Sicarius

Ein Survival-Musem

Noch mehr Spiele? Noch mehr Spiele! Keine faulen Ausreden, keine lange Einleitung – einfach nur zwei ungeschönte Erfahrungsberichte vom (absolut nicht) zertifizierten Pr0Gam0r eures Vertrauens (?).

Digseum (Herstellerbild)

Digseum (2024; PC) – Der dritte Incremental-Titel aus meinem letztjährigen Weihnachtseinkauf und definitiv der bislang beste. Ja, sogar besser als Nodebuster aus dem letzten Eintrag! Einfach, weil man hier noch aktiver mit dabei ist und mehr Entscheidungen trifft als nur das nächste Upgrade zu kaufen. Es war extrem schade, dass ich schon nach zwei Stunden (wieder schneller als Rondrer!) das Ende erreicht hatte.

Die Geschichte ist simpel: Ihr seid der neue Museumsdirektor und sollt das Museum zum größten und besten der Welt machen. Problem? Ihr habt noch gar keine Ausstellungsstücke. Aber wie hat uns schon Indiana Jones gelehrt? Man macht‘s am besten einfach selbst, auch wenn die eigentliche Arbeit deswegen liegen bleibt und eine ganze Generation an Schülern darunter leidet. Also schnappt ihr euch eure billige Spitzhacke aus dem Baumarkt und geht in einer Schlammgrube auf die Suche. Viel Kraft in den Armen und oder gar Ausdauer habt ihr noch nicht, aber irgendwie schafft ihr es was auszugraben. Mit den dürftigen Funden von dort (eine hohe Maske, ein goldenes Monokel und eine große Feder), lockt ihr die ersten Besucher an. Damit spült Geld in die Kassen, um Upgrades als auch weitere Grabungsorte freizuschalten. Aber was ist das? Ihr findet im Wald der Geheimnisse plötzlich einen Traumstein?! Was man wohl damit macht? Na Neustarten natürlich!

Zu viel Geld!

Ja, Digseum hat ebenfalls ein Prestige-System. Kommt nicht mehr genügend Geld rein und/oder ihr habt alle Traumsteine gesammelt, die ihr aktuell sammeln könnt, steht ein Reset an. Mit den Steinen kauft ihr euch dann ein paar permanente Upgrades, damit ihr beim nächsten Mal wieder ein bisschen weiterkommt. Das übliche Spielprinzip halt – aber hier trotz der minimalistischen Darstellung richtig gut umgesetzt. Das liegt vor allem daran, dass bis zum Ende die spaßigen Ausgrabungen ein aktiver Part bleiben, den ihr selbst übernehmen müsst. In anderen Titeln wäre das vermutlich zügig automatisiert worden. Ich bin aber auch immer gespannt darauf, was mich noch so an ungewöhnlichen Orten und Funden erwartet. Da vergeht die Spielzeit wie im Fluge.

Digseum (Herstellerbild)

…und hier liegt genau das Problem des Spiels. Auch wenn es im ersten Moment ein schönes Gefühl ist, wenn nach einigen Upgrades das Geld nur noch so sprudelt, wird dadurch das eigene Tun belanglos und der Spaß geht etwas verloren. Schon nach der ersten Stunde stellt man ernüchternd fest, dass sich mit der ganzen Kohle gar nicht so viel kaufen lässt. Und der Prestigebaum gibt ebenfalls erstaunlich wenig her. Selbst Traumsteine werden relativ zügig zur Massenware, wodurch das Freischalten im Baum belanglos wird. Da überlege ich nicht mehr lange, ob ich einen Neustart machen sollte. Ich mache es einfach ohne irgendwelche Konsequenzen. Insofern leidet das Spiel nicht darunter, dass alles zu langsam geht, sondern viel zu schnell. Die 1,88€, die ich im Sale dafür bezahlt habe, war es trotzdem uneingeschränkt wert. Klare Kaufempfehlung nicht nur von mir, sondern auch von Rondrer!

Aktives Spielen

Jetzt ist es aber erstmal genug mit den Incremental-Dingern. Lasst uns stattdessen mal wieder über etwas „richtiges” reden – in dem ihr ebenfalls viel rumklickt und wartet! Es ist sogar ein brandneues Spiel – also zumindest auf PC -, das ich sogar schon vor Release spielen konnte! Der Titel sah so interessant aus, dass ich nicht nur den für Co-Optimus kostenlos bereitgestellten Key sofort eingelöst, sondern sogar umgehend losspielen musste. Gibt’s echt nur noch selten bei mir. Aber nein, der Titel hat keinen Multiplayer. Es ist ein reines Soloabenteuer. Und zwar rede ich von:

Townsfolk (Herstellerbild)

TownsFolk (2025/2026; Android, iOS, PC) – Erforscht im Namen des Königs Runde für Runde ein unbekanntes Land und baut dort eine florierende Zivilisation auf. Klingt nach Sid Meier’s Colonization. Vielleicht hat mich der Titel deshalb so gereizt? Allerdings ist TownsFolk im Vergleich sowohl kompakter, als auch brutaler (was die Herausforderung angeht). So breitet sich eure einzige Siedlung nach und nach über die Spielwelt aus, stellt sich den Gefahren, die euch dort erwarten und widersteht (hoffentlich) teils heftige Zufallsevents wie Tornados, Trockenzeiten oder Säuchen all derweil ihr dem König in regelmäßigen Abständen Tribut zollt. Schafft ihr das nicht oder geht euch eine der fünf Ressourcen (Einwohner, Essen, Arbeitskraft, Glauben und Geld) für mehrere Runden aus, war‘s das.

Und ja, das Spiel nimmt absolut keine Rücksicht auf euch. Situationen, in denen ihr faktisch nicht mehr gewinnen könnt, gehören mit dazu. Das ist eine bewusste Entscheidung der Entwickler, die sicherlich nicht jedem gefällt. Musste ebenfalls schon die ein oder andere Mission (sogar im Tutorial!) erneut versuchen, weil ein Zufallsevent mir das Genick brach oder ich die falschen Bauentscheidungen getroffen hatte und mir anschließend die Ressourcen fehlten, um weiter zu machen. Sicherlich nicht jedermanns Sache. Zum Ausgleich dauert abseits des Endlosspiels ein Match auch nicht ansatzweise so lange wie in Sid Meier’s Civilization. In meinen bislang mehr als vier Stunden Spielzeit habe ich das acht-teilige Tutorial und (erfolglos) eine Kampagne gespielt (zu viele Missionen verloren) sowie kurz in die anderen Spielmodi (Conquest, Skirmish und Puzzle) reingeschaut. Peanuts im Vergleich zu einem Match in einem vollumfänglichen 4X-Spiel.

Zurück an den Anfang

Townsfolk (Herstellerbild)

Aber was heißt eigentlich „eine Siedlung ausbauen”? Nun, ihr startet mit einem Zelt in der Mitte von Nirgendwo. Die Welt um euch herum ist aufgeteilt in Hexagone mit denen ihr Interagieren könnt. Also am Anfang beispielsweise ein Haus bauen, das jede Runde zusätzliche Einwohner produziert. Allerdings wollen die auch was zu essen haben. Entsprechend braucht ihr auf einem anderen der Felder einen Bauernhof. Und dann sind alle Felder weiter weg in Dunkelheit gehüllt. Ihr müsst eure Umgebung also erst erforschen, um euch weiter ausbreiten zu können. Dazu benötigt ihr Arbeitskraft. Diese produziert in kleinen Mengen euer Hauptquartier, aber besser ist es einen Holzfäller in der Nähe eines Waldes aufzubauen. Wenn ihr das entsprechende Upgrade mit Tributpunkten freigeschaltet habt, könnt ihr im nahegelegenen Wasserfeld sogar ein Sägewerk bauen, was die Produktion des Holzfällers erhöht. Oder ihr fällt kurzerhand den Wald, um sofort ein paar Ressourcen zu erhalten und stattdessen etwas anderes auf dem Feld zu bauen. Das sind die schweren Entscheidungen, die man abwägen muss, um langfristig durchzuhalten.

Dutzende verschiedene Bauwerke stehen euch im späteren Spielverlauf zur Verfügung, die sowohl positiv als auch negativ miteinander und mit ihrer Umgebung interagieren können. Dabei gilt es immer die Balance zu halten zwischen „dass hier verbraucht Ressource A, produziert aber dafür Ressource B”, um nicht ins Minus zu rutschen. Und alles hängt freilich davon ab, was die Spielwelt überhaupt hergibt und welche Zivilisation ihr spielt. Während das Imperium beispielsweise Arbeitskraft zum Erkunden verbraucht, sind es beim Shogunate Einwohner. Aus insgesamt fünf Fraktionen könnt ihr wählen, um damit die Kampagne zu bestreiten oder euch im Conquest-Modus gegen einen (KI-gesteuerten) Spieler durchzusetzen. Und ja, die Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien machen sich tatsächlich sofort bemerkbar und zwingen zum Umdenken, wie ich die eigene Expansion vornehmen muss.

In den Kampf!

Auf den einzelnen Feldern findet ihr aber nicht nur Ressourcen (inkl. wilden Tieren) und/oder Platz zum Bauen. Es gibt auch dort das ein oder andere zu finden. Ein fremdartiger Obelisk z.B., der euch ein kryptisches Rätsel aufgibt. Oder ein Dorf voller Ureinwohner. Interagiert ihr mit so einem Sechseck, werdet ihr wie bei den Zufallsereignissen vor die Wahl gestellt. So veranstalten die Ureinwohner ein Fest und laden euch ein. Nehmt ihr an? Lehnt ihr ab? Handelt mit ihnen? Alles hat positive wie negative Auswirkungen auf eure Ressourcensituation. Und nicht immer wird euch das vorab schon das Ergebnis mitgeteilt. So besteht die Multiple-Choice-Antwort beim Obelisk schlicht aus den möglichen Antworten auf das Rätsel. Je nachdem was ihr wählt, kann es Tributpunkte regnen oder es entsteht ein Tornado, der zerstörerisch durch eure Siedlung fegt. Das wisst ihr vorher nicht.

Townsfolk (Herstellerbild)

Und selbstverständlich seid ihr mitunter nicht allein in der jeweiligen Mission. Barbaren suchen das Land heim und fremde Imperien wollen sich ebenfalls ausbreiten. D.h. es kommt unweigerlich zum Kampf. Der läuft jedoch recht simpel ab. Entweder ihr werft direkt ein paar Dutzend Einwohner auf das Problem drauf oder ihr habt selbst kriegerische Einheiten in der Gegend. Dann wird rundenweise solange aufeinander eingeschlagen, bis eine Seite keine Leute mehr hat. Das ist so simpel gestaltet, wie es klingt. Gebäude wie Wachtürme, die euch aus der Ferne beschießen können, machen euch zwar mitunter das Leben schwer, die feindliche Basis zu erobern. Aber insgesamt sind die Schlachten ein relativ untergeordneter Aspekt des Spiels und von der Mechanik her nicht viel anders als die Interaktion mit den anderen Hexagonen.

Beim Christoph meint: Was ich bislang von TownsFolk gespielt habe, machte definitiv Laune. Das Spielprinzip ist im Kern relativ simpel und zugänglich. Es geht “eigentlich” nur darum erfolgreich seine Ressourcen zu managen. Also welche Gebäude brauche ich, damit alles in Balance bleibt und von allem genug da ist, um weiter zu machen. Doch die Möglichkeiten sich auszubreiten sind vielzählig. Und ich weiß nie, was mich beim nächsten Feld oder im nächsten Zug erwartet. Ein einziges Event kann euch völlig aus der Bahn werfen und schlimmstenfalls das Spiel beenden. Das ist aber für mich hier kein Problem. Ich fange gerne wieder von vorne an und versuche es noch einmal. Das ist der Vorteil der vergleichsweise kurzen Dauer eines Szenarios. Die charmante und zumindest etwas wuselige Pixelgrafik, die von einem angenehmen Soundtrack untermalt wird, trägt aber ebenfalls dazu bei.

PS: Vergleiche zu Dawnfolk sind absolut angebracht. TownsFolk setzt allerdings mehr auf kurze, intensive Matches vollgepackt mit schwierigen Entscheidungen. Dawnfolk ist da wesentlich relaxter und langwieriger. Außerdem gefällt mir ehrlich gesagt die Grafik von TownsFolk besser.

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