Sommerzeit, Gastkatzenzeit in der Casa Lysanda – zumindest scheint sich das so zu entwickeln. Schon zum dritten Mal haben wir einen Vierbeiner temporär in unserem Keller einquartiert. Immerhin, auch wenn es etwas böse klingt: Es ist dieses Jahr eine halbwegs normale Katze. Kein liebenswerter Blindfisch mit seinem schüchternen Kumpel und kein notorischer Danebenpinkler. Einfach nur Leo, der schwarz-weiße 4kg-Kater.
Okay, er frisst ausschließlich eine bestimmte Sorte Trockenfutter und schaut Nassfutter nicht mit dem Hintern an, aber es kann ja nicht alles perfekt sein
. Seine Pienzigkeit geht sogar so weit, dass er nur ganze Stücke von seinem Trockenfutter isst. Wenn er eins durchbeißt und dabei Reste zurück in den Napf fallen? Bleiben liegen, wenn sie nicht zufällig beim nächsten Bissen wieder mit in den Mund kommen. Katzen… man muss sie irgendwie mögen.
Ein junger Hüpfer
Abseits dieser kleinen Besonderheit beim Thema Futter, ist er aber ein netter und quirliger kleiner Typ mit viel Bewegungsdrang. Ungefähr zwei Jahre ist er alt und obwohl er grundsätzlich gestreichelt werden will, bleibt er dafür selten mal länger als eine Minute an einem Ort. Stattdessen kurz zum Menschen ein paar Streichler abholen, dann gleich wieder aufstehen und weiterziehen – nur, um dann wenige Momente später wiederzukommen. Er klettert außerdem gerne, spielt selbstständig mit seinen Spielsachen und fordert lautstark aus dem Waschraum entlassen zu werden, wenn jemand auch nur droht, an der Tür vorbei zu gehen.
Die ersten paar Tage haben wir ihn freilich trotz seiner Forderung erstmal drin gelassen. Mittlerweile darf er aber auch den restlichen Keller erkunden, sobald einer von uns unten ist. Dafür bedankt er sich dann bei uns, indem er die Regale im Freizeitraum obendrauf säubert. Warum suchen sich Katzen immer die engsten Stellen aus? Er findet es außerdem super unter Decken zu schlüpfen und da Schabernack zu treiben. Sah lustig aus, als ich mit einem Buch in der Hand im Bett lag, die Decke über meinen Beinen und dann plötzlich Bewegung dort unten war. Besonders süß ist es, wenn er irgendwo draufliegt und dann seinen Kopf über den Rand hängen lässt. Nein, wir behalten ihn nicht. Selbstverständlich wollen ihn die Besitzer am Samstag wieder haben. Da sind dann seine zwei Wochen Aufenthalt bei uns vorbei. Außerdem würde er bei uns ja verhungern aufgrund seiner Nassfutterverweigerungshaltung.
Die anderen Maunzer
Bekanntschaft mit vier unserer fünf Vierbeiner hat er ebenfalls schon gemacht. Nur Jules, sein Farbbruder, weiß nichts von seiner Existenz. Also abseits vielleicht von urbanen Legenden, die die anderen Katzen ihm erzählt haben von dem komischen Vieh in den tiefsten Tiefen des Hauses.
Die Aufeinandertreffen verliefen auch grundsätzlich überraschend friedlich. Nur unser Verbindungskater Pichu, von dem wir das am allerwenigsten erwartet hätten, ist von Leo überhaupt nicht begeistert. Er knurrte ihn direkt an und bauscht dabei auf. Sehr komisch und hat Leo logischerweise sehr verunsichert. Lyssi hingegen hat sich den Kerl erstmal in Ruhe angeschaut und hat ihn sogar ziemlich nah an sich rangelassen. Er war aber auch flach wie eine Flunder, als er auf sie zuging. Am Ende ist Lyssi dann doch lieber erstmal stiften gegangen und will jetzt definitiv nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Ayla und Miro hingegen waren gefühlt erstmal mehr daran interessiert, mal wieder in den Keller zu dürfen. Aber auch hier verlief der Erstkontakt grundsätzlich friedlich. Leo schaute sich die ganze Sache aus der Ferne an und legte sich dafür zurückhaltend und doch irgendwie seelenruhig im Flur auf die Seite. Miro war interessiert daran, näher zu kommen, aber er ist sehr auf Ayla fixiert. In unbekannten Situationen muss sie häufig vorgehen und erst dann geht er mit. Ayla wollte jedoch erstmal mehr den Waschraum inspizieren als sich mit der komischen Katze im Flur zu beschäftigen
. Irgendwann sind sie dann nach einem kurzen Beschnuffeln einfach abgezogen.
Und falls ihr euch fragt, warum wir das machen: Die Besitzer von Leo stellen sich die Frage, ob er mit anderen Katzen verträglich wäre. Er hat sich nämlich mit seinem Bruder wohl nicht so gut verstanden und wurde daher nur einzeln vermittelt. Für eine erst zweijährige Katze ist das aber eher ungewöhnlich. Und daher haben sie uns gebeten das einfach mal zu testen. Bisher lief es dahingehend gar nicht mal so schlecht. Also als nicht vergesellschaftungsfähig würde ich Leo definitiv nicht abstempeln.
Hilfe, eine Schlange!
Wir können selbstverständlich nicht den ganzen Tag im Keller bei ihm verbringen. Das wäre nicht nur unfair unseren Katzen gegenüber, wir haben ja auch noch zu tun. Da hilft es, dass er sich wie geschrieben tatsächlich selbstständig beschäftigen kann und entsprechend Spielzeug mitbekommen hat. Wir haben ihm außerdem noch zusätzliche Sachen in den Keller gestellt. Zuerst eine längliche Kugelbahn* – die er so gar nicht gut fand. Möglicherweise, weil sie aussieht wie eine Schlange. Doch er ist ein mutiger Kater, das muss man ihm lassen. Interessiert hat ihn das Ding nämlich doch irgendwie. Also ist er nach dem ersten Schrecken immer mal wieder vorsichtig in die Gefahrenzone eingedrungen. Jedes Mal ein wenig weiter und fleißig geschnuffelt dabei. Als er ganz nah dran war, hat er sogar todesmutig mehrfach auf das komische Ding draufgeschlagen. Nach ein paar Durchgängen dieses Schauspiels hatte er dann verstanden, dass es ungefährlich ist und nachdem ich ihm das mit dem Ball gezeigt habe, hat er auch angefangen damit zu spielen. Anschließend habe ich ihm noch die größere, zu einer acht geformten*, Bahn dazu gepackt und zuletzt noch diese Matte*. Da hatte er ebenfalls erst ein bisschen Respekt vor – vermutlich, weil sie etwas Krach macht. Jetzt findet er es ebenfalls super, wenn wir es anmachen. So muss das sein.
Alles in Allem geht es ihm also definitiv gut bei uns. Ja, es ist grundsätzlich doof, dass er nicht Zuhause bei seiner Familie ist und stattdessen bei uns im Keller wohnen muss. Aber er ist definitiv frohen Mutes und interagiert viel mit uns. Mal schauen, ob wir ihn nächstes Jahr oder vielleicht sogar schon im Herbst wieder begrüßen dürfen. Zumindest waren seine Besitzer bereits im Vorfeld hellauf begeistert von der Casa Lysanda
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