Yay, ich hab‘ mal wieder meinen Spielebacklog um zwei Titel reduziert! Bitte? Ich habe gleichzeitig allein am Freitag 14 neue meiner Steam-Bibliothek hinzugefügt? Och Menno, immer müsst ihr doofen Besucher mir meine Erfolge verderben :sad: .

Kleine Erfolge

Dungeon Siege (Herstellerbild)

Nein, von euch lasse ich mich nicht entmutigen! Schließlich habe ich nach 24 Jahren endlich Dungeon Siege wirklich komplett durchgespielt. Die Veteranen unter euch erinnern sich vielleicht noch daran, dass ich “schon” 2013 die Erweiterung Legends of Aranna erfolgreich beendet hatte. Aber eine Sache fehlte damals immer noch: Return to Arhok. Das ist eine kleine Zusatzgeschichte, die auf das Ende des Addons aufbaut und damals (2003) ausschließlich von Windows-XP-Nutzern gestartet werden konnte. Ja, es hatte eine Betriebssystemlimitation. Heutzutage ist das logischerweise kein Thema mehr.

Ihr schlüpft darin technisch gesehen wieder in eure alte Rolle als Held von Arhok, dürft aber nicht euren Charakter aus der Erweiterung übernehmen. Stattdessen seid ihr ein Frischling und bekommt direkt bei Spielstart einen Boost für den Archetyp eurer Wahl. Ich entschied mich dieses Mal für einen Kampfmagier. Im Dorf findet ihr außerdem ein paar Leute, die euch gegen etwas Zaster bereitwillig auf eurer Reise begleiten und so auf Wunsch die restlichen Slots (Tank, Fernkämpfer, Heiler, etc.) in eurer Party füllen.

Nicht abbiegen!

Die Reise durch das Bonuspack dauerte bei mir am Ende gute zwei Stunden. Vermutlich auch, weil ich mich erst wieder in das Spielprinzip einfinden musste. In der Zeit bin ich völlig linear durch den Schnee rund um Arhok zur grünen Insel der Utraeaner gelaufen und habe dort dann in einem mysteriösen Tempel den König der Hassat befreit, der von den Raks gefangen gehalten wurde. Die Hassat bedrohen eigentlich euer Dorf, weshalb ihr überhaupt aus eurem Ruhestand erweckt wurdet. Aber weil ihr so nett seid, erzählen sie von ihrem Problem und arbeiten dann sogar mit euch zusammen (=zusätzliches, nicht-kontrollierbares Gruppenmitglied).

Unterm Strich bietet Return to Arhok erwartungsgemäß nichts, was man nicht im Hauptspiel und seiner Erweiterung schon gesehen hat – inkl. vollumfänglichen Lokationsrecycling. Die Geschichte wird ebenfalls nicht wirklich vorangebracht. Dennoch: Es war nach all der Zeit trotzdem mal wieder ein ganz netter Ausflug in die Spieleserie. Zusammen mit dem Abstand hat er sicherlich auch dabei geholfen meine Perspektive wieder etwas gerade zu rücken. Ich war ja nach meinen (vermutlich größtenteils selbstverursachten) Strapazen mit Legends of Aranna durchaus sehr angepisst und nicht so gut darauf zu sprechen. Mal schauen wie viele Jahrzehnte es jetzt dauert, bis ich endlich mal dazu komme Dungeon Siege II anzufangen.

Kein Hype

Gothic Remake (Herstellerbild)

Ich habe also einen ziemlich alten Schinken endlich beendet. Dafür ist das zweite Spiel, das über meinen Bildschirm flackerte, technisch gesehen brandaktuell: Gothic Remake*. Nach viel anfänglicher Skepsis auch von mir auf Basis des Prototypens, hat das Ergebnis Anfang des Monats dann überraschend voll reingeschlagen. Sogar Rondrer hatte seinen Geldbeutel geöffnet und es quasi in einem Rutsch durchgespielt.

Mein Hypelevel war (und ist) hingegen trotz meines Gothic-Fanboyordens nicht so groß. Gekauft habe ich es mir dennoch. Hauptsächlich, weil die physische PC-Version sicherlich bald ausverkauft sein und nicht nachproduziert wird. Ich habe allerdings nicht zur sündhaft teuren Collector’s Edition gegriffen. Für 200€ ist da echt nur Schund drin. Es wurde stattdessen die Day1 Steelbook Edition ohne weitere Extras, die es exklusiv bei MediaMarktSaturn gibt.

Totale Enttäuschung!?

Allerdings finde ich 50€ schon irgendwie heftig für das, was geboten wird. Überall jammern sie in den Steam-Reviews immer über kurze Spielzeit und bei Gothic Remake ist es plötzlich kein Problem, dass man nach nicht einmal einer Stunde schon das Ende sieht? Und wo ist da überhaupt die Nähe zum Original? Man schlüpft nicht einmal in die Rolle des namenlosen Helden, sondern verkörpert einen Typ namens Nyras?! Also nein, die hohen Wertungen für dieses Werk verstehe ich überhaupt nicht.

Ja, natürlich verarsche ich euch nur. Für das Hauptspiel braucht man mehr als 50 Stunden. Ich habe hingegen bislang nur die kostenlose Demo mit dem Untertitel “Nyras Prolog” durchgespielt. Nyras ist ein Novize der Bruderschaft des Schläfers, wenn ihr ihm als namenloser Held begegnet. Wegen dieser kleinen Zusatzgeschichte (und, weil es für ein Achievement im Hauptspiel nötig ist), habe ich mir das Werk angeschaut.

Tatsächlich ganz nett!

Gothic Remake (Herstellerbild)

In der Demo ist Nyras gerade erst frisch ins Minental befördert worden. Leider gab es gleichzeitig einen Erdrutsch, dementsprechend ist der Weg den Berg hinunter versperrt. Nein, ihr helft nicht ihn zu räumen. Stattdessen gilt es einfach nur einen halbwegs sicheren Ruheplatz zu finden, da ein Schattenläufer in diesem Gebiet sein Unwesen treibt. Und weil Diego ein herzloser Arsch ist, lässt er euch nicht bei den Leuten des alten Lagers am Aufzug schlafen. Also ist es eure Aufgabe eine Alternative zu suchen. Dazu erkundet ihr die hübsch gestaltete Umgebung rund um den Lift, schwätzt mit ein paar Leuten, tötet ein paar Viecher, schließt erste Freundschaften und bekommt tatsächlich einen guten Eindruck davon, was euch im Hauptspiel erwartet.

Okay, das Minispiel zum Schlösser knacken ist in der Demo nicht enthalten. Außerdem stehen weder Magie noch Fernkampf auf dem Programm. Der grundsätzliche “Vibe”, wie man heutzutage so schön sagt, kommt aber voll rüber. Die Demo vermittelt euch außerdem ein Gefühl für die Eigenarten des Spielprinzips und seine technischen Probleme. Gegen Ende waren beispielsweise alle meine Interfaceelemente einfach weg und in Gesprächen wurden gerne mal Sätze wiederholt, wenn ich zu ungeduldig die Tasten gedrückt habe. Abstürze hatte ich hingegen zum Glück keine. Und das Kämpfen ist – wie im Original – sehr gewöhnungsbedürftig. Jedoch auf eine andere Art. Entsprechend habe ich gegen die beiden menschlichen Gegner kein Land gesehen.

Aber am Ende der Demo habe ich tatsächlich etwas mehr Lust auf das eigentliche Spiel bekommen. Schon dieser kleine Happen fühlte sich wie eine Rückkehr in die alte Heimat an. Und alles was ich bislang gelesen und gesehen habe, deutet darauf hin, dass das im Hauptspiel so weitergeht.

Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2024

Wie viel Geld ich bei meinen Crowdfunding-Abenteuern wohl gespart hätte, wenn ich mich nicht öfters mal hätte hinreißen lassen? Speziell im Bereich der Videospiele werfe ich doch gerne mal so einige Euro in den Ring, wo ich mir nachher denke: „Was hat mich denn da geritten?!” Noch unverständlicher ist es für mich, da es mittlerweile meist nicht einmal mehr eine physische Belohnung gibt. Ich bin also maximal für einen etwas billigeren Steamkey früher eingestiegen. Als hätte ich nicht schon genug Kram zu zocken.

Was zum Zocken

Das ist definitiv eine “Big Box”!

Und damit sind wir auch schon in meinem Crowdfunding-Jahr 2024. Von den 18 Projekten, die ich damals unterstützte, waren sieben aus der Kategorie „Videospiele”. Zugegeben, mit Broken Sword: Reforged – Collector’s Edition wurde tatsächlich nur die Produktion einer physischen Box für Baphomets Fluch – Die Verschwörung der Tempelritter: Reforged finanziert. Das zählt also nicht und das Ergebnis ist definitiv schick geworden.

Aber warum habe ich dem StarCraft II-Klon Stormgate Geld gegeben? Und das nicht nur, weil ich bekanntlich nicht gerade der beste Stratege bin („Schildkrötenmodus aktiviert!”). Das fertige Spiel ist auch noch ziemlich schlecht geworden. Immerhin, ganz im Sinne von Stop Killing Games, stellen die Entwickler gerade den Titel um. So wird er auch nach der baldigen Abschaltung der Server spielbar bleiben – falls man das will.

Spielbar und gut?

Ebenfalls bereits fertig und erhältlich sind King’s Orders und This is Fine: Maximum Cope. Letzteres ist ein Plattformer mit (sehr) leichten Metroidvania-Elementen. Er basiert auf diesem Comic von KC Green, der zum „This is Fine”-Meme wurde. In der Rolle von Question Hound arbeitet ihr euch durch seine Psyche und helft ihm dabei seine Ängste zu überwinden. Ich habe bislang knapp drei Stunden damit verbracht und würde es als „ganz nett” bezeichnen.

King’s Orders hingegen ist mal wieder so ein auf dem Papier interessantes Spielkonzept, wie sie der Publisher Games Operators gerne veröffentlicht. Deswegen habe ich es unterstützt. Aber am Ende fehlte trotz des Kickstarters wohl mal wieder das Budget, um einen wirklich gelungenen Titel damit zu produzieren. Und zwar schlüpft ihr in diesem Strategiespiel in die Rolle eines Königs. Der Clou: Eure Befehle gebt ihr per Brief, die erst mit einem Boten an ihr Ziel gebracht werden müssen. Das heißt ihr habt nicht nur eine Zeitverzögerung bei der Umsetzung – euer Bote kann z.B. auch verloren gehen oder gefangen genommen werden. Dank einer nur mäßigen KI und einem sperrigen Interface bleibt der Spielspaß aber wohl relativ zügig auf der Strecke.

Noch in Arbeit

Bleiben die drei Titel, die es noch nicht über die Zielgerade geschafft haben:

  • Deliver Us Home – Der letzte Teil der „Deliver Us”-SciFi-Trilogie, von der ich noch keinen einzigen gespielt habe. Also definitiv auch aus der „Warum habe ich das unterstützt?”-Kategorie. Dass die Entwickler schon jetzt schwer damit zu kämpfen haben, dass sie keinen Publisher finden, erzeugt ebenfalls wenig Hoffnung bei mir, dass da was Anständiges rauskommt. Aber wer weiß. Zumindest optisch sieht es ziemlich genial aus.
  • Sea of Legends – Ein Piratenrollenspiel mit Kartenmechanik aus der Feder von Jordan Weisman (Shadowrun, BattleTech, Crimson Skies, usw.). Es basiert auf seinem gleichnamigen Brettspiel. Er ist auch ehrlich gesagt der einzige Grund, warum ich es unterstützt habe. Die Rollenspiele seines vorherigen Studios, Harebrained Schemes, waren wirklich gelungen. Und vielleicht schwang auch die kleine Hoffnung mit, dass das Ergebnis ein bisschen Sid Meier’s Pirates!-Flair versprühen wird. Ich bleibe milde gespannt.
  • Free Stars: Children of Infinity (Herstellerbild)

    Free Stars: Children of Infinity – Die Fortsetzung des bahnbrechenden Weltraumabenteuers Star Control II, die sie aber nicht so nennen dürfen. Lizenzrecht ist manchmal echt doof. Selbst das Original mussten sie umbenennen, bevor sie es wieder veröffentlichen durften, da sie die Namensrechte nicht zurückbekamen. Dafür könnt ihr es nun kostenlos auf Steam spielen. Ihr schlüpft in beiden Titeln in die Rolle eines Raumschiffkapitäns und erkundet den riesigen Weltraum aus der Vogelperspektive. Im alten Spiel wart ihr die letzte Hoffnung für die Erde und habt euch auf die Suche nach Alliierten gemacht, um die Ur-Quans aufzuhalten. Ich finde das Konzept weiterhin cool, deswegen landete mein Geld in der Waagschale.

Während es bei Deliver Us Home wie erwähnt gerade etwas düster aussieht, werden die zwei anderen Titel definitiv noch erscheinen. Aber vermutlich erst 2027.
Viel zu lesen
Die restlichen elf Kampagnen dienten hauptsächlich dazu, den Druck von englischsprachigen Büchern zu finanzieren. Die hier haben es seitdem auch schon erfolgreich zum Verstauben in mein Regal geschafft:

  • ZX Dreams enthält Lobeshymnen auf die guten Spiele, die damals für den britischen Heimcomputer Sinclair ZX Spectrum (1982-1992) erschienen sind. Es ist das Pendant zu ZX Nightmares. Da ich diese Zeit als 84er Jahrgang nie selbst erlebt habe, finde ich solche Werke immer spannend.
  • Und passend dazu habe ich 2024 auch 64 Nightmares vom selben Verlag unterstützt. Ich muss euch sicherlich nicht erklären, worum es darin geht :smile: .
  • Die PlayStation 2 Anthology ist richtig fett.

    Geeks-Line hat damals auch den nächsten Teil ihrer stetig wachsenden Bücherreihe über Konsolen und ihre Spiele finanziert. Und zwar die PlayStation 2 Anthology*. Das sind vier übergroße und hochwertig verarbeitete Bücher vollgepackt mit wahnsinnig viel gut recherchierten Informationen. Kann bislang wirklich alle Teile der Serie für Interessierte empfehlen!

  • Das gilt auch für die Serie über Grafikkartenhersteller des Spaniers Martín Gamero Prieto. 2024 hat er The Legacy of the Oblivion, den dritten Band, über Kickstarter finanziert. Mittlerweile ist aber auch schon der letzte Teil, The Legacy of nVidia & ATi erschienen. Wirklich spannende Werke, auf die ich sicherlich nochmal separat eingehe, wenn ich sie endlich alle durch habe.
  • Gleich für zwei seiner Werke hat hingegen der Italiener Andrea Contato vor zwei Jahren finanzielle Unterstützung gesucht: Video Games: The People, Games, and Companies – Stage Two: From 1980 to 1984*, bei dem der Titel bereits alles verrät. Und das, ehrlich gesagt, viel interessantere Werk The Sumerian Game: A Digital Resurrection*. The Sumerian Game ist ein uraltes Lerncomputerspiel aus den 60ern. Vielleicht sogar das älteste Lernspiel seiner Art. Es vermittelt auf einfache Art und Weise (=nur Text) ökonomische Konzepte, Mathematik und Geschichte und galt lange Zeit als verschollen. Wie der Steamlink schon verraten hat, ist das nicht mehr der Fall – u.a. dank Andrea Contato. Im Buch beschreibt er ausführlich die Geschichte des Spiels und wie die Restauration der verschiedenen Versionen erfolgt ist.

Ja, ich tendiere definitiv dazu vor allem Literatur über Retrokram mitzufinanzieren. Bin wohl mittlerweile in dem Alter :wink: . Interessanterweise aber vornehmlich Werke zu Sachen, die ich nicht selbst miterlebt habe. Oder es wird einfach nicht viel über PC-Spiele in der Hinsicht veröffentlicht. Kann auch sein.

Noch eins!?

Bleibt tatsächlich nur noch ein Buch übrig, das noch nicht erschienen ist: Dare to Dream: Commodore and Amiga Today?. Das ist der fünfte und vermutlich letzte Teil der Buchreihe* über Commodore aus der Feder von niemand anderem als David John Pleasance. Er war lange Jahre bei der Firma und machte 1994 im Prinzip als letzter Manager das Licht aus.

Mit dem neuen Buch wollte er ein Gedankenspiel aufs Papier bringen: Wie wäre es mit Commodore quasi weitergegangen, wenn damals nicht alles implodiert wäre? Allerdings hat sich seine Vision mit der überraschenden Wiederauferstehung im letzten Jahr, an der er auch beteiligt war, ein Stück weit überholt. Insofern wird es spannend sein, welche Auswirkungen diese Wendung auf seine Erzählung haben wird. Und ja, nachdem er mit dem Relaunch ziemlich beschäftigt war und auch gesundheitlich angeschlagen ist, schreibt er wohl jetzt endlich wieder weiter.

Der Rest

Und die letzten beiden Projekte, die ich 2024 unterstützt habe? Nun, das eine war die große Sammelbox für das Brettspiel Canvas* und seine zwei Erweiterungen. Sieht echt schick aus und ja, macht die Sache ordentlicher und einfacher beim Spielen.

Das andere ist die Dokumentation Legends of Adventure über den ehemaligen Spieleentwickler Sierra On-Line, der sich in den 80ern und 90ern vor allem mit seinen Point ‘n’ Click-Adventuren einen Namen gemacht hat. Ja, mit (Retro-)Dokumentationen habe ich im Crowdfunding-Bereich bislang mehr schlechte als gute Erfahrungen gemacht. Aber wie schrieb ich in der Einleitung? Manchmal lasse ich mich halt doch mitreißen.

Nüchtern betrachtet, war mein Crowdfunding-Jahr 2024 aber kein wirklicher Reinfall. Das Lesematerial war sein Geld wert und bis auf Stormgate sind selbst die Videospiele keine absoluten Rohrkrepierer bzw. machen für mich nicht den Eindruck es zu werden. Entsprechend habe ich nicht aufgehört irgendwelchen Leuten mein Geld hinterherzuwerfen :tongue: .

Sicarius

Bergbau im Gebiss

38.783,37€. Das ist der Betrag, der unter der Kostenzusammenstellung meines Zahnarztes steht. Wieviel davon meine gesetzliche Krankenkasse übernimmt? 3.981,62€ – 10% also. Bleibt eine Selbstzahlerlücke von 34.801,75€. Wird wohl Zeit für eine Spendenaktion auf GoFundMe

Bei den Zahlen war ich etwas geschockt…

Was’n los?

Okay, machen wir erstmal einen Schritt zurück. Eins meiner gesundheitlichen Probleme heißt Craniomandibulare Dysfunktion. Das wurde 2017 diagnostiziert. Dafür bin ich extra nach Frankfurt am Main zur Zahnarztpraxis eines Professors getingelt und habe gut Geld dagelassen (knapp 4.800€ Eigenanteil in drei Jahren). Anfangs ging es da auch gut vorwärts. Mein Gebiss wurde auf Vordermann gebracht und ich bekam auf Basis eines 3D-Scans eine 24-Stunden-Schiene. Daraus entstand dann ein guter Status Quo. Die Probleme wie Schulter-/Nackenschmerzen sind zwar nicht völlig aus der Welt – auch, weil ich eine faule Sau bin und meine Übungen nicht mache -, aber mir geht es definitiv seitdem besser als vorher ohne Schiene.

Aber der Herr Professor ließ sich relativ zügig nicht mehr in meinen Terminen blicken und die Praxis wurde irgendwann an ein Konsortium verkauft. Damit ging es bergab. Ein unhöflicher Zahnarzt, Termine wo gar kein Zahnarzt da war und sogar ein Termin, wo NIEMAND da war, ohne mir vorher Bescheid zu sagen. Dabei brauchte ich letztes Jahr mal wieder eine neue Schiene und hatte anschließend immer mehr Probleme im Bereich meines unteren Zahnimplantats. Also traf ich die leichte Entscheidung, dass ich ab sofort nicht mehr nach Frankfurt zu dieser unprofessionellen Bude fahre.

Eine Runde Raubbau

Ich war dann mit meinen ganzen akuten Problemen (=Zahnschmerzen beim Essen) bei meiner regulären Zahnärztin. Doch die war ebenfalls ein wenig ratlos. Mein Gebiss ist halt leider durch die vielen Jahre Pflegelosigkeit ziemlich marode. Zähne putzen? Das machen doch nur Babys! Lysanda hat mir anschließend ein paar auf CMD-spezialisierte Praxen in der Umgebung rausgesucht. Und bei einer davon bin ich nun in Behandlung gegangen.

Zuerst mit dem stark entzündenden Zahnfleisch und einer Zahnlücke, in der ständig mein Essen hängen blieb und ich es nicht mehr herausbekam. Anschließend sprach ich das Thema CMD an und war begeistert von der Reaktion. Gut, bei der Aussicht mehrere zehntausend Euro an einem Patienten zu verdienen, wäre ich das vermutlich auch :wink: .

Scherz beiseite: Ich fand und finde gut, dass er mir einen neuen und vor allem potenziell dauerhaften Ansatz auf den Tisch gelegt hat. Fakt ist nämlich, dass mein Gebiss und mein Kiefer durch jahrelanges Knirschen ziemlich hinüber sind. Die Spitzen auf meinen Eckzähnen fehlen schon lange und die rechten Backenzähne habe ich über die Jahre so stark abgearbeitet, dass ich mich demnächst durch den Zahnschmelz gewetzt haben werde. Das wird dann so richtig schmerzhaft.

Die Lösung

Die neue Schiene ist sogar farbig.

Meine alte Schiene half zwar ein Stück weit den weiteren Raubbau an meinen Zähnen zu verhindern und diesen absoluten Tiefpunkt etwas weiter in die Zukunft zu verlagern. Aber obwohl ich sie technisch gesehen 24 Stunden am Tag trage, zog ich sie immer beim Essen aus. Dafür war sie einfach nicht ausgelegt. Und damit, erklärte mir mein neuer Zahnarzt, habe ich im Prinzip die Arbeit des restlichen Tages sofort wieder zerstört.

Der Witz meiner Schiene ist nämlich, dass sie meinen Kiefer in die richtige Position bringen soll. Ohne die Schiene passen die Zahnreihen nicht zusammen und der Körper versucht es ständig zu korrigieren. Das ist ein Grund für das Knirschen (Stress ein anderer), aber auch für die vielen Verspannungen. Wenn ich die Schiene allerdings beim Essen ausziehe – wo ja die meiste Kieferaktivität ist –, kann da nichts Nachhaltiges passieren. Klingt logisch, hat mir aber vorher noch nie jemand erzählt.
Eine Möglichkeit wäre also gewesen eine Schiene herzustellen, die ich tatsächlich den ganzen Tag tragen kann. Allerdings hatte der Zahnarzt noch einen nachhaltigeren Vorschlag, auf den ich mich freudig gestürzt habe. Ja, ich kannte zu diesem Zeitpunkt die Kosten noch nicht. Und zwar will er mein Gebiss wiederaufbauen. Also meine Zähne so gestalten, dass sie zueinander passen und damit den Zweck erfüllen, den gerade die Schiene versucht zu erfüllen.

Die Hauptarbeit werden dabei sogenannte „Veneers“ erledigen. Das sind dünne Keramikschienen, die man auf die Zähne setzt. Man kann sie ein wenig mit Fingernägelverlängerungen vergleichen. Da sie als kosmetische Leistung angesehen werden – man kann sich damit z.B. weißere Zähne machen lassen -, bezahlt sie die gesetzliche Krankenkasse nicht. Und da ich davon 25 Stück brauche, sind wir schon allein damit bei 13.000€ Arbeitseinsatz. Da wundert es nicht, dass auf der Kostenzusammenstellung unterm Strich fast 40.000€ rausfallen. Heftig, aber wenn es mir nachhaltig hilft? Frei nach einer gewissen Kreditkartenwerbung: Unbezahlbar!

Der aktuelle Status

Ich habe selbstverständlich eine Zahnzusatzversicherung. Ganz blöd bin ich dann doch nicht. Allerdings übernimmt mein aktueller Tarif nur 75% der Kosten – wären also immer noch über 8.000€ Eigenanteil. Und zum anderen muss die Versicherung die Rechnung auch bezahlen wollen.

Die echte 24-Stunden-Schiene habe ich mir nämlich direkt anfertigen lassen. Zum einen, damit es nicht noch schlechter wird. Zum anderen aber auch als Simulation, ob die Lösung mit dem Gebissaufbau wirklich helfen würde. Die Antwort nach jetzt einigen Monaten Tragezeit: Ja, das könnte tatsächlich funktionieren. Aber schon hier stellt sich gerade die Versicherung quer, Geld an mich zu überweisen. Die Schiene hat mich nämlich rund 1.400€ gekostet. Die Begründung? Das hast du nur der Schönheit wegen gemacht und es hat keinen medizinischen Zweck!

Zugegeben: Sie hatten für diese Entscheidung nur die Rechnung. Ich hoffe entsprechend, dass die zusätzlichen Unterlagen vom Zahnarzt sie noch vom Gegenteil überzeugen werden. Anschließend schlage ich dann mit der Kostenzusammenstellung für die restliche Behandlung bei ihnen auf. Drückt mir die Daumen, dass am Ende eine positive Rückmeldung kommt. Ihr könnt alternativ aber auch schonmal den Geldbeutel bereithalten :wink: .

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