Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #29

Eigentlich hatte ich Folge 29 erst für kommende Woche angekündigt. Ich dachte mir, dass es vorher keine berichtenswerten Ereignisse geben würde. Schließlich kommt erst heute die geballte Ladung Handwerker und die Antwort auf die spannende Frage: Werden wir am Ende noch fließendes Wasser haben?! Aber irgendwie habe ich mich da sehr getäuscht.

Wasserpanik

Die heutige Wasserinstallation

Es fing schon am Mittwoch mit besagtem Wasser an. Es kam Post von den Stadtwerken. Soweit, so normal: Wir hatten ja nun einen offiziellen Antrag für einen Wasseranschluss gestellt und das muss selbstverständlich schriftlich bestätigt werden. Blöd nur, dass dieser Bestätigung weitere Formulare beilagen in denen wir angeben sollten wer denn die Inneninstallation vornimmt. Und derjenige müsse zudem bestätigen, dass diese Vorschriftsmäßig vorgenommen wurde. Vorher gäbe es keine Wasseruhr/Wasserzähler. Jetzt werdet ihr euch genauso wie ich mich fragen: „Aber ihr habt doch ein Bestandshaus. Die sollen sich doch einfach nur an die bestehende Installation anschließen?!“ Ja, ne so einfach ist das wohl nicht.

Zum einen ist das Haus für die Stadtwerke wie erwähnt nicht vorhanden. Sie liefern zwar fleißig über eine separate Wasseruhr beim Nachbarn Wasser hierher (und schicken jährlich eine Rechnung) aber das heißt eben nicht, dass es offiziell existiert. Zum anderen ist das Wasserwerk ausschließlich bis einschließlich Wasseruhr zuständig. Die Verbindung zwischen dieser und der Hausinstallation machen die nicht. Ist natürlich verständlich, denn es geht wie so oft im Bau um das Thema Gewährleistung. Aber wir reden in unserem Fall von 50 bis maximal 100cm Rohr, die zwischen der neuen Wasseruhr und dem bestehenden Hausnetz verlegt werden muss.

Woher ein Wasserinstallateur?!

Also stand ich am Mittwochmittag, 12.2. da und musste mir überlegen wo ich pünktlich zum 17.2. einen Installateur herbekomme, der nur kommt, um besagten Meter Rohr zu verlegen. Mal von den unnötigen Kosten abgesehen (allein schon für die Anfahrt), wachsen Handwerker aktuell bekanntlich nicht auf den Bäumen. Naja, in meiner Verzweiflung habe ich einfach mal das Wasserwerk (als ausführende Kraft der Stadtwerke) angerufen und nachgefragt, ob deren Monteure das nicht mitmachen könnten. Die Antwort des dortigen Bearbeiters: Wenn es weniger als fünf Meter sind und ich damit leben könnte, wenn es ggf. nicht ganz so schick aussieht machen sie es mit. Schon mal gut. Anschließend nochmal bei den Stadtwerken nachgefragt, ob das auch bei denen ein gangbarerer Weg ist – bringt ja nichts, wenn die Wasserwerkmonteure den Wisch unterschreiben und die Stadtwerke ihn dann nicht anerkennen – und ebenfalls grünes Licht bekommen. „Bullet dodged“, wie man im Englischen sagt – zumindest in der Theorie. Was sie heute dann tatsächlich machen werden steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass eben die heutige Wasseruhr beim Nachbarn hängt. Die muss ja abgestellt werden, um den Schwenk zu vollziehen. Aber der gehört natürlich auch zum arbeitenden Teil der Bevölkerung. Insofern konnte ich trotz Rücksprache nicht sicherstellen, dass dort jemand Zuhause ist, wenn die Wassermonteure dann da ranmüssen. Ihr versteht also sicherlich nun, warum ich zum Verfassungszeitpunkt keine Ahnung habe, ob wir heute Abend überhaupt noch fließendes Wasser in diesem Haus haben werden. Drückt uns die Daumen :smile: .

Tiefbaupanik

Der Zustand im öffentlichen Grund

Der Donnerstag begann dann vielversprechend: Die Tiefbaufirma war wie angekündigt angerückt, ich sprach mit dem Vorarbeiter nochmal alles durch und sie machten sich an das Werk. Zuerst wollten sie an der Grundstücksgrenze das im Plan der Stadtwerke eingezeichnete Abwasserrohr suchen. Die Stadtwerke waren sich nämlich selbst nicht sicher, ob das tatsächlich existiert. Immer gut, wenn man seinen eigenen Unterlagen nicht vertraut. Aber gut: Es wurde gefunden. Nicht ganz da, wo es eingezeichnet war, aber in Reichweite.

Quasi alles gut? Nein, es klingelte nämlich plötzlich das Telefon. Es war die Firma, die den Gasanschluss herstellen soll. Sie wären vom Tiefbauer angerufen worden mit dem Hinweis, dass dieser den Tiefbau im öffentlichen Grund nicht machen würde. Im gleichen Moment – ich war noch im Gespräch mit dem Kollegen – rief auch das Wasserwerk an und fragte was los ist. Ich fiel ebenfalls aus allen Wolken. Zum einen, weil der Tiefbauer vor der Tür steht und nicht erst mit mir gesprochen hat und zum anderen, wie so eine Aussage zustande kommt. Er wusste doch, dass ich den Tiefbau genau deswegen aus einer Hand machen lassen wollte, damit ich alle Versorger unter einen Hut bringe.

Woher einen anderen Tiefbauer?!

Naja, sowohl Gas als auch Wasser erklärt, dass da was nicht passt, aufgelegt und sofort rausgegangen. Aussage des Tiefbauers: Er wollte noch mit mir darüber sprechen. Die Aussage wäre zum einen entstanden, weil sie ja das Abwasserrohr (zur Erinnerung: der Tiefbauer verlegt das Abwasser mit) gefunden hatten und selbst nicht mehr in den öffentlichen Grund müssten. Und zum anderen, weil im Angebot das nicht mit eingepreist war. Stimmt: Die Asphaltdecke war tatsächlich nicht im Angebot enthalten obwohl die Chance bestand, dass eben kein Abwasserrohr bereits bis ins Grundstück vorhanden war. War mir nicht aufgefallen. Aber genau dafür hatten sie ja doch eine verkehrsrechtliche Anordnung eingeholt? Sehr komisch. Egal: Ich habe klar gemacht, dass sie auch im öffentlichen aufgraben müssen obwohl dadurch natürlich die Rechnung im Vergleich zum Angebot teurer wird. Sonst hätte das alles ja überhaupt nicht mehr funktioniert.

War im Nachhinein übrigens selbst für die Abwasserkollegen die richtige Entscheidung. Sie haben nämlich festgestellt, dass der bestehende Straßenübergang nicht nutzbar ist. Warum auch immer war er voller Dreck und mittendrin kaputt. Insofern hätten sie also so oder so im öffentlichen Grund aufmachen müssen.

Abwasserrohrpanik

Hilfsbereite Monteure

Wir sind immer noch am Donnerstag. Hof und Garageneinfahrt werden mehr und mehr zu einer großen Grube und ähnlich wie damals bei unserer Innenrenovierungen tauchen Überraschungen auf. So verlaufen auf unserem Grundstück irgendwie wesentlich mehr alte Abwasserrohre (aus Keramik) als wir erwartet hatten. Ich dachte es gäbe nur eins bis in die alte Klärgrube. Aber nein: Es verläuft noch ein komplett weiterer Strang nicht nur quer über den Hof von und in die Nachbargrundstücke hinein. Es gibt sogar noch eins zu unserem hinteren Nachbarn (der mit der Wasseruhr), circa 40-60cm tiefer als das aktive Abwasserrohr, das wir mit dieser Maßnahme ersetzen wollen. Wad?! Warum?! Weshalb?! Wieso?! Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe inständig, derjenige, der damals das Keramikrohr stillgelegt und das Kunststoffrohr mit Minderdeckung verlegt hat hatte gute Gründe dafür.

Naja, wir können sie nicht benutzen also lassen wir sie (erneut mit Mehrkosten verbunden) soweit sichtbar rausmachen. Zumal sie die neue Trasse teilweise queren und somit stören. Da wurden sie auch bereits zerstört und entfernt. Der Rest kommt dann vermutlich heute raus.

Toilettenpanik

Im Verlauf des Donnerstagnachmittags stellten wir plötzlich fest, dass der Toilettenabfluss nicht mehr so gut funktioniert. Es läuft zwar ab, braucht aber einen Moment. Klassisches Zeichen für eine Verstopfung. Blöder Zeitpunkt dafür, schließlich wird irgendwann im März das alles im Keller umgebaut, um mehr Gefälle reinzubringen. Aber bei 0 bis max. 1% heutigem Gefälle im Keller war es nur eine Frage der Zeit, dass uns das mal wieder passiert. Lysanda stellte zwar die Frage in den Raum, ob es mit den Bauarbeitern zu tun haben könnte aber da die zu dem Zeitpunkt am alten Abwasserrohr noch nichts gemacht hatten, verwarf ich diesen Gedanken. Spoiler: Es hatte mit ihnen zu tun.

Also erstmal geschaut, ob man mit Hausmittel (Rohrreiniger und Co.) der Sache zu Leibe rücken kann. Half aber nicht. Freitagmorgens war das Problem nicht nur immer noch da, es wurde auch langsam aber sicher schlimmer (die Rohre wurden schließlich immer voller). Also brauchte ich irgendetwas zum Reinigen der Rohre. Da ich aber wenig Vertrauen in die 08/18-Spiralen habe, kam Lysanda auf die gute Idee ob es da nicht was für unseren Kärcher K4 gibt. Und tatsächlich hat die Firma da was im Angebot. Aber in welchem Baumarkt werde ich das jetzt auf die Schnelle bekommen? Nun, tatsächlich im toom um die Ecke wo ich es am allerwenigsten erwartet hätte. Online ist es dort nämlich gar nicht gelistet, im Gegensatz zum Bauhaus deren angeblich geringe Menge im Markt sich als nicht vorhanden rausstellte (Stichwort: Onlinereservierung). Hatte ich schon erwähnt, dass die Inventarpflege bei Baumärkten zu wünschen übrig lässt? Hatte ich? Okay.

Woher kommt die Verstopfung?!

Der Übeltäter

Glücklich über den Fund (und um 70 Euro für das Dachrinnen- und Rohrreinigungsset ärmer) ging es zurück nach Hause. Erstmal das Klo abgehängt und von oben mit dem Reinigungsset gearbeitet aber keinen Widerstand gefunden. Wasser lief auch immer noch nicht wie erwartet ab. Selbst nach dem Spülen im Keller an einer unserer vielen Spülstellen passierte irgendwie keine großartige Veränderung. Es tropfte nur plötzlich das Wasser von der Decke unter dem Klo – sehr schlechtes Zeichen. Aber wie sagte Lysanda? Ein Problem nach dem anderen. Zu dem Zeitpunkt gingen mir allerdings die Ideen aus. Ich hatte schließlich in alle Richtungen gespült. Da hatte ich dann plötzlich den entscheidenden Geistesblitz. Ich öffnete die Haustüre und schaute hinüber zu unserem Rückstaudoppelverschluss. Und tatsächlich: Die Notfallklappe war geschlossen. Einer der Bauarbeiter muss sie aus verstehen getätigt haben. Also aufgemacht und siehe da: Das Wasser floss wieder. Ich hatte mal wieder Ockhams Skalpell nicht beachtet oder wie Lysanda sagte: Immer erst die Veränderung betrachten.

Blieb das neue Problem, dass wir das Klo nicht mehr dicht bekamen. Egal was wir bei der Rückmontage versuchten, es floss immer Wasser die Wand hinunter. Lysanda – als weibliches Wesen angewiesen auf eine Sitzmöglichkeit – fing so langsam an in Panik zu verfallen. Im Prinzip blieb nur noch einen Klempner zu rufen. Aber wir hatten ja mit Abwasser vertraute Monteure im Hof. Also ging ich erstmal diese Route und frage freundlich, ob sie uns vielleicht helfen konnten. Konnten sie: Sie stellten fest, dass die Dichtung im Rohr vom Wasserbehälter zur Toilette nicht mehr dicht wurde. Sie musste aber nicht getauscht werden. Es reichte sie gegen die Dichtung auf der anderen Seite (in der Toilette) auszutauschen. Problem gelöst. Ein halb überschwemmtes Badezimmer aber Lysanda konnte wieder ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Nein, nicht Putzen. Das habe ich dann gemacht. Ihr seid manchmal echt sexistisch…

Epilog

Ein verschütteter Graben

Im Verlauf des Freitags wurden noch drei Kernbohrungen (Wasser, Abwasser, Gas) vorgenommen, der öffentliche Grund (wie abgesprochen) aufgegraben und der Graben auf dem Grundstück soweit fertig gemacht, dass es heute theoretisch direkt losgehen könnte mit der Leitungsverlegung. Was die Tiefbauer allerdings zum Verfassungszeitpunkt noch nicht wissen: Sie haben scheinbar einen Teil unserer Pflastersteine ungünstig gelagert. Auf einem guten Stück ist irgendwann in der Nacht alles in sich zusammengefallen und ein Teil des Grabens nun wieder verschüttet. Das wieder zu beheben wird dann wohl ihre erste Aufgabe sein. Zum Glück sind weder unsere Haustürtreppe noch die Mauer gegenüber mit eingestürzt.

Und damit müsste ich alles berichtet haben, was es zu den zwei Tagen berichtenswertes gibt. Wie gesagt wesentlich mehr als erwartet. Mal schauen wie es heute und morgen aussieht. Geplant ist, dass morgen Abend in Sachen Außenarbeiten alles fertig ist. Ganz glaube ich da noch nicht dran. Aber ich werde euch kommenden Montag sicherlich ausführlich berichten.

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #28

Der Öl-Vorrat neigt sich wie geplant dem Ende zu.

Es geht endlich los – also zumindest, wenn Sabine (nein, nicht Daiah – der Orkan) nicht alles so sehr durcheinanderwirbelt, dass die Handwerker erstmal woanders gebraucht werden. Wäre auch deshalb doof, weil natürlich jetzt alles schön durchgetaktet ist: Am Donnerstag kommt zuerst der Tiefbau, um die Gräben auszuheben und alles vorzubereiten. Am 17. und 18.2. haben sich dann die Monteure für den Gas-Anschluss sowie die vom Zuwasser angekündigt. Anschließend verlegt der Tiefbauer die Abwasserrohre und alles wird wieder zugemacht – das Ende der Außenarbeiten inkl. Abnahme durch die Stadtwerke (solange muss der Graben offenbleiben). Am 17. kommt außerdem die Öltankfirma zu einer Begehung, um zu schauen was und wie alles getan werden muss, um den Tank aus dem Keller zu holen.

Die Woche drauf, am 26.2. kommt hingegen der Schornsteinfeger. Er will nochmal den Schornstein durchfegen vor dem Heizungswechsel. Der findet dann am 27./28.2. statt, denn da haben sich die Heizungsbauer angekündigt. Ab dann sind wir vom fossilen Brennstoff Öl abgekapselt und verbrennen stattdessen den ebenso fossilen Brennstoff Erdgas. Ja, Erdgas ist technisch gesehen nicht viel besser als Erdöl was die Umweltbilanz angeht. Aber so tolle Sachen wie Geothermie oder Fernwärme gibt es halt bei uns (noch) nicht. Deswegen quasi nur der Wechsel von einem Übel zum nächsten. Es lohnt sich aber für uns, denn wir kriegen so den fast 55 Jahre alten 7.000l Stahltank aus dem Keller und gewinnen entsprechend Raum dazu. Außerdem ist Erdgas trotz einer gewissen Abhängigkeit zum Ölpreis (wird wohl größtenteils in den gleichen Gebieten gefördert) doch noch ein gutes Stück billiger. Und nein: Wir kriegen nicht stattdessen einen Tank im Garten oder so. Das Erdgas kommt tatsächlich einfach so aus der Leitung :smile: . Sobald der Öltank dann draußen ist, können wir das Abwasser innen neu verlegen lassen (ich wate nicht nochmal durch meine Scheiße) und die Aktion ist beendet.

Handwerker

Der Antrag für den Wasseranschluss

Übrigens gar keine einfache Sache so was zu koordinieren. „Kommunikation“ gehört auf Basis meiner bisherigen Erfahrung definitiv nicht zum Pflichtfach in der Berufsschule. Nichts gegen die Tiefbaufirma aber wenn ich mich nicht Ende Januar mal proaktiv erkundigt hätte, wäre der Anruf vermutlich erst vor ein paar Tagen mal gekommen von wegen „Ach übrigens: Wir kommen nächste Woche!“. Das ist wie mit der Post: Es wird immer erwartet, dass man einfach da ist. Als hätte man als Vollzeit-Arbeitnehmer nichts Besseres zu tun und braucht nicht auch ein wenig Vorlauf, um seine Termine entsprechend anzupassen.

Und selbst abseits des Termins wussten nicht alle Beteiligten so genau Bescheid, wie ich das erwartet hätte. Die Stadtwerke riefen mich z.B. vergangenen Donnerstag (vermutlich nach einem Anruf des Tiefbauers) an und meinten: „Wir sollen übernächste Woche was bei Ihnen machen, aber wir haben doch noch gar keinen Antrag von ihnen?!“ Bitte was? Ihr hattet mir doch ein Angebot geschickt und ich hab‘ es unterschrieben. Ja, ne so einfach geht das natürlich in der deutschen Bürokratie nicht. Da muss noch ein Formular mit Plänen ausgefüllt werden. Hat mir keiner meiner Kontakte dort vorher gesagt gehabt. Aber gut: Die Pläne hatte ich dank des Entwässerungsgesuchs griffbereit, das Formular war zügig ausgefüllt und dann per E-Mail alles hingeschickt. Bin also guter Dinge, dass das wie geplant hinhaut.

Also merke: Nicht nur ein Angebot von den Wasserwerken schicken lassen, wie viel das Verlegen und Anschließen kosten wird – auch gleich den Antrag bei den Stadtwerken anfordern!

Übersicht

Ich habe letzte Woche entsprechend viel Zeit mit telefonieren verbracht. Zwar hat die Tiefbaufirma prinzipiell die Koordination für alle Außenarbeiten durchgeführt – was ich natürlich erwartet hatte. Aber die Arbeiten im Inneren musste ich natürlich auf Basis der nun feststehenden Termine anleiern und offiziell beauftragen. Aber halten wir doch mal genauer fest, was eigentlich alles passiert, wer es macht und was es kostet:

Art der Baumaßnahme

Umverlegung der Abwasser- und Zuwasserleitungen (was tatsächlich aus Sicht der Stadtwerke jeweils ein Neuanschluss ist) sowie Herstellung eines Gas-Anschlusses plus Einbau einer Gasheizung und Abbau/Entsorgung eines Heizölbrenners.

10m² mehr Platz!

Im Außenbereich umfasst das ca. 25m Tiefbau mit Oberfläche. 2-3m davon sind im öffentlichen Grund und der Rest größtenteils mit Pflaster bedeckt (im Angebot stehen 33m² Pflaster rausnehmen und wiedereinsetzen). Wobei nur in ca. 13m Graben alle drei Versorgungsleitungen (Abwasser, Zuwasser und Gas) drin sind. Damit ich mir im Keller in Zukunft nicht mehr den Kopf stoße, kriegen wir nämlich eine komplett neue Mauerdurchführung für das Abwasser an einer anderen Hausseite. Sprich vor dem Haus treffen sich die Abwasserrohre, bevor sie dann zu einem Rohr vereinigt an den öffentlichen Kanal angeschlossen werden. Zusätzlich muss kurz vor Ende des Privatgrunds noch ein Revisions-/Kontrollschacht gesetzt werden. Der fällt in unserem Fall mit DN400 ziemlich klein aus (die Vorgaben verlangen eigentlich einen DN1000) aber da der öffentliche Kanal selbst viel zu wenig Überdeckung hat, macht es keinen Sinn so ein riesiges (und teures!) Monster da hin zu machen. Und da das Entwässerungsgesuch auch damit genehmigt wurde, gehe ich jetzt mal davon aus, dass das so passt :smile: .

Ursprünglich wollte ich unser Regenwasser ebenfalls mit in den Kanal laufen lassen aber das wurde mir von den Stadtwerken verboten, weil der Kanal in der Straße zu klein ist. Es bleibt also bei einer sogenannten „Bodennahen Versickerung“.

Beteiligte

Da ich mich tatsächlich vergleichsweise schwer getan habe die richtigen Firmen für die einzelnen Tätigkeiten zu finden – kenne ja schließlich nicht zwingend alle Fachbegriffe -, hier mal eine Liste aller Beteiligten:

  • Ingenieurbüro für die Erstellung des Entwässerungsgesuchs
  • Tiefbaufirma zur Herstellung der Gräben
  • Wasser-/Stadtwerke zur Herstellung der neuen Zuwasserzuführung und Abnahme der Abwasserleitungen
  • Gasversorger bzw. beauftragte Baufirma zur Herstellung des neuen Gasanschlusses
  • Kanalbaufirma (in unserem Fall identisch zur Tiefbaufirma) zur Außenverlegung der Abwasserrohre
  • Schornsteinfeger zur Vorbereitung und Abnahme der neuen Heizungsanlage (ja, er muss nochmal kommen)
  • Heizungsbauer zum Abbau der alten und Aufbau der neuen Heizungsanlage
  • Öltankbau-Unternehmen zum Abbau des alten Öltanks
  • Einer unserer Nachbarn, dem wir unser restliches Heizöl rüber pumpen werden. Die Entsorgung durch die Firma kostet nämlich sonst 0,39€ pro Liter – das kann man definitiv sich sparen.
  • TÜV für die Bescheinigung, dass der Öltank tatsächlich abgebaut wurde (ja, total Banane)
  • Sanitär-Installateur/Klempner (in unserem Fall identisch zum Heizungsbauer) zur Umverlegung der Abwasserleitungen im Haus

Ganz schön viele Leute für so eine vergleichsweise kleine Maßnahme. Kein Wunder, dass es so schwierig ist die unter ein Dach zu bringen.

Zeitfaktor

Die alte Ölheizung

Wie ihr oben schon sehen konntet: Der Hauptteil der Arbeiten wird innerhalb von drei Wochen abgeschlossen sein, wenn alles nach Plan läuft. Ist ja auch klar: Der Tiefbauer kann den Graben nicht ewig offenstehen lassen – die verkehrsrechtliche Anordnung zum Graben im öffentlichen Grund gilt glaube ich zwei Wochen. Also müssen er und die Versorger das Ganze zügig über die Bühne bringen.

Im Inneren des Hauses ist der Zeitdruck etwas weniger stark. Wir müssen zwar bis zu einem gewissen Stichtag Gas vom Versorger beziehen, sonst kriegen wir zusätzliche Kosten aufgebrummt, aber das ist in unserem Fall erst 2021. Es macht aber natürlich Sinn das ebenfalls möglichst zügig über die Bühne zu bringen. Außer dem eigenen Kontostand spricht ja normalerweise nichts dagegen sofort die Heizung auszutauschen. Und wenn man den Öltank länger stehen lässt, kommen schlimmstenfalls sogar nochmal Kosten für die zyklische Prüfung auf einen zu, die ja technisch gesehen dann nicht mehr notwendig wäre. Nach aktuellem Stand dürften wir aber mit allen Maßnahmen bis Ende März sein. Also 1 1/2 Monate von Start Tiefbau bis der Umverlegung des Abwassers im Keller. Die Vorarbeiten (Entwässerungsgesuch, Angebote einholen, etc.) haben da tatsächlich wesentlich mehr Zeit gekostet. Das dürfte mindestens doppelte so lange gedauert haben.

Das Material

Die genauen Details was alles verbaut wird/wurde, werde ich in den kommenden Einträgen bekannt geben aber in Sachen Heizung kriegen wir grob gesagt einen bodenstehenden Gas-Brennwertkessel. Warum „bodenstehend“? Weil der Heizungsbauer gesagt hat, dass die Wandgeräte nicht so super wären und es auch vom Hersteller darauf weniger Garantie gibt. Sind dann zwar etwas billiger aber bringt ja nichts, wenn ich es in 10 Jahren schon wieder tauschen muss. Aus dem Haus heraus werden hingegen Abwasserrohre der Größe DN100 bis zum Zusammenführungspunkt gelegt und dann auf ein DN150 gewechselt. Warum? Ganz einfach, weil das die Vorgabe von den Stadtwerken ist. Gemäß der Berechnung des Ingenieurs würde ein DN100 nämlich für unsere Hütte ausreichen – und der Unterschied zwischen DN100 und DN150 sind immerhin 3-4€ pro Meter! Und dann natürlich kommt noch der oben erwähnte Revisionsschacht dazu.

Die Kosten

Finale Preise habe ich natürlich noch nicht ganz genau und selbst dann werde ich sie wie immer an dieser Stelle freilich nicht alle nennen – gibt leider immer zu viele Leute, die sich damit dann versuchen irgendwas zusammenreimen und/oder es nicht ertragen können, dass man vielleicht etwas Geld hat und es auch noch ausgibt. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Preise also: Nun, das Entwässerungsgesuch hat trotz Preisnachlass (es war ihm unangenehm, dass sein Angebot SO stark von der finalen Rechnung abwich) immer noch gut 2.500€ gekostet. Tiefbau als auch die Gasheizung befinden sich hingegen mit Arbeit und Material im niedrigen, fünfstelligen Bereich. Kein großes Geheimnis ist hingegen, dass der Gasanschluss mit nur rund 1.000 Euro zu Buche schlägt, weil der regionale Versorger ein entsprechendes Pauschalangebot hat („begrenzt auf eine bestimmte Anzahl an Häuser pro Jahr“). Der Wasseranschluss (wohlgemerkt ohne Tiefbau!) wird dafür ca. dreimal so teuer, denn die haben so eine schicke Pauschale leider nicht. Für den Abbau des Öltanks (inkl. Aufschneiden der Tür) und Umverlegung Abwasser innen kommt nochmal um den Dreh der gleiche Betrag dazu. Die Bescheinigung vom TÜV kostet hingegen 120€ und für die Abnahme der Anlage wird der Bezirksschornsteinfeger wahrscheinlich 250€ verlangen. Macht zusammen einen stattlichen fünfstelligen Betrag, den wir insgesamt auf diverse Konten überweisen müssen. Aber es ist natürlich eine Investition in die Zukunft. Ich hau‘ mir nicht mehr im Keller den Kopf am Rohr an, ich kann endlich meine Wasseruhr im Auge behalten und wir können z.B. ein Bad in den Keller bauen. Muss Lysanda nicht immer hochlaufen, wenn das Springen auf dem Trampolin mal wieder ihre Verdauung in Schwung gebracht hat :smile: . Außerdem steigert sich selbstverständlich der Hauswert. Ist für uns zwar aktuell nicht wichtig – wir wollen ja noch etwas länger hier wohnen bleiben -, aber man weiß ja nie.

Der KfW-Zuschuss 430

Unterm Strich also keine ganz so billige Sache, diese Baumaßnahme. Jetzt könnte man natürlich fragen: Gibt es da nicht irgendeine staatliche Förderung? Ja, gibt es theoretisch. Das ist zum Verfassungszeitpunkt der KfW 430. Da kann man für Einzelmaßnahmen 20% der Kosten zurückbekommen (maximal 10.000€). Darunter würde tatsächlich auch die Erdgasheizung (nicht der Anschluss selbst!) fallen. Das Problem ist: Es lohnt sich bei uns einfach nicht. Ja, wir würden natürlich am Ende der Aktion etwas zurückbekommen aber der Betrag würde unter 1.000€ liegen und dafür ist der Aufwand und die dafür notwendigen Ausgaben einfach zu groß. Es fängt schon damit an, dass ihr einen lizensierten Energieeffizienzberater beauftragen müsst, der die Maßnahme begleitet. Sprich er schaut sich das an, macht den Antrag und nimmt das Ergebnis ab. Und der macht das logischerweise nicht kostenlos, sondern schlägt gleich mal mit mehreren Tausend Euro zu Buche.

Natürlich hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau ebenfalls an diesen Umstand gedacht und den KfW 431 ins Leben gerufen: Damit werden die Kosten eines Experten für Energieeffizienz bis zu 50% gefördert. Aber selbst damit muss eure Investition schon eine gewisse Größe haben (ich glaub‘ der Berater meinte min. 20.000€), bevor es sich wirklich lohnt. Deshalb haben wir (und auf Anraten des Beraters – was ich ihm wirklich zu Gute halte!) darauf verzichtet und bezahlen einfach alles aus eigener Tasche. Das ist im Ende tatsächlich billiger und weniger stressig.

Epilog

Und damit würde ich sagen ist es erst einmal genug für heute. Die Maßnahme dürfte unser größtes Ding seit den Renovierungsarbeiten vor dem Einzug vor vier Jahren (ja, ist tatsächlich schon wieder so lange her!) sein sowohl was die Kosten als auch den Aufwand betrifft. Aber anders als damals lassen wir dieses Mal alles von Handwerkern machen. Hoffen wir mal, dass das deutsche Urvertrauen in diesen Berufsstand heutzutage noch gerechtfertigt ist :smile: .

Wenn alles wie geplant läuft, gibt es dann vermutlich in zwei Wochen die Folge 29 mit dem Bericht zum (Miss)Erfolg der Tiefbaumaßnahmen. Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss Magic: The Gathering – Puzzle Quest spielen. Meine Koalition erwartet eine bestimmte Punktzahl von mir…

Mein Twitter-Account

Bevor wir zum heutigen Thema kommen ein bisschen „Housekeeping“: Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, ist die „Tweets“-Box auf der rechten Seite verschwunden. Meine Überlegungen dahingehend hatte ich ja schon im Jahresrückblick 2019 geäußert. Die Tage bin ich nun endlich zur Tat geschritten und habe das dazugehörige Plugin entfernt. Und damit es nicht ganz so leer da drüben aussieht, werden nun statt den letzten fünf die letzten 15 Kommentare angezeigt.

Hintergrund der Maßnahme ist schlicht und einfach, dass ich meinen Twitter-Account schon lange nicht mehr wirklich aktiv nutze. Text von mir gibt es nur noch sporadisch und ansonsten hauptsächlich alle Jubeljahre mal einen Retweet von einem aus meiner Sicht interessanten Artikel oder sowas. Quasi wenig Aktivität, die selbst für meine Handvoll Follower nur bedingt interessant/nützlich ist – für die Webseitenbesucher entsprechend noch weniger. Also weg damit! Bin einfach weiterhin nicht der Social-Media-Typ (ja, besitze immer noch keinen Facebook-, Instragram-, Mastodon-, TikTok-, oder was auch immer aktuell total „in“ ist-Account!).

Positiver Nebeneffekt der Abschaffung: Beim Surfen auf BeimChristoph werden nun ohne eure Aufforderung (z.B. Klick auf ein YouTube-Video) keinerlei externe Inhalte mehr geladen, was nicht nur eure Sicherheit erhöht, sondern natürlich auch die Ladezeiten etwas verbessert. Letzteres ist sowieso noch so eine Baustelle an die ich mal ran muss. In den „Wie schnell lädt die Webseite“-Tests schlägt sich BeimChristoph schon seit Jahren absolut beschissen mit fast 2 Sekunden bis zum vollständigen Seitenaufbau…

Nun aber genug davon. Kommen wir zum eigentlichen Thema:

Vitamine

Eine Sammlung Vitamine

Ich hatte es am Anfang des Eintrags über das Vitamin A schon erwähnt: Der Begriff „Vitamin“ wird als Trivialname bezeichnet, denn er ist irreführend. Erfunden hatte ihn der Biochemiker Casimir Funk und es ist eine Zusammensetzung aus den lateinischen Wörtern „vita“ (Leben) und „amin“ (stickstoffhaltig). Da sich der Herr Funk jedoch in seiner Grundthese irrte (viele „Vitamine“ sind gar keine Amine), verwendet in der Wissenschaft offiziell wohl keiner mehr den Begriff „Vitamin“ für irgendwelche chemische Verbindungen. Da man diese teils ewig langen Bezeichnungen wie „Cholecalciferol“ aber keinem normalen Menschen beibringen kann, wurde als Zugeständnis an Hr. Funk quasi akzeptiert (bzw. vermutlich durch „normale“ Menschen entschieden), dass bestimmte Verbindungen eben zusätzlich Begriff wie „Vitamin D“ oder „Vitamin B1“ tragen – mit den entsprechenden Auswirkungen, dass viele einfach zusätzliche Vitamine erfinden.

Unter diesem Problem leidet besonders der Vitamin-B-Komplex, der wie der Name schon sagt aus den B-Vitaminen besteht. Allein Wikipedia listet 20 Einträge die mit „Vitamin B“ beginnen – der Großteil davon totaler Murks. Offiziell als Teil des Vitamin-B-Komplex anerkannt sind entsprechend aktuell „nur“ diese acht Stück: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 und B12. Lustigerweise haben die technisch gesehen alle nichts miteinander zu tun. Es sind jeweils völlig verschiedene Substanzen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist wasserlöslich zu sein. Aber gut: Man hat sich halt entschieden, dass die alle weiterhin als Trivialname „Vitamin B“ haben. Vermutlich, weil mit 26 Buchstaben das Alphabet auch nicht gerade ergiebig ist was die Möglichkeiten der Namensvergebung angeht :smile: .

Und genau diese acht Verbindungen stehen noch auf meiner ToDo-Liste. Also lasst uns endlich mit dem Abarbeiten anfangen:

Vitamin B3

Vorsicht: Es wird kompliziert. Hinter dem Trivialnamen „Vitamin B3“ verbirgt sich wissenschaftlich gesehen Niacin. Niacin hingegen ist eine Kombination aus Nicotinsäure und der Aminosäure Nicotinamid. Aber nur weil B3 draufsteht, bekommt ihr nicht unbedingt Niacin. Im Handel wird nämlich gefühlt oft kein Unterschied gemacht, ob ihr jetzt Niacin, reine Nicotinsäure (seltener) oder reines Nicotinamid angedreht bekommt, wenn ihr nach Vitamin B3 fragt. Häufig ist es nur Nicotinamid, denn der Vorteil der Aminosäure gegenüber der Nicotinsäure bzw. Niacin als Ganzes ist das Fehlen des „Flush“ sowie ein paar anderer Nebenwirkungen. Am Ende des Tages ist das aber Augenwischerei, denn Fakt ist: Der Körper braucht am Ende Niacin – also beide Stoffe. Aber aufgrund der Namensvielfalt und der – teils gleichwertigen Verwendung in den Quellen – gebe ich ganz ehrlich keine Garantie, dass ich die drei Namen in den nachfolgenden Abschnitten immer korrekt verwende.

Als Flush oder Erröten wird das plötzliche Ausdehnen der Blutgefäße bezeichnet. Die Folge davon ist, dass mehr Blut in die Haut gelangt und man zum einen rot wird und es zum anderen anfängt zu kribbeln und zu jucken. Es steigt die Körpertemperatur ein klein bisschen an (um weniger als ein Grad Celcius) und man fühlt sich entsprechend warm. Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, scheiden sich trotz einiger Studien zum Thema Nicotinsäure wie immer die Geister, ob dieser Flush jetzt irgendwelche Vorteile oder Nachteile hat – oder gar nichts bringt. Die Hauptaussage der Befürworter des Flushs ist, dass selbst die feinsten Kapillare geweitet und mit viel Blut durchgepustet werden. Dieser Punkt ist auch wissenschaftlich unstrittig. Bezweifelt wird die Aussage, dass dadurch die darin eingelagerten Toxine gelöst und entsprechend für die anderen Teilen des Körpers zur Zerstörung freigegeben werden. Die Idee ist, dass normalerweise Histamin von den belasteten Zellen ausgesondert wird, um quasi die Putztruppe des Körpers zu rufen. Aber wenn die Zelle schon zu stark belastet ist, wird sie inaktiv und kann das nicht mehr. Dadurch, dass sie aber dank des Flushs durchgespült wird, könnte sie endlich wieder um Hilfe rufen.

Eine Packung Niacin (angeblich)

Bei irgendwelchen Giften, die sich angeblich im Körper einlagern und die man nur mit Wundermitteln entfernen kann, steht die Alternativmedizin mit der klinischen Medizin gefühlt eh immer auf dem Kriegsfuß. Insofern stehe ich als Laie ehrlich gesagt auch nur da und bin keinen Deut schlauer. Von der reinen Logik her macht es zumindest halbwegs Sinn :smile: . Der Körper gewöhnt sich übrigens sehr zügig daran. Reichen am Anfang schon um die 200mg Nicotinsäure, um einen Flush zu bekommen, können es am nächsten Tag schon 500mg sein, bevor ihr irgendetwas merkt.

Wofür?

Jetzt habe ich schon eine der Nebenwirkungen von Nicotinsäure beschrieben, bevor ich überhaupt erklärt habe wozu Vitamin B3 überhaupt da ist: Niacin befindet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Nicotinsäure ist einer der Bausteine unter anderem der Coenzyme NAD und NADP, die extrem wichtig sind für den Ab- und Aufbau von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Auch bei der Umwandlung von Cholesterin ist es ganz vorne mit dabei. So senkt es das LDL-Colesterin und erhöht stattdessen HDL-Cholesterin. Das wird irgendwann mal ein eigener Eintrag werden aber in kurz: LDL wird als schlechtes und HDL als gutes Cholesterin bezeichnet. Tatsächlich braucht unser Körper aber beides und das Verhältnis (wie viel LDL im Vergleich zu HDL) ist wichtiger als die totale Menge egal ob von LDL oder HDL.

Nicotinamid hingegen hilft bei der Regeneration. Darunter der Haut oder angeblich sogar der DNA. Im Gehirn hingegen unterstützt es beim Aufbau sogenannter Neuotransmitter wie Serotonin, die für die Funktion der Nerven benötigt werden. Entsprechend gibt es Tierversuche bei denen Nicotinamid als Verhinderer/Verbesserer von Alzheimer getestet wird. Außerdem erhöht es die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems.

Ein Wundermittel?!

Klingt auf dem Papier so, als sollte man möglichst viel Vitamin B3 in sich reinstopfen. Die Vorteile sprechen schließlich für sich: Hilft beim Abnehmen/Gewicht halten, macht den Cholesterinhaushalt besser und verhindert Demenz! Ja ne, das lasst ihr mal lieber bleiben. Die Grenze zur Überdosis liegt bei Vitamin B3 vergleichsweise niedrig (ab 1,5-3g pro Tag). „Aber Sicarius, es ist doch wasserlöslich! Spült der Körper das nicht einfach aus?“ Auf gewisse Art und Weise schon, denn ihr kriegt Durchfall und das Kotzen sowie bei dauerhaft hoher Einnahme im schlimmsten Fall wohl auch eine Runde Gelbsucht (Leberschaden). Davor kann im Falle von Nicotinsäure euer Kreislauf stark absacken (wegen dem Flush), es kommt zu einer erhöhten Harnsäurebildung im Blut und ihr habt angeblich ein erhöhtes Diabetesrisiko. Kein Wunder, dass die DGE für Erwachsene nur 11-16mg Niacin pro Tag empfiehlt. Da kommt ihr nicht einmal in die Nähe eines Flushs.

Wie die DGE auf diese Rechnung kommt? Nun, der Nicotinsäure-Bedarf des Körpers hängt vom Gesamtenergiebedarf des Körpers ab. Logisch: Es hilft ja beim Stoffwechselprozess und spielt Metzger für Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Durchschnittlich 6,6mg Niacin werden gebraucht, um die Energie von 1.000 Kilokalorien zu erzeugen. Und wenn man nun einen Energiebedarfsrechner dagegenhält, kommt man meist so bei 2.000-3.000 kcal raus. Somit ist man mit 16mg tatsächlich gut dabei. Folgende Frage, die ich jedoch nicht beantwortet bekommen habe bei meinen Recherchen: Ist das jetzt nur der Bedarf für den Stoffwechselprozess oder wird damit auch der Nicotinamid-Bedarf gedeckt? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit redet davon, dass 10mg/Tag an Nicotinsäure und 900mg/Tag Nicotinamid nicht überschritten werden sollten. Da wäre ich mit 16mg Niacin dann doch etwas weit weg von in Sachen Nicotinamid. Allerdings liegt laut DGE die tatsächlich zugeführte Menge an Niacin-Äquivalenten (Niacin oder Tryptophan in 60facher Menge) sowieso zwischen 25 und 30mg. Insofern…

Woher?

Grundsätzlich kann unser Körper Niacin selbst herstellen. Das passiert in der Leber und die braucht dazu vor allem Tryptophan. Man geht davon aus, dass 60mg Tryptophan zu 1mg Niacin werden. Weitere Co-Faktoren für diesen Stoffwechsel sind jedoch Vitamin B2 und B6. Also ohne die, gibt es trotz genug Tryptophan kein Niacin. Aber sowohl Nicotinsäure, Nikotinamid als auch Tryptophan kommen in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in vergleichsweisen hohen Mengen vor. Speziell Fisch mit z.B. 8,5mg/100g Thunfisch oder Pilze wie 6,5g/100g Pfifferlinge sind genauso wie Innereien (Hühnerleber hat 11,6mg/100g) oder das gute alte Schweineschnitzel (4,3mg/100g) gute Lieferanten. In Naturreis sind hingegen 5,2mg/100g und in weißen Bohnen immerhin noch 2,1mg/100g.

Haferkleie enthält auch B3

Entsprechend selten ist ein echter Vitamin-B3-Mangel und damit die Notwendigkeit zur Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland ohne zusätzliche Gründe wie z.B. Alkoholismus, Magersucht oder grundsätzlich eine entsprechende Stoffwechselstörung. Ein größeres Problem ist es in ärmeren Ländern mit einseitiger Ernährung wo beispielsweise viel Mais und Maisprodukte gegessen werden. Da ist zwar Niacin drin, das kann aber vom Magen-Darm-Trakt nur sehr schlecht verarbeitet werden. Die schwerste Version einer Vitamin-B3 Hypovitaminose wird als Pellagra bezeichnet. Ansonsten gibt es noch Hautveränderungen wie Dermatitis oder Schuppen, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Appetitlosigkeit, Depressionen und noch viele weitere, lustige Dinge.

Anders als die anderen wasserlöslichen Vitamine ist B3 auch etwas unempfindlicher gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Ihr habt es also zwar trotzdem im Kochwasser aber es wird nicht gleich im Backofen/Mikrowelle zerstört.

Fazit

Versteht ihr jetzt, warum ich die B-Vitamine schon so lange vor mir herschiebe? Es ist echt kompliziert bei der Gruppe. Und nein, es wird bei den anderen B-Vitaminen nicht viel besser. Nach meiner ganzen Recherche zu Vitamin B3 muss ich ganz klar sagen, dass ich total verwirrt bin. Es scheint mir als würde nicht nur der Trivialname, sondern auch der Begriff „Niacin“ zu oft völlig falsch und widersprüchlich verwendet werden. Mein abschließendes Verständnis – soweit mich keiner in den Kommentaren vom Gegenteil überzeugt – ist: Nicotinsäure und Nicotinamid haben zwei völlig unterschiedliche Rollen im Körper (die Säure im Stoffwechsel und das Amid für Haut und Nerven) und werden beide gebraucht. Sie haben nur so viel miteinander gemein, dass sie halt beide eine ähnliche Struktur haben (Nicotinamid hat statt einem OH ein NH2) und die Leber sie aus Tryptophan bilden kann. Aber sie unter einem Namen zusammen zu fassen macht für mich mittlerweile irgendwie absolut keinen Sinn mehr.

Aber gut: Wie handhabe ich es? Ich nehme seit einiger Zeit etwas Vitamin B3 täglich zusätzlich, da ich einen Jod-Mangel habe und das dort ein Co-Faktor ist. Anfangs hatte ich nur Nicotinamid als Teil eines Vitamin-B-Komplexes. Den habe ich aber zu Gunsten der Einzelzufuhr der Vitamine aufgegeben und bin im Falle von Vitamin B3 nun (angeblich?) auf Niacin umgestiegen. Hatte auch tatsächlich 2-3mal einen Flush. Aber ansonsten ehrlich gesagt noch keine anderen positiven oder negativen Auswirkungen gespürt. Insofern schauen wir mal, wie lange ich das noch beibehalte.

Sicarius

Große Welten ohne Inhalt

Rise of the Tomb Raider (Herstellerbild)

Warum auch immer bin ich seit über einem Jahr voll auf dem Open-World-Trip. Allein in den letzten 3-4 Monaten liefen FarCry 4, FarCry Primal und jetzt aktuell RAGE 2 über meinen Bildschirm. Nur unterbrochen von Rise of the Tomb Raider, was allerdings auch schon sehr nah an einen Open-World-Titel rankommt. Eine Sache, die mich durchaus gestört hat. Ein Problem von Tomb Raider war zwar, dass es zu wenige von den namensgebenden Gräbern gab. Aber es litt mehr unter dem sehr starken Actionfokus als unter seiner Linearität – und war für meinen Geschmack viel zu blutig (die Sterbeszenen wurden im Nachfolger zum Glück massiv eingedampft). Entsprechend war es eine super Idee den Survival-Aspekt etwas mehr in den Vordergrund zu rücken. Dadurch sind die Areale etwas offener und gleichzeitig wird man für das Erkunden derselben immer wieder belohnt (hauptsächlich mit Ressourcen um Skills oder Upgrades freizuschalten).

Das „Aber“

Aber so gut Rise of the Tomb Raider auch ist, ich hatte immer noch nicht wirklich das Gefühl, dass die Entwickler verstanden haben was das Original und selbst die 2006er Trilogie so gut gemacht haben. Diese semi-offene Welt führte aus meiner Sicht dann doch irgendwie zu langweiligem Leerlauf zwischen den großen und erneut wirklich spannenden Actionsequenzen, welche die eigentlich interessante – wenn auch äußerst klischee-belastete – Story voranbringen. Gefühlt mit Schuld daran war die Entscheidung den eigentlichen Kern der Serie, das Erkunden/Durchrätseln von Gräbern, größtenteils hinter dem Begriff „Optional“ zu verstecken. Das machte das Spielerlebnis noch abgehackter, als es durch den „Erkunden und Ressourcen sammeln, Action-Setpiece, Erkunden und Ressourcen sammeln, Action-Setpiece, etc.“-Rhythmus sowieso schon war.

Während ihr im Original euch halbwegs zusammenhängend und flüssig von „Grab“ zu „Grab“ hangelt, rätselt und ballert, will Rise of the Tomb Raider irgendwie zu viele Zielgruppen gleichzeitig glücklich machen. Im Ergebnis war am Ende vermutlich keine so richtig zufrieden. Derjenige, der nur dem direkten Pfad geht verpasst sehr viel vom erneut sehr gut gemachtem Kraxeln und Rätseln, während derjenige, der wie ich gründlich vorgeht zwar viele tolle Einzelmomente erlebt aber das Gesamterlebnis durch die harte Trennung und den teils erzwungenen Pausen sehr stark leidet – tatsächlich bis hin zu dem Punkt, dass es einem zum Hals heraushängt. Eine Reduzierung des Umfangs (bei mir waren es 31 Stunden inkl. 2-3 Runden durch die DLCs) hätte dem Titel unterm Strich sicherlich gutgetan und zu einem runderen Spielerlebnis geführt. So ist Rise of the Tomb Raider am Ende zwar trotzdem ein empfehlenswertes Action-Adventure, aber es bleibt definitiv unter seinem Potential.

Ein echter Open-World-Titel

FarCry Primal (Herstellerbild)

FarCry Primal hingegen ist zwar selbst mit DLCs nur rund 20 Stunden lang (71% Completion) aber selbst das war mir irgendwann echt zu viel – zumal das Ende absoluter Mist ist. Ihr besiegt beide Bösewichte – die übrigens überhaupt nichts miteinander zu tun hatten – und werdet quasi direkt wieder in die Spielwelt geworfen. Keine richtige Endsequenz, die euren Taten würdig ist, sondern nur ein Schulterklopfen und zurück zum alten Trott: Die noch offenen Punkte auf der Karte abarbeiten. Keine Ahnung, warum Entwickler glauben es reicht einfach nur 10, 20, 50mal die gleiche Art von Quest in der Spielwelt zu verstreuen und schon wird daraus Spielspaß. Wenn ich einmal eine Gruppe von Leuten eskortiert habe, dann reicht mir das. Ich muss es nicht noch 200mal tun, nur um Skillpunkte oder (irgendwann total nutzlose) Ressourcen zu bekommen.

Dabei ist FarCry Primal grundsätzlich ein richtig interessanter Titel, wie ich auch schon letztes Jahr kurz angerissen hatte. Das sehr ungewohnte und grundsätzlich gut umgesetzte Steinzeit-Setting, die fremde aber zumindest wissenschaftlich betrachtet wohl echte Sprache von damals und ebenfalls ein starker Fokus auf die Survivalaspekte (Ressourcen sammeln, Waffen selbst bauen) sowie die ganze „Wilde Tiere als Kampfpartner“-Mechanik – selbst der durch das Setting auferlegte Zwang 90% des Spiels zu Fuß unterwegs zu sein ist auf dem Papier echt cool. Aber die Art und Weise, wie Ubisoft diese Spielwelt mit Inhalten gefüllt hat (=vielleicht fünf verschiedene Aufgabenvatianten) funktioniert einfach nicht. Da kann die grundsätzliche Spielmechanik noch so viel Spaß machen: Irgendwann will ich einfach nur fertig sein. Blöd nur, dass mein Komplettisten-Gehirn das „Fertig sein“ so spät definiert. Auf jeden Fall ist das für mich kein Zeichen für einen richtig guten und durchweg empfehlenswerten Titel. Das ist quasi das Gegenteil einer Aussage wie „Bleib dran, denn Final Fantasy XIII wird nach 20 Stunden richtig gut!“ sprich „Hör’ am besten nach 10 Stunden auf zu spielen!“. Ja, man sollte es konsequenterweise tun und sich eben nicht noch weiter sinnlos quälen. Aber es ist ein schlechtes Argument, um jemanden dazu zu bringen Geld für etwas auszugeben. Ich weiß ja auch immer noch nicht wie Leute hunderte oder gar tausende Stunden in einen Titel wie The Elder Scrolls V: Skyrim versenken können, der nur so vor Wiederholungen und Gleichförmigkeit strotzt.

Ein weiterer Open-World-Titel

RAGE 2 (Herstellerbild)

Und dann war da noch RAGE 2. Über 28 Stunden habe ich bislang darin versenkt, aber in der Zeit bereits das Ende erlebt (Bossfight war meh, Ende auch) und „muss“ nur noch den größten der drei DLC beenden. Zusammengefasst ist aus ids Kooperation mit Avalanche Studios (Just Cause) grundsätzlich ein richtig geiler Shooter entstanden, der aus meiner Sicht gar nicht so bunt und überdreht ist, wie es die Marketing-Kampagne uns glauben machen wollte. Es ist natürlich ein spürbarer Unterschied zum doch eher grauen und ernsten RAGE aber der Bruch ist eben nicht so extrem wie gedacht. Vor allem aber ist das Gunplay wieder auf einem extrem hohen Niveau. Man hört sich immer an wie ein Psychopath, wenn man es sagt, aber mit der Schrotflinte eine Horde Goons über den Haufen zu pusten ist und bleibt einfach unglaublich befriedigend. So sehr sogar, dass ich die meisten anderen Waffen, Gadgets (Stichwort Wingstick) und Spezialfähigkeiten (z.B. Leute wegschleudern) aus meinem riesigen Arsenal so gut wie gar nicht benutze. Warum auch? 90% der Zeit funktioniert sich mit der Schrotflinte ins Getümmel stürzen sehr gut und hört/fühlt sich gleichzeitig richtig geil an. Selbst beim Endgegner hatte ich keinen Grund die BFG9000 (Day One Edition Bonus) rauszuholen.

Im Vergleich zu anderen Open-World-Titeln ist RAGE 2 zudem wesentlich kompakter gestaltet was die Größe der Welt und die Verteilung der Aktivitäten angeht. Wiederholungen gibt es trotzdem am laufenden Band – und damit meine ich nicht nur die sich endlos regenerierenden Kopfgeldjägeraufträge (lasst sie von Anfang an links liegen, es lohnt nicht!). Der einzige Unterschied zwischen den zu befreienden Stützpunkten ist böse gesagt nur, welche der drei Fraktionen ihr über den Haufen schießt. Mutant Bash TV und die Rennen spielen dieses Mal sogar so gut wie überhaupt keine Rolle. Für ersteres gibt es nur eine Arena und eine Shooting Range und für die Rennen steht ebenfalls nur ein Kurs zur Verfügung – obwohl auf der Weltkarte durchaus weitere potentielle Straßen eingezeichnet sind. In der Konsequenz macht man das alles einmal, weil es von der Hauptstory verlangt wird und dann war es das. Da scheint nicht genug Zeit für mehr Inhalte gewesen zu sein, denn auch die Charaktere deuten eigentlich auf weitere Events hin, die aber nie kommen. Andererseits bin ich da nicht wirklich böse drum. Speziell die Rennen sind einfach nicht so gut wie im Vorgänger – was sich auch auf das restliche Spiel auswirkt. Obwohl die Welt kompakter ist, seid ihr nämlich doch sehr oft zu Fuß/mit dem Auto unterwegs und das macht mir absolut keinen Spaß.

Ein leeres Ödland

RAGE 2 (Herstellerbild)

Das Fahrmodell, die KI und das System der Konvois wurden eindeutig vollständig aus Avalanches Mad Max übernommen (inkl. vielen Sounds). Es macht aber irgendwie hier wesentlich weniger Laune. Warum? Nun, zum einen, weil alles nur auf festgelegten Routen und Straßen stattfindet. Wie im Vorgänger mitten in der Pampas mal gegen eine Horde Banditen antreten ist nicht. Stattdessen fährt die KI stur ihre Route ab und schießt nur ein bisschen im Vorbeigehen auf euch. Ihr habt also gar keinen Grund euch einzumischen. Selbst die Konvois sind Schema F (schalte die Begleitung aus und dann schieße auf die Schwachpunkte) und bringen keinerlei echten Mehrwert.

Das größere Problem ist aber vermutlich, dass nichts los ist. Es sind einfach zu wenig andere Fahrzeuge unterwegs und die Scharmützel zwischen den Fraktionen am Straßenrand interessieren nicht wirklich. Mischt ihr mit, habt ihr nur weniger Munition aber sonst nichts davon. Entsprechend fahrt ihr die meiste Zeit – dank Autopilot sogar auf Wunsch vollautomatisiert – gelangweilt durch die nette Landschaft zu eurem nächsten Ziel. Und selbst wenn ihr euch mal bewusst entscheidet mit dem Auto in den Kampf zu ziehen (schließlich hat es ja theoretisch eine schwere Bewaffnung), ist die Bedienung irgendwie totaler Mist und die Waffen im Vergleich zum Zu-Fuß-Arsenal total pimpfig in Sachen „Look-and-Feel“. Ich habe 10mal schneller einen Stützpunkt von Feinden zu Fuß geleert, als wenn ich Anfange mit dem Auto draufloszuballern – und das kann es einfach nicht sein.

Und trotzdem muss ich zum Abschluss versöhnend festhalten: RAGE 2 hat mich die bislang 28 Stunden (werden vermutlich nochmal 2-3 mehr werden) dank der wie schon im Vorgänger extrem gelungen umgesetzten Kernmechanik (alles abschießen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist) sehr gut bei der Stange gehalten. Ja, die Reisezeit nervt und ich bin aufgrund der Wiederholungen in den Nebenaufgaben natürlich ebenfalls so langsam froh dem Ende näher zu kommen. Dieses Gefühl ist aber bei weitem nicht so schlimm wie bei FarCry Primal oder Rise of the Tomb Raider – nicht nur aber vor allem der Schrotflinte zum Dank :wink: .

Epilog

Shadow of the Tomb Raider (Herstellerbild)

Jetzt habe ich 2 1/2 Seiten über Open-World-Titel geschimpft. Klingt nicht gerade so, als würde ich sie toll finden. Warum spiele ich sie dann überhaupt? Nun, ich finde die Spiele ja unterm Strich gar nicht doof. Sonst wären die oberen zwei nicht in meiner Top-5-Liste gelandet. Meist reizt mich das Setting und die Geschichte. Und natürlich macht das Gameplay ebenfalls grundsätzlich Spaß. Es wiederholt sich nur einfach zu oft bis der Abspann über den Bildschirm flackert. Da muss es – siehe RAGE 2 – echt gut sein, dass es nicht zur totalen Qual wird. Wir Spieler sollten wirklich bereiter sein auch für kürzere aber dafür knackige Titel zu bezahlen! Ein anderer ist tatsächlich, dass es bei den Titeln leichter ist plötzlich zwischendrin auszusteigen, wenn die Realität ruft bzw. sie ähnlich wie ein Smartphone-Titel auch einfach mal nebenbei ohne Ton zu zocken. Die Bösewichter in Stützpunkt 345 sagen schließlich nichts anderes als in Stützpunkt 21, das muss ich nicht zwingend hören, bevor ich sie abschieße.

Ich weiß: Blasphemie und so. Vor allem von mir, der selbst die nervigste Musik niemals abschalten würde. Aber es ist halt leider mittlerweile so, dass selbst am Wochenende ewig lange und nicht pausierbare Sequenzen (egal ob interaktiv oder nicht) mit viel Sprachausgabe irgendwie nicht mehr so richtig in meine Lebenssituation passen. Obwohl ich keine Kinder habe, muss ich irgendwie doch relativ genau planen, wann ich einen Story-lastigen Titel starten kann, um ihn tatsächlich genießen/erleben zu können und nicht schon nach 10 Minuten wieder unterbrochen zu werden. Luxusprobleme, ich weiß. Aber da sind Open-World-Titel halt irgendwie praktisch :smile: . Aber nachdem die Definitive Edition mittlerweile raus ist, werde ich nach RAGE 2 vermutlich doch erstmal Shadow of the Tomb Raider zocken. Will ja wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Die Laufwerke im Hauptrechner

Wie viel Speicherplatz braucht man als durchschnittlicher, erwachsener Gamer? Unser Hardware-Experte Azzkickr hat diese Frage in seinem aktuellen Rechner mit 2,5TB verteilt auf drei SSDs (System/Programme, Spiele und Daten) beantwortet. Über die Menge an SSDs kann man sicherlich diskutieren. Aber 2,5TB klingt nach völlig ausreichend Speicherplatz trotz der weiter ansteigenden Installationsgröße speziell von AAA-Titeln. 100 GB ist da ja immer mehr die Norm als nur die Ausnahme geworden.

Ich habe hingegen mittlerweile Zugriff auf 10,25TB Speicherplatz im Hauptrechner. Ja, richtig gelesen. Diese 10 TB sind verteilt auf sechs Laufwerke (3xHDD, 2xSSD und eine externe über USB3.0). Heftig. Kann man sich gar nicht so richtig vorstellen, was man da alles draufpacken kann. Deswegen ist die Antwort auf die Frage „Benötige ich so viel Speicherplatz wirklich?“ auch ein klares nein, natürlich nicht. Aktuell belege ich nur etwas mehr als 4 TB von den 10,25 TB (u.a. 372 installierte Steam-Spiele – ja, ich spinne). Und selbst wenn die 10 TB wirklich voll wären: Mehr Mut zum Deinstallieren von Spielen, die ich sowie gerade nicht zocke und schon wäre alles super, denn vier dieser Laufwerke sind nur dafür da (die mit 4 TB größte HDD ist ausschließlich für Steam!). Und selbst die externe 2 TB bräuchte ich dank des NAS mittlerweile gar nicht mehr, denn die Daten die da mal drauf waren, sind jetzt größtenteils im 4 TB großen Datengrab. Den Platz im NAS brauchen wir aber tatsächlich. Sind ja schließlich zwei Nutzer, die da ihre kompletten Daten ablegen. Schlimmer noch: Ich muss vermutlich sogar demnächst mal ein Upgrade von den jetzt 4 TB auf 6 oder 8 TB machen. Schon allein das Aufheben von zwei Wochen Aufzeichnungen in höchster Auflösung von zwei Kameras nimmt ganz schön viel Platz weg.

Das eigentliche Thema

Aber gut: Der Speicherplatz hat sich halt über die Jahre angesammelt :smile: . Ich hab‘ die Anschlüsse und den Platz, die Laufwerke funktionieren noch, warum also rauswerfen? Technisch gesehen habe ich sogar noch 1 TB im Schrank liegen. Müsste ich mal löschen und verkaufen. Aber ja, es sind natürlich hauptsächlich HDD. Nur die Systemplatte (die 0,25 TB) ist schon lange eine SSD (früher eine Intel X25-M, seit 2013 eine Samsung 840 EVO). Ich hatte bislang tatsächlich noch nie die Erfahrung gemacht wie sich das Spielen auf einer SSD anfühlt. Genauso wie ich immer noch mit 60hz-Monitoren unterwegs bin, während alle anderen schon über 240hz reden. Wird sicherlich einer der nächsten Hardware-Anschaffungen werden. Doch zurück zum Thema SSD: Entsprechend interessiert war ich daran Azzkickr die größte seiner alten Samsung SSDs (1 TB) abzukaufen. Mit 500GB fang ich schließlich gar nicht erst an :wink: . Die Idee war es sie gegen meine Seagate 1 TB zu tauschen aber da ich noch Kabel und einen Port frei hatte, habe ich sie einfach zusätzlich eingebaut. Das Ergebnis dürfte jedem klar sein:

Benchmarkergebnis (Samsung Magician)

Obwohl die SSD „nur“ über SATA III angebunden ist (Azzkickr ist ja auf nochmal schnellere NVMes umgestiegen), ist sie fünf Mal so schnell wie meine schnellsten HDDs. Und ja, ich habe eindeutig etwas verpasst in den letzten Jahren. Aktuell installiert sind darauf Star Citizen und RAGE 2. Besonders Star Citizen war faktisch vorher überhaupt nicht spielbar. Die Ladezeiten waren unter aller Sau und da das Spiel sehr stark auf Daten-Streaming ausgelegt ist, war selbst nach dem Ende des Ladens an echte Spielfreude (selbst auf niedrigen Detaileinstellungen) nicht zu denken. Mit der SSD bin ich nun nicht nur schneller im Spiel als ich guggen kann – war tatsächlich extrem überrascht -, ich kann es auch endlich spielen! Gut, die Details muss ich hier und da trotzdem reduzieren, um zumindest konstante 30fps zu bekommen. Aber es ist zum einen noch nicht fertig (ich weiß: wird es das jemals?) und zum anderen Chris Roberts Anspruch mal wieder die heutige Computerhardware richtig auszulasten.

RAGE 2 (Herstellerbild)

Wesentlich mehr Zeit als mit Star Citizen habe ich jedoch nach dem Abschluss von Far Cry Primal mit RAGE 2 verbracht. Und auch hier: Sehr schnell im Spiel und im Spiel keinerlei Probleme mit Nachladerucklern und zu spät geladene Texturen (abseits der grundsätzlich schlechten Level-of-Detail-Abstufungen). Kann man sich definitiv dran gewöhnen. Muss natürlich nicht für jedes Spiel sein – HuniePop profitiert sicherlich nur bedingt von einer SSD. Aber speziell Open-World-Titel werde ich definitiv ab sofort dort installieren und nicht mehr auf einer HDD. Es hat mich außerdem in dem Beschluss bestärkt mir zum einen auch bald mal eine NVMe anzuschaffen – vermutlich wie Azzkickr die Samsung 970 EVO Plus oder ein entsprechender Nachfolger aber mit min. 2 TB. Zudem werde ich definitiv mit dem nächsten Rechnerupgrade (mit Gehäusetausch) in ein paar Jahren alle HDDs rauszuschmeißen. Bin ich zwar vermutlich 1-2 Tage mit Daten kopieren beschäftigt. Ich kann aber natürlich jetzt nicht anders als mit in den Chor einzustimmen, der sagt „nie wieder HDD“ – zumindest im Spielerechner.

Noch mehr Launcher!

Nun ist es aber genug von der Hardware. Gibt ja zu einer SSD nicht viel zu berichten. Sie ist klein, sie ist schnell und ist rundum eine coole Technologie. Bin vermutlich sogar wieder einer der letzten, der diese Erfahrung macht. Echt schlimm mit mir. Absolut nicht mehr am Puls der Zeit. Ich hab‘ mir aber immerhin tatsächlich DOOM Eternal vorbestellt. Nein, nicht die 250 Euro teure Collector’s Edition. Ich hätte zwar schon gerne das physikalische Lore Book gehabt. Aber obwohl der Preis sicherlich wegen dem tragbaren Doom-Slayer-Helm gerechtfertigt ist, ist mir das definitiv viel zu viel Geld :smile: . Die Bestellung habe ich aber nicht getätigt, um mein „Street Cred“ mal wieder etwas aufzubessern. Das kann ich glaube ich mittlerweile vergessen. Außerdem hätte ich es so oder so gekauft. Aber der neuste Trailer hat mich endgültig davon überzeugt, dass ich es einfach sofort haben muss. Gibt kein anderes Spiel wo ich mehr gehypt für bin. Hat das Marketing quasi funktioniert. Mist. :smile: . Lustigerweise fixt es mich mal wieder mehr aufgrund der Story an als wegen dem Gameplay. Ja, das Spiel an sich wird sicherlich auch wieder geil aber mich haben vor allem die Mono- und Dialoge in den Trailern echt scharf darauf gemacht zu erfahren, wie es mit Doom Slayer, Sam Hayden und den Kampf Himmel gegen Hölle weitergeht.

Die Spielansicht im Bethesda Launcher

Etwas blöd ist nur, dass die Retailversion über den Bethesda Launcher aktiviert werden muss. Ja, Bethesda hat seit 2016 ebenfalls sein eigenes Shopsystem. Ist vermutlich so gut wie gar nicht aufgefallen, wie z.B. bei UPlay, weil alle Titel weiterhin z.B. über Steam verfügbar sind und dann darüber laufen (bei Ubisoft-Titeln wird ja trotzdem gerne UPlay gestartet). Aber ja, es gibt ihn. Fallout 76 war glaube ich das erste und bislang einzige Spiel, das ihn tatsächlich zwingend vorausgesetzt hat. Die Ladenversionen von RAGE 2 und Wolfenstein: Youngblood sind nun die ersten (mir bekannten) Bethesda-Release, die nicht mehr mit einem Steamkey ausgeliefert werden. Stattdessen braucht ihr nun den hauseigenen Launcher. Erwarte entsprechend nicht, dass es bei DOOM Eternal anders sein wird. Ach und nein: Eure auf Steam gekauften Bethesda-Titel könnt ihr (trotz teilweiser Bethesda-Accountbindung!) selbstverständlich nicht in den Launcher integrieren. Wäre ja zu einfach. Den Weg vom Launcher nach Steam gibt es angeblich über den Bethesda Support aber anders herum nicht.

Und warum ist das blöd? Nun, weil der Bethesda Launcher in Sachen Features faktisch GAR NICHTS hat. Da ist der Epic Games Launcher im Vergleich ein aufgeblähtes Feature-Monster. Selbst der „Shop“-Button öffnet nur eine Webseite in eurem Standardbrowser. Schlank und rank ist natürlich nicht immer schlecht aber das ist mir dann doch etwas zu wenig. So hat RAGE 2 z.B. technisch gesehen Achievements. Sowohl in der Konsolenversion als auch z.B. auf Steam. Der Bethesda Launcher kennt aber heute noch keine Erfolge und ein In-Game-Tracking quasi als Ersatz gibt es ebenfalls nicht. Jetzt könnte man sagen, dass sind Achievements – die sind jetzt nicht wirklich wichtig. Aber es ist ein trotzdem ein fehlendes Feature und ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich sie etwas vermisse. Ist vermutlich Gewöhnungssache. Aber speziell in einem Open-World-Titel wird mir die Monotonie einiger Spielinhalte noch schneller klar, wenn ich nicht zumindest ab und zu dafür ein nutzloses Bild bekomme. Irgendwas läuft in unserer Gesellschaft falsch… :smile:

Bis Montag!

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