Sicarius

Erlebnisse

Bestimmte Institutionen möchte man ja nicht gerne besuchen. Polizeipräsidien oder Finanzministerien fallen z.B. in diese Kategorie. Aber dennoch ist der Besuch solcher beamtenversuchten Betriebe immer ein Erlebnis. Heute hatte ich nun die Ehre erstmals das örtliche Zollamt zu besuchen.

Den Grund dafür lieferte meine Bestellung aus Amerika (siehe auch hier). Jede Ware über 22 Euro, sollte sie aus keinem EU-Land stammen, muss verzollt werden (sprich der Staat will Kohle sehn). Da mein Päckchen mit $40 über dieser Grenze lag, wurde es am Zoll in Frankfurt abgefangen. Die hams aufgemacht, festgestellt das keine Rechnung drin ist und sie somit nicht feststellen können wieviel die Ware wert ist und es an unser Zollamt geschickt. Wäre eine Rechnung enthalten gewesen, wäre die Ware weiter zu mir gegangen und ich hätte halt die Zollgebührn an Postboten abgedrückt, so musste ich ins Zollamt fahren.

Unser Zollamt ist eigentlich keine 300 Meter von meiner Arbeitsstätte entfernt, allerdings hab ich den Brief natürlich erst Zuhause (~10km entfernt) gesehen. Aber Mutter hat eh was vom Selgros gebraucht, also bin ich nicht ganz umsonst gefahren. Das Zollgebäude an sich ist son typischer alter Flachdachbau. Die Innereien sind da interessanter.

Im Haupteingang steht ein Schild „Abfertigung“ mit einem Pfeil geradeaus. Klingt etwas brutal dieses Wort aber ich wusste das ich da sicher am richtigsten bin also folgte ich dem Pfeil durch eine Tür und fand mich in der Mitte eines laaaaangen Ganges wieder. Auf der linken Seite knickte der Gang nach links ab und auf der rechten Seite war eine Glastür. Vor mir Fenster mit einer Nummer an der Seite. Also nicht nur ein Fenster sondern den ganzen Gang entlang und um die Ecke Fenster. Glaub 30 Stück waren es insgesamt. Da war schon der erste Moment der Unsicherheit: „WTF?! Wohin nu?“

Es saßen zwar zwei Kollegen in den Fenstern direkt gegenüber der Tür aber die telefonierten. Also nach links gewandt – Türen lässt man lieber erstmal unangetastet. Leider waren alle Fenster unbesetzt, erst um die Ecke fand ich einen Kollegen der gebannt auf seinen Bildschirm starrte. Ich bin natürlich nicht unhöflich und klopfe ans Fenster sondern warte einfach. Irgendwann bemerkte der junge Mann mich dann und öffnete das Fenster. Ich erklärte ihm mein Anliegen und er antwortete einfach nur ‚Durch die Glastür gleich rechts.‘. Aja. Kurz und die Fakten gleich auf den Tisch. Ich also zurück zur Glastür. Ich wusste ja nun das sie offen war und ich nicht gleich in Handschellen abgeführt werden würde, wenn ich durchginge.

Direkt hinter der Tür befand sich rechts ein Glaskasten (dazu später mehr) und links daneben eine offene Tür. Das Schild neben der Tür verriet mir das dort der Kollege sitzt mit dem ich telefoniert hatte, also war ich richtig. Ich also todesmutig hinein (natürlich mit anklopfen, auch wenn er mich sofort bemerkt hatte). „Was störst du meine Ruhe elender Wicht?“ schoß es mir, natürlich rein gedanklich, entgegen aber so kurz vor dem Ziel wollte ich nicht aufgeben. Ich sagte kurz und knapp das ich etwas abholen wollte und hielt ihm meinen Zettel entgegen der in der Post war. Er studierte ihn kurz und stellte dann fest „Ah, wir hatten gerade telefoniert nicht? Haben sie die Rechnungskopie dabei?“. Ich antwortete natürlich mit einem „Ja! (Sir! – gedanklich nur)“ und übergebe ihm den Ausdruck der E-Mail. Auch hier wirft er einen kurzen Blick drauf und verschwindet dann im Hinterzimmer. Durch den Türspalt kann ich erkennen das es sich um ein Lager handelt. Gut, endlich mein Päckchen. Ging ja doch schneller als ich dachte. HA! Jetzt ging es erst los!

Er kommt also mit dem Päckchen in der Hand zurück, legte es auf den Tisch vor mir und erklärt mir kurz den Sachverhalt. Danach öffnet er zur Kontrolle das Päckchen wieder und vergleicht den Inhalt mit der Rechnung. „Okay, sieht gut aus.“ meint er dann kurz und geht zurück an seinen Schreibtisch. Dort rechnet er kurz auf seiner altmodischen Rechenmaschine rum und meint dann „6,25 Euro aber ich muss Ihnen erst noch die Quittung ausstellen.“ Er holt also einen DinA4 Block hervor und fängt an zu schreiben. Das große Warten sollte nun beginnen.

Zwischenzeitlichen gesellten sich noch zwei Mädels hinzu. Da mein Kollege ja beschäftigt war, mussten sie etwas warten bis Ersatz in Form eines jüngeren Kollegen eintraf. Während ich also wartete erfuhr ich ganz nebenbei das die eine Dame sich von ihrem Freund bei eBay etwas ersteigern hat lassen (da das Päckchen nicht sehr groß war, gehe ich davon aus das es irgendwas Parfüm oder Makeup-mässiges war). Leider waren sie völlig unvorbereitet (HA! Diese Noobs!) und konnten keinen Beleg mit dem Warenwert vorlegen. Sie musste dann ihren Freund anrufen, von ihm seine eBay-Kennung erfahren und sich am örtlichen Internetrechner einloggen.

Zwischenzeitlich war mein Betreuer endlich fertig mit dem Ausfüllen des Blattes. Auf dem Weg dahin musste ich ihm zwar noch das heutige Datum nennen und ihm erklären das die zwei DVD-Hüllen keine Spiele sondern Filme über Spiele enthalten aber ich bin ja Hardcore-Gamer und kläre die Leute gerne auf. Er verlässt dann das Büro und ruft eine Kollegin (die ich vorher nicht bemerkt hatte) aus dem anderen Büro, übergibt ihr das große Blatt und sagt mir das ich mich an das Glasfenster neben seinem Büro stellen soll.

Ich stell mich also dort hin und sehe darin die Kollegin einen DinA5 Zettel ausfüllen. Weitere Details des Raumes waren ein Safe links neben dem Fenster (Kugelsicher wahrscheinlich), zwei Lautsprecheröffnungen unter dem Fenster und eine Hochsicherheitsschublade wie ihr sie sicher von der Bank kennt (allerdings mit zwei Stockwerken). Hier stand ich nun und wartete wieder. Irgendwann war die Kollegin dann auch fertig mit dem Ausfüllen und bat mich um das Geld. Sie legte den DinA5 und den DinA4 Wisch ins untere Fach und schob mir das obere Stockwerk entgegen. Nachdem ich meinen 10 Euro-Schein dort verstaut hatte, kam mir die untere Schublade entgegen und die obere Entschwand ins Innere. Dies sollte aber auch noch nicht das Ende gewesen sein denn:

Die wollten mich um einen Euro bescheißen. Ich habe sie natürlich freundlich darüber informiert das ich das nicht dulde und sie entschuldigt sich mit der üblichen Floskel „Ach is ja auch schon so lang der Tag, da kann das mal passieren.“, fordert den Wisch zurück und fängt an einen neuen Auszufüllen. Als dieses Vorhaben auch endlich erfolgreich abgeschlossen war und ich mein Wechselgeld zusammen mit den zwei Blättern erhalten hatte, fragte ich die Dame sicherheitshalber noch „Das war alles?“ und sie antwortet netterweise „Ja!“.

Und so war mein Ausflug ins Zollamt beendet und ich konnte endlich Red vs Blue Season IV mit nach Hause nehmen.

3 Kommentare

wow, was ein Tag…
Trotz der ausführlichen Schilderung
verstehe ich IMMERNOCH nicht, warum
die 6,25 ? von dir nicht beanstadtet wurden.
Wenn der Kerl nun für Spiele mehr Geld
verlangen muss, als für ne FilmDVD?
Also bitte…wenn man schon RvB net kennt->nochma hin fahrn und das klärn

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Die 6,25 Euro sind die Zollgebühren (setzen sich aus irgendwas und irgendeiner Steuer [1,09 Euro] zusammen). Die errechnen sich nur aus dem Warenwert, die Ware selbst ist für diese Rechnung egal.

Die zu bezahlen daran führte kein Weg vorbei.

Was ich lustiges vergessen hab: Er hat auch noch im aktuellen BPJM-Index geschaut ob die Filme nicht verboten sind :).

tsss
Hast du mal gefragt, ob man verbotene
Filme auch irgendwie auslösen kann?
Ich meine, so eine kleine Zuwendung
an einen zuverlässigen Zollbeamten…

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