Sicarius

Zwei Spiele – nicht mehr!

Schon wieder eine Woche rum und die Liste bei MobyGames ist immer noch nicht komplett abgearbeitet. Was mach ich nur den ganzen Tag? Spiele spielen natürlich, damit ich sie überhaupt hinzufügen kann:

Cobra CommandCobra Command – Diesen iPhone-Titel habe ich nur wegen Rondrer. Er war vor ein paar Tagen bei FreeAppADay zu haben und Rondrer hat mich drauf hingewiesen. Und wenn es schon kostenlos ist, dann muss ich es mir natürlich auch mal herunterladen und anschauen. Gekauft hätte ich mir den Titel, wie so oft, sonst nicht.

Das Spiel ist eine Umsetzung des Arcade-Automaten von 1984, womit wir schon beim größten Problem sind: es ist bockschwer. In den hinteren Reihen wird jetzt vermutlich wieder geflucht von wegen „Die heutige Jugend ist gar nichts mehr gewohnt!“, aber ihr wisst, dass mich eine Herausforderung immer mehr reizt als alles andere. Und doch gibt es nichts schlimmeres, als wenn man jede Sekunde des Spiels auswendig lernen muss, um endlich das Level zu schaffen. Zumindest geht das Auswendiglernen einfach, denn das Spiel ist ein interaktiver Film. Nein, Azzkickr – nicht wie Urban Runner, sondern eher wie Rebel Assault.

Während im Hintergrund ein Anime-Film der alten Schule abläuft (sprich viele Explosionen, stark verschwommes Bild und schlechte Animationen), ist im Vordergrund das Cockpit eures Helikopters drübergelegt. Ziel ist es nun zum Levelende zu gelangen, indem ihr alles abschießt was euch im Film entgegenfliegt. Wie bei solchen Titeln gewohnt, habt ihr natürlich nur ein paar Sekunden Zeit dafür. Eine Millisekunde gezögert und euch geht unweigerlich ein Leben verloren. Schlimmer noch: ihr müsst die unabbrechbare Explosion eures Helikopters anschauen – zum geschätzten 10.000mal. Da helfen selbst die drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade nichts, weil sie nur darüber entscheiden, wie viele Treffer die Gegner aushalten. Und das ist tatsächlich das Geringste eurer Probleme. Erst einmal zu checken, ab wann ein Gegner überhaupt verwundbar ist oder diese blöden „Weiche nach links, nach rechts und unten aus“-Sequenzen machen euch wesentlich mehr zu schaffen.

Vorteil der detailgetreuen Arcade-Umsetzung: Sie ist sehr kurz. Es gibt nur 10 Level und wenn ihr sie endlich mal auswendig kennt, seid ihr keine 30 Minuten beschäftigt. Wobei der Wiederspielwert bei null liegt. Wie gesagt: Ihr fliegt nur einen Film nach und der verändert sich nie.

Bagdadsoftware meint: Falls es tatsächlich Fans des Spiels gibt, werden diese sich über eine gute Umsetzung freuen, die definitiv besser ist als die SEGA CD-Fassung von 1992. Alle anderen vergessen gleich wieder, dass es das Spiel jemals gab und spielen lieber das Original Battlezone.

Ninja BladeNinja Blade – Ihr habt von diesem Spiel nie gehört? Wundert mich leider nicht, auch wenn es vom nicht unbedingt unbekannten Studio From Software (Armored Core-Serie, Lost Kingdoms) gemacht wurde. Der Titel erschien 2009 nur für Xbox 360 und ging schon damals mächtig unter. Vom Release der PC-Version vor einigen Wochen hat man sogar überhaupt nichts mitbekommen. Schlechtes Marketing würde ich sagen. Aber dafür habt ihr ja Bagdadsoftware – wir berichten euch von den nicht beachteten Perlen dort draußen und dazu gehört Ninja Blade definitiv. Als die Ankündigung der PC-Version war, habe ich mich tatsächlich gefreut – was bei mir heutzutage leider nicht mehr ganz so oft vorkommt. Aber nun zum Spiel:

In kurz: Ninja Blade ist Devil May Cry mit Ninjas und einem etwas mehr Down-to-Earth-Helden. Während Dante Eiswürfel pinkelt, macht Ken einfach nur stylish seine Arbeit – in diesem Falle Tokyo vom „Alphawurm“ befreien, einem sich schnell vermehrenden Parasiten der die Infizierten in Mutanten umwandelt. Wer schreit da Resident Evil? Wir reden hier nicht von langsam schlürfenden Zombies! Selbst die Zombies in Ninja Blade können fiese Sprungattacken und machen verdammt viel Schaden. Doch die spielen trotzdem nur eine Nebenrolle in den neun Missionen und sind für die Metzelei zwischendurch. Kern des Spiels sind die Level-5-Infizierten. Haushohe Spinnen, ewig lange Sandwürmer-Imitate, raumhohe Schnecken und vieles mehr. Und genau hier liegt der zentrale Unterschied zu Devil May Cry: Müsst ihr euch dort immer von Areal zu Areal kämpfen und habt es vornehmlich mit Standardgegnern zu tun, sind die Missionen in Ninja Blade ein durchgängiger Bosskampf.

Wie ihr euch das vorstellen müsst? Nun, es gibt da so eine Erfindung, die nennt sich Quick Time Event. Ninja Blade setzt zwar nicht ganz so extrem wie Heavy Rain darauf, kann sich aber wohl hinter Fahrenheit auf dem dritten Platz der Spiele mit den meisten Tastendrückereien einreihen. Aber wie bei Heavy Rain, sind die QTE so gut in das Spiel integriert, dass sie nicht stören. Die Trennung zwischen QTE und normalen Geschnetzel läuft entsprechend fließend ab. Ähnlich Spidermans „Spider Sense“ seht ihr kurz eine Nahaufnahme von Ken und wisst sofort: ah, jetzt geht ein QTE los. Deren Schwierigkeitsgrad ist unabhängig vom normalen Spiel einstellbar und sogar in der PC-Version werden ganz groß und in der Mitte des Bildschirms die nötigen Tasten angezeigt. Und geht doch mal etwas schief, müsst ihr nicht neu laden oder so nerviger Kram. Nein, Prince of Persia-ähnlich wird die Zeit einfach zurückgespult und ihr versucht es gleich noch einmal. So stressfrei müssen QTE sein, um zu funktionieren.

Interaktiver Film

Lohn aller Mühen ist ein voller Action gepacktes und äußerst rasantes Spielerlebnis, bei dem man sich keine Sekunde langweilt. Am Anfang des Levels wird der Hauptinfizierte vorgestellt und er verfolgt euch bis ans Ende durch Geschicklichkeits-Einlagen, Standardgegner, nicht minder beeindruckende Zwischengegner und natürlich dem finalen Bosskampf. Immer mit dabei: drei verschiedene Arten von Schwertern (langsam, schnell und mittel) und ein großer Wurfstern (kann Feuer auspusten, explodieren und andere lustige Sachen), die sich alle im Laufe des Spiels in mehreren Stufen verbessern lassen und so neue Kombos freischalten. Auch Kens Aussehen darf verändert werden. Und lasst euch nicht täuschen: es mag nur neun Missionen geben, aber eure zehn Stunden seid ihr trotzdem beschäftigt – beim ersten Mal sowieso. Aber, wir wollen natürlich auch nicht die Schwächen verheimlichen. Es hat schließlich durchaus einen Grund, warum es nur wenige kennen und es derzeit nur eine Metacritic-Wertung von 66 (Xbox 360) bzw. 61 (PC) hat.

Größter Kritikpunkt ist die Grafik, die an Devil May Cry 4 nicht einmal ansatzweise herankommt. Die Bossmonster sehen zwar cool aus, aber der Rest ist höchstens noch annehmbar. Bitmapfeuer, detaillose Texturen, abwechslungsarme Umgebungen dominieren das Bild. Die geschmeidigen Animationen können da nur wenig retten. Auch die Steuerung mit der Tastatur, wenn auch nicht katastrophal, ist dem Gamepad klar unterlegen. Zumindest der Xbox-360-Controller wird aber unterstützt und wie erwähnt, zeigt das Spiel in fast allen Situationen beide Tastenbelegungen vorbildlich auf dem Bildschirm an. Und dann wäre da natürlich auch noch die Story, die so vollkommen belanglos und uninteressant ist, dass man sie beim fröhlichen Geschnetzel gar nicht weiter beachtet. Ja, es geht natürlich darum, dass die Parasiten die Stadt belagern und nur Ken verhindern kann, dass die USA die Stadt mit der Atombombe plättet. Und dann hat auch noch Kens Vater ihn verraten und so – aber die ganze Sache bleibt das ganze Spiel hindurch flacher als flach und dient nur als Verschnaufspause zwischen den Levelabschnitten. Zumindest sind die einzelnen Levels sehr abwechslungsreich inszeniert. Rasen wir in Mission 3 noch über eine Autobahn, geht es in Mission 4 in ein infiziertes (fliegendes) Flugzeug.

Bagdadsoftware meint: Gebt dem Spiel unbedingt eine Chance! Wenn ihr auch nur ein bisschen was für hirnlose Prügler übrig habt, investiert die nicht einmal 25 bzw. 35 Euro (lt. OkaySoft – gibt es sicherlich auch noch billiger). Ihr werdet sehr gut unterhalten werden, das verspreche ich euch!

Das waren natürlich nicht die einzigen Titel, die ich endlich mal gezockt habe, aber ich brauche ja auch noch etwas für kommende Einträge :wink: . Am Donnerstag begrüßt euch an dieser Stelle jedoch Azzkickr. Er wird euch voraussichtlich über Die Siedler 7, Call of Duty: Modern Warfare 2 und seiner ATi Radeon 5670 berichten – oder wie toll das Zähneputzen in Heavy Rain ist. Lasst euch also überraschen.

Am Montag erwartet euch dann, wenn alles glatt läuft, Folge Nr. 21 des Bagdadsoftware Podcast – mit zwei brandneuen Gästen. Bleibt gespannt!

4 Kommentare

Ich mag Devil May Cry. Ich habe den ersten Teil damals auf der PS2 hoch und runter gespielt. Da ich ja jetzt n GamePad für meinen Rechner habe, werde ich mir das Spiel wohl mal anschauen.

hmm ninjaaaa = )
Naja ich konnte mit DMC bisland nicht soviel anfangen….

Dann bin ich mal gespannt, was Azz dann am Donnerstag zaubert. Ich persönlich hoffe ja auf einem richtig richtig richtig langen Eintrag zu Heavy Rain.

Ninja Blade ist bei MobyGames übrigens nun online und im Eintrag verlinkt – für alle, die mehr Wissen oder Screenshots sehen wollen.

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