(Cover)

Es ist schon ein wenig amüsant. Wenn Kinder sonst in Filmen und Serien auftreten, dann finde ich das sehr häufig extrem nervtötend und versaut mir das Erlebnis. Aber bei nuTrek ist es explizit die Kinderanimationsserie gewesen, die mich am meisten von allem gereizt hat. Ja, es war vielleicht sogar der einzige Inhalt, der mich überhaupt interessiert hat. Kein Star Trek: Discovery oder Star Trek: Strange New Worlds und auch kein Star Trek: Lower Decks.

Vor letzterem grauts mir sogar ein wenig. Ich hab‘ in meinem Leben gefühlt genug fragwürdige/unlustige amerikanische Zeichentrickserien im Stile von Family Guy gesehen. Hoffentlich wird meine Erwartungshaltung dahingehend nicht bestätigt…

Und ja, selbst auf Star Trek: Picard herrscht bei mir irgendwie keine Vorfreude. Dabei war die Ausstrahlung der Fanservice-… äh 3. Staffel ja überhaupt erst der Grund, warum der Star-Trek-Marathon in der Casa Lysanda ins Leben gerufen wurde. Ich weiß, ich bin komisch und sollte meine Trekkie-Lizenz zurückgeben :smile: .

Pflichtprogramm!

Stattdessen war es also Star Trek: Prodigy, was ich unbedingt sehen wollte und wir entsprechend vorgezogen haben. Das “Warum” kann ich euch nicht einmal so richtig erklären. Vermutlich war es eine Kombination aus “mehr Janeway”, “(technisch gesehen) Teil der regulären Zeitlinie” und dem Eindruck, dass es hier etwas klassischer/normaler zugeht als in den neuen Live-Action-Sachen.

Und um das Fazit vorzugreifen: Es war die absolut richtige Entscheidung sie vorzuziehen. Es ist eine durchweg gelungene und unterhaltsame Star-Trek-Serie – nicht nur für Heranwachsende (sie ist ab 12 Jahren freigegeben), sondern für alle Star-Trek-Interessierten. Ja, in Staffel 2 geht es dann doch wieder um Zeitreisen, das Universum retten und sie trieft nur so vor Fanservice. Aber bis dahin hatte ich die neue Crew schon liebgewonnen und wollte einfach nur mehr von ihren Abenteuern sehen. Ich schließe mich entsprechend Kate Mulgrew an und finde es ebenfalls so dermaßen schade, dass es wohl nie eine 3. Staffel geben wird.

Worum geht’s?

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Die Geschichte beginnt im Delta Quadranten im Jahr 2383 – fünf Jahre nach der Rückkehr der USS Voyager zur Erde und fünf Jahre vor der Zerstörung von Romulus durch eine Supernova (=Beginn der Kelvin-Zeitlinie). Wir befinden uns auf Tars Lamora, einer Gefängniskolonie auf einem Minenasteroiden. Unter dem wachsamen Auge des Diviners und seines (ultra-bösen) Roboter-Lakaien Drednok schürfen die Insassen nach Chimerium. Und als Zulieferer für Arbeiter dienen die Kazon, die nicht nur “normale” Gefangene vorbeibringen, sondern auch Waisen einsacken und dort abladen. Darunter fünf unserer sieben Hauptcharaktere:

  • Murf – Ein überraschend intelligenter und äußerst sympathischer Schleimwurm, den der Universalübersetzer nicht versteht. Sein Charakter basiert auf einer beiläufigen Beleidigung, die ein gewisser Rondon Wesley Crusher in der TNG-Folge Prüfungen an den Kopf wirft.
  • Rok-Tahk – Sieht optisch aus wie ein Felsen, hat aber einen sehr weichen Kern. Kommt im Gegensatz zu den anderen am Anfang noch am meisten als Kind rüber. Aber sie wächst einem ziemlich schnell ans Herz und entpuppt sich als sehr neugierig und intelligent.
  • Zero – Ein Meduser, der einen speziellen Anzug tragen muss und vom Diviner als Folterinstrument missbraucht wurde. Wie der Rassenname schon andeutet, wird man nämlich verrückt, wenn man seine wahre Gestalt ungefiltert anschaut. Er kann außerdem Gedanken lesen. Nimmt ein wenig die Rolle eines Data ein. Als Wesen ohne Körper beneidet er andere darum fühlen zu können und sowas in der Art. Ist außerdem der Älteste von allen in der Truppe.
  • Jankom Pog – Ein Tellarit. Ihr wisst schon: Die Schweinsgesichter aus Star Trek: Enterprise, die am Ende eins der vier Gründungsmitglieder der Föderation waren. Nicht ganz der hellste im Kopf aber ein vorzüglicher Ingenieur. Und überraschenderweise gibt es nur sehr wenige Momente mit Witzen auf seine Kosten. Das zeigt echt, wie sehr es die Schreiber drauf hatten.
  • Dal R‘El – Was er ist, ist ein relevanter Teil der Geschichte. Deswegen verrate ich es nicht. Vom Charakter her ist er auf jeden Fall der ungestüme Haudrauf, der meint alles besser zu wissen, aber am Ende am meisten von den anderen zu lernen hat. Er ist neben Gwyndala der zentrale Charakter der Serie.

Die anderen zwei

Anfangs unfreiwillig Teil der Crew wird hingegen Gwyndala, die Tochter des Diviners. Sie ist wie ihr Vater eine Vau N’Akat und träumt davon eines Tages ihren Heimatplaneten Solum zu sehen. Dal und die anderen kidnappen sie quasi, als sie die USS Protostar finden und von Tars Lamora flüchten. Aber sie wechselt recht schnell die Seiten als sie erfährt, was eigentlich los ist.

Die Protostar ist das hochmoderne Föderationsschiff, das der Diviner so verzweifelt sucht. Seine Besonderheit steckt im Namen: Es hat einen Protostar-Antrieb. Dabei handelt es um einen kleinen Stern im Maschinenraum, dessen Energie angezapft wird. Damit kann das Schiff viertausend Lichtjahre in ein paar Minuten hinter sich bringen. Ja, erst der Sporenantrieb bei Star Trek: Discovery, jetzt sowas. Irgendwie hatten die Autoren keinen Bock auf lange Reisen und wollten lieber schnell zur Action :smile: . Wenig verwunderlich, dass die Protostar entsprechend ein wenig im Universum rumspringt (u.a. in den Gamma-Quadranten).

Aber wie ist die Protostar überhaupt im Delta-Quadranten gelandet? Nun, diese Frage ist Teil der Geschichte, denn selbst das Notfallhologramm an Bord weiß es nicht mehr. Und nein, es handelt sich nicht um den Doktor. Stattdessen ist es eine virtuelle Captain Janeway, die unserer jungen Crew mit Rat und Tat zur Seite steht und ihnen die Ideale der Sternenflotte und Föderation näherbringt. Das macht sie so gut, dass sich die Jungs, Mädels und undefinierten Lebensformen zum Ziel setzen in den Alpha-Quadranten zu gelangen. Die echte Janeway, bekanntlich zum Admiral befördert, spielt aber später ebenfalls eine Rolle.

Die 2. Staffel

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Und das ist im Prinzip die 1. Staffel: Eine Gruppe von größtenteils Jugendlichen finden sich auf einem hochtechnisierten Raumschiff mit einem weisen Hologramm wieder. Sie müssen lernen sich einander zu vertrauen, als Crew zusammen zu wachsen und sich den Herausforderungen zu stellen, die sie so erwarten. Und ja, selbstverständlich gibt es so einige Überraschungen. Am Ende müssen sie sogar die ganze Sternenflotte retten.

Es ist dabei kein wirklicher Spoiler: Sie schaffen es. Als Belohnung werden sie auf der Erde willkommen geheißen und in die Sternenflottenakademie aufgenommen. Alle bis auf eine: Gwyndala macht sich auf den Weg zu ihrem Heimatplaneten, um den Erstkontakt herzustellen. Gleichzeitig ist eine Frage immer noch ungelöst: Was ist mit der Protostar passiert? Wieso ist sie auf Tars Lamora gelandet. Und wo ist ihr eigentlicher Captain? Fragen über Fragen, aus der sich in der 2. Staffel eine wilde Zeitreise ergibt mit zeitfressenden Aliens, dem Wiedersehen mit alten Bekannten (Chakotay, der Doktor, Beverly und Wesley Crusher, usw.) und ganz viele Möglichkeiten für unsere junge Crew sich zu beweisen und weiter als (Nicht-)Humanoid zu wachsen. Ach und natürlich muss dieses Mal das gesamte Universum gerettet werden. Eine Eskalation ist halt immer irgendwie notwendig…

Super Unterhaltung!

Beide Staffeln haben jeweils 20 Episoden á 24 Minuten und diese vergehen wie im Fluge. Echten Leerlauf gibt es quasi gar nicht. Selbst hinter Folgen, die auf den ersten Blick wie “der Planet der Woche” wirken, steckt fast immer mehr und die dortigen Abenteuer zahlen auf den eigentlichen Handlungsstrang ein. So lernt man stattdessen relativ zügig die Crew kennen und lieben. Also außer Del. Ich verstehe seine Rolle, aber er kommt noch am ehesten an mein verhasstes “nerviges Kind”-Klischee ran. Jeder bekommt seinen Moment im Rampenlicht, gleichzeitig sieht man aber auch einfach alle gemeinsam zusammenarbeiten und echte Freundschaften entstehen.

In der 2. Staffel wird die Erzählung zwar mitunter ziemlich absurd (auch oder gerade wegen der Rückkehr von Wesley). Und wie in den “normalen” Star-Trek-Serien wird gerne mal vergessen, dass wir hier von einer Welt reden, in der man Beamen kann, mächtige Computer hat und so. Aber gestört hat es mich zu keiner Zeit. Stattdessen habe ich einfach nur den wilden Ritt genossen – der zwar abgeschlossen wird, aber einen weiteren Cliffhanger konnten sich die Autoren dann doch nicht verkneifen. Habe ich schon erwähnt, dass das Fehlen einer 3. Staffel doof ist? Die Serie wurde noch während der Post-Produktion von Staffel 2 gecancelt und an Netflix verkauft. Fans hatten zwar die Hoffnung, dass die eine 3. Staffel machen. Netflix ließ die Lizenz aber einfach verfallen. Fand ich jetzt nicht ganz unerwartet, da Netflix nicht gerade dafür bekannt ist mehr als zwei Staffeln von Serien zu produzieren. Aber hoffen kann man ja immer.

Entwicklung

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Schaut man sich allerdings die Köpfe hinter dieser CG-Animationsserie an, verwundert die Qualität nicht mehr ganz so stark. Als ich das erste Mal das Intro von Star Trek: Prodigy gesehen habe, habe ich mich zwar über die lange Liste der ausführenden Produzenten gewundert. Normalerweise kein gutes Zeichen, wenn so viele Leute da erwähnt werden müssen. Aber größtenteils verantwortlich für die Serie waren die Hageman-Brüder (Kevin und Dan) und das sind im (Kinder-)Animationsbereich absolute Profis. Ninjago: Meister des Spinjitz, Guillermo del Toros Trolljäger: Geschichten aus Arcadia, The LEGO Movie, The LEGO Ninjago Movie – sie hatten schon vor Star Trek: Prodigy ihre (Autoren- und Produzenten)Finger in so einigen erfolgreichen Serien und Filmen dieser Machart. Insofern hat Alex Kurtzman, der aktuelle Kopf von Star Trek, eine richtig gute Wahl getroffen.

Ich kann zum Abschluss also nur nochmal wiederholen: Die Serie ist eine absolute Empfehlung für jedes Alter (ab 12 Jahren). Überraschend gelungene Charaktere, die eine mitreißende Geschichten erleben und ein guter Mix aus Fanservice und Zugänglichkeit, angesiedelt im richtigen Universum und zur richtigen Sternzeit :wink: – für mich definitiv hinter Star Trek: Deep Space Nine und Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert die drittbeste Star-Trek-Serie, die ich bislang gesehen habe. Und ja, das ist mein voller Ernst. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das hier und heute schreiben würde. Aber es stimmt einfach.

Sicarius

Ein Brief aus der Vergangenheit

Es trug sich einst zu, dass mein Vater den Zugang zum Keller in unserem Elternhaus erneuerte. Dafür musste er die alte Außentreppe durch eine neue ersetzen. Also begann er mit dem Abtragen der alten Treppe. Dabei stieß er auf ein intaktes Einmachglas, das in die Treppe eingelassen war. Darin enthalten: Ein kurzer Brief aus dem Jahr 1934 und diese Reichsbanknote über 1000 Mark.

Die 1000 Mark-Note aus dem Jahr 1910

Vom Brief habe ich damals scheinbar kein Foto gemacht. Keine Ahnung, ob er und die Banknote mittlerweile noch existieren oder bei irgendeiner Renovierung doch mal im Müll gelandet sind. Sentimentale Werte sind nicht so ein großes Thema in unserer Familie.

Der Brief selbst war handschriftlich verfasst. Autorin war eine meiner Tanten väterlicherseits, zum Verfassungszeitpunkt noch ein Kind. Inhaltlich ist er weder sonderlich lang, noch tiefgründig. Aber es ist trotzdem ein nettes Zeitzeugnis, wenn auch ein etwas schwer Lesbares. Nicht nur, weil die Jahre ihm zugesetzt hatten (bspw. war ein Riss in der Mitte). Sondern auch, weil er in Sütterlinschrift verfasst war.

Glücklicherweise lebte die Autorin zum Zeitpunkt des Fundes noch. Wirklich daran erinnern den Brief geschrieben zu haben konnte sie sich zwar nicht mehr, aber ihre Handschrift entziffern ging noch. Entsprechend konnten wir ihn fast vollständig transkribieren. Und genau über dieses Transkript bin ich gerade mal wieder auf unserem NAS gestolpert. Da dachte ich mir: Warum sollte es da einfach nur versauern? Vielleicht findet ihn noch jemand interessant. Deswegen findet ihr ihn im Anschluss unkommentiert zum Lesen.

Die Formatierung ist möglichst nah am Original und es wurde nichts korrigiert. Kursive Texte, die in Klammern stehen, deuten auf Stellen hin, die wir nicht mehr entschlüsseln konnten.

Der Brief

Gunzenbach, den 31. Mai 1934
an Fronleichnam

Ich will es versuchen die jetzige Zeit der Nachwelt zu überliefern. Damit sie später sehen wie es im dritten Reich ausgesehen hat. Um das zu können will ich am Anfang beginnen. Am 1. August 1914 trat der große Weltkrieg ein an dem auch der Erblasser dieses Hauses teilnahm und somit die Schrecken des Krieges erlebte aber Gott sei Dank wieder Heil nach Hause gekommen ist. Im Herbst 1918 wurde endlich ein Ende mit dem blutigen Krieg gemacht. Nach dem Ende des Krieges setzte die Revolution ein bei der die Monarchie gestürzt wurde und das Reich eine Räterepublik. Die Zeit ihrer Regierung dauerte bis zum Jahre 1933. Hierauf begann das dritte Reich zu existieren und Adolf Hitler wurde unter Reichspräsident v. Hindenburg Reichskanzler. Nach der gegenwärtigen politischen Lage wird es über kurz oder lang zum Kriege kommen. Die Getreidepreise 1 Ztr. Weizen 10M, ein Ztr. Roggen 8M, Hafer und Gerste 7,50 M – 8 M, Raps 15 M, ein Ztr. Kartoffeln 2 M, Butter 1,20 M, Eier 7-8 Pf., Milch 14 Pf., 1l Bier 32 Pf., 1l Apfelwein 20 Pf., (unleserlich), Schlachtvieh pro Ztr. Lebendgewicht 20-35 Pf., Holz (unleserliche Artangabe?) pro Steer 5-30 Mark, (vermutlich Schnitt?)holz pro m 5-10 M.

Das Haus wurde erbaut im Jhr. 1934 von Eduard Hofmann Schmiedemeister und Landwirt und Thekla Hofmann geborene Hartmann, Rappach. Kinder sind vorhanden

1. Engelbert Hofmann 2. Anna Hofmann 3. Franz Hofmann
4. Maria Hofmann verheiratet jetzt zu Rothengrund mit Alfons Wissel
5. Elisabeth Hofmann und 6. Agnes Hofmann gestorben im Jhr. 1923. Und dann noch eine ledige Tante namens Maria Hofmann.
Gott segne dieses Haus und sämtliche Nachkommen die (vorhanden sind?)

den 31. Mai 1934.
Geschrieben von Elisabeth Hofmann
im Auftrag ihres Vaters
Eigenhändig unterschrieben und wahr was hier geschrieben ist.
Eduard Hofmann

 

Landwirt und Schmiedemeister
Beim bayr. Kgl. Inft. Rgmt. 2 Jahre gedient
Vom Kriegsbeginn 8. Landwehr Inf. R. von Anfang bis Ende.

Anmerkung: Der rechte Flügel wurde schon im Jahre 1923 errichtet. In einer Zeit wo durch die Folgen des Krieges und durch die immer entwerteten Mark Inflationsjahr. Für den beigelegten Billionenschein erhielt man in der Inflation nicht einen Ziegel.
Wer das Haus wieder baut, kann das Geld dazu benutzen! Das alte Haus das dann auf Distanz (unleserlich) Platz (unleserlich) und (unleserlich – vermutlich Dimensionsangaben zum Grundstück/Haus) gebaut.

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #53

Vor dem Einzug war das Arbeitszimmer noch ein Schlafzimmer.

Das dürften die zwei Überweisungen mit den höchsten Beträgen gewesen sein, die ich in meinem bisherigen Leben getätigt habe. Die Hinweismeldung “Empfänger stimmt nicht überein” jedes Mal machte es nicht weniger nervenaufreibend. Aber am Ende kam das Geld offensichtlich erfolgreich dort an, wo es hinsollte, denn am 8. Dezember landete die Löschungsbewilligung im Briefkasten. D.h. die Casa Lysanda ist offiziell abbezahlt. Wenn ihr mir vor zehn Jahren gesagt hättet, dass wir es schaffen am Ende der Sollzinsbindungsfrist die Hütte abzubezahlen, wäre ich davon nicht sonderlich überzeugt gewesen.

Selbst vor fünf Jahren rechnete ich noch damit, dass wir eine Anschlussfinanzierung brauchen würden. Doch vor allem dank meines Ersparten mussten wir diesen Weg nicht gehen. Wie viel vom Gehalt doch plötzlich übrig bleibt, wenn man nicht jeden Monat brandneue Videospielen kauft :wink: . Wobei es physische Editionen von PC-Spielen heutzutage eh nicht mehr in der Menge gibt wie damals.

Eine Abrechnung

Die beiden Hauskredite sind also abbezahlt. Zeit eine “kleine” Bilanz zu ziehen. Zumindest ich will das alles irgendwo gesammelt haben :smile: . Allerdings mit einer großen Einschränkung – über Geld darf man ja weiterhin nicht so wirklich öffentlich reden. Das lockt einfach die falschen hinterm Ofen hervor. Ja, wir wissen, dass wir in einer privilegierten Situation sind. Aber diese scheiß Missgunst führt schon immer nur dazu, dass sich alle verstecken statt ihr Wissen zu teilen, von dem dann wiederum jeder profitieren könnte. Entsprechend werdet ihr auch in diesem Eintrag keine genauen Beträge finden. Stattdessen rede ich nur von Prozenten. Und die Basis von allem ist mit 100% der Immobilienwert zum Kaufzeitpunkt im Oktober 2015. Da könnt ihr dann irgendeine Zahl eintragen, mit dem ihr am einfachsten rechnen könnt. Der reale Kaufpreis liegt irgendwo zwischen 100€ und 10.000.000€ – Inflationsbereinigt versteht sich.

Diese 100% sind auch der Betrag, den wir finanzierten. Nur die Kaufnebenkosten in Höhe von 13,64% haben wir aus Eigenkapital gedeckt. Die anfänglichen Renovierungen haben dann nochmal 6,25% (Handwerker) bzw. 1,73% (Material) verschlungen. Dazu Möbel, Lampen und Kram – alles in allem haben wir im ersten Jahr 22,97% ins Haus gesteckt. Ich hab‘ grad keine Lust nachzuschauen, wie hoch der Betrag mittlerweile ist :tongue: . Aber im letzten Jahrzehnt haben wir durchaus einiges an der Hütte gemacht. Dürfte also signifikant größer geworden sein. Ob der Hauswert im gleichen Maße gestiegen ist? Keine Ahnung und ist uns auch egal. Es geht schließlich um unseren Wohnkomfort und nicht darum die Casa Lysanda morgen gewinnmaximiert zu verkaufen. Wenn’s nach uns geht, bleiben wir mit unseren (jetzigen und zukünftigen) Katzen hier noch eine sehr lange Zeit sesshaft.

Die Darlehen

Das Arbeitszimmer heute

Unseren Hauskredit haben wir damals über den Makler vermittelt bekommen, der den Hausverkauf abgewickelt hat – will gar nicht wissen, was er dafür nochmal an Provision bekommen hat :smile: . Aber es war ein sehr gutes Angebot bei der Münchener Hypothekenbank und wir hatten wenig Aufwand damit. Banken machen es einem nämlich echt schwer an Geld zu kommen selbst, wenn wie in diesem Fall ein echter Wert als Pfand dranhängt…

Die Finanzierung war zweigeteilt:

Förderung

18,55% kamen von der KfW aus ihrem Wohneigentum-Förderprogramm. Das hat meist besonders günstige Zinsen, ist aber auch etwas restriktiver was die Tilgung angeht. In unserem Fall lag der Sollzinssatz bei 1,65% (effektiv – also mit Gebühren und Kram – 1,66%) und war auf eine Laufzeit von 20 Jahren gerechnet bei 10 Jahren Sollzinsbindung. Der Tilgungssatz lag bei 4,4%. Dieser ist auch unveränderlich über die gesamte Laufzeit.

Erschwerend kommt hinzu, dass die eigentliche Tilgung erst nach dem 1. Jahr startet. Vorher werden euch nur monatlich die Zinsen abgebucht. Der Gedanke dahinter ist an sich löblich. Schließlich ist die finanzielle Situation nach dem Hauskauf/-bau ja vermutlich erstmal stark angespannt. Wir hatten auch unsere Konten damals ziemlich leergeräumt dafür. Aber wenn man das Geld hat, dann ist es freilich ein wenig doof dadurch ein ganzes Jahr Tilgung zu verlieren. Eine Sondertilgung ist bei der KfW ebenfalls nicht möglich. Dafür ist aber halt der Zinssatz unschlagbar. Insofern lohnt es sich vermutlich trotzdem fast immer das mitzunehmen.

Insgesamt haben wir am Ende für den KfW-Kredit 13,3% des Betrags zusätzlich in Form von Zinsen geblecht.

Der Hauptkredit

Den Rest zur Hausfinanzierung steuerte die Münchener Hypothekenbank dazu. Wobei sie sich auch um den KfW-Kredit kümmerte. Also das war ein Paket. Bei der Hyp haben wir das Geld mit einem Sollzinssatz von 2,06% (effektiv 2,08%) bekommen. Die Berechnungsgrundlage war eine Laufzeit von 25,5 Jahren aber ebenfalls nur mit einer Sollzinsbindung von einem Jahrzehnt. Unser anfänglicher Tilgungssatz lag bei 3%, wir haben ihn aber 2021 auf die maximal möglichen 5% erhöht. Hätten wir vermutlich schon früher machen können in Bezug auf unser verfügbares Budget, kam uns aber irgendwie vorher nicht in den Sinn. Niedriger wäre jedoch nicht drin gewesen. Das Minimum waren besagte 3%.

In Bezug auf die Sondertilgungen konnten wir pro Jahr bis zu 5% des Darlehensbetrags einfach so auf das Kreditkonto überweisen (Mindestens mussten es 0,07% pro Überweisung sein). Das vorzeitige Überweisen hat den Vorteil, dass ihr dadurch über die Laufzeit hinweg weniger Zinsen bezahlt. Die Zinsen werden nämlich monatlich auf Basis des Restbetrags berechnet. Ein einfaches Beispiel: Schuldet ihr der Bank noch 100€ bei einem Zinssatz von 1%, dann macht das 1€. Tilgt ihr davon 5€, bleiben 95€ übrig. Somit sinkt auch der Zinsbetrag auf nur noch 0,95€. Insofern macht es eigentlich immer Sinn die Sondertilgungen zu nutzen, wenn man das Geld übrig hat und nicht grad eine fette Rendite an der Börse macht.

Die Anfänge des Fitnessbereichs anno 2019

Wir haben es tatsächlich immer geschafft eine Sondertilgung zu machen. Anfangs haben wir die Entscheidung am Ende des Jahres getroffen, ab 2021 direkt am 1. Banktag im Jahr, um eben möglichst viel Zinseszins-Effekt rauszuholen. 2019-2025 haben wir die vollen 5% überwiesen, 2016 waren es 2,28% und 2017/2018 nur jeweils 0,46%. Wir brauchten unser Budget vermutlich damals unter anderem für den katzensicheren Garten. Immer noch die allerbeste Investition, die wir in den letzten zehn Jahren gemacht haben. Insgesamt haben wir also 38,19% des Darlehens bei der Hyp über Sondertilgungen abbezahlt. Schon irgendwie krass.

Die Zinslast über die Zeit lag (was mich gerade selbst etwas überrascht) auf dem gleichen Niveau wie bei der KfW und zwar bei 13,4%. Selbstverständlich versteckt sich dahinter ein höherer Betrag, da die Kreditsumme signifikant höher ist. Aber, dass der Prozentsatz am Ende dennoch so nah beieinander liegt, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Muss wohl an den Sondertilgungen liegen.

Die Ablöse

Aber selbst mit den Sondertilgungen blieb jetzt am Ende der Sollzinsbindungsfrist noch ein größerer Betrag vom Hauptkredit übrig. Beim KfW sowieso. Die Bank hatte uns dahingehend bereits vor ein paar Monaten ein Angebot zur Anschlussfinanzierung mit überschaubaren 3,27% unterbreitet. Aber faktisch war schon letztes Jahr klar, dass wir wider irgendwelcher unvorhergesehenen Sachen (Auto macht schlapp und sowas) keinen weiteren Kredit brauchen würden. Stattdessen machten wir im Januar die letzte Sondertilgung und “horteten” den Rest auf unseren Tagesgeldkonten für den Tag X. Beim Hauptkredit war das der 30.10.25 – bis zu diesem Zeitpunkt musste die Kohle bei der Bank sein, sonst hätte es fette Verzugszinsen geregnet. Und bei der KfW jetzt am 30.11.2025, da ihr den ersten Monat “frei” habt. Noch so eine Sonderregelung, um euch das Leben etwas zu erleichtern.

Bei der KfW mussten wir noch eine Überweisung in Höhe von 56,52% tätigen für die vollständige Tilgung. Beim Hauptkredit hingegen nur noch 15,53%. Da machten sich besonders die Sondertilgungen, aber auch die Erhöhung des Tilgungssatzes richtig bemerkbar. Bei der KfW ist es wie geschrieben eher eine langfristige, sanfte Angelegenheit.

Um die Beträge zu stemmen, habe ich meinen alten Bausparvertrag (2008) bereits vorletztes Jahr Zuteilungsreif gemacht (um den Treuezins noch einzusacken) und einen meiner Fonds ziemlich rasiert. Entsprechend macht mich aktuell der Blick auf mein Bankkonto etwas traurig :wink: . Aber im Gegenzug freue ich mich selbstverständlich extrem darüber, dass die Casa Lysanda jetzt wirklich uns gehört und wir es sogar geschafft haben lange bevor wir in Rente gehen, also hoffentlich noch eine lange Zeit was davon haben. Insofern passt das schon. Mit dem Wegfall der monatlichen Raten und der Sondertilgungen wird der Betrag auf dem Konto ja auch relativ zügig wieder anwachsen – zumindest erstmal. Dazu gleich mehr.

Grundbucheintrag

Einen Betrag nenne ich jetzt doch noch: 95,20€. So viel mussten wir der Bank zusätzlich überweisen für die Ausstellung der Löschungsbewilligung. Das ist quasi die Bestätigung, dass der Kredit erfolgreich abbezahlt wurde und die Bank es euch erlaubt die dazugehörige Grundschuld aus dem Grundbuch auszutragen. Die Grundschuld ist die Sicherheit für die Bank, dass sie auch tatsächlich (Teil-)Anspruch auf das Haus erheben darf, wenn ihr in den Zahlungsverzug kommt. Mit Beendigung des Darlehensvertrags ist das aber logischerweise hinfällig. Und damit ihr die Grundschuld (auf eigene Kosten) löschen könnt, braucht es besagtes notarielles Dokument namens “Löschungsbewilligung”.

Der Flur anno 2017

Das bedeutet aber nicht, dass ihr gezwungen seid die Grundschuld sofort austragen zu lassen. Sie wird erstmal nur zu einer sogenannten Eigentümergrundschuld. Bei einem Verkauf des Hauses macht das Löschen logischerweise Sinn. Ihr würdet vermutlich sonst keinen Käufer finden. Aber wir wollen ja weiter drinbleiben. Entsprechend haben wir keinen Zwang das Geld für Notar und Gebühren zu investieren (bis zu 0,4% der Grundschuldsumme). Im Gegenteil hat eine bestehende Eigentümergrundschuld wohl sogar Vorteile, wenn ihr bspw. zur Modernisierung wieder ein Darlehen braucht. Möglicherweise bekommt ihr so hier und da bessere Konditionen. In jedem Fall spart ihr euch aber Kosten für eine erneute Grundschuldbestellung.

Wir lassen entsprechend die Eigentümergrundschuld im Grundbuch stehen. Die Löschungsbewilligung haben wir uns nur schon einmal geholt, damit wir sie für die Zukunft griffbereit haben. Es ist schließlich nicht absehbar, wie einfach es sein würde den Wisch in 10 oder 20 Jahren noch zu bekommen.

Epilog

Mit dem Ende des Darlehens und der dazugehörigen Tilgungszahlungen kann unser Bankkonto also wieder anwachsen. Aber Hauseigentümer wissen: Es hört nie auf mit dem Geld ausgeben. Für 2026 haben wir zwar derzeit nichts geplant. Aber die Liste der mittel- bis langfristigen ToDos enthält durchaus noch so einige größere Sachen. So ist unsere Gasheizung auch schon wieder fünf Jahre alt. Entsprechend müssen wir da auch langsam anfangen das Geld für den zukünftigen Ersatz zur Seite zu legen. Dann ist die Hütte auch weiterhin nicht gedämmt. Der Hauseingang gehört mal neu gemacht. Und das Dach dürfte ebenfalls immer noch das Original sein. Ist zwar aktuell noch gut im Schuss, aber irgendwann wird’s halt fällig sein. Von so “Kleinigkeiten” wie Regenrinne oder Kühlschrank ganz zu schweigen.

Also nein, wird immer noch nichts mit FIRE (Financial Independence, Retire Early). Müssen weiterhin malochen gehen, den Konsum ankurbeln und Handwerkerbetriebe unterstützen :smile: .

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