Kaliumpulver

Kaliumcitrat

Beim Thema Gesundheit kommt man sich fast wie in einem Hamsterrad vor. Hat man ein Problem gelöst, kommt direkt schon das nächste hoch. So hatten wir im Eintrag über Eisen geschrieben, dass Lysanda ihr Restless Legs Syndrom (RLS) durch die Behebung ihres Eisenmangels verschwunden ist. Das war im Nachhinein betrachtet aber nur die halbe Wahrheit. Ja, sie hatte nicht mehr jeden Tag die Probleme aber komplett weg war es doch nicht. Es musste also noch irgendwo etwas sein. Bei ihren weiteren Recherchen ist sie dann auf eine relativ frische Studie (2016) aus Bangladesch gestoßen in der ein Zusammenhang zwischen RLS und einem Kaliummangel festgestellt wurde. Da stellte sich natürlich erst einmal die Frage:

Was ist Kalium?

Wie formuliert es Wikipedia so schön? „Kalium ist ein für die Erhaltung des Lebens essenzieller Mineralstoff“. Finde ich immer gut, wenn sich die Wissenschaft mal darüber einig ist, dass bestimmte Sachen für uns extrem wichtig sind. Aber Scherz beiseite: Kalium, früher auch Potassium genannt, gehört zu den Elektrolyten in unserem Blut und ist ein sogenanntes Makromineral. Dieser Begriff bedeutet nichts anders als, dass unser Körper eine relativ große Menge davon benötigt. Zu einem Elektrolyte wird hingegen ein Mineralstoff dann, wenn er in der Lage ist elektrische Ladung zu tragen, sobald er sich in einer Flüssigkeit auflöst. In unserem Körper ist das logischerweise vor allem unser Blut. Die Elektrolyte teilen sich außerdem auf in positiv geladene Kationen (Kalium, Natrium, Calcium und Magnesium) sowie negativ geladene Anionen (Chlorid und Bikarbornat und Phosphat).

Diese Elektrolyte sind immens wichtig für uns, denn sie helfen unter anderem bei der Regulierung der Nerven- und Muskelfunktionen und halten den Wasserhaushalt stabil. Oder um es an einem einfachen Beispiel festzumachen: Hätten wir keine Elektrolyte im Körper würden wir buchstäblich zu einem Haufen Matsch und Knochen zerfallen, weil alles Wasser aus uns herauslaufen würde. Die Zellmembranen sind nämlich grundsätzlich Wasserdurchlässig. Besonders Natrium sorgt jedoch dafür, dass der Flüssigkeitsspiegel in den sogenannten Flüssigkeitskompartimenten (Zellen, Zellzwischenräume und Blut) auf einem bestimmten Niveau gehalten wird. Der Körper stellt quasi fest, dass ihm irgendwo Flüssigkeit fehlt, schickt Elektrolyte hin und die rufen dann ihren Freund das Wasser an, um sie zu ihrer tollen Party in Zelle 123C einzuladen.

Gesteuert wird die Anzahl der Elektrolyte (und dem Wasser) im Blut übrigens durch die Niere. Sind zu viele da, filtert sie das Zeug raus und lässt es euch über den Urin und Kot ausscheiden. Ansonsten schickt sie sie zurück ins Blut. Durch unseren Atem verlieren wir zusätzlich ständig ein paar Elektrolyte. Und ja, ihr habt es richtig erkannt: Elektrolyte gehören zu den Salzen. Ohne die übrigens auch Wasser nichtleitend wäre. Kommen wir aber nun zurück zum Kalium.

Was macht’s?

Speck und Kalium

Es heißt, dass 98% des gesamten Kaliums in unserem Körper sich in Zellen befindet und davon wiederrum 80% in den Muskeln. Dort unterstützt es nicht nur das Wachstum, sondern ist vor allem zuständig zur Weiterleitung von Nervenimpulsen. Das Gehirn schickt quasi ein Signal an euren Arm von wegen „jetzt die Muskeln anspannen“ und das Kalium sorgt dafür, dass es dort ankommt und umgesetzt wird. Deswegen bekommt ihr bei einem zu hohem (Hyperkaliämie) oder zu niedrigem (Hypokaliämie) Kaliumwert im Blut unter anderem Probleme mit dem Herzen. Sprich Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall der Herzstillstand.

Allerdings ist unser Körper extrem gut darin mit Kalium umzugehen. Ist der Kaliumspiegel im Blut zu niedrig, holt es einfach welches aus den Zellen heraus. Und stellt ihr ihm zu viel zur Verfügung, dann ignoriert er es und leitet es direkt zum Hinterausgang. Entsprechend selten kommt es zur Hyperkaliämie. In so einem Fall liegt das Problem entweder bei den Nieren oder die Zellen haben irgendeinen Schaden, wodurch es ungehindert rausfließt. Nur wenn das eintritt kann der Kaliumspiegel im Blut zu hoch werden und tolle Sachen wie Darmverschluss, Muskelschwäche und Lungenversagen eintreten.

Der umgekehrte Fall ist da schon wahrscheinlicher. Entweder, weil ihr nicht genug Kalium über eure Ernährung aufnehmt oder aus diversen Gründen (z.B. Durchfall oder Nierenüberfunktion) einen erhöhten Ausschuss habt. Die Symptome einer Hypokaliämie sind jedoch relativ identisch zur Hyperkaliämie. Auch hier können Lähmungen, Muskelschwäche und dergleichen auftreten. Also definitiv keine lustige Angelegenheit.

Menge?

Kalium in Reinform gibt es in der Natur nicht. Es ist stattdessen in anderen Mineralien wie Kainit, Slyvin oder Muskovit zu finden. Außerdem gibt es die Kaliumsalze, die durch Verdampfung auf ehemaligen Meeresböden entstanden sind. Wir bekommen das Kalium aber natürlich vor allem über unsere Nahrung in den Körper. Der absolute Minimumwert liegt wohl bei 2g/Tag. Nehmt ihr weniger zu euch, habt ihr bereits massive Probleme. Die DGE empfiehlt hingegen 4g/Tag. Sie gibt offen zu, dass sie für diesen Wert keine richtige Begründung hat. Stattdessen basiert dieser Schätzwert auf einer Studie in der die Kaliumausscheidung von in Deutschland lebenden Männern und Frauen gemessen wurde. Sprich man hat dabei festgestellt, dass im Durchschnitt 4g/Tag Kalium in Deutschland konsumiert werden und das als Richtwert festgelegt. Wahnsinn…

Die WHO empfiehlt hingegen mindestens 3,5g/Tag während z.B. Kanada schon einen Schritt weiter ist. Die sagen es sollten schon 4,7g/Tag sein, um nicht nur eine erhaltende, sondern auch eine präventive Wirkung zu haben. Studien haben wohl gezeigt, dass sich so Schlaganfällen, Nierensteinen und anderen Sachen vorbeugen lässt. Eine dieser Studien behauptet gleichzeitig, dass eine Menge von über 4,7g/Tag keinen gesundheitlichen Mehrwert hätte. Sprich hier wird der Körper einfach alles darüber direkt an den Darm weiterschicken.

Zu viele Bananen!

Kommen wir nun zur wichtigsten Frage: Woher bekommen wir unsere 4,7g/Tag? Durch Essen von Obst- und Gemüse – wie immer. In 100g getrockneten Sojabohnen sind z.B. 1,8g enthalten. Isst natürlich keiner. Auch 100g Pistazien (1g) dürften nur Hardcorepistazienliebhaber schaffen. Immerhin sind Nüsse grundsätzlich ein guter Kaliumlieferant (Mangeln 705mg, Erdnüsse 674mg). Gerne genannt werden außerdem Bananen (gekocht – 464mg) und Spinat (gekocht – 466mg). Wir empfehlen es aber nicht jetzt 10 Bananen zu essen. Da habt ihr dann zwar vielleicht eure Tagesdosis Kalium aber dafür u.a. sehr viel Zucker intus.

Und auch für Leute, die Obst- und Gemüse für unnötige Platzverschwendung auf dem Teller halten: Wer viele Kohlenhydrate zu sich nimmt, kommt dadurch tatsächlich (wie die DGE-Studie gezeigt hat) ebenfalls relativ einfach auf seine 4g/Tag. In 100g Pommes Frites sind z.B. immerhin 550mg enthalten, Vollkornbuchweizenmehl hat auch seine 577mg. Wer 100g Weizenkleie (die Schale der Weizenkörner) isst, bekommt sogar die volle Dröhnung mit 1,35g. Aber das macht keiner. In normalem Weizenmehl sind hingegen nur noch 107mg. Die Portion Spaghetti Bolognese (100g Tomatenmark hat 1g) ist trotzdem gut für den Kaliumhaushalt.

Ein etwas hoher Kaliumwert im Blut.

Ihr seht: Probleme mit einem niedrigen Kaliumspiegel haben also vor allem die, die sich Low Carb ernähren oder an Krankheiten leiden. Es empfiehlt sich zwar trotzdem mal nachzuschauen, was man den ganzen Tag so isst und ob da genug Kalium drin ist. Im Normalfall sollte das Minimum aber erreicht werden – solange der Bauer fleißig düngt, denn wo nichts ist, kann nichts rauskommen. Das Kalium in der Erde wird von der Pflanze aufgenommen, der Bauer holt sie aus dem Acker raus und ihr esst es dann. Vergisst er anschließend Kalium zu düngen, habt ihr nicht nur keins auf dem Teller. Auch die Pflanzen leiden bereits darunter und werden nicht so schön, wie es der normale Verbraucher erwartet.

Wertermittlung

Euer Kaliumwert ist tatsächlich im normalen Bluttest enthalten. Die Normwerte liegen hier je nach Labor so zwischen 3,5 und 5,1mmol/l. Dabei entspricht 1 mmol 39,1mg womit wir bei 136,85mg bzw. 199,41mg Kalium im Blut wären. Es stellt sich für mich aber die Frage wie Aussagekräftig dieser Wert tatsächlich ist. Wie oben erwähnt befinden sich 98% des Kaliums in den Zellen und der Körper reguliert selbstständig wie viel im Blut rumfleucht. Das bedeutet für mich: Der Wert ist ähnlich wie beim Magnesium solange normal bis im Prinzip alles Kalium in den Zellen ausgesaugt wurde und man vermutlich schon tot irgendwo rumliegt. Der Blutwert dürfte hingegen nur dann schlecht sein, wenn z.B. ein Nierenproblem vorliegt.

Eine genauere Aussage liefert entsprechend vermutlich der Urintest, bei dem man ähnlich wie beim Jod- oder Vitmain B-Test oben was reinkippt und schaut wie viel davon unten wieder rauskommt (=Überschuss). Da ist zwar auch eine gewisse Unschärfe drin, weil man die Schnelligkeit berücksichtigen muss mit der der jeweilige Proband das Kalium verarbeitet. Aber man bekommt immerhin eher ein Gefühl dafür wie viel Kalium der Körper verbraucht und kann daraus dann besser ableiten ob das gut oder schlecht ist als beim reinen Blutwert.

Unsere Erfahrung

Ein Eimer Kalium

Lasst uns nun zum Abschluss des heutigen Eintrags den Kreis schließen. Lysanda ist auf Kalium gestoßen, weil sie immer noch Probleme mit RLS hatte. Sie hat dann von der Studie erfahren, bei der 100% der 68 Probanden nach 45 Tagen vollständig beschwerdefrei waren und hat angefangen Kalium zu substituieren. Da die Kapseln immer so extrem teuer sind, haben wir uns dafür vor zwei Jahren unseren ersten Eimer Kaliumcitrat Monohydrat gekauft. Das Produkt hat eine Pharmaqualität von 99% und einen Kaliumgehalt von 36%. Reines Kalium gibt es wie gesagt nicht. Davon hat sie Anfangs zwei gehäufte Teelöffel pro Tag genommen, was ungefähr 12g entspricht und ca. 4,3g Kalium enthält. Mittlerweile ist es nur noch ein gehäufter Teelöffel pro Tag. Und siehe da: Das Restless Legs Syndrom ist komplett verschwunden. Keine schlechten Tage mehr, an denen es doch noch hochkommt. Perfekt!

Nach der Recherche für diesen Eintrag ist das für mich sogar logisch: Kalium ist vor allem in den Muskeln und steuert dort die Nervenimpulse. Für den Körper sind hingegen die Extremitäten keine ganz so essentiellen Körperbestandteile. Sprich wenn ihm Kalium irgendwo fehlt, zieht er es vermutlich erst einmal aus den Beinen und den Armen ab, um den restlichen Körper am Leben zu erhalten. Zwar kann RLS – anders als der Name impliziert – auch an anderen Stellen als nur den Beinen auftreten. Es ist aber doch am häufigsten dort zu finden. Warum es hingegen vor allem abends auf der Couch oder im Bett auftritt, kann ich allerdings nicht ganz so klar erklären. Könnte es mir aber damit herleiten, dass hier die Beine entspannt sind und keiner Belastung ausgesetzt sind. Also denkt vermutlich auch hier der Körper: „Geil, da wird’s grad nicht gebraucht! Raus damit und z.B. ab ins Herz!“. Das ist aber jetzt wirklich reine Spekulation von mir.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

P.S: Natürliches Kalium ist übrigens radioaktiv. Das Kalium in eurem Körper verursacht mit 0,17mSv/Jahr fast 10% der natürlichen radioaktiven Belastung in Deutschland. Noch ein Grund eine Überdosis zu vermeiden :smile: .

Der Webmaster hat letzte Woche viel über die aktuelle Mission in The Division geflucht (Anm. d. Redaktion: Die Befreiung von Grand Central Station ist halt absolut bockschwer!), die er einfach nicht schafft und hat euch entsprechend nichts Neues zu erzählen. Also muss mal wieder ich ran, eure (Anm. d. Redaktion: liebe und nette) Lysanda, und ihn einen Eintrag in meinem Namen tippen lassen. Ja, er muss selbstverständlich trotzdem Arbeiten. Wo kämen wir denn sonst hin?! Und da ich euch zwar viel über Best Fiends und Cooking Dash erzählen könnte, ihr aber schon so genug zockt, stelle ich euch mal wieder ein paar Bücher vor. Genauer gesagt die Touched-Trilogie (im Original Sense Thieves-Trilogie) von Corrine Jackson.

Touched – Der Preis der Unsterblichkeit

(Cover)

Remy ist ein besonderes Mädchen, denn sie ist eine Heilerin. Allein durch ihre Berührung kann sie selbst schwerste Wunden schließen und sogar Krebs bekämpfen. Doch die Heilung hat einen Preis: Nicht nur wird ihr abhängig von der Schwere der Verletzung bei der Heilung Energie entzogen, sie übernimmt dabei die Krankheit und muss sich anschließend selbst heilen. Das bedeutet, wenn sie z.B. einen Knochenbruch in Ordnung bringt, bekommt sie selbst einen und muss versuchen sich mit ihrer verbleibenden Energie dann ebenfalls zu heilen. Je nach Art der Verletzung also keine ganz einfache und schon gar nicht ungefährliche Sache.
Doch am Anfang des Buches sind schwere Krankheiten noch nicht das Thema. Stattdessen ist sie gefangen als 17-jährige in einer Familie, in der ihre Mutter und sie von ihrem Stiefvater misshandelt werden. Sie heilt also vor allem blaue Flecken, Verbrennungen und dergleichen bis eines Tages ihr Stiefvater wieder einmal zu weit geht und sie ins Krankenhaus kommt. Dort besucht sie ihr leiblicher Vater, der sie mit zu seiner Familie nimmt und ihr so einen Neustart ermöglicht. Dabei lernt sie Asher Blackwell kennen, der sich wundert, warum sie keine Angst vor ihm hat.

Sie erfährt, dass es nicht nur noch mehr von ihrer Sorte gibt, sondern die Heilerinnen sich im Krieg mit den Beschützern befinden. Personen, die – wie der Name schon sagt – eigentlich die Aufgabe haben die Heilerinnen vor Schaden zu bewahren. Das Verhältnis zwischen beiden Gruppen hat sich jedoch schon vor Generationen zum Schlechten gewandelt. Es kam zum Krieg und die Beschützer entdeckten, dass sie durch die beim Tod einer Heilerin freigesetzten Energie unsterblich werden – mit dem Nachteil, dass sie viele ihrer Sinne verlieren. Sie könne nicht mehr riechen, nicht mehr schmecken und werden emotionslos. Nur wenn sie einer anderen Heilerin die Energie entziehen, können sie für kurze Zeit (bis die Heilerin an Kraftverlust stirbt) zu ihrem alten „ich“ zurückkehren. Und natürlich sind Asher und seine ganze Familie Beschützer.

Touched – Die Schatten der Vergangenheit

Im zweiten Buch nimmt Remy Kontakt zu ihrem Großvater Franc auf. Während ihre Mutter nicht gut auf ihn zu sprechen ist, möchte Remy mehr über den Mann erfahren und folgt ihm in sein Dorf voller Heiler. Doch hinter der schönen Fassade umgeben von vermeintlich gleichgesinnten Heilerinnen versteckt sich – wie sollte es auch anders sein – ein düsteres Geheimnis und schon bald muss Remy nicht nur um ihr eigenes Leben fürchten.

Touched – Die Macht der ewigen Lieben

Nachdem der Großvater auf freundliche Art und Weise nicht das bekommen hat, was er möchte, entführt er kurzerhand Remys Vater und versucht so Remy zu sich zu zwingen. Dabei verletzt er ihre Stiefmutter so schwer, dass sie ins Koma fällt. Remy möchte zwar ihren Vater retten, hat ihm jedoch nichts entgegen zu setzen. Also begibt sie sich zusammen mit ihren Freunden auf die Flucht quer durch das Land – verfolgt von den Beschützern und den Schergen ihres Großvaters.

(Cover)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für die Trilogie 3 von 5 Sics und keinen Platz im Regal. Auch wenn die deutsche Hardcover-Version schön anzuschauen ist, nehmen sie für ihre jeweils nur rund 400 Seiten einfach zu viel Platz weg. Daran merkt man schon, dass es sich um Teenie-Romane handelt, die für eine jüngere Zielgruppe konzipiert sind, die noch eine etwas größere Schriftart benötigt. Und wenn wir schon bei der Aufmachung sind: Die Rückentexte sind inhaltlich teilweise nicht richtig außerdem stören mich Bücher mit Umschlägen ehrlich gesagt von Natur aus. Umschläge sind doch zum kaputt gehen konzipiert oder welcher Sinn wird mit ihnen bitte verfolgt? Ganz nett hingegen ist das integrierte Lesezeichen.
Inhaltlich hat mich tatsächlich der fehlende Sex gestört. Die Figuren hatten zwar ganz klar ihre physiologischen Gründe dafür, aber da die Autorin so viel Wert auf die Beziehung zwischen Remy und Asher legt, war es schon anstrengend zu lesen wie sie Kapitelweise gewollt aber nicht gekonnt haben. Kann man jetzt auch wieder mit „Ist halt ein Teenie-Roman“ abtun, aber für mich definitiv genauso nervig wie die vielen unnötigen Längen in der Erzählung. Die drei Bücher hätte man gut auf zwei zusammenkürzen können und trotzdem nichts Wichtiges verloren. So durchlaufen bspw. mehrere Personen hintereinander persönliche Krisen, die aber die eigentliche Geschichte nur begrenzt weiterbringen.

Mein größtes Problem mit Touched ist allerdings, dass ich mich einfach nicht mir Remy oder einem anderen Charakter wirklich identifizieren konnte. Speziell Remy ging mir mit ihren ewig vielen Schuldgefühlen sehr auf die Nerven. Dafür habe ich schon zu viel Lebenserfahrung und halte nichts von Selbstvorwürfen. Als Jugendroman ist die Serie bestimmt ganz nett aber meiner Altersgruppe kann ich es nicht mehr ans Herz legen.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen mal wieder mehr zu lesen und ich muss sagen: Wir nähern uns der Halbzeit von 2019 und ich hab‘ tatsächlich schon gut ein Dutzend Bücher in diesem Jahr verschlungen. Neben ein paar Fachbüchern natürlich vor allem Werke die zu meinem Beuteschema „Frau als Protagonist“ passen. Nicht alle davon fanden anschließend einen ewigen Platz in unseren Bücherregalen aber wie bei jedem Unterhaltungsmedium gilt auch bei Büchern: Geschmack ist Subjektiv. Was mir nicht gefällt, gefällt vielleicht euch. War das jetzt schon ein Spoiler für die heutige Auswahl? Nur zum Teil :smile: .

(Cover)

Die Herrin der Träume (Sara Sef; La Señora de los Sueños; 1993) – Ich, Ana Fernández, ich Unglückliche, bin eine Frau, die sich langweilt. Das Leben ist mir eine Last, nichts interessiert mich, mein Dasein hat keinen Sinn.. So beginnt das Werk der mexikanischen Autorin. Depressiver könnte es wohl nur sein, wenn sie die Protagonistin dabei auf eine Brücke bereit zum Absprung stellen würde. Doch so extrem ist es nicht. Ana ist „nur“ gefangen in ihrem Alltag. Sie ist die typische Hausfrau und Mutter, die darüber hinaus nichts in ihrem Leben hat. Die Kinder und ihr Mann nehmen sie als so selbstverständlich wahr wie ein Möbelstück. All ihre Tage sind gleich und so verfällt sie in eine Depression.

Dort ist sie gefangen ohne Ausweg, bis sie an einer Buchhandlung vorbeikommt und das Lesen für sich entdeckt. Die Bücher erlauben es ihr in fremde Welten einzutauchen, in die Schuhe jemand anderes zu schlüpfen und allerlei Dinge zu erleben. Mit jedem Buch verändert das Gelesene Ana und auch ihre Depression. Sehr zum Unmut ihrer Familie, die für Veränderungen wenig offen ist. Doch die „Macht der Literatur“, wie es so schön auf dem Buchrücken zu lesen ist, lässt sich nicht aufhalten. Eingebettet ist die Handlung in die Therapie der Familie beim Psychologen. Ana erzählt ihm die Geschichten aus den Büchern mit ihr als Protagonistin, erläutert ihm ihr veränderndes Leben und die Familienmitglieder beschreiben ihr Unverständnis über die jeweilige Veränderung bzw. wie sie damit umgehen.

Beim Christoph meint: Von mir erhält Die Herrin der Träume 3 von 5 Sics. Das Thema „Hausfrau“ ist jetzt nicht so meins und hätte ich das Buch nicht kostenlos aus einer Bücherbox, ich hätte es vermutlich nie gelesen. Zumal es zum Glück heute nicht mehr der Standard ist, dass Frau nur Zuhause rumsitzt, den Haushalt bewältigt und ihren Mann und ihre Kinder umsorgen muss. Die Frage „Was wäre, wenn ich in diesem Buch leben würde?“ – mit Buch meine ich die Bücher der Protagonistin – finde ich jedoch spannend. Auch der grundlegende Aufbau des Werks hat mir gefallen. Im Vordergrund der Erzählungen steht vor allem die Selbstreflektion von Ana. Was hat sie durch das Lesen des jeweiligen Buches gelernt, wie hat die Tochter auf Anas Verhaltensveränderung reagiert und dergleichen.

Doch obwohl Die Herrin der Träume mit etwas mehr als 300 Seiten nicht das dickste Buch ist, schwaffelt die Autorin mir zu sehr. Ich muss nicht wissen, dass das blaue Kleid auch noch sechs Schleifen und zwanzig gelbe Bommel hat. Oder wie viele ausschweifende Feste in Russland gefeiert werden. Da bin ich eher jemand, der es kurz und direkt mag. Insofern hat sich das Lesen etwas unnötig hingezogen. Unterm Strich bin ich zwar ganz froh das Buch entdeckt und gelesen zu haben aber irgendwann noch einmal in die Hand nehmen werde ich es definitiv nicht. Anders sieht es beim folgenden Buch aus:

(Cover)

Neva (Sara Grant; Dark Parties; 2011) – Protektionismus erlebt nicht erst seit Trump eine Art Renaissance. Entsprechend aktuell ist der Jugendroman der amerikanischen Autorin. Das Heimatland ist eingeschlossen von einer mächtigen Energiekuppel. Kontakt mit der Außenwelt findet schon lange nicht mehr statt und in der Kuppel wird alles und jeder überwacht (1984 lässt grüßen). Freiheit und Individualität sind über die Jahrhunderte hinweg immer weiter zurückgedrängt worden – das geht sogar so weit, dass sich die Menschen in der Kuppel äußerlich immer ähnlicher geworden sind. Als Ursache wird ein Ereignis namens „Terror“ von der Regierung genannt (da ist er wieder, der Echtweltbezug). Das wäre angeblich damals nur passiert, weil alle zu Individuell gewesen wären. Nur die Kuppel konnte die Gemeinschaft und damit die Menschheit vor dem Aussterben retten. Außerhalb der Kugel gäbe es auch nichts mehr.

Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Natürlich nicht. Ein Teil Jugend hat es wie immer nicht so sehr mit Kontrolle, Gleichheit und solchem Firlefanz. Um sich von den anderen abzugrenzen, lassen sie sich tätowieren oder malen sich Zeichen auf ihren Körper. Stiller Protest quasi. Mittendrin ist die 16jährige Neva. Sie kommt zwar als Tochter eines Ministers aus einem guten Hause, fühlt sich aber wie viele Jugendliche etwas verloren und ist auf der Suche nach sich selbst. Gleichzeitig vermisst sie ihre Großmutter, die eines Tages einfach verschwunden ist. Sie beginnt daraufhin zu beobachten, dass immer mehr Menschen verloren gehen. Da sie aber keine Fragen stellen darf und schon erst recht keine Antworten bekommt, beschließt sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin gegen die Regierung zu rebellieren. Ab diesem Zeitpunkt wird sie zur Gejagten und muss nicht nur um ihr eigenes Leben fürchten.

Beim Christoph meint: Mir hat Neva gefallen und es gibt entsprechend 4 von 5 Sics. Negativ in Erinnerung bleibt mir die Liebesgeschichte. Sie bringt weder die Protagonistin weiter noch wird sie zu einem befriedigenden Ende geführt. Stattdessen ist sie einfach nur da, um bestimmte Punkte der Haupthandlung weiter voran zu treiben. Dies hätte man aus meiner Sicht aber auch anders lösen können. Gleichzeitig bleiben andere, interessantere Handlungsstränge auf der Strecke denen ich gerne weiter gefolgt wäre. Zudem hätte Neva noch ein paar weitere Details über Heimatland in Erfahrung bringen können. Und obwohl das Motiv der Gejagten natürlich einen gewissen Druck erzeugt, ist Neva Geschichte weniger von schweren Entscheidungen und mehr durch reaktionäres Handeln geprägt.

Dennoch ist die Geschichte spannend erzählt und wie erwähnt leider ein brandaktuelles Thema. Die Protagonistin ist für mich glaubwürdig und jemand, in den ich mich hineinversetzen kann. Dank der Ich-Perspektive bin ich als Leser auch jederzeit mittendrin, weiß teilweise sogar weniger als Neva und bin stattdessen bei jeder mehr oder weniger überraschenden Wendung live dabei.

Eine Fortsetzung ist zwar seit langem angekündigt aber aus meiner Sicht ist die Geschichte abgeschlossen. Zusätzliches Material gibt es aktuell nur in Form des eBooks Neva: Tag der Befreiung. In den beiden Kurzgeschichten spielt unter anderem Nevas Großmutter eine Hauptrolle.

Das weiße Gold

Sagen wir es doch mal wie es ist: Technisch gesehen dürften wir eigentlich gar nichts mehr Essen oder Trinken. Je nachdem wen man fragt, führt entweder alles zu Krebs, Übergewicht oder irgendwelchen anderen Zivilisationskrankheiten. Das macht doch keinen Spaß mehr. Und wem wird gerne die Hauptschuld zugeschoben? Na dem armen Zucker – auch gerne hinter einem seiner vielen Namen wie Saccharose, Raffinose, Malzextrakt, Laktose, Maltodextrin oder Glukose versteckt. Dabei kann unser Körper gar nicht ohne ihn leben. 60-140mg pro Deziliter sollten es im Blut sein. Aber es ist halt wie immer: Es ist meist zu viel. Als könnte das natürlich vorkommende Lebensmittel etwas dafür, dass wir es uns tonnenweise Reinschaufeln. Okay, natürlich kann der Zucker was dafür. Er liefert unserem Körper je nach Sorte schnell einsatzbereite Energie (4 kcal pro Gramm). Und weil der sich so darüber freut, sorgt unser Gehirn dafür, dass er gut schmeckt, lässt fleißig Endorphine los und wir wollen immer mehr davon haben. Aber dadurch, dass es schnelle Energie ist, hält der Schub auch nicht lange an. Es kennt sicherlich jeder von uns das Gefühl, wenn der Blutzucker rapide absinkt und man plötzlich wieder Hunger verspürt obwohl man doch vor 2-3 Stunden erst was gegessen hat.

Es wäre natürlich super, wenn der Körper diese Energie tatsächlich in der Zeit verbraucht hätte. Aber ich erzähle euch hier selbstverständlich nichts Neues: Der Zucker landet stattdessen da, wo wir ihn alle nicht haben wollen. Am Bauch, den Hüften, den Beinen, etc. pp. Und dann dauert es 100mal so lang ihn wieder los zu werden. Die Welt ist einfach ungerecht *mampft aus Verzweiflung erst einmal eine ganze Tafel Schokolade*. Der Grund für die Einlagerung ist, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu hoch sein darf. Euer Körper schüttet entsprechend bei einer Zuckerzufuhr eine Runde Insulin aus, um den Spiegel zu senken. Da er den Zucker aber nicht aus dem Körper entfernen will (ist ja ein guter Energiebringer für später), lagert er ihn deswegen einfach ein. Leider ist er dabei etwas zu enthusiastisch, weshalb der Zucker zügig weg ist – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Gleichzeitig entkommt man dem Zucker quasi nicht. Nicht nur ist er aus diversen Gründen in sehr vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten – oft in wirklich fragwürdigen Mengen. Auch in natürlichem „Kram“ wie Obst findet ihr ihn in Form von Fruchtzucker. Natürlich ist ein Apfel trotzdem besser als eine Tüte Chips.

Die Kohlenhydratfalle

Nur 1,2g Zucker?! Nein.

Wichtig: Überall wo Kohlenhydrate drin sind, ist auch Zucker drin. Und zwar nicht nur, wenn auf der Packung die Angabe „davon Zucker“ draufsteht, sondern grundsätzlich. Warum? Weil Kohlenhydrate aus Zuckermolekülen bestehen. „Aber meine Nudeln schmecken doch nicht süß?!“ wird jetzt der ein oder andere sagen. Aber sie enthalten Stärke und das ist ein Polysaccharid oder auf Deutsch ein Mehrfachzucker. Zu den Einfachzuckern (Monosaccharide) gehören hingegen unter anderem Glukose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). Bekloppterweise – schließlich haben wir den Begriff „Mehrfachzucker“ ja bereits – gibt es ebenfalls noch die Zweifachzucker (Disacchardie). Das ist der normale Haushaltszucker. Ein- und Zweifachzucker sind die, die eine Sache süß schmecken lassen und deshalb vor allem in Süßigkeiten und Schokolade vorkommen. Sie sind es auch, die unter der Angabe „davon Zucker“ separat gelistet werden. Sie sind angeblich bloße Energieträger und enthalten keine Vitamine oder Mineralstoffe. Sie sorgen für den schnellen Energieschub, weil der Körper Einfachzucker sofort verarbeiten kann und Zweifachzucker zügig in Einfachzucker umwandelt.

Die Mehrfachzucker sind zwar nicht weniger schädlich, aber eben nicht ganz so extrem wie ihre einsilbige Konkurrenz. Der Hauptgrund ist, dass der Körper länger damit beschäftigt ist sie zu verarbeiten (=Umwandeln in Einfachzucker). Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel langsamer an und man hat ein längeres Sättigungsgefühl (=weniger Essen). Gleichzeitig enthalten Lebensmittel mit „komplexen“ Kohlenhydrathen (also Mehrfachzucker) oft zusätzlich viele Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und derlei Kram. „Mehr Vollkorn essen!“ hat schließlich schon die Oma immer gesagt. Aber Achtung: Das ist eine „kann“- und keine „muss“-Regel. Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydrathen KÖNNEN gesunde Anteile enthalten. Sie können aber auch einfach nur aus Mehrfachzucker bestehen ohne das ganze gesunde Zeugs.

Denn wie heißt es so schön? Die Menge macht das Gift. Es ist völlig egal ob ich 500kcal an Einfachzucker esse oder 500kcal an Mehrfachzucker. Ich hab‘ am Ende des Tages immer noch 500kcal gegessen, die mein Körper erstmal verbrauchen muss oder schlicht und einfach einlagert.

Die Alternativen

Farbiges Wasser

Wir können also festhalten: Zucker per se ist nicht böse und wird vom Körper prinzipiell gebraucht. Unser Problem ist stattdessen, dass wir eine viel zu große Menge zu uns nehmen. Die Kartoffeln zum Mittagessen werden uns nicht ganz so schnell dick machen oder umbringen. Aber das Glas Cola dazu schon. Und die Tafel Schokolade vor dem Fernseher am Abend sowieso. Also doch auf alles süß Schmeckende verzichten? Wäre eine Möglichkeit. Andererseits gibt schon lange Alternativen zum 08/15-Zucker: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe. Die haben zwar hier und da auch nicht den besten Ruf aber wie anfangs gesagt: Wer allen Gefahren aus dem Weg gehen möchte, darf nur (möglichst leise) in der Ecke vor sich hinsterben. Deswegen verfolge ich zwar die Diskussion um z.B. Aspartam in Erfrischungsgetränken aber zumindest solange sich die Wisssenschaftler selbst nicht einig darüber sind ob es jetzt wirklich so böse ist oder nicht (die dazugehörigen Studien werden „kontrovers diskutiert“) trinke ich weiter ohne für mich bislang spürbare Nebenwirkungen mein Light-Zeugs. Und das Übertreibung nicht gesund ist, ist nicht nur bei Aspartam ein Problem. Zu viel Wasser schadet auch.

Ein kleiner Einschub aus dem Bereich „wieder was gelernt“ an dieser Stelle: Wenn Aspartam oder Aspartam-Acesulfamsalz im Lebensmittel enthalten sind, muss gleichzeitig „enthält eine Phenylalaninquelle“ auf der Packung stehen. L-Phenylalanin ist eine Aminosäure, die unser Körper braucht. Es gibt aber Menschen mit der angeborenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie. Die können Phenylalanin nicht richtig abbauen und dementsprechend ist der Hinweis tatsächlich lebenswichtig, um die Zufuhr zu kontrollieren. Was das mit Aspartam zu tun hat? Nun, Aspartam wird aus den Aminosäuren L-Asparaginsäure und L-Phenylalanin zusammengesetzt.

Als Süßstoffe werden Ersatzstoffe für Zucker bezeichnet, die dessen Süßkraft von 1 erheblich übertreffen (30-20.000fach) und keinen oder nur einen sehr geringen Kalorienwert haben. Zuckeraustauschstoffe, auch als Zuckeralkohle bezeichnet, haben hingegen weniger Kalorien (<2,4kcal pro Gramm) als Zucker (besagte 4kcal pro Gramm) aber eine ähnliche oder sogar niedrigere Süßkraft (bis 0,4%) als Zucker haben. Nachteil von Zuckeraustauschstoffen ist, dass in größeren Mengen (gemessen am Körpergewicht) abführend wirken. Gemeinsam haben beide, dass sie keinen oder nur einen geringen Einfluss auf den Insulinspiegel haben (es ist ja kein Zucker, sondern gaukelt der Zunge nur vor einer zu sein) und, dass sie nicht kariesfördernd sind. Sie werden im Mund nicht verstoffwechselt und bieten dadurch Bakterien keine Nahrung.

Was gibt’s?

In der EU zugelassen sind aktuell elf Süßstoffe und acht Zuckeraustauschstoffe. Eine vollständige Liste ist bspw. in dieser PDF des Bundesinstitut für Risikobewertung zu finden. Die bekanntesten Süßstoffe sind vermutlich Aspartam (E951; Süßkraftfaktor 200), das wie erwähnt vor allem in als Zuckerfrei beworbenen Erfrischungsgetränken wie Cola Light vorkommt, sowie Steviolglycoside (E960; Süßkraft-Faktor 200-300). Unter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich nichts anders als Stevia. Unter den Zuckeraustauschstoffen, die früher hauptsächlich in Diabetiker-Lebensmitteln vorkamen, sind hingegen Sorbit (E420; Süßkraft-Faktor 0,4-0,6), Xylit (E967; 0,6) und Erythrit (E968; 0,5-0,7) vermutlich die bekanntesten.

Eine Packung Xylit

In unserem Haushalt kommen hauptsächlich Aspartam (weil ich neben Leitungswasser auch viele zuckerfreie Cola trinke), Stevia (züchtet Lysanda), Erythrit und Xylit zum Einsatz. Das heißt aber nicht, dass wir zu 100% den Haushaltszucker aus dem Haus verbannt haben. Das ist (noch) nicht möglich und die Gründe dafür vielseitig. Aber ein Punkt von Süßstoffen ist z.B., dass aufgrund der hohen Süßkraft natürlich weniger davon in den Teig kommt und er entsprechend um ein Vielfaches kleiner ist. Außerdem ist die geschmackliche Dosierung teilweise schwierig. Zu viel Stevia und der ganze Kuchen schmeckt nach Lakritz. Mag dem ein oder anderen ganz recht sein aber jetzt nicht unbedingt unsere Sache. Das gilt ebenfalls für Erythrit. Das schmeckt zwar bei zu hoher Menge nicht nach Lakritz, dafür ist das Gericht im Mund eklig kalt. Grund ist, dass es eurer Zunge Energie entzieht (=Kältegefühl). Xylit hat damit nicht zu kämpfen aber dafür 2,4kcal während Erythrit gar keine hat. Dafür ist Xylit gut zum Zähneputzen geeignet, denn es ist gut gegen Karies. Entsprechend ist auch die Aufgabenverteilung bei uns: Stevia und Erythrit zum Kochen und Backen, Xylit nur im Bad.

Jetzt würde ich euch natürlich zum Abschluss gerne auf eine Webseite mit tollen Rezepten mit Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen verweisen. Leider gibt es die irgendwie nicht oder nur in Verbindung mit Low-Carb-Ernährung. Am meisten findet man noch zu Stevia, weil das „hip“ ist. Somit bleibt euch wie uns vermutlich erst einmal nur Ausprobieren. Aber aus unserer Sicht lohnt es sich. Es ist nicht gut den gesamten Zucker aus seinem Leben zu verbannen aber hier und da ein paar Gramm weniger macht den Gang durchs Leben buchstäblich leichter und dank diesen Alternativen muss man trotzdem nicht auf die gewohnte Süße verzichten :smile: .

Pichu mit Akne

Unser Pichu ist ein sehr adretter Kater. Das liegt zum einen an seiner schlanken (aber muskulösen!) Siam-Figur sowie seiner Art und Weise wie er sich immer sehr vornehm hinsetzt. Zum anderen an seinem Fellmuster, dass zwar am Rücken getigert aber an Hals und Bauch schön weiß (und flauschig) ist. Dadurch hat er etwas von einem Butler oder einem schüchternen Junggesellen im Anzug. Da stört es natürlich, wenn er plötzlich schwarze Flecken um die Nase und unterm Kinn bekommt: Katzenakne. Was will man auch von jemandem erwarten, der nicht nur überall seine Nase reinsteckt, sondern diese außerdem anschließend nicht sofort putzt? Wie oft er mit Katzenstreuresten im Gesicht rumläuft geht auf keine Katzenhaut.

Als wir ihn vor mittlerweile fast zwei Jahren aufgenommen haben, hatte er das Problem allerdings noch nicht. Stattdessen kämpfte er wohl aufgrund der Futterumstellung etwas mit Durchfall. Die Akne kam interessanterweise erst, als der Durchfall aufhörte d.h. er sich an die Umstellung angepasst hatte. Gestört hat ihn die Akne zum Glück nicht. Also es hat nicht gejuckt und er dadurch nicht sein ganzes Gesicht aufgekratzt. Aber langfristig gut sind solche Hautirritationen natürlich nicht, also musste eine Lösung her. Nein, Clearasil ist zum einen nicht für Tiere geeignet und zum anderen eigentlich auch für Menschen ungesund. Stattdessen fragten wir unsere Tierärztin nach ihrer Meinung.

Die tierärztlichen Varianten

Die Tierärztin hatte zwei Lösungen im Angebot: Clorexyderm (mit Chlorhexidin und Tris-EDTA) oder, wenn es nicht hilft, eine Cortison-Salbe. Cortison hat jedoch die eine oder andere Nebenwirkung (Gewichtzunahme, Anfälligkeit für Infektionen, Beeinträchtigung der Nebennierenfunktion bis hin zu Diabetes), deshalb wollten wir darauf verzichten. Entsprechend froh waren wir, dass das blaue Clorexyderm-Gel zumindest beim Kinn tatsächlich funktionierte. 2-3mal täglich aufgetragen und schon nach ein paar Tagen waren am Kinn erste Fortschritte zu erkennen (die Flecken wurden heller) und verschwanden dann sogar relativ zügig. Pichus Begeisterung darüber mehrmals täglich mit komischem, kaltem Zeug eingeschmiert zu werden dürft ihr euch an dieser Stelle selbst vorstellen.

Um Nase und Mund herum funktionierte es hingegen nicht. Aus einem ganz einfachen Grund: Der Drecksack hat das Gel sofort nach dem Auftragen abgeleckt. Und wo nichts ist, kann logischerweise auch nichts wirken. Da das ebenso für die Cortison-Salbe gegolten hätte, suchte Lysanda nach einer Alternative und stieß dabei auf unser heutiges Thema: Effektive Mikroorganismen.

Hilfreiche Bakterien und Pilze

EMs in heller Nährstoffflüssigkeit

Die effektiven Mikroorganismen hatte ich schon einmal kurz in meinem Eintrag über Darmbakterien erwähnt. Aber aufgrund des großen Interesses, möchte ich noch einmal genauer auf diese kleinen Biester, ihre Haltung und ihren Umgang in Bezug auf Katzen eingehen. Aber bevor wir damit beginnen, ein wichtiger Hinweis: Ich bin kein Tierarzt und EMs ersetzen nicht den Gang zu selbigem! Mit dem Leben eines Tieres herum zu experimentieren ist scheiße – sowohl im Labor als auch Zuhause. Man kann die Methoden seines Tierarztes hinterfragen, sich informieren und harmlose Alternativen testen und ggf. zu einem Arzt mit mehr Ahnung wechseln. Aber zu Glauben, dass man alle Krankheiten selbst erkennen und mit irgendwelchen vermeintlichen „Naturmittelchen“ behandeln kann, führt viel zu oft zu einem qualvollen Tod des geliebten Begleiters. EMs sind zum Glück nicht gefährlich (sie kommen auch in der Lebensmittelindustrie z.B. Bio-Bauern zum Einsatz) aber ich wollte es an dieser Stelle nochmal erwähnt haben.

Nun gut, effektive Mikroorganismen also: „Erfunden“ wurden diese vom japanischen Gartenbau-Professor Teruo Higa in den 80iger Jahren. Damals bestand die Mischung aus Purpurbakterien, Milchsäurebakterien und Hefepilzen vermischt mit einer Nährlösung (damit die Bakterien und Pilze am Leben bleiben). Heutzutage werden meist noch Strahlenbakterien und Schimmelpilze dazu gemixt. Die Idee dahinter war natürlich der Einsatz im Garten, um Fäulnis und Schimmel zu verhindern und die Fermentation zu verbessern. Erreicht wird das gemäß Prof. Higa dadurch, dass sie das Substrat (=die Nährlösung) zersetzen und dabei Nahrung für andere Mikroorganismen ausgespuckt wird. So ziehen sie diese quasi vereinfacht gesagt auf „ihre Seite“. Und wer nicht konvertiert werden kann, wird durch die immer größer werdende Masse an „freundlichen“ Organismen verdrängt, weil ja keine Nahrung mehr für sie übrig ist. Auch bei Lebensmitteln kommt dieser Mix zum Einsatz: Sauerteig dürfte wohl jedem bekannt sein und der ist nichts anderes als eine hauseigene Züchtung von Mikroorganismen (Milchsäurebakterien, Hefepilze und Essigsäure) oder andere fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut.

Das Ergebnis

Ob EMs wirklich einen positiven Effekt auf den eigenen Garten haben, ist übrigens in den dazugehörigen wissenschaftliche Studien umstritten. Einige sehen keine Veränderung, andere wissen nicht ob die positiven Effekte wirklich von den Mikroorganismen kommen oder nicht eher an der Nährlösung liegen, die ja nichts anderes als Dünger darstellt. Zumindest in Bezug auf unsere Katzen haben wir jedoch positive Erfahrungen gemacht:

Pichu ohne Akne

Pichus Akne ist verschwunden, sein Durchfall nicht wieder zurückgekehrt und das Fell aller unserer Vierbeiner ist richtig schön geworden. Das Fell war bereits durch die Umstellung auf höherwertigeres Futter glänzender und weicher geworden aber mit den EMs ist der Flauschgrad noch einmal gestiegen – und fällt nach ein paar Tagen ohne EMs wieder ab. Es liegt somit eindeutig an den EMs. Auch im Bekanntenkreis wurden ähnliche Ergebnisse mit Katzenakne erzielt – selbst bei einem Fall, der schon seit längerem damit kämpft. Einen Versuch ist es deshalb wert, wenn der Tierarzt nichts sinnvolles mehr im Angebot hat und übliche Hilfsmittel wie die Umstellung von Plastik- auf Porzellannäpfe nicht geholfen haben. Bei Durchfall (z.B. aufgrund einer Futterumstellung) können EMs ebenso unterstützen, da sie dabei helfen die Darmflora auf Trapp zu bringen.

Der richtige Umgang

Stellt sich nun die Frage, wie wir unsere Katzen eigentlich mit den EMs behandeln. Die Antwort darauf ist simpel: Wir geben ab und an einen Spritzer mit ins Katzenfutter oder verreiben ein paar Tropfen in den Händen und streichen diese an einer Katze trocken. Im letzteren Fall putzt sich dann besagte Katze (ist ja eklig und nass) und hat so einen äußerlichen wie innerlichen Effekt durch die EMs. Damit erwischt man auch die Katzen, die im Futter selbst jede noch so kleine Rezeptänderung bemerken und umgehend das Essen einstellen.

Gekauft haben wir unsere EMs bei TriaTerra. Da gibt es die 1-Liter-Flaschen für 3 Euro plus Porto. Alternativ hat beispielsweise EMIKO ein Angebot an EMs, die sind aber wesentlich teurer. Auf beiden Webseiten erhaltet ihr zudem mehr Informationsmaterial zum Thema. Haltbar sind die von TriaTerra ungeöffnet mindestens ein Jahr aber sobald man sie geöffnet hat nur noch 6 Wochen. Grund ist, dass die Hefe durch den Sauerstoff sich ausbreitet, gleichzeitig die aneroben Bakterien absterben und dadurch die gewünschte Ausgewogenheit verloren geht.

Ein Liter ist aber natürlich schon eine ganze Menge, vor allem wenn man es nur für seine Haustiere benutzen möchte (Garten und Mensch ginge ebenfalls) und dafür nur ein paar Spritzer/Tropfen jede Woche braucht. Deswegen haben wir uns einen 10er Pack Tropfflaschen gekauft und die Liter-Flasche umgefüllt. Zum einen lässt sich durch den Tropfaufsatz die Menge besser dosieren, zum anderen lassen die sich bis zu einem gewissen Grad (ca. die Hälfte voll) luftdicht wieder verschließen. Die Haltbarkeit kann dadurch stark verlängert werden. Wichtig ist, dass man sie bei normaler Zimmertemperatur lagert. Sie vertragen weder zu viel Hitze noch starke Kälte und mögen keine großen Temperaturschwankungen.

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