Sicarius

Ein schwarzer Tafelberg im braunen Ödland

Black Mesa (Herstellerbild)

Lang, lang ists her da wurde die erste voll spielbare Version von Black Mesa veröffentlicht. Okay, „voll spielbar“ stimmte nicht ganz. 2012 fehlten noch Gordon’s Abenteuer in Xen. Es sollte noch acht weitere Jahre dauern, bevor mit dem Release 1.0 am 6. März 2020 tatsächlich die Geschichte von Half-Life vollständig nacherzählt sein würde – und selbst damit war noch nicht das Ende der Entwicklung des ehemaligen Mods erreicht, der zwar anno 2005 nicht aus der Frustration über die Sauerei namens Half-Life: Source entstanden ist, aber dadurch massiv an Fahrt aufnahm. Erst seit dem Release von Black Mesa: Definitive Edition am 25. November 2020 ist die Entwicklung abseits von etwas Bugfixing offiziell abgeschlossen. Mit diesem letzten großen Versionshub wurde speziell der Teil vor Xen noch einmal vollständig überarbeitet und speziell grafisch auf die gleiche Qualitätsstufe gehoben. Schließlich sind acht Jahre eine lange Zeit in der auch die Entwickler beim Crowbar Collective noch einiges dazugelernt haben.

Ich hatte 2012 tatsächlich direkt zum Release zugeschlagen und es auch gleich durchgespielt – mit einem sehr positiven Gesamteindruck. Seitdem hatte ich das Werk nicht mehr angefasst und wartete wie viele auf Xen. Das kam dann zwar wie erwähnt im März aber da quasi gleichzeitig die Definitive Edition angekündigt wurde, war ich weiter geduldig. Da mir FarCry 2 allerdings grad ein wenig auf den Keks geht (dazu weiter unten mehr), habe ich mir letzte Woche gedacht: Du brauchst mal einen anständigen Shooter und habe Black Mesa rausgeholt (zum Verfassungszeitpunkt irgendwo mitten in Xen). Und ja, es ist spürbar anderes als das, was ich 2012 gespielt habe. Ein gutes Beispiel ist der Screenshot oben rechts. Er zeigt die exakt gleiche Szene wie in meinem Eintrag von 2012 und die Unterschiede sind deutlich sichtbar. Doch nicht nur in Sachen Grafik und kleineren spielerischen Details hat sich etwas getan. Es wurden sogar teilweise komplette Levelabschnitte überarbeitet in der Zeit. Sehr cool. Allerdings scheine auch ich mich verändert zu haben. Ich hatte nämlich irgendwie nicht so richtig Spaß mit dem Spiel und habe es bislang mehr durchgeprügelt, weil ich es halt endlich mal tun wollte.

Fantastisches Remake!

An Black Mesa selbst liegt es vermutlich nicht. Auf dem Papier ist es ein super Titel. Wie ich 2012 schon angemerkt hatte, merkt man an der doch etwas eckigen Levelarchitektur (am stärksten in „On A Rail“ sichtbar) zwar, dass unter der Haube eine mittlerweile fast zwanzig Jahre alte Engine ihren Dienst tut. Aber optisch sieht der Titel trotzdem zum Anbeißen aus und kann selbst 2021 noch mithalten. Speziell das farbenfrohe Xen ist eine echte Augenweide. Soundtechnisch gibt es ebenfalls (fast) nichts zu meckern. Es hört sich an wie Half-Life, wurde aber an allen Ecken und Enden sinnvoll erweitert und überarbeitet. Mehr Dialoge, mehr Sounds, mehr Musik – Perfekt. Besagte Musik wird nur irgendwie viel zu laut abgespielt.

Black Mesa (Herstellerbild)

Spielerisch hingegen fühlt man sich trotz aller optischen wie inhaltlichen Änderungen sofort zu Hause. Es ist das Half-Life, dass man heutzutage im Kopf meint gespielt zu haben und nicht das, was 1998 tatsächlich auf den Markt kam. Levels wurden mit vielen netten Details erweitert, verändert oder sogar von Grund auf neu gebaut wo es Sinn machte ohne aber den Wiedererkennungswert zu verlieren. Als Veteran wusste ich zu jeder Zeit „ah, wir sind hier und hier“ und gleichzeitig ist der Spielfluss wesentlich besser. Im Original war Gordon beispielsweise definitiv häufiger in engen Lüftungsschächten unterwegs als hier. Auch so einige „schiebe Kisten durch die Gegend“-Passagen wurden gestrichen/verändert zugunsten einem realistischeren Design, besserem Spielfluss und/oder mehr Action. Speziell „Surface Tension“ und „Forget About Freeman!“ mit den zahlreichen Kämpfen zwischen den Soldaten und den Aliens spielen in einer ganz anderen Liga als noch das Original mit seinen zwei Polygonen pro Bildschirm.

Dabei kommt der Action zu Gute, dass die KI ein massives Upgrade erfahren hatte. Allerdings leider irgendwie nicht durchgängig. Schon vor neun Jahren hatte ich angemerkt, dass diese hier und da Aussetzer hat. Das hat sich in der Zeit nicht geändert. Gefühlt sind es sogar noch mehr Situationen geworden in denen speziell die Feinde nicht so recht wissen, wie sie mich töten sollen und dumm in der Gegen rumstehen. Gleichzeitig sind einige Szenen (z.B. der finale Lobby-Kampf in „Questionable Ethics“) selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad bockschwer. Die Soldaten treffen gut, teilen hart aus und machen tolle Sachen wie flankieren, zurückziehen und sogar sich heilen (wenn ein Medic im Team ist). Trotzdem sind die Level mit ihnen wie im Original die klaren Highlights des Spiels. Die Bugdichte hat hingegen seit 2012 merklich abgenommen, ist aber leider selbst in der Definitive Edition immer noch bemerkbar mit kollisionsfreien Objekten oder Scripts, die nicht richtig triggern. Ich hatte sogar beim Levelwechsel in „Residue Processing“ einen reproduzierbaren Engine-Crash, der sich aber zum Glück durch eine Validierung der Spieldateien und einem Neustart des Levels beheben ließ.

Beim Christoph meint: Grundsätzlich stimme ich meinem damaligen Ich weiterhin zu: Black Mesa fühlt sich nicht wie ein uralter Titel an, sondern kann locker mit anderen Shooter mithalten ohne dabei das Gefühl Half-Life zu spielen auch nur ansatzweise zu verlieren. Aber vermutlich ist das genau der Grund, warum bei mir der Spielspaß auf der Strecke blieb. Ich kenne Half-Life mittlerweile in- und auswendig. Und trotz aller Verbesserungen reicht das solide „Moment-to-Moment“-Gameplay einfach nicht aus, um mich zu begeistern, wenn ich gleichzeitig irgendwie alles schon ein dutzend Mal gesehen und gemacht habe. So renne ich stattdessen einfach nur durch die Levels und spule gefühlt ein voreingestelltes Programm ab. Dafür kann Black Mesa logischerweise nichts. Ihr solltest es also unbedingt spielen, wenn ihr auch nur einen Funken Interesse an Half-Life habt und ich ziehe es ganz klar dem Original mittlerweile vor. Mein Durchgang war jedoch wie gesagt definitiv mehr eine Pflichtübung als ein wirklich tolles Spielerlebnis. Sehr schade.

Toto – Africa

Einer der wenigen optisch ansprechenden Momente.

Und FarCry 2? Nun, ich weiß definitiv, warum ich es 2008 relativ schnell wieder weggelegt habe (die beiden 4:3-Screenshots stammen von damals). Ich kann einfach nicht genug betonen wie braun und optisch eintönig dieses Spiel trotz Wettersystem und dynamischen Tageswechsel (mit zugebenermaßen teils echt cool aussehenden Sonnenständen) in Bewegung ist. Da kann die Feuersimulation vom Typ „Waldbrand“ noch so geil sein: Es ist nicht nur langweilig, sondern auch im Kampf gegen die zahlreichen Feinde ein spielerisches Problem. Die sind schließlich thematisch passend zum Setting ebenfalls mit einer dunkleren Hautfarbe gesegnet. Man sieht sie entsprechend nur sehr schlecht, gleichzeitig bemerken und treffen sie im Umkehrschluss euch selbst wenn ihr mitten im dichtesten Busch hockt. Ja, Schleichen ist in diesem Spiel absolut keine Option so gut wie deren Gehör ist.

Die Spielwelt hingegen ist zudem mit ihren 50km²-Fläche einfach nur ein buchstäbliches Ödland. Ja, FarCry 4 hat auch seine 46km². Die fühlen sich dort aber nicht annähernd so groß an, da ihr so viele Möglichkeiten des Reisens habt und es viel zu tun gibt. In FarCry 2 findet ihr hingegen nur wenige Autos auf den Straßen, die auch noch wenig aushalten. Schnell reisen? Nur an ein paar Bushaltestellen am Kartenrand. Und laufen geht ebenfalls nur eine sehr kurze Zeit bevor der Held anfängt in Ohnmacht zu fallen. Gleichzeitig führen euch viele Quests von einem Ende der Karte zum anderen. Dazwischen? Braune Leere nur unterbrochen von dem ein oder anderen Checkpoint mit seinen unendlich wiedererscheinenden Gegnern und 221 versteckten Koffern mit Diamanten (das Zahlungsmittel). Weiß nicht wann mir zuletzt in einem Spiel „gehen“ so extrem langsam vorkam.

Langweile Pur

Die Geschichte reißt es ebenfalls nicht raus. Ubisoft betonte damals die große Freiheit, die ihr in diesen 50km² habt. „Eure einzige Aufgabe: Den Schakal töten“. Ja, sehr viel mehr gibt es auch technisch gesehen nicht zu tun. Zwar stehen zwei Fraktionen bereit, die euch ein paar Aufgaben erteilen sowie Begleiter (inkl. Permadeath), die euch unterstützen (inkl. eigener Missionen). Aber so wirklich spaßige Sachen waren da bislang nicht dabei. Was auch daran liegt, dass das zentrale Spielprinzip, der Kampf mit der Waffe, mir keine Laune bereitet. Wie gesagt seht ihr die Gegner nicht, dafür sehen sie euch viel zu gut und brauchen zu lange zum Umfallen. Da sind Ideen wie verwundete Feinde, die sich wieder aufrappeln oder mit der Pistole am Boden liegend noch auf euch schießen eher nervig als cool. Eine Entscheidung für die eine oder andere Fraktion gibt es übrigens nicht. Das ist nur eine reine Illusion. In der Spielwelt greifen euch immer alle Parteien uneingeschränkt an und ihr müsst im Spielverlauf alle Aufgaben von beiden erfüllen, bevor ihr dem Schakal gegenübertreten dürft. Das verstärkt noch weiter die völlige Belanglosigkeit der Missionen. Das gilt auch für die Handvoll Nebenaufgaben, die selten über „fahr ans Ende der Karte und töte XY“ hinaus gehen. Immerhin ist die Malaria-Sache nicht ganz so schlimm, wie ich es in Erinnerung hatte. Ihr habt doch einiges an Spielzeit bevor ihr wieder Pillen holen müsst.

Hilfe, ich seh‘ nix. So dunkel und braun alles!

Beim Christoph meint: Die aus meiner Sicht schlechte Qualität von FarCry 2 lag nicht daran, dass „Open World“-Spiele damals noch in den Kinderschuhen steckten. 2007 brachte unter anderem Hochkaräter wie Crysis, Assassin’s Creed und The Witcher und 2008 kamen Grand Theft Auto IV sowie Fallout 3. FarCry 2 hatte also keinen Grund abseits von „totalem Realismus“ so zu sein, wie es ist. Und ja, die teils hohen Wertungen (85 auf Metacritic) kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Besonders genial finde ich dahingehend den Test der PC Games. Das Fazit von Robert Horn liest sich als wüsste er selbst, dass die Wertung viel zu hoch ist. Er redet ernsthaft die schlechten Seiten des Titels damit klein, dass ja auch Crysis oder Call of Duty 4: Modern Warfare nicht perfekt sind. Wad?!

Ich werde FarCry 2 selbstverständlich noch beenden. Aber nicht, weil es ein gutes Spiel ist. Sondern einfach nur, weil man Komplettisten-Herz es verlangt. Wenn ihr es 2008 verpasst habt, spart es euch. Es lohnt sich aus meiner Sicht absolut nicht. Holt euch lieber erneut FarCry oder FarCry 3 aus dem Schrank, wenn es unbedingt ein älterer Vertreter der Serie sein soll.

Epilog

Und damit beenden wir diesen doch irgendwie sehr negativen Spieleeintrag. Aber wenn ich so fühle, warum sollte ich euch anlügen? Hat doch keiner was davon (eventuelle Bestechungszahlungen bitte an das bekannte Konto). Schauen wir stattdessen nach vorne, denn nächste Woche steht der 20. Geburtstag von Beim Christoph an. Dazu erwartet euch am 9. März (Dienstag) ein zusätzlicher Eintrag in dem ich ein wenig auf die letzten 10 Jahre zurückblicke (Link geht logischerweise erst am Dienstag). Die ersten zwei Jahre habe ich schon fertig… fehlen nur noch die restlichen acht. Und nein, der Montagseintrag fällt dafür nicht aus. Ihr bekommt beides – ob ihr wollt oder nicht :wink: .

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