“Kaum ist die Garantie rum, schon gehen die Sachen kaputt!” heißt es gerne. Könnte ich entsprechend jetzt sagen: “Kaum ist das Haus abbezahlt, schon geht alles kaputt!? Vermutlich nicht. Aber die letzte Woche war schon irgendwie verdächtig.
Angefangen hat es, da bin ich mir sicher, mit einem Longdrinkglas. Das habe ich letzte Woche völlig unschuldig und nichtsahnend gespült, als es mir aus der Hand flutschte, dabei umkippte und auf einen Teller in der Spüle knallte. Der Teller hat überlebt. Das Longdrinkglas nicht. Ärgerlich, aber kann ja mal vorkommen. Aber es war offensichtlich ein schlechtes Omen. Es hatte scheinbar nicht ausgereicht das Weihwasser im Haus zu versprühen – ich hätte auch noch eine Runde räuchern sollen.
Der auslösende Moment
Vergangenen Freitag kam Lysanda ins Arbeitszimmer und fragte, ob ich das Geräusch auch hören würde. Ich verneinte, sie lauschte nochmal etwas und stellte fest, dass es von draußen kam. Wir stuften es also als uninteressant ein und gingen weiter unserem Tagewerk nach. Einige Stunden später saß ich dann neben ihr an ihrem Arbeitsplatz und nahm ein rauschendes Geräusch wahr. Lysanda meinte „das kommt von draußen”, aber mir kam das irgendwie komisch vor. Ich bin also zur Haustür und ja: Das Geräusch kam tatsächlich von draußen. Und zwar von unserem Außenwasserhahn, der fleißig Wasser an die Hauswand spritzte. Der mit ihm verbundene Gartenschlauch war geplatzt und jetzt lief vermutlich seit Stunden das Wasser fleißig in die Ecke zwischen Treppe und Wand.
Fluchend stellte ich erstmal das Wasser ab, das sich bereits gut unter den Mülltonnen verteilt hatte. Dann fiel mir das Loch auf, das sich an der Hauswand gebildet hatte und in dem viel des Wassers verschwunden war. Ihr könnt euch denken, dass mich dieser Anblick nicht gerade begeisterte. Zuerst holte ich mir eine Schaufel Erde, um sie in besagtes Loch zu kippen. Lysanda war zwischenzeitlich an die Haustür gekommen und fragte, warum ich nicht wiederkomme, damit wir weiterarbeiten konnten. Meine Prioritäten lagen logischerweise aber grad woanders.
Soll das so sein?
Nachdem ich das Loch verschlossen hatte, stürmte ich in den Keller. Der Außenwasserhahn kommt direkt aus dem Heizungskeller. Ich öffnete die schwere Feuerschutztür und ja, es war wie vermutet: Der Raum stand größtenteils unter Wasser. Ich weiß immer noch nicht, wo es eigentlich reingekommen ist. Ja, die Wand war vor allem unten am Sockel sehr nass. Aber es wirkte eher so, als würde das Wasser nach oben ziehen als von dort kommen. Zumindest bildeten sich während ich mit dem Waschsauger die Wasserlache nach und nach entfernte weitere feuchte Bereiche an der Wand. Unter anderem wurde auch der Beton rund um das Abwasserrohr sichtlich dunkler.
Aber gut: Alles in allem hatten wir Glück im Unglück. Da unsere Einfahrt nicht gepflastert ist, konnte das Wasser größtenteils im Boden versickern und obwohl es schon ein paar Stunden floss, haben wir es doch noch rechtzeitig bemerkt, bevor es den Kellerraum verlassen konnte. Und die aktuellen Temperaturen sind ebenfalls perfekt dafür, dass die Hauswand jetzt wieder zügig trocken wird. Ich rechne entsprechend nicht mit bleibenden Schäden an der Bausubstanz. Ich hab‘ dann bis abends die Tür offen- und die beiden Entfeuchter laufen gelassen. Ende gut, alles gut – dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt.
Ein neuer Ton
Das Wasser, das ich mit dem Waschsauger samt dem ganzen Dreck aus dem Heizungsraum aufgesaugt hatte, kippte ich der Einfachheit halber ins Kellerklo. Das Kellerklo mit der Hebeanlage dran, die im Inneren ein Schneidwerk zum Zerkleinern hat. Ihr könnt euch vermutlich denken, was jetzt kommt: Sie fing plötzlich an beim Wasserabpumpen sehr fragwürdige Geräusche zu machen. Mir war in dem Sinne sofort klar, was grundsätzlich los ist: Der Dreck vom Heizungskellerboden hat der Anlage nicht gutgetan.
Also hieß es am Samstag für Lysanda und mich: Reparatureinsatz! Erst den Wasserschlauch abgeschnitten und den Adapter wieder drangebaut. Dann in den Keller zur Kleinhebeanlage. Dabei handelt es sich formal um eine Optiline Kleinhebeanlage Abwasser. Bei genauerer Betrachtung stellten wir dann aber fest, dass es tatsächlich eine DAB GENIX 130 ist, die von Richter+Frentzel einfach mit einem anderen Aufkleber versehen wurde. Kein Wunder, dass wir zur Optiline absolut nichts im Internet gefunden hatten. Und ja, die physische Anleitung war ebenfalls überhaupt nicht zu gebrauchen.
Ich hatte mir auf YouTube aber schon ein Video angeschaut, welches anhand einer Animation zumindest grob zeigte wie sie auseinander geht. Doch irgendwie wollte der Motorblock einfach nicht aus dem Gehäuse raus. Ich hab‘ dann noch die zwei Schrauben gelöst, die ich sehen konnte. Aber das half ebenfalls nicht. Es fühlte sich weiter bombenfest an. Währenddessen suchte Lysanda nach weiteren Informationen und hat dieses Video von Wasserpumpe.de gefunden, wo tatsächlich jemand real das Ding auseinanderbaut. Und ja: Die zwei Schrauben, die ich mühselig rausgedreht hatte, hätte ich nicht lösen müssen. Stattdessen war schlicht und einfach mehr Kraft nötig, um den Motor aus dem Gehäuse rauszuholen.
Das Problem
Der Anblick, der sich mir nun bot, zeigte zum einen, dass in der Hebeanlage ganz schön viel Dreck war. Zum anderen war die Pumpe/das Schneidwerkzeug gut mit Urinstein besetzt. Kein Wunder: Ich hatte sie seit dem Einbau im Februar 2024 noch kein einziges Mal gereinigt. Zwar ist die Anlage wartungsarm – aber eben nicht wartungsfrei. Ich sah aber auch den eigentlichen Auslöser für die komischen Geräusche: Ein kleiner Kabelbinder mit Metallseele hatte sich reingefressen, der vermutlich auf dem Heizungskellerboden lag. Außerdem ein dickes weißes Plastikstück.
Ich nahm mir also einen Eimer, füllte ihn ein paar Zentimeter mit Essigessenz und Wasser auf und setzte den Motorblock rein. Für die Hebeanlage selbst kam wieder der Waschsauger zum Einsatz, den ich nun logischerweise nicht im Kellerklo ausgoss. Ein paar Stunden und ein paar Einsätze mit Bürste und Messer später, glänzte das metallische Schneidwerk zwar nur punktuell wieder. Aber der Großteil der Verschmutzung war beseitigt. Also zusammengesetzt und voilá: Schnurrt wieder wie eine Katze.
Epilog
Was lernen wir also aus der ganzen Sache? Selbstverständlich, dass zerbrochenes Glas Unglück bringt. Was denn sonst? Ach und vielleicht, dass man komischen Geräuschen besser genauer nachgeht statt sie einfach nur den Nachbarn in die Schuhe zu schieben. Es empfiehlt sich sicherlich auch einfach das Wasser abzustellen, wenn man es nicht braucht, statt den ganzen Tag (und die ganze Nacht) Druck auf dem Schlauch zu lassen. Außerdem sollte man sich an die Warnhinweise bei seiner Kleinhebeanlage halten und nicht einfach alles ins Klo kippen, nur weil es technisch gesehen größtenteils Wasser ist. Es hilft außerdem seine Hebeanlagen regelmäßig zu warten. Wie gesagt: Wartungsarm, nicht wartungsfrei.
Und jetzt schauen wir mal, was der Hausgeist noch so in den nächsten Wochen auf Lager hat.



