Das Filme-Regal ist grad etwas unordentlich.

Lang, lang ist es her, da habe ich euch die Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme “aller Zeiten” vorgestellt – mit Stand Januar 2013. Seitdem bin ich nicht nur in den Genuss vieler weiterer Werke gekommen. Auch ich und mein Geschmack haben sich einfach verändert. Es wird also mal höchste Zeit die damalige Liste zu aktualisieren.

Das fiel mir übrigens leichter, als ich anfangs dachte. Selbstverständlich ist die Liste der möglichen Kandidaten größer als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Aber am Ende des Tages gibt es dann doch irgendwie nur eine Handvoll von Werken, die einem wirklich im Gedächtnis bleiben. Und umgekehrt fiel es mir auch irgendwie nicht sonderlich schwer den notwendigen Platz auf der alten Liste zu schaffen.

Diese sah 2013 übrigens so aus:

1. Gesprengte Ketten*
2. Rain Man*
3. Das Boot*
4. Armee der Finsternis*
5. M*
6. Blues Brothers*
7. Jackie Brown*
8. TRON: Legacy*
9. Vernetzt*
10. The Crow – Die Krähe*

Und hier zum Vergleich direkt und ohne weitere Umschweife die neue Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme (Stand 2026). Wobei sich tatsächlich weniger geändert hat, als ihr vielleicht erwartet hättet:

1. Die 12 Geschworenen* (12 Angry Men, 1957, Sidney Lumet)

Das ursprüngliche Fernsehspiel von 1954, damals live übertragen, kann man sich übrigens bei YouTube anschauen. Die Qualität der Aufnahme ist gelinde gesagt beschissen, aber das Gezeigte ist immer noch extrem spannend und liefert einen faszinierenden Einblick in das menschliche Verhalten. Das gilt auch uneingeschränkt für die erste Verfilmung aus dem Jahr 1957 mit Henry Fonda. Es gibt nur ein Set, das Geschworenenzimmer, und doch wird es in den 96 Minuten nie langweilig. Dabei zuzusehen wie der Geschworene Nr. 8 nach und nach die anderen davon überzeugt, dass vielleicht doch nicht so alles eindeutig und klar ist, wie sie glauben, ist ein fantastisches Schauspiel.

Am allerwichtigsten ist dabei, dass Nr. 8 nicht irgendwie seinen Charme spielen lässt, oder als der große Macker auftritt. Die anderen also nur auf irgendeine Art überredet. Nein, er hinterfragt einfach nur die Dinge und zeigt so nicht nur die Lücken im Fall auf, sondern auch die Vorurteile, die jeden von uns tagtäglich begleiten und was sie mit uns machen. Einfach der helle Wahnsinn. An diesem Film kann ich mich absolut nicht satt sehen.

Rain Man (MGM-Promobild)

2. Rain Man* (1988, Barry Levinson)

“Nein, Sicarius. Nicht schon wieder den Soundtrack anmachen! Du hast ihn doch wahrlich schon oft genug gehört. *Hans Zimmers Leaving Wallbrook/On The Road ertönt durch die Boxen* Ähm, ja was soll ich sagen? Nimmt mich immer noch jedes Mal emotional sehr mit, dieses Machwerk.

3. Das Boot* (1981, Wolfgang Petersen)

Muss ich wieder die nervenaufreibende Fahrt durch die Meerenge von Gibraltar erwähnen? Nein? Gut. Immer noch einer, wenn nicht sogar der beste Kriegsfilm(miniserie) aller Zeiten. Und wenn ihr ihn immer noch nicht gesehen habt, dann ist euch auch nicht mehr zu helfen. *hmpf*

4. Der große Crash – Margin Call* (Margin Call, 2011, J. C. Chandor)

Es wurden mittlerweile so einige Filme über die Finanzkrise von 2008 gedreht. Keinen davon habe ich so oft gesehen, wie diesen hier. Möglicherweise habe ich sogar überhaupt noch keinen Film so oft gesehen. Schon allein das Meeting der Senior Partner versetzt mich jedes Mal wieder in Ehrfurcht. Diese an Perfektion grenzende Inszenierung, bei der die Machtverteilung im Raum allein durch Präsenz und Worte transportiert wird. Eine fantastische Meisterleistung sowohl des Regisseurs, aber auch von Jeremy Irons als Firmenchef. Ich empfehle dazu übrigens dieses Video von Bezel Media, wenn ihr genauer erfahren wollt, was hier alles passiert. Und das zieht sich durch den gesamten Film hindurch. Ein wirklich beeindruckendes Drama mit einer perfekten Besetzung. Sobald mir auf YouTube ein Clip eingespielt wird, kann ich der Versuchung faktisch nie widerstehen und am Ende ist es 1 Uhr und ich habe schon wieder einen Großteil des Films verschlungen :smile: .

5. John Wick* (2014, Chad Stahelski & David Leitch)

Noch so ein Werk, das ich bereits öfters gesehen habe, als ich öffentlich zugeben wollen würde. Dabei ist es oberflächlich betrachtet so ein simpler Film. Ein paar böse Jungs erschießen bei einem Hauseinbruch einen Hund und der Besitzer, ein ehemaliger Auftragskiller, begibt sich anschließend auf einen brutalen Rachefeldzug. Aber John Wick nimmt sich gleichzeitig so bierernst und ist dabei doch so völlig überdreht, dass am Ende eine geniale Achterbahn entsteht, vollgestopft mit richtig cooler Action und vielen zeitlosen Szenen. Und ja, der erste ist irgendwie immer noch der beste der Reihe.

Blues Brothers (Universal Pictures-Promobild)

6. Blues Brothers* (The Blues Brothers, 1980, John Landis)

Der Markt an unterhaltsamer Action ist groß (siehe auch Platz 5 dieser Liste). Aber Actionfilme die alles gelungen kombinieren? Also unterhaltsame Action, die richtige Prise Humor, einen richtig guten Soundtrack und vor allem sehr viel Herz? Kenne ich nur wenige und davon kommt einfach weiterhin keiner an Jake und Elwood Blues göttlicher Mission heran.

7. Jackie Brown* (1997, Quentin Tarantino)

Ja, es steht immer noch Tarantinos 3. Werk an dieser Stelle. Sind objektiv betrachtet seine anderen Filme besser (mit Ausnahme von Death Proof – Todsicher vielleicht)? Garantiert. Aber der Vibe des Films, wie man heutzutage so schön sagt, ist für mich einfach weiterhin ungeschlagen. Das Gesamtpaket ist schlicht perfekt.

8. TRON: Legacy* (2010, Joseph Kosinski)

Warum ist dieses Franchise so verflucht? Alles was Disney hätte tun müssen wäre eine direkte Fortsetzung hinterher zu schieben. Aber nein, für mehr als die (wirklich gelungene!) Animationsserie TRON: Der Aufstand reichte es am Ende nicht. Stattdessen jetzt 15 Jahre danach TRON: Ares… Wie gut, dass TRON: Legacy auch heute noch ein wirklich gelungener Film mit einem fantastischen Soundtrack ist. Da kann Disney tun und lassen, was sie wollen: Das können sie uns (noch?) nicht wegnehmen.

9. Der Staatsfeind Nr. 1* (Enemy of the State, 1998, Tony Scott)

Ich hab’ tatsächlich länger überlegt, ob ich nicht lieber Franzis Ford Coppolas‘ Der Dialog* (The Conversation, 1974) an diese Position stecke. Zur Erinnerung: Das ist im Prinzip der Vorgänger im Geiste zu Scotts Überwachungsthriller – ebenfalls mit Gene Hackman. Aber auch, wenn ich meine gemächlichen Filme genauso mag wie ein gutes Actiongewitter, muss ich doch eingestehen, dass in diesem Fall genau diese frenetischere Inszenierung das Pendel zugunsten Der Staatsfeind Nr. 1 ausschlagen lässt. Noch erschreckender ist, dass die heutigen Überwachungsmöglichkeiten das im Film Gezeigte bei weitem übertrifft. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen fesselt er mich jedes Mal wieder an meinen Stuhl, wenn ich ihn einlege.

The Crow (Miramax Film-Promobild)

10. The Crow – Die Krähe* (The Crow, 1994, Alex Proyas)

2013. Was für ein Jahr. Es war der Beginn von Phase 2 des Marvel-Kinouniversums mit Iron Man 3 und Thor – The Dark Kingdom. Was waren wir damals alle noch so voller Hoffnung. Mittlerweile werden wir regelrecht überschwemmt von Superheldenfilmen ohne Inhalt und Seele, stattdessen vollgepackt mit schlechten CGI-Effekten. Entsprechend kommt für mich in Sachen Comicbuchverfilmungen einfach weiterhin nichts an The Crow ran. Ein immer noch optisch wie inhaltlich beeindruckendes und mitreißendes Werk. Bitte? Nein, es gab nie eine Fortsetzung. Wer behauptet denn sowas?

Die Änderungen

So viel also zur neuen Top 10. Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass ich die vier Filme Gesprengte Ketten, Armee der Finsternis, M und Vernetzt rausgeworfen habe, um für die Neuzugänge Platz zu machen. Für sich betrachtet selbstverständlich immer noch sehr gute Filme, die ihr unbedingt gesehen haben müsst. Aber es fühlte sich einfach nicht mehr richtig an, sie noch in so einer hochkarätig besetzten Liste zu belassen.

Und ja, ich bin mir bewusst, dass mit Gesprengte Ketten auch meine ehemalige Nr. 1 geflogen ist. Das liegt interessanterweise an dem, was ich früher so unterhaltsam am Film fand: Die lockere Art und Weise, wie speziell Steve McQueens Charakter inszeniert ist und so das bierernste Thema auflockerte. Aber heutzutage wirkt diese Lockerheit auf mich stellenweise fast schon unpassend gegenüber dem eigentlichen Thema. So richtig erklären kann ich es nicht. Es ist jedoch der Grund, warum er rausgeflogen ist. Stalag 17* ist objektiv vermutlich der weniger perfekte Film, subjektiv greife ich heute aber lieber zu ihm.

PS: Nein, aus der zweitägigen Watchparty, über die damals in den Kommentaren diskutiert wurde, ist dann doch nichts geworden :sad: .

Ich habe keinen Schimmer, warum ihr überhaupt Beim Christoph besucht und Einträge wie diesen zumindest anfangt zu lesen (Danke!). Doch ich vermute, dass das Thema “Kochen mit Sicarius” nicht sonderlich weit oben auf euerer Liste der Interessen steht. Ich weiß: Ich soll mich nicht schlechter machen, als ich bin. Aber ich habe bereits das ein oder andere Mal erwähnt, dass ich definitiv nicht der größte Koch vor dem Herrn bin oder gar behaupte einer zu sein. Wir kochen zwar weiterhin fast täglich selbst, aber das ist weit entfernt von irgendwelchen Fünf-Sterne-Menüs. Wobei die, die man so im Fernsehen sieht, würden mich eh nicht satt machen.

Gute Erfahrungen

Nein, nicht schon wieder abschweifen, Sicarius! Wir haben doch noch nicht einmal die Einleitung hinter uns. Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass ich zwar kein Experte bin, hilfreichen Kochutensilien gegenüber bin ich jedoch – wie sicherlich alle von uns – nicht abgeneigt. Unsere COSORI Heißluftfritteuse ist beispielsweise mittlerweile fast zu jeder Mahlzeit im Einsatz. Man könnte also durchaus behaupten, dass wir mit ihr vollumfänglich zufrieden sind. Das stimmt jedoch tatsächlich nicht ganz. Es gibt nämlich Tage, da bereuen wir es doch ein bisschen damals nicht zur größeren Ninja Foodi FlexDrawer 10,4 L Heißluftfritteuse* (oder zum COSORI Turbo Tower*) gegriffen zu haben. Nämlich dann, wenn wir sie eigentlich beide gebrauchen könnten. Entsprechend müssen wir vorab planen, wer zu welcher Mahlzeit die COSORI in Beschlag nehmen darf. Aber das Gerät an sich? Weiterhin top!

Das gilt auch für die kleine Feuerpfanne, die ich für meine Steaks und Schnitzel jedes Mal wieder gerne hervorhole. Eine der besten Kücheneinkäufe! Die große ist zwar etwas weniger Einsatz. Das liegt aber nicht an der Qualität, sondern einfach nur an der fehlenden Quantität. Wir müssen aktuell (zum Glück) gar nicht so viel vorkochen.

Ende der Einleitung?!

Und damit kommen wir endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Den zwei Neuanschaffungen, die seit Oktober 2025 ihren Dienst in unserer Küche tun.

Sieht aus wie eine klassische Knoblauchpresse

Knoblauchpresse (Gourmet Easy)* – Ich hatte tatsächlich bislang keine Knoblauchpresse. In unseren Haushalt zog entsprechend Lysandas Knoblauchtwister* ein. Wirklich glücklich war ich damit ehrlich gesagt von Anfang an nicht. Man muss den Knoblauch schon ein wenig kleinschneiden, braucht dann trotzdem noch viel Kraft und ihn dann aus dem Ding wieder raus zu kratzen ist ebenfalls mühselig gewesen. Insofern war ich nicht wirklich traurig, als dann mal ein paar der “Zähne” ihren Geist aufgegeben haben und ich nach Ersatz suchen durfte.

Die Wahl fiel dabei auf die verlinkte Gourmet Easy Knoblauchpresse aus drei Gründen:

  • Bekannte Marke – Gourmet Easy sind in Küchenkreisen keine Unbekannten und bieten angeblich gute und langlebige Qualität-
  • Klassische Form aus Edelstahl – Keine komische Twistfunktion, keine fragwürdigen Handdrehpressen und vor allem kein Plastikkram. Ich wollte einfach nur was haltbares, das gut in der Hand liegt und keinen vorherigen Besuch im Fitnessstudio braucht.
  • Kein Schälen notwendig – Das war die eigentliche Funktion, die mich zu dieser Knoblauchpresse hingezogen hat. Endlich kein Schälen mehr? Konnte ich mir gar nicht so wirklich vorstellen, dass das funktioniert. Aber ja: Es funktioniert einwandfrei. Kriege ich dabei vermutlich nur 98% des Knoblauchs aus der Zehe und habe möglicherweise ein paar Mikroreste Schale im Essen? Sicherlich. Sehen/merken tue ich davon nichts und ich verzichte gerne auf eine kleine Menge Knoblauch, wenn ich mir dafür die fünf Minuten Schälen spare.

Von mir eine klare Empfehlung diese Presse. Seit wir sie haben, ist der Knoblauchverbrauch in unserem Haus nachweisbar gestiegen. Ja, der Drücker hat mittlerweile schon ein paar Kratzer. Aber es ist halt ein Gebrauchsgegenstand. Dafür macht sie was sie soll und das Reinigen geht ebenfalls gut von der Hand. Der Großteil der Zehenreste holt man aus der Presse raus, indem man den Stempel rumdreht und als Schaber benutzt. Der Rest geht einfach unter fließendem Wasser.

Bereit zum Stempeln

Fleischzartmacher (Gourmet Easy)* – Ich war noch nie so der Fleischklopfer. Ich verstehe den Sinn und Zweck dahinter, keine Frage. Das Fleisch zart machen, die Muskelfasern auflockern, Sehnen durchtrennen und gleichmäßigeres braten ermöglichen. Mir war das aber irgendwie immer zu blöd so einen Hammer im Haus zu haben und ihn rauszuholen. Als ich auf der Suche nach der Knoblauchpresse dann auf diesen Fleischstecher gestoßen bin, habe ich mir gedacht: Probier’s doch mal aus. Zurückschicken geht ja immer.

Gleich vorweg: Das Teil ist nicht für kleine Hände geeignet. Es ist relativ klobig und mit seinen 384g nicht gerade leicht. Dafür geht das “Fleischzartmachen” echt gut von der Hand. Man setzt ihn einfach auf das Fleisch und drückt zu – quasi so, als würde man ein Formular abstempeln. Den Rest erledigen die ultrascharfen Klingen aus rostfreiem Stahl. Völlig unkompliziert und man muss es auch nur eine Handvoll Mal pro Fleischstück machen. Das ist sowieso zu empfehlen: Zu oft und ihr habt nur noch Hackfleisch übrig :wink: . Und nein, es besteht keine Gefahr, dass ihr euch verletzt. Die Klingen sind zurückgesetzt und fahren nur aus, wenn ihr auf eine Oberfläche drückt. Solange ihr also eure Hand nicht drunter legt, passiert nichts.

Man muss allerdings sagen, dass die Reinigung per Hand nicht ganz so gut funktioniert. An die mittlere Klingenreihe kommt ihr nur mit einer dünnen Bürste rein. Und der Griff ist nicht dicht. D.h. das Wasser sammelt sich dort oben drin, wenn ihr ihn umdreht. Insofern wäre hier ein klassischer Fleischklopfer sicherlich im Vorteil. Aber in Bezug auf die Lautstärke und den Stärkeansatz hat der Fleischzartmacher eindeutig die Nase vorn.

Das Ergebnis

Und ja, das Ergebnis schmeckt man auch. Vor allem in Kombination mit der COSORI. Da die ja fettfrei arbeitet, wird vor allem Hühnchen tendenziell trockener. Nach dem Einsatz des Fleischzartmachers ist zwar immer noch ein Unterschied zur Pfanne da, aber es ist trotzdem deutlich saftiger als ohne. Insofern ist das Teil mit rund 40€ zwar nicht ganz billig, trotzdem gibt es hier ebenfalls eine klare Empfehlung von mir – auch, wenn ich immer noch gerne vergesse ihn zu benutzen :smile: .

Epilog

Ich find es immer wieder lustig selbst zu erfahren, wie ich jahrelang ganz gut ohne ein Ding auskommen bin und kaum habe ich es mal benutzt, will ich es nicht mehr vermissen. Es bleibt entsprechend spannend, was in Zukunft noch so unseren Haushalt erweitern wird.

Sicarius

Fragwürdige Spielewahl

Mein Spielerhirn hat definitiv einen mehr oder weniger großen Schuss weg. Allein in meiner Steambibliothek befinden sich dutzende Präzisionsplattformer wie Celeste, Super Meat Boy, Electronic Super Joy oder They Bleed Pixels, die als sehr gute oder sogar fantastische Spiele angesehen werden. Sie bieten allesamt gut designte Levels, eine ultrapräzise Steuerung, eine gute Geschichte und opendrauf noch eine schicke Optik. Aber statt, dass ich eines dieser Werke endlich mal anfange/fertig durchspiele, mache ich was? Ich investiere fünfeinhalb Stunden meiner wertvollen Zeit in:

(Cover)

Minimalism (2017; PC) – 165 Achievements, größtenteils in Form von japanischen Hiragana-Schriftzeichen, mit 0,99€ ein sehr niedriger Preis, passend zum Titel eine sehr minimalistische Optik und nur eine “Mixed”-Bewertung auf Steam – das klingt so gar nicht nach einem Vorzeigetitel aus dem Genre der Präzisionsplattformer. Im Gegenteil sieht es auf den ersten Blick nach einem dieser belanglosen Achievement-Farmer-Spielen aus, die man sich holt, um sein Profil aufzubessern. Dieser Eindruck beißt sich allerdings mit dem hohen Schwierigkeitsgrad der 31 Level. Ich vermute die meisten verlieren schon frühzeitig die Geduld, um tatsächlich die Erfolge auf legalem Wege zu erhalten.

Ein Teil des Schwierigkeitsgrades entsteht dabei logischerweise durch das (teils wirklich fiese) Leveldesign. Schon früh lernt ihr beispielsweise schmerzlich, dass die Hitboxen der allgegenwärtigen Spikes mitnichten ein Dreieck bilden. Stattdessen sehen sie nur so aus und nehmen tatsächlich den Platz eines Rechtecks ein. Es versteht sich von selbst, dass schon die kleinste Berührung den sofortigen Neustart auslöst. Das lernt ihr auch gleich im zweiten Level, wenn ihr erstmals über vier von den Dingern gleichzeitig springen müsst. Es sieht so einfach aus – bis einem die Hitbox einen Strich durch die Rechnung macht.

Und dann fallen die Dreiecke auch noch plötzlich von der Decke – ohne jedwede Indikation, dass es an dieser Stelle passieren könnte. Nein, ihr nähert euch völlig unbesorgt und schwupps ist das Game Over da. So steigert sich das Spiel nach und nach bis ihr am Ende waghalsige Sprungsequenzen unter Zeitdruck und sogar mit umgedrehter Gravitation meistern müsst. An Ideen mangelte es dem Autor dabei definitiv nicht.

Die volle Kontrolle?

Minimalism (Herstellerbild)

Das fiese Leveldesign ist aber nicht euer größtes Problem. Das gehört zu diesem Genre schließlich dazu. Nein, das größte ist euer Charakter. Ihr übernehmt in Minimalism die Kontrolle über ein gefühlt fettes Viereck, das sich seinen Weg durch die schwarze 2D-Hölle bahnen muss. Und dieses Viereck hat nicht nur ein Momentum, an das ihr euch gewöhnen müsst. Es reagiert auch gerne mal nicht auf eure Eingaben. Ja, ihr lest richtig: Ihr drückt die Sprungtaste und nichts passiert. Stattdessen landet ihr in der nächsten Falle und dürft neustarten. Wie häufig ich allein deswegen das 29. Level neustarten musste, geht auf keine Kuhhaut. Das darf in einem Präzisionsplattformer einfach nicht passieren. Da muss mein Skill entscheidend sein und nicht der Mondstand.

Dazu kommt die Tastatursteuerung. Ihr müsst häufig das Viereck besonders präzise im Sprung steuern, damit ihr nicht in irgendwelchen Spikes landet – was mit der Tastatur fast unmöglich ist und somit zur Glückssache mutiert.

Jetzt erst recht!?

Wie in der Einleitung bereits verraten, habe ich mich aber doch durchgebissen. Einfach, weil ich alle Achievements haben wollte und weil es sehr gut für fünf Minuten Zwischendurch geeignet war. Und ja: Man könnte sogar sagen, dass ich auf gewisse Art und Weise Spaß dabei hatte. Wenn man mal verstanden hat, wie das Viereck reagiert und worauf man achten muss, geht es abseits der Totalausfälle doch ganz gut und planbar von der Hand. Außerdem sind die Level angenehm übersichtlich. Ja, ihr werdet mitunter dutzende Neustarts brauchen. Aber die gehen schnell von der Hand und am Ende dauert kein Level länger als 1-2 Minuten. Dadurch bleibt die Hemmschwelle, es noch einmal zu versuchen, angenehm niedrig. Ach und die chillige Musikuntermalung war auch ganz nett.

Kann ich euch den Titel also tatsächlich empfehlen? Nein. Wie eingangs erwähnt gibt es in diesem Bereich so viel qualitativ hochwertigere Konkurrenz. Da müsst ihr eure wertvolle Spielzeit nicht mit sowas verschwenden. Eine Einschätzung, die übrigens für die beiden anderen Achievementfarmer des Entwicklers PixelMouse gilt. Sie hören auf die Namen Distant Space und Distant Space 2 und es handelt sich um ziemlich anspruchslose Galaga-Klone. Teil 1 hatte ich in weniger als 30 Minuten durch. Bei Teil 2 zeigt der Spielzeitzähler immerhin 65 Minuten. Mit Spielspaß hatte das aber nichts zu tun. Da war im Vergleich dazu Minimalism schon fast ein Meisterwerk. Und da reden wir ja schon vom Einäugigen unter den Blinden.

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