Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #55

Gerade alles schön grün da draußen.

Machen wir heute mal einen etwas gechillteren Eintrag. Was Einfaches, wo ich nicht viel denken muss. Aber auch kein sinnloses Geblubber. Wie wär’s denn mit einem Statusbericht über unseren Garten? Das letzte Mal ist schließlich schon einige Jahre her. Zugegeben: Es hat sich in dem Sinne auch nichts Großartiges verändert.

Die Alteingesessenen

Schmetterlingsflieder Vladimir geht es immer noch sehr gut, trotz oder gerade, weil wir ihm jedes Jahr ausgiebig den Kopf stutzen. Hildegard, die Himbeere, hat ebenfalls kein Problem damit, dass ich sie im Winter vollständig absäbele und ihre verteilten Kinder mit dem Rasenmäher einsammele. Sie kommt stur immer und immer wieder raus und beschert Lysanda mit kleinen Beeren. Ja, sie hat sie letztes Jahr nicht eingesammelt, weil zu viele Stechmücken unterwegs waren und sie selbst bei kurzen Gartenbesuchen durchlöcherten. Aber vielleicht klappt es ja heuer wieder :smile: .

Der Mandelbaum, Symbol für unsere Wurzeln oder so, hingegen wächst und wächst. Allerdings ein wenig schief. Möglicherweise braucht er also bald mal eine Stütze, damit er nicht abbricht. Vor allem jetzt, wo irgendwie doch mal die ein oder andere Katze darauf herumklettert. Schon interessant, dass es solange keinen gejuckt hat und kaum haben Miro und Ayla ihnen gezeigt, wie es geht, turnen jetzt selbst Jules und Pichu ab und zu drauf rum.

Unser großer Rosmarin sieht zwar am Stamm etwas mitgenommen aus – Jules schärft sich ab und an seine Krallen an ihm. Er hält sich aber wacker. Zusammen mit dem Salbei der älteste Gast in unserem Garten. Die haben wir beide vom Vorbesitzer übernommen. Zwar sah der Salbei zwischendurch mal aus, als wäre er uns weggestorben. Aber jetzt ist er wieder schön groß und üppig.

Selbst die mittlerweile wilden Erdbeeren sind noch da! Sie hatten ihren Plastikhängetopf schon länger hinter sich gelassen und waren von uns ins alte Beet ausgesetzt worden. Frei nach dem Motto: Leben oder sterben. Sie entschieden sich jedoch für eine dritte Möglichkeit und haben sich selbstständig an die Zaunecke unter die Katzenrohre umgesiedelt. Dort leben sie nun schon seit längerer Zeit einfach so vor sich hin und wir lassen sie in Ruhe.

Die Feinde des Balus

Die Umbaumaßnahmen haben begonnen

Es gibt aber auch jemanden, der unseren Garten verlassen musste: Die Minze(n). Ja, alle verschiedenen Varianten haben wir nach und nach verbannt. Der Grund war simpel: Balus Allergie. Sie wurde Jahr für Jahr schlimmer, obwohl Lysanda fleißig die Blüten abschnitt. Deshalb entschieden wir irgendwann, dass es jetzt genug damit ist. Das half Balu, aber seine sommerlichen Symptome waren nie vollständig weg. Den Grund haben wir möglicherweise endlich gefunden, selbst wenn es jetzt zu spät ist. Und zwar gehört der Salbei wie die Minzen ebenfalls zur Familie der Lippenblütler. Also vermutlich reagierte Balu noch auf ihn. Dieser Beobachtung widerspricht allerdings ein wenig der Rosmarin, ebenfalls ein Lippenblütler. Balu lag so oft darunter und schien (zumindest bis zuletzt) keine Probleme damit zu haben.

Zwischendurch hatten wir uns auch mal einen kleinen Pfirsich- und einen Minimandelbaum angeschafft. Die Hoffnung war, dass sie den großen Mandelbaum bestäuben und wir so endlich mal eine Ernte bekommen würden. Leider entschieden sich die beiden Bäumchen erst dazu in einem anderen Takt zu blühen als der Mandelbaum und starben am Ende einfach weg. Vermutlich mangels Pflege und/oder Platz im Pflanztopf.

Heimlich, still und leise hat sich hingegen der Waldmeister im Garten gehalten. Trotz wenig Erde im Pflanzstein und keinerlei Beachtung unsererseits, hat ein kleines Pflänzchen die ganze Zeit überlebt – allerdings nicht  dort, wo wir ihn ursprünglich eingepflanzt hatten. Er ist stattdessen sieben Pötte weitergewandert. Zur Belohnung haben wir ihn jetzt dort richtig eingepflanzt. Mal schauen, ob er jetzt wieder aufblühen wird.

Die Kriterien

Seit dem Wegfall der Minzen waren die 23 Pflanzsteine in unserem Garten also so gut wie leer. Nur der Salbei verblieb an seinem angestammten Platz und der Waldmeister versteckte sich in einem. Ach und urplötzlich schossen letztes Jahr drei Pinne aus dem Boden. Keine Ahnung, ob ein paar Vögel an der Stelle ihr Geschäft hinterlassen hatten oder wie das passiert ist. Laut meiner Pflanzenerkennungsapp (Flora Incognita), soll es sich um Pflaumenbäume handeln. Wenn das stimmt, können die da definitiv nicht auf Dauer bleiben. Aber aktuell lasse ich sie noch fleißig wachsen und schau mal, was passiert.

Sieht schon schicker aus.

Ansonsten blieb es aber vergleichsweise trist auf den 48m². Doch das hat sich nun geändert! Und Schuld daran hat Maya. Nein, sie verhinderte zu Lebzeiten nicht, dass wir uns Pflanzen kaufen. Aber als ich am 1. Mai ihr Grab schaufelte (gesetzeskonform nach §27 Absatz 3 TierNebV, versteht sich) und Lysanda mir dabei zusah, keimte in ihr scheinbar der Wunsch die Lücken endlich mal zu füllen. Also haben wir das gemacht – zumindest nach Abschluss ihrer ausgiebigen Recherche mit Unterstützung von Google Gemini. Wir stellen schließlich nicht nur Ansprüche an unsere Katzen, sondern auch an unsere Pflanzen. Und zwar mussten sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Nicht giftig für Katzen
  • Winterhart/Mehrjährig
  • Halbschatten mögen
  • Mit wenig Wasser klarkommen (wir sind nicht die fleißigsten Gießer)
  • Nicht zu hoch wachsen
  • Insektenfreundlich
  • Schneckenresistent

Außerdem haben wir noch was für zwei extreme Stellen in unserem Garten gesucht: Die zwei Pflanzsteine neben dem “Berg der Schande”, wie wir die Stelle liebevoll nennen. Obwohl wir unseren Maunzern nämlich sowohl ein Katzenklo als auch einen Traktorreifen und eine weitere definierte Stelle im Garten zur Verfügung stellen, hat vor allem Pichu sich dazu entschieden, dass ihm das alles zu doof ist und er lieber trockenen Fußes auf dem Streifen unter dem Terrassendach sein Geschäft verrichtet. Dass es ihm die anderen nachtun, ist logisch. Und die obersten Pflanzsteine grenzen an diese Stelle. Entsprechend musste derjenige, der da einzieht, definitiv äußerst robust sein.

Und besagter Streifen Gras unter der Terrassenabdeckung hat außerdem mit dem Problem zu kämpfen, dass dort auf natürliche Art und Weise kein Wasser hinkommt. Viel Gras wächst da also selbst ohne Katzeneinfluss nicht. Ja, da reduziert sich die Pflanzenauswahl ziemlich stark. Aber wenn in der Wüste welche überleben, dann wird es doch wohl auch was Hartnäckiges für unseren Garten geben!

Schöne bunte Pflanzen

Selbstverständlich alles anständig dokumentiert!

Als der Einkaufszettel stand, sind wir vorbildlich zu unserer lokalen Gärtnerei gedackelt. Was wir dabei nicht bedacht hatten: Jetzt gibt es dort die Sommerlinge zu kaufen und wir hatten scheinbar hauptsächlich Frühjahrs- und Herbstpflanzen ausgesucht. Am Ende (und mit etwas Vor-Ort-Beratung) haben wir aber dann für 62€ doch folgendes eingepackt, was unsere Kriterien zumindest in der Theorie erfüllt:

  • 2x Reiherschnabel in weiß und pink, weil es sie in keiner anderen Farbe gibt.
  • 2x Hauswurz, als besonders hartnäckiges Gewächs in den trockengelegenen Pflanzsteinen. Ich nenne sie Hans Wurst.
  • Gestielte Teppichlobelie, deren Blüten scheinbar gut bei Schnecken ankommen, wie wir leider schon feststellen mussten… Ganz unbedenklich ist sie aber wohl nicht für Katzen. Sie war ein Spontankauf.
  • 2x Teppichphlox in den Farben lila und pink.
  • 6x Purpurglöckchen für die volle Farbabwechslung in lila, etwas helleren lila, gelb und rot.
  • Ein runder Kopf Moos, für den Pflanzstein mit dem wenigsten Sonnenstunden. Wir haben zwar schon so viel Moos im Garten, aber hier breitet es sich hoffentlich optisch schöner aus.
  • Dalmatiner Glockenblume, weil wir schon einmal eine hatten – die uns kläglich weggestorben ist, weil wir den Fehler gemacht haben sie an die Haustür zu stellen. Aus den Augen, aus dem Sinn und so…

Damit waren dann schonmal 16 von 23 Pflanzsteinen gefüllt. Als wir das nächste Mal beim Dehner vorbeigekommen sind, ließen wir dort nochmal 63€ für folgende Sachen:

  • 2x Storchschnabel in der Variante Rozanne und Philippe Vapelle – Nein, ich weiß nicht warum die so komische Personennamen haben.

Und für den erwähnten, furztrockenen “Todesstreifen” landeten diese zwei im Wagen:

Zu guter Letzt haben wir noch ein im Preis reduziertes Windrad zur Vogelabschreckung mitgenommen. Es steckt nun im Traktorreifen, weil es sich da am einfachsten reinstecken ließ.

Die Masse machts

Okay, das sieht grad vielleicht ein wenig wüst aus…

Zwei kleine Thymian-Pflanzen sind freilich nicht genug für einen ca. 6m langen Streifen. Da wir im Laden aber nicht mehr gefunden haben, ging noch eine Onlinebestellung für Sandthymian*-Samen raus. Und weil wir eh schon bestellten: Ausdauerndes Gänseblümchen*-Samen sowie 500g Mikroklee*. Mit denen wollen wir versuchen unseren Garten und unsere Einfahrt wieder etwas dichter zu besiedeln. Haben so Lücken im Gras beispielsweise wegen Ameisen oder eben jetzt, weil ich wegen zwei Katzenbeerdigungen größere Löcher graben musste.

Die Samentütchen fanden wir übrigens ziemlich klein. Keine Ahnung, ob da wirklich 1000-2000 Samen drin waren (wie wird sowas überhaupt gezählt?). Die Gänseblümchen haben wir dann mit dem Mikroklee und etwas Sand vermischt (damit man was in der Hand hat zum auswerfen). Gleiches mit dem Sandthymian, für den ich vorher aber erstmal ordentlich wässern musste. Meine Aussage mit “furztrocken” war absolut keine Übertreibung. Die Erde hat an der Stelle so gut wie gar kein Wasser aufgenommen. Mussten einige Liter für jede aufgelockerte Schicht verbrauchen.

Jetzt heißt es fleißig wässern, die Katzen davon abhalten sich in den Sachen zu wälzen und zu hoffen, dass unser Vorhaben ganz viele schicke Pflanzen zu kriegen mehr Erfolg hat als unsere Gemüseanbauversuche in der Vergangenheit. Und wenn alles so kommt, wie wir das vorhaben, dann wird auch endlich der Berg der Schande Geschichte sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »