Sicarius

Eine Spielemesse in Köln im Jahr 2018

Ursprünglich hatte ich euch angekündigt, dass ich euch heute etwas über unseren neuen NAS erzähle. Der Eintrag ist auch tatsächlich zum Verfassungszeitpunkt schon sehr weit fortgeschritten. Aber dann ist mir eingefallen, dass letzte Woche die gamescom 2018 stattfand – und da muss ich selbstverständlich meinen Senf dazu geben. Den Bericht zum NAS gibt es entsprechend erst nächsten Montag.

Die gamescom 2018 also. Das wichtigste Thema haben die meisten vermutlich nur am Rande mitbekommen, da für uns informierte Gamer schon Anfang des Monats alles dazu gesagt wurde. Aber irgendwie läuft die Zeit bei manchen Politikern und Verbänden anders oder sie warten immer auf den Punkt der höchstmöglichen medialen Aufmerksamkeit. Aber deswegen widme ich denen gar keine Aufmerksamkeit (wen interessiert schließlich, was der DGB zu Computerspielen zu sagen hat…), sondern erkläre nur kurz, was sich Großes ereignet hat.

Computerspiele machen Nazis!

Through the Darkest of Times (Herstellerbild)

Über das Thema mit den Ländersperren hatten wir zuletzt im Mai gesprochen. Im Ergebnis sind diese auf Steam etwas härter geworden, richten sich aber weiterhin hauptsächlich gegen Spiele mit in Deutschland gemäß §86a StGB verbotenen Symbolen. Im letzten Absatz hatte ich allerdings schon angedeutet, dass plötzlich etwas Bewegung in die Sache gekommen ist aufgrund eines kostenlosen Flashspielchens zur Bundestagswahl. Ich ging von einem kleinen Schritt aus aber zu meiner und vermutlich auch vieler anderer Überraschung brachte die USK am 9. August 2018 eine Pressemitteilung heraus: Sie wird in Zukunft wie die FSK bei Filmen die Sozialadäquanz prüfen (grob gesagt „nutzt das Spiel Nazisymbolik nur weil es cool ist oder steckt mehr dahinter?“) statt wie bisher pauschal solche Titel von der Prüfung auszuschließen. Das erste Spiel, dass diese Prüfung (zumindest für die gamescom-Demo) erfolgreich hinter sich gebracht hat ist Through the Darkest of Times. Sprich es ist trotz Hakenkreuze, Hitler-Gruß und was noch so alles dazu gehört von der USK mit „ab 12 Jahren“ freigegeben worden und darf (wenn sich die finale Version nicht signifikant von der Demo unterscheidet) somit ohne Einschränkungen auf dem deutschen Markt verkauft werden.

Gut, Through the Darkest of Times ist natürlich ein absolut vorbildlicher Titel für so eine Veränderung. Er kommt aus Deutschland, ist ein Strategiespiel, hat einen kunstvollen Anstrich (der Stil soll an vom dritten Reich verbotene Künstler erinnern), es geht um den deutschen Widerstand vor und während des 2. Weltkriegs und es hat schon mehrere deutsche Preise abgeräumt bevor es überhaupt erschienen ist. Dennoch: Es hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Das nächste Call of Duty im 2. Weltkrieg wird sich zwar höchstwahrscheinlich immer noch zensieren müssen, denn Multiplayertitel in denen ihr selbst Nazis spielen könnt, werden es vermutlich schwer haben eine Sozialadäquanz begründen zu können. Aber das nächste Wolfenstein? Die Chancen stehen so gut wie nie.

Ach und die Politiker, Verbände, etc. die sich jetzt aufregen sind der Meinung, dass sowas in Computerspielen nichts zu suchen hat. Man könnte vielleicht argumentieren wegen der Aktivität statt Passivität im Vergleich zum Film aber wo ist wirklich der große Unterschied, ob der Held den Nazi erschießt oder ich den Nazi erschieße? Die Realität ist, dass sie Angst davor haben, dass dadurch die Symbolik plötzlich überall wieder salonfähig wird. Warum das bei Filmen und Büchern bislang keine Gefahr darstellte verstehe ich zwar nicht aber gut ich bin ja auch kein Politiker. Deswegen lasse ich das lieber andere diskutieren und bin froh, dass wir endlich einen großen Schritt weitergekommen sind bei dem Thema.

Die Spiele

Jetzt aber genug von dem Drumherum. Kommen wir endlich zu den wirklich spannenden Themen der gamescom 2018: Den Spielen! Und von denen gab es logischerweise wieder so einige zu sehen. Die Neuankündigungen hielten sich dabei aber leider sehr in Grenzen. Deswegen erwähne ich zusätzlich den ein oder anderen interessanten Titel, der zwar schon seit der E3 bekannt ist aber von dem es nun erstmals mehr Gameplay zu sehen gab und zu dem ich im E3-Eintrag nichts geschrieben hatte. Die Links führen wieder zu den jeweiligen Trailern.

Torchlight Frontiers (Herstellerbild)

Torchlight Frontiers – Ich werde mit der Serie einfach nicht warm. Ich hänge immer noch an Teil 1. Ab und zu mal ein Dungeon-Level aber zu mehr kann ich mich nicht aufraffen. Ich weiß nicht warum, aber anders als bei Diablo will irgendwie kein echter Spaß aufkommen (und dabei macht es noch so viel mehr als die Konkurrenz). Entsprechend interessiert mich der neue Ableger, der auch noch ein MMO werden soll überhaupt nicht.

GeForce RTX 2070/2080/2080 Ti – Zugegeben: Technisch gesehen keine Neuankündigung eines Spiels aber trotzdem eine Neuankündigung, die es in sich haben könnte. Und damit meine ich nicht nur die exorbitanten Preise (die 2070 kostet 639 Euro, die 2080 Ti satte 1.259 Euro). Nein, es geht um die Konzentration auf Echtzeit-Ray-Tracing (deswegen RTX statt GTX), das in den dazugehörigen Spielevideos schon durchaus einen sichtbaren Unterschied machte obwohl nach meinem Verständnis rein von den Taktraten und dergleichen die Karte gar nicht so viel mehr unter der Haube hat als eine 1070 Ti. Das Thema reine Power ist entsprechend zweigeteilt. Der Fokus liegt wie gesagt auf Raytracing. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die normale FPS-Performance nicht den ganz großen Sprung machen wird. Aber das werden wir erst in den ersten echten Tests sehen. Freue mich aber natürlich, dass nach vergleichsweise langer Zeit wieder was potentiell richtig Neues versucht wird (Echtzeit-Raytracing eben) und bin gespannt was da kommt.

The Grand Tour Game (XONE, PS4) – Ach stimmt ja: Amazon hatte 2014 ein eigenes Entwicklerstudio gegründet. Nein, ihr habt nichts verpasst. Die Amazon Game Studios haben tatsächlich bis heute noch keinen Titel veröffentlicht. Und The Grand Tour Game? Interessant finde ich die Idee (wie damals beim MMO und der dazugehörigen TV-Serie Defiance) Spiel und Episoden zu verknüpfen. Sprich die neue Folge geht online, ihr schaut sie euch an und dann könnt ihr es im Spiel quasi nacherleben. Aber das war es dann auch schon. Optisch sieht es nur mäßig aus, spielerisch soll es nach den ersten Berichten ebenso nicht der Brüller sein und die Sprüche gehen einem wahrscheinlich relativ schnell auf den Senkel (obwohl ich durchaus die ein oder andere Folge der Vorgängerserie gesehen habe und die Art britischen Humors zu schätzen weiß). Insofern sicherlich nett für Fans aber ich bleibe dann doch lieber bei den „richtigen“ Rennspielen wie zum Beispiel Forza Horizon 4 im Oktober 2018.

Die Siedler (Herstellerbild)

Die Siedler (PC) – Wisst ihr was Marty Stratton, Executive Producer bei id Software, auf der diesjährigen QuakeCon gesagt hat? Er bereut es DOOM (2016) DOOM genannt zu haben, weil jetzt immer alle die Jahreszahl dazu schreiben. Deswegen heißt DOOM Eternal auch nicht DOOM II. Endlich hat es mal ein Entwickler verstanden, wie scheiße es ist wieder von vorne anzufangen. Und was macht Ubisoft? Nennt den achten Teil der Hauptreihe wieder Die Siedler… Aber kommen wir zum Positiven: Serienerfinder Volker Wertich ist wieder da nachdem EA sein Studio anno 2013 geschlossen hatte (EA Phenomic – unter anderem SpellForce und BattleForge). Der Grafikstil sagt mir aktuell noch nicht ganz so zu (die „realistischeren“ Menschen gefielen mir schon in Teil 5 nicht) aber ich werde mich dran gewöhnen. Wege (weiterhin ohne Flaggen) bleiben relevant und neben etwas Zurückbesinnen auf alte Stärken sollen definitiv so einige vor allem Komfortneuerungen kommen. Ich bin wirklich gespannt was da rauskommt. Ich fand Die Siedler 7 richtig super. Aber aufgrund von Ubisofts-DRM-Maßnahmen damals hat das ja leider gefühlt keiner mitbekommen.

Desperados 3 (PC, XONE, PS4) – Eines kann man THQ Nordic nicht vorwerfen: Sie kaufen nicht alle IPs auf, die sie kriegen können, um sie dann im Schrank versauern zu lassen, sondern machen was damit (bringen sie wieder in den Handel, machen ein Remaster und/oder arbeiten an Nachfolgern). Und während Commandos gerade erst in ihren Besitz übergegangen ist, bekommt nun die ehemalige Konkurrenz aus Deutschland als erstes einen Nachfolger. Und ich muss an dieser Stelle gestehen: Nicht nur habe ich bis heute keinen einzigen Teil der Echtzeit-Taktik-Serie im Wilden Westen gespielt – ich besitze sogar keinen. Sollte mir bei Gelegenheit mal die Complete Collection gönnen, auch wenn sie wohl nicht so einfach unter Windows 10 läuft. Zu Desperado 3 gibt es hingegen aktuell nicht mehr zu sagen. Es kommt, wird vom deutschen Studio Mimimi Productions (Shadow Tactics: Blades of the Shogun) und setzt die Geschichte von John Cooper fort.

The Dark Pictures: Man of Medan (PC, XONE, PS4) – Until Dawn kenn ich mangels Hardware nicht, kann also keinen Vergleich ziehen. Es heißt aber, es wäre das selbe in Grün nur mit anderem Setting und komprimiert (nur 45 Minuten pro Dark Pictures-Episode?). Das erste Gameplay wirkt auf mich sehr unbeholfen und wenig tiefgründig (etwas durch die Gegend laufen, Sachen aufheben, Quick-Time-Events). Hat bei mir keinen wirklich guten Eindruck hinterlassen das Ganze. Da freue ich mich lieber weiter auf Resident Evil 2 (2019).

A Plague Tale: Innocence (Herstellerbild)

A Plague Tale: Innocence (PC, XONE, PS4) – Meine Begeisterung über den Publisher Focus Home Interactive hatte ich glaube ich schon öfters kundgetan. Ja, sie bringen aus Budgetgründen nicht die qualitativ hochwertigsten Titel auf den Markt aber sie machen im Gegenzug einfach ihr eigenes Ding ohne dem nächsten Hype zu folgen und veröffentlichen dadurch viele Geheimtipps. Und A Plague Tale: Innocence gehört da wieder einmal dazu. Das Spiel ist schon länger angekündigt (eine erste Vorschau-Welle gab es im Februar 2017) aber nach den 16 Minuten Spielszenen ist mir überhaupt erst so richtig klar, worum es überhaupt geht und ich muss ganz klar sagen: Mir gefällt wirklich, was ich dort sehe. Es ist eine Eskortmission der anderen Art mit schicker Grafik und hunderten von furchteinflößenden Ratten. Es zeigt mal wieder gut, dass es nicht immer nur weltrettende Action sein muss, sondern auch die ruhigen und linearen Puzzler, in denen es nur um wenige Personen geht, echte Spannung und eine bedrückende Atmosphäre aufbauen können. Außerdem ist Paris während der Pest (1349) ein sehr interessantes Setting, an das sich glaube ich bislang noch gar kein Spiel herangetraut hat? Zumindest fällt mir keines ein. Aus meiner Sicht definitiv ein Titel, der zwar höchstwahrscheinlich nur Wertungen im 70iger Bereich erhalten wird aber den ihr dennoch im Auge behalten solltet.

Fazit

Soweit also meine Meinungen zur den gamescom 2018-Nachrichten. Unterm Strich von außen gesehen heuer keine wirklich spektakuläre Show. Aber nach dem Feuerwerk, das die E3 2018 abgebrannt hatte, war das auch nicht zu erwarten. Stattdessen gab es vor allem mehr Infos zu bereits angekündigten Titeln und damit kann ich leben.

Wie schaut’s bei euch aus? Ward ihr vor Ort? Was fandet ihr interessant? Was habe ich Wichtiges vergessen? Springt doch mal wieder in die Kommentare und gebt euren Senf ab :wink: .

2 Kommentare

Am liebsten würde ich an dieser Stelle einen ausufernden Brandbrief schreiben, wie sehr ich darüber entsetzt bin, wie sehr zusehends das Kommunikationsniveau zwischen Menschen unterschiedlicher Ansichten verroht. Aber das habe ich mir schon bei Computerbase verkniffen und werde es daher auch hier nicht tun. Und ja, es geht um nVidia (vs. die AMD-Fraktion). Beziehungsweise in diesem Falle (gefühlt) „alle gegen nVidia“. Wie kann man nur einen derartigen, abgrundtiefen Hass auf etwas entwickeln, zu dessen Kauf und Nutzung man nicht im Geringsten genötigt wird? Woher kommt diese Arroganz, zu erwarten, dass ein Hersteller X genau das perfekte Produkt für Person Y zum Spottpreis Z herstellen MUSS?

Aber hach… lassen wir das… ich stelle emotionslos fest, dass nVidia neue Grafikkarten zu einem ungewohnt hohen Preis auf den Markt bringen wird. Ob „ungewohnt“ sich in „überteuert“ wandeln wird, kann stand jetzt überhaupt niemand wissen. Für den Moment respektiere ich, dass nVidia die jahrelange Forschungskosten wieder reinholen möchte. Im schlimmsten Falle für ein Feature, dass zu selten genutzt wird und zu viel Performance kostet. Aber auch das wissen wir noch nicht. Immerhin kommt aber mal was Neues. Und ich denke schon, dass auch die Performance in „non-Raytracing-Spielen“ ca. 20-50% über den jeweiligen Vorgängern liegen wird (in 4K). Werde ich mir eine 2080Ti für 1250 € kaufen? Ganz sicher nicht. Ist die Karte 1250 € wert? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wir wissen es einfach noch nicht. Beziehungsweise: der Markt bestimmt den Wert.

Siedler 8: Endlich! Das ist doch mal ne sehr positive Überraschung. Das beste aus Teil 2, 3 und 7 vereint. Wobei mir als Liebhaber von Teil 6 der „look“ gerne noch realistischer sein könnte. Mir ist es tatsächlich zu bunt und comichaft. Aber wenn die Mechanik passt, solls mir egal sein!

Dark Pictures: Sic, du kannst Until Dawn überhaupt nicht mit RE2 vergleichen. Until Dawn und auch Dark Pictures sind spielbare „Trash-Horror-Filme“. Also eher wie ein Heavy Rain kombiniert mit Teenie-Trash-Horror. Until Dawn hat mir gefallen, hätte aber noch viel besser sein können. Insbesondere Mimik und Vertonung haben doch viel Atmosphäre gekostet. Hier erhoffe ich mir Besserung. Für mich aber ein „must-have-Kandidat“.

Ja, dass sich die „Experten“ grad die Köppe einschlagen, statt sich über die technischen Errungenschaften (10 Jahre hat der Deutsche dran gearbeitet glaub ich?) zu freuen und auszutauschen ist schade. Heftig finde ich den Preisansatz zwar schon aber wie du schon sagst: Wir sind nicht die Zielgruppe. Und die Titan X (?) mit ihren 1.000 Euro hat sich ja auch damals gut verkauft soweit ich das verstanden habe.

Aber Wusel-Siedler müssen knuffig sein! Für alles andere gibt‘s doch schon ANNO… :sad: :wink:

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