Spielemusik

Diskussion: Teil 1 - Teil 2

 

Im Folgenden findet sich eine Auswahl an Soundtracks von Spielen, die ich persönlich als mit die Besten meiner gesamten Sammlung ansehe und damit für äußerst empfehlenswert halte. Alle sind logischerweise auch außerhalb und grundsätzlich ohne Kenntnis des Spiels hörbar. Neben einem Kommentar zum gesamten Soundtrack, habe ich auch immer noch das meiner Meinung nach beste Lied aufgelistet und ein wenig versucht zu Begründen, warum ich es besser finde als all die anderen auf der jeweiligen CD. Die Sortierung der Liste ist alphabetisch.

Advent Rising

Von: Tommy Tallarico
Umfang: 00:57:21 (27 Lieder)
Kommentar: Der Soundtrack ist eine Mischung aus klassischer Orchestermusik, etwas Pop (in Form der Ballade „Greater Lights“) und elektronischer Musik und lässt sich in zwei Hälften teilen. Während die erste Hälfte von sphärischen Chor- und Gesangseinlagen dominiert wird, fällt die zweite Hälfte elektronischer und wesentlich actiongeladener aus. Trotz dieser groben Unterteilung ist das gesamte Album ein dramatisches und actiongeladenes auf und ab. Sanfte und langsame Stücke wechseln sich mit schnellen und intensiven Momenten ab. Ein gutes Beispiel sind dafür die Lieder 05 bis 11. Darin wird der Hörer zuerst verzaubert vom wunderschönen Gesang in „Greater Lights“, dann wird dieses Erlebnis durch das sehr langsame „Glorious Human“ noch einmal intensiviert bevor mit „Stolen Transport“ die Angelegenheit massiv an Fahrt gewinnt und in den nächsten Liedern die Post abgeht. Insgesamt ist so der Soundtrack ein emotionales Erlebnis, dass dem Anschauen eines guten Films gleicht.
Bestes Lied: Nr. 07 – Stolen Transport (02:15)
Begründung: Auch wer das Spiel nicht gespielt hat, erkennt hier sofort als grundlegendes Motiv einen fahrenden Zug. Dies bringt eine gewisse Dramatik in das Lied und treibt es bis zum Finale stetig voran. Unterstützt durch zwei massive Choreinlagen bringt das Stück das eigene Blut in Wallung und stimmt einen perfekt auf den nächsten, härteren Abschnitt des Soundtracks ein.

Clive Barker's Jericho

Von: Cris Velasco
Umfang: 00:30:00 (13 Lieder)
Kommentar: Andere Komponisten hätten einem Spiel wie Clive Barker’s Jericho vermutlich einen Techno-Soundtrack verpasst. Cris Velasco (God of War) nimmt sich hingegen die grundlegende religiöse Thematik und erzeugt mit Orchestereinsatz und Kirchengesängen ein äußerst unheimliches Erlebnis. Alle Titel sind sehr düster und haben einen äußerst unfreundlichen Unterton, der einem regelrecht die Haare zu Berge stehen lässt. Besonders wenn eine sanfte Kinderstimme ab und zu Kyrie eleison mehr oder weniger im Hintergrund vorträgt, läuft einem regelrecht der kalte Schauer den Rücken herunter.

Besonders hervorzuheben ist noch, dass die Soundtrack-CD als ein durchgehendes Stück angelegt ist. Die Übergänge zwischen den Titeln sind fließend und eigentlich nur durch das kurze Stocken durch den Trackwechsel wirklich hörbar.
Bestes Lied: Nr. 12 – Final Confrontation (03:36)
Begründung: Wie der Name schon andeutet, ertönen Teile dieses Stück im allerletzten Level des Spiels. Dementsprechend dramatisch ist auch der Aufbau. Schon von Beginn an geben die zweiten Geigen im Hintergrund ein hohes Tempo vor und leiten so stetig zum eigentlichen Höhepunkt hin, während die ersten Geigen stetig das grundlegende Motiv des Soundtracks wiederholen. Der Höhepunkt selbst wird zuerst nur sanft mit einem kindlichen Kyrie eleison angestimmt und gipfelt dann in einem alles übertönenden und immer lauter werdenden Chorgesang der abrupt sein Ende findet. Mit „Final Confrontation“ erreicht, wie das Spiel, auch der Soundtrack somit seinen spannungsgeladenen Höhepunkt, der einem keine Zeit zum Durchatmen lässt.

Dark Messiah of Might & Magic

Von: Sascha Dikiciyan
Umfang: 00:20.49 (11 Lieder)
Kommentar: Obwohl das Album in 11 Lieder unterteilt ist, ist es eigentlich ein zusammenhängendes Stück. Durchweg sehr düster, macht der Komponist viel Gebrauch von schweren Instrumenten wie Trommeln und Bläsern im Vordergrund und vermischt diese ab und zu mit leichten Chorsgesängen und Geigen im Hintergrund. Das alles fühlt sich von Anfang bis Ende sehr rund an und lässt einen nach 21 Minuten zufrieden im Sessel zurück.
Bestes Lied: Nr. 02 - Crawling From The Deep (02:37)
Begründung: Ein schnelles und sehr dramatisch Stück, dass den Hörer aus dem Traumzustand zurückholt, in den ihn „The Gates Of Stonehelm“ versetzte und so sicherstellt, dass er von nun an der Musik seine ganze Aufmerksamkeit widmet.

Die Siedler II - Veni, Vidi, Vici

Von: Haiko Ruttmann
Umfang: 00:26:26 (14 Lieder)
Kommentar: Passend zum Knuddelfaktor des Spiels, ist der Genuss des Soundtracks eine Befreiung für die Seele. Zwar sind einige Tracks durchaus etwas dunkler angehaucht aber der größte Teil des Albums sprüht nur so vor Glückseligkeit. Es ist Musik, die den Hörer unbewusst aufbaut und ihn irgendwie besser fühlen lässt.
Bestes Lied: Nr. 08 – Name Unbekannt (01:45)
Begründung: Ein äußerst fröhliches und freundliches Lied. Besonders durch sein grundlegendes und sehr einfaches Motiv, erzeugt es beim Hörer sehr gut die Vorstellung eines gut gelaunten und fleißig vor sich hinarbeitenden Siedlers.

Gothic 3

Von: Kai Rosenkranz
Umfang: 00:50:03 (24 Lieder)
Kommentar: Piranha Bytes mögen Einiges bei der Entwicklung von Gothic 3 falsch gemacht haben aber der Soundtrack gehört definitiv nicht dazu. Kai Rosenkranz hat einen Soundtrack geschaffen, der klassischer nicht sein könnte, was aber nicht negativ zu verstehen ist, denn so muss sich eine mittelalterliche Rollenspielwelt einfach anhören. Viel symphonische Orchestermusik und ein leichter Einsatz von Gesang ergeben hier eine Mischung, die von vorne bis hinten einfach hervorragend klingt. Dabei fehlt es ihm, dank erhabener und vor Fröhlichkeit triefender Lieder wie „Trelis Liberate“, langsamen, eher düsteren Stücken wie „Xardas Tower Surrounding“ oder harten, adrenalinfördernden Liedern wie „Orc Camp“, auch nicht an Abwechslung. Insgesamt mag das Album nichts musikalisch Neues bieten, aber die alten Werte sind hier in einer Perfektion und Epik vorhanden, die nur wenige andere Spielesoundtracks erreichen und selbst gefeierte Filmsoundtracks wie Howard Shores „The Lord Of The Rings“ weit übertreffen.
Bestes Lied: Nr. 04 – Vista Point (02:57)
Begründung: Dieses Stück ist äußerst sanft und ertönt normalerweise in Mittelland beim normalen Erkunden der Landschaft. Es erzählt mit seinem Motiv von einer friedlichen Welt und erschafft das Bild einer Blumenwiese auf der sich das Gras sanft im Wind bewegt. Durch seinen simplen Aufbau, lässt es den Hörer einschlummern und gibt ihm eine trügerische Sicherheit, die die folgenden Lieder des Soundtracks dann langsam aber sicher wieder zerstören.

Grim Fandango

Von: Peter McConnell
Umfang: 00:43:26 (32 Lieder)
Kommentar: Für jeden, der auch nur ein wenig etwas für Jazz und Blues übrig hat, findet in den 32 Liedern ein wahres Hörerlebnis. Kontrabass, Saxophon und Posaune dominieren das Bild und schaffen ein Hörerlebnis, dass, wie das Spiel selbst, einem Film Noir gleicht. Aber auch orientalische („The Enlightened Florist“) und mexikanische Elemente (Bone Wagon) finden sich auf dem Album und bringen so etwas Abwechslung hinein. Allerdings ist es insgesamt eher traurig und dient nicht gerade dazu Depressionen zu überwinden.
Bestes Lied: Nr. 05 - Hector Steps Out (00:55)
Begründung: Ein kurzes aber intensives Jazz-Erlebnis. Angetrieben durch ein schnelles Kontrabass-Motiv im Hintergrund, führen hier die Posaune und das Saxophone quasi ein kurzes, spannungsgeladenes Gespräch oder vielleicht sogar Duell.

Halo

Von: Martin O'Donnell & Michael Salvatori
Umfang: 01:07:10 (26 Lieder)
Kommentar: Das Album bietet eine etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus klassischen Elementen (inkl. Chorgesang) und elektronischer Musik. Die Komponisten verstehen es allerdings den Hörer sanft in diesen ungewohnten Stil einzuführen. So sind die ersten zwei Stücke „Opening Suite“ und „Truth And Reconciliation Suite“, die bereits das wohlbekannte Halo-Theme enthalten, sehr klassisch und erst ab „A Walk In The Woods“ fängt das Album richtig an massiven Gebrauch von elektronischen Klängen zu machen. Über die ganze Dauer des Soundtracks wird zusätzlich ein episches Gefühl vermittelt und jedes der Lieder fühlt sich vollkommen anders an als das vorherige.
Bestes Lied: Nr. 19 - On A Pale Horse (01:37)
Begründung: Durchgängig von Geigen dominiert, mit nur sehr wenig Elektronik und insgesamt sehr schnell ist es eine willkommene Abwechslung zum Rest des Soundtracks.

Jade Empire

Von: Jack Wall
Umfang: 01:16:06 (31 Lieder)
Kommentar: Thematisch bedingt ist das Album klanglich sehr Asiatisch, dass macht aber gerade viel von seinem Charme aus. Jack Wall (Myst IV – Revelation) lässt Flöten und Trommeln den Vorzug und mischt nur zaghaft eher westliche Elemente wie Geigen darunter. Die Anordnung der Lieder auf dem Album stellt dabei auch einen guten Mix aus schnellen und intensiven Stücken, langsamen Balladen und eher fröhlicheren Liedern dar. Wer sich auf das Erlebnis einlässt, wird innerhalb der 1 ¼ Stunde entführt auf eine sehr intensive Reise durch einen, für viele eher unbekannten, sehr interessanten Musikstil.
Bestes Lied: Nr. 30 – Torment, The Way Of The Closed Fist (02:49)
Begründung: Als Hintergrundmusik zum furiosen Finale des Spiels und auch des Soundtracks, lässt der Komponist hier alles was er hat auf einmal aus dem Sack. Das schnelle Stück nimmt viele, bereits aus den vorherigen Stücken bekannte, Elemente und Instrumente und vermischt sie in ein düsteres Klangerlebnis, dass sich am Ende nicht in Fröhlichkeit auflöst, sondern stattdessen noch viel unheimlicher wird.

Jets 'n' Guns

Von: Machinae Supremacy
Umfang: 00:59:02 (38 Lieder)
Kommentar: Das Album ist insgesamt eher hart und glänzt durch Gitarrensolos und viele elektronische Elemente. Dabei bilden beide Zusammen eine Mischung, die überraschender Weise sehr gut klingt und sich einfach richtig anfühlt. Aber Machinae Supremacy hat es auch verstanden, die unterschiedlichen Thematiken der Level des Spiels jeweils ihren eigenen Sound zu geben. „Little Green Men“ gleicht dabei eher einer Parodie von Full Metal Jacket während „Judgment Fray“ äußerst langsam ist und sehr weit klingt. In „Xoxx“ geht hingegen die Post ab mit einem fast einminütigen Gitarrensolo. Diese Mischung aus Rock/Metal mit Elektronik und die gebotene Abwechslung machen es zu einem gelungenen Hörerlebnis für alle, denen Megadeath zu hart und AC/DC zu schwach sind.
Bestes Lied: Death From Above (02:34)
Begründung: Bei diesem Lied wird besonders deutlich wie gut eine Mischung aus elektronischen Sounds und harten Schlagzeug/Gitarrenklängen klingen kann. Die Schnelligkeit des Stücks hilft zusätzlich den Inneren Drang nach einem Headbang zu wecken.

Lands of Lore – The Throne of Chaos

Von: Frank Klepacki
Umfang: 00:56:58 (85 Lieder)
Kommentar: Mittlerweile 15 Jahre alt, merkt man dem Werk seine MIDI-Vergangenheit natürlich klanglich stark an aber dennoch sind fast alle Stücke des Albums immer noch ein angenehmes Hörerlebnis. Ob es nun das Stakkato des Metronoms verknüpft mit einem schnellen Xylophonspiel in „White Tower Level II & III“ ist oder doch eher das fröhlichere „South Lands“ – alles ist angenehm einfach gehalten und dennoch atmosphärischer als so manch aktueller Soundtrack.
Bestes Lied: Nr. 60 – City Of Yvel (02:22)
Begründung: Eigentlich sind es zwei Lieder. Der erste Abschnitt ist äußerst traurig und erzeugt besonders durch den Einsatz von etwas, dass sich fast wie ein Klagen anhört, eine finstere und unheimliche Stimmung. Frank Klepacki (Dune 2) sagt dem Hörer ganz deutlich, dass Yvel kein angenehmes Plätzchen mehr ist.

Der zweite Abschnitt ertönt im Spiel hingegen im Haus des Schmieds in Yvel und ist etwas fröhlicher angehaucht, verlagert sich aber zum Ende hin zurück in das Wehklagen der Stadt um so den Kreis wieder zu schließen.

Outcast

Von: Lennie Moore
Umfang: 01:09:03 (17 Lieder)
Kommentar: Eingespielt vom Moskauer Symphonieorchester, konnte Lennie Moore (Dungeons & Dragons: Dragonshard) eigentlich nicht viel falsch machen und komponierte einen wirklich episch angelegten Soundtrack. Wenn in „Heaven on Adelpha“ der Gesang einsetzt, wirkt plötzlich alles irgendwie größer und weit. Und obwohl Lennie Moore den Chor eigentlich nur wenig benutzt, sind es Lieder wie das „Main Theme“ oder die „World of…“-Stücker, die dem Hörer gerade deshalb klar im Gedächtnis bleiben.

Auch erwähnenswert ist, dass sich der Soundtrack, genauso wie das Spiel, nicht ganz so ernst nimmt. „Ulukai Dance“, welches erst bei 1:30 anfängt (verstecktes Lied), ist zum Beispiel so unglaublich daneben, dass es schon wieder kultig ist.
Bestes Lied: Nr. 02 – Daokas (3:08)
Begründung: Das Lied ertönt im Spiel während den Ladezeiten und sprüht nur so vor Hektik. Das Zusammenspiel zwischen Geigen, Querflöten und Bläsern, die sich das  grundlegende Motiv übergeben, bringt Abwechslung in die dauernde Wiederholung. Am meisten lebt das Stück aber von der Schnelligkeit und damit verbundenen Dramatik.

Psychonauts

Von: Peter McConnell
Umfang: 00:43:11 (21 Lieder)
Kommentar: Wer sich auf das Werk des ehemaligen LucasArts-Hauskomponisten einlässt, wird auf eine vollkommen skurrile Reise mitgenommen. Während „Whispering Rock“ und „Stay Out Of The Moonlight“ dem Hörer zu Beginn noch eine eher traditionelle und sanfte Westernatmosphäre vortäuschen, erlebt dieser dann mit „Hagatha’s Home“ eine böse Überraschung und wird mit verzerrten Geigenklängen und böser Orgelmusik hineingezogen in ein ungewöhnliches Hörerlebnis. Ob es die Stücke nun unterschwellige an den Nerven zehren wie zum Beispiel die tickende Uhr in „The Milkman Conspiracy“ oder mit „Happy Flowers“ eher eine kindliche Fröhlichkeit versprühen - jedes Lied ist völlig anders als das vorherige. Diese Schrägheit gepaart mit einer immer vorhandenen, aber nicht immer offensichtlichen, Dramatik lässt den Hörer am Ende des Albums mit einem komischen Gefühl zurück, dass sich am besten mit „WTF?!“ ausdrücken lässt.
Bestes Lied: Nr. 01 – The Meat Circus (01:56)
Begründung: Dieses Lied ist ein erster Blick auf was man sich hier eingelassen hat. Im Spiel selbst ertönt es zwar erst in den letzten Levels aber seine absolute Schrägheit macht es perfekt als Einstieg in den Soundtrack. Es schafft eine gelungene Mischung aus unterschwelliger Dramatik und fröhlicher Zirkusmusik, die sehr gut die verdrehte Ernsthaftigkeit des Spiels widerspiegelt.

Quake II

Von: Sonic Mayhem
Umfang: 00:53:45 (18 Lieder)
Kommentar: Als Sascha Dikiciyan (Dark Messiah of Might & Magic), der Mann hinter dem Namen „Sonic Mayhem“, 1996 ein Audio Add-on für Quake veröffentlichte, hatte er sicher nicht damit gerechnet von id Software angestellt zu werden und den Soundtrack zu Quake II verfassen zu dürfen.

Dabei herausgekommen ist ein industrieller und durchweg harter Soundtrack. Ganz klar dominiert von einer leicht verzerrten E-Gitarre, ist es fast schade, dass im Spiel selbst durch die kräftigen Waffensounds nicht viel davon herüberkommt. Speziell schnelle Lieder wie „Counter Attack“ oder das passend benannte „Adrenaline Junkie“ treiben den Herzschlag in ungeahnte Höhen und bereiten perfekt auf das nächste Live-Konzert von Nine Inch Nails vor.
Bestes Lied: Nr. 01 – Operation Overlord (03:28)
Begründung: Eines der langsameren Lieder des ganzen Pakets, glänzt es vor allem durch das eingängige Gitarrenmotiv und setzt damit ganz klar den Ton für den Rest des Albums.

Silent Hunter 4: Wolves of the Pacific

Von: Rod Abernethy & Jason Graves
Umfang: 00:40:05 (12 Lieder)
Kommentar: Oberflächlich ist der Score zu Silent Hunter 4: Wolves of the Pacific ein klassisches Orchesterstück, welches nur dazu dient etwas Hintergrundgeplänkel zu liefern. Hört man aber genauer hin, dann haben es Rod Abernethy und Jason Graves doch geschafft eine Komposition zu kreieren, die selbst ohne das Spiel ihre volle Wirkung entfaltet. Der Score glänzt nicht nur mit einer technischen Sicherheit und einer soliden künstlerischen Leitung, sondern auch mit einer meist unterschwelligen Dramatik. Das gesamte Klangerlebnis ist weit, militärisch angehaucht und der Hörer fühlt sich sofort an die See erinnert und sieht schon bei den ersten Takten vor seinem geistigen Auge ein Schiff aus einem Hafen auslaufen. Auch der Einsatz des Hauptthemas durch alle zwölf Stücke ist gelungen und unterschwellig genug um beim Hören zwar ein "Aha"-Erlebnis zu erzeugen aber dennoch nie wirklich aufdringlich oder störend zu sein.
Bestes Lied: Nr. 04 - The Coral Sea (03:31)
Begründung: Das Stück vermittelt dem Hörer die Vorstellung einer weiten See, auf der Einsam und Verlassen ein Boot entlangfährt – immer auf der Hut, vor dem was es am Horizont erwarten könnte. Während im Hintergrund immer das Hauptmotiv des Soundtracks ertönt, fühlt sich das Lied sehr erhaben und majestätisch an.

Spellforce 2 – Shadow Wars

Von: Dynamedion
Umfang: 01:09:24 (24 Lieder)
Kommentar: Dynamedion (Silverfall) hat sich seit seiner Gründung 2001 durch die Komponistenlegenden Tilman Sillescu und Pierre Langer zu einer festen Anlaufstelle in Sachen Musik für deutsche Entwickler gemausert. Und der Soundtrack zu Spellforce 2 – Shadow Wars ist wohl das beste Beispiel, dass dieser Erfolg nicht unverdient ist.

Aufgebaut als ein eher klassischer Fantasy-Soundtrack wurde er von einem Live-Orchester eingespielt und enthält alles, was man sich von solch einem Werk erwartet. Vermischt mit viel Gesang treiben die Komponisten die Musik besonderes in dramatisch angelegten Stücken wie „The Realm“ die Geschichte um das Reich Eo voran. Diese eher langsamen aber dennoch spannungsgeladenen Werke sind auch das besondere Glanzlicht des Soundtracks. Stücke wie „The Mines of Underhall“ oder „Dragh Lur“ erzeugen eine unterschwellige Dringlichkeit, die den Hörer fast aus dem Stuhl springen lässt. Aber auch die sanften Seiten des Albums wie das majestätische „Hawkeyrie“ oder das sehr traurige „Sevencastles“, welches gekonnt zurückhaltend mit dem Hauptmotiv des Soundtracks spielt, fesseln und runden das Hörerlebnis perfekt ab.
Bestes Lied: Nr. 01 – Shadowsong (03:21)
Begründung: Ein langsames Stück mit einer Sängerin, die eine sehr angenehme Stimme hat. Es bietet keine wirklichen Überraschungen oder ähnliches ist aber eine äußerst schöne Einführung in die Klangwelt von Spellforce 2 – Shadow Wars.

The Operative: No One Lives Forever

Von: Guy Whitmore
Umfang: 00:35:10 (12 Lieder)
Kommentar: Das Spiel ist eine wundervolle Parodie auf das James Bond-Franchise gemixt mit einer heftigen Prise 60iger-Jahre. Der Soundtrack spiegelt das auch sehr gut wieder. Schon „Goodman’s Suprise“ weckt durch seine Lockerheit ungewohnte Zuckungen in den Beinen des Hörers. Diese Fröhlichkeit, die wohl typisch für diese Musikrichtung ist, bleibt auch über das gesamte Album bestehen. Nur das langsame und wundervoll gesungene „The Operative“ ist hier, neben „Elevator Of Love“, eine Ausnahme. Die Stimme der Sängerin lullt einen aber so gekonnt ein, dass sich der Hörer vorkommt, als säße er in einem dieser typischen Filmlokale, durch das sie singend spaziert und die Zuhörer mit ihrem gesamten Auftreten verzaubert. Aber statt auf die gute Figur der Dame zu achten, lauscht man eben dem Text.

Der Soundtrack, welcher der GotY-Edition des Spiels beiliegt, enthält übrigens nur neun Lieder. Die restlichen drei sind Bonus Tracks aus der Feder von Becky Kneubuhl (TimeShift) und stammen aus einer erweiterten Edition. Da diese nicht direkt aus dem Spiel stammen und mehr in die Kategorie „Inspiriert von“ fallen, passen sie nicht ganz zum restlichen Klangbild.
Bestes Lied: Nr. 06 – Elevator Of Love (02:57)
Begründung: Wie der Name schon sagt handelt es sich hier um Fahrstuhlmusik vom Feinsten. Leichte Gitarrenklänge und im späteren Verlauf etwas Posaune, unterstützen die äußerst sanfte und eingängig gesummte Melodie, die sich schnell in einen unangenehmen Ohrwurm verwandelt, den man einfach nicht mehr los bekommt, weshalb ich es „The Operative“ vorgezogen habe.

Universe at War

Von: Frank Klepacki
Umfang: 02:01:45 (37 Lieder)
Kommentar: Drei CDs wobei sich auf jeder CD eine anderer Musikstil befindet wären eigentlich schon Grund genug um das Album hier aufzulisten. Aber zum allem Überfluss ist der Soundtrack auch noch in voller Länge bei den Entwicklern des Spiels, Petroglyph Games, auf der Homepage kostenlos zum Download erhältlich. Somit gibt es eigentlich keinen Grund nicht in das neuste Meisterwerk von Frank Klepacki (The Legend of Kyrandia) hin einzuhören.

Passend zu den drei verschiedenen Rassen des Spiels, behandelt die erste CD die Hierachy und ist rockig hart, mit viel E-Gitarre. Selbst ein Lied wie „Prepare for Oblivion“, dass den Hörer zuerst Glauben lässt ein vollständig elektronisches Lied zu hören, kehrt schnell wieder zurück zu den rockigen Wurzeln, die mit „Damage King“ bereits zu Beginn der CD gelegt wurden. Auf CD 2, welche die Roboterrasse Novus thematisiert, dominieren hingegen futuristisch angehauchte, elektronische Klänge. Besonders die Stücke „Modern Design“ und „Electrode“ geben hier klar den Ton an. Den Ausklang des über zwei Stunden andauernden Werkes bilden dann auf CD 3 eher sphärische Klänge vermischt mit viel Chor, die ein gutes Bild der selbst ernannten Götterrasse namens Masari zeichnen. Besonders „Display of Power“ überzeugt durch seinen treibenden Charakter und die Dominanz der Gesangseinlagen. Eine Ausnahme bildet auf CD 3 allerdings das letzte Lied, welches während den Credits ertönt und ein äußerst gelungenes Medley des gesamten Soundtracks darstellt.

In seiner Gesamtheit betrachtet, stellt das Album jeden anderen Soundtrack nicht nur durch seine reine Länge in den Schatten. Auch die Qualität ist durchweg hoch, obwohl man von Frank Klepacki eigentlich nichts anderes erwartet, und durch die drei grundverschiedenen Thematiken sollte für jeden Hörer etwas dabei.
Bestes Lied: CD3 - Nr. 01 – Divine Intervention (03:26)
Begründung: Leicht harte Klänge und etwas Elektronik vermischt mit einem stimmigen Chor ergeben hier eine passende Einleitung in den dritten und letzten Abschnitt des Soundtracks. Bedingt durch die Thematik, hat das Ganze etwas Göttliches an sich und klingt äußerst erhaben und fast schon episch. Besonders der ruhige Abschnitt in der Mitte des Lieds, der vom Chor dominiert wird, ist ein sehr gelungenes Stück Komposition.

Vanguard – Saga of Heroes

Von: Todd Masten
Umfang: 00:41:02 (18 Lieder)
Kommentar: Obwohl angelegt als reiner Ambient-Soundtrack, ist Vanguard – Saga of Heroes auf keinen Fall als Langweilig zu bezeichnen. Zwar sind die meisten Stücker natürlich etwas langsamer aber Todd Masten (Star Wars: Jedi Knight II – Jedi Outcast) entführt den Hörer auf eine abwechslungsreiche Reise durch die drei Kontinente des Spiels, die auch außerhalb ein besonderer Hörgenuss ist.

Nach dem Einstieg mit „Vanguard Main Theme“ und dem langsamen „Character Customization“, startet die Reise auf dem, von Wäldern bedeckten, Kontinent von Thestra, geht über auf den südlichen Kontinent Qalia und findet dann ihren Abschluss auf den Inseln von Kojan. Während Kojan dabei geprägt ist von asiatischen Einflüssen, sind die Stücker über Qalia sehr orientalisch und die Werke zu Thestra sehr majestätisch angelegt. Der gesamte Soundtrack wird dabei geprägt durch den ständigen Einsatz von Geigen und sparsam aber passend eingesetzten Chor- und Gesangseinlagen.
Bestes Lied: Nr. 14 – Ahgram (01:57)
Begründung: Ein sehr orientalisch angehauchtes Lied, dass einfach gut klingt. Es hat kleinere, seichte Choreinlagen, die sich im Verlauf des Liedes weiter steigern. Es vermittelt sehr schön das Gefühl zum allerersten Mal in diese Stadt (Ahgram City ist im Spiel die Hauptstadt von Zentral Qualia) zu marschieren und vom Anblick überwältigt zu werden.[CH]

(Veröffentlicht am 10.04.2008)