Lysanda L'eau

Mayas Krankheitsverlauf

Maya chillt an ihrem letzten Morgen im Bett

Da waren es plötzlich und unerwartet wieder nur fünf Katzen…

Es ging leider schnell bergab mit unserer erst zehnjährigen Maya. Keine zwei Wochen vergingen vom ersten Tierarztbesuch (20.4.) bis zu ihrem letzten (30.4.). Hätten wir es früher bemerken können? Keine Ahnung. Und ganz ehrlich: Darüber nachzudenken verursacht nur blödsinnige Schuldgefühle. Zu wissen, dass Maya bei uns eine schöne Zeit hatte, ist viel wichtiger. Geben wir uns trotzdem kurz diesem Gedankenspiel hin:

Mit Felix bin ich damals nichtsahnend zum Tierarzt und dann ohne Katze heimgekommen, weil seine Nierenwerte bereits im Keller waren. Da gab es allerdings bereits vorher Anzeichen, auf die ich nicht reagiert hatte (z.B. stark riechender Sabber).

Bei Maya gab es im Nachhinein betrachtet ebenfalls ein paar Indizien, die wir vielleicht hätten erkennen können. Die ein oder andere morgendliche Übelkeit in den letzten Monaten beispielsweise oder die plötzliche Veränderung des Verhaltens unserer Neuzugänge gegenüber ihr ca. zwei Wochen vor der Diagnose. Während anfangs nämlich Maya Ayla gegängelt hat, drehte sich die Situation von heute auf morgen. Da fingen nämlich Miro und Ayla an Maya zu mobben. Höchstwahrscheinlich haben die beiden da schon gemerkt, dass Maya etwas fehlt. Also zumindest mehr als die omnipräsente Dauerbelastung durch ihren Katzenschnupfen. Zum Selbstschutz grenzen Katzen nämliche kranke Artgenossen aus.

Aus unserer Sicht hatte Maya in der Zeit hingegen nur Probleme mit ihren Augen. Erst mit dem einen, dann – als das nach 1-2 Tagen wieder in Ordnung war – mit dem anderen. Doch auch das heilte genauso zügig von selbst. Wirklich Alarm haben wir hingegen erst geschlagen, als sie am Wochenende (wie immer…) nichts mehr essen wollte. Nur auf Katzensuppe reagierte sie positiv, weshalb wir ihr dann püriertes Futter anboten, was sie auch fraß. Daher dachten wir, dass sie Halsschmerzen haben könnte und gingen montags mit ihr zur Tierärztin.

Schlechtes Blutbild

Das sieht gar nicht gut aus!

Bei der Tierärztin wurde dann sicherheitshalber auch Blut genommen – mit einem grottigen Ergebnis. Der Kreatinin-Wert war schon bei 5,3mg/dL. Das bedeutet sie hatte bereits Stadium 4 von 5 einer akuten Niereninsuffizienz erreicht. Die restlichen Ergebnisse sowie die hämatologische Analyse des Blutes ließen ebenfalls keine Freudensprünge aufkommen.

Die Diagnose und die dazugehörige Behandlung war entsprechend eindeutig: Nierendiät und alles was dazu gehört. Außerdem ließen wir sie direkt da für die erste Infusion. Insgesamt verbrachte sie 3 1/2 Tage am Tropf. Morgens hingefahren, abends wieder abgeholt. Leider war das Blutbild am letzten Tag unverändert schlecht. Stabil – aber eben nicht besser. Parallel hatte die Tierärztin die Zeit am Donnerstag genutzt, um auch noch eine Urin-Analyse durchzuführen. Dort fand sie etwas Blut aber keine Kristalle. Wobei Katzen wohl ganz gut darin sind Kristalle zu verstecken. Insofern war das nur bedingt ein gutes Zeichen. Außerdem war der Blutdruck erhöht (190 mmHg – normal gilt alles unter 150). Sie schickte uns dann zum Ultraschall, um den Zustand der Nieren zu begutachten. Wir bekamen sogar schon am kommenden Montag einen Termin beim Fachtierarzt.

Die nächste Hiobsbotschaft

Maya ging es am Wochenende nach außen hin sogar ganz gut. Sie fraß fleißig püriertes Futter, nahm ihre Medikamente und ging selbstständig aufs Klo. Ja, die meiste Zeit lag sie nur im Bett oder in der Katzenkratztonne. Aber wer es nicht wusste, hätte sie als normale Katze wahrgenommen. Sie hat sogar einmal mit Lysanda am Schreibtisch auf ihre spezielle Art gekuschelt.

Montagvormittag dann also zum Ultraschall – mit der nächsten Hiobsbotschaft. Die Leber hatte einen 2cm breiten, schwarzen Bereich. Für mich sah das auf dem Bild so aus, als wäre ein Drittel der Leber quasi nicht mehr vorhanden. Die Tierärztin sprach von Löchern und ggf. Blutungen. Aber sie sagte auch, dass in Mayas aktuellem Zustand hier grad nichts zu machen ist. Eine OP oder eine andere invasive Untersuchung, um mehr herauszufinden, wäre viel zu riskant für die Kleine. Sie wog zu dem Zeitpunkt schließlich nur noch 2,6kg (ihr übliches Gewicht lag bei 3,2kg) und jede Narkose wäre eine extreme Zusatzbelastung für die Nieren gewesen. Die Tierärztin sprach sogar davon, dass wir damit die Nieren vermutlich komplett abschießen würden.

Maya in ihrem Krankenlager

Und ja, die Nieren waren wie leider erwartet ebenfalls von einer extrem schlechten Beschaffenheit. Es wurden insofern einfach nur die Blutwerte bestätigt. Bei einer Niereninsuffizienz lässt sich nämlich außer stabilisieren und ein angenehmes Restleben ermöglichen nicht mehr viel machen. Wir haben am Ende glaube ich ne gute Stunde mit der Tierärztin geredet (was ich ihr wirklich hoch anrechne!) und alles von oben bis unten durchgekaut. Also Futter, Medikamente, Untersuchungen und so weiter. Mit dem Wissen ausgestattet, sind wir dann wieder nach Hause.

Der Totalabsturz

Dienstagvormittag sah immer noch alles gut aus. Maya aß weiter ihr mit Medikamenten versehenes Nierendiätfutterpüree, trank viel Wasser und ruhte sich aus. Nachmittags fing sie dann jedoch das Erbrechen an. Erst Futter, dann Spucke, dann Galle. Dann flößten wir ihr einen Magenschoner ein, diesen erbrach sie allerdings dann auch wieder. In der Realität war es weniger oft, aber es fühlte sich so an, als würde sie jede Stunde spucken. Lysanda und ich saßen dann bis nachts um eins zusammen und beratschlagten uns (teils unter Tränen), wie wir jetzt weiter machen. Wie können wir ihr jetzt akut helfen? Bringt es was zum Notdienst zu fahren? Und vor allem: Was machen wir kommenden Tag?

Mittwochs hatte sich nämlich unser neuer Chef angekündigt. Wir wollten deshalb ins Büro fahren. Aber es war klar, dass Maya unbedingt zum Tierarzt musste. Entsprechend suchten wir nach einer Lösung. Am Ende haben wir ihn dann zu uns nach Hause eingeladen. Die frühen Morgenstunden gingen zwar drauf etwas sauber zu machen und aufzuräumen, aber am Ende des Tages war es die pragmatischste Lösung. So konnte er dann nicht nur uns, sondern auch gleich mal unsere Realität kennen lernen :smile: .

Ich hab’ dann so früh wie möglich Maya abgegeben und wir warteten darauf, was kommt. Und das war ein Anruf rund 1 1/2 Stunden später: Neues Blutbild und die Werte so stark im Keller, dass der für die Leber schon gar nicht mehr messbar war. Kreatin lag nun bei 10,5mg/dL – also doppelt so hoch und damit war Maya im 5. Stadium angekommen. Der Urea-Wert war ebenfalls angestiegen auf 97mg/dL. Die Tierärztin sagte uns klar und deutlich: Wenn es ihr Tier wäre, würde sie es nun einschläfern.

Die schwierige Entscheidung

Mayas letzter Bluttest

Ganz ehrlich: Für mich war die Sache mit diesem Anruf bereits gelaufen. Ich fuhr zwar los und holte sie ab, aber mehr mit der Absicht sich von ihr zu verabschieden und sie Zuhause einzuschläfern. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr für Maya und wollte ihr unnötiges weiteres Leid ersparen. Aus dem Zuhause einschläfern wurde am Ende nichts, allerdings war Maya tatsächlich jetzt mit der neuen Faltbox* sehr umgänglich was das Autofahren anging. Sie störte es mehr in der Box zu sitzen als das eigentliche Fahren. Aber da Lysanda sie immer wieder zwischendurch streicheln konnte, lenkte sie das von ihrem Vorhaben ab auszubüxen. Entsprechend sind wir donnerstags ein letztes Mal mit ihr zu unserer Tierärztin. Zwar war die Praxis wegen dem nahenden Feiertag überlaufen, aber es half nichts. Das Antibrechmittel, was sie ihr tags zuvor gespritzt hatten, würde mittags seine Wirkung verlieren. Und das wollten wir Maya einfach ersparen. Sie hatte seit dem Erbrechen nichts mehr gefressen und nur wenig getrunken. Also warteten wir geduldig bis wir endlich drankamen. Zwei Piekse später lag ihr eingeschlafener Kopf in Lysandas Hand und kurz darauf war es dann auch vorbei. Ein schmerzlicher Moment, der nur dadurch ein wenig gemildert wurde, dass wir uns bereits die Stunden zuvor von ihr ausgiebig verabschieden konnten. Wobei wir allerdings da schon merkten, dass sie gar nicht mehr angefasst werden wollte und nicht mehr schnurrte. Das zeigte uns deutlich, dass sie sich nicht mehr in ihrem Körper wohlfühlte.

Wir haben sie am Ende wieder eingepackt und Zuhause für ihre Mitbewohner hingestellt. Alya war das Ganze nicht wirklich geheuer, die anderen werden auf ihre Art Abschied genommen haben. Tags darauf, am 1. Mai, habe ich sie dann begraben. Leider nicht in ihrem Lieblingsliegeplatz (ein großer Stoffkuschelsack), sondern nur in einem normalen Karton. Aber ich gehe davon aus, dass sie das jetzt nicht sonderlich gestört hat.

Die andere Seite

Die fast täglichen Tierarztbesuche waren das eine. Aber wie sah es Zuhause aus? Nun, die erste Maßnahme war, dass sie die Nacht im Arbeitszimmer und nicht mehr oben bei Lyssi verbrachte. Schließlich mussten wir ihr jetzt Spezialfutter geben. Und auch tagsüber ließen wir ein Katzenklo im Erdgeschoß stehen, um es Maya so einfach wie möglich zu machen. Anfangs hinter einer Tür versteckt, damit Pichu es nicht ständig benutzt. Aber das haben wir recht zügig aufgegeben und es einfach für alle freigegeben. Hauptsache Maya konnte jederzeit auf die Toilette – was sie auch bis zuletzt völlig selbstständig gemacht hat.

In Sachen Futter gab es wie erwähnt Püree mit allerlei Zusatzstoffen. Dazu gleich mehr. Um Maya anzufüttern, haben wir einen Nierendrink* von KATTOVIT verwendet. Dafür gab es keinen speziellen Grund. Es war halt im Laden verfügbar und sie nahm ihn gerne an. In Bezug aufs Nassfutter bekamen wir hingegen vom Tierarzt erstmal eine Dose Nierendiät ausgehändigt. Der Unterschied zwischen solchem Futter und normalem ist der Protein- und Phosphatgehalt. Die Theorie ist wohl, dass eine Eiweißreduzierung helfen würde die Belastung der Niere zu reduzieren. Blöd nur, dass die Entscheidung wohl allein auf einer Studie mit Menschen und Ratten basiert – also omnivore Lebewesen. Katzen sind allerdings Carnivore und benötigen zwingend Eiweiß. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass sie mit Nierendiätfutter zu stark abnehmen. Das wäre bei Maya fatal gewesen. Eine auf Niereninsuffizienz bei Katzen spezialisierte Facebook-Gruppe empfahl deshalb lieber zu hochwertigem aber phosphatarmes Futter (<0,5%) zu greifen. Ein Blick in unser Kellerlager offenbarte dann auch ein paar Sorten mit nur 0,25% und sogar 0,20% wie z.B. die von TastyCat. Wobei es bei einigen Herstellern mal wieder nicht auf der Packung stand und man sich teilweise selbst im Internet einen Wolf sucht. Echt bescheuert.

Der Cocktail

Mayas Medikamente

Die Grundlage von Mayas Mahlzeiten bildete also das Nassfutter, das sie bereits kannte plus hier und da ein Nierendrink. Kommen wir jetzt zu den Zusätzen. Als erstes das, was von unserer Tierärztin alles verordnet wurde:

  • Pronefra – Ein flüssiges Mittel, das in der Hauptsache dazu dient überschüssiges Phosphat im Blut zu binden und so die Nieren zu entlasten. Wohl das allerwichtigste Medikament beim Thema Niereninsuffizienz.
  • SUC-Kombination – Drei flüssige homöopathische Mittel, die immer in Kombination gegeben werden. Und zwar Solidago compositum (Niere), Ubichinon compositum (Stoffwechsel) und Coenzyme compositum (Enzymefunktion). Soll gut für Niere und Leber sein. Obs wirklich was hilft? Keine Ahnung. Schaden tut es aber auch nicht.
  • Sucrabest – Ein Magenschoner. Es bildet einen Schutzfilm über die gesamte Magenschleimhaut, der sie vor aggressiven Verbindungen wie Gallenflüssigkeit und Salzsäure schützt. Das erlaubt es Entzündungen und Geschwüren zu heilen und hilft dabei, dass die Katze ihr Essen drin behält. Wird entsprechend nicht unters Futter gemischt, sondern ca. 30 Minuten vor dem Fressen gegeben.
  • Pankreas – Da auch die Bauchspeicheldrüse entzündet schien, sollten wir Maya das Pankreas-Mittel von nurVet geben, das wir noch von Balu über hatten. Nach dem Gespräch mit der Fachtierärztin haben wir es aber wieder abgesetzt, da im Ultraschall nichts zu sehen war und die Werte noch im Rahmen lagen.
  • Amodip – Als der erhöhte Blutdruck festgestellt wurde, bekamen wir zuerst Amodip als Blutdrucksenker. Allerdings beriet uns auch hier die Fachtierärztin um. Wir sollten aus ihrer Sicht besser Semintra 10mg verwenden. Das hat in der hohen Dosis mit 10mg ebenfalls eine blutdrucksenkende Wirkung und reduziert gleichzeitig die Proteinurie (Eiweißausscheidungen über den Urin). Leider ist Semintra aktuell nirgends lieferbar, weshalb uns als Alternative Fortekor gegeben wurde. Das macht im Prinzip das Gleiche, nur mit einem anderen Wirkstoff.
  • Mirtazapin – Eigentlich ein Antidepressivum für Menschen. Eine der Nebenwirkungen ist aber eine Appetitsteigerung, die bei Katzen besonders ausgeprägt ist. Alternativ kann man auch eine Salbe ins Ohr streichen mit der gleichen Wirkung. Die nennt sich Mirataz.

Maya in ihrem Schlafsack

Es gab sogar noch eine weitere Sache, die wir hätten tun können. Aber aufgrund der Schnelligkeit des Krankheitsverlaufs kam es dann nicht mehr in Frage. Und zwar kann der Tierarzt auch noch subkutane Pockets setzen. Dabei wird ein Flüssigkeitsdepot unter der Haut platziert, was dann über den Tag vom Körper absorbiert wird. Es ist wohl die gleiche Flüssigkeit, wie bei der direkten Infusion und hilft dem Wasserhaushalt. Würde man wohl 1-2 die Woche spritzen. Theoretisch lässt sich das wohl sogar lernen und Zuhause machen.

Eine Katze namens Tanja

Wir sind allerdings noch nicht fertig mit den Zusatzstoffen, die wir Maya gegeben haben bzw. eigentlich geben wollten. Das meiste kam schlicht zu spät (die 1. Lieferung erreichte uns einen Tag vor der Einschläferung) oder ist sogar zum Verfassungszeitpunkt noch nicht im Haus. Insofern ist die untenstehende Auflistung eher informativ. Ob das alles wirklich was bringt, konnten wir schließlich mit Maya nicht mehr testen. Lysanda hat aber sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt – mit Google Gemini als Sparringspartner bzw. zusätzlicher Ideengeber. Dabei war ihre größte Ressource definitiv Tanjas umfassendes Handbuch über chronische Nierenerkrankung (CNE). Wie der Name schon sagt, ist es eine ältere aber immer noch informative Seite rund um das Thema.

Die Autorin, Helen Fitzsimons (der Link führt zur deutschen Übersetzung), hatte unter anderem eine Katze namens Tanja mit einer Nierenerkrankung. Und wie Lysanda hat sie damals angefangen zu recherchieren. Und ihr angesammeltes Wissen hat sie auf einer Webseite bzw. mittlerweile auch in einem 630-seitigen Buch verewigt – das derzeit nur gebraucht verfügbar ist, da sie keine Tantiemen mehr von Amazon erhalten hat. In der kurzen Zeit konnte Lysanda zwar nicht alles durcharbeiten, aber sie hat doch sehr viele nützliche Informationen zum Thema herausziehen können.

Kommen wir aber nun zur Liste:

  • B-Vit complex – Hatten wir uns ebenfalls für Balu ins Haus geholt, allerdings haben wir in der Zwischenzeit gelernt, dass es auch für alle anderen Katzen ganz gut ist. Für Maya haben wir jedoch die Dosierung erhöht, damit sie vor allem mehr Vitamin B12 bekommt.
  • Recovery Renal Tonicum – Sogenanntes Astronautenfutter für Katzen mit Niereninsuffizienz. Die Idee war Maya damit wieder aufzupäppeln und ihr Gewicht wieder nach oben zu bringen.
  • cdvet Singulares Ulmenrinde – Das soll ein pflanzlicher Magenschoner sein. Also ein Ersatz für Sucrabest. Achtung: Unbedingt die Variante mit amerikanischer Rotulmenrinde nehmen (Slippery Elm). Die europäische Version des Produkts ist gegen Durchfall und bildet KEINEN Schleim!
  • Dechra Porus One – Soll urämische Toxine (giftige Abbauprodukte bei der Eiweißverdauung) binden und damit die Niere entlasten. Wirkt wohl auch als Phosphatbinder. Es ist also im Minimum eine Ergänzung zu Pronefra.
  • Renes/equisetum Comp.globuli 20g und Lespedeza Sieboldii D 6 Globuli wurde uns empfohlen, um es abwechselnd zur SUC-Therapie zu geben. Angeblich, damit die Katze sich nicht an das SUC gewöhnt. Wie ich schon oben erwähnte: Keine Ahnung ob da was dran ist, aber es schadet nicht und wenn es nur die kleinste Chance besteht, dass es meiner Katze hilft? Warum nicht.
  • alfavet Hepatosan 700/1600* – Ein pflanzliches Mittel zur Unterstützung der Leber. Ja, die war wie erwähnt ebenfalls schon stark angeschlagen. Im Prinzip sind die Presslinge ein Mix aus Mariendistelsamen, Artischockenblätter und Curcuma. Also alles, was auch einer menschlichen Leber gut tut.
  • Samylin – Im Gegensatz zur Niere kann sich eine Leber tatsächlich wieder erholen. Und dabei soll Samylin helfen. Es enthält den Wirkstoff SAMe, was eine Gluthathion-Vorstufe ist sowie Silybin (kommt aus der Mariendistel) und Vitamin E und C (als Antioxidantien). Wichtig: Das gibt es sowohl als Tablette als auch Beutel mit kleinen Kügelchen. Das Problem an den Tabletten ist, dass man sie im Ganzen schlucken muss. Entsprechend hatten wir uns für die Beutel entschieden, um es einfacher in die Katze zu bringen.

Sieht nach ganz schön viel Kram aus. Aber mit einer Niereninsuffizienz ist halt echt nicht zu spaßen. Es ist eine der häufigsten Todesursachen vor allem bei älteren Katzen. Und der Anblick der Leber im Ultraschall war wie gesagt ebenfalls erschreckend. Insofern wollten wir Maya das komplette Programm bieten, um ihr noch ein paar Wochen, Monate oder gar Jahre angenehme Lebenszeit zu schenken. Dass daraus am Ende nichts wurde… nun, das meiste hält sich ein paar Monate/Jahre und Lyssi, Pichu und Jules sind ja auch schon zehn Jahre alt. Also vielleicht verbrauchen wir es irgendwann noch.

Epilog

Sie war trotz der Schmerzen bis zum letzten Moment ganz Katze.

Was bleibt zum Abschluss noch zu sagen? Nun, da wäre die Anekdote, dass ich ursprünglich schon letzte Woche über Mayas Zustand schreiben wollte. Da sich aber damals Balus Zustand immer weiter verschlechterte, nachdem ich jeweils einen Eintrag über ihn geschrieben hatte, wollte ich das bei Maya nicht auch heraufbeschwören. Aberglaube? Möglicherweise und genutzt hat es offensichtlich ebenfalls nichts…

Die zweite Sache ist sicherlich die Erkenntnis, dass wir von unseren Vierbeinern öfters ein Blutbild machen lassen könnten/sollten. Es wird wohl empfohlen ab dem Alter von acht Jahren jährlich eines zu machen. Dass man damit nicht alles finden wird – vor allem, wenn es wie bei Maya jetzt so rapide schlechter wird -, muss einem allerdings auch klar sein.

Und dann möchte Lysanda euch zum Abschluss noch eine Sache ans Herz legen: Seid euch im Klaren darüber, dass ihr euer Tier höchstwahrscheinlich überleben werdet. Es sind keine Kinder, wo das normalerweise nicht passiert. Entsprechend solltet ihr euch unbedingt Gedanken machen. Nicht nur darüber, was ihr im medizinischen Notfall alles braucht und wo ihr anrufen könnt/hinfahrt. Auch die Frage, was ist, wenn es tatsächlich auf das Ende zugeht, solltet ihr vorab mal durchdenken. Ab wann erlöst ihr euren Begleiter von seinen Leiden? Soll er daheim eingeschläfert werden oder doch lieber beim Tierarzt? Bei unserem Jules z.B. ist schon Blut abnehmen Zuhause purer Stress für ihn. Während er das in der Praxis mit wesentlich weniger Gezeter über sich ergehen lässt. Über sowas denkt man sicherlich nicht gerne nach, aber es nimmt sowohl euch als auch dem Tier viel Stress, wenn ihr bereits einige Antworten parat habt.

Insgesamt hat uns Maya in den zwei Wochen übrigens ca. 1.600 Euro gekostet.

PS: Nein, wir stocken jetzt nicht wieder auf sechs Katzen oder gar sieben auf. Das Universum möchte offensichtlich, dass wir bei fünf bleiben. Und das scheint ja eh schon wütend auf uns zu sein. Also fordern wir es besser nicht gleich wieder heraus :wink: .

Der Klappmodus

Nach den guten Erfahrungen mit dem Laufband von Toputure*, haben wir nicht lange überlegt und uns auch den klappbaren Heimtrainer* geholt, den sie gerade frisch auf den Markt gebracht haben. Okay, das Laufband ist mittlerweile nicht mehr im Haus. Es hatte ein paar Monate später den Geist aufgegeben. Aber der Support war super und wir haben eine volle Rückerstattung bekommen. Insofern sind wir Toputure nicht feindlich gesinnt :wink: . Anschließend haben wir es durch eins von unserem “Stammunternehmen” Fitshop (der neue Name von Sport Tiedje) ersetzt. Nach einer Analyse zusammen mit meinem Schwiegervater stellte sich übrigens heraus, dass der Motor warum auch immer einen an der Klatsche hatte – entsprechend nichts, was wir ohne hohe Kosten selbst reparieren konnten.

Das Gerät

Zurück zum Heimtrainer: Das “Klappbar” war dabei ein wichtiges Entscheidungskriterium. Wir nutzen ihn nämlich wie das Laufband vor allem beim Fernsehen. Da ist es ganz praktisch, dass sich das Fahrrad zusammenklappen lässt und dann nur noch eine Grundfläche von ca. 55x55cm einnimmt. So lässt es sich gut neben einem Regal bis zum nächsten Gebrauch lagern. Die in der vorderen Querstange integrierten Räder erleichtern zudem den Transport. Apropos Fernsehen: Hier erwartete uns die nächste Überraschung, denn das Gerät ist im Betrieb echt flüsterleise. Ich dachte zuerst Sicarius wäre faul und würde nicht in die Pedale treten, weil ich gar nichts hinter mir gehört habe. Zudem kann man es gut hinter der Couch positionieren, da es so hoch ist, dass man locker bei der Benutzung selbst über eine hohe Lehne drüber schauen kann. Mittelfristig wollen wir allerdings tatsächlich unser “riesige Couch”-Konzept überdenken. Eben genau, um solche geänderten Lebensbedingungen wie mehr Fitnessgeräte im Wohnzimmer unterzubringen. Wir werden beizeiten berichten :smile: .

Das Fahrrad kommt gut verpackt in einem großen Karton und muss noch zusammengebaut werden. Das ging grundsätzlich gut von der Hand, hat aber am Ende doch knapp eine Stunde gebraucht. Auch, weil die Anleitung an der ein oder anderen Stelle etwas deutlicher sein könnte bzw. auf den Bildern nicht alles so gut zu erkennen ist. Beispielsweise welche Querstange jetzt eigentlich für vorne (die mit den Aufklebern und Rädern) und welche für hinten ist. Auch der fehlende Hinweis, dass die Rückenlehne vor dem Anbau an den Sattelträger aufgeklappt werden musste, führte zu doppelter Arbeit. Aber: Es ist alles an Werkzeug dabei, was man für den Aufbau braucht und die Schrauben sind größtenteils bereits an Ort und Stelle. Also kein lästiges Zusammensuchen, sondern abschrauben und später wieder mit dem jeweiligen Bauteil befestigen. Fertig.

Der Hometrainer hat drei Winkeleinstellungen um mittels eines Dreh-/Ziehknopfs zwischen aufrechtem/Wettkampf- und Liegemodus sowie Verstauen zu wechseln. Der relativ große Sattel kann hingegen nach dem Entfernen einer Schraube in sieben Höhenstufen eingestellt werden. Für mich (1,54m) konnte ich zügig eine bequeme Stellung finden. Sicarius (1,86m) jedoch hat den Eindruck, dass er selbst in der weitesten und höchsten Position seine Beine nicht ganz so weit beim Treten ausstrecken kann, wie er es von einem normalen Fahrrad gewohnt ist. Das hält ihn aber nicht vom Trainieren ab und kann auch einfach daran liegen, dass es ein Hometrainer ist. Laut Anleitung sollen die Beine auch nicht ganz durchgestreckt werden, sondern leicht angewinkelt sein.

Der kleine am Lenkrad befestigte Computer bietet die wichtigsten Anzeigen wie Geschwindigkeit, Entfernung und Puls. Leider sind keine Batterien im Lieferumfang enthalten. Also unbedingt zwei AAA zur Hand haben! Die Verbindung mit der FitShow-App über Bluetooth klappte ebenfalls ohne Probleme. Ein Handyhalter ist praktischerweise integriert, er ist aber nur für Handys ohne dicke Hülle geeignet. Außerdem gibt es Bänder für Arm- und Beintraining, die haben wir aber ehrlich gesagt bislang nur mal getestet.

Alles in allem für den Preis von 300 € ein super Gerät, das wir definitiv empfehlen können. Hat während so einigen Folgen Star Trek (sind bei Lower Decks angekommen) bereits Sicarius in Bewegung gehalten während ich auf dem Laufband… laufe.

Lysanda L'eau

Balu (2012 – 20.01.2026)

Wer erklärt Katzen eigentlich, dass sie tot sind?

Es hat nicht sollen sein. Gestern Abend haben wir Balu gegen 20 Uhr bei seinem letzten Atemzug begleitet. Nach fast 14 Jahren auf dieser Erde und zehn Jahren in der Casa Lysanda. Vielleicht holt ihn ja seine alte Freundin Nica ab? Oder er spukt noch eine Weile im Haus und Garten rum. Wer weiß?

Wir werden Balu auf jeden Fall vermissen. Seine ruhige, charmante Art, mit der er immer alle um seinen Finger gewickelt hat. Sein nachmittägliches Liegen auf Sicarius’ Schreibtisch. Seine abendlichen Besuche auf seinem Schoß. Sein Schnuffeln unter den Achseln. Es war eine wirklich wunderbare Zeit mit ihm.

Die Erinnerungen an die vielen schönen Momente mit ihm werden für immer in unseren Herzen weiterleben. Für uns war es definitiv ein Glücksfall, dass er Lysanda damals bei Tiere in Not Odenwald e.V. (TINO) angesprochen hatte, auch wenn er sich dann mehr an Sicarius orientiert hat. Aber ja, er hat sich uns ausgesucht und wir haben ihn so gut wie möglich begleitet.

Aber jede Reise endet einmal und mit dem Abschied kommt auch die Trauer. Insbesondere, wenn es so eine schöne Reise war.

Lysanda & Sicarius

Balu und seine geliebte Eckenbürste

Was war passiert?

Es sah wirklich alles so gut aus. Balu machte täglich Fortschritte beim Wiedererlangen seiner Bewegungsfähigkeit. Selbst seine Physiotherapeutin war am Montag überrascht darüber, wie schnell es doch geht. Dienstags hob er auch den Kopf noch weiter höher, fraß gut und beteiligte sich, so weit es eben ging, am Geschehen. Leckerlis innerhalb seinen Radius einsammeln inklusive.

Auch gestern Abend schien noch alles ok zu sein. Er fraß noch mit Lysandas Hilfe einiges an Futter, als der Kopf plötzlich nach unten ging. Wir dachten erst, er wäre in seine “Ich-will-jetzt-kein-Futter-mehr”-Haltung gegangen. Aber dann bemerkten wir, dass nichts mehr weiter passierte. Er atmete und schnuffelte mit der Nase. Es waren aber keinerlei Reaktionen mehr vorhanden. Weder auf die Käsewurst noch auf das Leuchten mit der Taschenlampe in die Augen bekamen wir ein richtiges Signal.

Das Ende

Balu wie er leibt und lebte

Wir haben entsprechend den Notdienst kontaktiert und sind zur diensthabenden Tierärztin gefahren. Die Untersuchung dauerte nicht lange. Er zeigte zwar körperliche Reaktionen, aber mehr auch nicht. Wir hatten also die Wahl mit ihm nochmal eine Stunde in die neurologische Abteilung der Kleintierklinik in Gießen zu fahren – mit ungewissem Ausgang. Wobei sich der Notdienst nicht sicher war, ob er es körperlich bis in die Klinik schaffen würde. Oder ihn jetzt gehen zu lassen.

Wir entschieden uns für letzteres.

Was auch immer jetzt passiert war, es war schlimmer als beim letzten Mal und beeinträchtigte offensichtlich nun das Gehirn selbst. Und selbst wenn es sich wieder gebessert hätte, wäre doch die ständige Angst geblieben, dass es wieder passiert.

Wir sind wirklich froh, dass wir ihm nach seinem Klinikaufenthalt nochmal fast zwei schöne Wochen Zuhause schenken konnten. Zwei Wochen in denen er (den Umständen entsprechend) nochmal Balu sein konnte. Inklusive Schnurren und Leckerlis. Aber nachdem er langsam aber stetig Gewicht verloren hatte und Arthrose bekam, dann die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Verengung am 2. Halswirbel und jetzt ein kompletter Zusammenbruch, zeigte sein Körper eindeutig, dass er nicht mehr konnte. Und auch wenn wir nicht viel über seine ersten vier Lebensjahre im Schrebergarten wissen, so waren wir jetzt bis zum Schluss bei ihm. Er war zumindest satt und das Schlimmste am Einschläfern dürfte der Picks ins Bein gewesen sein. Insgesamt ist das Ganze sehr friedlich abgelaufen.

Lysanda L'eau

Alles Studium, oder was?

Ein ehemaliger Teamleiter meinte einmal sinngemäß: “Frau Lysanda, ich kann sie nicht höher einstufen. Sie haben schließlich nicht studiert!” – und das war fast 20 Jahre nach der Privatisierung des Magenta T. Da würde man ja eigentlich dieses alte Beamtendenken nicht mehr erwarten. Aber gut, war halt so. Ich habe mich daher für ein berufsbegleitendes Elektrotechnik-Studium eingeschrieben. Genauer gesagt für ein Verbundstudium an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Nicht zu verwechseln mit der FernUniversität in Hagen! Der einzigen, staatlichen Fernuniversität in Deutschland.

Webseite der FH SWF

Jetzt fragt sich der ein oder andere sicherlich, was ein “Verbundstudium” ist. Nun, die auf dem FH-Gelände erzählte Geschichte ist wie folgt: Da die Abschlussquote an der FU Hagen beim reinen Fernstudiengang Elektrotechnik unterirdisch schlecht war (angeblich nur 5%), wurde dieser wohl wieder eingestampft. Daraufhin hat dann die FH SWF sich gedacht einen Studiengang mit Präsenzanteil einzuführen. Also 30% des Studiums besteht aus Präsenzveranstaltungen. Anscheinend mit Erfolg: Dadurch stieg die Abschlussquote auf 50%. Ich bin also alle zwei Wochen samstags nach Hagen getuckert und habe die Hälfte meines Wochenendes im Hörsaal verbracht.

Habe ich deshalb einen Abschluss in Elektrotechnik vorzuweisen? Nein. Mehr Gehalt habe ich am Ende auch ohne bekommen. Und da auf der Arbeit ein Kollege plötzlich weggebrochen ist, hatte ich einfach keine Kapazität mehr mich mit dem Studium rumzuschlagen. Außerdem, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann ist Elektrotechnik keins meiner Hobbies. Ich bin ja – wie Sicarius – eher zufällig IT-Systemelektronikerin geworden. Am Ende wurde ich entsprechend exmatrikuliert. Und auch, wenn es insgesamt sehr schade ist, weil ich viel Zeit, Energie und Geld reingesteckt habe – es war trotzdem die richtige Entscheidung.

Ich analysiere dich!

Erzählt habe ich euch die Geschichte, weil ich am 1. Januar 2026 einen neuen Versuch wage zu studieren. Dieses Mal nicht, weil eine Gehaltserhöhung lockt oder man es von mir verlangt. Nein, einfach weil es mich interessiert und ich es tun möchte. Und zwar habe ich mich für den Bachelor-Fernstudiengang “Psychologie” bei der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) eingeschrieben.

Bevor ich da jetzt aber genauer drauf eingehe, muss ich erstmal die ganzen Leute stoppen, die gerade anfangen Kommentare zu schreiben. Denn ja, ein Fernstudium im Bereich Psychologie reicht nicht aus, um sich anschließend zum Psychotherapeuten weiter zu bilden. Es gibt derzeit keinen Fernstudiengang, der dafür als Voraussetzung zugelassen ist – nur traditionelle Uniabschlüsse. Auch Psychiater könnt ihr damit nicht werden. Das sind nämlich Ärzte, die dafür vorher ein Medizinstudium brauchen. Nach dem Fernstudium ist man schlicht und einfach erst einmal nur ein Psychologe. Der forscht, berät, coacht und sowas. Er darf keine Medikamente verschreiben oder Therapien durchführen. Es ist aber nicht mein Anspruch sowas später mal tun zu dürfen – mal abgesehen davon, dass die Zusatzqualifikation für den Psychotherapeuten durchschnittlich mit heftigen 30.000€ zu Buche schlägt. Selbstfinanziert versteht sich und zeitlich kommt es auf das Bachlor- und Masterstudium ebenfalls noch mit dazu.

Meinen Interessen folgen

Webseite der IU

Nachdem das nun geklärt ist, zurück zu meinem Fernstudium: Zur Psychologie habe ich mich tatsächlich schon immer hingezogen gefühlt. Ich hab‘ bereits früher z.B. in der Bibliothek in solchen Büchern gestöbert und auch in der Casa Lysanda steht einiges in der Richtung im Regal. Der Grund ist so einfach wie traurig. Es wurde mir nämlich immer gesagt, dass ich komisch wäre. Gleichzeitig habe ich andere Menschen nicht verstanden inklusive der Erklärung warum ich komisch sei. Also wollte ich mehr darüber wissen, erfahren wie Menschen und vor allen Dingen ich selbst funktioniere. Sprich mich, mein Handeln und das anderer besser verstehen. Etwas, was ich bis heute tue.

Mitte des Jahres hatte ich dann ein Erlebnis, das in mir mal wieder die Flamme entfacht hat noch tiefer in die Sache einzusteigen. So habe ich mir zwar über die Jahre viel Wissen angeeignet (und es wird immer noch mehr). Aber es mal “richtig” und “offiziell” zu tun und am Ende dann auch was an die Tür schreiben zu können, ist logischerweise nochmal was ganz anderes. Tatsächlich habe ich allerdings damals erstmal viel mit ChatGPT darüber diskutiert was ich denn so alles machen könnte. Also was in der Richtung überhaupt für Angebote gibt, die meinen Wünschen/Bedürfnissen entsprechen. Ja, ich hab‘ erstmal mit einer doofen Maschine geredet statt mit meinem Mann. Das ist halt nicht sein Spezialgebiet und ich hatte bei dem Thema sonst keinen anderen :smile: . Aus den Gesprächen mit ChatGPT wurde dann die Idee geboren etwas in Richtung Psychologie bzw. genauer gesagt Gesundheitspsychologie zu machen. Von ihm kamen dann auch gleich ein paar Vorschläge an welcher Fernuni ich das tun könnte.

Einschreibung Nr. 1

Die Überschrift dieses Absatzes verrät es bereits: Die PFH ist jetzt die 2. Fernhochschule, an der ich mich eingeschrieben habe. Ich hatte mich im August zuerst an der Internationalen Hochschule (IU) im Bachelor Gesundheitspsychologie eingeschrieben. Nach meinen anfänglichen Recherchen klang sie trotz einiger kritischer Stimmen ganz gut und passte grundsätzlich zu dem, was ich suchte (Preis, Studienzeit und -inhalt). Leider fielen mir bereits während des Probemonats so einige Punkte auf:

Die IU wirbt beispielsweise damit, dass ihr jederzeit anfangen könnt. Ist dieser Tag jedoch am Wochenende, dann bekommt ihr euren Zugang erst montags – formaler Studienbeginn bleibt aber z.B. der Samstag. Man verschenkt also Tage. Außerdem erschwert dieses Modell das Zusammenkommen mit anderen Kommilitonen. Das ist doch etwas anderes, wenn alle gleichzeitig anfangen und dann auch dedizierte Veranstaltungen dafür da sind. Bei der IU gibt es nur regelmäßige Onlinemeetings für alle, die neu dazugekommen sind – unabhängig des Studienganges. Kein Wunder, dass der dazugehörige Chat mit “Lasst uns einen WhatsApp-Kanal aufmachen und uns vernetzen”-Anfragen überflutet wurde.

Weitere Negativpunkt

Aber gut: Ich habe meinen Probemonat begonnen und angefangen zu stöbern. Im Probemonat könnt ihr euch leider nur zwei Module aus eurem Studiengang anschauen. Über den Tellerrand schauen oder überall mal reinschnuppern geht nicht. Aber schon bei diesem begrenzten Zugang musste ich feststellen, dass das Onlineangebot der IU irgendwie nur halbgar ist. So hat die App mit den Skripten weder bei mir noch Sicarius funktioniert. Die Webseite selbst ist hingegen für meinen Geschmack umständlich/unübersichtlich und man findet teils ziemlich alte Videos. Also nicht nur vom Aufnahmezeitpunkt her, sondern auch stilstisch. Aber gut, das kann einem bei jedem Lehrer passieren. Nerviger waren daher angekündigte aber nie veröffentlichte Fortsetzungen. Der bereits ein paar Jahre alte Podcast hatte nur eine Folge. Woanders fehlte der zweite Teil der aufgezeichneten Lesung. Für das Geld (~15.000€), was ich da bezahle, darf sowas einfach nicht sein.

Außerdem war die Reaktionszeit der Administration nicht gut. Das Beantworten einer simplen Frage nahm eine Woche in Anspruch. Diese automatisierte Standardantwort-Mail, die gefühlt seit Corona mittlerweile jeder drin hat, von wegen “Uns erreichen viele Anfragen, kann deshalb länger dauern” hat mich da eher noch mehr verärgert als besänftigt. Und auch die Lieferzeit der ausgedruckten Skripte war schlecht. Erst nach ca. 10 Tagen kamen die ersten an. Wer also nicht am Rechner den Kram büffeln will, hat schon fast die Hälfte seines Probemonats mit Warten verschwendet.

Webseite der PFH

Der abschließende Anstoß, warum ich dann doch nochmal meine Entscheidung überdacht habe, war jedoch die Reaktion auf ein TikTok-Video von mir. Dort habe ich eine meiner ersten Studienunterlagen von der IU als Requisite in die Kamera gehalten und habe sofort negative Stimmen angelockt. Ja, es ging vornehmlich um das oben erwähnte Thema mit dem “wie geht es nach dem Studium weiter”, ihre Seriosität wurde aber ebenfalls angezweifelt. Und auch, wenn ich der Meinung bin, dass es übertriebene Hetze ist – ihr wisst schon “Meine Uni ist besser als deine!” und “Die wollen nur dein Geld.” -, hat es dazu geführt, dass ich mich doch nochmal auf die Suche begeben habe. Sonst hätten ewig die Zweifel an mir genagt, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Die Konkurrenz

Bei dieser zweiten Rechercherunde bin ich dann auf die PFH gestoßen. Keine Ahnung, warum die im Juli nicht in die engere Auswahl gekommen war. Vermutlich, weil sie nur einen generischen Psychologie-Studiengang haben. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sie sich aber durchaus als möglicher Kandidat. Das Zünglein an der Waage war dann, dass ich quasi sofort einen Zugang zum Onlinesystem bekommen konnte zum Stöbern. Und wenn ich sage “sofort”, dann meine ich das. Kein künstliches “Es ist Wochenende, deswegen geht das grad nicht”. Außerdem konnte ich dort auf alles zugreifen. Nicht nur auf zwei Module meines Studiengangs, sondern wirklich alles. Sprich sogar die anderen Bachelor- und sogar Master-Studiengänge. So konnte ich mir einen wirklich umfangreichen Einblick in das verschaffen, was mich erwarten würde, ohne mich dazu richtig einschreiben zu müssen. Der Zugang lief einfach nach vier Wochen aus. Keine Kündigung notwendig. Auch die paar Online-Veranstaltungen, die ich interessehalber besuchte, waren mir irgendwie sympathischer als bei der IU.

Einzig das Thema mit den Klausuren und Prüfungen hat mich anfangs etwas abgeschreckt. Während man bei der IU diese faktisch 24/7 durchführen kann, hat die PFH nicht nur vier feste Studienstartzeiten – auch die Prüfungen finden nur an festgelegten Tagen statt. Andererseits sah ich das durchaus als Vorteil für mich. Bin eher der Typ, der unter Termindruck besser arbeitet :smile: . Insofern fiel am Ende die Entscheidung die IU wieder hinter mir zu lassen und stattdessen zur PFH zu wechseln. Ob es die richtige Wahl war, werde ich freilich erst später sehen. Aber zumindest habe ich ein besseres Gefühl jetzt dabei. Dank einer Rabattaktion bin ich am mit der gleichen Studienzeit sogar billiger als bei der IU und das trotz monatlicher Zahlweise.

Allerdings gab es ein Problem mit dem Wechsel: Mein Probemonat war bereits abgelaufen und ich hatte meine kompletten Studiengebühren (ja, die knapp 15.000€) an die IU überwiesen. Als ein großer Batzen, weil das nochmal einen massigen Rabatt gab.

Positive Erfahrungen

Die Skripte zum Studiengang “Gesundheitspsychologie”

Kommen wir zum Abschluss also noch zu den paar positiven Erfahrungen, die ich mit der IU gemacht habe. So waren die Kündigung und die dazugehörige Rückzahlung der zu viel gezahlten Gebühren absolut kein Problem. Am Anfang habt ihr zum Glück eine einmonatige Kündigungsfrist. Ich habe also effektiv nur für den Probemonat sowie die zwei darauffolgenden bezahlen müssen. Und das Ganze wurde – im Gegensatz zu meinen Fragen – sehr zügig abgewickelt. Dürfte am Ende rund eine Woche gedauert haben bis ich das restliche Geld wieder auf dem Konto hatte. Die Anzeige im Onlineportal war zwischendurch zwar etwas verwirrend. Es sah so aus als würde ich plötzlich den doppelten Betrag schulden. Aber das ist wohl den Hintergrundprozessen geschuldet und hat sich am Ende mit der Schlussabrechnung aufgelöst.

Die Zeit bis mein Zugang zum Onlineportal dann tatsächlich abgeschaltet wurde, habe ich hingegen noch genutzt mir alle Skripte für alle Module meines Studiengangs in Papierform zu bestellen. Zum einen, weil ich schließlich dafür bezahlt habe :smile: . Zum anderen aber auch, damit ich in der Zwischenzeit schon einmal ein wenig reinstöbern konnte in Vorbereitung auf die PFH.

Zu guter Letzt bin ich bei meinen Recherchen vor der Anmeldung bei der IU auf Videos von Lennard Kleine Niesse gestoßen – FinanzLennard auf YouTube. Er hat wohl auch bei IU ein Fernstudium gemacht und entsprechend über sie berichtet. Leider finde ich das Video nicht mehr auf seinem Kanal? Egal: Er hat darin das Angebot gemacht seinen IU-Freunde-Werbencode bei der Anmeldung zu benutzen. Dafür bekommt er 200€, von denen er dann 100€ abgibt. Klingt im ersten Moment freilich komisch, aber zu verlieren hatte ich ja nichts. Entsprechend habe ich ihn über das Kontaktformular seiner Webseite angeschrieben und er hat zügig geantwortet. Und vor kurzem hatte ich die 100€ tatsächlich auf meinem PayPal-Konto. Hat also wunderbar funktioniert mit ihm und meine Verluste durch den Wechsel etwas verringert. Sehr schön.

Epilog

So viel zum Beginn meiner Reise. Am 1.1.2026 geht es wie gesagt dann richtig los und ich werde euch definitiv auf dem Laufenden halten. Warum sollte ich schließlich die hoffentlich interessanten Inhalte nur für mich behalten? In diesem Sinne: Alles Studium, oder was?

PS: Wenn ihr ebenfalls bei der PFH studieren wollt, dann meldet euch gerne bei mir wg. Freunde-Werben-Bonus.

Öffentliche Bücherboxen sind schon was echt Praktisches. Ja, die Leute stellen mitunter auch viel Mist rein. Reiseführer oder Gesetzestexte von vor 20 Jahren, Fachbücher zu Windows ME und sowas. Aber grundsätzlich sind sie mittlerweile eine angenehme Institution, in der man einfach mal zwanglos stöbern kann und dabei das ein oder andere Buch findet, was man vielleicht sonst nicht entdeckt/gelesen hätte. Kostet schließlich nichts es einfach mitzunehmen und wenn es nicht gut genug für einen dauerhaften Platz im Regal ist, geht es halt wieder zurück. Entsprechend haben wir bereits so einiges mitgenommen – aber zugebenermaßen noch nicht jedes davon gelesen. In der Casa Lysanda befinden sich definitiv zu viele Unterhaltungsmedien verschiedenster Art :smile: .

Doch ein Buch haben sowohl Lysanda (sogar 2mal!) und ich mittlerweile gelesen. Eingepackt habe ich es nur aufgrund des Titels:

Das Buch inkl. Bonus-Balu

Muss ich mich aufgeben, um von Dir geliebt zu werden?* (Jordan & Margaret Paul: Do I have to give up me to be loved by you?; 2000) – Das englische Original ist sogar schon 1983 erschienen, doch dieses psychologische Fachbuch hat tatsächlich kein bisschen an Aktualität verloren. Das Autorenpaar war damals in der Sexualtherapie tätig und stellte fest, dass die Beziehungen ihrer Klienten nach der vermeintlich erfolgreichen Therapie zügig wieder schlechter wurden. Es war quasi wie bei einer Diät. Man versuchte zwanghaft eine Veränderung zu erzwingen. Das klappt mitunter auch einige Zeit. Aber früher oder später fallen die meisten wieder ins alte Verhaltensmuster zurück. Oder wie sie es im Buch ausdrücken:

“Die Veränderungen beeinflussten die Qualität der Beziehung kaum. Die emotionale Distanz zwischen den Partnern blieb bestehen. (Paul & Paul, 2000, S. 10)

Entsprechend versuchten die beiden herauszufinden, woran das lag. Schon allein, weil auch ihre eigene Beziehung darunter litt. Warum funktionierte der klassische Gedanke nicht, dass man einfach nur genug Willenskraft braucht, um etwas zu verändern? Und als sie die Antwort darauf hatten, entwickelten sie daraus die “Intention Therapy” oder auf Deutsch “Absichtstherapie”.

Ich muss mich schützen!

Der Grundgedanke ist, dass die meisten Probleme dadurch entstehen, dass wir versuchen uns zu schützen. Also aufgrund unserer Schutzmechanismen. Ein einfaches Beispiel: Ich habe Angst davor, dass mein Partner mich verlässt. Meine inneren Schutzmechanismen versuchen deshalb ihm meine Unzulänglichkeiten nicht zu zeigen. Dabei ist es egal ob diese real sind oder ich mir diese nur einbilde. Durch dieses Verhalten schaffe ich jedoch eine Lücke/Distanz zwischen mir und meinem Partner. Er soll mich ja nicht so sehen, wie ich wirklich bin. Das allerdings führt erst recht dazu, dass er sich einsam, ausgeschlossen oder nicht gesehen fühlt. Und dann verlässt er mich deswegen. Was will er schließlich in einer Beziehung, wo es keine Nähe gibt?

Außer der Bereitschaft zu lernen dient jedes andere Verhalten in einem Konflikt dem eigenen Schutz. (Paul & Paul, 2000, S. 24)

Und dieses Verhalten zeigt sich in drei Formen: Da gibt es die Anpassung also, dass ich versuche den Konflikt schlicht zu vermeiden. Da bin ich zugegebenermaßen sehr geübt drin. Und am einfachsten vermeide ich den Konflikt, indem ich meinem Gegenüber einfach zustimme. Der typische Mitläufer quasi. Das Gegenteil ist der Versuch die Kontrolle zu gewinnen. Der andere MUSS umgestimmt werden. Es gibt keine Alternative. Und als drittes die Gleichgültigkeit. Der Konflikt wird also schlicht ignoriert.

Erkenntnis gewinnen

Die bekannteste/lauteste Form eines Konflikts ist sicherlich der Streit. Ein klassischer Machtkampf, um die Kontrolle zu gewinnen. Denn wenn ich die Kontrolle habe, bin ich geschützt. Aber gelernt habe ich dadurch nichts. Nehmen wir die Situation, dass euer Partner den Müll rausbringen soll. Er wollte es machen, hat es aber bis jetzt nicht getan. Nun geht ihr hin und sagt ihm, dass der Müll noch nicht rausgebracht worden ist. Der Vermeider würde jetzt einfach den Müll rausbringen. Der Gleichgültige würde euch vielleicht einfach nur ignorieren. Und bei einem Machtkampf würdet ihr euch jetzt streiten darüber, warum nicht du, sondern er den Müll rausbringen muss.

Optimal wäre es, wenn ihr in dieser Situation anfangen würdet zu erforschen, was das eigentliche Problem ist – also die dahinter liegende Absicht zu finden. Vielleicht mag der Partner es gar nicht den Müll rauszubringen. Möglicherweise wegen eines Vorfalls in seiner Kindheit. Oder er ist heute so fertig mit der Welt, dass er keine Kraft mehr dazu hat. Es geht quasi darum euer Gegenüber besser kennen zu lernen und gleichzeitig auch sich selbst. An einem Konflikt sind schließlich in der Regel beide beteiligt. Die eigenen Schutzmechanismen lösen nämlich gleichzeitig die des anderen aus. Warum ist es mir beispielsweise wichtig, dass er den Müll rausbringt? Ich könnte es ja einfach selber machen. Vielleicht, weil ich Angst habe im Dunkeln rauszugehen?

Fast alle Barrieren entstehen durch die Art und Weise, wie Menschen mit Konflikten umgehen. (Paul & Paul, 2000, S. 20)

Zwischen Einsicht und Umsetzung

Unsere Schutzmechanismen (Symbolbild)

Aber was mache ich jetzt mit dem, was ich beim Erforschen gefunden habe? Häufig hilft es ja schon, wenn man erkannt hat, warum etwas ist wie es ist. Warum ich in einer gewissen Situation so reagiere und immer wieder in alte Muster zurückfalle. Ich kann also mit dieser Information erstmal arbeiten und schauen, ob sich dadurch etwas verändern lässt. Ich könnte mich im Alltag selber beobachten und nach und nach versuchen die entsprechende Situation zu verändern und anders zu reagieren als bisher. Quasi mein System Mensch umzuerziehen, aus dem erzwungenen Verhalten herauszugehen und neue Möglichkeiten zu erschließen. Weil das Verhalten, das hier zu Tage kommt, habe ich mir ja nicht ausgesucht, sondern wird von meinen Schutzmechanismen erzeugt.

Beim Erforschen müssen übrigens nicht beide Partner mitmachen. Ihr könnt genauso nur euren eigenen Anteil erforschen. Da euch euer Partner aber (hoffentlich) am besten kennt, ist es nicht ideal es allein zu tun. Außerdem ist es meist schwierig einen ehrlichen Blick auf sich selbst zu werfen. Auch hier sind mitunter Schutzmechanismen am Werk, die das verhindern. Und im Worst Case sind dahinter NOCH mehr Barrieren. Denkt an eine Matrjoschka. Im Buch erzählen die Autoren beispielsweise von einem Mann, der am Ende zwölf Gründe fand, warum er nicht mit seiner Familie Ski fahren wollte.

Unsere Gesellschaft macht es uns ebenfalls nicht leicht, indem sie immer nur auf das Ergebnis schaut und nicht auf den Prozess. Wie der Müll schlussendlich rausgekommen ist, ist egal. Hauptsache er ist draußen. Wie sich die Beteiligten dabei fühlten oder welche Konflikte dabei auftraten, ist uninteressant. Die Beziehung wächst dabei aber nicht, weil die Konflikte erhalten bleiben. Damit diese zu einer lt. den Autoren “mitwachsenden Beziehung” werden kann, müsste man aber die Schutzmechanismen erforschen und zu bearbeiten. Das ist häufig wichtiger als das Problem selbst anzugehen. Denn wenn die Barriere weg ist, gibt es möglicherweise gar keins mehr.

Neugier, offen fürs Lernen ist die natürliche Absicht. […] Schutzmechanismen hingegen sind Strategien, die wir entwickelt haben, um Situation zu bewältigen, die uns Angst machen. (Paul & Paul, 2000, S. 22)

Für was bin ich der Chef?

Ein Kind möchte von Geburt an lernen. Es ist frei etwas auszuprobieren, unabhängig von Erfolg oder Versagen. Als Erwachsene verstecken wir uns hingegen hinter unseren Schutzmechanismen – egal ob bewusst oder unbewusst. Bei der Absichtstherapie geht es darum Freiheit zurückzugewinnen. Und darum sollten sich die Partner gegenseitig ermutigen zu erforschen, um sich und den anderen besser kennen zu lernen.

Aber was ist, wenn meinem Partner nicht gefällt, was er jetzt kennen lernt? Damit sind wir wieder am Anfang: Die Angst vor Zurückweisung. Das ist für viele die größte Angst – nicht nur in einer partnerschaftlichen Beziehung, sondern in jeder. Um jedoch einander näher zu kommen, muss ich meine Schutzmechanismen/Sicherheit aufgeben. Nur so wird – wie es die Autoren nennen – liebende Nähe möglich. Ich übernehme in dem Sinne die Verantwortung für meine Wünsche. Ich gebe sie dabei nicht auf, sondern erforsche warum sie nicht erfüllt werden. Denn wer frei tun kann, was er möchte, ist nicht verantwortungslos. Er übernimmt stattdessen die Verantwortung für seine Gefühle. Wie wir auf jemanden reagieren, ist nämlich immer unser eigenes Problem. Dafür kann der andere nichts. Umgekehrt sind wir aber auch nicht für sein Glück oder Unglück verantwortlich.

Wenn wir einmal glauben für die Gefühle des anderen verantwortlich zu sein, leben wir in einem Gefängnis aus Vorwürfen und Schuld, ohne zu sehen, dass Freiheit, geboren aus der Verantwortung für unsere Entscheidungen für uns möglich ist. (Paul & Paul, 2000, S. 219)

Epilog

Liebende Nähe (Symbolbild)

Wie ihr seht, hat Lysanda und mich das Buch sehr beschäftigt. Für Lysanda waren die Grundprinzipien zwar nichts Neues, aber es haben sich für sie Zusammenhänge nochmal besser erklärt. Und sie darin bestätigt, was sie denkt. Ich hatte es hingegen eingepackt, weil ich mich im Titel wiedergefunden habe. Ich bin definitiv einer, der sich zum vermeintlichen Wohle der Partnerschaft lieber aufgibt. Entsprechend hat mir Muss ich mich aufgeben, um von Dir geliebt zu werden?* zwar nicht unbedingt aus der Seele gesprochen, wie es immer heißt. Aber es hat definitiv einen Nerv getroffen und mir neue Denkanstöße gegeben. Im Grunde ist es mir nämlich auch klar, dass es absolut nicht gut für mich (und meine privaten wie beruflichen Beziehungen) ist, wenn ich mich immer nur zurücknehme. Mein Spielebacklog wird dadurch schließlich auch nicht kleiner :wink: .

An dieser Stelle also eine klare Leseempfehlung für das Werk, wenn ihr es noch irgendwo finden könnt. Obwohl es eigentlich ein Fachbuch ist, ist es tatsächlich relativ einfach zu lesen. Vermutlich deshalb, weil immer wieder das ganze Anhand von Anekdoten erzählt wird und weniger wissenschaftliche Zusammenhänge oder sowas. Und jetzt entlasse ich euch noch mit diesem Gedanken der Autoren:

Alle größeren Systeme – politischer, religiöser, erzieherischer oder familiärer Art – arbeiten mit Angst und Schuld, um Herrschaft, Kontrolle oder Lernen zu erzwingen. (Paul & Paul, 2000, S. 255)

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