Sicarius

Vom Verlust und dem Wiederfinden

Keine Ahnung, ob es ein “offizieller” Spruch ist, aber in meiner alten Heimat hieß es: Es sind immer drei. Und ja, diese Weisheit hat sich häufiger als wahr herausgestellt, als man glaubt. Insofern könnte noch eine weitere Hiobsbotschaft in Bezug auf Star Trek auf uns zukommen. Wir hoffen es aber mal nicht.

Verluste

Wer nicht weiß, wovon ich rede: Am 25. Oktober 2026 ist Walter Koenig im Alter von 90 Jahren verstorben. In unseren Kreisen besser bekannt als Commander Pavel Andreievich Chekov vom Raumschiff Enterprise. Damit leben von den Darstellern der Originalcrew nur noch Captain James T. Kirk (William Shatner) und Captain Hikaru Sulu (George Takei). Vor allem bei Shatner bin ich übrigens jedes Mal wieder überrascht, wie gut der sich mit seinen 95 Jahren immer noch hält.

Die zweite Trauermeldung kam dann drei Tage später: Sir Patrick Stewart (86) hat diese Welt verlassen. Definitiv einer der ganz großen Schauspieler der letzten 60 Jahre – sowohl auf der Leinwand als auch im Theater und Videospielen. Kenne keinen, der einen König/Fürsten/Lord besser darstellen konnte als er. Er hatte keinen großen Auftritt als König Richard LeGré in Lands of Lore: The Throne of Chaos, die meiste Zeit liegt er schließlich im künstlichen Koma, aber er wird mir genauso wie seine Rolle als Captain Jean-Luc Picard ewig in Erinnerung bleiben.

Doch so traurig es auch ist, solche Menschen gehen zu sehen: Beide hatten ein langes und erfülltes Leben. Und dass Sir Patrick Stewart und seiner Familie offenbar eine lange Leidenszeit erspart geblieben ist, mag zumindest ein kleiner Trost sein. Er litt zuletzt nämlich an einer Alzheimer- sowie Lewy-Body-Demenz-Erkrankung.

Themenwechsel

Es ist bei sowas immer so schwer, eine Überleitung zu finden. Vor allem, wenn ich euch heute einen farbenfrohen Film vorstellen möchte. Aber so blöd es ist: Am Ende des Tages geht das Leben weiter. Und in der Casa Lysanda bedeutet das unter anderem, dass wir uns dieses Werk angeschaut haben:

(Cover)

Belle* (竜とそばかすの姫,2021, Mamoru Hosoda) – Wir kennen ihn sicher alle, den Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest* (1991) von Disney. Aber weder war es die erste noch die letzte Verfilmung des Originals. Dabei handelt es sich übrigens um den französischen Roman La Belle et la Bête (1740; Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve) bzw. seine kindergerechte Kurzfassung* von 1756, auf der die Disney-Version basiert, aus der Feder von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont. Ja, die Franzosen hatten echt lange Namen damals. Doch das ist ein anderes Thema.

Die Geschichte

2021 kam der Animationsfilm Belle in die japanischen Kinos, der den Stoff in die Moderne transportiert. Die Hauptfigur: Suzu. Ein junges Mädchen, das noch zur Schule geht und allein mit ihrem Vater in den Bergen lebt. Ihr Verhältnis zu ihm ist nicht das Beste, seit dem Tod ihrer Mutter. Sowieso geht es ihr seitdem ziemlich schlecht. Selbst das Singen hat sie aufgegeben, weil es sie schmerzlich an die Vergangenheit erinnert. Doch eines Tages lernt sie die virtuelle Welt “U” kennen. Bei der Anmeldung wird der Nutzer mit all seinen biometrischen Daten eingescannt und daraus ein virtueller Avatar erzeugt, mit dem er sich dann durch die digitale Umgebung bewegen kann. Suzu gibt ihrem Avatar den Namen Belle und was ist das Erste, was sie macht? Singen natürlich. Losgelöst von den Sorgen und Nöten der realen Welt, kann sie endlich wieder fallen lassen und musikalisch ausdrücken. Und das sogar ziemlich erfolgreich. Schnell steigt sie zum absoluten Star in U auf.

Doch gerade als sie ihr bislang größtes Konzert geben will, wird sie durch den Angriff des Biests unterbrochen. Ein legendärer Kämpfer, übersät mit zahllosen Wunden, der einigen in der Spielwelt ein Dorn im Auge ist. Belle hingegen? Nun, ihr kennt die Geschichte ja: Sie lässt sich vom rauen Äußeren nicht abschrecken, will unbedingt mehr über das Biest und den Menschen dahinter erfahren und ihn schlussendlich aus seinen Ketten befreien. Und ja, sie schafft es selbstverständlich. Das ist jetzt kein großartiger Spoiler.

Beim Christoph meint: Von mir bekommt Belle 4 von 5 Sics. Abzüge in der B-Note gibt es aus drei Gründen – und nur für zwei kann der Film was :smile: . Und zwar war der Soundmix an unserem Fernseher nur bedingt zu gebrauchen. Die Musik war im Vergleich zum Text sehr laut. Entsprechend ist der wunderschöne Gesang (im deutschen von Lara Trautmann) nicht immer gut zur Geltung gekommen.

Belle (Promobild von PLAION PICTURES)

Den zweiten Abzug gibt es, weil ich mir tatsächlich mehr Lieder erhofft hatte. Trotz der Laufzeit von zwei Stunden gibt es nur sechs Gesangseinlagen. Die Disney-Variante hatte immerhin neun (Original) bzw. zehn (Special Edition). Und irgendwie gehört das für mich zu dieser Geschichte dazu. Hat mich Disney wohl in meiner Kindheit drauf trainiert.

Und dann hat mir tatsächlich der Twist nicht ganz so gut gefallen. Also wer hinter dem Biest steckt und warum es so ist, wie es ist. Aber das ist einfach nur mein persönlicher Geschmack. Im Kontext dieser Welt ist das Finale an sich stimmig und passt.

Abseits dieser drei Punkte war Belle jedoch eine wirklich gelungene, herzergreifende und vor allem optisch wunderschöne Interpretation dieser uralten Erzählung. Wenn ich nur an den Höhepunkt denke, als Belle das Lied A Million Miles Away singt, kommen mir schon wieder die Tränen. Unbedingt anschauen! Das Werk hat seine vielen Auszeichnungen definitiv zu Recht erhalten.

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