Sicarius

Körpertuning: Vitamin B3

Mein Twitter-Account

Bevor wir zum heutigen Thema kommen ein bisschen „Housekeeping“: Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, ist die „Tweets“-Box auf der rechten Seite verschwunden. Meine Überlegungen dahingehend hatte ich ja schon im Jahresrückblick 2019 geäußert. Die Tage bin ich nun endlich zur Tat geschritten und habe das dazugehörige Plugin entfernt. Und damit es nicht ganz so leer da drüben aussieht, werden nun statt den letzten fünf die letzten 15 Kommentare angezeigt.

Hintergrund der Maßnahme ist schlicht und einfach, dass ich meinen Twitter-Account schon lange nicht mehr wirklich aktiv nutze. Text von mir gibt es nur noch sporadisch und ansonsten hauptsächlich alle Jubeljahre mal einen Retweet von einem aus meiner Sicht interessanten Artikel oder sowas. Quasi wenig Aktivität, die selbst für meine Handvoll Follower nur bedingt interessant/nützlich ist – für die Webseitenbesucher entsprechend noch weniger. Also weg damit! Bin einfach weiterhin nicht der Social-Media-Typ (ja, besitze immer noch keinen Facebook-, Instragram-, Mastodon-, TikTok-, oder was auch immer aktuell total „in“ ist-Account!).

Positiver Nebeneffekt der Abschaffung: Beim Surfen auf BeimChristoph werden nun ohne eure Aufforderung (z.B. Klick auf ein YouTube-Video) keinerlei externe Inhalte mehr geladen, was nicht nur eure Sicherheit erhöht, sondern natürlich auch die Ladezeiten etwas verbessert. Letzteres ist sowieso noch so eine Baustelle an die ich mal ran muss. In den „Wie schnell lädt die Webseite“-Tests schlägt sich BeimChristoph schon seit Jahren absolut beschissen mit fast 2 Sekunden bis zum vollständigen Seitenaufbau…

Nun aber genug davon. Kommen wir zum eigentlichen Thema:

Vitamine

Eine Sammlung Vitamine

Ich hatte es am Anfang des Eintrags über das Vitamin A schon erwähnt: Der Begriff „Vitamin“ wird als Trivialname bezeichnet, denn er ist irreführend. Erfunden hatte ihn der Biochemiker Casimir Funk und es ist eine Zusammensetzung aus den lateinischen Wörtern „vita“ (Leben) und „amin“ (stickstoffhaltig). Da sich der Herr Funk jedoch in seiner Grundthese irrte (viele „Vitamine“ sind gar keine Amine), verwendet in der Wissenschaft offiziell wohl keiner mehr den Begriff „Vitamin“ für irgendwelche chemische Verbindungen. Da man diese teils ewig langen Bezeichnungen wie „Cholecalciferol“ aber keinem normalen Menschen beibringen kann, wurde als Zugeständnis an Hr. Funk quasi akzeptiert (bzw. vermutlich durch „normale“ Menschen entschieden), dass bestimmte Verbindungen eben zusätzlich Begriff wie „Vitamin D“ oder „Vitamin B1“ tragen – mit den entsprechenden Auswirkungen, dass viele einfach zusätzliche Vitamine erfinden.

Unter diesem Problem leidet besonders der Vitamin-B-Komplex, der wie der Name schon sagt aus den B-Vitaminen besteht. Allein Wikipedia listet 20 Einträge die mit „Vitamin B“ beginnen – der Großteil davon totaler Murks. Offiziell als Teil des Vitamin-B-Komplex anerkannt sind entsprechend aktuell „nur“ diese acht Stück: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 und B12. Lustigerweise haben die technisch gesehen alle nichts miteinander zu tun. Es sind jeweils völlig verschiedene Substanzen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist wasserlöslich zu sein. Aber gut: Man hat sich halt entschieden, dass die alle weiterhin als Trivialname „Vitamin B“ haben. Vermutlich, weil mit 26 Buchstaben das Alphabet auch nicht gerade ergiebig ist was die Möglichkeiten der Namensvergebung angeht :smile: .

Und genau diese acht Verbindungen stehen noch auf meiner ToDo-Liste. Also lasst uns endlich mit dem Abarbeiten anfangen:

Vitamin B3

Vorsicht: Es wird kompliziert. Hinter dem Trivialnamen „Vitamin B3“ verbirgt sich wissenschaftlich gesehen Niacin. Niacin hingegen ist eine Kombination aus Nicotinsäure und der Aminosäure Nicotinamid. Aber nur weil B3 draufsteht, bekommt ihr nicht unbedingt Niacin. Im Handel wird nämlich gefühlt oft kein Unterschied gemacht, ob ihr jetzt Niacin, reine Nicotinsäure (seltener) oder reines Nicotinamid angedreht bekommt, wenn ihr nach Vitamin B3 fragt. Häufig ist es nur Nicotinamid, denn der Vorteil der Aminosäure gegenüber der Nicotinsäure bzw. Niacin als Ganzes ist das Fehlen des „Flush“ sowie ein paar anderer Nebenwirkungen. Am Ende des Tages ist das aber Augenwischerei, denn Fakt ist: Der Körper braucht am Ende Niacin – also beide Stoffe. Aber aufgrund der Namensvielfalt und der – teils gleichwertigen Verwendung in den Quellen – gebe ich ganz ehrlich keine Garantie, dass ich die drei Namen in den nachfolgenden Abschnitten immer korrekt verwende.

Als Flush oder Erröten wird das plötzliche Ausdehnen der Blutgefäße bezeichnet. Die Folge davon ist, dass mehr Blut in die Haut gelangt und man zum einen rot wird und es zum anderen anfängt zu kribbeln und zu jucken. Es steigt die Körpertemperatur ein klein bisschen an (um weniger als ein Grad Celcius) und man fühlt sich entsprechend warm. Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, scheiden sich trotz einiger Studien zum Thema Nicotinsäure wie immer die Geister, ob dieser Flush jetzt irgendwelche Vorteile oder Nachteile hat – oder gar nichts bringt. Die Hauptaussage der Befürworter des Flushs ist, dass selbst die feinsten Kapillare geweitet und mit viel Blut durchgepustet werden. Dieser Punkt ist auch wissenschaftlich unstrittig. Bezweifelt wird die Aussage, dass dadurch die darin eingelagerten Toxine gelöst und entsprechend für die anderen Teilen des Körpers zur Zerstörung freigegeben werden. Die Idee ist, dass normalerweise Histamin von den belasteten Zellen ausgesondert wird, um quasi die Putztruppe des Körpers zu rufen. Aber wenn die Zelle schon zu stark belastet ist, wird sie inaktiv und kann das nicht mehr. Dadurch, dass sie aber dank des Flushs durchgespült wird, könnte sie endlich wieder um Hilfe rufen.

Eine Packung Niacin (angeblich)

Bei irgendwelchen Giften, die sich angeblich im Körper einlagern und die man nur mit Wundermitteln entfernen kann, steht die Alternativmedizin mit der klinischen Medizin gefühlt eh immer auf dem Kriegsfuß. Insofern stehe ich als Laie ehrlich gesagt auch nur da und bin keinen Deut schlauer. Von der reinen Logik her macht es zumindest halbwegs Sinn :smile: . Der Körper gewöhnt sich übrigens sehr zügig daran. Reichen am Anfang schon um die 200mg Nicotinsäure, um einen Flush zu bekommen, können es am nächsten Tag schon 500mg sein, bevor ihr irgendetwas merkt.

Wofür?

Jetzt habe ich schon eine der Nebenwirkungen von Nicotinsäure beschrieben, bevor ich überhaupt erklärt habe wozu Vitamin B3 überhaupt da ist: Niacin befindet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Nicotinsäure ist einer der Bausteine unter anderem der Coenzyme NAD und NADP, die extrem wichtig sind für den Ab- und Aufbau von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Auch bei der Umwandlung von Cholesterin ist es ganz vorne mit dabei. So senkt es das LDL-Colesterin und erhöht stattdessen HDL-Cholesterin. Das wird irgendwann mal ein eigener Eintrag werden aber in kurz: LDL wird als schlechtes und HDL als gutes Cholesterin bezeichnet. Tatsächlich braucht unser Körper aber beides und das Verhältnis (wie viel LDL im Vergleich zu HDL) ist wichtiger als die totale Menge egal ob von LDL oder HDL.

Nicotinamid hingegen hilft bei der Regeneration. Darunter der Haut oder angeblich sogar der DNA. Im Gehirn hingegen unterstützt es beim Aufbau sogenannter Neuotransmitter wie Serotonin, die für die Funktion der Nerven benötigt werden. Entsprechend gibt es Tierversuche bei denen Nicotinamid als Verhinderer/Verbesserer von Alzheimer getestet wird. Außerdem erhöht es die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems.

Ein Wundermittel?!

Klingt auf dem Papier so, als sollte man möglichst viel Vitamin B3 in sich reinstopfen. Die Vorteile sprechen schließlich für sich: Hilft beim Abnehmen/Gewicht halten, macht den Cholesterinhaushalt besser und verhindert Demenz! Ja ne, das lasst ihr mal lieber bleiben. Die Grenze zur Überdosis liegt bei Vitamin B3 vergleichsweise niedrig (ab 1,5-3g pro Tag). „Aber Sicarius, es ist doch wasserlöslich! Spült der Körper das nicht einfach aus?“ Auf gewisse Art und Weise schon, denn ihr kriegt Durchfall und das Kotzen sowie bei dauerhaft hoher Einnahme im schlimmsten Fall wohl auch eine Runde Gelbsucht (Leberschaden). Davor kann im Falle von Nicotinsäure euer Kreislauf stark absacken (wegen dem Flush), es kommt zu einer erhöhten Harnsäurebildung im Blut und ihr habt angeblich ein erhöhtes Diabetesrisiko. Kein Wunder, dass die DGE für Erwachsene nur 11-16mg Niacin pro Tag empfiehlt. Da kommt ihr nicht einmal in die Nähe eines Flushs.

Wie die DGE auf diese Rechnung kommt? Nun, der Nicotinsäure-Bedarf des Körpers hängt vom Gesamtenergiebedarf des Körpers ab. Logisch: Es hilft ja beim Stoffwechselprozess und spielt Metzger für Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Durchschnittlich 6,6mg Niacin werden gebraucht, um die Energie von 1.000 Kilokalorien zu erzeugen. Und wenn man nun einen Energiebedarfsrechner dagegenhält, kommt man meist so bei 2.000-3.000 kcal raus. Somit ist man mit 16mg tatsächlich gut dabei. Folgende Frage, die ich jedoch nicht beantwortet bekommen habe bei meinen Recherchen: Ist das jetzt nur der Bedarf für den Stoffwechselprozess oder wird damit auch der Nicotinamid-Bedarf gedeckt? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit redet davon, dass 10mg/Tag an Nicotinsäure und 900mg/Tag Nicotinamid nicht überschritten werden sollten. Da wäre ich mit 16mg Niacin dann doch etwas weit weg von in Sachen Nicotinamid. Allerdings liegt laut DGE die tatsächlich zugeführte Menge an Niacin-Äquivalenten (Niacin oder Tryptophan in 60facher Menge) sowieso zwischen 25 und 30mg. Insofern…

Woher?

Grundsätzlich kann unser Körper Niacin selbst herstellen. Das passiert in der Leber und die braucht dazu vor allem Tryptophan. Man geht davon aus, dass 60mg Tryptophan zu 1mg Niacin werden. Weitere Co-Faktoren für diesen Stoffwechsel sind jedoch Vitamin B2 und B6. Also ohne die, gibt es trotz genug Tryptophan kein Niacin. Aber sowohl Nicotinsäure, Nikotinamid als auch Tryptophan kommen in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in vergleichsweisen hohen Mengen vor. Speziell Fisch mit z.B. 8,5mg/100g Thunfisch oder Pilze wie 6,5g/100g Pfifferlinge sind genauso wie Innereien (Hühnerleber hat 11,6mg/100g) oder das gute alte Schweineschnitzel (4,3mg/100g) gute Lieferanten. In Naturreis sind hingegen 5,2mg/100g und in weißen Bohnen immerhin noch 2,1mg/100g.

Haferkleie enthält auch B3

Entsprechend selten ist ein echter Vitamin-B3-Mangel und damit die Notwendigkeit zur Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland ohne zusätzliche Gründe wie z.B. Alkoholismus, Magersucht oder grundsätzlich eine entsprechende Stoffwechselstörung. Ein größeres Problem ist es in ärmeren Ländern mit einseitiger Ernährung wo beispielsweise viel Mais und Maisprodukte gegessen werden. Da ist zwar Niacin drin, das kann aber vom Magen-Darm-Trakt nur sehr schlecht verarbeitet werden. Die schwerste Version einer Vitamin-B3 Hypovitaminose wird als Pellagra bezeichnet. Ansonsten gibt es noch Hautveränderungen wie Dermatitis oder Schuppen, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Appetitlosigkeit, Depressionen und noch viele weitere, lustige Dinge.

Anders als die anderen wasserlöslichen Vitamine ist B3 auch etwas unempfindlicher gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Ihr habt es also zwar trotzdem im Kochwasser aber es wird nicht gleich im Backofen/Mikrowelle zerstört.

Fazit

Versteht ihr jetzt, warum ich die B-Vitamine schon so lange vor mir herschiebe? Es ist echt kompliziert bei der Gruppe. Und nein, es wird bei den anderen B-Vitaminen nicht viel besser. Nach meiner ganzen Recherche zu Vitamin B3 muss ich ganz klar sagen, dass ich total verwirrt bin. Es scheint mir als würde nicht nur der Trivialname, sondern auch der Begriff „Niacin“ zu oft völlig falsch und widersprüchlich verwendet werden. Mein abschließendes Verständnis – soweit mich keiner in den Kommentaren vom Gegenteil überzeugt – ist: Nicotinsäure und Nicotinamid haben zwei völlig unterschiedliche Rollen im Körper (die Säure im Stoffwechsel und das Amid für Haut und Nerven) und werden beide gebraucht. Sie haben nur so viel miteinander gemein, dass sie halt beide eine ähnliche Struktur haben (Nicotinamid hat statt einem OH ein NH2) und die Leber sie aus Tryptophan bilden kann. Aber sie unter einem Namen zusammen zu fassen macht für mich mittlerweile irgendwie absolut keinen Sinn mehr.

Aber gut: Wie handhabe ich es? Ich nehme seit einiger Zeit etwas Vitamin B3 täglich zusätzlich, da ich einen Jod-Mangel habe und das dort ein Co-Faktor ist. Anfangs hatte ich nur Nicotinamid als Teil eines Vitamin-B-Komplexes. Den habe ich aber zu Gunsten der Einzelzufuhr der Vitamine aufgegeben und bin im Falle von Vitamin B3 nun (angeblich?) auf Niacin umgestiegen. Hatte auch tatsächlich 2-3mal einen Flush. Aber ansonsten ehrlich gesagt noch keine anderen positiven oder negativen Auswirkungen gespürt. Insofern schauen wir mal, wie lange ich das noch beibehalte.

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