“Besser als Tolkien!”, “Ich musste es in einem Rutsch lesen!”, “Wunderbar und gut erzählt.” – bin ich der Einzige, der solche Zitate irgendwelcher mehr oder weniger prominenter Leute auf dem Buchrücken dämlich findet? Bei mir führen die eher dazu, dass ich das Buch nicht kaufe als umgekehrt. Meine Gedanken gehen dann in Richtung: “Wenn ein Werk diese Art von Marketing nötig hat, dann kann es ja nichts taugen”.
So extrem, wie beim folgenden Werk, habe ich es allerdings noch nicht gesehen. Da wurde nicht nur der Buchrücken, sondern auch das Cover sowie die ganze erste Seite (!) vollgepflastert mit Lobpreisungen. Echt bescheuert. Den Kickstarter habe ich damals trotzdem unterstützt, weil der Inhalt interessant klang. Lasst uns also mal schauen, ob die Lobpreisungen recht haben:
Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition* (David L. Craddock; 2021) – Der Unterschied zwischen der normalen Edition des Buchs und der Special Edition besteht in den abgedruckten Interviews ab Seite 155 von 273. Eigentlich sollte es diese Edition nur exklusiv für Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne geben. Aber offensichtlich bekommt man sie bei Amazon jetzt doch auch so zu kaufen. Bleiben wir also erstmal bei den Interviews, bevor ich zum eigentlichen Text komme. Stellt sich schließlich die Frage, ob sie den Aufpreis wert sind.
Die Bonusinhalte
Beworben werden diese Interviews vollmundig auf der Buchrückseite mit Aussage wie “Werde Zeuge der Herausforderungen der Entwicklung von X-COM: Apocalypse“ und “Lerne wie die Tester von MicroProse um X-COMs Release kämpften”. Die Realität ist allerdings eher ernüchternd. Es hat schon seinen Grund, warum Craddock sie nicht im Hauptteil des Buches verwendet hat.
So ist es zwar nett, dass Komponist John Broomhall selbst zu Wort kommen darf, aber er hat das gleiche Problem wie Rob Hubbard in seinem Buch: Er kann sich nur noch wenig an Details erinnern. Entsprechend plätschert das Interview nur vor sich hin. Die übrigen Interviews geben zwar einen kleinen Einblick in den Arbeitsalltag damals bei MicroProse und die Entstehung des Open-Source-Klons OpenXcom. Sie bleiben aber ebenfalls erstaunlich belanglos.
Das Kaufargument
Diese Interviews sind aus meiner Sicht also allesamt den Aufpreis nicht wert. Bleibt noch das zu X-COM: Apocalypse. Mit 44 Seiten ist es immerhin das Längste im Buch. Craddock konnte – wie er selbst zugibt -, aber daraus keinen richtigen Text basteln. Er hatte als Basis faktisch nur ein Gespräch mit Julian Gollop. Andere Personen fand er entweder nicht oder sie wollten nicht mit ihm reden. Ja, Gollop hat als Erfinder der Serie und Lead Designer von UFO: Der unbekannte Gegner und X-COM: Apocalypse natürlich einiges zu erzählen, aber es fehlen dennoch die zusätzlichen Stimmen und weiteren Perspektiven aus dem vorderen Teil des Buches.
Und dass diese zwingend gebraucht werden, sieht man an den Aussagen von Stephen Hand (damals Producer bei MicroProse). Craddock konfrontierte ihn mit Gollops Antworten und hat sie ins Interview eingewoben. Dabei wird ein deutlicher Widerspruch sichtbar. Auf der einen Seite Gollops “Der Publisher ist an allem Schuld”-Darstellung (leichte Übertreibung von mir). Auf der anderen die Sichtweise von MicroProse auf das Entwicklerstudio Mythos. Wobei Hand auch deutlich sagt, dass beide Seiten hier Schuld tragen. X-COM: Apocalypse ist hier entsprechend eher der Aufhänger als das eigentliche Thema der Interviews.
Das eigentliche Buch
Stellt sich nun die Frage, was man als Käufer der Nicht-Special-Edition bekommt. Die Antwort: 155 Seiten in vergleichsweiser großer Schrift geschriebener Fließtext. Zuerst geht es um Julian Gollop selbst: seine Herkunft, seine Inspirationen und seine Anfänge in der Spieleindustrie. Dabei wird ganz klar ein roter Faden sichtbar, der sich durch sein gesamtes Tun sowohl vor als auch nach seinem ersten großen Hit zieht. Anschließend geht es ins Eingemachte. Also wie wurde UFO: Der unbekannte Gegner zu dem Spiel, das es heute ist und mit welchen Herausforderungen hatten alle Beteiligten zu kämpfen.
Die Detailtiefe ist dabei mitunter nicht so tief, wie man es sich vielleicht als jemand wünschen würde, der die Spieleindustrie etwas besser kennt. Craddock langweilt einen in dem Sinne nicht mit technischen Erklärungen und sowas. Aber es ist völlig ausreichend, um ein wirklich gutes Bild der damaligen Zeit zu bekommen. Da stört mich tatsächlich mehr, dass es nach dem Release des Spiels faktisch aufhört. Es gibt nur wenige Worte über die Folgen und Auswirkungen des Spiels auf die Entwickler, den Publisher und die Spieleindustrie als Ganzes. Stattdessen gibt es hauptsächlich noch Werbung für Phoenix Point, dem geistigen Nachfolger aus Gollops Feder. Da hätte ich mir mehr Einordnung und Kontext gewünscht, um das Ganze besser abzurunden. Hier ist dann tatsächlich die Special Edition im Vorteil, denn im erwähnten Interview zu X-COM: Apocalypse gibt es ein wenig davon.
Fazit
Unterm Strich bekommt Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition von mir grad so
. Für Fans des Spiels, die mehr über die Hintergründe wissen wollen und Leute, die sich für die damalige Spieleindustrie interessieren, gibt es einen wirklich informativen Einblick. Es ist dabei überraschend kurzweilig geschrieben und vermischt gekonnt Zitate mit romanartigem Fließtext statt sich in technischen Details oder großartigen Aufzählungen zu verfangen. Von mir also eine Kaufempfehlung. Einzige Einschränkung: Das Buch steht nur auf Englisch zur Verfügung.
Es ist noch eher selten, dass ich derjenige bin, der Animes oder gar Mangas aussucht. Die Gefahr etwas zu kaufen, das meiner geliebten Lysanda nicht gefällt, ist trotz zehn Jahren Ehe immer noch ziemlich hoch. Aber manchmal lasse ich mich dann doch dazu hinreißen ohne Rücksprache mit ihr etwas mehr bei Anime Planet in den Warenkorb zu packen, als geplant.
Achtung, nutzloses Wissen voraus: Anime Planet ist quasi der Fabrikverkauf von KSM Anime, einem Label von PLAION PICTURES. Das wiederum ist, genauso wie Deep Silver, ein Tochterunternehmen von PLAION. Und wer jetzt denkt: “Deep Silver? Gehörten die nicht zu Koch Media?!” – Bingo! Die haben sich 2022 umbenannt. War scheinbar nach 28 Jahren nicht mehr “in”. Und um den Videospiele-Kreis endgültig zu schließen: Koch Media wurde schon 2018 von THQ Nordic gekauft – heutzutage bekannt als Embracer Group. Die Welt ist klein, ich weiß. Aber immerhin taugt die Anime-Abteilung was.
Doch zurück zu meinem Warenkorb bei Anime Planet: Die heruntergesetzten Komplettboxen von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô* und NANA* fanden beim letzten Einkauf ihren Platz darin. Sie klangen interessant und die Bewertungen auf den einschlägigen Portalen (aniSearch) sind sehr gut. Aber waren sie das auch? Nun, darum sind wir heute hier
:
NANA* (2006-2007; 47 Episoden, DV) – Fangen wir gleich mit der Schattenseite der Serie an: Sie ist unvollständig. Zwar haben die Macher versucht in der letzten Folge zumindest ein bisschen Abschluss reinzubringen. Aber wie leider bei vielen Anime, hört auch diese Geschichte trotzdem einfach mittendrin auf und lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück.
In diesem Fall muss ich das Produktionsunternehmen Madhouse allerdings ausnahmsweise ein wenig in Schutz nehmen: Der Manga ist mit seinen 21 Sammelbänden ebenfalls nicht abgeschlossen. Und im Gegensatz zum Anime, gibt es dort einen verdammt großen Cliffhanger, der seit 2009 nicht aufgelöst wurde. Die Mangaka Ai Yazawa erkrankte damals und ist seitdem wohl nicht mehr wirklich in der Lage zu zeichnen. Zwar beteuert sie hin und wieder, dass sie den Manga irgendwann abschließen möchte. Aber es scheint ihr leider nicht möglich zu sein und jemand anderes ihre Gedanken auf die Seiten bringen lassen, ist ebenfalls nicht drin. Das ist extrem schade.
Eine schicksalshafte Begegnung
NANA ist ein Slice-of-Life-Anime/-Manga. Die Hauptfiguren sind Nana “Hachi” Komatsu und Nana Osaki. Ja, sie haben zufällig den gleichen Vornamen. Es ist ebenfalls nur purer Zufall, dass sie sich im Zug nach Tokyo treffen. Beide wollen dort ein neues Leben anfangen. Hachi will nach einem Jahr Fernbeziehung endlich wieder bei ihrem Freund Shoji sein. Nana hingegen… nun, sie ist Sängerin bei der Band Blast. Ihr ehemaliger Freund und Bandkollege Ren wurde von der viel erfolgreicheren Truppe namens Trapnest abgeworben, von der Hachi ein Fan ist. Dazu musste er nach Tokyo ziehen und sie entschied in ihrem Provinznest zurückzubleiben. Reist sie also jetzt nach Tokyo, um ihm nun doch zu folgen, weil sie ihn weiterhin liebt? Oder macht sie sich auf den Weg in der Hoffnung endlich selbst groß rauszukommen und sich so an ihm zu rächen? Spoiler: Ein bisschen was von beidem.
Auf jeden Fall treffen sich die beiden grundverschiedenen Nanas erstmals in besagtem Zug. Das naive Provinzmädel Hachi, welches gefühlt überall nur das Positive sieht und an die große Liebe glaubt, aber gleichzeitig einer Affäre mit einem älteren Mann nachtrauert und sowieso immer irgendwelche Probleme mit ihrem Liebesleben hat. Nana, die nach außen beinharte Punkrockerin, die im Inneren aber ziemlich einsam und verloren ist. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – sonst gäbe es die Geschichte ja nicht: Obwohl sie sich am Bahnsteig in Tokyo erstmal verlieren, bringt sie das Schicksal zügig dazu gemeinsam eine WG zu gründen.
Fortan lernen sich beide besser kennen, haben Anteil an ihrem jeweiligen Leben und spannen so ein Band zwischen sich, das weit über eine simple Freundschaft hinaus geht. Wir sehen wie Nanas Band Blast sich wiederfindet, wie ihre Beziehung mit Ren weitergeht und erleben zumindest den Anfang der “Battle of the Bands”. Hachi hingegen lässt ihr Elternhaus hinter sich, wird erwachsener, selbstständiger und muss so einige Höhen und Tiefen in der Liebe durchleben – inkl. einer Sache, die ihren weiteren Pfad von jetzt auf gleich komplett verändert.
Nah an der Tränendrüse
Trotz der ein oder anderen witzigen Situation, schwebt über der ganzen Erzählung immer eine leicht… melancholische Stimmung würde ich es nennen. Das liegt zum einen daran, dass wir hier zwei Frauen und ihre Freunde ein Stück weit begleiten, die nicht perfekt, sondern einfach nur normal sind. Wir bekommen die glücklichen Momente zu sehen, die Erfolgsgeschichten und das alltägliche Leben. Wir werden aber auch Zeuge von totalen Abstürzen. Der Blick hinter die Maske quasi, die wir alle tagtäglich aufsetzen.
Die Serie erzeugt zum anderen dadurch ein besonderes Gefühl, wie die Geschichte erzählt wird. Damit meine ich speziell die emotionalen Monologe von Nana und Hachi aus dem Off, vor allem aber nicht nur zu Beginn einer Folge. Diese klingen wie Briefe an die jeweils andere Nana, die zu einem Zeitpunkt geschrieben werden, wo man sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Es sind Texte voller Rechtfertigungen, Entschuldigungen, Reue und Selbstgeißelung über verpasste Chancen und Erinnerungen an schöne Momente und gemeinsame Erfahrungen, die sie verändert haben und die sie immer noch im Herzen tragen. Sie geben ein wenig Kontext und liefern einen Blick ins Innere der beiden. Sie werfen aber auch viele Fragen auf und machen so neugierig darauf, wie es weitergeht. Umso schlimmer ist es, dass die Serie einfach aufhört und genau dieser Aspekt niemals aufgeklärt wird.
Beim Christoph meint: NANA bekommt von mir die vollen
und konkurriert mit Death Parade um den Titel für den besten Anime, den ich bislang gesehen habe. Die Begründung dafür ist das erwähnte Gefühl, das er beim Anschauen erzeugt hat. Die Geschichte der beiden Nanas und vor allem die Art und Weise, wie sie erzählt wird, hat mich überraschend stark berührt.
Mit einer Prise Witz und Charme lässt er mich glaubwürdig am Leben zweier völlig unterschiedlicher Frauen teilhaben, die trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede eine besondere Beziehung zueinander aufbauen. Ihr Schicksal interessiert mich und nimmt mich mit. Dass der Punkrock-Soundtrack grundsätzlich meinen Geschmack trifft, trotz des unverständlichen Faibles von Japanern, englische Begriffe in ihre Songtexte einzubauen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i”. Zum Reinhören findet ihr hier das reale Musikvideo des (ersten) Titelsongs.
Epilog
So viel zum NANA-Anime. Es ist echt unendlich schade, dass ich jetzt nicht einmal zum Manga greifen kann, um zu erfahren wie es weitergeht. Von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô berichte ich euch heute allerdings nicht mehr. Dazu dann in einem kommenden Eintrag mehr. Nur so viel vorab: Ja, er basiert grundsätzlich auf dem gleichnamigen Abenteuerroman aus dem 19. Jahrhundert, verlagert die Geschichte aber in eine Art umgedrehte Steampunk-Zukunft. Sprich auf der einen Seite nutzt man ultramoderne Raumschiffe aber kommuniziert trotzdem mit handgeschriebenen Briefen. Passend zu diesem Widerspruch hat er einen äußerst ungewöhnlichen visuellen Stil.
Liebes Tagebuch,
heute hat die Aufseherin ihr Kunstfell komplett abgeworfen. Anschließend hat sie unheimliche Dinge in dem kleineren Raum mit den Vierecken an den Wänden getan. Zuerst bearbeitete sie ihre Beine mit einem kleinen surrenden Kasten. Der machte ein brummendes, absolut gruseliges Geräusch. Die bunte und etwas unfreundliche Madam – sie nennen sie Lyssi -, hat ihr dabei Gesellschaft geleistet. Kennt diese Frau denn gar keine Angst? Sie hat sich sogar noch munter mit der Aufseherin unterhalten. Vielleicht über neue Tipps, wie sie mich einfangen und dann anfassen könnten?
Als nach gefühlt Stunden dann endlich das eklige Brummen abgestellt wurde, kam allerdings keine Erholung. Stattdessen wurde es so furchtbar, dass selbst Lyssi auf Abstand ging. Dieses gewaltige Wasserrauschen konnte ich nicht ertragen. Immerhin war es nur eine nervenaufreibende Geräuschkulisse und wir mussten ihr nicht auch noch dabei zusehen. Die Aufseherin zog sich stattdessen hinter einen Vorhang zurück.
Erst nach einiger Zeit kam die große Nacktkatze pitschnass wieder zum Vorschein und rubbelte sich mit irgendwas trocken. Bis die wieder gut riecht, wird es einige Zeit dauern. Wieso können die das nicht ganz normal machen, wie wir alle Vierbeiner hier im Haus?
Sie ging zurück in das Zimmer mit dem Bett und ihrem Kunstfell. Das hatte sie auf einem Brett oder sowas abgelegt, ignorierte es aber und legte sich stattdessen ins Bett. Leider erkannte ich zu spät, was ihre wahre Absicht war und die Falle schnappte zu.
Das Kunstfell roch einfach zu gut!
Und ehe ich mich versah, lag ich völlig berauscht mitten drin und ergötzte mich an den Düften – bis ich mich plötzlich im freien Fall befand. Unzählige Minuten, nein Stunden fiel ich hinab in die Tiefe. Miauseidank fiel das Kunstfell mit mir und ich landete nicht auf dem harten Boden, sondern weich in meinem Drogennest. Ich konnte also sofort weiterschnüffeln – zumindest solange, bis die Aufseherin wieder einen Versuch startete mich zu fangen und ich durchstarten musste.
Es war ein raffinierter Versuch von ihr, mich mit dem Kunstfell anzulocken. Aber so benebelte werde ich niemals sein, um nicht rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Niemals!!!
PS: Sie machen immer noch diesen Laut in meiner Nähe, der wie “Miro” klingt. Keine Ahnung warum.







