Sicarius

Balu, der alte und kranke Kater

Das Corpus Delicti des heutigen Eintrags

“Ach, die Casa Lysanda ist abbezahlt?! Na dann passt das ja perfekt!” dachte sich vermutlich das Universum und hat uns gleich den nächsten Geldabfluss beschert: Neue gesundheitliche Probleme für Balu. In der letzten Woche allein schon um die 850€ (Tierarzt, Spezialfutter, anderes Katzenstreu) verschlungen. Aber was tut man nicht alles für seine Tiere? Bitte? Alles? Ja, fast :smile: .

Dabei sah es abseits seiner Arthrose im Oktober noch ganz super aus. Da hatten wir nämlich ein Blutbild machen lassen, weil uns seine langsame aber stetige Gewichtsabnahme uns anfing Sorgen zu bereiten. Aber das Blutbild war zu diesem Zeitpunkt normal und er gab sich soweit topfit. Das galt damals bei Kessy allerdings auch. Im Herbst noch beim Checkup alles im grünen Bereich und dann im Februar mit Tumor im Bauch eingeschläfert… Ganz so schlimm ist es bei Balu zum Glück noch nicht, wobei die eigentliche Ursache noch nicht bekannt ist.

Was ist los?

Losgegangen ist es – wie immer bei sowas – am Wochenende. Sonntagsmorgens stellten wir fest, dass Balu einfach nur extrem apathisch auf dem Walking Pad im Wohnzimmer saß. Er reagierte nicht auf uns, wollte kein Futter und machte auch sonst keinen guten Eindruck. Hatte er einfach nur wieder starke Arthrose-Schmerzen? Sah eigentlich nicht so aus. Da hat er sich sonst einfach irgendwo hingelegt, was er hier aber überhaupt nicht wollte, denn er hatte Mühe den Kopf oben zu halten. Er konnte also eigentlich nicht mehr Sitzen, wollte sich aber nicht hinlegen. Scheinbar war Sitzen doch noch am angenehmsten.

Also was tun? Erster Gedanke: Tierklinik, auch wenn die etwas weiter weg ist und wir dann vermutlich den ganzen Sonntag da verbringen würden. Dann fiel uns aber wieder ein, dass wir bei uns einen mobilen Tiernotdienst haben. Leider konnte der frühestens am Abend vorbeikommen. Solange wollten wir dann doch nicht warten. Wir haben dann bei einer nahegelegenen Tierärztin im Ruhestand angerufen, die noch inoffiziell Notdienste macht und sind dort vorbeigefahren. Sie war von seinem Zustand ebenfalls nicht begeistert und legte uns nahe am Montag direkt zu unserem regulären Tierarzt zu fahren. Bis dahin gab sie Balu ein Schmerzmittel, was auch für ein bisschen Besserung sorgte. Wir konnten ihn dann mit Hilfe einer Spritze Flüssigkeit und etwas Essen verabreichen und später hat er sogar von alleine ein bisschen gefuttert.

2. Tierarztbesuch

Balus Blutwerte sind eindeutig.

Am nächsten Morgen war Balu wieder schlechter drauf. Zwar nicht ganz so schlecht, wie am Sonntagmorgen. Aber er hatte erneut merklich abgebaut. Also ihn eingepackt und pünktlich zur Praxisöffnung vor der Tür gestanden. Ein Blick auf die Waage offenbarte, dass er weiter abgenommen hatte. Anfang Dezember lag er noch bei 5,5kg – jetzt waren es nur noch 4,9kg. Gar nicht gut. Die Tierärztin kam relativ zügig zum Thema Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Leber sowie möglicherweise Schilddrüse. Also Blut abgenommen und auf das Ergebnis gewartet – und sie sollte Recht behalten. Er hatte eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und auch die Leberwerte waren nicht gut. Wobei es hier tatsächlich einen erklärbaren Zusammenhang gibt:

Bei Katzen gibt es die anatomische Besonderheit, dass sich die Ausgänge des Pankreas und der Leber (bzw. Gallenblase) an exakt der gleichen Stelle am vorderen Dünndarm treffen. Dadurch können sich die drei Organe relativ einfach gegenseitig entzünden (“Triaditis”). Sprich, wenn beispielsweise das Pankreas erkrankt ist, können die krankhaften Zellen ohne Umwege auch in die Leber oder den Dünndarm gelangen und dort Probleme verursachen. Wobei der “traditionelle” Weg zu einer Pankreatitis eher umgekehrt ist. Also das Tier hat ursächlich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (“Inflammatory Bowel Disease” kurz IBD). Die hat als ein Symptom, dass die Katze erbrechen muss. Und bei diesem Vorgang gelangen dann Darmsekrete in das Pankreas und das Gallensystem, was wiederrum zu einer Entzündung beider führen kann. Hat die Natur echt dämlich gemacht.

Die Behandlung

Ob Balu eine Triaditis hat oder es doch etwas mit der Schilddrüse ist (weil er so viel abgenommen hat), wissen wir zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht. Stattdessen heißt es jetzt erstmal die Bauchspeicheldrüse in den Griff bekommen und die Leberwerte zu stabilisieren. Dazu bekam er direkt in der Praxis vier Spritzen verabreicht: Kortison gegen die Entzündung, Novalgin gegen die Schmerzen (der Wirkstoff in Onsior würde das Problem eher verstärken), einen wohl unangenehm brennenden Vitamin-B-Cocktail zur Unterstützung der Leber und ein weiterer Mix für den Pankreas.

Allerdings war das Thema damit logischerweise nicht beendet. Zuhause geht die Therapie seitdem weiter:

  • Die ersten drei Tage gab es alle 6-8 Stunden oral Novaminsulfon-ratiopharm gegen seine Schmerzen. Wir haben es am Donnerstagabend dann sofort abgesetzt, als er mit Übelkeit und Erbrechen anfing. Eine der schwerwiegenden Nebenwirkungen des Medikaments. Aber er hat es zu dem Zeitpunkt scheinbar auch nicht mehr gebraucht, da er seitdem keinerlei Schmerzsymptome mehr zeigt. Übrigens gibt es eine App namens Feline Grimace Scale, die dabei helfen kann zu erkennen, ob eine Katze Schmerzen hat oder nicht. Katzen sind nämlich sehr gut darin ihre Schmerzen zu verstecken.
  • Als nächstes auf dem “Giftcocktail”-Programm steht Hepar compositium N PlantaVet. Das ist anscheinend ein homöopathisches mittel zur Unterstützung der Leber. Obs wirklich was bringt? Keine Ahnung. Schaden tut es ihm aber nicht, weswegen wir es ihm die nächsten 40 Tage lang (0,5ml pro Tag) unters Futter mischen.
  • Die Medikamente für Balu

    Auch für die Leber wurde uns ein Vitamin-B-Komplex-Pulver namens B-Vitase-HK Pulver mitgegeben. Davon sollte er pro Tag 6g bekommen. Keine Ahnung, was sich der Hersteller dabei gedacht hat. Mal abgesehen davon, dass nur ein Messbecher für 5g mit in der Packung ist, ist das eine ganz schön große Menge. Vor allem, weil Balu das Pulver als faktisch nicht essbar deklariert hat. Entsprechend haben wir es so gut wie gar nicht in ihn reinbekommen und dabei unsere Bestechungsmöglichkeiten verbrannt. Wir hatten ihm z.B. extra hochwertiges Topping* gekauft, um ihn zum Essen zu animieren. Jetzt assoziiert er das mit dem ekligen Pulver und rümpft die Nase, obwohl er das Pulver gar nicht mehr bekommt. Wird etwas dauern, bis wir das wieder aus ihm raus haben.Freilich muss er seine B-Vitamine trotzdem irgendwie kriegen. Entsprechend hat sich Lysanda die Zusammensetzung angeschaut und nach Alternativen gesucht. Dabei ist sie beim B-Vit complex von cp pharma gelandet. Und auch, wenn die Zusammensetzung etwas anders ist, sind dafür die enthaltenen B-Vitamine wesentlich höher dosiert. Es ist außerdem günstiger. Und das Wichtigste natürlich: Es geht in die Katze rein. Die geviertelte Tablette isst Balu sogar pur! Vermutlich, weil Geflügelleber enthalten ist.

  • Dann haben wir noch Pankreas von nuVet mitbekommen. Das sind Tabletten bzw. Pulver, die es nur vom Tierarzt gibt. Sie enthalten Verdauungsenzyme, die normalerweise die Bauchspeicheldrüse produziert. Dank des Präparats muss sie das entsprechend weniger und wird somit entlastet. Je nachdem wie sich die Sache entwickelt, muss er die Tabletten möglicherweise den Rest seines Lebens (er ist ca. 14 Jahre alt) nehmen. Aktuell soll er zwei Tabletten pro Tag futtern und zwar verteilt auf alle Mahlzeiten. Und nein, pur nimmt er die derzeit nicht. Die hat er ebenfalls aufgrund des Vitamin-B-Pulver-Malheurs als ungenießbar eingestuft. Anfangs hat er die nämlich auch einfach so genommen.

Was lernen wir aus der Vitamin-B-Sache? Demnächst erst alles einzeln ausprobieren, um gleich zu sehen, wo es möglicherweise Akzeptanzschwierigkeiten geben könnte. So sollte sich dieses Assoziationsdilemma, was wir jetzt haben, vermeiden lassen.

Ernährungsumstellung

Die Bauchspeicheldrüse muss mehr arbeiten, je fetthaltiger die Nahrung ist. Entsprechend mehr vom Pankreas-Mittel muss man verfüttern. Um aber erstmal wieder auf normale Werte runter zu kommen, gilt auch hier: Pankreas entlasten. Sprich wir haben als letzten Punkt noch Spezialfutter ans Herz gelegt bekommen. Genauer gesagt Futter mit einem Fettanteil unter 4%. Zum Vergleich: Unser reguläres Futter im Haus bewegt sich bei 5-6%. Und es ist auch nicht so, dass Katzen kein Fett essen sollen. Im Gegenteil: Katzen brauchen Fett für den Energiehaushalt. Aber Balu muss jetzt erstmal wieder soweit gesund werden, damit wir an die eigentliche Ursache des Problems rangehen können. Entsprechend heißt es erst einmal fettarme Ernährung.

Das Spezialfutter für Balu

Gar nicht so einfach da anständiges Alleinfutter zu finden – von preiswert brauchen wir gar nicht zu reden. Wir sind deshalb tatsächlich mal in den örtlichen Fressnapf*. Dort sind wir auf die Diät-/Diabetesfutter von MjAMjAM* (Fettgehalt 3,8%) und SELECT GOLD* (2% Rohfett) gestoßen. Außerdem das sündhaft teure MOMENTS* (Fettgehalt 2,7%). Alles leider nur in kleinen Döschen und zu Preisen, wo einem die Ohren schlackern. Das MOMENTS schießt mit fast 14€ pro Kilo den Vogel ab. Wir liegen sonst so mit unserem hochwertigem Katzenfutter (dank Rabattaktionen) eher bei 4-5€ pro Kilo. Dreimal dürft ihr übrigens raten, welches von den Dreien ihm am besten schmeckt. Selbstverständlich das teuerste :smile: .

Online ist Lysanda dann noch bei zooplus fündig geworden. Dort gibt es Diätfutter von Concept for Life* (Rohfett 2,4%). Ebenfalls nicht wirklich billig und erneut nur in kleinen Dosen verfügbar. Aber was tut man nicht alles für seine Vierbeiner.

Eine ganze Rasselbande

Jetzt hatten wir also alles da, was Balu kriegen sollte. Die tägliche Gabe der Medikamente an sich ist kein Thema. Das kennen unsere mittlerweile schon seit Jahren. Also nicht, weil alle immer Medikamente bekommen. Wir haben nur für alle ein morgendliches Ritual eingeführt mit quasi einem Vorabhäppchen vor dem eigentlichen Bereitstellen des Futternapfs. Da mischen wir dann bei Bedarf z.B. das Blutdruckmedikament für Jules drunter und bei Balu jetzt eben das, was er kriegen soll.

Allerdings haben wir ja sonst ein All-You-Can-Eat-Buffett. Sprich es steht den ganzen Tag ein Tablett rum, das ich morgens (und ggf. abends) mit Futter fülle und an dem sich jeder bedienen kann. Da Balu derzeit dieses Futter nicht essen soll und umgekehrt die anderen sich nicht bei Balu bedienen sollen, ist das ein kleines Problem. Die Lösung tagsüber: Kein AYCE mehr, sondern wieder “traditionell” Mahlzeiten über den Tag verteilt. Wesentlich mehr Aufwand für uns. Doch auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Was macht man nicht alles aus Tierliebe?

Im Keller kacken

Nachts ist hingegen nochmal ein anderes Thema. Die Mädels schlafen schon seit vier Jahren getrennt von den Jungs. Aber damit unsere Jungs jetzt nicht mehrere Stunden komplett ohne Essen dastehen, mussten wir Balu nun auch ausquartieren. Blöd nur, dass es bei ihm mit der Katzenklonutzung ein Problem gibt. Oder auf Hochdeutsch: Er benutzt es nicht. Im Wohnzimmer kein Problem, da er von dort in den Garten kann. Aber im Rest des Hauses besteht dieser Zugang nicht. Dabei war es bei seinem Einzug vor fast zehn Jahren kein Problem. Lysanda vermutete entsprechend, dass es mit unserem aktuellen Streu von Cat’s Best* zusammenhängt.

Ich seh’ aktuell ziemlich fertig aus…

Entsprechend haben wir im Fressnapf gleich noch unser altes Streu* mit eingepackt. Mit Kratzturm, Klo und Futter durfte Balu dann nachts in den Waschraum einziehen. Das hat ihm überhaupt nicht gefallen. Der Keller an sich ist ihm schon suspekt aber dann auch noch allein in einem Raum dort unten eingesperrt? Nachts um 2 Uhr haben wir dann entschieden, dass wir ihn einfach im Keller frei herumlaufen lassen. Er hat es sich dann bei mir in meinem Bett gemütlich gemacht. Immerhin: Er hat das Katzenklo benutzt. Lysanda hatte mit ihrer Theorie also recht.

Und das war dann das Arrangement für den Rest der Woche. Er übernachtete bei mir und ging mir dabei mal mehr oder weniger massiv auf den Geist. Mich zu Unzeiten anmaunzen, mir mit der Schnauze im Gesicht hängen, über mich drübersteigen, usw. Meine Schlafqualität war entsprechend nicht so hoch. Wenn ihr diese Zeilen lest, haben wir entsprechend mal einen Versuch hinter uns ihn im Arbeitszimmer einzuquartieren. Solange wir nicht wussten, ob er klofest ist, wollten wir ihn nicht auf Laminatfußboden alleine lassen. Wenn da draufgepinkelt wird, ists nämlich vorbei. Aber da das offensichtlich jetzt keine Gefahr mehr ist, ist das hoffentlich eine Option mit der alle Leben können (Balu und ich).

Epilog

Übernächste Woche geht es dann wieder zum Tierarzt zur nächsten Kontrolle. Die Hoffnung ist, dass die Blutwerte sich für Leber und Bauchspeicheldrüse normalisiert haben und sich klar zeigt, ob eine Schilddrüsenüberfunktion vorhanden ist. Ob am Ende klar ist, dass das die Ursache für die Entzündung war, wird sich zeigen.

Sicarius

Frohes Neues Jahr 2026

Ich geb’s zu: Ich bin nicht ganz zufällig wieder auf das Transkript des Briefs meiner Tante aus dem Jahr 1934 gestoßen. Nein, ich habe ihn gezielt gesucht, um ihn nochmal zu lesen. Als Vorbereitung auf diesen Neujahrsgruß. Wir leben nämlich aktuell leider wieder in einer Zeit, in der es mit der Welt gefühlt massiv bergab geht. Und da kam mir Elisabeths Satz „Nach der gegenwärtigen politischen Lage wird es über kurz oder lang zum Kriege kommen.” wieder in den Sinn. Als ich ihn zum ersten Mal gelesen hatte, war ich über diese Aussage überrascht. War es 1934 wirklich schon klar, dass es zu einem Krieg kommen würde?

Jetzt zu Beginn des Jahres 2026 kann ich jedoch ihre Worte voll und ganz verstehen. Die aktuelle politische Lage erweckt bei mir ebenfalls den Eindruck, dass über kurz oder lang der Krieg auch wieder vor unserer Haustür stehen wird. Ich hoffe inständig, dass ich dahingehend zu pessimistisch denke. Doch nichts, was aktuell in Deutschland, Europa und der ganzen Welt passiert, lässt mich freudig in die Zukunft blicken. Dabei sah es jahrelang so gut aus…

Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen:

Beim Christoph wünscht euch ein frohes und erfolgreiches Jahr 2026!

Wenigstens haben sich unsere Katzen gern.

Wir mögen die Spielbälle irgendwelcher machtgieriger Milliardäre sein. Doch es gibt trotzdem immer noch vieles in unserem Leben, was wir selbst beeinflussen können. Beispielsweise hat das fleißige Essen von Sauerkraut vor einem Jahr offensichtlich geholfen. Uns ging das Geld nicht aus und wir konnten die Casa Lysanda abbezahlen. Also lasst uns bei all den negativen Nachrichten wieder mehr auf die positiven Seiten des Lebens blicken und aktiv daran arbeiten, dass es zumindest uns, unserer Familie, unseren Freunden und allen anderen mit denen wir zu tun haben, gut geht.

Sicarius

Nackte Körper

Hinweis: Zwar durften in der Ausstellung Fotos angefertigt werden, die Verwendung über private, nicht kommerzielle Zwecke hinaus (darunter fällt auch eine redaktionelle Berichterstattung) ist allerdings nur nach Genehmigung möglich. Und selbst die Nutzung offizieller Bilder ist nur unter strengen Auflagen (inkl. Vertragsstrafen) erlaubt. Da mir das ehrlich gesagt zu viel Aufwand/zu heikel ist, verschönern mal wieder unsere Katzen den Text.

[Hier wollte ich eigentlich ein Foto von einem Schwein mit Engelsflügeln einfügen, das an Seilen von der Decke hängt.]

Maya lässt mitunter auch tiefe Einblicke zu.

Ich glaub’ mein Schwein pfeift… äh fliegt. Und trotzdem ist die Welt (noch) nicht untergangen! Scheint also doch keine direkte Korrelation zu geben. Oder künstlich fliegende Schweine zählen nicht. Kann auch sein. Gesehen haben wir es auf jeden Fall bei den Körperwelten im alten Hallenbad (auch im Jugendstil – wie in Darmstadt) in Heidelberg. Unter dem Titel “Anatomie des Glücks” sind dort seit 2017 hauptsächlich menschliche Präparate ausgestellt.

Obwohl es die Körperwelten schon seit 1997 in Deutschland gibt (gestartet in Mannheim) und ich es schon immer interessant fand mir das mal anzuschauen, hat es irgendwie erst jetzt geklappt. Aber besser spät als nie, wie man so schön sagt. Als wir also vor kurzem mal näher an Heidelberg dran waren, haben wir uns endlich mal die Zeit dafür genommen. Haben rund vier Stunden gebraucht, um uns alles anzuschauen und die dazugehörige, ca. zweistündige Audiotour anzuhören.

Denkt denn keiner an die Kinder?!

Mittlerweile ist der ganze Trubel um die Ausstellung ja auch ziemlich verflogen. Kann mich noch gut an die ganze Aufregung – heute würde man Shitstorm sagen – damals erinnern, als Gunther von Hagens und sein Team damit anfingen. Wobei diese ganze Diskussion rund um die Ethik Leichen auszustellen, angebliche Verletzung der Totenruhe und Kram wohl tatsächlich fast ausschließlich in Deutschland stattfand.

Ja, von Hagens nutzte diese Aufregung auch für seine Zwecke und provozierte mitunter bewusst zusätzlich. Ist schließlich eine gute und billige Werbemaßnahme. Die älteren unter uns erinnern sich beispielsweise vielleicht noch an seine öffentliche Obduktion anno 2002. Uiui, war das ein absolutes Unding. Oder als er 2005 mit Tierpräparten anfing (zwei Zoo-Elefanten). Aber die Heftigkeit dieser Aufregung gab es wohl nur in Deutschland und weniger in anderen Ländern. Für mich auch ein Stück weit logisch. Wir haben gefühlt eh so einen Fetisch mit der Totenruhe. Ich sag nur “Friedhofs- und Bestattungsgesetz”, wonach selbst die Urne mit der Asche zwingend auf vorgeschriebenem Grund und Boden unter die Erde muss. Doch das ist ein anderes Thema. Kommen wir stattdessen zurück zu von Hagens:

Entstehungsgeschichte

An der Uniklinik Heidelberg fing er ab 1977 an sich mit der Imprägnierung anatomischer Präparate zu beschäftigen und erfand das Plastinieren. Okay, theoretisch wurde eine ähnliche Methode wohl schon in der Histologie – also Gewerbeforschung – verwendet. Aber er hat es für größere und vollständigere Präparate umgesetzt. Bei diesem Verfahren wird grob gesagt alles Wasser aus den Zellen durch irgendwelche Kunststoffe ersetzt. Das Ergebnis ist nicht nur eine fast unendlich lange Haltbarkeit, sondern auch eine fast vollständige Erhaltung der natürlichen Gegebenheiten wie Oberflächen und Strukturen. Das macht die Sache so cool und interessant. Man sieht wirklich, wie der Mensch tatsächlich innendrin aussieht. Es ist nicht bloß irgendeine Zeichnung oder ein Computermodell.

Ursprünglich waren die Präparate nur für den internen Gebrauch gedacht. Ihr wisst schon: Schulung, Forschung und sowas. An ein öffentliches Ausstellen dachte keiner. Die Idee kam stattdessen vom japanischen Anatomie-Professor Takeshi Yoro. Erstmals öffentlich zu sehen waren ausgewählte Präparate entsprechend 1995 in Tokio. Und da die Ausstellung so gut ankam, wurden die Körperwelten ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es dazu sowohl einige Dauer- (Berlin, Heidelberg und Guben – dort findet mittlerweile die Plastination statt) als auch Wanderausstellungen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das Interesse ist also trotz aller Kritik offensichtlich sehr groß.

Das lebt noch, auch wenn es nicht so aussieht.

Geführte Führung

In Heidelberg angekommen, haben wir unsere Onlinetickets vorgezeigt. Die hatten wir dank eines Coupons für nur 14,50€ pro Stück über Reservix gekauft. Anschließend habe ich mir den Audioguide auf meinem Handy aufgerufen. Das ist einfach nur eine Webseite, die ihr über einen QR-Code erreicht. Kostenloses WLAN steht dafür zur Verfügung. Kopfhörer haben wir keine gesehen, aber da nicht ganz so viel los war, ging es auch bei niedriger Lautstärke ganz gut ohne anderen auf den Keks zu gehen. Inhaltlich war die Audiotour okay, aber nicht so informativ, wie wir gehofft hatten. Gefühlt waren die Texte größtenteils nicht speziell auf die gezeigten Exponate zugeschnitten, sondern allgemeinerer Natur.

Die Ausstellung in Heidelberg ist als Rundgang angelegt und in mehrere Themenbereiche aufgeteilt. Es geht vom Nervensystem über die Bewegungsmuskeln und die inneren Organe bis hin zur Fortpflanzung. Das Beste zum Schluss, könnte man jetzt sagen :wink: . Tatsächlich fand ich den Part am Langweiligsten, weil es gar nicht so viele Stücke dazu zu sehen gab. Den meisten Raum nahm hier eine schwangere Frau inkl. Fötus ein sowie eine lange Vitrine gefüllt mit Reiskörnern. Sie soll symbolisieren wie unwahrscheinlich es war, dass gerade wir als eins von Millionen von Spermien zu einem Menschen wurden.

So viele Leichen!

In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es ein paar größere, quasi komplette Präparate und zusätzlich viele kleinere Stücke. Direkt zu Beginn ist beispielsweise das vollständige Nervensystem in einer Vitrine aufgestellt. Also wirklich nur das Nervensystem selbst. Die einzelnen Fasern mit Gehirn und Rückgrat als Bindeglieder und sonst nichts. Hat was von Horrorfilm, ist aber nicht nur extrem interessant anzusehen, sondern wir haben es auch sofort mit unserem eigenen Körper verglichen. Können wir quasi diese Nerven bei uns finden, die wir da vor uns sehen? Ein Vorgang, den wir in der Ausstellung häufiger gemacht haben. Dieser ungewöhnliche Einblick in den menschlichen Körper lädt förmlich dazu ein die Sachen an sich selbst nachzuvollziehen und sich so selbst ein bisschen besser kennen zu lernen.

Die schwangere Frau (Symbolbild)

Der erste komplett plastinierte Mensch kommt gleich nach dem Nervensystem. Er wird “Hautmann” genannt, steht einfach nur da und betrachtet seine abgezogene Haut in der Hand. Ihr wisst schon: Unser größtes Sinnesorgan. Was bei allen Exponaten dieser Art auffällt: In einigen Bereichen wurde die schneeweise, tote Haut immer drangelassen. Augenbrauen, Nasenspitze, Lippen, Nippel, Bauchnabel, Ohren sind mehr oder weniger vollständig bedeckt. Vermutlich eine rein stilistische Entscheidung und keine Notwendigkeit in Bezug auf den Plastinieren-Prozess. Im Ergebnis wirkt es aber ehrlich gesagt etwas komisch bzw. befremdlich. Und was im Obergeschoss auch auffiel: Es gab nur Männer (und das Schwein) zu sehen. Wunderte mich schon, ob es überhaupt keine Frauenkörper geben würde. Aber die kamen dann im Erdgeschoss.

Die kleinen Details

So imposant die bestimmt ein Dutzend Ganzkörperplastinate in verschiedenen Posen und “Zerteilungsstadien” allerdings auch sind: Die kleinen, spezialisierten Stücke waren schon fast spannender. Beispielsweise die Blutbahnen im Gehirn oder im Unterarm mal visuell zu sehen. Oder gesunde und kranke Herzen im Vergleich. Beim vergrößerten Herz habe ich mich gefragt, wie sowas überhaupt noch in den Brustkorb passt. Lysanda fand es unter anderem sehr interessant mal das Innere einer Lunge zu sehen. Sie hat schließlich einen Asthmatiker als Ehemann :smile: . Insofern wird einem auf den zwei Stockwerken durchaus einiges an informativer Abwechslung geboten.

Allerdings: Das Thema “Anatomie des Glücks” haben wir bei der ganzen Sache nur hier und da wiedergefunden. So richtig einen gesamtheitlichen, roten Faden konnten wir nicht wirklich entdecken. Mag aber vielleicht an uns liegen und war nicht weiter schlimm. Die Exponate an sich sind schließlich die Stars. Insofern: Klare Empfehlung von uns für die Körperwelten, wenn ihr mal in der Nähe von einer Ausstellung seid. Und da die Ausstellungen alle unterschiedlich sind, überlegen wir nun, ob wir uns auch noch eine andere in Zukunft anschauen werden.

Sicarius

Woinochde Zwonzischfinfazwonzisch

Warim bimmel don di Glogge so damisch vil grod? Is scho widdä Woinochde? Is? No don is jo gud, dess isch scho vo Monade fer ma Fraa oigekoaft hob. Ko Ahnung mer wos, äwä des werdsch wohl gleisch sä, wennsch in de Schroank gugg. Vermudlisch sans widdä irschendwelschä Onnemäh un/odä Mongos. Wos schenggt mer schlisslich sonsd ner Fraa, die olls hod? Wos? Des wos uff ihrer Wischlisd sted? Des is do vil zu unbesernlich! Me muss si scho a weng Gedonke mach ba sonm Geschäng. Do kaaft mer ned irschend en Misd uf Tehmuh.

Wos labberst? Deswäche hädsch ihr a schomol en Mongo gekaaft, denn se scho gehobt hod? Wer hod der denn den Schmodder ins Hern gesetz? Isch hob den nadierlisch bewusst nomma gekoaft! Ihr west scho: Werdonloach un so. Eh Äf Ds san vil zu unsischer. Von wäche folsch gekoaft. *schiddelt de Kopp*

Äwä bevor me jetz Beschehrung mache kenne, mus isch ei nadierlich ah no wos soache:

Boim Chrisdop winscht eich a boar schene Feierdoch!

Di Katz guggt a scho komsch!

Nochdem des jetz geklärdt is, geh isch mo gigge, wos ich moiner liwwe un nedde Fraa gekoaft hob un iwerheifse domid. Isch hof, dess ihr des glasche mochd – un wenns no eier Haasdir san, di er mid Stroicheloinhoide iwerheift.

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