog

Und damit ist erst einmal alles zum Thema “Facebook Live” gesagt, was Lysanda auf dem Herzen lag. Ich hoffe es hilft dem einen oder anderen weiter. Die Welt ist schon kompliziert genug, da muss sich nicht jeder alleine durchwuseln.

Der Zettel ist schnell ausgefüllt.

“Deutschland. Gründerland.” sagen die einen. Die anderen jammern, dass wir kein Silicon Valley hätten und kein Hort für Start-ups wären. Fakt ist: Allein 2020 wurden 660.863 Gewerbe neu angemeldet. Klingt erstmal nach viel bis man die zweite Statistik dazu holt: Im gleichen Zeitraum wurden 541.738 Gewerbe abgemeldet. Natürlich handelt es sich in den meisten Fällen nicht um die gleichen Unternehmen. Es zeigt aber schon, dass nur ein Bruchteil tatsächlich überlebt.

Nach den Erfahrungen, die Lysanda bislang gemacht hat (ist schon ein paar Jahre dabei), wenig verwunderlich. Der erste Schritt ist in Deutschland tatsächlich mega-einfach. Gewerbeantrag ausfüllen, zur Stadt/Gemeinde tingeln, etwas Geld dalassen (in ihrem Fall 33€) und schon steht das Unternehmen. Das Problem ist der Rattenschwanz dahinter. Der Begriff “Selbstständigkeit” bekommt da eine ganz neue Bedeutung, denn man muss sich entweder alles selbst zusammenreimen oder irgendwelche Berater für teuer Geld beauftragen – und selbst dann kann man sich nicht darauf verlassen, dass es rechtlich passt. Standardisierung? Äußerst beschränkt. Unterstützung von staatlichen Stellen? Kaum und wenn dann kostet das auch erstmal wieder Geld. Und nein, selbst die Kammern (z.B. IHK, HWK) sind für Kleinunternehmer keine wirkliche Hilfe, sondern nur ein weiterer Kostenfaktor in der Bilanz.

Ein Dschungel voller Tiger

Selbstverständlich ist die Erwartungshaltung nicht, dass mir einer eine Gelddruckmaschine hinstellt und ich gar nichts mehr tun muss (wäre ja zu einfach). Es ist aber echt frustrierend mit welchem Mist man sich herumschlägt statt sich auf das zu konzentrieren, um das es geht: Ein Produkt/Dienstleistung/etc. anbieten und verkaufen. Weil Gesetze schwurbelig verfasst sind. Weil einem das Finanzamt keine Fragen beantworten darf. Weil es im Verbraucherrecht wenig Standardisierung gibt. Warum “darf” sich beispielsweise jeder seine AGBs komplett selbst aus den Fingern saugen? Warum gibt es da nicht von staatlicher Seite aus zumindest ein rechtssicheres Muster? Ach ja: Weil ansonsten einfach das BGB gilt und das hat so seinen ganz eigenen Charme. Verstanden… Datenschutz, Widerrufsrecht und was weiß ich noch alles: Tausende von Arbeitsplätzen existieren nur, um sich für die Unternehmen damit zu beschäftigen. Es fehlt an echten Standards und gleichzeitig ist man irgendwie niemals rechtssicher. Was der eine Anwalt so sieht, klingt für den anderen komplett anders. Und was am Ende das Gericht macht? Weiß vermutlich nicht einmal der liebe Gott und kann sich jeden Tag ändern. Andererseits: Irgendwie muss sich die Abmahnindustrie ja auch finanzieren. Vom “Verbraucherschutz” will ich gar nicht erst anfangen (kommt weiter unten…).

Wieso verweist mich beispielsweise das Finanzamt, wenn es etwas von MIR will, bei einer Rückfrage an einen Steuerberater? Ihr habt mir doch einen Brief geschrieben und gefordert, dass ich das und das mache. Aber Fragen dazu beantworten um sicherzustellen, dass ich es richtig mache? Ne, bloß ned. „Schicken Sie es einfach ein und wir stimmen dann zu oder lehnen ab und sie können Widerspruch einreichen“. So kann man auch Bürokratie unnötig am Leben halten. Ja, dieses Telefonat hat mich echt aufgeregt. Lag vermutlich auch daran, dass der Beamte am Telefon gefühlt irgendwie so gar keinen Bock hatte sich grundsätzlich mit mir zu unterhalten. Warum ich telefoniert habe statt meine Frau? Als Ehemann hafte ich automatisch bei Lysandas Gewerbe mit also habe ich durchaus ein Interesse an ihrem Erfolg (und bin unabhängig davon natürlich grundsätzlich ein netter und unterstützender Partner :wink: ).

Ein Hort von Gesetzeslosen

Lysandas Kreativmarktstand

Je mehr man sich mit dem ganzen Kram beschäftigt, desto mehr fällt einem auf, dass es eigentlich alle falsch machen. Das fängt schon im Kleinen an. Besucht beispielsweise mal einen von diesen “Kreativ-” oder “Hobby”märkten. Mal abgesehen von den absoluten Schleuderpreisen, die da verlangt werden und die allerhöchstens die Materialkosten decken dürften (wenn überhaupt) von der Arbeitszeit und dem administrativen Aufwand gar nicht erst zu reden. Da hat vermutlich so gut wie niemand überhaupt ein Gewerbe angemeldet. Und nein, es gibt kein “Kleingewerbe”. Alle müssen sich an die gleichen Regeln halten. Es gibt nur den steuerlichen Unterschied in Bezug auf “Kleinunternehmer”.

Und dann haufenweise Markenrechtsverletzungen – zumindest gehe ich nicht davon aus, dass die nette alte Dame eine Lizenz von Disney gekauft hat für das Tischtuch mit Mickey Mouse drauf. Und wenn doch, dann dürfte der Verlust bei einem Verkaufspreis von 5€ ziemlich gigantisch sein. Oder fehlende/falsche Produktangaben. Bei Textilien ist sogar die Reihenfolge vorgegeben wie es auf dem mitunter ungewollten Etikett zu stehen hat! Ja, ihr könnt abgemahnt werden, wenn die Schurwolle 10% nicht vor der Schafswolle 9% steht… selbst, wenn die Prozentangaben richtig sind! Das ist der absolute Wahnsinn speziell beim sogenannten “Verbraucherschutz”. Der Kunde wird für absolut unfähig gehalten (okay, manchmal ist er das auch) und man muss ihm alles zehnmal vorkauen. Ob dem Kunden das überhaupt hilft und Spaß macht? Interessiert niemanden. Stichwort Cookie-Banner-Wahnsinn.

Online wird es noch viel schlimmer mit AGBs, Widerrufsbelehrung und Einwilligungserklärungen die alle an bestimmten Punkten des Verkaufsprozesses vorliegen und gewisse Inhalte haben müssen (natürlich oft keine standardisierten Vorgaben, sondern nur schwammige Andeutungen in den Gesetzen), andernfalls kann dir jemand an den Karren fahren. Bestenfalls der Kunde, der sich dann auf das BGB berufen kann (hat sehr, sehr großzügige Fristen). Worst Case irgendein Mitbewerber, der euch wegen eines Schreibfehlers eine Abmahnung vorbeischickt und euch so in den Ruin treibt. Oder eben der Verbraucherschutz, der am liebsten möchte, dass man beim Kunden auf dem Schoß sitzt und ihm wie beim Notar alles ganz genau vorliest. Will das wirklich jemand? Ja, natürlich möchte ich als Kunde vor miesen Praktiken geschützt werden und wissen was los ist bevor ich irgendjemandem mein Geld überweise. Aber irgendwo gehört der gesunde Menschenverstand doch mal eingeschaltet, wenn ich schon mit Formularen zugeschüttet werde, nur weil ich mich für eine Dienstleistung überhaupt interessiere. Andererseits: Während ich diese Zeilen schreibe fällt mir der “Nutri-Score” ein. Der wurde ja böse gesagt auch nur deshalb eingeführt, weil die Leute heutzutage nicht mehr in der der Lage sind die Packung rumzudrehen und die Inhaltsstoffe zu lesen und zu verstehen. Insofern hat der Verbraucherschutz wohl doch recht: Menschen sind dumm. Und nein, ich nehme mich davon selbstverständlich nicht aus – immerhin kann ich Inhaltsstoffe lesen jnd verstehen.

Die Sache mit dem Karton

Eine Ladung Versandmaterial

Jetzt habe ich mich aber glaube ich erstmal genug über den aus meiner Sicht unnötig hohen administrativen Aufwand aufgeregt. Der eigentliche Grund des heutigen Eintrags war eins von Lysandas jährlichen Ritualen: die Verpackungslizenz. Grundsätzlich eine coole Sache. Unternehmen, die Verpackungen in den Umlauf bringen tragen ihren Anteil an den Entsorgungskosten bei. Die Lizenzgebühren gehen angeblich direkt rein ins Duale System und sorgen u.a. dafür, dass Papier- und Plastiktonnen größtenteils noch “kostenlos” sind. In Anführungszeichen, weil die Verkäufer selbstverständlich die Lizenzkosten auf die Produkte aufschlagen. Verständlich. Insofern bezahlen wie so oft wir als Kunden am Ende für die Gebühren aber ohne die dazugehörige Transparenz.

Übrigens: Nicht der Hersteller des Kartons muss die Lizenz haben. Für den ist es ja noch keine Verpackung, sondern seine Ware. Und soweit ich §3 des Verpackungsgesetz verstehe ist auch der Versand unter Unternehmen nicht lizenzpflichtig, denn dort steht “[…]die nach Gebrauch typischerweise beim privaten Endverbraucher[…]”. Oder um es Neudeutsch auszudrücken: “Business to Customer” und nicht “Business to Business”. Wenig verwunderlich, da auch in vielen anderen Bereichen B2B etwas unkomplizierter ist. Der Verbraucherschutz ist eben nur genau das: Ein Schutz des Verbrauchers. Sonst würde es ja Unternehmens- und Verbraucherschutz heißen :smile: .

Erfreulich unkompliziert

Der Kauf einer Lizenz geht ganz einfach. Gibt in Deutschland derzeit 11 Anbieter wie z.B. Reclay, Veolia oder DSD (der grüne Punkte) dafür und alles läuft komplett online ab. Ihr gebt einfach an wie viel von welcher Art von Verpackung ihr im nächsten Jahr voraussichtlich versendet und bezahlt die Gebühr dafür. Der Anbieter ist dann dafür verantwortlich, dass sie dahin kommt wo sie hinsoll (abzüglich einer Provision versteht sich…). Anschließend erfolgt durch euch noch ein Eintrag ins bundesweite Register namens LUCID. Ja, wir sind in Deutschland noch nicht so modern, dass das automatisch mit dem Kauf der Lizenz passiert. Ein paar Anbieter bieten das allerdings als zusätzlichen Service an. Doch egal wer es macht: Jetzt seid ihr rechtssicher. Am Ende des Jahres muss dann noch im Register eine Endabrechnung vorgenommen werden. Sprich habt ihr so viel Material verschickt wie ihr erwartet habt oder nicht. Ist der Wert höher, müsst ihr logischerweise entsprechend nachzahlen.

Und ja, diese Lizenz muss wirklich jedes Unternehmen haben, die Sachen an Privatkunden verschickt. Und nein: Es ist nicht nur der Karton und sein Füllmaterial betroffen. So ist zwar eine Rechnung in einem Brief noch erlaubt aber ihr packt eine Broschüre dazu? Dann wird der Umschlag sofort lizenzpflichtig! Also unbedingt das nächste Mal dran denken, wenn man mal wieder ein bisschen Werbung mit reinstecken möchte. Ihr könnt euch ja mal einen Spaß draus machen und bei eurem Erhalt einer Werbesendung im Register nachschlagen. Das ist nämlich öffentlich einsehbar – allerdings ohne Mengenangaben. Also ihr seht nur, dass das Unternehmen eine Lizenz hat.

Der Rechner von Reclay

Ihr seid übrigens nicht vor dem Kauf einer Lizenz gefeit, wenn ihr Verpackungsmaterial wieder verwendet. Das ist so ein kleiner Widerspruch im System. Zwar gibt es die offizielle Stelle aber trotzdem kann keiner nachweisen, dass für den Karton tatsächlich bereits eine Lizenzgebühr entrichtet wurde. Wenn ihr also das alte Amazon-Paket nehmt in dem euer privater Toaster gekommen ist, um Ware an euren Kunden zu verschicken wird dafür trotzdem noch einmal eine Lizenz notwendig. Fördert nicht gerade den Recycling-Gedanken wie ich finde aber wie oben geschrieben: Am Ende des Tages bezahlen sowieso die Endkunden dafür und vermutlich ist auch dies ein Grund (=viele in der Kette bezahlen für den gleichen Karton), warum eine Lizenz vergleichsweise billig ist. Bei Reclay (ein guter Anbieter, wenn es um kleinere Mengen geht) bezahlt ihr beispielsweise 6€ Grundgebühr und dann pro kg Karton 45ct. Glas sogar nur 9ct. Da kann man schon einiges verschicken bevor es weh tut.

Zusammenfassung

Wenn ihr ein Gewerbe anmeldet müsst ihr euch also auch über das Thema Verpackungslizenz zwingend Gedanken machen – selbst, wenn ihr z.B. nur ein Coaching aufbaut und gar keine Waren/Gegenstände verkaufen wollt. Die Grenzen ab wann etwas zu einer Verpackung wird sind relativ niedrig. Wie oben geschrieben: Selbst die Broschüre bei der Rechnung macht aus dem Umschlag bereits eine Verpackung. Auch, wenn ihr ein Zertifikat per Post verschickt: Verpackungslizenz, da es als “Ware” angesehen wird. Oder ihr verkauft im Rahmen eures Zeichenkurses ein paar Stifte und schickt sie jemandem zu -> Lizenz. Wenn hingegen ein Kursteilnehmer etwas bei euch liegen lässt und ihr es ihm zuschickt, dann ist dafür keine Lizenz notwendig.

Immerhin ist es ziemlich einfach das Thema für relativ wenig Geld rechtssicher zu machen. Bei Reclay sogar je früher desto billiger (geben Rabatte bis 25%). Ist bei vielen anderen Themen rund ums Gewerbe leider nicht so. Und keine Angst, wenn ihr es mal vergessen solltet: Nachmelden geht bis zum 15. Mai des Folgejahres. Macht ihr es allerdings nicht kann es Strafen von bis zu 200.000€ hageln.

Ihr seht: Ein zwar relativ übersichtliches und grundsätzlich sinnvolles Thema aber im Grunde genommen wesentlich komplizierter aufgesetzt als es sein müsste. Warum z.B. nicht einfach über die Müllgebühren statt diesem ganzen Bürokratiekonstrukt. Am Ende bezahlen wie geschrieben sowie wir Kunden die Zeche – aktuell sogar mehr aufgrund des ganzen zusätzlichen administrativen Aufwands in der ganzen Lizenzkette.

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