Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #29

Eigentlich hatte ich Folge 29 erst für kommende Woche angekündigt. Ich dachte mir, dass es vorher keine berichtenswerten Ereignisse geben würde. Schließlich kommt erst heute die geballte Ladung Handwerker und die Antwort auf die spannende Frage: Werden wir am Ende noch fließendes Wasser haben?! Aber irgendwie habe ich mich da sehr getäuscht.

Wasserpanik

Die heutige Wasserinstallation

Es fing schon am Mittwoch mit besagtem Wasser an. Es kam Post von den Stadtwerken. Soweit, so normal: Wir hatten ja nun einen offiziellen Antrag für einen Wasseranschluss gestellt und das muss selbstverständlich schriftlich bestätigt werden. Blöd nur, dass dieser Bestätigung weitere Formulare beilagen in denen wir angeben sollten wer denn die Inneninstallation vornimmt. Und derjenige müsse zudem bestätigen, dass diese Vorschriftsmäßig vorgenommen wurde. Vorher gäbe es keine Wasseruhr/Wasserzähler. Jetzt werdet ihr euch genauso wie ich mich fragen: „Aber ihr habt doch ein Bestandshaus. Die sollen sich doch einfach nur an die bestehende Installation anschließen?!“ Ja, ne so einfach ist das wohl nicht.

Zum einen ist das Haus für die Stadtwerke wie erwähnt nicht vorhanden. Sie liefern zwar fleißig über eine separate Wasseruhr beim Nachbarn Wasser hierher (und schicken jährlich eine Rechnung) aber das heißt eben nicht, dass es offiziell existiert. Zum anderen ist das Wasserwerk ausschließlich bis einschließlich Wasseruhr zuständig. Die Verbindung zwischen dieser und der Hausinstallation machen die nicht. Ist natürlich verständlich, denn es geht wie so oft im Bau um das Thema Gewährleistung. Aber wir reden in unserem Fall von 50 bis maximal 100cm Rohr, die zwischen der neuen Wasseruhr und dem bestehenden Hausnetz verlegt werden muss.

Woher ein Wasserinstallateur?!

Also stand ich am Mittwochmittag, 12.2. da und musste mir überlegen wo ich pünktlich zum 17.2. einen Installateur herbekomme, der nur kommt, um besagten Meter Rohr zu verlegen. Mal von den unnötigen Kosten abgesehen (allein schon für die Anfahrt), wachsen Handwerker aktuell bekanntlich nicht auf den Bäumen. Naja, in meiner Verzweiflung habe ich einfach mal das Wasserwerk (als ausführende Kraft der Stadtwerke) angerufen und nachgefragt, ob deren Monteure das nicht mitmachen könnten. Die Antwort des dortigen Bearbeiters: Wenn es weniger als fünf Meter sind und ich damit leben könnte, wenn es ggf. nicht ganz so schick aussieht machen sie es mit. Schon mal gut. Anschließend nochmal bei den Stadtwerken nachgefragt, ob das auch bei denen ein gangbarerer Weg ist – bringt ja nichts, wenn die Wasserwerkmonteure den Wisch unterschreiben und die Stadtwerke ihn dann nicht anerkennen – und ebenfalls grünes Licht bekommen. „Bullet dodged“, wie man im Englischen sagt – zumindest in der Theorie. Was sie heute dann tatsächlich machen werden steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass eben die heutige Wasseruhr beim Nachbarn hängt. Die muss ja abgestellt werden, um den Schwenk zu vollziehen. Aber der gehört natürlich auch zum arbeitenden Teil der Bevölkerung. Insofern konnte ich trotz Rücksprache nicht sicherstellen, dass dort jemand Zuhause ist, wenn die Wassermonteure dann da ranmüssen. Ihr versteht also sicherlich nun, warum ich zum Verfassungszeitpunkt keine Ahnung habe, ob wir heute Abend überhaupt noch fließendes Wasser in diesem Haus haben werden. Drückt uns die Daumen :smile: .

Tiefbaupanik

Der Zustand im öffentlichen Grund

Der Donnerstag begann dann vielversprechend: Die Tiefbaufirma war wie angekündigt angerückt, ich sprach mit dem Vorarbeiter nochmal alles durch und sie machten sich an das Werk. Zuerst wollten sie an der Grundstücksgrenze das im Plan der Stadtwerke eingezeichnete Abwasserrohr suchen. Die Stadtwerke waren sich nämlich selbst nicht sicher, ob das tatsächlich existiert. Immer gut, wenn man seinen eigenen Unterlagen nicht vertraut. Aber gut: Es wurde gefunden. Nicht ganz da, wo es eingezeichnet war, aber in Reichweite.

Quasi alles gut? Nein, es klingelte nämlich plötzlich das Telefon. Es war die Firma, die den Gasanschluss herstellen soll. Sie wären vom Tiefbauer angerufen worden mit dem Hinweis, dass dieser den Tiefbau im öffentlichen Grund nicht machen würde. Im gleichen Moment – ich war noch im Gespräch mit dem Kollegen – rief auch das Wasserwerk an und fragte was los ist. Ich fiel ebenfalls aus allen Wolken. Zum einen, weil der Tiefbauer vor der Tür steht und nicht erst mit mir gesprochen hat und zum anderen, wie so eine Aussage zustande kommt. Er wusste doch, dass ich den Tiefbau genau deswegen aus einer Hand machen lassen wollte, damit ich alle Versorger unter einen Hut bringe.

Woher einen anderen Tiefbauer?!

Naja, sowohl Gas als auch Wasser erklärt, dass da was nicht passt, aufgelegt und sofort rausgegangen. Aussage des Tiefbauers: Er wollte noch mit mir darüber sprechen. Die Aussage wäre zum einen entstanden, weil sie ja das Abwasserrohr (zur Erinnerung: der Tiefbauer verlegt das Abwasser mit) gefunden hatten und selbst nicht mehr in den öffentlichen Grund müssten. Und zum anderen, weil im Angebot das nicht mit eingepreist war. Stimmt: Die Asphaltdecke war tatsächlich nicht im Angebot enthalten obwohl die Chance bestand, dass eben kein Abwasserrohr bereits bis ins Grundstück vorhanden war. War mir nicht aufgefallen. Aber genau dafür hatten sie ja doch eine verkehrsrechtliche Anordnung eingeholt? Sehr komisch. Egal: Ich habe klar gemacht, dass sie auch im öffentlichen aufgraben müssen obwohl dadurch natürlich die Rechnung im Vergleich zum Angebot teurer wird. Sonst hätte das alles ja überhaupt nicht mehr funktioniert.

War im Nachhinein übrigens selbst für die Abwasserkollegen die richtige Entscheidung. Sie haben nämlich festgestellt, dass der bestehende Straßenübergang nicht nutzbar ist. Warum auch immer war er voller Dreck und mittendrin kaputt. Insofern hätten sie also so oder so im öffentlichen Grund aufmachen müssen.

Abwasserrohrpanik

Hilfsbereite Monteure

Wir sind immer noch am Donnerstag. Hof und Garageneinfahrt werden mehr und mehr zu einer großen Grube und ähnlich wie damals bei unserer Innenrenovierungen tauchen Überraschungen auf. So verlaufen auf unserem Grundstück irgendwie wesentlich mehr alte Abwasserrohre (aus Keramik) als wir erwartet hatten. Ich dachte es gäbe nur eins bis in die alte Klärgrube. Aber nein: Es verläuft noch ein komplett weiterer Strang nicht nur quer über den Hof von und in die Nachbargrundstücke hinein. Es gibt sogar noch eins zu unserem hinteren Nachbarn (der mit der Wasseruhr), circa 40-60cm tiefer als das aktive Abwasserrohr, das wir mit dieser Maßnahme ersetzen wollen. Wad?! Warum?! Weshalb?! Wieso?! Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe inständig, derjenige, der damals das Keramikrohr stillgelegt und das Kunststoffrohr mit Minderdeckung verlegt hat hatte gute Gründe dafür.

Naja, wir können sie nicht benutzen also lassen wir sie (erneut mit Mehrkosten verbunden) soweit sichtbar rausmachen. Zumal sie die neue Trasse teilweise queren und somit stören. Da wurden sie auch bereits zerstört und entfernt. Der Rest kommt dann vermutlich heute raus.

Toilettenpanik

Im Verlauf des Donnerstagnachmittags stellten wir plötzlich fest, dass der Toilettenabfluss nicht mehr so gut funktioniert. Es läuft zwar ab, braucht aber einen Moment. Klassisches Zeichen für eine Verstopfung. Blöder Zeitpunkt dafür, schließlich wird irgendwann im März das alles im Keller umgebaut, um mehr Gefälle reinzubringen. Aber bei 0% bis max. 1% heutigem Gefälle im Keller war es nur eine Frage der Zeit, dass uns das mal wieder passiert. Lysanda stellte zwar die Frage in den Raum, ob es mit den Bauarbeitern zu tun haben könnte aber da die zu dem Zeitpunkt am alten Abwasserrohr noch nichts gemacht hatten, verwarf ich diesen Gedanken. Spoiler: Es hatte mit ihnen zu tun.

Also erstmal geschaut, ob man mit Hausmittel (Rohrreiniger und Co.) der Sache zu Leibe rücken kann. Half aber nicht. Freitagmorgens war das Problem nicht nur immer noch da, es wurde auch langsam aber sicher schlimmer (die Rohre wurden schließlich immer voller). Also brauchte ich irgendetwas zum Reinigen der Rohre. Da ich aber wenig Vertrauen in die 08/15-Spiralen habe, kam Lysanda auf die gute Idee ob es da nicht was für unseren Kärcher K4 gibt. Und tatsächlich hat die Firma da was im Angebot. Aber in welchem Baumarkt werde ich das jetzt auf die Schnelle bekommen? Nun, tatsächlich im toom um die Ecke wo ich es am allerwenigsten erwartet hätte. Online ist es dort nämlich gar nicht gelistet, im Gegensatz zum Bauhaus deren angeblich geringe Menge im Markt sich als nicht vorhanden rausstellte (Stichwort: Onlinereservierung). Hatte ich schon erwähnt, dass die Inventarpflege bei Baumärkten zu wünschen übrig lässt? Hatte ich? Okay.

Woher kommt die Verstopfung?!

Der Übeltäter

Glücklich über den Fund (und um 70 Euro für das Dachrinnen- und Rohrreinigungsset ärmer) ging es zurück nach Hause. Erstmal das Klo abgehängt und von oben mit dem Reinigungsset gearbeitet aber keinen Widerstand gefunden. Wasser lief auch immer noch nicht wie erwartet ab. Selbst nach dem Spülen im Keller an einer unserer vielen Spülstellen passierte irgendwie keine großartige Veränderung. Es tropfte nur plötzlich das Wasser von der Decke unter dem Klo – sehr schlechtes Zeichen. Aber wie sagte Lysanda? Ein Problem nach dem anderen. Zu dem Zeitpunkt gingen mir allerdings die Ideen aus. Ich hatte schließlich in alle Richtungen gespült. Da hatte ich dann plötzlich den entscheidenden Geistesblitz. Ich öffnete die Haustüre und schaute hinüber zu unserem Rückstaudoppelverschluss. Und tatsächlich: Die Notfallklappe war geschlossen. Einer der Bauarbeiter muss sie aus verstehen getätigt haben. Also aufgemacht und siehe da: Das Wasser floss wieder. Ich hatte mal wieder Ockhams Skalpell nicht beachtet oder wie Lysanda sagte: Immer erst die Veränderung betrachten.

Blieb das neue Problem, dass wir das Klo nicht mehr dicht bekamen. Egal was wir bei der Rückmontage versuchten, es floss immer Wasser die Wand hinunter. Lysanda – als weibliches Wesen angewiesen auf eine Sitzmöglichkeit – fing so langsam an in Panik zu verfallen. Im Prinzip blieb nur noch einen Klempner zu rufen. Aber wir hatten ja mit Abwasser vertraute Monteure im Hof. Also ging ich erstmal diese Route und frage freundlich, ob sie uns vielleicht helfen konnten. Konnten sie: Sie stellten fest, dass die Dichtung im Rohr vom Wasserbehälter zur Toilette nicht mehr dicht wurde. Sie musste aber nicht getauscht werden. Es reichte sie gegen die Dichtung auf der anderen Seite (in der Toilette) auszutauschen. Problem gelöst. Ein halb überschwemmtes Badezimmer aber Lysanda konnte wieder ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Nein, nicht Putzen. Das habe ich dann gemacht. Ihr seid manchmal echt sexistisch…

Epilog

Ein verschütteter Graben

Im Verlauf des Freitags wurden noch drei Kernbohrungen (Wasser, Abwasser, Gas) vorgenommen, der öffentliche Grund (wie abgesprochen) aufgegraben und der Graben auf dem Grundstück soweit fertig gemacht, dass es heute theoretisch direkt losgehen könnte mit der Leitungsverlegung. Was die Tiefbauer allerdings zum Verfassungszeitpunkt noch nicht wissen: Sie haben scheinbar einen Teil unserer Pflastersteine ungünstig gelagert. Auf einem guten Stück ist irgendwann in der Nacht alles in sich zusammengefallen und ein Teil des Grabens nun wieder verschüttet. Das wieder zu beheben wird dann wohl ihre erste Aufgabe sein. Zum Glück sind weder unsere Haustürtreppe noch die Mauer gegenüber mit eingestürzt.

Und damit müsste ich alles berichtet haben, was es zu den zwei Tagen berichtenswertes gibt. Wie gesagt wesentlich mehr als erwartet. Mal schauen wie es heute und morgen aussieht. Geplant ist, dass morgen Abend in Sachen Außenarbeiten alles fertig ist. Ganz glaube ich da noch nicht dran. Aber ich werde euch kommenden Montag sicherlich ausführlich berichten.

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