So viel reduzierter Käse – wer soll den alles essen?!

2021 war für mich ganz klar das Jahr des Käse. Wie ich im ersten Eintrag geschrieben hatte, bestand bisher meine Palette ausschließlich aus Edamer. Mittlerweile ist es einige Monate her, dass überhaupt ein Edamer mein Haus von Innen gesehen hat. Stattdessen habe ich so viele neue Variationen entdeckt – und dabei auch mehr über meinen eigenen Geschmack gelernt. Dass ich Pfeffer nicht ausstehen kann (und entsprechende Käsesorten meide) war mir bekannt. Aber meine starke Abneigung gegen “bitter”, “herb” und “muffig” habe ich glaube ich erst jetzt so richtig entdeckt. Mit stinkendem Käse habe ich im Gegensatz zu meinem Mann allerdings kein Problem. Selbst, wenn ich den Käse auf der Skala nur auf Fußkäseskala 1 einsortiere, rümpft der mitunter schon die Nase. Bei Fußkäseskala 3 fällt er beinahe tot um. Sehr empfindliches Kerlchen aber so isst er mir wenigstens den Käse nicht weg.

Womit ich hingegen ein Problem habe sind Käseverpackungen. Was da teilweise an Unmengen an Papier, Plastik und Kram um und zwischen dem Käse liegt, geht auf keine Kuhhaut. Am seltsamsten sind Aufkleber auf der Rinde. Was soll das bitte? Als würde man die noch erkennen, wenn der Käse mal geschnitten ist. Einen musste ich vor dem Verzehr erstmal abwaschen, da von der Rinde überall was rumklebte. Was ein absoluter Mist. Hat da eigentlich schon jemand drüber nachgedacht. Was heißt denn “Kunststoffüberzug”? Richtig, Plastik. Und wer isst die Rinde, nachdem ich sie weggeschnitten habe? Irgendwelche Tiere vielleicht, die das dann wieder in der Umwelt verteilen. Ergo: Mehr Mikroplastik. Aber genug gemeckert. Kommen wir nun zum nächsten Schwung an Käsesorten, die meinen Gaumen in den letzten Monaten streifen durften.

Allgemeine Erläuterungen

Die reduzierte Ware in der Käsetheke des tegut besteht meist aus einzeln verpackten Teilstücken. Insofern sind wir abhängig davon, was tegut auf den Kassenzettel schreibt – was mitunter nicht ganz so viel ist. Somit fehlen uns beispielsweise in den meisten Fällen die genauen Herstellernamen. Für mich unterscheide ich drei Käsearten: Schnittkäse, Hartkäse (der dann zu Reibekäse wird) und Weichkäse (Schmelzkäse zählen wir hier ebenfalls dazu). Die Fußkäseskala sagt hingegen aus wie stark der Käse aus meiner Sicht riecht (von Fußkäseskala 0 für “gar nicht” bis zu Fußkäseskala 3 “stinkt durch die Kühlschranktür bis zum anderen Ende der Stadt”). Meine Bewertungsskala geht von Super guter Käse (Super gut) bis Bäh-Käse(Bäh) und die Preise sind hingegen logischerweise zum einen die von tegut und zum anderen zum Zeitpunkt unseres Kaufes und ohne die Reduzierung. Kann sich in der Zwischenzeit geändert haben. Wo keine Preise stehen, haben wir sie schlicht vergessen aufzuschreiben. Die Reihenfolge ist hingegen die, in der ich den jeweiligen Käse probiert habe.

Bebris D’Argent

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Schafsmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Wie Brie aber viel cremiger und mit mehr Geschmack.

Bio Brennnesselkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Bewegt sich geschmacklich irgendwo zwischen Edamer und Gouda. Sieht aufgrund der Brennnesseln hübsch aus, man schmeckt sie aber überhaupt nicht.

President La Brique Ziegenkäse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 16,60€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Etwas herber im Geschmack als normaler Brie, dafür eine etwas weichere Konsistenz. Insgesamt okay aber nicht spektakulär.

Bio Steinsalzkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 2
Wertung: Naja-Käse

Trotz des Namens erscheint er mir nicht salziger als andere Käsesorten. Dafür schmeckt er irgendwie säuerlich muffig. Nicht so meins.

Bio Berg Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Irgendwie ziemlich bröselig und trocken. Ansonsten aber völlig okay – wie irgendwie alle Rebell-Käse.

Vacherousse d’Argental

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr weich, sehr cremig, sehr lecker. Hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Camembert aber so viel besser und cremiger.

Bio Rübli Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Aufgrund des enthaltenen Karottensaftkonzentrats eine schöne orangene Farbe. Schmeckt aber absolut nicht nach Karotte, sondern hat den üblichen leichten Käsegeschmack eines Rebell-Käse.

Bio Brie Tegut

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Gefühlt die Hälfte davon bleibt im Papier hängen, der Rest schmeckt einfach nur bitter. Und mit Bitter habe ich es einfach nicht.

Le Rustique

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Etwas muffiger im Geschmack als normaler Camembert aber immerhin schön cremig und weich. Insgesamt also okay.

Kathis Kürbisknacker

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 27,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Riecht wie er schmeckt: Nach so gut wie nichts. Kein gutes Zeichen für einen Käse. Immerhin sind die Kürbiskerne ganz nett sowohl was die Optik angeht als auch das Knacken beim Essen. Trotzdem: Bleibt beim nächsten Mal im Regal liegen.

Caprice des Dieux

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Im Inneren viel weicher als Camembert und hat entsprechend zumindest für mich eine angenehmere Konsistenz. Der Geschmack ist hingegen ziemlich ähnlich, leider ist er etwas muffig im Abgang.

Rambol Nuss

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Optisch definitiv eine coole Sache mit den Walnüssen. Geschmacklich? Merkt man die Nüsse so gut wie nicht. Stattdessen erscheint er eher wie Schmierkäse ohne die richtige Konsistenz dafür zu haben. Immerhin ist er angenehm zu kauen und die Walnüsse schön knackig. Und Action im Mund finde ich immer super.

Bio Taleggio

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 26,99€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Ach du heiliger Bimbam! Der schmeckt als wäre er in Alkohol getränkt, was er aber lt. Wikipedia nicht sein sollte. Würde ich nicht einmal zum Kochen verwenden, weil ich das absolut nicht mag. Außerdem ist er ziemlich feucht und klebrig. Erschwerend kam noch hinzu, dass zumindest bei meinem Einkauf überall Papier auf die Rinde geklebt war und auf der vierten Alufolie. Das war aufgrund der rötlichen Färbung des Käses nicht gut zu sehen und entsprechend schwer herunter zu bekommen. Das Ding kommt mir nicht mehr ins Haus.

Irischer Cheddar

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 12,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Für einen Schnittkäse hat er eine erfreulich cremige Konsistenz und ist im Geschmack leicht süßlich. Unterm Strich absolut okay.

Bio Landkorb Bockshornklee

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 16,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Schmeckt aufgrund des Bockshornklees leicht nussig (wobei ja alles entweder blumig, nussig oder nach Hühnchen schmeckt…). Ansonsten aber ein ganz normaler und angenehmer Schnittkäse ohne weitere Besonderheiten.

Bio Monsieur Jean Bernard Käse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Der Käse ist so cremig, dass er sich aus der Rinde drücken lässt. Geschmacklich aber ein typischer Camembert. Vielleicht etwas milder, aber das dürfte rein von der Tagesform abhängig sein.

Alta Badia

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es steht zwar Hartkäse drauf aber gefühlt ist er nicht härter als Schnittkäse. Hat insgesamt einen angenehmen Geschmack mit einer etwas bitteren Note.

Emmentaler

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Schmeckt sehr herb und ist nicht besonders salzig, aber mir insgesamt etwas zu trocken (Hartkäse halt). Brauche ich nicht noch einmal.

Pavé d’Affinois

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,30€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Eine Art Camembert in Würfelform. Leider absolut nicht mein Geschmack. Sehr herb und sehr bitter. Der bleibt selbst mit 75%-Aufkleber im Regal liegen.

Französischer Raclette

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 6,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Ich würde ihn als den “politisch korrekten” Käse bezeichnen. Solide aber total langweilig. Keine guten oder schlechten Merkmale, sondern einfach nur Käse.

Der Hüttenthaler

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,70€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Irgendwie bitter im Nachgeschmack und wir haben ja schon festgestellt, dass das nicht so mein Ding ist.

Kellergeist

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Ein herber Geschmack wie dieser ist für meinen Gaumen keine Wohltat. Kann man essen, muss man aber nicht.

Mai Gouda

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Maimilch
Preis pro kg: 7,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Super guter Käse

Ein richtig leckerer Käse ohne, dass ich es genauer beschreiben könnte wieso. Er hat einfach einen super angenehmen Geschmack.

Bio Bärlauch Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es sind nur 0,2% Bärlauch enthalten, was ihm einen leichten aber nicht unangenehmen Geschmack gibt. Ansonsten wieder ein normaler Rebell und von denen bin ich mittlerweile ein absoluter Fan muss ich sagen.

Rougette Landkäse

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Super guter Käse

Der beste Camembert, den ich bislang gegessen habe. Unglaublich lecker und cremig im Mund. Will mehr haben!!!!111

Ziegenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Ja, die Auszeichnung bei tegut war nicht wirklich hilfreich. Keine Ahnung von wem dieser Ziegenkäse ist. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht hunderte von Varianten. Insofern hilft euch mein Eindruck vermutlich nicht wirklich weiter. Aber der Vollständigkeit halber: Dieser Ziegenkäse hatte einen sehr milden Geschmack und eine feine, säuerliche Note. Kann man definitiv essen.

Berthaut Epoisses

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 31,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 3
Wertung: Bäh-Käse

Sieht aus wie ein ziemlich alter Camembert, der Geruch verstößt gegen die Genfer Konvention und geschmacklich ist er auch das aller Letzte. Hinzu kommt noch, dass er sehr viel Verpackung dabei hat. Vermutlich, um den Geruch im Laden zu unterdrücken. Er war in eine Holzbox gelegt, dann in eine Plastiktüte eingepackt, an der Schnittkante war ebenfalls nochmal Plastik und untendrunter nochmal etwas Papier/Plastik. Was für eine Umweltverschmutzung für so ein Stück ekligen Käse…

Bio Landana Möhrenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Hat aufgrund der Möhren eine leicht süßliche Note aber ansonsten ein 08/15-Schnittkäse. Nervig ist, dass er einen Kunststoffüberzug hat. Da musste ich extrem viel wegschneiden bis der blöde Plastikgeschmack endlich weg war.

Munster

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Die Verpackung redet von einem sehr intensiven Geschmack. Eine Versprechung, die aus meiner Sicht nicht eingehalten wird. Tatsächlich halte ich ihn für einen ziemlich durchschnittlichen Käse, der außen etwas klebrig ist. Lecker, aber keine erwähnenswerte oder gar außergewöhnliche Note.

Swizzrocker

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr bröslige Angelegenheit und der Geschmack eher durchschnittlich aus meiner Sicht. Ich würde es als “angenehmer als Parmesan” bezeichnen aber ansonsten weder was besonderes noch auffälliges an diesem Stück.

 

Und damit kennt ihr nun meine Meinung zu 30 weiteren Käsesorten. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Zum Verfassungszeitpunkt umfasst unsere Liste immer noch 25 bereits beschriebene Sorten – mit ungezählten Weiteren, die noch im Gefrierschrank darauf warten verzehrt zu werden. Aber von denen erzähle ich euch dann ein andermal.

Unsere Vierbeiner nutzen auch Videochat

Der heutige Eintrag wird vermutlich nur für einen kleinen Teil von euch (und Google) von Interesse sein. Aber Lysanda lag es am Herzen diese Informationen mal irgendwo verständlich festzuhalten, denn Facebook ist echt nicht zu gebrauchen in Sachen Transparenz (“Wie funktioniert das?”), Standards (“Wieso funktioniert das in der Smartphone-App aber nicht am Desktop?!”) und Beständigkeit (“Vorgestern funktionierte das noch so?!”). Speziell letzteres ist ein ständiger Nervfaktor. Jedes Tutorial, das man im Internet findet, ist im Prinzip schon am Tag der Veröffentlichung veraltet. Wir versuchen es heute trotzdem. Dementsprechend schon einmal der Disclaimer: Alles was hier steht ist Stand 8. November 2021.

Ich persönlich habe weiterhin keinen Facebook-Account auch, wenn Meta (was für ein bescheuerter Name) vermutlich trotzdem haufenweise Informationen über mich besitzt und auf irgendeinem Server lagert. Immer in der vagen Hoffnung, dass ich mich doch irgendwann mal anmelde. Aber, wenn man wie Lysanda Dienstleistungen online anbietet kommt man scheinbar nicht darum herum dort eine Präsenz zu haben und zu pflegen. Vom eigenen Profil über die Unternehmensseite bis hin zu spezialisierten Gruppen – der Aufwand ist enorm will man gesehen werden (und was verkaufen). Aber bei angeblich weltweit 2,91 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (32 Millionen davon in Deutschland) ist natürlich auch das Potential entsprechend groß.

Facebook-Live-Events

Eine Sache, die der Facebook-Algorithmus zum Verfassungszeitpunkt besonders liebt sind Live-Events. Wie der Name schon sagt: Egal ob am Smartphone oder Rechner, man drückt auf den roten Knopf und schon strahlt man sein Wohnzimmer hinaus in die weite Welt. An dieser Stelle allerdings gleich ein wichtiger Hinweis: Für Facebook-Live-Events gelten die gleichen rechtlichen Bedingungen gemäß Medienstaatsvertrag (MStV) wie, wenn ihr auf YouTube oder Twitch live senden würdet. Und damit ist nicht zwingend nur die sogenannte Rundfunklizenz gemeint.

Die greift erst, wenn ihr innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich mehr als 20.000 gleichzeitige Nutzer habt. Eine Marke, die wohl selbst die größten deutschen Streamer (noch) nicht erreichen. Es gibt da aber auch noch ein “oder” mit drin: “eine hohe Bedeutung für die individuelle und öffentliche Meinungsbildung”. In dem Fall braucht man selbst unter 20.000 Nutzern eine Rundfunklizenz. Aber selbst im zulassungsfreien Rundfunk gelten gewisse Regelungen u.a. in Bezug auf die Kennzeichnung/Länge von Werbung. Der entscheidende Faktor ob man als Rundfunk zählt ist vermutlich, ob das eigene Angebot “journalistisch-redaktionell” gestaltet ist. Das einzuschätzen finde ich etwas schwierig, da die Regelung aus meiner Sicht schwammig ist. Relativ eindeutig sind “Let’s Plays” (jemand spielt ein Spiel und kommentiert es live), die als Rundfunk zählen oder Katzen-Webcams, die wiederrum nicht als Rundfunk gelten. Ein guter Einstieg in das Thema ist diese Übersicht der Landesmedienanstalt NRW.

Solo-Streamen

Den Live-Button findet ihr im Grunde überall dort auf Facebook, wo ihr auch einen Beitrag erzeugen könnt. Alleine live zu gehen ist entsprechend einfach. Button gedrückt, festgelegt wo ihr live sein wollt (auf eurer Seite oder in irgendeiner Gruppe, in der ihr Mitglied seid) und schon kann es losgehen. Nachteil ist, dass ihr anders als beispielsweise bei einem spezialisierten Angebot wie Zoom so gut wie keine Einstellungsmöglichkeiten habt. Kamerawechsel z.B. sind während der Live-Übertragung nicht möglich. Und auch die Qualität des Streams lässt sich nur rudimentär regeln. Wenn ihr also etwas mehr Kontrolle wollt, kommt ihr um ein externes Programm wie OBS nicht herum. Da wir beispielsweise Logitech-Webcams nutzen, haben wir Logitech Capture installiert. Nimmt man das als Quelle in Facebook, kann man alles weitere (wie z.B. Kameraeinstellungen) im Programm regeln. Ihr könnt aber auch über Zoom in Facebook (oder YouTube) live gehen. Die Anleitung dazu findet ihr hier. Einzige Einschränkung: Das geht nur auf eurer Seite sowie in Gruppen, in denen ihr Administrator seid.

Der Vorteil “live” zu gehen ist, dass alle eure Freunde bzw. alle Mitglieder einer Gruppe direkt darüber informiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es jemand sieht, ist also höher als bei einem normalen Beitrag/einer Story. Außerdem habt ihr die Möglichkeit am Ende eine Aufzeichnung als Story oder Beitrag zu posten und so auch allen zugänglich zu machen, die nicht dabei sein konnten. Die Interaktion mit euren Zuschauern erfolgt in Form von Kommentaren unter dem Beitrag in dem das Live-Event angezeigt wird. Die Kommentare werden euch auch im “Live Producer” (so heißt das Ding auf Facebook) direkt dargestellt – was allerdings nicht immer zuverlässig funktioniert. Ein zweites Browser-Fenster oder ein Smartphone daneben können dabei Abhilfe schaffen. Die zeitliche Verzögerung bis die Inhalte eures Streams dem Zuschauer angezeigt werden ist irgendwo zwischen “fast zeitgleich” bis hin zu “Facebook hat heute einen schlechten Tag” und lässt sich meines Wissens nicht wirklich beeinflussen.

Gruppen-Events

Die Live Producer Ansicht mit den entscheidenden Feldern.

Wollt ihr in einer Gruppe arbeiten, bietet Facebook tatsächlich mehrere Möglichkeiten – je nachdem was ihr vorhabt. Wollt ihr beispielsweise einfach nur einen Videochat mit ein paar Leuten machen, dann stehen dafür die sogenannten “Messenger Rooms” zur Verfügung. Zu so einem Raum könnt ihr entweder eure Freunde einladen oder einen Link generieren. Jeder, der diesen Link hat kann dann reinkommen (je nach Einstellung mit oder ohne zusätzliche Genehmigung durch den Inhaber) – sogar, wenn er/sie kein Facebook nutzt. Mit einem “Messenger Room” kann man jedoch nicht auf einer Seite/in einer Gruppe öffentlich live gehen und es gibt keine Aufzeichnung. Ist also mehr was für den privaten Austausch/die geschlossene Gruppenarbeit.

Wollt ihr hingegen mit mehreren Personen live gehen, dann geht das wieder über den normalen “Live”-Button. Im Live Producer findet ihr dann die Auswahl “Personen einladen”. Drückt ihr auf die drauf, wird ein Messenger Room geöffnet. “Hä?” wird jetzt der ein oder andere verwundert fragen. “Ich dachte, man kann mit einem Raum nicht live gehen?”. Ja, da sind wir wieder bei dem Thema “Standards”… Facebook ist nicht sehr konsequent an vielen Stellen. Aber egal: Ihr landet also in einem Messenger Room und habt die bekannten Möglichkeiten sprich Personen direkt einzuladen oder einen Link zu verschicken.

Der Unterschied zwischen den beiden Räumen ist, dass ihr hier einen “Live gehen”-Button zur Verfügung habt und euch nun erstmal in einem Wartezimmer befindet. Dieses funktioniert ansonsten wie ein normaler Messenger Room. Ihr könnt also warten bis alle Personen da sind und dann gemeinsam in die Öffentlichkeit treten. Kommt jemand zu spät, ist das aber auch technisch kein Problem. Facebook lässt zu, dass nachträglich noch Leute mit in das Gruppen-Live hinzukommen (oder rausgehen). Abhängig von der Einstellung erst nach Bestätigung durch den Rauminhaber oder direkt. Eure Mitstreiter müssen übrigens nicht Mitglied in der Gruppe sein, in der ihr live gehen wollt. Es reicht, wenn der Rauminhaber die Erlaubnis hat dort etwas zu posten.

Zustimmung

“Bestätigung” ist ein gutes Stichwort: Bevor der “Live gehen”-Button aktiv wird, müssen erst alle Teilnehmer der Übertragung zustimmen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass damit auch die Zustimmung zu einer Aufzeichnung erteilt wurde. Um hier rechtlich sicher zu sein, solltet ihr das im Warteraum entsprechend absprechen und direkt nach dem Live gehen noch einmal deutlich sagen, dass alle der Aufzeichnung und Veröffentlichung an Ort X und Y zugestimmt haben bzw. die Gelegenheit geben diese Zustimmung durch Verlassen des Streams noch zurückzuziehen.

Facebook-Einwilligung

Wenn jemand später dazu kommt, dann müsst ihr das auch nochmal klar kommunizieren und ihm die Gelegenheit geben sofort wieder zu gehen. Aber Vorsicht: Die Person ist dann ggf. schon Teil der Aufzeichnung (z.B. weil ihr Video angeschaltet war). Lehnt sie also ab, dürft ihr die Aufzeichnung ohne vorheriges Rausschneiden des Abschnitts nicht veröffentlichen. Praktischerweise könnt ihr es direkt von Facebook herunterladen (die Qualität ist allerdings dürftig…). Da die Aufzeichnung aber automatisch veröffentlicht wird, könnt ihr den dazugehörigen Beitrag nur löschen (und verliert damit alle Kommentare) und dann das saubere Video neu posten. Stellt also am besten sicher, dass einfach alle rechtzeitig für euer Live da sind oder zumindest keiner nachkommt, der dann doch nicht mit Bild/Ton dabei sein möchte. Hier nochmal zum verdeutlichen:

  1. Die Teilnehmer über das Live-Event und die dazugehörige Aufzeichnung informieren
  2. Live erstellen
  3. Link teilen/Personen einladen (ggf. nochmal auf die Aufzeichnungseinwilligung hinweisen)
  4. Im Warteraum erneut das Thema Aufzeichnung ansprechen und die Zustimmung klären
  5. Live gehen
  6. Zu Beginn des Live-Events erwähnen, dass alle der Aufzeichnung zugestimmt haben

Beachtet außerdem: Die Einwilligungserklärung kann gemäß DSGVO jederzeit von jedem einzelnen zurückgezogen werden – mit der Konsequenz, dass ihr das Video löschen/den Teilnehmer anonymisieren müsst. Habt ihr allerdings einen Vertrag mit jemandem geschlossen und dort steht z.B., dass die Aufzeichnung drei Monate in der Gruppe zur Verfügung steht, dann kann er nicht innerhalb dieser drei Monate die Zustimmung zurückziehen – er hat den Vertrag ja unterschrieben und ihr benötigt seine Informationen (in dem Fall sein Part in der Aufzeichnung) zur Vertragserfüllung. Denkt aber daran, dass ihr nach den drei Monaten (= Erfüllung des Vertrages) verpflichtet seid die Aufzeichnung zu löschen. Es sei denn, es liegt von allen in der jeweiligen Aufzeichnung sicht- und hörbaren Teilnehmern eine Einwilligungserklärung vor, die über den Zeitraum hinaus geht. Die kann aber wieder jederzeit zurückgezogen werden – womit wir wieder am Anfang des Absatzes sind :smile: .

Epilog

Und damit ist erst einmal alles zum Thema “Facebook Live” gesagt, was Lysanda auf dem Herzen lag. Ich hoffe es hilft dem einen oder anderen weiter. Die Welt ist schon kompliziert genug, da muss sich nicht jeder alleine durchwuseln.

Der Zettel ist schnell ausgefüllt.

“Deutschland. Gründerland.” sagen die einen. Die anderen jammern, dass wir kein Silicon Valley hätten und kein Hort für Start-ups wären. Fakt ist: Allein 2020 wurden 660.863 Gewerbe neu angemeldet. Klingt erstmal nach viel bis man die zweite Statistik dazu holt: Im gleichen Zeitraum wurden 541.738 Gewerbe abgemeldet. Natürlich handelt es sich in den meisten Fällen nicht um die gleichen Unternehmen. Es zeigt aber schon, dass nur ein Bruchteil tatsächlich überlebt.

Nach den Erfahrungen, die Lysanda bislang gemacht hat (ist schon ein paar Jahre dabei), wenig verwunderlich. Der erste Schritt ist in Deutschland tatsächlich mega-einfach. Gewerbeantrag ausfüllen, zur Stadt/Gemeinde tingeln, etwas Geld dalassen (in ihrem Fall 33€) und schon steht das Unternehmen. Das Problem ist der Rattenschwanz dahinter. Der Begriff “Selbstständigkeit” bekommt da eine ganz neue Bedeutung, denn man muss sich entweder alles selbst zusammenreimen oder irgendwelche Berater für teuer Geld beauftragen – und selbst dann kann man sich nicht darauf verlassen, dass es rechtlich passt. Standardisierung? Äußerst beschränkt. Unterstützung von staatlichen Stellen? Kaum und wenn dann kostet das auch erstmal wieder Geld. Und nein, selbst die Kammern (z.B. IHK, HWK) sind für Kleinunternehmer keine wirkliche Hilfe, sondern nur ein weiterer Kostenfaktor in der Bilanz.

Ein Dschungel voller Tiger

Selbstverständlich ist die Erwartungshaltung nicht, dass mir einer eine Gelddruckmaschine hinstellt und ich gar nichts mehr tun muss (wäre ja zu einfach). Es ist aber echt frustrierend mit welchem Mist man sich herumschlägt statt sich auf das zu konzentrieren, um das es geht: Ein Produkt/Dienstleistung/etc. anbieten und verkaufen. Weil Gesetze schwurbelig verfasst sind. Weil einem das Finanzamt keine Fragen beantworten darf. Weil es im Verbraucherrecht wenig Standardisierung gibt. Warum “darf” sich beispielsweise jeder seine AGBs komplett selbst aus den Fingern saugen? Warum gibt es da nicht von staatlicher Seite aus zumindest ein rechtssicheres Muster? Ach ja: Weil ansonsten einfach das BGB gilt und das hat so seinen ganz eigenen Charme. Verstanden… Datenschutz, Widerrufsrecht und was weiß ich noch alles: Tausende von Arbeitsplätzen existieren nur, um sich für die Unternehmen damit zu beschäftigen. Es fehlt an echten Standards und gleichzeitig ist man irgendwie niemals rechtssicher. Was der eine Anwalt so sieht, klingt für den anderen komplett anders. Und was am Ende das Gericht macht? Weiß vermutlich nicht einmal der liebe Gott und kann sich jeden Tag ändern. Andererseits: Irgendwie muss sich die Abmahnindustrie ja auch finanzieren. Vom “Verbraucherschutz” will ich gar nicht erst anfangen (kommt weiter unten…).

Wieso verweist mich beispielsweise das Finanzamt, wenn es etwas von MIR will, bei einer Rückfrage an einen Steuerberater? Ihr habt mir doch einen Brief geschrieben und gefordert, dass ich das und das mache. Aber Fragen dazu beantworten um sicherzustellen, dass ich es richtig mache? Ne, bloß ned. „Schicken Sie es einfach ein und wir stimmen dann zu oder lehnen ab und sie können Widerspruch einreichen“. So kann man auch Bürokratie unnötig am Leben halten. Ja, dieses Telefonat hat mich echt aufgeregt. Lag vermutlich auch daran, dass der Beamte am Telefon gefühlt irgendwie so gar keinen Bock hatte sich grundsätzlich mit mir zu unterhalten. Warum ich telefoniert habe statt meine Frau? Als Ehemann hafte ich automatisch bei Lysandas Gewerbe mit also habe ich durchaus ein Interesse an ihrem Erfolg (und bin unabhängig davon natürlich grundsätzlich ein netter und unterstützender Partner :wink: ).

Ein Hort von Gesetzeslosen

Lysandas Kreativmarktstand

Je mehr man sich mit dem ganzen Kram beschäftigt, desto mehr fällt einem auf, dass es eigentlich alle falsch machen. Das fängt schon im Kleinen an. Besucht beispielsweise mal einen von diesen “Kreativ-” oder “Hobby”märkten. Mal abgesehen von den absoluten Schleuderpreisen, die da verlangt werden und die allerhöchstens die Materialkosten decken dürften (wenn überhaupt) von der Arbeitszeit und dem administrativen Aufwand gar nicht erst zu reden. Da hat vermutlich so gut wie niemand überhaupt ein Gewerbe angemeldet. Und nein, es gibt kein “Kleingewerbe”. Alle müssen sich an die gleichen Regeln halten. Es gibt nur den steuerlichen Unterschied in Bezug auf “Kleinunternehmer”.

Und dann haufenweise Markenrechtsverletzungen – zumindest gehe ich nicht davon aus, dass die nette alte Dame eine Lizenz von Disney gekauft hat für das Tischtuch mit Mickey Mouse drauf. Und wenn doch, dann dürfte der Verlust bei einem Verkaufspreis von 5€ ziemlich gigantisch sein. Oder fehlende/falsche Produktangaben. Bei Textilien ist sogar die Reihenfolge vorgegeben wie es auf dem mitunter ungewollten Etikett zu stehen hat! Ja, ihr könnt abgemahnt werden, wenn die Schurwolle 10% nicht vor der Schafswolle 9% steht… selbst, wenn die Prozentangaben richtig sind! Das ist der absolute Wahnsinn speziell beim sogenannten “Verbraucherschutz”. Der Kunde wird für absolut unfähig gehalten (okay, manchmal ist er das auch) und man muss ihm alles zehnmal vorkauen. Ob dem Kunden das überhaupt hilft und Spaß macht? Interessiert niemanden. Stichwort Cookie-Banner-Wahnsinn.

Online wird es noch viel schlimmer mit AGBs, Widerrufsbelehrung und Einwilligungserklärungen die alle an bestimmten Punkten des Verkaufsprozesses vorliegen und gewisse Inhalte haben müssen (natürlich oft keine standardisierten Vorgaben, sondern nur schwammige Andeutungen in den Gesetzen), andernfalls kann dir jemand an den Karren fahren. Bestenfalls der Kunde, der sich dann auf das BGB berufen kann (hat sehr, sehr großzügige Fristen). Worst Case irgendein Mitbewerber, der euch wegen eines Schreibfehlers eine Abmahnung vorbeischickt und euch so in den Ruin treibt. Oder eben der Verbraucherschutz, der am liebsten möchte, dass man beim Kunden auf dem Schoß sitzt und ihm wie beim Notar alles ganz genau vorliest. Will das wirklich jemand? Ja, natürlich möchte ich als Kunde vor miesen Praktiken geschützt werden und wissen was los ist bevor ich irgendjemandem mein Geld überweise. Aber irgendwo gehört der gesunde Menschenverstand doch mal eingeschaltet, wenn ich schon mit Formularen zugeschüttet werde, nur weil ich mich für eine Dienstleistung überhaupt interessiere. Andererseits: Während ich diese Zeilen schreibe fällt mir der “Nutri-Score” ein. Der wurde ja böse gesagt auch nur deshalb eingeführt, weil die Leute heutzutage nicht mehr in der der Lage sind die Packung rumzudrehen und die Inhaltsstoffe zu lesen und zu verstehen. Insofern hat der Verbraucherschutz wohl doch recht: Menschen sind dumm. Und nein, ich nehme mich davon selbstverständlich nicht aus – immerhin kann ich Inhaltsstoffe lesen jnd verstehen.

Die Sache mit dem Karton

Eine Ladung Versandmaterial

Jetzt habe ich mich aber glaube ich erstmal genug über den aus meiner Sicht unnötig hohen administrativen Aufwand aufgeregt. Der eigentliche Grund des heutigen Eintrags war eins von Lysandas jährlichen Ritualen: die Verpackungslizenz. Grundsätzlich eine coole Sache. Unternehmen, die Verpackungen in den Umlauf bringen tragen ihren Anteil an den Entsorgungskosten bei. Die Lizenzgebühren gehen angeblich direkt rein ins Duale System und sorgen u.a. dafür, dass Papier- und Plastiktonnen größtenteils noch “kostenlos” sind. In Anführungszeichen, weil die Verkäufer selbstverständlich die Lizenzkosten auf die Produkte aufschlagen. Verständlich. Insofern bezahlen wie so oft wir als Kunden am Ende für die Gebühren aber ohne die dazugehörige Transparenz.

Übrigens: Nicht der Hersteller des Kartons muss die Lizenz haben. Für den ist es ja noch keine Verpackung, sondern seine Ware. Und soweit ich §3 des Verpackungsgesetz verstehe ist auch der Versand unter Unternehmen nicht lizenzpflichtig, denn dort steht “[…]die nach Gebrauch typischerweise beim privaten Endverbraucher[…]”. Oder um es Neudeutsch auszudrücken: “Business to Customer” und nicht “Business to Business”. Wenig verwunderlich, da auch in vielen anderen Bereichen B2B etwas unkomplizierter ist. Der Verbraucherschutz ist eben nur genau das: Ein Schutz des Verbrauchers. Sonst würde es ja Unternehmens- und Verbraucherschutz heißen :smile: .

Erfreulich unkompliziert

Der Kauf einer Lizenz geht ganz einfach. Gibt in Deutschland derzeit 11 Anbieter wie z.B. Reclay, Veolia oder DSD (der grüne Punkte) dafür und alles läuft komplett online ab. Ihr gebt einfach an wie viel von welcher Art von Verpackung ihr im nächsten Jahr voraussichtlich versendet und bezahlt die Gebühr dafür. Der Anbieter ist dann dafür verantwortlich, dass sie dahin kommt wo sie hinsoll (abzüglich einer Provision versteht sich…). Anschließend erfolgt durch euch noch ein Eintrag ins bundesweite Register namens LUCID. Ja, wir sind in Deutschland noch nicht so modern, dass das automatisch mit dem Kauf der Lizenz passiert. Ein paar Anbieter bieten das allerdings als zusätzlichen Service an. Doch egal wer es macht: Jetzt seid ihr rechtssicher. Am Ende des Jahres muss dann noch im Register eine Endabrechnung vorgenommen werden. Sprich habt ihr so viel Material verschickt wie ihr erwartet habt oder nicht. Ist der Wert höher, müsst ihr logischerweise entsprechend nachzahlen.

Und ja, diese Lizenz muss wirklich jedes Unternehmen haben, die Sachen an Privatkunden verschickt. Und nein: Es ist nicht nur der Karton und sein Füllmaterial betroffen. So ist zwar eine Rechnung in einem Brief noch erlaubt aber ihr packt eine Broschüre dazu? Dann wird der Umschlag sofort lizenzpflichtig! Also unbedingt das nächste Mal dran denken, wenn man mal wieder ein bisschen Werbung mit reinstecken möchte. Ihr könnt euch ja mal einen Spaß draus machen und bei eurem Erhalt einer Werbesendung im Register nachschlagen. Das ist nämlich öffentlich einsehbar – allerdings ohne Mengenangaben. Also ihr seht nur, dass das Unternehmen eine Lizenz hat.

Der Rechner von Reclay

Ihr seid übrigens nicht vor dem Kauf einer Lizenz gefeit, wenn ihr Verpackungsmaterial wieder verwendet. Das ist so ein kleiner Widerspruch im System. Zwar gibt es die offizielle Stelle aber trotzdem kann keiner nachweisen, dass für den Karton tatsächlich bereits eine Lizenzgebühr entrichtet wurde. Wenn ihr also das alte Amazon-Paket nehmt in dem euer privater Toaster gekommen ist, um Ware an euren Kunden zu verschicken wird dafür trotzdem noch einmal eine Lizenz notwendig. Fördert nicht gerade den Recycling-Gedanken wie ich finde aber wie oben geschrieben: Am Ende des Tages bezahlen sowieso die Endkunden dafür und vermutlich ist auch dies ein Grund (=viele in der Kette bezahlen für den gleichen Karton), warum eine Lizenz vergleichsweise billig ist. Bei Reclay (ein guter Anbieter, wenn es um kleinere Mengen geht) bezahlt ihr beispielsweise 6€ Grundgebühr und dann pro kg Karton 45ct. Glas sogar nur 9ct. Da kann man schon einiges verschicken bevor es weh tut.

Zusammenfassung

Wenn ihr ein Gewerbe anmeldet müsst ihr euch also auch über das Thema Verpackungslizenz zwingend Gedanken machen – selbst, wenn ihr z.B. nur ein Coaching aufbaut und gar keine Waren/Gegenstände verkaufen wollt. Die Grenzen ab wann etwas zu einer Verpackung wird sind relativ niedrig. Wie oben geschrieben: Selbst die Broschüre bei der Rechnung macht aus dem Umschlag bereits eine Verpackung. Auch, wenn ihr ein Zertifikat per Post verschickt: Verpackungslizenz, da es als “Ware” angesehen wird. Oder ihr verkauft im Rahmen eures Zeichenkurses ein paar Stifte und schickt sie jemandem zu -> Lizenz. Wenn hingegen ein Kursteilnehmer etwas bei euch liegen lässt und ihr es ihm zuschickt, dann ist dafür keine Lizenz notwendig.

Immerhin ist es ziemlich einfach das Thema für relativ wenig Geld rechtssicher zu machen. Bei Reclay sogar je früher desto billiger (geben Rabatte bis 25%). Ist bei vielen anderen Themen rund ums Gewerbe leider nicht so. Und keine Angst, wenn ihr es mal vergessen solltet: Nachmelden geht bis zum 15. Mai des Folgejahres. Macht ihr es allerdings nicht kann es Strafen von bis zu 200.000€ hageln.

Ihr seht: Ein zwar relativ übersichtliches und grundsätzlich sinnvolles Thema aber im Grunde genommen wesentlich komplizierter aufgesetzt als es sein müsste. Warum z.B. nicht einfach über die Müllgebühren statt diesem ganzen Bürokratiekonstrukt. Am Ende bezahlen wie geschrieben sowie wir Kunden die Zeche – aktuell sogar mehr aufgrund des ganzen zusätzlichen administrativen Aufwands in der ganzen Lizenzkette.

So viel reduzierter Käse – wer soll das alles essen?!

Wallace & Gromit-Fans wissen: Der Mond besteht aus Käse. Viele verschiedene Arten von Käse sogar. Und ein Roboter benutzt die Käseberge als Skipiste doch das ist ein anderes Thema. Aber nicht nur auf dem Mond gibt es haufenweise Käsesorten, sondern auch hier auf der Erde. Für jeden noch so ungewöhnlichen Geschmack ist etwas dabei und diese Geschmäcker sind wie immer was das Essen angeht extrem individuell. So kannte ich früher nur drei Käsesorten: Gouda, Butterkäse und Brie. Aber die waren alle nicht so meins. Erst als ich Edamer entdeckte, fand ich meinen ersten Lieblingskäse, der mich über viele Jahre als einziger begleiten sollte. Christoph hingegen? Nun, Käse war für ihn lange ein komplettes “Iiihhh bääh”-Thema (wie so vieles, was das Thema Essen angeht). Ich habe ihn immerhin mittlerweile davon überzeugt, dass es tatsächlich von Vorteil sein kann in bestimmten Situationen mal einen “Anfängerkäse” wie Edamer mit in die Pfanne oder den Backofen zu packen. Bei Käsespätzle z.B. oder Lasagne. Seine Palette darüber hinaus erweitert hat er aber seitdem (noch) nicht.

Seit wir jedoch damit angefangen haben im Supermarkt tegut einzukaufen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die stark reduzierte Ware (weil nah am Mindesthaltbarkeitsdatum/Verbrauchsdatum) legen, greife zumindest ich immer häufiger in die Käsetheke nach den Produkten auf denen die -30%-, -50%- oder sogar -75%-Hinweise kleben. Nicht alle davon entpuppen sich logischerweise als ein Hit. Aber dank dieser Schnäppchen konnte ich mein Käseportfolio definitiv stark erweitern. Sogar den einen oder anderen neuen Lieblingskäse fand ich. Da es aber wie erwähnt zig Käsearten gibt, wurde es so langsam aber sicher schwierig den Überblick zu behalten. Und was macht man, wenn man den Überblick verliert? Man fängt eine Tabelle an. Diese umfasst mittlerweile 33 Einträge und natürlich obwohl oder gerade, weil die Geschmäcker verschieden sind, möchte ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen. Den Anfang macht der heutige Eintrag.

Allgemeine Erläuterungen

Die reduzierte Ware in der Käsetheke des tegut besteht meist aus einzeln verpackten Teilstücken. Insofern sind wir abhängig davon, was tegut auf den Kassenzettel schreibt – was mitunter nicht ganz so viel ist. Somit fehlen uns beispielsweise in den meisten Fällen die genauen Herstellernamen. Die untenstehende Auflistung ist hingegen rein auf Zeit basierend. Sprich der erste Käse ist der, den ich zuerst probiert hatte als wir angefangen haben mitzuschreiben. Für mich unterscheide ich drei Käsearten: Schnittkäse, Hartkäse (der dann zu Reibekäse wird) und Weichkäse (Schmelzkäse zählen wir hier ebenfalls dazu). Die Fußkäseskala sagt hingegen aus wie stark der Käse aus meiner Sicht riecht (von Fußkäseskala 0 für “gar nicht” bis zu Fußkäseskala 3 “stinkt durch die Kühlschranktür bis zum anderen Ende der Stadt”). Meine Bewertungsskala geht von Super guter Käse (Super gut) bis Bäh-Käse(Bäh) und die Preise sind hingegen logischerweise zum einen die von tegut und zum anderen zum Zeitpunkt unseres Kaufes und ohne die Reduzierung. Kann sich in der Zwischenzeit geändert haben.

tegut Bio Heubursche Blüten & Kräuter

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch mit Gewürzblütenmischung
Preis pro kg: 18,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter KäseSchmeckt ähnlich wie Gouda und hat Streifen mit verschiedenen Arten von Kräutern in der Mitte. Diese gehen nicht im Käsegeschmack unter, sondern geben ihm tatsächlich eine spürbar “frische” Note.
Bio Manchego

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Menchega-Schafsmilch
Preis pro kg: 31,47€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-KäseEin ganz milder Hartkäse, der minimal salzig schmeckt. Abseits davon kein wirklich wahrnehmbarer Eigengeschmack aber für einen Käse ohne Geschmack ist er einfach zu teuer.
Bio Fitness Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 2
Wertung: Guter KäseHat einen starken Eigenschmack und schmeckt etwas muffig. Es gibt bessere Käse aber er ist soweit okay.
Bio Landana Ziegenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 22,20€
Rinde essbar? Nein (Kunststoffüberzug)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter KäseIst soweit okay. Hat einen geringen Eigengeschmack und ist leicht salzig.
Saint Albray

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Eine Art Schimmelkäse. Er ist aromatischer als Camembert und fühlt sich auf der Zunge an wie eine Art Mischung aus Camembert und Schmierkäse.

Bio Weißer Walnuss Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch und Walnüsse
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Schmeckt wie ein Brie der mit Walnüssen durchzogen ist. Diese sind (logischerweise) nicht sonderlich knusprig aber obwohl der Käse insgesamt keinen starken Eigengeschmack hat, merkt man sie. Unterm Strich wie alle Rebell-Käse okay.

Bio Heublumen Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 18,90€
Rinde essbar? Ja (aus Heublumen)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Außen sind (essbare) Heublumen als Rinde dran. Ansonsten ein normaler “Rebell”. Leicht muffiger Geruch aber grundsätzlich solide im Geschmack.

Bauernkäse

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 9,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Super guter Käse

Bei dem vergleichsweise geringen Preis und dem unscheinbaren Namen hätte ich echt was anderes erwartet. Der Käse ist wirklich lecker, cremig, salzig und schmeckt wie Käse schmecken sollte. Der perfekte Käse, um damit Nudeln zu überbacken.

Bio Bergblütenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg:  19,90€
Rinde essbar? Ja (aus Kräutern)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Etwas bitter im Geschmack durch die Kräuter, die aber gleichzeitig eine würzige Note reinbringen.

Délice d’Argental

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Bäh-Käse

Ist sehr weich und cremig schmeckt aber künstlich und irgendwie muffelig bitter. Hat zudem einen komischen Nachgeschmack. Nein, danke!

Cambozola

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Weicher als Camembert und leicht herb im Geschmack. Insgesamt okay aber nicht der Brüller.

Le Gruyère mild

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Nicht nur in der Hand, sondern auch im Mund irgendwie bröckelig. Hat aber einen sehr guten und angenehm, milden Eigengeschmack. Er schmeckt wie Parmesan auf Nudeln schmecken müsste, wenn Parmesan nicht erfunden worden wäre und entsprechend speziell für Nudelauflauf gut geeignet.

Gouda Mittelalt

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 15,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Hat einen guten und an sich angenehm, milden Eigengeschmack. Ich muss mich aber trotz oder vielleicht wegen meiner Vergangenheit mit Gouda erst wieder an diesen Geschmack gewöhnen, bevor ich ihn gut finde. Komisch, ich weiß.

President Brie

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 12,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Er ist schön weich und cremig. Sein Rand ist etwas dicker als bei normalen Brie aber abseits davon ist er eben ein typischer Brie. Sprich er schmeckt nicht sonderlich stark und schon gar nicht wirklich nach Käse.

Bio Bergkäse

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Hat einen angenehm milden Geschmack, ist etwas bröselig und nutze ich gern um Essen zu überbacken.

Géramont mit gerösteten Kürbiskernen

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 11,38€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Die Kürbiskerne sind leider nur ein optischer Gag. Man merkt sie beim Essen nicht. Es ist einfach nur ein normaler Géramont.

Bio Roccolo

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Sieht von außen total eklig aus, weil er eine grün-braune Rinde hat. Kommt man jedoch darüber hinweg erwartet einen ein angenehmer Geschmack, der sich von anderen Käsesorten hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass er etwas salziger ist.

Chavroux Ziegenkäse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Er ist überraschend bröckelig für einen Weichkäse hat im Mund aber eine sehr angenehm cremige Konsistenz. Geschmacklich ist er etwas auf der säuerlichen Seite, was aber für einen cremigen Käse mal was anderes ist. 

Bio Grienkenschmied

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Nein (Plastik)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Etwas bröckelig, was aber auch am Einfrieren liegen könnte. Geschmacklich ist er etwas bitterer als Edamer aber trotzdem angenehm und leicht.

Bio höhlengereifter Käse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 15,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Bäh-Käse

Etwas bröckelig aber das ist nicht sein Hauptproblem. Schlimmer ist, dass er sehr muffelig, säuerlich, bitter und ja, irgendwie gammelig schmeckt. Riecht nicht nach Fußkäse, schmeckt aber so. Oder anders ausgedrückt: Es fühlt sich auf der Zunge an als hätte man ihn zu lange in der Höhle vergessen.

 

 

Und damit habt ihr meine Meinung zu 20 verschiedenen Käsen aus der tegut-Käsetheke. Okay, sie unterscheiden sich teils nicht so stark. Hat man einen Rebell gegessen, hat man gefühlt alle gegessen. Entsprechend empfänglich bin ich für originellere Ideen wie eben eine Rinde aus Heublüten oder Wallnüssen. Schade, dass sie oft nur optisch gut sind :smile: . Und was ist mit euch? Käsefans? Oder lieber nicht? Was könnt ihr mir ans Herz legen?

Assassin’s Creed Chronicles: India (Herstellerbild)

Irgendwie bin ich was Videospiele angeht weiterhin voll auf dem Ubisoft-Trip. Seit dem damaligen Eintrag habe ich sowohl FarCry 5 (war okay) als auch FarCry: New Dawn (eher meh) erfolgreich mit allen DLCs beendet. Außerdem flimmerte der Abspann zu Assassin’s Creed Chronicles: China über meinen Monitor und jetzt bin ich mit Assassin’s Creed Chronicles: India beschäftigt, vermutlich gefolgt von Assassin’s Creed Chronicles: Russia. Aber zu den Dreien kommt dann in einem der kommenden Einträge mehr.

Da wir aber sowieso schon den ganzen Tag von früh bis spät am Bildschirm sitzen, gönnen wir uns mittlerweile abends auch mal 1-2 Stunden mit Büchern. Unsere Regale quillen nur nicht hoffnungslos über, weil wir entsprechend viele davon haben (14 Stück oder so) und trotzdem kommt ständig was Neues dazu. Allein auf meinem Nachttisch liegen derzeit mehrere Titel. Neu angefangen habe ich beispielsweise Jurassic Park (Michael Crichton). Das habe ich vor Jahren schonmal auf Deutsch gelesen aber den Nachfolger, The Lost World noch nicht. Also dachte ich mir, ich lese beide Bücher mal im englischen Original. Außerdem habe ich mir wie angekündigt Braving Britannia: Volume II geholt und möchte es priorisiert konsumieren. Dann kam aber eine Lieferung aus Amerika mit den letzten beiden Kollektionen des Webcomics Unshelved über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte (und das danach noch auf Farbe geschwenkt ist). Also habe ich davon alle Bände (12) aus dem Schrank geholt und arbeite mich nun durch diese. Ich bin sogar mittlerweile bei den beiden Neuen angekommen.

Nichts Neues also von mir in der Hinsicht. Lysanda hat sich hingegen durch die Tetralogie Die Todesengel von Jim C. Hines (Hugo Award Winner) gelesen und möchte euch heute davon berichten.

Märchen mal anders

(Cover)

Der Vorteil der Public Domain ist, dass jeder mit dem alten Kram machen kann, was er will. Entsprechend viele Neuinterpretationen vor allem der alten Meister wie der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Lewis Carroll gibt es auf dem Markt. Jim C. Hines Erzählungen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Im Kern sind es Fortsetzungen in denen die weiblichen Charaktere nach ihren Erlebnissen in den Märchen gemeinsam Abenteuer erleben. Im Verlauf der Bücher erfährt man aber auch die “Wahrheit” darüber, was damals wirklich passiert ist. Der Buchrücken ist hier ausnahmsweise mal korrekt mit der Aussage “Drei Engel für Charlie meets Fantasy”.

Im ersten Buch, Drei Engel für Armand, geht es um Prinzessin Danielle Whiteshore, geborene de Glas, besser bekannt als Aschenputtel. Als eines Tages ihre Stiefschwester ihren Ehegatten (Prinz Armand) mittels Magie entführt, wird sie mit dem Geheimdienst der Königin bekannt gemacht. Diese stellt ihr Talia (Dornröschen) sowie Schnee (Schneewittchen) an ihre Seite um ihren Sohn zu retten. Im zweiten Band, Die fiese Meerjungfrau geht es hingegen um die namensgebende Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Buch. Anders als im romantisierten Original hat sie sich nämlich nicht für das Glück des Prinzen geopfert, sondern wurde aufgrund von Magie und der Abweisung des Prinzen verrückt. Als dann ein diplomatisches Treffen zwischen Menschen und Meervolk außer Kontrolle gerät liegt es an unseren drei Heldinnen das Leben ihrer Königin zu retten.

Der Titel des dritten Bands, Rotkäppchens Rache, verrät hingegen schon alles: Rotkäppchen (jetzt Roudette) ist zu einer gefürchteten Assassine herangewachsen und hat einen neuen Auftrag bekommen: Dornröschen zu töten. Das kann unser Heldentrio logischerweise nicht zulassen. Der Band erzählt Schwerpunktmäßig die Hintergrundgeschichte von Dornröschen und warum sie jetzt eine niemals schlafende Kämpferin ist, die es mit der Attentäterin Roudette durchaus aufnehmen kann. Natürlich wird auch die Geschichte von Rotkäppchen selbst erzählt. Im bislang letzten Teil, Dämon, Dämon an der Wand kommt der Feind hingegen von innen. Schneewittchen, die Expertin für Spiegelmagie im königlichen Geheimdienst, zerbricht aus Versehen ihren eigenen Spiegel. Das Resultat ist ein freigesetzter Dämon der von Schneewittchen Besitz ergreift, das halbe Schloss inklusive Armand verhext, Jakob (Sohn von Danielle) entführt und loszieht in Schnees Heimatland. Die anderen beiden Prinzessinnen machen sich auf den Weg Schnee, Jakob und alle verhexten zu retten. Insgesamt werden sechs Märchen neu Interpretiert. Das wären Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, die kleine Meerjungfrau, Rotkäppchen und die Schneekönigin.

Der Stil

(Cover)

Die Bücher richten sich aus Lysandas Sicht eher an junge Erwachsene. Sie sind zwar nicht bierernst und der eine oder andere humorvolle Moment kommt durchaus vor. Aber die drei Heldinnen haben in ihrem Leben definitiv schon einiges (durchaus schlimmes) mitgemacht und es wird schnell klar, dass die Märchen eine extrem stilisierte und beschönigende Sicht der Dinge darstellen. Dabei ist schon in den Originalen nicht unbedingt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Jim C. Hines Werke zeigen außerdem, dass das Leben nicht mit der Hochzeit und dem obligatorischen “…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage” endet. Das ist durchaus positiv gemeint. Stattdessen erlebt ihr die Entwicklung von jungen Frauen, die nicht nur neben ihrem Prinzen hübsch aussehen, sondern durch die Hürden, die ihnen das Leben in den Weg stellt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und zu nutzen lernen.

Technisch gesehen ist die Erzählung in jedem Buch in sich abgeschlossen. Aber es macht definitiv mehr Spaß, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge liest und so zusammen mit den Heldinnen wächst. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines fünften Buchs eher gering. Inhaltlich lässt der Autor zwar Luft für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen – schließlich kann sich der königliche Geheimdienst noch mit vielen weiteren Märchenheldinnen auseinandersetzen. Doch der vierte Band ist bereits vor mittlerweile 10 Jahren erschienen.

Lysanda meint: Ein Kennzeichnen für ein gutes Buch ist bei mir immer, dass ich es im Anschluss zurück ins Regal stelle statt es direkt weiter zu verkaufen. Bei Jim C. Hines Tetralogie Die Todesengel habe ich mich etwas schwer getan diese Entscheidung zu treffen aber am Ende ging sie zu Gunsten des Autors aus und ich gebe der Reihe gerade so 4 von 5 Sics. Warum ich den ersten Band damals gekauft habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Der steht schon länger im Regal als der Webmaster neben mir im Bett schläft. Bereut habe ich es wie ihr seht nicht ihn gekauft zu haben. Mit Verwunderung stellte ich an seinem Ende jedoch fest, dass es kein Einzelband war und ich mir daher kurzfristig noch die restlichen Bände besorgen musste. Eigentlich hatte ich ihn aus dem Schrank genommen, um ein nettes, kurzweiliges und vor allem einzelnes Buch zu lesen nachdem ich zuvor den vielteiligen Manga Tsubasa verschlungen hatte. So kanns gehen…

(Cover)

Warum ich trotzdem nur knapp vier Sics vergebe obwohl ich die vier Bände in einem Rutsch gelesen habe (abzüglich der ungeplanten Pause zwischen Band 1 und 2)? Vermutlich ist ein Hauptgrund schlicht, weil keine Figur dabei war mit der ich mich richtig identifizieren konnte. Stattdessen war es einfach “nur” eine unterm Strich nette und unterhaltsame Erzählung. Wie ein Sommerblockbuster quasi – nur mit einer tiefgründigeren Geschichte. Aber das ist völlig okay und trotzdem eine klare Leseempfehlung. Ab und zu darf es auch mal etwas leichtere Kost sein, die einfach nur unterhält. Und starke Frauen, die spannende Abenteuer erleben, sind nie verkehrt. Zudem mag ich grundsätzlich Neuinterpretationen von Märchen solange sie nicht zu gruselig sogar lieber als die Originale. Die sind mir teilweise einfach viel zu “strange” und haben für mich ein völlig veraltetes Rollenbild inkl. meist gesichtsloser Charaktere.

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