Drei abgeschlossene Crowdfunding-Projekte

Zur Erinnerung: 2012 und 2013 hatte ich insgesamt 103 Crowdfunding-Projekte (damals noch ausschließlich auf Kickstarter) unterstützt. 22 davon waren nicht erfolgreich, 58 wurden in der Zwischenzeit tatsächlich komplett abgeschlossen (alle Rewards wurden ausgeliefert) und die restlichen 23 sind in diversen Stadien von „könnte vielleicht noch was kommen“ bis „Geld zum Fenster rausgeworfen“ versackt.

Ganz schön viel (Geld) aber das waren eben die euphorischen Anfangsjahre in denen speziell im Videospielebereich nicht nur viele ihr Glück versuchten, sondern auch die Bereitschaft von Leuten wir mir offensichtlich noch Größer war etwas in den Topf zu schmeißen. Als dann allerdings die ersten Projekte sich verschoben, im Nichts verschwanden oder das Ergebnis nicht die (meist viel zu hohen) Erwartungen erfüllte, machte sich Ernüchterung breit. Die Konsequenz: In den Jahren 2014-2015 habe ich insgesamt nur 28 Projekten mein hart verdientes Geld zugestanden. Zugegeben: Das war die Zeit in der sich meine Lebenssituation anfing stark zu verändern. Erst der Wechsel nach Nürnberg Ende 2013, dann die drastische Reduzierung meines Spielekonsums und der Umzug nach Darmstadt in 2014 und dann 2015 die ganze Sache mit Lysanda. Da blieb nicht viel Platz für Crowdfunding – schon gar nicht für Videospiele. Trotzdem: Ich habe nach den Erfahrungen in 2012/2013 definitiv auch angefangen genauer darauf zu achten, wem ich mein Geld in den Rachen werfe. Mit Erfolg? Schauen wir es uns die beiden Jahre doch mal genauer an.

Das Crowdfunding-Jahr 2014

„Nur“ elf Projekten habe ich 2014 für würdig genug gesehen mein Geld anzunehmen und davon war tatsächlich nur eine einzige Kampagne nicht erfolgreich: Outcast Reboot HD. Erschienen ist der Titel 2017 dann trotzdem als Outcast – Second Contact. Insofern also ein Happy End für die Entwickler. Unter den restlichen zehn Projekten waren hingegen nur drei Videospiele: Hover (eine Hommage an Jet Set Radio), Bear Simulator (eine The Elder Scrolls V: Skyrim/Simulator-Genre-Parodie) und The Book of Unwritten Tales 2 (Point & Click-Adventure aus deutschen Landen). Und ja: Alle drei sind tatsächlich erschienen. Abgeschlossen ist aber nur die Kampagne von King Art Games, bei den anderen zweien fehlende technisch gesehen noch die physikalischen Rewards.

Hover (Herstellerbild)

Bei Bear Simulator werden die vermutlich nie kommen. Der Entwickler war völlig überfordert vom Erfolg seines eigenen Kickstarters und leidet€ eindeutig unter einem geringen Selbstwertgefühl, wenn man so die jammervollen Updates in schlechtem Englisch verfolgt hat. Hat auch schon seit Jahren keinen Mucks mehr von sich gegeben. Ein Wunder, dass am Ende (2016) überhaupt etwas spielbares veröffentlicht wurde. Und nein: der Gag ist keine 15 Euro wert. Wirklich nicht. Da gibt es sehr viele bessere Spiele im Allgemeinen und Parodien im speziellen, die ihr erleben solltet. Hover hingegen ist sein Geld zwar wert, wenn ihr mal wieder als Rebell auf Rollerskates durch eine neongetränkte Stadt rasen wollt, aber es war schon ein langer Kampf, damit ich überhaupt meinen Key bekomme. Die physikalischen Extras sind hingegen bis heute nicht eingetroffen und das, obwohl z.B. Limited Run Games sogar eine Charge Boxen für die breite Masse hergestellt hat! Echt eine Sauerei. Aber gut, so ist das halt mit Crowdfunding. „You win some, you lose some“. Es ist ein Glückspiel und keine Vorbestellung.

Die Nicht-Videospiele von 2014

Ansonsten ist von 2014 nur noch das offizielle Kompendium zu Quest for Infamy offen. Keine Ahnung woran es da scheitert. Ja, gesundheitliche Probleme und so aber es sind ja nicht alle Entwickler dort alt und krank. Die Bücher sind fertig, gedruckt und wohl zum Teil sogar verschickt worden aber ich war bei dieser ersten Ladung offensichtlich nicht dabei. Große Hoffnungen, dass da noch was kommt, habe ich hier ebenfalls nicht mehr – ebenso für die physikalischen Extras für das Spiel selbst (auch hier: angeblich alle schon seit Jahren im Lagerhaus).

Die restlichen sieben Crowdfunding-Projekte teilen sich auf in drei Bücher, zwei (Spiele-)Musikalben und zwei Filme. Diese sind komplett abgeschlossen und bis auf Lazer Team von hervorragender Qualität. Darunter die genialen C64-Remixe von Matt Grey (das 3. Album entsteht derzeit) und das super interessante A History of the Great Empires of EVE Online von Andrew Groen (das zweite Buch kommt im Herbst). Wer der englischen Sprache mächtig ist und auch nur einen Funken Interesse an EVE Online hat, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen. Aber am besten noch ein paar Tage auf die runderneuerte zweite Auflage warten und dann beide Bücher kaufen.

Bear Simulator (Herstellerbild)

Stellt sich abschließend noch die Frage, ob ich von den zehn erfolgreichen Projekten aus dem Jahre 2014 welche bereue? Tatsächlich ja. Bear Simulator war zwar kein totaler Reinfall (es ist erschienen und spielbar) und war nicht ansatzweise so teuer wie die OUYA, aber wie gesagt: Der Gag war es am Ende trotzdem nicht wert und ohne physische Box habe ich nicht einmal was fürs Regal. Den ersten Film aus dem Hause Rooster Teeth, Lazer Team hätte ich im Nachhinein betrachtet ebenfalls sein lassen sollen. Das war zu einer Zeit wo ich noch viel von denen geschaut und mich entsprechend habe mitreißen lassen. Aber es ist kein gutes und vor allem nur bedingt lustiges Werk – wie vieles, was Rooster Teeth mittlerweile produziert. Vermutlich bin ich einfach zu alt geworden für diese Art von amerikanischem Humor.

Das Crowdfunding-Jahr 2015

2015 durften 16 Projekte von meiner Kreditkarte abbuchen. Und nicht nur waren alle Kampagnen erfolgreich: Es ist auch mittlerweile fast alles veröffentlicht worden! „Fast“ deshalb, weil die Entwickler bei Infamous Quest gleich drei Point & Click-Adventure mit einer Kampagne finanziert haben und bislang erst The Order of the Throne – The King’s Challenge auf den Markt gekommen ist. Das verkauft sich aber wie schon Quest for Infamy eher schlecht. Die Zielgruppe für Retro-Adventures wie sie Sierra in den 90igern hergestellt hat ist scheinbar doch nicht so groß wie erwartet. Die beiden anderen sind aber wohl grundsätzlich noch in Entwicklung. Also gebe ich ihnen noch ein paar Jährchen Zeit. Immerhin bleibt die Grafik zeitlos :smile: . Bei Underworld Ascendant (der nicht ganz so gelungene Dungeon Crawler) und Bloodstained: Ritual of the Night (das definitiv gelungene Castlevania-das-nicht-so-heißen-darf-weil-die-Rechte-bei-Konami-liegen) fehlen hingegen noch Teile der physikalischen Extras. Bin aber in beiden Fällen guter Dinge, dass die noch kommen.

Shadowrun: Hongkong (Herstellerbild)

Von den 16 Projekten anno 2015 waren satte elf Stück Videospiele. Kein Vergleich zu 2014 quasi. Darunter absolut empfehlenswerte Werke wie Divinity: Original Sin 2, BATTLETECH und Shadowrun: Hong Kong. Bei den restlichen fünf handelte es sich hingegen um Bücher bzw. Comic-Kollektionen. Darunter drei Bücher zu Retro-Themen wie z.B. The Bitmap Brothers: Universe, die Comic-Sammlung von CTRL+ALT+DELETE und eine gedruckte Ausgabe des auf seine besondere Art und Weise absolut geniale Chief O’Brien at Work (nicht einmal ansatzweise von CBS unterstützt aber zumindest geduldet). Der Humor ist nicht unbedingt jedermanns Sache aber wer Star Trek: The Next Generation-Fan ist sollte zumindest mal auf der Webseite vorbeischauen und ein bisschen lesen :smile: .

Das Fazit für 2015

Unterm Strich gibt es zu 2015 tatsächlich nicht viel zu sagen. Die Erfolgs- und Abschlussrate ist sehr gut und auch die Qualität war durchweg hoch. Der einzige Totalausfall bei den Videospielen ist vermutlich Into the Stars. Das Ergebnis ist zwar spielbar, sieht gut aus, macht grundsätzlich Spaß und zeigt massiv Potential. Es fehlen aber die Inhalte. Die Entwickler hatten – wie so oft bei Crowdfunding-Kampagnen – ihre Ambitionen zu hochgesteckt. Entsprechend waren die Verkäufe nicht gut genug, um einen längeren Support nach Release zu gewährleisten. Ist halt so. Nicht jeder kann wie No Man’s Sky sein und noch Jahrelang weiter an seinem Traumprojekt arbeiten.

Die Neuauflagen alter Rollenspielklassiker namens The Bard’s Tale IV und Underworld Ascendant sind hingegen zwar nicht die erwarteten Mega-Blockbuster geworden (The Bard’s Tale IV ist dank des Director’s Cut mittlerweile wesentlich besser) aber das werden aus meiner Sicht sowieso die wenigsten Crowdfunding-Projekte (Divinity: Original Sin 2 ist die regelbestätigende Ausnahme). Ach und Shenmue III war auch ein 2015er Kickstarter. Aber da war von Anfang an klar, was da als Ergebnis rauskommen würde. Insofern darf sich da keiner beschweren. Es ist Shenmue – nicht mehr und nicht weniger :wink: .

Die Zwerge (Herstellerbild)

Die anderen von mir 2015 unterstützten Videospiele? Die Zwerge (King Art Games’ dritter Kickstarter) und Yooka-Laylee. Ersteres ist ein solider Rollenspiel-Strategiemix, der aber vermutlich ausschließlich für deutschsprachige Fans der Markus Heitz-Buch-Serie eine Empfehlung ist (bin ich zum Glück einer) und zweiteres war ein guter Versuch die alten Plattformer-Tage wiederzubeleben (leider zu gut in Bezug auf überholtes und nerviges Spieldesign). Das volle Potential haben die Entwickler aber erst mit >Yooka-Laylee and the Impossible Lair ausgeschöpft.

Epilog

Nach dem übertriebenen Hype in 2012/2013 mit entsprechend hoher Griff-ins-Klo-Rate hat 2014 und 2015 gezeigt, dass das Crowdfunding-Konzept grundsätzlich funktionieren kann – wenn alle besonnen damit umgehen. Selbstüberschätzung auf Seiten der Initiatoren des Projekts und falsche Erwartungshaltungen auf Seiten der Backer sind damals wie heute ein großes Problem. Das gilt logischerweise nicht nur für den Bereich der Videospiele. Im direkten Vergleich waren – zumindest für mich – die beiden Jahren 2014/2015 ganz klar erfolgreicherer trotz oder gerade wegen der geringeren Menge an unterstützten Projekten.
Jetzt müsste ich nur mal die Zeit haben diese ganzen von mir unterstützen Spiele auch mal intensiv zu zocken und die Bücher zu lesen. Nur die Musik, die habe ich schon (mehrfach) gehört. Kann ich dafür auch mal eine Crowdfunding-Kampagne starten? Stelle mir das so vor:

Titel: Finanziert meinen vorzeitigen Ruhestand, damit ich genug Zeit habe meine diversen Backlogs abzubauen!

Belohnungen:

  • 5€ – Du erfährst vor allen anderen was ich vielleicht unter Umständen als nächstes zocke/lese/höre (keine Garantie auf tatsächliche Umsetzung)
  • 10€ – Dein Name auf einer versteckten Unterseite von Beim Christoph
  • 50€ – 7-Tage-Early-Access-Zugriff auf den Link zum nächsten Eintrag (keine Garantie, dass er bereits geschrieben wurde)
  • 100€ – Zugriff auf eine Umfrage was ich als nächstes angehen sollte (keine Garantie, dass ich mich daran halte)
  • 500€ – Wenn ich ein Buch fertiggelesen habe und es nicht behalten möchte, wird es unter euch verlost (exkl. Versandkosten)
  • 1.000€ – Du darfst mir einmalig beim Abarbeiten eines Titels aus dem Backlogs still zuschauen (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
  • 5.000€ – 10 Minuten eine unserer Katze streicheln (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
  • 10.000€ – Du darfst mir beim Spielen eines Spiels aus dem Backlog zuschauen, dabei eine Katze streicheln und dich mit mir unterhalten (Anreise- und Übernachtungskostennicht enthalten)

Bitte? Das lassen wir mal lieber? Och, ihr seid totale Spaßbremsen…

Die Vergangenheit ist…fragwürdig?

313 Seiten á fünf Einträge umfasst Beim Christoph mittlerweile. Zugegeben: Die ersten 47 blättere nicht einmal ich durch, schließlich hält sich der brauchbare Inhalt bekanntlich eher in Grenzen – außer man möchte sich mal wieder an eine Zeit des Internets erinnern, in denen sichtbare Besucherzähler noch total „in“ waren. Aber so war das halt vor fast 20 Jahren.

Jap, nächstes Jahr steht tatsächlich wieder ein runder Geburtstag für meine kleine Leinwand an. Schon krass. So lange und vor allem bei vergleichsweise so wenig Traffic (genaue Zahl mittlerweile unbekannt) halten die wenigsten Blogger durch. Für viele ist das entweder nur eine Phase oder sie wollen groß rauskommen und wenn das nicht klappt, lassen sie die Sache gleich wieder hinter sich und/oder wechseln ihre Webseiten grundsätzlich wie Unterhosen aus – zum Leidwesen meiner Verlinkungen. Ernsthaft: Ich habe keine Ahnung was diese Zerstörung von Kreativität soll. Schämt man sich so sehr für seine alten Inhalte, dass man sie einfach wegwerfen muss? Oder sind sie einem einfach nichts wert? Ich weiß es nicht, ist aber selbstverständlich jedem selbst überlassen. Mein innerer Archivar findet es halt schade :smile: . Garry Newman (Garry’s Mod-Erfinder) tauscht wenigstens nur alle paar Monate sein Design (ebenfalls eine nervige Sache), behält aber die Inhalte und URLs seit 2002 bei.

Der Beginn einer Überleitung?

Ich finde es echt schick so ein beständiges und langjähriges Archiv zu haben in dem ich immer mal wieder blättern kann (und dabei zumindest den ein oder anderen Schreibfehler behebe und damit technisch gesehen die Vergangenheit verfälsche). Ist schließlich nicht nur ein netter Nostalgietrip durch mein Leben inkl. den klar sichtbaren Veränderungen, die ich so gemacht habe. Es ist ebenso eine gute Inspirationsquelle über was ich mal wieder schreiben könnte und eine gute Gelegenheit alte Inhalte zurück ins Rampenlicht zu holen – auch, wenn vermutlich die wenigsten tatsächlich den Link anklicken.

Übrigens eine Sache, die ich seit bestimmt 10 Jahren mache aber vermutlich nur den wenigsten bewusst ist: Die Links in den Einträgen sind nicht aus ästhetischen Gründen fett oder nicht fett. Stattdessen soll es tatsächlich eine Hilfe für euch als Leser sein. Fette Links haben als Ziel einen Inhalt auf Beim Christoph und öffnen dabei keinen neuen Tab. Über nicht fette Links verlasst ihr hingegen die Seite und es wird dafür ein neuer Tab erzeugt. Macht für den ein oder anderen sicherlich keinen Unterschied, weil er grundsätzlich alle Links in einem zusätzlichen Tab öffnet. Aber ich finde es ganz praktisch – schon allein als Indikator ob es sich um eine interne Verlinkung handelt oder nicht. Keine Ahnung, wo ich diese Information mal sinnvoll zentral ablegen könnte.

Doch zurück zum heutigen Eintrag, der offensichtlich etwas geblubberten Art: Über die letzten 10 Jahre von Beim Christoph sprechen wir logischerweise erst am 09.03.2021. Ja, der Link führt noch ins Leere. Aber er wird ab dem Tag funktionieren, selbst wenn sich am Ende warum auch immer nur ein Katzenbild dahinter verstecken wird :smile: ! Ich hatte nur diese Woche mal wieder vergleichsweise oft das Bedürfnis im Archiv zu stöbern. Immer ein komisches Zeichen. Dabei ist mir nicht nur aufgefallen, dass mal wieder dringend Zeit wird für ein paar neue Soundtrack-Empfehlungen (Geoff Knorrs Civilization: Beyond Earth läuft bei mir gerade viel) wäre. Ich hab‘ auch schon länger nicht mehr einfach so ein bisschen aus meinem Leben berichtet. Okay, dafür gab es haufenweise Gesundheits- und Häusle-Besitzer- Einträge und natürlich die Jahresrückblicke. Aber so ein bisschen „allgemoines Geschreibsel“ habe ich schon lange nicht mehr aufs Papier gebracht.

Endlich der eigentliche Eintrag?

Das Wohnzimmer bei der Besichtigung

Vier Jahre sind wir tatsächlich schon hier im Haus – und nein, Sailor Moon trotzdem immer noch nicht durch (noch 20 Folgen – steter Tropfen höhlt den Sternenkristall). Das vierte Jubiläum eines gewissen Meilensteins steht ebenfalls an (2016 war echt vollgepackt). Gleichzeitig habe ich bald das sechste Jahr in Darmstadt voll. Auf der einen Seite technisch gesehen gar nicht viel. Ich habe schließlich davor 12 Jahre in Aschaffenburg gearbeitet und 29 Jahre meines Lebens in Gunzenbach verbracht. Auf der anderen Seite doch schon wieder eine lange Zeit in der aber gleichzeitig gefühlt mehr passiert ist als die Jahre zuvor.

In der Straße gehören wir ebenfalls schon mit zu den alteingesessenen Bewohnern. Seit 2016 kam ein kleines Neubaugebiet (vier Gebäude) dazu plus so einige Eigentümerwechsel – inkl. des direkten Nachbarn. Jetzt dürfte aber erstmal wieder Ruhe einkehren was das angeht. Sind jetzt von sehr vielen Familien mit Kindern umgeben. Warum auch nicht? Wenn Lysanda und ich durch Dornheim spazieren gehen, stelle ich immer wieder fest: Wir haben die beste Straße in der Ortschaft erwischt. Wenig Verkehr (technisch gesehen eine Anliegerstraße – aber irgendwie nur von einer Seite aus?), ruhige Lage trotz der Hauptstraße eine Häuserreihe weiter und man ist sofort im Grünen. Die paar Kinder stören uns nicht – im Gegenteil haben die Katzen mehr zum Gaffen. Ihr hättet sie mal sehen sollen als der Nachbar kurzzeitig ein paar Hühner im Garten hatte.

Und mit dem Haus an sich bin ich ebenfalls absolut zufrieden. Ja, es ist nicht perfekt aber genau das ist ja der Vorteil gegenüber einer Mietwohnung. Mit jedem Jahr, das den Bach der Zeit hinabfließt, machen wir es mehr und mehr zu „unserem“ Haus. Damit meine ich zum einen das Abbezahlen des Kredits aber noch viel mehr die baulichen Veränderungen. 2019 der Freizeitraum, 2020 die ganze Sache mit der Heizung und für 2021 stehen bereits drei größere Projekte auf der ToDo-Liste. Das mag den Geldbeutel leeren aber steigert den Wohlfühlfaktor (und den Hauswert) ungemein – nicht nur, weil wir jetzt auch mal im Keller schlafen können, wenn es im Sommer wieder so heiß wird. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl seine eigenen Entscheidungen treffen zu können und vom Ergebnis umgeben zu sein (egal wie gelungen es ist).

Ein Hauch von Wohlbehagen?

Ich fühl mich definitiv nicht nur mittlerweile hier Zuhause, ich bin auch ganz zufrieden mit meinem Leben muss ich sagen. Natürlich kann es immer besser sein. Auf der Arbeit zum Beispiel ein bisschen weniger Stress und dafür etwas mehr Sinn im eigenen Tun statt nur ein kleines Rädchen am riesigen, unverwüstlich drehenden Getriebe. Und in der Freizeit eine etwas harmonischere Katzenbande (Jules mobbt unsere Mädels) und eine freiere Nase (Schnarche wieder viel – muss wieder gelasert werden). Außerdem wiege ich aktuell mal wieder über 100kg. Aber das sind alles Kleinigkeiten. Selbst die Pandemie beeinflusst uns nicht großartig. Ja, wir sitzen seit bald drei Monaten im Home Office und es werden höchstwahrscheinlich noch mindestens 1-2 weitere Monate werden. Außerdem wird unser Katzenstammtisch noch etwas länger ausfallen müssen. Aber wir hatten und haben keine Gehaltseinbußen, müssen keine Angst vor Entlassung haben und die Katzen können uns 24/7 auf den Keks gehen. Und da wir sowieso lieber Zuhause sind als irgendwo anders, haben wir bis jetzt auch keinen Vier-Wände-Koller bekommen. Ja, auch das Klopapier ist uns nicht ausgegangen :wink: .

Valve Index (Herstellerbild)

Nein, ich kann mich definitiv nicht beschweren. Im Eigenheim mit der Frau meines Lebens, fünf liebevollen Kin…äh Katzen, einen sicheren Job mit gutem Gehalt und den entsprechenden Annehmlichkeiten die ich mir dadurch leisten kann (z.B. im Epic Games Store Megasale zuschlagen). Da bleibt beim Materiellen nur wenige Wünsche offen (eine Valve Index z.B.). Und auch körperlich und seelisch geht es mir trotz 105kg so gut wie noch nie. Ja, ich habe immer noch einen verschobenen Kiefer und dadurch einen verspannten Rücken und säge nachts zum Leidwesen von Lysanda einen halben Urwald ab. Aber ich habe mein Asthma fast vollständig im Griff (vereinzelte Situationen triggern noch einen Anfall) und – viel wichtiger – meine Depressionen ebenfalls. Man könnte sagen, dass ich mit mir mittlerweile ganz gut im Reinen bin. Das verhindert zwar nicht den ein oder anderen schlechten Tag – manchmal will der Hausgeist halt einfach, dass alles kaputt geht was man anfasst. Aber ich muss wirklich sagen, dass mich vieles nicht mehr so lange beschäftigt wie früher und ich eindeutig besser schlafen kann.

Dabei hat mir definitiv Lysandas Rat geholfen mich auch einfach mal vom ein oder anderen aus der Vergangenheit zu lösen. Egal ob es nun die Schuldgefühle gegenüber Felix und Kessy waren, weil ich glaubte nicht alles für sie getan zu haben oder negative Einflüsse durch Personen in meinem Umfeld, die ich aufgrund von gesellschaftlicher Erwartungshaltung nicht hinter mir gelassen habe. Man muss das Seil ja nicht unbedingt gleich komplett durchschneiden (ist hier und da aber mitunter die einzige Lösung). Es hilft schon die Verbindung genauer zu betrachten, um zu sehen welchen Einfluss sie auf einen hat und anschließend neu evaluieren zu können, was sie einem bringt. Das klingt erstmal hart und egoistisch. Aber am Ende des Tages bleibt bei aller Kompromissbereitschaft eben nur die Erkenntnis: Wir alle wollen unser Leben führen und glücklich sein. Ballast macht aber nur einen krummen Rücken.

Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel weiterspielen. So viele Collectibles, die noch auf mich warten…

Sicarius

Von Karten und Klötzchen

Queen’s Quest 4: Heiliger Frieden (Herstellerbild)

Bitte? Ich bin gerade etwas sehr kauffreudig was digitale Spiele angeht? Kann sein. Allein auf Steam schon 14mal diesen Monat zugeschlagen (mit unterschiedlichen großen Einkaufskörben)? Was kann ich denn bitte dafür, dass es grad wieder überall Bundles oder starke Preisreduzierungen gibt. 69 Spiele und DLCs (die Square Enix Eidos Anthology), die ich größtenteils schon physikalisch im Regal stehen habe und trotzdem vermutlich nie spielen werde für gerade mal 16 Euro sind einfach ein zu gutes Schnäppchen. Dabei startet der Steam Summer Sale doch erst am 25. Juni… Finde ich übrigens eine super Sache bei Steam, dass sich die Bundles und Preise eurer Spielesammlung anpassen. 10% mehr Rabatt sind immerhin 10% mehr Rabatt. Außerdem: Wenn im Bundle nun einmal das Wimmelbildspiel Queen’s Quest 4: Heiliger Frieden enthalten ist, muss ich logischerweise die anderen vier Teile auch noch ergattern, wenn sie im Sale sind. Kann doch nicht einfach mittendrin starten. Da fehlt mir übrigens genau noch Teil 1 aber der dürfte höchstwahrscheinlich als nächstes heruntergesetzt werden.

Der Publisher, Artifex Mundi macht das ziemlich geschickt. Seit ich den genauer beobachte fällt mir auf, dass sie immer durch ihre Serien durchgehen und jede Woche einen Teil um 50% rabattieren. Sprich heute locke ich den Kunden mit dem ersten Teil der Serie für 50%, nächste Woche ist dann „zufällig“ Teil 2 reduziert – da kann der Spieler natürlich nicht wiederstehen, wenn er wissen will wie es weitergeht – und dann Teil 3 und so weiter und so fort. Ja, die meisten Wimmelbildserien bestehen aus sehr vielen Teilen. Sunward Games‘ The Secret Order-Reihe ist mittlerweile schon bei Teil 8 angekommen – in nur fünf Jahren. Wenn das so weitergeht überholen die locker Final Fantasy :smile: .

Das heutige Thema

Aber selbstverständlich kaufe ich nicht nur Spiele, um sie meinem ewig anwachsenden Backlog hinzuzufügen (bei Steam mittlerweile die 1.800er Marke geknackt). Ich versuch auch ein paar davon tatsächlich zu spielen. Kommen wir also mal wieder zu einer Runde Ultrakurzeindrücke oder – so wie ich mich kenne (von wegen kurzfassen und so) – eher zwei Angespielt-Berichten:

(Cover)

Dead Man’s Draw (2014; iOS, PC) – Den amerikanischen Entwickler Stardock gibt es tatsächlich schon seit 1991. Ihr Erstlingswerk war der 4X-Weltraum-Strategietitel Galactic Civilizations exklusiv für IBMs OS/2. Sid Meier’s Civilization erschien übrigens ebenfalls 1991 – allerdings erstmal nur für MS DOS. „Aber Webmaster – Galactic Civilizations kam doch erst 2003 auf den Markt?!” Nein, lieber Besucher. Die 2003er Fassung war tatsächlich ein Remake des OS/2-Klassikers. Bis 2001 war der Entwickler exklusiv auf OS/2 unterwegs und machte sich mit diversen Applikationen und Spielen einen Namen bevor IBM überraschend die Plattform hinter sich ließ und Stardock gezwungen war auf Microsoft Windows umzustellen. Seitdem ist die Firma vor allem für zwei Sachen bekannt: Ihre diversen 4X-Strategiespielreihen (u.a. Sins of a Solar Empire und Galactic Civilization) sowie ihre alle vier Jahre neu aufgelegte US-Wahlkampfsimulation The Political Machine (2004 erschien Teil 1). Von ihnen stammt aber auch das digitale Kartenspiel Dead Man’s Draw. Erst für iOS veröffentlicht und dann – ohne Mikrotransaktionen – noch auf den PC sowie in die reale Welt portiert.

Das Spiel

Das Spielprinzip ist extrem simpel und schnell: Vor den beiden Spielern (in der realen Version bis zu vier) liegt ein Stapel mit 50 Karten. Das Spiel geht so lange bis dieser Stapel leer ist (digital 5 Minuten, real um die 10-15 Minuten). Der erste Spieler darf nun theoretisch solange Karten ziehen wie er möchte. Zu jedem Zeitpunkt kann er „Stop“ sagen und alle gezogenen Karten auf seinen Stapel übernehmen. Sein Zug endet jedoch automatisch sobald er zwei Karten mit demselben Blatt (z.B. zwei Meerjungefrauen) auf dem Tisch hat. In dem Fall hat er die Runde verloren und alle Karten kommen in den Ausschuss (von dem darf man z.B. mit der Schatzkarte ziehen). Anschließend ist der Gegenspieler dran. Ist der Stapel leer, hat derjenige mit den meisten Punkten gewonnen, die sich aus den gesammelten Karten ergeben.

Dead Man’s Draw (Herstellerbild)

Nur Karten zu ziehen und zu hoffen, dass keine doppelte kommt ist aber natürlich nur bedingt spannend. Deshalb haben die einzelnen Kartenblätter noch eine zusätzliche Bedeutung. Bei der Kanone darf man beispielsweise eine Karte aus dem Stapel des Mitspielers zerstören, das Tentakelmonster zwingt euch dazu zwei weitere Karten zu ziehen und bei der Hellseherin wird die nächste Karte auf dem Stapel umgedreht. Zusätzlich gibt es Combos. Habt ihr z.B. eine Schatztruhe und einen Schlüssel gezogen, werden eure Karten verdoppelt, die ihr beim Beenden der Runde erhaltet.

Zu guter Letzt gibt es in der digitalen Version noch Spezialfähigkeiten, die ihr nach und nach freischaltet (ihr bekommt am Ende eines Matchs Erfahrungspunkte) und bis zu zwei gleichzeitig aktivieren dürft. Diese führen beispielsweise dazu, dass ihr bei der Hellseherin nicht nur eine, sondern gleich die nächsten drei Karten aufdecken dürft. Außerdem variiert Stardock hier und da die Grundregeln. So gibt es auch mal Matches in denen kein doppeltes Blatt, sondern eine doppelte Zahl zum Verlust der Runde führt, damit das Spielprinzip nicht ganz so langweilig wird. Aufgeteilt ist das Ganze in 60 Turniere mit jeweils 2-3 Partien gegen Klischee-Piraten, bietet also durchaus seine 10-15 Stunden Spielzeit – für Komplettisten sogar das doppelte.

Beim Christoph meint: Ein einfaches Kartenspiel. In der Realität sicherlich ganz lustig, in der digitalen Varianten weder optisch noch spielerisch wirklich anspruchsvoll. Die Spezialfähigkeiten und die verschiedenen Blattaktionen bringen etwas Taktik rein aber am Ende hängt doch theoretisch vieles vom Zufall ab. Theoretisch deshalb, weil die KI wohl fleißig bescheißt, wenn man so das Steamforum durchblättert. Sie weiß auffällig häufig wann sie aufhören muss und bestimmte Kartenkombinationen triggern vorhersehbare Reaktionen. Einen Mehrspielermodus (weder online noch offline) gibt es nicht.

Dead Man’s Draw ist entsprechend nichts, was man unbedingt haben muss und schon gar nicht stundenlang am Stück zockt aber die eine oder andere Runde Zwischendurch ist definitiv nett und macht Laune. Speziell über Steam Link z.B. auf dem Klo während man mal wieder auf den Cooldown-Timer in Magic The Gathering: Puzzle Quest wartet. Bitte? Warum dann nicht gleich die iOS-Variante? Weil die Steam-Version maximal 6,99€ kostet und ihr euch in der iOS-App dumm und dämlich wartet/bezahlt.

(Cover)

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (2011; PC, Mac, NDS, 3DS, PS3, PSP, Wii, X360) – Ich bin tatsächlich vergleichsweise früh ausgestiegen was Traveller’s Tales (nicht zu verwechseln mit Telltale Games) Lizenz-LEGO-Spiele angeht. LEGO Indiana Jones 2: Die neuen Abenteuer (2009) und LEGO Star Wars III: The Clone Wars (2011) waren die bislang letzten Vertreter der Action-Adventure-Reihe, die ich etwas intensiver gespielt hatte (aber beide noch nicht durch). Mit dem Kaufen habe ich dann 2014 aufgehört, bevor ich vor Kurzem „endlich“ mal meine physikalische und digitale Kollektion auf den aktuellen Stand gebracht habe. Das lag logischerweise nicht an der grundsätzlichen Qualität der Titel.

Die Persiflagen aus LEGO-Sicht sind damals wie heute im Kern gelungen. Sie versprühen ihren ganz eigenen (LEGO-)Charme, machen spielerisch definitiv Laune und sind vor allem sehr gute Koop-Titel. Aber es ist dann damals doch irgendwie zu viel des Guten geworden. 2011 kamen gleich drei Spiele (LEGO Star Wars III: The Clone Wars, LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel und LEGO Harry Potter: Die Jahre 5-7) auf den Markt und seit 2005 (LEGO Star Wars: Das Videospiel) jedes Jahr mindestens einer. Bei einer durchschnittlichen Spielzeit von 10-15 Stunden nicht gerade wenig. Dafür ist das Spielprinzip dann doch trotz der ein oder anderen neuen Idee und den größtenteils lustigen Gags nicht mitreißend genug – noch dazu, wenn man nicht der größte Fan der Basislizenz ist. Ich hoffe ja, dass LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga hier etwas frischen Wind reinbringt dank neuer Grafik-Engine, angeblich vieler neuer Spielideen und natürlich dem riesigen Star Wars-Nostalgiebonus.

Der Piratenableger

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

In letzter Zeit hatte ich aber irgendwie mal wieder Bock auf einen LEGO-Titel. Getriggert durch den dazugehörigen Steam-Sale, meiner darauf folgenden Einkaufstour und unseren Rondrer der sich mit LEGO Batman: The Videogame beschäftigte. Also habe ich mal geschaut, was so in meiner Taskleiste auf Erledigung wartet und natürlich genau den Titel von den vieren genommen, den ich zwar installiert aber nie wirklich gespielt hatte: LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel. Also DVD-Hülle aus dem Regal genommen, DVD ins Bluray-Laufwerk eingelegt (ja, es funktioniert noch) und losgelegt.

Der Titel befasst sich mit allen vier bis zu diesem Zeitpunkt erschienen Filmen (Fluch der Karibik, Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2, Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt und Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten) und jeder Film teilt sich in jeweils fünf Level auf. Mit welchem Film ihr anfangt ist euch überlassen, nur innerhalb eines Films müsst ihr die Level erst einmal in Reihe spielen. Zusätzlich gibt es einen als Hub fungierenden Hafen zu dem ihr wie gewohnt zwischen den Missionen zurückkehren und dort nach und nach diverse Sachen (Charaktere, Cheats, sonstige Boni) freischalten könnt je nachdem wie gut ihr die Levels abgrast. Wie gehabt könnt ihr nie beim ersten Durchlauf eines Levels alle Geheimnisse finden/freischalten, da euch nicht alle Spezialfähigkeiten der Charaktere zur Verfügung stehen. So können z.B. nur weibliche Charaktere einen Doppelsprung durchführen und nur Jack Sparrow hat den magischen Kompass, der euch zu versteckten Gegenständen führt. Und zu Sammeln gibt es wieder viel. Zum bekannten Anhäufen einer bestimmten Anzahl an Legosteinen (Studs) und den Teilen für das Miniset kommt noch Jacks Kompass dazu sowie diverse Miniziele innerhalb einer Mission (z.B. alle Papageien verjagen).

Und so arbeitet ihr euch durch die recht umfangreichen und durchaus abwechslungsreich gestalteten Levels (ohne Zwischendurch speichern zu können!). Immer darauf bedacht alles in seine (LEGO-)Bestandteile zu zerlegen was geht, die vielen, den Spielfortschritt verhindernden Rätsel im Zusammenspiel mit den vielen Spezialfähigkeiten der Charaktere zu lösen und dabei die schicke LEGO-Welt zu genießen. Unterwegs seid ihr durchgängig zu zweit mit der Möglichkeit im Solo-Modus auf Knopfdruck den Charakter zu wechseln oder komplett gegen einen anderen auszutauschen, wie es die jeweilige Situation erfordert. Auch Tiere wie Hunde oder Pferde kommen hier und da zum Einsatz. Spielerische Abwechslung in das (LEGO-)Gemetzel bringt die ein oder andere Actioneinlage wie z.B. eine Runde im Knochenkäfig durch das Eingeborenendorf kugeln. Fragt mich aber nicht, was genau z.B. im Vergleich zum vorherigen LEGO-Titel LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4 jetzt spielerisch anders/neu ist. Dafür ist das alles schon wieder zu lange her :wink: . Das einzige was mir einfällt, sind die vielen Unterwassereinlagen. Sprich die LEGO-Figuren können jetzt fleißig für eine gewisse Zeit tauchen oder mit Hilfe eines Fass sogar dauerhaft auf dem Meeresgrund unterwegs sein.

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

Die Erzählung

Unterbrochen wird das Spielgeschehen durch die (teils recht langen) Zwischensequenzen, die noch aus reiner Slapstick-Comedy mit höchstens grunzenden aber ansonsten stummen Charakteren bestehen und Szenen aus dem Film mehr oder weniger genau nachstellen. Mit LEGO Batman 2: DC Super Heroes (2012) zogen ja bekanntlich Stimmen in die LEGO-Welt ein. Für mich sind diese Filmchen eindeutig der schwächste Part des Spiels. Zum einen sicherlich, weil es ewig her ist wo ich die Filme gesehen habe (Teil 4 glaube ich sogar bislang gar nicht). Zum anderen finde ich aber auch, dass sich der Humor in Grenzen hält. Vielleicht bin ich mittlerweile alt und verbittert geworden aber Soldaten, die mit Gemüse auf Jack Sparrow am Pranger werfen erzeugen bei mir höchstens noch ein Schulterzucken. Oder ein Schiff, das mit einer Parksicherung am Anker auf dem Strand liegt…

Das größte Problem ist aber aus meiner Sicht die Abruptheit der Erzählung. Ja, die Vorlage bietet sicherlich ebenfalls nicht die tiefgründigste Geschichte aber in der LEGO-Umsetzung geht mir irgendwie alles viel zu schnell – was natürlich auch wieder damit zu tun haben kann, dass ich die Vorlage nicht mehr so genau im Kopf habe. Etwas übertrieben gesagt sammelt man im ersten Film in einem Level seine Crewmitglieder und in der anschließend Zwischensequenz kämpft man plötzlich auf hoher See gegen Barbarossa und im nächsten Level ist man schon in der Schatzhöhle. Da hätte vielleicht der ein oder andere zusätzliche Abschnitt gut getan. Und so gut die Filmmusik von Klaus Badelt und Hans Zimmer auch ist: Gefühlt durften die Entwickler pro Film nur 2-3 Stück verwenden, die sich entsprechend schnell wiederholen.

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Wer jemals einen LEGO-Titel von Traveller’s Tale gespielt hat, weiß was ihn bei LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel erwartet – nicht mehr aber auch nicht weniger. Grafisch und spielerisch kann das Abenteuer aus meiner Sicht weiterhin selbst mit den heutigen Vertretern mithalten (ist ja „nur“ LEGO). Es macht immer noch oder besser gesagt wieder Spaß sich durch die detailverliebten Klötzchenwelten zu arbeiten.

Einzig die vorgerenderten Zwischensequenzen ohne jedwedes Anti-Aliasing zeigen, dass doch schon sechs Jahre vergangen sind. Und genau mit diesen Filmen bin ich eben grundsätzlich nicht so zufrieden, obwohl sie theoretisch ein großer Motivationsfaktor der LEGO-Titel sein sollten. Ich vermute es liegt vor allem daran, dass ich mit der Vorlage nicht so vertraut bin. Insofern würde ich da meine Meinung nicht ganz so stark auf die Waageschale legen. Aber es heißt auf jeden Fall, dass ich nur für Fans der Vorlage heute noch eine Empfehlung aussprechen kann. Alle anderen spielen lieber einen der anderen 20 LEGO-Lizenztiteln aus dem Hause Traveller’s Tale, der eher ihren persönlichen Geschmack trifft. Aus spielerischer Sicht macht man auf jeden Fall mit keinem davon etwas falsch. Man darf es nur nicht übertreiben und zu viele hintereinander spielen :smile: .

Vor acht Jahren hat sich Rondrer an dieser Stelle geoutet, dass er so seine Probleme mit den alten „Meisterwerken der Spielekultur“ hat und versuchte zu analysieren, warum er sich mit Titeln wie Heroes of Might & Magic 3 oder Deus Ex trotz ehrlicher Versuche schwer tut. Ähnlich geht es mir mit so manchem „Meisterwerk der Literatur“. Da müssen wir nicht einmal zurück bis zur „klassischen“ Literatur. Die scheinbar lt. den „echten“ Buchkennern in Deutschland übrigens nur eine Epoche zwischen 1786 und 1832 beschreibt, in denen aus dieser Sichtweise wohl nur die vier „Großen“ (Goethe, Schiller, Wieland, Herder) nennenswertes geschrieben haben. Für mich verbirgt sich hinter dem Begriff „Klassik“ eher der „Klassiker“ aber gut: Das ist wie in der Kunst. Da versucht man ja auch auf Biegen und Brechen alles in irgendwelche Bewegungen einzuordnen, egal ob es Sinn macht oder nicht.

Ein Regal voller gutem Lesestoff

Natürlich gibt es…nennen wir sie „erfolgreiche, ältere Werke“, die ich super finde. Alice im Wunderland (Lewis Carroll) beispielsweise oder Der gallische Krieg von Gaius Julius Caesar (nein, ich habe es nicht auf Lateinisch gelesen) und – um etwas in die neuere Zeit vorzurücken – Der Ewige Krieg oder Der Wüstenplanet (Frank Herbert). Aber da fängt es schon an: Ich habe grundsätzlich alle Bücher des ursprünglichen Wüstenplanet-Zyklus gerne gelesen aber als echten Klassiker würde ich tatsächlich nur Band 1 bezeichnen. Viel lieber habe ich – und dafür hassen mich alle „echten“ Dune-Fans abgrundtief – Die frühen Chroniken und vor allem Die Legenden von seinem Sohn (zusammen mit Kevin J. Anderson) verschlungen. Da habe ich tatsächlich damals jede Veröffentlichung herbeigesehnt und die über 1.000 Seiten langen Brecher in wenigen Tagen durchgelesen. Und auch wenn ich weiß, dass ich mich damit noch tiefer in die Nesseln setze: Selbst bei einem Der Herr der Ringe würde ich lieber nochmal die Filme anschauen als die langatmigen Erzählungen des lieben Herr J.R.R. Tolkien zu ertragen. Ja, das sage ich als jemand, der selbst das Silmarillion gelesen hat. Schlimmer noch: Das fand ich persönlich sogar interessanter als das eigentlich bedeutendere Hauptwerk des Professors. Über so ein Geschwurbel wie Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang v. Goethe) brauchen wir da gar nicht erst zu reden…

Die Überleitung

Diese ganzen hochgelobten Bücher sind sicherlich alles literarische Meisterwerke mit einer unvergleichbaren sprachlichen Virtuosität, die gekonnt tiefgründige Themen bearbeiten und den Leser total mitreißen sowie nicht nur aber besonders die literarische Welt auf Ewig verändert haben. Aber irgendwie scheine ich das nicht so zu schätzen zu wissen. Ich spiele ich ja auch lieber Saints Row als Grand Theft Auto :smile: . Aber ich versuche es natürlich immer mal wieder. Also nicht nur das Spielen von Grand Theft Auto, sondern auch das Lesen besagter Klassiker, egal wie oft ich dabei am Ende auf die Nase falle – womit wir beim heutigen Thema sind:

(Cover)

The War of the Worlds Illustrated (H.G. Wells/Bitmap Books, ca. 35€, 276 Seiten, Englisch) – Der ultimative Klassiker und Prototyp unserer heutigen Vorstellung von Science-Fiction aus dem Jahr 1898. Damals als Fortsetzungsroman erschienen und technisch gesehen in zwei Bücher aufgeteilt (Die Ankunft der Marsianer und Die Welt unter den Marsianern), hat Bitmap Books nun eine Neuauflage des Werks produziert. Neben dem eigentlichen, englischsprachigen Originaltext enthält diese eine kleine Biographie über H.G. Wells und ein paar Seiten über die Nachwirkungen seines berühmtesten Werks. Außerdem wurden Schlüsselszenen vom mexikanischen Illustrator Adam Rufino nachgestellt. Der Kerl hat es prinzipiell echt drauf, wenn ich mir so sein (spielelastiges) Portfolio anschaue aber das was er hier im Auftrag des britischen Verlags produziert hat finde ich durchgängig einfach nur hässlich. Mein Hauptproblem ist glaube ich, dass alle Menschen aussehen wie Zombies und auch sonst alles einen „toten“ Look hat. Passt natürlich ein Stück weit zur Thematik der Erzählung aber mir gefällt dieser Stil nicht. Dazu kommt noch, dass aus meiner Sicht die Szenen mitunter nicht zu dem passen, was im Text nebendran steht. Blöd, dass sie einen großen Teil des hochwertig verarbeiteten, DINA4-Hardcovers ausmachen. Der Rest ist hingegen gefüllt mit sehr groß geschriebenem Text (leider eine Vorliebe von Bitmap Books).

Ja, Der Krieg der Welten ist kein langer Roman. Das Original hat zwar auch 287 Seiten, war aber im Taschenbuchformat. Es wirkt hier nur so, weil z.B. sieben Absätze auf eine DINA4-Seite aufgeblasen wurden. Das mag optisch super aussehen – und mir ist klar, dass das einer Hauptansprüche dieser nicht ganz billigen Neuauflage war – aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Der eigentliche Inhalt

So viel zur Aufmachung der Neuauflage. Viel wichtiger ist natürlich die Geschichte selbst. Achtung: Ich nehme keine Rücksicht auf Spoiler. Das Ding wurde mittlerweile 13mal verfilmt, es gibt unzählige Hörspiele und Comics dazu und gefühlt jeder referenziert darauf. Ach und es ist über 120 Jahre alt. Also: Wir befinden uns in England irgendwann in den 1890igern. Alles ist super und duber bis eines Nachts ein Meteorit in der Nähe der Kleinstadt Woking in Surrey niedergeht. Dieser Meteorit entpuppt sich als metallischer Zylinder vom Mars aus dem nach einiger Zeit ein Tentakelmonster herauskrabbelt – ein Marsianer. Am Anfang sind die Menschen zwar neugierig aber total unbeeindruckt und überheblich. Marsianer können aufgrund der hohen Gravitation auf der Erde eh nicht überleben und so. Nach und nach fallen noch mehr Zylinder vom Himmel und es kommt buchstäblich Bewegung in die Sache: Die Marsianer bauen die berühmten Tripod-Kampfmaschinen und fangen ausgerüstet mit den riesigen Hitzestrahlern und einer Art lilafarbenen Gasgranaten ihren Eroberungsfeldzug Richtung London an. Das irdische Militär schafft es zwar einen nieder zu strecken, ist aber unterm Strich völlig machtlos gegen die Dinger. Ein Dorf nach dem anderen wird in Schutt und Asche gelegt und London scheint verloren.

Mittendrin ist unser namenloser aber wissenschaftlich interessierter Erzähler, der die Geschichte vollständig aus seiner persönlichen Sicht wiedergibt und alles um sich herum genau beobachtet. Nachdem er seine Frau bei seinem Bruder abgegeben hat und warum auch immer pflichtbewusst den dafür ausgeliehenen Wagen zurückbringen möchte, stolpert er mitten in die Flüchtlingsbewegung hinein. Er zieht nun gefühlt planlos durchs Land, trifft hier und da temporäre Weggefährten und erlebt ein paar mehr oder weniger grausame Sachen bevor er dann mehrere Tage mit einem psychisch instabilen Vikar in einer Ruine verbringt – direkt in der Nähe eines weiteren Einschlagslochs der Marsianer, die dort fleißig unmenschliche Dinge tun. Abschließend macht er sich auf den Weg nach London. Dort angekommen stellt er fest, dass zwar vieles zerstört aber grundsätzlich alles leergefegt und ruhig ist. In einem Park findet er dann einen toten Marsianer: Sie haben nicht mit den irdischen Bakterien gerechnet und wurden von ihnen dahingerafft. Die Marsianer sind besiegt, er macht sich auf den Weg zurück nach Hause und findet dort seine Frau quietschlebendig wieder. Happy End.

Die Kritik

The War of the Worlds (Herstellerbild des Xbox-360-Arcadetitels)

Das Besondere an Der Krieg der Welten ist wohl der Schreibstil. Anders als traditionelle Romane erwartet den Leser in H.G. Wells Werk eine Art nüchterner Augenzeugenbericht von der Invasion der Marsianer. Es gibt keine Charaktere mit denen wir mitfühlen können/sollen (die meisten Personen haben nicht einmal Namen), keine wirkliche Charakterentwicklung, keinen Aufstieg oder Fall eines Helden. Einfach nur seitenweise subjektive Beobachtungen und Nacherzählungen durch diese unbekannte Person aus Woking. Das ist definitiv mal eine etwas andere Herangehensweise, dürfte aber genau mein Problem mit diesem Buch sein: Es ist heutzutage total langweilig zu lesen.

Es passiert insgesamt zu wenig und wenn mal was passiert, ist es nicht sonderlich spannend erzählt. Die Situation im Flüchtlingsstrom fand ich im Gegenteil sogar eher verwirrend. Ich weiß immer noch nicht genau, wer da jetzt wie gestorben und in welche Richtung der Erzähler zu welchem Zeitpunkt gelaufen ist. Das mag gewollt und authentisch sein. Es ist für mich aber kein guter Roman. Der einzige Höhepunkt sind besagte Tage mit dem instabilen Viker. Da kommen plötzlich Emotionen hoch, da passiert tatsächlich mal was und der Erzähler wird für einen kurzen Moment menschlich.

Gleichzeitig bin ich vermutlich durch jahrelangen SciFi-Konsum zu „versaut“. Ein Tentakelmonster vom Mars lockt mich einfach nicht mehr hinterm Ofen hervor. Und das Finale (eigentlich die komplette zweite Hälfte des zweiten Buchs) war schlicht dämlich. Ja, das ganze Buch soll wohl eine Satire auf die britische Kolonialpolitik sein und es ist genau der Witz, dass die Bakterien als primitivsten aller Lebewesen das Vereinigte Königreich retten. Aber das alles zu wissen, macht das Buch für mich als Leser nicht wirklich besser. Man hätte es trotzdem interessanter erzählen können.

Beim Christoph meint: Von mir gibt’s für The War of the Worlds Illustrated gerade so 2 von 5 Sics wegen dem Vikar-Abschnitt. Grundsätzlich bereue ich es nie meinen Horizont erweitert zu haben. Es ist immer gut auch mal selbst zu erfahren, woher die Inspiration der Medien stammt, die ich heutzutage so konsumiere. Macht es auch leichter die eine oder andere Anspielung zu verstehen. Aber am Ende des Tages ist es für mich – einem fast 36jährigen im Jahr 2020 – kein gutes Buch und schon gar keine Pflichtlektüre. Das fängt mit der Neuauflage an sich an (hässliche Zeichnungen, riesiger Text) und geht bis hin zur Geschichte selbst. Ich kann verstehen, dass es damals der absolut heißeste Scheiß war als Science-Fiction noch was komplett Neues darstellte. Mich hat es aber nicht vom Hocker gehauen. Weder sprachlich noch inhaltlich. Frei nach Rondrer: Die Bücher waren damals wie heute bestimmt nicht schlecht, aber ich muss einfach damit aufhören mir von anderen Leuten ihre Meinung zu den Werken aufdrängen zu lassen und einfach nur das zu lesen, was mir jetzt gerade Spaß macht :smile: .

Sicarius

Körpertuning: Kälte

MECOTEC cryo:one Kältekammern (Herstellerbild)

Bevor wir heute zu irgendeinem anderen Thema kommen, muss ich euch endlich von unseren Erfahrungen in der Kryosauna berichten. Das fiel irgendwie bislang hinten runter, weil die Einträge immer länger werden als geplant (so viele Sachen, die mir plötzlich einfallen) und kein sinnvoller Platz mehr für einen weiteren Themenwechsel ist :smile: . Also: Wir waren Anfang des Jahres spaßeshalber vier Mal (technisch gesehen fünf Mal, weil sie einmal während der Behandlung ausgefallen ist) in einer Kryosauna. Es hat in Darmstadt eine neue aufgemacht und es gibt nicht nur ein Kennenlern-Angebot, sondern auch eine Groupon-Aktion. Da dachten wir uns, das können wir für den Preis mal ausprobieren.

Kalt!

Eine Kryosauna ist nicht zu verwechseln mit einer Kältekammer. Kältekammer ist das Ding, in dem „nur“ -110°C herrschen und ihr euch frei bewegen könnt (sogar mit mehreren Personen). Die Kryosauna ist hingegen eine Art Tonne in der ihr euch alleine reinstellt und nur noch der Kopf rausschaut. Beides hat natürlich den gleichen Sinn und Zweck, die Kältekammer ist einfach nur das „Original“ – wobei der Erfinder dieser Therapieform, der Japaner Toshiro Yamauchi, seine Rheumapatienten 1978 sogar bei -175°C dort reingeschickt hat. Das hätten besagte Patienten aber als „unangenehm“ (ach ne?!) empfunden, deswegen geht man heutzutage in der Kältekammer nicht mehr so extrem tief runter. Und natürlich gibt es auch noch die „Bekloppten“ die z.B. Eisbaden oder sogar Eistauchen praktizieren. Gehört in die gleiche Kategorie.

Die Krysoauna ist schlicht die modernere Variante der Kältetherapie, die bei -160°C arbeitet und trotz niedrigerer Temperatur angenehmer wäre als eine Kältekammer. Ich habe den direkten Vergleich nicht, vermute aber es liegt unter anderem daran, dass der Kopf draußen ist. Ich gehe davon aus, dass das durchaus weh tut, wenn der trotz Mütze (Kältekammer hat man Schuhe, Handschuhe, Mundschutz und eine Mütze auf) so extrem abkühlt. Gearbeitet wird – ebenfalls anders als in der Kältekammer – hier mit einem Stickstoffnebel, der in die Kammer geblasen wird und sie ratzfatz runterkühlt. Deswegen ist auch der Kopf draußen, denn den Nebel sollte man nicht sehr intensiv einatmen. Da stirbt man wohl sehr schnell weg (wir Menschen lieben es mit gefährlichen Dingen zu hantieren…). Also erst wird man bewusstlos und dann erstickt man innerlich aufgrund des Sauerstoffmangels. Klingt lustig. Gab‘ entsprechend schon Ideen das in den tollen US of A als „humane“ Hinrichtungsmethode einzuführen. Bei Labortieren ist das hingegen aufgrund des Tierschutzes verboten (wäre die langsamste Tötungsart). Nein, ich verlinke hier jetzt explizit nicht auf die dazugehörige Studie/Handlungsempfehlung der Uni Saarland. Ich finde, es hat keinen Mehrwert seitenweise davon zu lesen wie man am besten eine Laborratte „Tierschutzgerecht“ tötet.

Cryomed One (Herstellerbild)

Manchmal ist das Internet definitiv mehr Fluch als Segen. Ich hör‘ entsprechend jetzt mal auf zu dem Thema zu recherchieren, okay? Da wird man nur Depressiv bei. „Lysanda? Warum haben wir uns das nochmal mit der Kryosauna freiwillig angetan?! Bitte? Wegen der Gesundheit? Wenn ich Tod bin, brauche ich keine Gesundheit mehr. Klingt eher so als wollten wir es dem Bestatter einfacher machen, weil wir schneller steif sind und er uns so besser tragen kann…“

Die Anwendung

Wir sind offensichtlich nicht weggestorben, deswegen kann ich davon berichten wie es war. Vor Ort hat uns eine Cryomed One erwartet aber die Dinger gibt es wohl mittlerweile von vielen Herstellern. Also bis auf die Unterhose nackig gemacht (sonst frieren gewisse Teile weg), Socken, Wollschuhe und auf Wunsch Handschuhe anziehen und dann geht es für maximal drei Minuten ins eisige Stickstoffgebläse bei -160°C. Etwas Bewegung hilft, dass es sich nicht ganz so extrem anfühlt aber am Ende des Tages hängt es definitiv von der Tagesform ab. Eine Anwendung war es durchaus angenehm und zum Aushalten, ein andermal konnten die drei Minuten nicht schnell genug vorbeigehen, weil einem alles (buchstäblich) abfriert. Und das war’s. Danach ein bisschen (buchstäblich) chillen, anziehen und fertig. So schnell kann eine Therapie gehen. Nichts Weltbewegendes. Bleibt entsprechend nur noch die Frage: Hat es was gebracht? Schließlich schwören doch vor allem Profisportler angeblich total drauf (Warum müssen es immer Profisportler sein, kann man nicht auch mit einem Otto-Normalo Werbung machen?!). Für uns ehrlich gesagt nicht. Ja, es hat danach vor allem in den Beinen wollig gekribbelt und die Durchblutung wurde definitiv angeregt. Aber z.B. meine ewige Schulter-Nacken-Verspannung hat es nicht einmal kurzzeitig gelindert. Vielleicht waren vier Sitzung verteilt auf zwei Monate schlicht zu wenig für sowas Chronisches.

Die Idee hinter der Kälte ist, dass sie den Stoffwechsel und den Kreislauf anregt. Man versetzt den Körper quasi in Sterbensangst und er dreht dadurch voll auf. Das soll die Immunabwehr stärken und eine Runde Endorphin freisetzen, da diese schmerzlindernd wirken und für gute Laune sorgen (der Körper will ja überleben). Am Ende habt ihr 600 bis 700kcal verbrannt, euer Gewebe wurde besser durchblutet und damit mit mehr Sauerstoff versorgt und angeblich haufenweise Schadstoffe zerstört. Außerdem soll es Muskelverspannungen lösen, das Hautbild verbessern (z.B. bei Akne) und eben Schmerzen lindern. Ist sicherlich alles grundsätzlich richtig – Kältetherapie ist schließlich nichts Neues und wurde schon in vielen Varianten wissenschaftlich untersucht. Nur wie gesagt: Bei uns haben wir keinen Unterschied gemerkt. Es war mal ganz nett es ausprobiert zu haben und vielleicht gehen wir im Sommer nochmal hin (soll ja heuer wieder sehr heiß werden). Aber von den tollen Versprechungen, die auf den ganzen Internetseiten gemacht werden, haben weder Lysanda noch ich irgendetwas gespürt – weder kurz- noch langfristig.

Radikaler Themenwechsel

Ein süßes Kellerfenster

Und was war sonst so? Nun, vergangene Woche hat es der Sachverständige vom TÜV endlich geschafft zu erscheinen. Er ist einmal lustlos durch den leeren Öltankraum, dann in den Heizungraum gegangen (dort auch nicht wirklich was angeschaut) und hat dann das Datum von der Abbaubescheinigung von Laudon in seinen Rechner getippt. Das war’s. Hat keine fünf Minuten gedauert, wird aber um die 120€ kosten – genau wusste er es nicht. „Dafür bin ich nicht zuständig“ waren seine exakten Worte. Ja, ne. Und darauf musste ich jetzt neun Wochen warten? Wahnsinn. Die Bescheinigung kommt dann im Laufe der Woche sowohl bei uns als auch beim Umweltamt an. Anschließend ist der Öltank offiziell nicht mehr existent. Bin allerdings gespannt, ob der TÜV das in seiner Datenbank ebenfalls korrekt vermerkt. Wir hatten nämlich einen Servicevertrag abgeschlossen für die regelmäßige Prüfung (gab Rabatt). Ich würde ja erwarten, dass der mit der Außerbetriebnahme automatisch nichtig ist. Sicher bin ich mir bei dem Verein aber absolut nicht.

Tags darauf (hat wunderbar gepasst), kam dann der Fensterbauer vorbildlich mit Mund-Nasen-Schutz und hat das kleine Kellerfenster im Tankraum gegen ein neues von Weru ersetzt. Das alte Metallding ging nicht mehr richtig zu und bot auch keinen Sichtschutz (wollen ja u.a. ein Bad reinbauen). Da das Rohr vom Klo direkt davor verläuft, machte es keinen Sinn ein Doppelfenster oder sowas zu nehmen. Geht eh nicht auf ohne vorher das Rohr abzubauen. Stattdessen ist auf der linken Seite nur eine Milchglasscheibe. Öffnen lässt sich somit ausschließlich die rechte Hälfte. Die wiederrum ist vergleichsweise klein und das Fenster darin entsprechend winzig. Der Monteur meinte zu mir, dass er so eine kleine Luke noch nie montiert hätte. Aber hey: Ging halt nicht anders und ein bisschen Licht ist besser als gar keins. Und komplett geschlossen wollten wir auch nicht haben. Ab und zu macht es halt Sinn ein Fenster öffnen zu können – egal wie klein. Blöderweise hat es dadurch – es ist faktisch eine komplette Sonderanfertigung – ungefähr genauso viel gekostet wie das wesentlich größere Fenster im Freizeitraum (ca. 750€).

Und damit ist das Projekt „Neuanschluss“ nun wirklich komplett abgeschlossen. Stattdessen wurde quasi umgehend das Projekt „Renovierung Öltankraum“ gestartet. Handwerker kommen uns dieses Jahr aber höchstens noch ungeplant ins Haus (hoffentlich nicht). Stattdessen legen wir jetzt mal wieder selbst los. Die ganzen eingemauerten Metalldinger von der Decke klopfen, Löcher verschließen, überall streichen, Strom verlegen, einen Türrahmen einbauen, etc. pp. Wird mal wieder ein paar Wochenenden verschlingen aber so ist das halt mit einem Eigenheim. Gibt immer was zu tun :smile: .

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